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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldspinnerei bis goldstein (Bd. 8, Sp. 847 bis 849)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldspinnerei, f.: filaria d'oro Kramer t.-ital. 2 (1702) 871a. —
 
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goldspinnerin, f., zu goldspinner 1: Hille goldspinnern in der Bifergassen (1444) K. Bücher d. berufe d. st. Frankf. a. M. (1914) 53a; nun sollten billich alle goldspinnerinnen mit recht sich ... befleissigen, ein guldenes gewissen zu behalten Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 2, 280. —
 
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goldspitze, f. 1) zu spitze 1: für jede beliebige goldene oder vergoldete spitze, z. b. die goldspitze einer fahnenstange- 2) gewöhnlich eingeschränkt auf den aus goldenen fäden hergestellten besatz an kostümen und decken (zu spitze 2 a γ, sp. 2587): (nimm) die goldspitzen (zu dem flor) Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 289; und an der haube hatte sie eine goldspitze Clara Viebig die vor d. toren (1949) 60. 3) name der pflanze chrysogonum virginianum L., vgl. Nemnich wb. d. naturgesch. 203; Dietrich

[Bd. 8, Sp. 848]


vollst. lexicon der gärtnerei u. botanik (1803) 3, 82. —
 
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goldspruch, m., 'wertvoller ausspruch', vgl. DWB golden D 1 d: wir staunten einzelne goldsprüche dieses unschätzbaren werks (Horazens dichtkunst) mit ehrfurcht an Göthe I 27, 77 W.
 
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goldspur, f., 'goldvorkommen kleinster menge': es ist merkwürdig, dasz hier (in Jessulmer in Vorderindien) jede goldspur ... der ganzen sandformation von Rajasthan fehlt Ritter erdkunde 4, 2 (1836) 1009. gewöhnlich als anzeichen gröszerer funde: die ersten goldspuren (in Kalifornien) wurden von Marshall ... aufgefunden Muspratt chemie (1888) 3, 1701; meine seele war gleichsam in den armen, die da gruben und in den augen, die nach gold und immer gröszeren goldspuren ausblickten Rosegger nixnutzig volk (1906) 326. poetisch:

eine goldspur wehte übern abendhimmel hin:
nichts konnte sie erreichen
E. Stadler d. aufbruch (1914) 18.


 
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goldstab, m., goldener, vergoldeter stab: neugierig fragte er den auf seinen goldstab gestützten portier qu. v. j. 1940; besonders als attribut mythologischer wesen, vgl. DWB stab II 1 cβ, sp. 331: sie (Pallas Athene) zeigte ja einst mit dem berührenden goldstabe dem Telemach den Odysseus Jean Paul w. 35, 110 Hempel, vgl. auch den beleg bei Campe 2, 422. für eine stabförmige goldverzierung: das mit gepresztem, braunem englischen leder überzogene und mit goldstäben gezierte reiseschreibzeug Immermann w. 4, 122 Hempel.
 
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goldstange, f., 'stange gediegenen goldes', vgl. Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1249; Campe 2, 422b: ich besitze selbst eine kleine komische maske von erz, die mir um keine goldstange feil wäre Göthe I 42, 2, 469 W. vereinzelt im bilde, vgl. s. v. silberstange. —
 
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goldstarrend, part. adj., zu starren B I 2 e, sp. 921 unten: es lag in seinem berufe, dasz sich Bonaventura in seine goldstarrenden gewänder werfen muszte Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 9, 245; da kamen sammetne, seidene, goldstarrende dinge zum vorschein, die da rauschten und knisterten und unbekannt waren Stifter s. w. 2 (1908) 133.
 
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goldstaub, goldesstaub, m. , pulvis aureus, aurosus, 'staubförmiges, feinkörniges gold'. gewöhnlich collectiv, selten für das einzelne staubkorn: (es sei) ferne, dasz wir einen goldstaub (ausgabe B: -stäubchen) verunglimpfen wollen Herder 5, 629 S.
1) natürlich vorkommend meist mit sand oder erde vermengt oder als einsprengsel im gestein, vgl. Noel Chomel öcon. lex. 4, 1195, Karmarsch-Heeren 4, 124, Muspratt chemie (1888) 3, 1680: ich ... kame an einen ort, wo ich einen haufen ameisen durch einander wimmeln sahe, welche ... in einem haufen goldstaub ... emsig wühleten Lindenborn Diogenes (1742) 2, 613;

da liegt in ihren (der erde) felsen der sapphier
mit goldesstaub durchsprengt
Herder 11, 402 S.;

