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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldstrahl bis goldstrom (Bd. 8, Sp. 852 bis 854)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldstrahl, m., ein golden glänzender lichtstrahl; in poetisch gehobener sprache gern für die strahlen der aufgehenden oder (seltener) der sinkenden sonne: der liebliche morgen, der das blaulichte gewölke nach osten zu mit lieblichen goldstrahlen bemahlet Ph. Zesen rosenmând (1651) 1;

wo ihn (den weisen) der sinkenden
sonne sanfterer goldstrahl
mit empfindung der gottheit tränkt!
Lavater poesieen (1781) 1, 2;

goldstrahlen schieszen übers dach,
die hähne krähn den morgen wach
Storm s. w. (1898) 8, 225;

sah dich (mistralwind) wie zum pfeil verkürzt
senkrecht in die tiefe stossen —
wie ein goldstrahl durch die rosen
erster morgenröthen stürzt
Nietzsche w. I 5, 361.

übertragen vom trügerischen glanz des reichtums, vgl. DWB golden D 2 d: wer das mittel zu halten weiss im gebrauch des reichthums, und sich die goldstralen nicht zu viel noch zu wenig verblenden lässet, der ist in diesem leben für glückselig zu achten Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 390. —
 
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goldstrahlend, part. adj. 1) von gold, im goldschmuck strahlend (intensiver als goldglänzend, s. d.): Georg aber trat jetzt in die gold- und marmorstrahlende kirche hinein Jul. Mosen s. w. (1863) 8, 469; ich ... besah mir die goldstrahlenden altäre und säulen, die gewaltigen deckengemälde aus der Jesuitenzeit A. Sperl d. fahrt n. d. alten urkunde 9176. 2) wie gold strahlend: gleich wie der schwartze schatten mit dem goldstrahlendem sonnenscheine gebohren wird Neumark lustwäldchen (1652) 5b;

die goldenstrahlende sonne
sank gen westen hinab
Pyrker Tunisias (1820) 3, 204;

den goldstrahlenden krokos A. v. Humboldt kosmos (1845) 2, 12;

dasz aufgehe aus dem feurigen samen
der gottesliebe
goldstrahlend, sonnenumgluthet
der baum ewiger freude mod. dichtercharaktere 65 Arent-C.-H.


 
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goldstrand, m., wofür jetzt goldküste (s. d.): ein horn (aus elfenbein), dergleichen die schwartzen am goldstrande,

[Bd. 8, Sp. 853]


bei ihren feldzügen führen E. Francisci lust. schaubühne (1697) 3, 196. —
 
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goldstreichstein, m., was probierstein, goldstein 4 (s. d.): 'ein pechschwartzer, harter und nicht durchsichtiger stein, welchen man aber, wenn er geschliffen wird, zum goldstreichen und probieren gebrauchen kan' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1249.
 
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goldstreif(en), m., ein streifen goldblech: man ... schmolz einen goldstreifen von 1/2 zoll breite und 12 zoll länge allg. dt. bibl. (1765) 85, 502; da in beiden fällen (der falschmünzerei) der entzogene goldkern (der münze) durch ein annähernd gleichschweres metall ersetzt wird, so bedarf es ... eines dünnen goldstreifens ... zur verdeckung des beschädigten randes Luschin v. Ebengreuth münzk. u. geldgesch. (1904) 126. häufiger zweidimensional, für streifenförmige goldverzierungen: ein ... mit goldstreifen geziertes kreuz war die hauptsache Holtei vierzig jahre (1843) 1, 100. besonders für die aus goldfäden gewirkten oder goldfarbenen streifen an kleidungsstücken: er hat kein silber in der tasche, geschweige einen goldstreifen um die mütze, wie sein adliger nachbar Fontane ges. w. (1920) II 3, 339; (der fackelträger) trug nur weisze kleider: einen kriegsmantel ... und eine römische tunica ..., beide mit einem goldstreif durchwirkt F. Dahn kampf um Rom (1901) 1, 5. gern übertragen auf lichtwirkungen: der goldstreif der vorgesunknen abendsonne Jean Paul w. 7/10, 577 Hempel; über dem langen, breiten goldstreif, der auf seinem (des Arno) spiegel zitterte, glitt die ... fähre Gaudy s. w. (1844) 19, 85; goldstreifen zitterten zwischen bläulichen schatten über die schneefläche der gletscher Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 15, 16. vom schimmernden meer: wo an hellen abenden wie ein goldstreifen das meer aus dem fahlen dunst aufglüht Runkel Böcklin-memoiren (1900) 61. —
 
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goldstreifig, adj., mit goldstreifen versehen: ein goldstreifiger purpurrock Wieland Lucian (1788) 1, 316; der goldstreifige abendhimmel L. Richter lebenserinn. (1909) 189; der goldstreifige moderkäfer (staphylinus caecareus) Brehm tierl. 9, 60 P.-L.
 
