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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldschatz bis goldschetter (Bd. 8, Sp. 830 bis 832)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldschatz, m., ansammlung von gola:

besser das gbet mit fasten ist
und das almsen on arg list,
dann die vergrabnen goltschtz sind
Wickram w. 4, 271 Bolte;

so vberfilen sie vnuersehens mein hauszfraw vnnd zwangen sie, dasz sie jhnen den kasten, darinn mein goldschatz lag, zeigte Aeg. Albertinus landstörtzer (1615) 428; (sie) gewannen zwar keinen groszen goldschatz, doch im herbst einen köstlichen weinschatz Heinrich Müller erquickst. (1714) 296; zu Quedlinburg steht ein haus, in dessen grundtiefen sich grosze goldschätze befinden sollen br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 150; vielen goldschatz barg die mutter erde, aber auch anderes metall schenkte sie aus ihrem vorrat dem bedrängten G. Freytag ges. w. 9 (1887) 72; was war für ein grund vorhanden, dies mädchen ... zu hüten und zu verbergen wie einen goldschatz? Heinrich Seidel ges. schr. (1907) 2, 35. name für den staatlichen besitz an münzfähigem golde: jetzt hat man im reichstage darüber verhandelt, den goldschatz der reichsbank noch weiter zu verstärken daheim (25. 1. 1913) 6b; die goldschätze der lydischen könige sind ... sehr beträchtlich gewesen hdwb. d. staatswiss, 24, 749. bildlich: und so liegt denn ein goldschatz von liebe ... in der brust, bis ihn endlich ein geisterwort hebt Jean Paul w. 48, 98 Hempel; die grundlagen unserer sitte sind so gut wie der goldschatz unserer sprache ein familienerbe der Germanen des Tacitus G. Freytag ges. w. 17 (1888) 35. im vers auch goldesschatz:

wirst du gleich nicht berühmt mit groszen goldesschätzen,
so wird dir doch die kunst ein ehrenseule setzen
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 3, 14.

als kosewort: goldschatz, herzenschatz, seelenschatz mel ac deliciae, suavia mellita, in medullis ac visceribus haerens Stieler stammb. (1691) 1740.
 
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goldschaum, m. , ältere nebenformen goldscheim, -schein.
1) der schaum, rückstand, die schlacke, die beim schmelzen des goldes entsteht, vgl.: auripigmentum goltschum, goltschawm (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 62b. merkwürdig als verdeutschung von scopulus goltschum (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 331b; vgl. dazu die goldscheym (goldschein var. S) der bäch neygten sich (scopuli torrentium inclinati sunt) erste dt. bibel 4, 80 Kurrelm.; spumarium goltschume (15. jh. nd.) Diefenbach gl. 549a; aurispuma, hd. goltschume; nd. goltscuome (1420) ebda 62c; golt schum (15. jh. nd.) nov. gl. 43b; auricalcus goltschume (Nürnberg 1482) gl. 61c; cadmia goltschume, -schum (15. jh. md.); gulschm (15. jh. nd.) ebda 87b; vgl. cathmia glett, gold- oder kupfferschaum Martin Ruland lex. alch. (1612) 135; litargirum goltschum, goltertzt (Nürnberg 1482); goltschawm (1446) ebda 333b; lithargirum Brack voc. (1487) 30; chrysitis goltschaum Er. Alberus dict. (1540) xx 3b; Maaler teutsch spr. (1561) 189b; Dentzler clavis ling. lat. (1716) 138a; chrysitis auri spuma est goldschaum Faber thes. (1654) 220b; scoria auri goldschaum Golius onomast. (1585) 74; goldtschum Chytraeus nomenclator latinosax. (1585) 81; aurugo goltschume

[Bd. 8, Sp. 831]


