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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldspinne bis goldstaub (Bd. 8, Sp. 847 bis 848)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldspinne, f. 1) name verschiedener fremdländischer spinnenarten, vgl. Meyer gr. konvers.-lex. (1907) 8, 109; mundartl. für die kreuzspinne, vgl. schweiz. id. 10, 310. 2) vereinzelt übertragen (aber ohne zusammenhang mit 1): wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen! höhnte ihr sprichwort; aber den goldspinnen (gemeint sind die kapitalisten) war zu fressen die einzige arbeit W. Schäfer 13 bücher d. dt. seele (1923) 490. —
 
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goldspinner, m. 1) arbeiter, der gold zu dünnen fäden zieht (vgl. unten goldzieher) und seidenfäden damit überspinnt, vgl. Stieler stammb. (1691) 2091, Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1249 u. s. v. spinnen II 1 e, sp. 2520: so man denn ferner das übergüldete silber zu den gold- oder silberspinnern trägt, gallaunen oder borten daraus zu machen; solten diese das gold und silber wol so klein und behend ziehen, wie ein härlein Francisci lust. schaubühne (1702) 642. 2) tiername: libellula, wasserjungfer, vgl. K. Schiller thier- u. kräuterb. 2, 19a; Frischbier 1, 245; auch conus lineatus Nemnich wb. d. naturgesch. 5, 203. —
 
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goldspinnerei, f.: filaria d'oro Kramer t.-ital. 2 (1702) 871a. —
 
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goldspinnerin, f., zu goldspinner 1: Hille goldspinnern in der Bifergassen (1444) K. Bücher d. berufe d. st. Frankf. a. M. (1914) 53a; nun sollten billich alle goldspinnerinnen mit recht sich ... befleissigen, ein guldenes gewissen zu behalten Abr. a s. Clara etwas f. alle (1699) 2, 280. —
 
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goldspitze, f. 1) zu spitze 1: für jede beliebige goldene oder vergoldete spitze, z. b. die goldspitze einer fahnenstange- 2) gewöhnlich eingeschränkt auf den aus goldenen fäden hergestellten besatz an kostümen und decken (zu spitze 2 a γ, sp. 2587): (nimm) die goldspitzen (zu dem flor) Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 289; und an der haube hatte sie eine goldspitze Clara Viebig die vor d. toren (1949) 60. 3) name der pflanze chrysogonum virginianum L., vgl. Nemnich wb. d. naturgesch. 203; Dietrich

[Bd. 8, Sp. 848]


vollst. lexicon der gärtnerei u. botanik (1803) 3, 82. —
 
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goldspruch, m., 'wertvoller ausspruch', vgl. DWB golden D 1 d: wir staunten einzelne goldsprüche dieses unschätzbaren werks (Horazens dichtkunst) mit ehrfurcht an Göthe I 27, 77 W.
 
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goldspur, f., 'goldvorkommen kleinster menge': es ist merkwürdig, dasz hier (in Jessulmer in Vorderindien) jede goldspur ... der ganzen sandformation von Rajasthan fehlt Ritter erdkunde 4, 2 (1836) 1009. gewöhnlich als anzeichen gröszerer funde: die ersten goldspuren (in Kalifornien) wurden von Marshall ... aufgefunden Muspratt chemie (1888) 3, 1701; meine seele war gleichsam in den armen, die da gruben und in den augen, die nach gold und immer gröszeren goldspuren ausblickten Rosegger nixnutzig volk (1906) 326. poetisch:

eine goldspur wehte übern abendhimmel hin:
nichts konnte sie erreichen
E. Stadler d. aufbruch (1914) 18.


 
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goldstab, m., goldener, vergoldeter stab: neugierig fragte er den auf seinen goldstab gestützten portier qu. v. j. 1940; besonders als attribut mythologischer wesen, vgl. DWB stab II 1 cβ, sp. 331: sie (Pallas Athene) zeigte ja einst mit dem berührenden goldstabe dem Telemach den Odysseus Jean Paul w. 35, 110 Hempel, vgl. auch den beleg bei Campe 2, 422. für eine stabförmige goldverzierung: das mit gepresztem, braunem englischen leder überzogene und mit goldstäben gezierte reiseschreibzeug Immermann w. 4, 122 Hempel.
 
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goldstange, f., 'stange gediegenen goldes', vgl. Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1249; Campe 2, 422b: ich besitze selbst eine kleine komische maske von erz, die mir um keine goldstange feil wäre Göthe I 42, 2, 469 W. vereinzelt im bilde, vgl. s. v. silberstange. —
 
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goldstarrend, part. adj., zu starren B I 2 e, sp. 921 unten: es lag in seinem berufe, dasz sich Bonaventura in seine goldstarrenden gewänder werfen muszte Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 9, 245; da kamen sammetne, seidene, goldstarrende dinge zum vorschein, die da rauschten und knisterten und unbekannt waren Stifter s. w. 2 (1908) 133.
 
