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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldsalbe bis goldscheiden (Bd. 8, Sp. 828 bis 831)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldsalbe, f. 1) 'unguentum aureum, eine bekannte salbe ..., die in denen apothecken zu finden' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1242. übertragen: und ist diese heilige goltsalb so kräfftig, das kein missethat ... geschicht, disz öle kan es reinigen Fischart binenkorb (1588) 127a. 2) bildlich für bestechungsgelder: damit ... jhre händ nicht zu spör unnd hart werden, muss man gar offt gold- und silbersalben brauchen Guarinonius grewel d. verwüstung (1610) 325; (Riep.:) wann ich aber wieder schläg krieg, wer macht mir meinen buckel nachher gut? (Odo.:) wir wollen dich schon mit der goldsalbe schmieren Ph. Hafner ges. schr. (1812) 2, 147. —
 
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goldsalz, n., 'mit diesem namen pflegt man ... die doppelsalze des goldchlorids mit natriumchlorid ... zu bezeichnen' Karmarsch-Heeren techn. wb.3 4, 142; vgl. Campe 2, 422.
 
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goldsand, m. , seit dem 16. jh. reich bezeugtes compositum.
1) goldhaltiger sand, vor allem fluszsand: das wasser Edera hat goldsand Seb. Münster cosmographey (1550) 12;

gleich wie in etlich goldreich flüssen,
da sie den goldsand schwemmen müssen
Fischart s. dichtg. 3, 360 Kurz;

du solt ... dich ans gebirg und an die wasser halten, die klufft unnd gültige geng, und goldsand füren Mathesius ausg. w. 4, 104 Lösche; wie nun so viel flüsse ... viel goldsand mit sich führen, ... also haben auch ... warme brunnen einen solchen zusatz Lohenstein Arminius (1689) 2, 738b; unsre gespräche gleiteten weg wie ein himmelblau gewässer, woraus der goldsand hin und wieder blinkt Hölderlin s. w. 2, 179 Hell.; auf einem schaffelle kann man nur sehr kleine quantitäten goldsand auswaschen K. E. v. Baer reden u. versch. aufs. (1864) 3, 184. von goldhaltigem sand des gebirges: seiffengebirge ... enthalten oft goldsand A. G. Werner gebirgsarten (1787) 26; der auszug aus der St. Petersburger handelszeitung mit

[Bd. 8, Sp. 829]


dem aufsatz über den uralischen goldsand Göthe IV 40, 91 W.; grosze niederlagen von goldsand zwischen quarzigen gangstücken A. v. Humboldt kosmos (1845) 4, 406.
2) goldglänzender glimmersand: die wege waren mit glitzerndem goldsande bestreut Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 114; ein sonderbares phänomen war der goldsand, ... woran der glimmer die ursache ist, aus dem ... die felsenformation in diesem thale besteht und der den weg mit seinem falschen golde erfüllt Pückler briefw. u. tageb. (1873) 2, 194. als streusand benutzt: nun hett aber der secretarius ... kein goldtsandt oder strewbulfer auff seinem tisch stehn Montanus schwankb. 276 Bolte; vgl. Fischart Gargantua 210 ndr.; bisweilen benutzt man die feinen, mit sandkörnern untermengten glimmerschuppen als streusand, welcher nach der farbe silber- oder goldsand genannt wird Oken allg. naturgesch. (1839) 1, 176; nachdem er diese zeilen mit goldsand bestreut hatte, übergab er sie dem diener Gutzkow ritter v. geiste (1850) 3, 248.
3) gelegentlich wird auch gemahlenes gold, gold in pulverform goldsand genannt: etliche unter ihnen (den pflanzen) bringen blumen als wären sie mit goldsand eingestaubt Hohberg georgica curiosa (1682) 1, 662; andern tages kam er zu einer steinklippe, aus welcher ein glänzend schwerer goldsand herabrieselte br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 122; dagegen sandte er ... eine ... botschaft mit ... einem säcklein goldsand in das portugiesische lager G. Keller ges. w. (1889) 7, 242; vgl. auch: 'goldsand handelsname für gold in körnern' Lueger lex. d. techn. 4, 732.
4) in bildlichem gebrauch. für geld, ertrag, reichtum: du darfst also, da dein goldsand ohnehin kärglich rieselt, dich ... nicht vertrösten Schubart br. 2, 291 Strausz; wenn vortheil, ehre und vergnügen davon zu erwarten stünde? ein strom von goldsand, ein wald von lorbeerkränzen, ein meer voll wonne Kotzebue s. dram. w. (1828) 21, 243. von geistig-seelischem reichtum: wenns nicht der lebensstrom wäre, der eigenmächtig durch deine fluren wallet ..., der sich durch deine lebensgebiete drängt, ach, und er strömt so voll, so selbstgefühlig in diesem reinen edlen bett über perlen und goldsand Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 84. —
 
