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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldschleie bis goldschmied(e)beruf (Bd. 8, Sp. 834 bis 840)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldschleie, f., auch goldschlei, m., name des fisches cyprinus tinca aurea L. etc., älter tinca tinca, vgl. Campe 2 (1808) 422; Nemnich wb. d. naturgesch. 203; Max v. d. Borne hdb. d. fischzucht u. fischerei (1886) 121; Brehm tierleben 8, 267 P.-L.
 
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goldschleier, m., goldfarbener schleier: die Griechen ..., deren tempel ... das bild der tugend ... mit einem goldschleyer umhüllet S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 2a. im bilde gebraucht: Sigurdstochter Aslauga, die

[Bd. 8, Sp. 835]


dem könig Ragnar Lodbrog in den wallenden goldschleiern ihres lockenhaares gefiel d. jahreszeiten (1811) 3, 5 Fouqué; nun aber, wo die sonne höher steht, flimmern und flirren unzählige funkelnde punkte wie losgelöste sternlein in der luft. du kannst durch diesen goldschleier kaum mit dem blick hindurchdringen Liller kr. ztg., sommerlese (1917) 16. —
 
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goldschlich, m., auch goldschlick, vgl. s. v. schlich 2, teil 9, sp. 662; goldhaltiger schlamm, vor allem in flüssen, oder goldhaltige erde, goldhaltiges gestein, das im bergwerk durch wasser ausgeschwämmt wird. auch das zerkleinerte und gepochte unreine golderz, vgl. Adelung vers. 2, 747: von den goldtschlichen Ercker beschr. aller min. ertzt (1580) 47a; ein invention ..., von dem schiff aus einen bohrer in die tieffe zu bohren und den goldschlich auffzuholen J. J. Becher närr. weisheit (31707) 158; goldschlich oder seiffengold, gold so man bey den bergwerken aus den flüssen wäscht Frisch (1741) 1, 360c; bey Goldberg fand man im jahr 1776 ... reichhaltigen goldschlick allg. dt. bibl. (1765) anh. zu bd. 25-36, 2204. bildlich: so hatt er sich an Margarethens sterbebette aus ihrem wenigen goldschlich und apothekergolde von wahrheit auf der stelle eine der längsten schluszketten geschmiedet Jean Paul w. 27/29, 24 Hempel.
 
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goldschlichtlein, n., dim. zum vorigen mit unorganischem t: disz brünnlein führt ein schönes goldschlichtlein, das gold hält 17 crat Thurneysser von wassern (1612) 122.
 
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goldschmelz, m.: electrum goltsmeltz voc. opt. 11, 26 Wackernagel.
 
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goldschmelze, f., das schmelzen des goldes: man ... setzt als fluszmittel bei der goldschmelze borax ... zu Karmarsch-Heeren techn. wb. 34, 137. —
 
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goldschmelzen, vb.: das goldschmeltzen auriconflatura Reyher thes. 1 (1668) 1327; bis an die küsten der blühenden Asia oder der goldschmelzenden heiszen Afrika Fouqué zauberring (1812) 1, 199; goldkrätze werden verschiedene abfälle beim goldschmelzen ... genannt Karmarsch-Heeren techn. wb. 33, 732. —
 
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goldschmelzer, m., alte handwerkerbezeichnung: aurifex goltschmeltzer (15.-16. jh.) Diefenbach gl. 62a. für einen alchimisten: im erkundigen befand ich, dasz es ein ewiges laboratorium war, und die ... goldschmältzer ... sich alda aufhielten Moscherosch ges. (1650) 1, 484; hingegen liesse sich aus dem gedichte ... schlüssen: dasz, wenn diese goldschmeltzer der natur gewalt anthun wolten, sie nichts als eine ... miszgeburt zuwege brächten Lohenstein Arminius (1689) 1, 179a.
 
