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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldstäubchen bis goldstoff (Bd. 8, Sp. 849 bis 851)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version)  -stäubchen, -stäublein, n., dimin. zum vorigen. für das einzelne goldstaubkorn: sie sihet durch ein falsche brill, die ... ein goldstäublein als ein goldberg präsentirt Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 87; vgl. s. v. goldstaub die kopfbemerkung.
 
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goldstein, m. , heute ungebräuchlich, bei Adelung vers. 2 (1775) 747 schon auf die umgangssprache eingeschränkt.
1) in älterer sprache was edelstein: so zimberost du super fundamentum aurum (kolt), argentum (silbir), lapides preciosas (tiure goltsteina) Notker 2, 339, 7 P., vgl. 1. Kor. 3, 12; guotiu uuerch, dei in demo fiure also statig sin samoso golt unde silber unde goltsteina ders. 3, 402, 2 P. hierher wohl auch Annolied 656 (s. den erstbeleg s. v. goldschmied 1) und der folgende beleg: do bat er vnsern herren got, daz daz holtz golt wart und die kieselinge zv goltsteinen. do sprach sente Johannes zv zin: nv get zvn goltsmidin vnd versuchit daz golt vnd daz goltgesteine ob iz gt vnd gebe si dt. predigten d. 13. u. 14. jhs. 78 Leyser. gewöhnlich auf einen goldglänzenden edel- oder halbedelstein eingeschränkt; meistens für den topas oder chrysolith: topazion goltstein (13. jh.) ahd. gl. 3, 359, 29 St.-S.; 'chrysolith, gold-stein, ist ein edler stein, der seinen nahmen daher bekommen, weil er an farbe dem

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golde gleichet; wiewohl er doch dabei etwas grünlicht ist. die alten nannten ihn einen topasier' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 2, 1112. der chrysolith galt als freundschaftsfördernd (vgl. Schade adt. wb. 2, 1380aff.): alse solte ... der schütze im schmaragd ansehnlich machen, die zwillinge im goldsteine einem freundschafft ... zu wege bringen Lohenstein Arminius (1689) 2, 404b. dass. wie blutstein (s. d.): bolus (15. jh.) Diefenbach gl. 78b; ebenso im Lichtentaler gloss. (15. jh.) in: zs. f. dt. wortf. 9, 208. dass. wie 'bernstein', 'agstein': electrum (md. 14. jh.) Diefenbach gl. 197d; agates (15./16. jh.) ebda 17b. für karfunkel und jaspis: als smaragdus ist ein kupfferstein, carbunculus oder jaspis ein goldtstein Paracelsus opera 2, 36a Huser.
2) 'goldhaltiger stein', 'stück golderz'. in dieser bedeutung nur schwach belegbar, lexikographisch zufrühest bei Adelung versuch 2 (1775) 747: das gediegene gold in quarzmassen eingeschlossen ... diesz ist der goldstein der neger Ritter erdkde (1822) 1, 361.
3) auch für den 'stein der weisen', vgl. s. v. stein II A 9, sp. 1974:

der goldstein machet gold dasz mit der welt vergeht:
der ekstein einen bau der ewiglich besteht
Angelus Silesius cherub. wandersmann 76 ndr.;

