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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldstrom bis goldsucher (Bd. 8, Sp. 854 bis 857)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldstrom, m. , poetisch auch goldesstrom.
1) strom flüssigen goldes (zu strom II B 1 b, sp. 19 unten). gewöhnlich in bildlichen zusammenhängen:

wenn du im überflusz, der dich umfliest,
vielleicht von kräutern und von nesseln lebst,
du würdest, glaube mir, nicht anders leben,
wenn dich Fortuna straks bis an den hals
in einen goldstrom sezte
Wieland Horazens briefe 1 (1782) 181;

er scheint auf gold zu wandeln, staub ist ihm
das glänzende metall, er wälzt sich wohl
im goldesstrom, wie alte fabeln uns
von drachen singen, welche schätze hüten
Tieck schr. (1828) 3, 282.

von hier aus in verschiedenen übertragungen und vergleichen; zu strom II B 1 b, sp. 21:

so aus der mauerspalte
am halbverfallnen dom
ergosz sich unaufhörlich
ein gold- und silberstrom
(von herbeigezauberten münzen)
Rückert ges. poet. w. (1867) 4, 266.

und freier 'strom von gold und geld', 'reichtum' (vgl.goldflut): diese (leinwand) würde aber durch irländische verdrängt werden, und der goldstrom für englische manufakturen zusammengenommen noch reichlicher nach Britannien flieszen A. H. v. Bülow blicke a. zukünft. begebenh. (1806) 79; eine ostindische kompagnie ... werde den goldstrom, der bisher Spanien zugeflossen sei, auch nach Deutschland leiten Ric. Huch d. grosze krieg (1920) 2, 382. auf lichtwirkungen übertragen, vgl. DWB strom II B 1 b γ, sp. 20 unten: im sogenannten langen abendthal des parks, durch welches aus der untergehenden sonne ein schwebender goldstrom fiel Jean Paul w. 1, 166 Hempel; indessen draussen die feurigen goldströme (des morgens) um alle hütten spielten Stifter s. w. 2 (1908) 93. im vergleich vom haar oder kornfeld, vgl. DWB strom II B 1 b δ, sp. 21:

und dise marber bahn (gemeint ist die stirn der angedichteten) ist gleichsam das gestad
des fliessenden gold-stroms, darauff sich straf und gnad
mit keuschheit und mit lieb stehts in gespihlschafft findet
Weckherlin ged. 2, 319 Fischer;

eine schöne ... frau in der kleidsamen ... landestracht, über welche die sorgfältig gewundenen gelben flechten herabhingen, zwei goldströmen gleich, die sich ergieszen über dunkeln grund Jer. Gotthelf ges. schr. (1856) 15, 146;

ich sah es (das weizenfeld) nur so im vorüberreiten
wie einen goldstrom in die dämm'rung gleiten zeitung a. d. j. 1915.

von soldaten in goldglänzender montur, vgl. DWB strom II B 2 a, sp. 23 unten:

wie ein flüsz'ger goldstrom werfen jetzt vom sand'gen palmenhügel
sich der kürassier schwadronen thalwärts mit verhängtem zügel
Gaudy s. w. (1844) 7, 21.


2) goldführender flusz: der goldstrom (der über goldsand hinrollende paradiesstrom Pison) wand sich um sie (die insel) herum, wie eine schöne schlange maler Müller w. (1825) 1, 51. —
 
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goldstrotzend, adj., was goldstarrend: bald war er von einer gruppe ... in goldstrotzende uniform gekleideter civilbeamten umgeben B. Auerbach schr. (1892) 17, 117; an den gold- und silberstrotzenden schreinen hatte ich lange nicht die freude, wie an den ... opferbildern Rosegger schr. (1895) I 8, 178.
 