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goldschmied, m. , daneben bis ins 19. jh. goldschmid(t), vgl. s. v. schmied. in älterer zeit begegnet auch unorganisches u als stammvokal des ersten compositionsgliedes (vgl. entsprechend gult u. ä. für gold oben sp. 679): gultsmede (Köln anf. 14. jhs. u. 1448) in: zs. f. dt. alt. 71, 118.
1) aurifex, aurifaber; handwerker, der gold zu schmuck und kostbarem gerät verarbeitet, wobei er sich neben dem schmieden in prägnanter bedeutung (s. u. schmieden) auch anderer techniken, z. b. der älteren des gieszens, bedient (vgl. Hoops reallex. d. germ. altertumskunde 2, 268). ob das compositum schon urgerm. anzusetzen ist, läszt sich anhand der belege ags. goldsmith (ca. 1000) bei Bosworth-Toller 485a, aisl. gullsmiðr (13. jh.) bei Cleasby-Vigfusson 220b nicht mit sicherheit ausmachen. im überlieferten got. bot die übersetzungsvorlage für ein *gullasmiþa keine handhabe, doch vgl. aizasmiþa (erzschmied) got. bibel 2. Tim. 4, 14. im dt. seit dem 9. jh. bezeugt: aurifex coldsmid (9. jh.) ahd. gl. 1, 473, 11 St.-S.; vgl. noch 1, 559, 47; 1, 621, 6 u. ö.
a) allgemein mit beziehung auf das handwerkliche:

sô dede imi got, alsô dir goltsmid duot.
sor wirkin willit eine nuschin (spange) guot,
diz golt siudit her in eimi viure,
mit wêhim (zierlichem) werki duot her si tiure,
mit wierin (verzierung aus golddraht) alsô cleinin.
wole slîft her die goltsteine
mit manigir slahti gigerwa (mancherlei bearbeitung)
gewinnit er in die variwa.
alsô sleif got seint Annin
mit arbeidin manigin Annolied 649 Roediger;

[Bd. 8, Sp. 836]


wir sîn wæhe goltsmide,
und varn durch diu lant nâch unserm site Oswald 2203 Ettmüller;

(die stegreife waren) breite goltreife,
gebildet nâch zwein trachen.
sî kunde wol gemachen
des goltsmides hant
Hartmann v. Aue Erec 7672 H.;

die andern liute, die zuo dem andern kôre (d. i. zu dem fünften innerhalb der zehnchörigen ständegliederung) gehœrent, daz sint alle die mit îsenînen wâfen arbeitent unde wirkent: ... daz sint goltsmide, pfennincsmide und ander smide unde zimberliute oder îsensmide unde swelherleie sie smiden künnen Berthold v. Regensburg 1, 147, 10 Pf.;

der chaiser dar nach dratt
seinen goltsmiden gepot
das sy in den ern (fuszboden) sein
zwô schon sewll guldein
gussen von ratem gold
Seifrit Alexander 8096 G.;

er (der jude mit den drei ringen) fand ein sin in diesen sachen,
lies haimlich ein goltschmid zwen ring noch machen
Hans Sachs fabeln und schwänke 4, 2 Götze;