als (die) seemächte Europens, lüstern nach goldstaub, ... die ufer dieses welttheils mit ihren niederlassungen bevölkerten Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 5, 171; vgl. auch gold I A 3, sp. 685 und goldgriesz. goldstaub ist als zahlungsmittel bei verschiedenen völkerschaften gebräuchlich gewesen: der goldstaub ist in Guinea das gangbare geld Krünitz encycl. 19 (1780) 315; die Spanier fanden goldstaub als zahlungsmittel bei den eingeborenen von Luzon Ratzel völkerkde (1885) 2, 425; vgl. ferner Schrötter wb. d. münzkde 231b.
2) für künstlich pulverisiertes gold: 'ein in staub oder unfühlbares pulver verwandeltes gold' Adelung vers. 2 (1775) 747; 'feilspäne von gold' Heyne 1, 1219; endlich ward dieser geriebene und gereinigte goldstaub mit blei und anderem ertzwerke in schmältztöpfe ... getahn und auf einem kohlfeuer geschmoltzen Zesen Assenat (1679) 484. zuweilen als kostbares cosmeticum verwandt, vgl. DWB staub sp. 1077: sein lichtes haar war noch mit gold-staube bestreuet Lohenstein Arminius (1689) 1, 4119; schon die jüdischen damen bepuderten sich ehemals mit goldstaub

[Bd. 8, Sp. 849]


Lichtenberg verm. schr. (1800) 5, 332; sein (des groszkönigs) gesicht war zu einem grossen teil verdeckt von einem mächtigen, kunstvoll geknüpften, mit goldstaub übersäten bart L. Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 358.
3) häufig im vergleich und bildlichem zusammenhang: die wände, mit goldstein überlegt, schienen gleichsam mit goldstaube bestreuet S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 102; ihr (der poesie) weg ist mit goldstaube bedeckt Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 194;

die unsichtbare hand (gottes), die sonnen,
wie goldstaub in den raum gesät
Pfeffel poet. versuche (1802) 8, 155;

einer der (bauern), der ... die auf den tisch gefallenen krümchen mit dem handbissen so sorglich auftupfte, als ob es goldstaub wäre, fuhr nun fort G. Keller ges. w. (1889) 2, 98; (das schiff) hatte die lange sandwüstengasse des Suezkanals passiert, wo der sand auf meilen wie gelber goldstaub lag Dauthendey d. acht gesichter am Biwasee (1937) 167; vgl. auch den letzten beleg s. v. silberstaub. — von weisheitssprüchen, reden u. ähnl., vgl. DWB golden D 1 d, sp. 753: und wären es nur fragmente, so verdienen sie aufbewahrt zu werden, indem die äusserungen eines solchen geistes und charakters gleich goldkörnern und goldstaub denselben werth haben wie reine goldbarren Göthe I 41, 2, 52 W.; wie schöne worte spricht er! goldene brosamen, nach denen ich bettlerin hungrig hasche! ja wohl, goldene brosamen! das ist das rechte wort! goldstaub! G. Keller nachgel. schr. (1893) 305. — vom (gold) geld: aber der anblick wird trostlos, wenn der reiche nichts ist als ein emporgekommener rübenbauer, der mit etwas goldstaub in der tasche alles, selbst das höchste, neben oder gar unter sich zu stellen trachtet Fontane ges. w. (1920) II 3, 302.
4) 'wie gold glänzender staub', z. b. blütenstaub, staub auf schmetterlingsflügeln, vgl. DWB staub II 1 l ε, ζ, sp. 1077:

und von schmetterlingesjagden
stäubet gold- und silberstaub
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 435.

im bilde: Johann Reuchlin (war) ein humanist, wie all die andern schmetterlinge im truglicht der alten welt: sie hatten ihre flügel in den goldstaub des altertums getaucht quelle a. d. j. 1925. vor allem vom sonnenstaub: es ist etwas königliches in diesen breiten, vom goldstaube der sonne bedeckten wegen (der Tuilerien), die an palästen vorüber, von palast zu palast führen Börne ges. schr. 5, 24 Klaar; Aurora streute goldstaub auf die grünen matten Grabbe w. (1874) 1, 178; blau und zackig, verblassend im goldstaub sonniger tage, steigen sie (die kalkberge) aus den hängen ihrer vorberge auf Marie Grengg Niederösterr. (1937) 65. —
 
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-stäubchen, -stäublein, n., dimin. zum vorigen. für das einzelne goldstaubkorn: sie sihet durch ein falsche brill, die ... ein goldstäublein als ein goldberg präsentirt Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 87; vgl. s. v. goldstaub die kopfbemerkung.
 