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goldstück, goldstücke, n. , obd. begegnen auch umlautlose formen des grundwortes. zum nebeneinander von goldstücke, goldstück, goldstücker, goldstücken im nom. acc. plur. vgl. s. v. stück. in der unter 3 aufgeführten bedeutung steht die adjektivische composition goldenstück,

[Bd. 8, Sp. 855]


güldenstück gleichwertig neben goldstück, vgl. s. v. güldenstück sp. 1065 und die kopfbemerkung sp. 1063 (anders guldenstück sp. 1068).
1) ein stück unverarbeitetes gold: ein mensch werter denn goldesstücke aus Ophir Jes. 13, 12; die goldstücke (pepite, nuggets) haben äuszerlich zuweilen ein geschmolzenes, getropftes ansehen Muspratt chemie (1888) 3, 1682; vgl. ebda 1754.
2) münze aus gold. a) in der am reichhaltigsten bezeugten, noch heute gemeinhin bekannten bedeutung 'als zahlungsmittel geprägte goldmünze', nummus aureus. in dieser bedeutung kann das wort jede beliebige zu den verschiedenen zeiten in den verschiedenen ländern gültige goldmünze bezeichnen, doch verbindet sich gewöhnlich mit der allgemeinen bedeutung eine prägnante vorstellung, die im einzelfall nach einer geschichte des münzwesens zu bestimmen ist: daher es kein wunder, dasz er ... sein zeit fast mit beschauen der gulden goldstuck vnd alter müntz ... vollbracht (zur tautologischen bezeichnung vgl. s. v. goldgulden) Fischart binenkorb (1588) 233b; dessen zu sicherlichem zeugnusz zeigete er dem Dametas eine ziemliche anzahl goltstücker Opitz Sidneys Arcadia (1638) 191; damit warff er ein goldstück von zehen bis zwölff thalern auff den tisch Chr. Weise erznarren 61 ndr.; als sie ... die goldstücke auf dem tisch klingeln hörte Hebel w. 2, 147 Behaghel; sehr schön sind deine verse, rief Kamala, wenn ich reich wäre, gäbe ich dir goldstücke dafür Herm. Hesse d. weg nach innen (1932) 69. häufig mit sprechendem beiwort: es ist auch der besten hertzstärckung eine, dasz man vil vnnd offt wein trincke, darinn ettliche gute goldstück abgelöscht seien, bisz er wol warm daruon worden Gäbelkover artzneyb. (1595) 1, 167 (vgl. zur sache hdwb. d. dt. aberglaubens 6, 627; ferner ebda 3, 610; 620; 621; zwar wenig aber feine grosze wichtige goldstücken, die zehenmahl mehr betragen als der grosse hauffe des ungültigen lumpen-geldes Carpzov leichpred. 2 (1698) 716; die reizende farbe neuer goldstücke Göthe I 22, 95 W.; um dieser schönen goldstükke willen, die alle frühjahr ihnen zuflogen Bahrdt gesch. s. lebens (1790) 1, 232; er trat an das tischchen und zählte ein dutzend blanker goldstücke neben das lämpchen hin P. Heyse romane u. nov. (1904) II 2, 281; (sie) küszte die glänzenden goldstücke G. Keller ges. w. (1889) 4, 295. zuweilen im collectiven singular:

und der vater sondert im pulte das seltene goldstück
Göthe I 50, 204 W.;

wenn der tägliche verkehr neben dem goldstück kleinere münze (scheidemünze) aus silber, kupfer, nickel usw. nötig hat Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 4, 304. übertragen oder in bildlichem zusammenhang als inbegriff des wertvollen: gott der allmächtige hat dir ein gelt eingehändiget, vnd zwar lauter goldstuck, nemblichen die guldene zeit Abr. a s. Clara Judas (1686) 1, 561; in einigen dieser bücher (des alten testaments) ist eine summe von goldkörnern und goldstücken der weisheit Herder 10, 108 S.; alle leidenschaften rauben uns einen theil unserer vernunft und geben uns, statt des goldstückes, das wir wechseln wollen, falsche scheidemünze Lavater handbibl. f. freunde (1793) 2, 31; es geht mir damit (mit dem Faust II) wie einem, der in seiner jugend sehr viel kleines silber und kupfergeld hat, das er während dem lauf seines lebens immer bedeutender einwechselt, sodasz er zuletzt seinen jugendbesitz in reinen goldstücken vor sich sieht Göthe gespr. 7, 162 W. v. Biederm.; wer höflichkeit bis zum opfern realer interessen treibt, gleicht dem, der ächte goldstücke statt rechenpfennige gäbe Schopenhauer w. 4, 517 Gr. entlegener im vergleich mit dem klang der münze: (Hamlet:) gebe gott, dasz eure stimme nicht wie ein abgenutztes goldstück den hellen klang verloren haben mag Shakespeare 3 (1798) 219. b) auch schaumünze (medaille), ziermünze: 'gold-stück ist ein goldner schaupfennig, welcher keinen gewissen gangbaren müntz-werth hat' allg. haush.-lex. (1749) 1, 610b.