(15. jh. nd.) Diefenbach gl. 62c. modern gelegentlich für einen goldhaltigen schaum auf dem kochenden metallbade: (man nimmt) den gold und kupfer enthaltenden goldschaum (ab) Muspratt chemie 7 (1900) 1541.
2) heute gewöhnlich für das zu dünnen plättchen geschlagene gold, auch für unechtes oder gemischtes goldfarbenes metall, das zum vergolden gebraucht wird, vgl. DWB schaumgold: goldschaum, echter, ist blattgold Karmarsch-Heeren techn. wb. 34, 142; zur anfertigung des blattgoldes (goldschaum) gieszt man das gold zuerst in zaine Muspratt chemie (1888) 3, 1827. aber auch: goldschaum ist die benennung für unächte goldblättchen Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 157; goldschaum, unechtes blattgold Lueger lex. d. ges. techn. 4, 732; vgl. Mothes baulex. (1881) 1, 397; Schönermark u. Stüber hochbaulex. (1902) 870;

zeigt man aus Delphis ihm des tempels herrlichkeit
wird er vom goldschaum blind dt. schaubühne (1740) 6, 556 Gottsched;

(man) beklebt die pinienäpfel und nüsse mit goldschaum Gaudy s. w. (1844) 6, 10. in bildlichem zusammenhang: jedermann ..., der wissen mögte, wie unsere gegenwärtige sociale welt denn eigentlich aussieht, wenn sie mit dem fatalen scheidewasser, dem nur das gold, nicht der goldschaum widersteht, ... besprengt wird Hebbel w. 11, 309 Werner.
3) goldener schaum: ein solches glas erscheint wie mit goldschaum ausgefüllt, wenn die kupferblättchen so zahlreiche sind, dasz die grundmasse fast verschwindet Lueger lex. d. ges. techn. 2, 633.
4) übertragen vornehmlich für unechtes, für trügerischen schein, von der tatsache ausgehend, dasz blosze vergoldung oft echtes, massives gold zu sein scheint: kinder sind (es), die sich in die ferne des goldschaums verlieben und den apfel, den sie in der hand haben, dafür hingeben, weil sie jenes (ferne) nicht kennen Herder 5, 545 S.; was uns nicht ... bildet, verdient den namen der schönen wissenschaften nicht, wenn es auch über und über mit goldschaum beklebt wäre ebda 30, 77;

sprangst du denn nur für den goldschaum
eitlen ruhms ins abenteuer?
Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 39, 12;

was dir dein spiegel für massiv und ewig verkauft, ist nur ein dünner angeflogener goldschaum Schiller 3, 461 G. anders, von goldschaum 3 her, für eine lichterscheinung: während sie in der hohen wölbung stiegen, blinkte immer röther Aurorens goldschaum an den fenstern Jean Paul w. 15/18, 502 Hempel; eine falbe glorie umflosz die kuppeln der Marcuskirche ... und hauchte über die rauschenden wogen ihren flüchtigen goldschaum Gaudy s. w. (1844) 22, 164. —
 
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goldscheibe, f., goldene scheibe: wo der kiel die see aufwühlte, glitten leuchtende polypen wie kleine goldscheiben pfeilschnell vorüber Gaudy s. w. (1844) 5, 90. übertragen auf eine lichterscheinung: über das firmament zogen wolken heran, von der sonne beschienen, so dasz sie wie goldscheiben leuchteten Rosegger schr. I 15, 388.
 
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goldscheiden, verb. subst., das trennen des goldes von anderen metallen, vor allem vom silber: 'goldscheiden ... heist, das gold von dem silber absondern, und geschiehet solches auf dreyerley art' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1247; ich kenne einen groszen künstler, ... der mit abquicken, cocmentiren und goldscheiden lang umbgangen Joh. Mathesius Sarepta (1571) 42b; sonst würdestu gewisz das goldscheiden auch schon erlernet haben Moscherosch gesichte (1650) 2, 825. —
 
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goldscheider, m., ältere berufsbezeichnung für den handwerker, der das gold vom silber scheidet, vgl. Adelung vers. 2, 746; auriflator goldscheider Steinbach (1734) 2, 407; auricoctor Kirsch cornucopiae (1723) 2, 156b; älteste bezeugung vom jahre 1412 im urkd.-b. der stadt Freiberg i. S. 2, 402; derhalben auch kein goldtscheider dieselbigen silber nach solcher prob zu scheiden annimpt Ercker beschr. aller min. ertzt (1580) 59b; vgl. ebda 74b; 76a; 78a. —
 