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goldsauer, adj., bezeichnung für chemische verbindungen mit gold plus sauerstoff: goldsaures ammoniak Liebig chemie (1843) 591; goldsaures kalium Muspratt chemie (1888) 3, 1872; der niederschlag von goldsaurem kalk ... wird mit wasser gewaschen ebda 1, 731; das knallgold hat sich in goldsaures ammoniak verwandelt Herbart s. w. (1850) 4, 460; gold (tritt) als basis in sauerstoffsalze nicht ein. wohl aber sind goldsaure salze, aurate, dargestellt Lueger lex. d. techn. (1894) 4, 725. —
 
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goldsaum, m., goldfarbener saum: eine haube mit schmalen goldsäumen hüllte den kopf ... ein L. Hesekiel Nürnberger tand (1888) 2, 362. bildlich:

abendlich ruhte der see, und spiegelte felsen und bäume,
leichten gewölks goldsaum
J. H. Voss s. ged. (1802) 2, 328;

unter den dunklen baumstämmen sieht man das blaue meer und den goldsaum der abendröte Ludwig Richter lebenserinn. (1909) 522; wäre ihr reichtum nicht verschwunden wie der goldsaum eines wölkchens Kotzebue s. dram. w. (1828) 21, 64;

goldsäum an des frühlings kleid,
kleine sonnen, kleine sterne,
Loeben ged. 52 P.


 
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goldschacht, m., schacht im goldbergwerk, doch vgl. DWB goldschacht aurifodina Stieler stammb. (1691) 1702: so stiegen wir also den Heinzenberg hinan, in dessen fersen die goldschachte getrieben sind Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 259. gern bildlich und übertragen: wollte man die bedeckten goldschachten altdeutscher sprachschätze wieder öffnen, so könnte man ... aus Fischarts werken allein ein wörterbuch erheben Jean Paul w.

[Bd. 8, Sp. 830]


49/51, 315 Hempel; und wie viele solche weltworte liegen wie in goldschachten in seinen (Göthes) werken und briefen Kürnberger siegelringe (1874) 123; kein zauberdrache brütet mehr finster über den goldschachten der cultur Görres ges. schr. (1854) 6, 448;

langsame augen,
welche selten lieben;
aber wenn sie lieben, blitzt es herauf
wie aus goldschächten,
wo ein drache am hort der liebe wacht
Nietzsche ged. (1901) 199.


 
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goldschale, f., schale, meist trinkschale, aus gold: der frühtrunk ging in leuchtenden gold- und silberschalen umher die jahreszeiten (1811) 4, 85 Fouqué; die goldschale, sprudelnd von rebensaft, wird dem schwiegersohn zugetrunken und geschenkt Jac. Grimm kl. schr. (1864) 11, 181.
 
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goldschatz, m., ansammlung von gola:

besser das gbet mit fasten ist
und das almsen on arg list,
dann die vergrabnen goltschtz sind
Wickram w. 4, 271 Bolte;

so vberfilen sie vnuersehens mein hauszfraw vnnd zwangen sie, dasz sie jhnen den kasten, darinn mein goldschatz lag, zeigte Aeg. Albertinus landstörtzer (1615) 428; (sie) gewannen zwar keinen groszen goldschatz, doch im herbst einen köstlichen weinschatz Heinrich Müller erquickst. (1714) 296; zu Quedlinburg steht ein haus, in dessen grundtiefen sich grosze goldschätze befinden sollen br. Grimm dt. sagen (1891) 1, 150; vielen goldschatz barg die mutter erde, aber auch anderes metall schenkte sie aus ihrem vorrat dem bedrängten G. Freytag ges. w. 9 (1887) 72; was war für ein grund vorhanden, dies mädchen ... zu hüten und zu verbergen wie einen goldschatz? Heinrich Seidel ges. schr. (1907) 2, 35. name für den staatlichen besitz an münzfähigem golde: jetzt hat man im reichstage darüber verhandelt, den goldschatz der reichsbank noch weiter zu verstärken daheim (25. 1. 1913) 6b; die goldschätze der lydischen könige sind ... sehr beträchtlich gewesen hdwb. d. staatswiss, 24, 749. bildlich: und so liegt denn ein goldschatz von liebe ... in der brust, bis ihn endlich ein geisterwort hebt Jean Paul w. 48, 98 Hempel; die grundlagen unserer sitte sind so gut wie der goldschatz unserer sprache ein familienerbe der Germanen des Tacitus G. Freytag ges. w. 17 (1888) 35. im vers auch goldesschatz:

wirst du gleich nicht berühmt mit groszen goldesschätzen,
so wird dir doch die kunst ein ehrenseule setzen
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 3, 14.

als kosewort: goldschatz, herzenschatz, seelenschatz mel ac deliciae, suavia mellita, in medullis ac visceribus haerens Stieler stammb. (1691) 1740.
 