man hatt gar gutte goltschmidt in Englandt, aber die meisten seindt refugirte Frantzoszen Elisabeth Charlotte v. Orleans briefe (1716—1718) 206 Holland; der dortige rector ... und subrector hatten sich über einen benachbarten goldschmid beklaget, dasz er ... mit seinen ... hämmern sie ... incommodire Chr. Thomasius ernsthaffte gedancken (1720) 3, 357; und gleich hinter dem grauschwarzen katzenmännchen erblicke ich die lichte erscheinung der silberschmiede in himmelblauem und rosenrotem gewande mit weiszem überwurf, und die goldschmiede, hochrot gekleidet mit schwarzdamastenem, reich mit gold gesticktem mantel G. Keller 5, 201 Fränkel. gern im anschlusz an apostelgesch. 19, 24: nicht wie jener Demetrius goldschmid zu Epheso, dem mehr anseinem gewinn als gottes ehr gelegen gewest Dannhawer catechismus-milch (1657) 2, 103; vgl. noch Göthe I 2, 195 W.; Fr. Creuzer symbolik u. mythologie (1810) 2, 16; F. G. Welcker alte denkmäler (1849) 3, 318 anm. von hier aus vereinzelt in übertragenem gebrauch: ich bin nun einmal einer der ephesischen goldschmiede, der sein ganzes leben im anschauen und anstaunen ... des wunderwürdigen tempels der göttin ... zugebracht hat Göthe IV 23, 7 W. in verschiedenartigem vergleich: unser herre gott ist ein guter goldschmidt, er kan aus einem gülden mehr denn hundert tausent schmiden Luther 19, 311 W.; wenn alles ist wie in den tagen des glückes, blank, wie aus dem gusse des goldschmiedes kommend A. Stifter s. w. 1 (1904) 217. unter betonung des gegensatzes zum grobschmied (s. d.): potztausend wie viel hämmerchen pochten in meinem kopf, lauter goldschmied, und der grosze hammer in meiner brust das war ein grobschmied Bettine die Günderode 1, 66.
b) goldschmied kann als umfassende bezeichnung der verschiedenen spezialberufe der goldverarbeitung dienen, so in den wbb. des 16. u. 17. jhs., vgl.: caelator ein auszstcher, eigentlich heiszt es der tribne oder erhebte arbeit macht, goldschmid Frisius dict. (1556) 171b; vascularius goldschmid, der silbere und guldine geschirr machet ebda 1347b; vascularius, qui vasa conficit aurea et argentea ein goldschmid, der sylberne oder güldene geschirr machet. sunt enim inter aurifices vascularii, caelatores, inauratores, et bractearii ... Calepinus dict. ling. sept. (1579) 1600b; vgl. auch: weil zuvor vom tau geredet worden, schickt sich hier fein das gleichniss von den goldschmieden genommen, welche die gefäsze mit bunten farben ... einschmeltzen Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 4, 86.
c) wie goldarbeiter (s. d.), goldmacher (s. d.) und auch schmied (s. d.) gelegentlich in prägnantem gebrauch für goldschmied stehen, so kann anderseits goldschmied in erweiterter anwendung den silberschmied bezeichnen, sofern beide berufe vom gleichen handwerker ausgeübt werden:

[Bd. 8, Sp. 837]


Herlint wolde dannen gan
der herre bat sie dar bestan
unde heiz die goltsmide sin
zwen scho (schuhe) silverin
ilinde giezin könig Rother 2032 de Vries;

erstlich liesz der e. v. abt Conradt ain silberin Mariabild machen ... durch Jorgen Selden goldschmid (1531) Knebel chronik v. Kaisheim 402 lit. ver.; Chrysander, der berühmte goldschmid ... hat sie ... von puren 16 löthigen silber gegossen Stoppe Parnasz (1735) 496.
d) goldschmied kann auch den edelsteinschleifer (vgl. oben den beleg aus dem Annoliede) und von da aus schlieszlich den händler mit juwelen und schmuck bezeichnen, gehörte doch ohnehin das fassen der edelsteine zum handwerk des goldschmieds:

den (stein) hiez er uf einen hut
einen goltsmit machen schone
und schuf mit dem lone
daz er vil richlich stunt,
so kunege steine in golde tunt (13. jh.) mhd. erz. nr. 157, 75 Rosenhagen;