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goldscheidewasser, n., königswasser, eine mischung von

[Bd. 8, Sp. 832]


salpetersäure und salzsäure, in der gold löslich ist; vgl. Karmarsch-Heeren techn. wb.3 7, 522; Lueger lex. d. techn. 4, 732; Sprengel chemie f. landwirthe (1831) 1, 330: als die erde nunmehr verglaset wurde, hat sie ... mit goldscheidewasser ausgezogen und mit blutlauge niedergeschlagen, ein berlinerblau geliefert allg. dt. bibl. (1765) 23, 287. —
 
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goldscheidung, f., was goldscheiden (s. d.): die münze liefert ... die ... güldische silberproduction an das kabinet in St. Petersburg, welches selbst erst die goldscheidung vom silber sich vorbehalten hat Ritter erdkde (1822) 2, 854.
 
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goldscheim, goldschein, m., s. DWB goldschaum.
 
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goldschein, m.
1) schein des goldes: jetzt fürchtete ich den düsteren goldschein (eines vergoldeten standbildes) nicht mehr Stifter s. w. 2 (1908) 141; vgl. goldschein 'glanz' bei Fischer schwäb. 3, 743. im vers auch goldesschein:

es steht ein saal mit hohen pforten,
gefüllt mit gold und goldesschein
E. M. Arndt w. 4, 146 R.-M.;

bildlich:

sonn, mon han ihm entstolen
von seiner (Jesu) stirnen rein
all ihren glantz und strolen,
den golt- und perlenschein
Spee trutznachtigall (1649) 50;

vgl. über die verwendung des wortes gold als symbol der göttlichen reinheit gold II B 1, sp. 704.
2) goldähnlicher schein auf nichtmetallischer materie: doch klerlich zuvorstehen ist, das er einen grünlichten hellen stein, der einen goldtschein darneben hat, meinet P. Albinus meiszn. bergkchronica (1590) 145; (der kaulbarsch) unten silberglänzend mit goldschein Oken allg. naturgesch. 6 (1836) 251;

hier ist ein goldschein in das gras gefärbt
und dort ein blaues leuchten eingewoben
Heinrich Seidel ges. schr. (1906) 1, VIII.

vom schimmer des sonnenlichtes: als der herannahende abend alles mit seinem milden goldscheine zu überfloren begann G. Keller ges. w. (1889) 6, 246;

entrückter goldschein machte bäum und häuser
zum sitz der seligen
Stefan George d. stern d. bundes (o. j.) 74.


3) der anschein von gold: sie bekommen das feinste und reinste silber oder gold, da doch theils an der feine und reinigkeit ... sehr vieles mangelt, theils aber wohl gar nur der goldschein und nicht das seyn dabey zu finden ist Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1227; (man) wertet alles ... wie ein kind nach dem goldschein R. M. Rilke tageb. 1899 -1902 (1931) 406. —
 
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goldscheinend, part. adj., frühnhd. in der form goldschynend und der bedeutung 'goldglänzend' übertragen gebraucht: (ich habe von) minem ... vtterlichen vnderwyser als erlúchtem goldschynenden flusz desselben brunnens göttlicher kunst ... billich zierwort ... geschpfft Fr. Riederer spiegel d. wahren rethoric (1493) n 3b; mit keinem andren cleid kunt sie viel gefüglicher sin komen für got, wenn mit disem wyten mantel und goldschynenden mantel der woren inbrünstigen liebe, in deren ir hertz gantz flackeret was Keisersberg christl. bilgerschafft (1512) 45c.
 
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goldschetter, m.: goldschetter knistergold, d. i. blattmessing Karmarsch-Heeren techn. wb. 34, 142; rauschgold, die dünnste gattung des messingbleches, ... goldschetter ebda 7, 297.

 

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