[Bd. 8, Sp. 856]



3) aus goldfäden gewirkter stoff, pannus aureus, drap d'or. dasselbe wie DWB güldenstück (s. d.), goldstoff (s. d.). im 17. und bis zur mitte des 18. jhs. literarisch recht gut bezeugt; vereinzelt noch bis ins beginnende 19. jh., obgleich schon Adelung versuch 2 (1775) 747 den gebrauch auf die umgangssprache eingeschränkt sieht; heute nicht mehr sprachläufig: die liebe ... verschmehet so bald einen scepter für einem hirten-stabe, als gold-stück für einen leinenen kittel Lohenstein Arminius (1689) 2, 470b; in goldstück und purpur will ich den Alhafiz kleiden, rief Nureddin aus Fouqué zauberring (1812) 3, 25. von, aus goldstück, attributiv oder prädicativ für goldstücken (s. d.): statliche zelten, ausz lauter gewirckter seiden, sammet, golt- vnnd silber-stück Spee güld. tugendb. (1649) 281; mein sohn hatte eine weste von goldstück Hafner ges. schr. (1812) 1, 52; das ... hauptzelt des feldherrn, welches von seide und goldstück war Lohenstein Arminius (1689) 1, 60a. seltener mit artikel oder im plural:

... sind diss die purpur-binden,
das goldstück, das dich deckt?
A. U. v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 996;

die (beim schneider) überbliebene fleckel, und sonderlich von denen gold- oder silberstucken Abele künstl. unordnung (1670) 1, 106; man verfertigt daselbst (in Persien) noch heutzutage die kostbarsten goldstücke Haller Usong (1771) 201. metonymisch erweitert für das aus goldstoff verfertigte gewand:

die sternen buhln der nacht, ziehn ihr ihr goldstück an
Lohenstein Arminius (1689) 1, 1129b.

im bild, an den trügerischen und eitlen glanz des goldes anknüpfend: dass unter dem goldstücke der wollust lumpen, unflat, seuchen und aas verstecket liegen Lohenstein Sophonisbe (1680) 2, 6.
4) für jeden beliebigen goldenen gegenstand, vgl. 'solidi auri caelatura', 'auramentum' Steinbach dt. wb. (1734) 2, 755.
5) umgangssprachlich auch als scherzhaftes kosewort: mein goldstück u. ä.
 
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goldstückchen, n., dimin. zu goldstück 1: des ritters edler gaul ... in dem mit gold- und silberstückchen belegten geschirr Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 30, 182. —
 
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goldstücken, adj., entrundet goldsticken, singulär goldstuckend, zu goldstück 3, wie bedeutungsgleiches DWB goldstoffen zu goldstoff (s. d.). dasselbe wie güldenstücken sp. 1065 (vgl. kopfbemerkung ebda sp. 1063): ein stul mit einem goldstuckenden tuch bedeckt Joh. Nas antipap. eins u. hundert (1567) 1, 169b; sie hat sich z. e. einen goldstückenen unterrock machen lassen vernünft. tadlerinnen (1725) 2, 364 Gottsched. möglicherweise von goldgestickt (s. d.) beeinfluszt: die eine helffte ... hatte äpflichte blau-schimmel mit himmel-blauen gold-stückenen decken Lohenstein Arminius (1689) 2, 506a; eine ... goldstickene schlapphaube Z. Werner briefe (1914) 2, 78. —
 
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goldstücklein, n., was goldstückchen: bracteae, & scintillae auri purissimi in saxo candido duro ... rohtgediegen goldtstücklein in einem harten weissen stein Ruland lex. alchim. (1612) 94. —
 
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goldstücker, m., s. goldsticker. — goldstückerei, f., s. DWB goldstickerei.
 