in einer stat warend zwen goldschmidt, fast künstlich edel gestein in gold ... zuuersetzen J. Pauli schimpf u. ernst 411 Österley; ein goldschmit, welcher einen schweren unnd groszen handel frt mit edlem gestein und den allerkostlichen orientischen berlin Wickram w. 2, 158, 7 Bolte. doch bleibt daneben die doppelbenennung: Bezaleel der künstliche goldschmid und steinschneider (vgl. exodus 31) Mathesius Sarepta (1571) 9a; am 21. april feiert der goldschmied und steinschneider Martin Seitz seinen 55. geburtstag gold und silber, jahrg. 1950, heft 3, 20a; es ist höchst erquicklich anzusehen, wenn ein so alter goldschmid und juwelenhändler ächte waare gewissenhaft und freudig taxiert Göthe IV 29, 158 W.; da du nun eigentlich goldschmied und juwelier bist derselbe I 43, 305 W. vgl. hierzu auch: der handwerkliche goldschmied ist auszerdem in allen grosz- und mittelstädten ansässig, z. t. auch in kleinstädten, aber meist als sog. ladengoldschmied (reparaturgoldschmied, goldwarenhändler, berufsbezeichnung dann vielfach 'juwelier'), oft in verbindung mit dem handel mit uhren handbuch der berufe (1927) 1, 2, 589.
e) in soziologischer hinsicht wird die ohnehin seit alters hohe soziale einstufung des goldschmieds (vgl. Hoops reallex. der germ. altertumskde 2, 267) durch diese entwicklung vom handwerker zum händler noch begünstigt: anno 1362 wurden goldschmid, tchscherer und faszbinder oder küffer z burgern gemacht, vormals constoffeler (privilegierte bürger), unnd ward ein gesatz gemacht, wer vom handwercks geschlecht z Straszburg geporen würdt, der solt ewig er und sein gschlecht z den handwercken dienen und ob er so mächtig wurd, das er eins grafen tochter, land und leüt uberkme Seb. Franck Germ. chron. (1538) 286a; des erstens ritter, edel lt, burger, die ir gelt und gut hand, kaufflete, gwandschnyder, wechsler, goldschmid und saltz-lte, die sol man nmen (nennen) constavel, und sol man von inen setzen erber lt in den rat, und sollend einen burgermeister wartend sin, und der stadt panner (vor 1572) Tschudi chron. Helv. (1734) 342; ich bin kein goldschmid (= ich bin arm) schöne weise klugreden (1548) 25a; kündt ich mit den pflegern der brderschafft z Wormbs als wol als mit ihme naher kommen, ich wolt kein goldtschmidt dafür sein (= ich wollte mit keinem goldschmied tauschen) Frey gartenges. 47, 28 Bolte; der reiche war ein goldschmied und bös von herzen br. Grimm kinder u. hausmärchen 1, 278 Reclam. vgl. noch: 'die zusammenstellung kaiser, könig, goldschmied im kinderspiel zeigt die hohe achtung vor diesem gewerbe' Fischer schwäb. 3, 743. hinzu kommt die hochschätzung des goldschmieds als kunsthandwerkers: durch eine glückliche vereinigung des schönen mit dem tüchtigen und schicklichen werden auch werke der mechanischen künste zu werken des geschmacks; und der goldschmidt, der juwelierer, und so gar handwerker von der niedrigsten classe können sich dadurch bis zum rang des künstlers erheben Sulzer theorie der schön. künste

[Bd. 8, Sp. 838]


2, 251; das umfassende können, das der goldschmied im sinne des künstlers und kunsthandwerkers vor der industrialisierung des gewerbes allgemein besitzen muszte, wird gegenwärtig in der regel nur noch von solchen goldschmieden erworben, die auf grund besonderer künstlerischer befähigung und neigung den beruf wählen handbuch der berufe (1927) 1, 2, 589.
f) im volkslied scheint der goldschmied in echter funktion nur als ring- und geschmeideschmied zu stehen:

ach goldschmied, lieber goldschmied mein,
schmied meinem schatz ein ringelein!
Erk-Böhme dt. liederhort (1893) 2, 396;

dat flog sick hin, dat flog sick her,
dat flog vor ein goldschmiedes dör >(gemeint ist die nachtigall als liebesboti, die einen ring für die geliebte bestellen soll) ebda 2, 226.

darüber hinaus erscheint er gewöhnlich nur als variante anderer figuren:

gut'n tag, gut'n tag, herr goldschmied mein!
beschlagen sie mir mein pferdelein! ebda 1, 32; vgl. 1, 258.

neben goldschmied begegnet auch des goldschmieds töchterlein im volkslied:

wi (wir brautwerber) willen eines goltschmedes dochterlin han ...
des goltschmedes dochter krige gi nicht
Uhland volksl. (1881) 235;

bist du des goldschmieds töchterlein,
bin ich des bauren sohn, ja sohn
Erk-Böhme dt. liederhort (1893) 2, 306; vgl. 1, 32.