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goldstein, m. , heute ungebräuchlich, bei Adelung vers. 2 (1775) 747 schon auf die umgangssprache eingeschränkt.
1) in älterer sprache was edelstein: so zimberost du super fundamentum aurum (kolt), argentum (silbir), lapides preciosas (tiure goltsteina) Notker 2, 339, 7 P., vgl. 1. Kor. 3, 12; guotiu uuerch, dei in demo fiure also statig sin samoso golt unde silber unde goltsteina ders. 3, 402, 2 P. hierher wohl auch Annolied 656 (s. den erstbeleg s. v. goldschmied 1) und der folgende beleg: do bat er vnsern herren got, daz daz holtz golt wart und die kieselinge zv goltsteinen. do sprach sente Johannes zv zin: nv get zvn goltsmidin vnd versuchit daz golt vnd daz goltgesteine ob iz gt vnd gebe si dt. predigten d. 13. u. 14. jhs. 78 Leyser. gewöhnlich auf einen goldglänzenden edel- oder halbedelstein eingeschränkt; meistens für den topas oder chrysolith: topazion goltstein (13. jh.) ahd. gl. 3, 359, 29 St.-S.; 'chrysolith, gold-stein, ist ein edler stein, der seinen nahmen daher bekommen, weil er an farbe dem

[Bd. 8, Sp. 850]


golde gleichet; wiewohl er doch dabei etwas grünlicht ist. die alten nannten ihn einen topasier' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 2, 1112. der chrysolith galt als freundschaftsfördernd (vgl. Schade adt. wb. 2, 1380aff.): alse solte ... der schütze im schmaragd ansehnlich machen, die zwillinge im goldsteine einem freundschafft ... zu wege bringen Lohenstein Arminius (1689) 2, 404b. dass. wie blutstein (s. d.): bolus (15. jh.) Diefenbach gl. 78b; ebenso im Lichtentaler gloss. (15. jh.) in: zs. f. dt. wortf. 9, 208. dass. wie 'bernstein', 'agstein': electrum (md. 14. jh.) Diefenbach gl. 197d; agates (15./16. jh.) ebda 17b. für karfunkel und jaspis: als smaragdus ist ein kupfferstein, carbunculus oder jaspis ein goldtstein Paracelsus opera 2, 36a Huser.
2) 'goldhaltiger stein', 'stück golderz'. in dieser bedeutung nur schwach belegbar, lexikographisch zufrühest bei Adelung versuch 2 (1775) 747: das gediegene gold in quarzmassen eingeschlossen ... diesz ist der goldstein der neger Ritter erdkde (1822) 1, 361.
3) auch für den 'stein der weisen', vgl. s. v. stein II A 9, sp. 1974:

der goldstein machet gold dasz mit der welt vergeht:
der ekstein einen bau der ewiglich besteht
Angelus Silesius cherub. wandersmann 76 ndr.;

das 7. kap. handelt von der beschaffenheit ... eines goldsteins allg. dt. bibl. (1765) 21, 234; vgl. auch s. v. golden E 4, sp. 764.
4) am häufigsten in der bedeutung probierstein (s. d.) belegbar; coticula (1517) Diefenbach gl. 154a; lydius lapis ein goldstein, darmit man das gold probiert Frisius dict. (1556) 789b; heraclius lapis ebda 626b; ebenso in andern wbb. des 16., 17. u. 18. jhs.: zuletzt das goldt, das im boden der scherben gesessen ist, herausz zogen vnnd widerumb erkült, reib auff dem goldtstein, das du wissen mögest, wie viel silbers in jhm sey Ph. Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 198. auch allgemeiner vom material des goldsteins, dem schwarzen kieselschiefer oder basalt: in der stat ist ain closter ... darinn ist ain brunn, darbei ist ain trog oder nuesch (= nische), da das waszer in lauft, ist ain rechter goldstain, daran man guldin und golt streicht und versuecht (Augsburg 15. jh.) städtechron. 5, 110, 9; item die seulen zu sanct Michael ... sind all von einem stuck des schwarzen, schönen goldstains gemacht (1520) Dürer nachl. 120 Lange. literarisch vor allem in übertragener bedeutung: (die hl. schrift ist) der goldstein, an dem man yegklichen geist beweren musz Capito antw. auf Tregers vermanung a. d. eidgenossensch. (1524) G 4a; an disen goldstein, Christum, strych aller menschen ansehen, ratschlag und urteil Zwingli dt. schr. 1, 178 Sch.-Sch.; vgl. 1, 177; sprichwörtlich: dann wie der goldstein das goldt, also probiert gold vnd geld die leut S. Franck sprichw. (1541) 2, 154a.
5) dasselbe wie goldglätte (s. d.), analog zu silberstein 1 (s. d.); nur spärlich bezeugt: litargirum goltstain (13. jh.) Diefenbach gl. 333b; goldstein crysocollum, chryisites Ruland lex. alch. (1612) 93. vgl. ferner 'spodium, id est, cinis auri, goldstein' Ruland 442 mit Diefenbach gl. 333b: goltascha, das neben goltstain für litargirum steht; daher offenbar miszverstanden: 'goldstein wird der chrysolit genennet, ... Rulandus in seinem alchymischen lexico gedencket eines goldsteines, so er cinerem auri nennet' Minerophilus bergwerckslex. (1730) 306.

 

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