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goldstufe, f. , goldstuff, m.
1) mineral. 'ein stück reiches golderz', zu 2stufe 2, sp. 307: balluca goldtstueff, vngeleutert goldt Frischlin nomencl. (1586) 147b; von dem arabischen bergwerck der Nomadum schreibt man, das sie der goldstuffen so grosz als die bonen und eicheln ein uberflusz gehabt haben Albinus meisznische bergkchron. (1590) 56;

da schimmert in der wurzeln
verworrenem geflecht
die schwere goldesstufe,
gediegen, rein und ächt
Gaudy s. w. (1844) 11, 100.

übertragen und in bildlichem zusammenhang: sobald ich hinaustrete ..., so stehen alle berge von der zerschmolzenen goldstufe, der sonne, überflossen da Jean Paul w. 1, 21 Hempel. besonders als inbegriff des wertvollen:

[Bd. 8, Sp. 857]


wie nun die schrifft bergleut vnd der bergwerck offt erwehnet, so gedenckt sie auch der goldstuffen, so Christo vnnd seiner kirchen mitgetheylt sein Mathesius ausgew. w. 3, 436 L.; mit dem grosen Engländer Flud, dessen schriften wie ein bergwerk voll goldstufen unbenuzt da liegen, hatte er gar viel ähnliches Schubart leb. u. gesinn. 1 (1791) 167; und wenn das feste gestein, das sie zerstuften ..., auch ... noch kein ... erz enthielt, so haben sie (die scholastiker) doch ... den felsenboden gesprengt, ... um ... später ... gediegene goldstufen zu erheben Brinckmann filosof. ansichten (1806) 109.
2) für den golderzgang, zu 2stufe 1, sp. 307; vgl. Kramer t.-ital. 1 (1700) 546c s. v. goldstolle und Adelung versuch 2 (1775) 747. —
 
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goldsuche, f., was goldsuchen, subst.: Rondon würde mit sicherheit seine goldsuche nicht bis in die regenzeit hinein fortgesetzt haben v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 138. —
 
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goldsuchen, subst. vb. 1) der alchimistische versuch, gold herzustellen: sie dürfen nur einen laboranten dingen, dem durch das miszlungene goldsuchen, nebst verschwendetem vermögen, der verstand verrückt worden Lichtenberg verm. schr. (1844) 5, 81; als Böttiger beim goldsuchen die Meiszener porzellanerde fand Justi Winckelmann (1866) 1, 271. 2) das suchen nach natürlichen goldvorkommen: es war von seiten Tupys ein sehr geschickter zug ... gewesen, dass er uns beschuldigt hatte, goldsuchende abenteurer zu sein v. d. Steinen naturvölker Zentralbrasiliens (1894) 10; im bild: seine (des menschen) gedanken seglen kriegsbrütend und goldsuchend wie mächtige schiffe in die ferne Cl. Brentano Godwi (1801) 2, 96.
 
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goldsucher, m.
1) goldmacher, alchimist: das ein gemeiner goldsucher zu einem bettler werde, das hat in der natur ... gnugsame prob und erfahrung Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 37; Johann Clajus, der 1606, also im zeitalter der alchimistischen goldsucher, seine 'alchymistica oder die wahre kunst aus kühmist gold zu machen' herausgab Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 201. 2) einer, der nach vergrabenen oder sonstwie verborgenen goldschätzen sucht, ähnlich schatzsucher (s. d.):

sind denn die sterne nur gemacht,
schelmen und dieben zu leuchten bei nacht?
goldsuchern und trunkenbolden
Soltau bei
Campe 2, 423;

vgl. DWB goldsucher (titel einer erzählung) Herm. Schmidt ges. schr. (1867) 3, 100; die berufsmäszigen goldsucher sind als eine art zauberer dem volke unheimlich hdwb. d. dt. aberglaubens 3, 925. 3) einer, der nach natürlichen goldvorkommen sucht, häufig mit dem nebensinn des abenteuerlichen, verwegenen; in dieser bedeutung besonders seit dem 19. jh. (vgl. s. v. goldfieber): dieses land, in welches nur sclavenjäger und goldsucher sich bis jetzt hineinwagten Ritter erdkde (1822) 1, 166; er trieb sich in Südamerika herum und war einer der ersten goldsucher, die in dem goldland Alaska einen grauenvollen winter verbrachten qu. v. j. 1927.

 

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