bedeutsam für die romantische typisierung scheint erst Uhlands volksliedhafte ballade 'des goldschmieds töchterlein' geworden zu sein, vgl. ged. 1, 174 Erich Schmidt, dazu noch: goldschmidts töchterlein hatte es allen angetan Gaudy s. w. (1844) 6, 65; es ... schüttelt sich unser historisches gefühl vor der unnatur, mit welcher ein schwächlicher seitenzweig der romantischen schule vor einiger zeit in dichtung und bildwerk das alte bürgerthum als ein mattherziges stilleben von zahmen biderben handwerksmeistern und blondhaarigen goldschmiedstöchterlein darzustellen sich beflisz W. H. Riehl naturgesch. d. dt. volkes (1851) 2, 202; dazu folgende scherzhafte anzeige: des goldschmieds tochter ... wünscht briefwechsel mit an leib und seele gesundem goldschmied deutsche goldschmiedezeitung (1950) nr. 10, 295d.
selten erscheinen im volkslied goldschmiedssohn, goldschmiedsjunge (zu diesem vgl. unter g):

und das vernahm ein junger knab,
von wunder ein goldschmiedssohn,
ein ringlein thät er ir machen
von silber und rothem gold
Erk-Böhme dt. liederhort (1893) 1, 418;

wer hat denn dieses lied erdacht?
drei goldschmiedsjungen
die habens gesungen
zur guten nacht ebda 2, 368.


g) die euphemistische redensart wie goldschmieds junge oder bub (d. i. lehrjunge) denken, sagen u. ä. für 'rutsch mir den buckel runter' u. gröbere varianten ist von der mitte des 17. bis zur mitte des 18. jhs. literarisch reich bezeugt und bis heute in der volkssprache lebendig. die genitivverbindung scheint älter als der frühest greifbare beleg der redensart, vgl.: er verschüttet (damit) den pfeffer gantz, wie des goldschmids bub zu Nürnberg (1621) bei Müller-Fraureuth obersächs. 430a;

süszer denn honig redt die zung,
das herz denkt wie jens goldschmids jung satyra (1628), d. i. nr. 7 im mischband 4° XII 95 der landesbibliothek Weimar;

sie aber würdigte ihn hingegen keines anblicks, sondern gedachte vielleicht wie des goldschmieds jung Grimmelshausen simpl. schr. 2, 194 Tittmann;

wohl dem! der so, wie goldschmieds junge, denckt
und eher sich nicht zu der liebe lenckt,
als bisz er nach vollbrachten jugend-jahren
sich kan in ehren mit der liebsten paaren
Benjamin Neukirch in: Hoffmannswaldaus u. anderer Deutschen ged. (1697) 1, 388;

[Bd. 8, Sp. 839]


und wenn gleich offtermals derselbe lose zahler
wie goltschmiedts-junge lacht, und alles schuldig bleibt
Chr. Fr. Henrici ernst-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 325;

du bitterer dod ...
to dyn thorn (zorn) segg ick: legge dy!
ick denk as goldschmids junge (1734) bei
Aloysia Rettler niederdt. lit. i. zeitalt. d. barock 183;

der hofbauer schweigt mäuselstill, denkt ihm sein theil wie der goldschmiedsbub Abr. a s. Clara wunderw. gantz neu ausgeh. narrennest (1751) 89; vereinzelt lexikalisch: gedencken wie des goldschmieds jung vulg.: verba alicujus et mandata apud se contemnere, eines worte und befehl bey sich verachten Frisch (1741) 1, 360c; sie denkt ihren teil wie's goldschmids jung Kirchhofer schweiz. sprüchw. (1824) 355; vgl. noch: an dem orte, wo goldschmidts junge wollte geküszt sein Müller-Fraureuth obersächs. 1, 430a. die herkunft der redensart ist ungeklärt, vgl. Bolte in: zs. f. dt. wortf. 11, 302 f., wo weitere belege seit der mitte des 17. jhs.; wohl als volkstümlicher deutungsversuch: gelt, du denkst wie guldschmieds junge: hätt ich guld, do macht ich mr a ringla Rother schles. sprichw. 346a.
2) als bezeichnung von tieren.
a) für verschiedene insekten: 'goldfliege ... ein name, welchem man an einigen orten dem blattkäfer, chrysomela Linn., gibt, wegen seiner hohen wie gold glänzenden farben, um deren willen er an andern orten goldschmid genannt wird' Adelung vers. 2, 743;