das 7. kap. handelt von der beschaffenheit ... eines goldsteins allg. dt. bibl. (1765) 21, 234; vgl. auch s. v. golden E 4, sp. 764.
4) am häufigsten in der bedeutung probierstein (s. d.) belegbar; coticula (1517) Diefenbach gl. 154a; lydius lapis ein goldstein, darmit man das gold probiert Frisius dict. (1556) 789b; heraclius lapis ebda 626b; ebenso in andern wbb. des 16., 17. u. 18. jhs.: zuletzt das goldt, das im boden der scherben gesessen ist, herausz zogen vnnd widerumb erkült, reib auff dem goldtstein, das du wissen mögest, wie viel silbers in jhm sey Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 198. auch allgemeiner vom material des goldsteins, dem schwarzen kieselschiefer oder basalt: in der stat ist ain closter ... darinn ist ain brunn, darbei ist ain trog oder nuesch (= nische), da das waszer in lauft, ist ain rechter goldstain, daran man guldin und golt streicht und versuecht (Augsburg 15. jh.) städtechron. 5, 110, 9; item die seulen zu sanct Michael ... sind all von einem stuck des schwarzen, schönen goldstains gemacht (1520) Dürer nachl. 120 Lange. literarisch vor allem in übertragener bedeutung: (die hl. schrift ist) der goldstein, an dem man yegklichen geist beweren musz Capito antw. auf Tregers vermanung a. d. eidgenossensch. (1524) G 4a; an disen goldstein, Christum, strych aller menschen ansehen, ratschlag und urteil Zwingli dt. schr. 1, 178 Sch.-Sch.; vgl. 1, 177; sprichwörtlich: dann wie der goldstein das goldt, also probiert gold vnd geld die leut S. Franck sprichw. (1541) 2, 154a.
5) dasselbe wie goldglätte (s. d.), analog zu silberstein 1 (s. d.); nur spärlich bezeugt: litargirum goltstain (13. jh.) Diefenbach gl. 333b; goldstein crysocollum, chryisites Ruland lex. alch. (1612) 93. vgl. ferner 'spodium, id est, cinis auri, goldstein' Ruland 442 mit Diefenbach gl. 333b: goltascha, das neben goltstain für litargirum steht; daher offenbar miszverstanden: 'goldstein wird der chrysolit genennet, ... Rulandus in seinem alchymischen lexico gedencket eines goldsteines, so er cinerem auri nennet' Minerophilus bergwerckslex. (1730) 306.
 
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goldsteinbrech, m., name der pflanze chrysoplenium alternifolium, vgl. Schkuhr botan. hdb. (1791) 1, 338; Holl wb. dt. pfl. 132b.
 
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goldstern, m. 1) goldglänzender stern: in märchen werden söhne mit stern auf der stirne geboren ... ein goldstern fällt auf die stirne Jac. Grimm dt. myth. (1875) 1, 329; vgl. Kohler kl. schr. 1, 428;

kein prunkgetäfel geb' ich euch, ...
weil sich ob silberbronnenglanz
goldstern an stern zum kranze flicht
G. Keller ges. w. (1889) 9, 82.

übertragen von einer sternförmigen goldverzierung aus metall oder stoff: der palastdiener ... warfihm (dem kaiser)

[Bd. 8, Sp. 851]


den faltenreichen mit goldsternen übersäten mantel um die schulter F. Dahn kampf um Rom (1901) 1, 298. 2) als kosewort:

so reizend ist dein mütterchen gewesen,
dasz sie den namen 'goldstern' dir erlesen
Gaudy s. w. (1844) 24, 133.

3) name der pflanze gagea lutea Schult., ornithogalum luteum L., vgl. Pritzel-Jessen volksn. d. pflanzen 156. —
 
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-sternblume, f., name der pflanze ranunculus ficaria, feigwarzenkraut, klein schölkraut etc., vgl. Schkuhr botan. hdb. (1791) 2, 111. dim.
 
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-sternblümlein, n., bei: Ehrhart pflanzenhistorie (1753) 1, 269; Gmelin enumeratio (1772) 169. —
 
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goldsticken, adj., s. DWB goldstücken.
 
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goldsticker, m., daneben in älterer zeit gerundet goldstücker, vgl. s. v. sticker: inclusor eyn goltsticker Diefenbach nov. gl. 213a; pictor babylonicus, phrygio Steinbach dt. wb. (1734) 2, 698; 'eine person, welche allerley figuren mit gold- oder silberfäden auf andere dinge sticket' Adelung versuch 2 (1775) 747; den mantel den ich dir geben hab, den wil ich tragen zu dem goldsticker, der musz darauf sticken nach meinem willen A. v. Eyb spiegel d. sitten (1511) Y 2a; Scaramouche tritt herein und meldet zwey berühmte goldstücker bey dem marquis Lessing 6, 388 L.-M.
 