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goldstrich, m.
1) goldener, goldfarbener strich: das geschirr, der kutscher und sein küssen, darauf er sasz, gläntzete von lauter goldstrichen E. Francisci lust. schaubühne (1702) 1, 374. übertragen: freundschaft ist itzt, leider! nur ein angemahlter gold-striech, wehret nur, so lange der wohlstand Butschky Pathmos (1677) 803.
2) vor allem für den strich oder das streichen am gold(streich)stein, probierstein, 'spectatio, probatio auri' Stieler stammb. (1691) 2198: ein jeder probirer wölle gut achtung darauff haben, dasz er seine goldtstrich recht füre Ercker beschr. aller mineral. ertzt (1580) 52b; es kan absonderlich das kupffer, wenn es mit zinck vermischet ist, so hoch gebracht werden, dasz es den gold-strich hält und nichts als das völlige gewicht daran fehlet Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1215.
3) name des fisches sparus salpa Nemnich wb. d. naturgesch. 203 bzw. chrysophrys aurata L. Max v. d. Borne hdb. d. fischzucht u. fischerei (1886) 74.
4) auch soviel wie goldstollen, goldgang (s. d.), vgl. Kramer t.-ital. 1 (1700) 546c.
 
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goldstriemen, m., zu den formvarianten des grundwortes s. s. v. striemen. 1) goldener, goldfarbener streifen: vndermischt vnd eingelatzt goldarbeit von goldstrimen, purpurrimen Fischart Garg. 175 ndr.; vestis segmentata ein kleid das mit purpurn oder gold streimen durch und vberzogen ist Junius nomencl. (1567) 182b. übertragen vom goldblonden haar:

o goldflusz blaich und reich, goldstriemen wahr und klar
Weckherlin ged. 1, 472 Fischer.

2) name des fisches sparus salpa Oken allg. naturgesch. 6 (1836) 228; vmm Epuseum her erhebt man die goldstreimen, die doch sonst jhres aass halber wüst vnnd nicht gekocht mögen werden Heyden Plinius (1565) 348; vgl. das folgende.
 
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goldstriemer, auch goldstreimer, m., name des fisches salpa, vgl. Diefenbach gl. 508c

[Bd. 8, Sp. 854]


(16. jh.); der salpa oder goldstreimer ist ein meerbersich (sieh s. v. bersich) mit ettlichen gelben strichen Heyden Plinius (1565) 349; vgl. goldstriemen 2. —
 
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goldstriemlein, n.: lapislazuli, lazursteyn, hat schön goldstreumlin Ryff confectb. (1548) e 2b.
 
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goldstrom, m. , poetisch auch goldesstrom.
1) strom flüssigen goldes (zu strom II B 1 b, sp. 19 unten). gewöhnlich in bildlichen zusammenhängen:

wenn du im überflusz, der dich umfliest,
vielleicht von kräutern und von nesseln lebst,
du würdest, glaube mir, nicht anders leben,
wenn dich Fortuna straks bis an den hals
in einen goldstrom sezte
Wieland Horazens briefe 1 (1782) 181;

er scheint auf gold zu wandeln, staub ist ihm
das glänzende metall, er wälzt sich wohl
im goldesstrom, wie alte fabeln uns
von drachen singen, welche schätze hüten
Tieck schr. (1828) 3, 282.

von hier aus in verschiedenen übertragungen und vergleichen; zu strom II B 1 b, sp. 21:

so aus der mauerspalte
am halbverfallnen dom
ergosz sich unaufhörlich
ein gold- und silberstrom
(von herbeigezauberten münzen)
Rückert ges. poet. w. (1867) 4, 266.

und freier 'strom von gold und geld', 'reichtum' (vgl.goldflut): diese (leinwand) würde aber durch irländische verdrängt werden, und der goldstrom für englische manufakturen zusammengenommen noch reichlicher nach Britannien flieszen A. H. v. Bülow blicke a. zukünft. begebenh. (1806) 79; eine ostindische kompagnie ... werde den goldstrom, der bisher Spanien zugeflossen sei, auch nach Deutschland leiten Ric. Huch d. grosze krieg (1920) 2, 382. auf lichtwirkungen übertragen, vgl. DWB strom II B 1 b γ, sp. 20 unten: im sogenannten langen abendthal des parks, durch welches aus der untergehenden sonne ein schwebender goldstrom fiel Jean Paul w. 1, 166 Hempel; indessen draussen die feurigen goldströme (des morgens) um alle hütten spielten Stifter s. w. 2 (1908) 93. im vergleich vom haar oder kornfeld, vgl. DWB strom II B 1 b δ, sp. 21:

und dise marber bahn (gemeint ist die stirn der angedichteten) ist gleichsam das gestad
des fliessenden gold-stroms, darauff sich straf und gnad
mit keuschheit und mit lieb stehts in gespihlschafft findet
Weckherlin ged. 2, 319 Fischer;

eine schöne ... frau in der kleidsamen ... landestracht, über welche die sorgfältig gewundenen gelben flechten herabhingen, zwei goldströmen gleich, die sich ergieszen über dunkeln grund Jer. Gotthelf ges. schr. (1856) 15, 146;

ich sah es (das weizenfeld) nur so im vorüberreiten
wie einen goldstrom in die dämm'rung gleiten zeitung a. d. j. 1915.

von soldaten in goldglänzender montur, vgl. DWB strom II B 2 a, sp. 23 unten:

wie ein flüsz'ger goldstrom werfen jetzt vom sand'gen palmenhügel
sich der kürassier schwadronen thalwärts mit verhängtem zügel
Gaudy s. w. (1844) 7, 21.


2) goldführender flusz: der goldstrom (der über goldsand hinrollende paradiesstrom Pison) wand sich um sie (die insel) herum, wie eine schöne schlange maler Müller w. (1825) 1, 51. —

 

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