se (die liebende) flog der rum as goldsmid mank de swölken (schwalben)
Klaus Groth quickborn 52 Krumm;

goldsmidt bezeichnung für die libelle, bes. für die grosze wasserjungfer libellula grandis (vor allem in Schlesw. u. Dtm.; aber auch sonst) Mensing schlesw.-holst. 2, 422; goldschmett käfer Frederking plattd. dorfwb. 45; goldschmied der gold(lauf)käfer, carabus (auratus) ... syn. für goldkäfer, goldvogel Fischer schwäb. 3, 743; s. auch oben goldarbeiter 2. diese übertragung auf ein insekt ist bereits für das aisl. bezeugt: gull-smiðr. ... a gold beetle, lady-bird Cleasby-Vigfusson 220b (lady-bird = marienkäfer, der im rhein. mit dem diminut. goldsmitΧe bezeichnet wird, vgl. rhein. wb. 2, 1300). im engl. seit 1449: goldsmith ... short for goldsmith-beetle (cotalpa lanigera) having wing- covers of golden lustre; also cetonia aurata or other species Murray 4, 282b.
b) vereinzelt für die goldammer, vgl. rhein. wb. 2, 1300.
3) als bezeichnung des ringfingers rheinisch im kinderreim bezeugt, vgl. rhein. wb. 2, 1300.
4) zusammensetzungen. für einen groszen teil der goldschmied -composita ist verschiedene bildung gebräuchlich gewesen: goldschmied-, goldschmieds-, goldschmiede-; jüngerem sprachgebrauch entspricht gewöhnlich die mit fugenvokal. für die folgende alphabetische einordnung wird aus praktischen gründen jedoch durchweg die form goldschmied- angesetzt, auch wenn sie nicht belegt ist.
 
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goldschmied(e)arbeit, goldschmiedsarbeit, f. 1) in seltener anwendung die handwerkliche tätigkeit eines goldschmieds bezeichnend und so synonym mit goldschmiedehandwerk (s. d.): der barbar weisz die kunst nicht zu schätzen, als in so fern sie ihm unmittelbar zur zierde dient, daher war die goldschmiedearbeit in jenen zeiten schon so weit getrieben, als man mit den übrigen noch so sehr zurück war Göthe IV 11, 22 W.; vgl. ebda 11, 16. 2) häufiger im hinblick auf die technik der goldverarbeitung oder die art der ausführung: ein schön schwerdt ... mit einer guldenen scheiden, von gestochenem vnd erhabenem reblaubwerck vnd sonst goldschmidarbeit Fischart Garg. 418 ndr.; verschiedene kronen von merkwürdiger goldschmiedsarbeit hielten meinen blick fest Göthe I 29, 114 W.; das wappen (ist) auf rot emaillierten grund plastisch in goldschmiedearbeit aufgesetzt dt. goldschmiedezeitung (1950) nr. 7, 194b. dann gern im plural als sammelbezeichnung dieser techniken: armenische Christen, ... die sich vorzüglich mit goldschmiedearbeiten

[Bd. 8, Sp. 840]


beschäftigten Ritter erdkunde (1822) 18, 709; goldschmiedin, 23 j., mit allen goldschmiedearbeiten ... vertraut dt. goldschmiedezeitung (1950) nr. 5, 138d. 3) in metonymischer anwendung für das produkt der verarbeitung: 'die goldschmiedsarbeit eine vom goldschmiede verfertigte arbeit' Campe 2, 422; von gotischen goldschmiedearbeiten des vierten bis sechsten jahrhunderts ist eine anzahl übrig, die uns die pracht der fibel auf der höhe zeigen Heyne hausaltert. 3, 345. —
 
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-beruf, m.: von der lehrlingskommission ... ist der goldschmiedeberuf als grundberuf ... anerkannt hdb. d. berufe (1927) 1, 2, 589. —

 

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