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goldstaub, goldesstaub, m. , pulvis aureus, aurosus, 'staubförmiges, feinkörniges gold'. gewöhnlich collectiv, selten für das einzelne staubkorn: (es sei) ferne, dasz wir einen goldstaub (ausgabe B: -stäubchen) verunglimpfen wollen Herder 5, 629 S.
1) natürlich vorkommend meist mit sand oder erde vermengt oder als einsprengsel im gestein, vgl. Noel Chomel öcon. lex. 4, 1195, Karmarsch-Heeren 4, 124, Muspratt chemie (1888) 3, 1680: ich ... kame an einen ort, wo ich einen haufen ameisen durch einander wimmeln sahe, welche ... in einem haufen goldstaub ... emsig wühleten Lindenborn Diogenes (1742) 2, 613;

da liegt in ihren (der erde) felsen der sapphier
mit goldesstaub durchsprengt
Herder 11, 402 S.;

als (die) seemächte Europens, lüstern nach goldstaub, ... die ufer dieses welttheils mit ihren niederlassungen bevölkerten Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 5, 171; vgl. auch gold I A 3, sp. 685 und goldgriesz. goldstaub ist als zahlungsmittel bei verschiedenen völkerschaften gebräuchlich gewesen: der goldstaub ist in Guinea das gangbare geld Krünitz encycl. 19 (1780) 315; die Spanier fanden goldstaub als zahlungsmittel bei den eingeborenen von Luzon Ratzel völkerkde (1885) 2, 425; vgl. ferner Schrötter wb. d. münzkde 231b.
2) für künstlich pulverisiertes gold: 'ein in staub oder unfühlbares pulver verwandeltes gold' Adelung vers. 2 (1775) 747; 'feilspäne von gold' Heyne 1, 1219; endlich ward dieser geriebene und gereinigte goldstaub mit blei und anderem ertzwerke in schmältztöpfe ... getahn und auf einem kohlfeuer geschmoltzen Zesen Assenat (1679) 484. zuweilen als kostbares cosmeticum verwandt, vgl. DWB staub sp. 1077: sein lichtes haar war noch mit gold-staube bestreuet Lohenstein Arminius (1689) 1, 4119; schon die jüdischen damen bepuderten sich ehemals mit goldstaub

[Bd. 8, Sp. 849]


Lichtenberg verm. schr. (1800) 5, 332; sein (des groszkönigs) gesicht war zu einem grossen teil verdeckt von einem mächtigen, kunstvoll geknüpften, mit goldstaub übersäten bart L. Feuchtwanger d. falsche Nero (1947) 358.
3) häufig im vergleich und bildlichem zusammenhang: die wände, mit goldstein überlegt, schienen gleichsam mit goldstaube bestreuet S. v. Birken ostl. lorbeerhayn (1657) 102; ihr (der poesie) weg ist mit goldstaube bedeckt Ramler einl. i. d. schönen wissensch. (1758) 1, 194;

die unsichtbare hand (gottes), die sonnen,
wie goldstaub in den raum gesät
Pfeffel poet. versuche (1802) 8, 155;

einer der (bauern), der ... die auf den tisch gefallenen krümchen mit dem handbissen so sorglich auftupfte, als ob es goldstaub wäre, fuhr nun fort G. Keller ges. w. (1889) 2, 98; (das schiff) hatte die lange sandwüstengasse des Suezkanals passiert, wo der sand auf meilen wie gelber goldstaub lag Dauthendey d. acht gesichter am Biwasee (1937) 167; vgl. auch den letzten beleg s. v. silberstaub. — von weisheitssprüchen, reden u. ähnl., vgl. DWB golden D 1 d, sp. 753: und wären es nur fragmente, so verdienen sie aufbewahrt zu werden, indem die äusserungen eines solchen geistes und charakters gleich goldkörnern und goldstaub denselben werth haben wie reine goldbarren Göthe I 41, 2, 52 W.; wie schöne worte spricht er! goldene brosamen, nach denen ich bettlerin hungrig hasche! ja wohl, goldene brosamen! das ist das rechte wort! goldstaub! G. Keller nachgel. schr. (1893) 305. — vom (gold) geld: aber der anblick wird trostlos, wenn der reiche nichts ist als ein emporgekommener rübenbauer, der mit etwas goldstaub in der tasche alles, selbst das höchste, neben oder gar unter sich zu stellen trachtet Fontane ges. w. (1920) II 3, 302.
4) 'wie gold glänzender staub', z. b. blütenstaub, staub auf schmetterlingsflügeln, vgl. DWB staub II 1 l ε, ζ, sp. 1077:

und von schmetterlingesjagden
stäubet gold- und silberstaub
Rückert ges. poet. w. (1867) 2, 435.

im bilde: Johann Reuchlin (war) ein humanist, wie all die andern schmetterlinge im truglicht der alten welt: sie hatten ihre flügel in den goldstaub des altertums getaucht quelle a. d. j. 1925. vor allem vom sonnenstaub: es ist etwas königliches in diesen breiten, vom goldstaube der sonne bedeckten wegen (der Tuilerien), die an palästen vorüber, von palast zu palast führen Börne ges. schr. 5, 24 Klaar; Aurora streute goldstaub auf die grünen matten Grabbe w. (1874) 1, 178; blau und zackig, verblassend im goldstaub sonniger tage, steigen sie (die kalkberge) aus den hängen ihrer vorberge auf Marie Grengg Niederösterr. (1937) 65. —

 

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