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goldschaum, m. , ältere nebenformen goldscheim, -schein.
1) der schaum, rückstand, die schlacke, die beim schmelzen des goldes entsteht, vgl.: auripigmentum goltschum, goltschawm (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 62b. merkwürdig als verdeutschung von scopulus goltschum (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 331b; vgl. dazu die goldscheym (goldschein var. S) der bäch neygten sich (scopuli torrentium inclinati sunt) erste dt. bibel 4, 80 Kurrelm.; spumarium goltschume (15. jh. nd.) Diefenbach gl. 549a; aurispuma, hd. goltschume; nd. goltscuome (1420) ebda 62c; golt schum (15. jh. nd.) nov. gl. 43b; auricalcus goltschume (Nürnberg 1482) gl. 61c; cadmia goltschume, -schum (15. jh. md.); gulschm (15. jh. nd.) ebda 87b; vgl. cathmia glett, gold- oder kupfferschaum Martin Ruland lex. alch. (1612) 135; litargirum goltschum, goltertzt (Nürnberg 1482); goltschawm (1446) ebda 333b; lithargirum Brack voc. (1487) 30; chrysitis goltschaum Er. Alberus dict. (1540) xx 3b; Maaler teutsch spr. (1561) 189b; Dentzler clavis ling. lat. (1716) 138a; chrysitis auri spuma est goldschaum Faber thes. (1654) 220b; scoria auri goldschaum Golius onomast. (1585) 74; goldtschum Chytraeus nomenclator latinosax. (1585) 81; aurugo goltschume

[Bd. 8, Sp. 831]


(15. jh. nd.) Diefenbach gl. 62c. modern gelegentlich für einen goldhaltigen schaum auf dem kochenden metallbade: (man nimmt) den gold und kupfer enthaltenden goldschaum (ab) Muspratt chemie 7 (1900) 1541.
2) heute gewöhnlich für das zu dünnen plättchen geschlagene gold, auch für unechtes oder gemischtes goldfarbenes metall, das zum vergolden gebraucht wird, vgl. DWB schaumgold: goldschaum, echter, ist blattgold Karmarsch-Heeren techn. wb. 34, 142; zur anfertigung des blattgoldes (goldschaum) gieszt man das gold zuerst in zaine Muspratt chemie (1888) 3, 1827. aber auch: goldschaum ist die benennung für unächte goldblättchen Helfft wb. d. landbaukunst (1836) 157; goldschaum, unechtes blattgold Lueger lex. d. ges. techn. 4, 732; vgl. Mothes baulex. (1881) 1, 397; Schönermark u. Stüber hochbaulex. (1902) 870;

zeigt man aus Delphis ihm des tempels herrlichkeit
wird er vom goldschaum blind dt. schaubühne (1740) 6, 556 Gottsched;

(man) beklebt die pinienäpfel und nüsse mit goldschaum Gaudy s. w. (1844) 6, 10. in bildlichem zusammenhang: jedermann ..., der wissen mögte, wie unsere gegenwärtige sociale welt denn eigentlich aussieht, wenn sie mit dem fatalen scheidewasser, dem nur das gold, nicht der goldschaum widersteht, ... besprengt wird Hebbel w. 11, 309 Werner.
3) goldener schaum: ein solches glas erscheint wie mit goldschaum ausgefüllt, wenn die kupferblättchen so zahlreiche sind, dasz die grundmasse fast verschwindet Lueger lex. d. ges. techn. 2, 633.
4) übertragen vornehmlich für unechtes, für trügerischen schein, von der tatsache ausgehend, dasz blosze vergoldung oft echtes, massives gold zu sein scheint: kinder sind (es), die sich in die ferne des goldschaums verlieben und den apfel, den sie in der hand haben, dafür hingeben, weil sie jenes (ferne) nicht kennen Herder 5, 545 S.; was uns nicht ... bildet, verdient den namen der schönen wissenschaften nicht, wenn es auch über und über mit goldschaum beklebt wäre ebda 30, 77;

sprangst du denn nur für den goldschaum
eitlen ruhms ins abenteuer?
Zschokke s. ausgew. schr. (1824) 39, 12;

was dir dein spiegel für massiv und ewig verkauft, ist nur ein dünner angeflogener goldschaum Schiller 3, 461 G. anders, von goldschaum 3 her, für eine lichterscheinung: während sie in der hohen wölbung stiegen, blinkte immer röther Aurorens goldschaum an den fenstern Jean Paul w. 15/18, 502 Hempel; eine falbe glorie umflosz die kuppeln der Marcuskirche ... und hauchte über die rauschenden wogen ihren flüchtigen goldschaum Gaudy s. w. (1844) 22, 164. —
 
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goldscheibe, f., goldene scheibe: wo der kiel die see aufwühlte, glitten leuchtende polypen wie kleine goldscheiben pfeilschnell vorüber Gaudy s. w. (1844) 5, 90. übertragen auf eine lichterscheinung: über das firmament zogen wolken heran, von der sonne beschienen, so dasz sie wie goldscheiben leuchteten Rosegger schr. I 15, 388.
 
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goldscheiden, verb. subst., das trennen des goldes von anderen metallen, vor allem vom silber: 'goldscheiden ... heist, das gold von dem silber absondern, und geschiehet solches auf dreyerley art' Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1247; ich kenne einen groszen künstler, ... der mit abquicken, cocmentiren und goldscheiden lang umbgangen Joh. Mathesius Sarepta (1571) 42b; sonst würdestu gewisz das goldscheiden auch schon erlernet haben Moscherosch gesichte (1650) 2, 825. —

 

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