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goldstickerei, f., vgl. sticken 2 b a, sp. 2738. 1) die kunst, technik des goldstickens: das vollkommenste ... ist die von den Phrygiern erfundene seyden- und vom Attalus erdachte goldstückerey Lohenstein Arminius (1689) 2, 189a; goldstickerei ist im alterthum von den prachtliebenden völkern Vorderasiens betrieben und von dort nach Europa verpflanzt worden Bucher kunstgewerbe (1884) 165b. zur sache vgl. noch Bott hdwb. d. kaufmanns (1925) 2, 731a. 2) metonymisch für das erzeugnis: dr. Eckermann, eine goldstickerey vorzeigend Göthe III 10, 108 W.; einen seidenen rock will ich oder den rothen sammtüberwurf mit der goldstickerei Holtei erz. schr. (1861) 19, 257; blechkragen heisst in Deutschland scherzhaft der mit gold- oder silberstickerei versehene kragen Alten hdb. f. heer u. fl. (1909) 2, 324. übertragen: ich bin kein freund des literarischen reliquientrödels unserer tage ... stöszt man doch nur zu oft, wenn man die fromme gold- und perlenstickerei der einleitung hinter sich hat, auf das traurige analogon des zweifelhaften morschen knochens Hebbel w. 12, 87 Werner.
 
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goldstickerin, f., zu goldsticker (s. d.):

da hat vnser vatter wol sich
in weibskleidern gantz tugentlich
gekleidet vnd als dann darneben
sich für ein goldstückerin dargeben
Ayrer dramen 1014 Keller;

es fügte sich, dasz eine meiner ersten schutzbefohlenen (in ärztlicher behandlung) ein sehr schönes mädchen war, eine junge goldstickerin Carossa führung u. geleit (1933) 22.
 
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goldstoff, m., 'im gegensatz zu brokatstoff ein gewebe, dessen grund ganz aus gold- und silbergespinst besteht' nach Bott hdwb. d. kaufmanns (1925) 2, 731a; nach Adelung versuch 2 (1775) 751 'ein zeug, in welchen blumen von seide auf einem goldenen grunde gewebet sind'; vgl. auch unten goldstück:

kaum ist sein ach entflogen,
so wird in einem blitz, ein vorhang weggezogen.
zu beiden seiten rauscht der reiche goldstoff auf
Wieland s. w. 5, 172 Hempel;

in der mitte steht ein tiefer sessel, auf welchem eine in goldstoff gekleidete person zurückgelehnt liegt Göthe I 17, 193 W. von goldstoff, seltener aus goldstoff, attributiv oder prädikativ für veraltetes goldstoffen (s. d.): der vorhang von goldstoff Göthe I 32, 285 W.;

von reichgesticktem
goldstoff ist das bandelier
H. Heine s. w. 2, 131 Elster;

er erstritt sich (im turnier) den preis einer binde aus goldstoff mit edlen steinen Stifter s. w. 10 (1930) 269. im plural für verschiedene stücke oder arten von goldstoff: zu

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prachtkleidern ... wählte man gern schwere gold- und silberstoffe K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 5, 279;

ein lager ward bereitet
im hohen rittersaal,
goldstoffe drauf gebreitet
und rosen ohne zahl
Uhland ged. (1898) 1, 320;

und es gehörte nicht zu den geringsten vorfreuden der männer, ... darüber zu wachen, dasz die sammet- und goldstoffe, die schweren brokate und die duftigen flore für die schlanken gestalten richtig zugeschnitten ... wurden G. Keller ges. w. (1889) 2, 164. im bild: heiszt das den dichter ehren, wenn man ihn und sein werk unter einem gewebe von kränzen, perlen und goldstoff erstickt? Fouqué gefühle, bilder (1819) 2, 53. —

 

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