Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldreif bis goldrose (Bd. 8, Sp. 825 bis 826)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldreif, m.
1) goldener stirnreif. als schmuck:

si bant die bluomen ûf
den goltreif mit dem silberdrâte Marienlegenden 21, 294 Pf.;

die frau reicht ihm einen reichen blumenkranz, auf einen goldreif geflochten, entgegen und trägt selbst einen rosenkranz auf dem haupte G. Keller ges. w. (1889) 6, 83. als krone:

wessen stirn kleinode zieren,
fürchtet, dasz man sie ihm raubt;
nicht den goldreif zu verlieren,
giebt er lieber gar sein haupt
Rückert ges. poet. w. (1867) 5, 174.


2) goldener fingerring:

und wie sie übern strand
dahinschwebt, blinkt vor ihr ein goldreif aus dem sand
Wieland s. w. 20 (1853) 264 (Oberon 10, 2);

er schob ihr an den finger
des goldreifs treuen schein
Erlach volksl. d. Deutschen (1834) 3, 555;

ihre noch schönen hände, die mit dem einzigen, einfachen goldreife der ehe geziert waren Stifter s. w. 4 (1911) 157.
3) anderer schmuckring: die hälfte eines breiten goldreifs, wie ihn die Gothenhelden um die nackten arme tragen Felix Dahn kampf um Rom (1901) 4, 46; ruhende helle hände, lang und schmal mit breiten goldreifen über den gelenken H. Hesse weg nach innen (1932) 62. bildlich: die milchstrasze zeigt sich uns als ... ein sternbesetzter goldreif Herder 23, 525 S.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldreif, m., barock für goldregen:

wer ist der jetzt ein schwan,
jetzt stier, jetzt goltreiff ward?
Opitz opera (1646) 1, 90;

(Jupiter) der ... endlich gar zum goldreif wurde S. v. Birken forts. d. Pegnitz-schäferey (1645) 91. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldreif, adj., von reifen, goldgelben früchten:

vor schrecken warf ich euch die schüsseln
goldreifer früchte — an den kopf
Nietzsche w. (1895) 8, 357;

feurig war die sonne hinterm acker gesunken, die goldreifen ähren tief bestrahlend Clara Viebig d. schlafende heer (1904) 2, 300.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldrein, adj., 'rein, lauter wie gold'. von der christlichen kirche und lehre: wenn die römische kirche goltrein were vnd jrem vrsprunge auffs gleichförmigste nahe, so würdet yr sie doch schabernacken Georg Witzel v. d. christl. kirchen (1534) p 2a; unser gott erhalt sein kleines heufflein in demut und einfalt bey der gepeuteleten und goldreinen lehre Mathesius ausg. w. 3, 247 Lösche. vom charakter des menschen: sie stellen sich, als sein sie gar goldrein, als haben sie nie kein waszer getrübt J. T. Müller d. symb. bücher d. ev.-luth. kirche (1882) 230; oft ist ein weib zu ihr (der freundschaft) ... goldreiner, als eine reihe ... unreiner männerseelen Herder 15, 311 S.; sein eigenes, metallstarkes, goldreines männerherz Stifter s. w. 3 (1911) 120. als 'rein, lauter, klar' auch in andern anwendungen: seine sonate erinnere ich mich von ihm selbst gehört zu haben ... er spielte sie höchst fertig, ... und goldrein Robert Schumann ges. schr. (1854) 3, 185; bei goldreinem dunkelblauen himmel Fr. v. Gentz schr. 1, 186 Schl.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldreinette, f., name einer goldgelben apfelsorte: grosze goldreinette Metzger pflanzenkde (1841) 740; die goldreinetten mit ihrem samtenen glanz! Holtei erz. schr. (1861) 5, 31. vgl.goldrenette Fischer schwäb. 3, 742.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldring, m., schmuckring aus gold als stirnreif, fingerring, armreif u. ä.: taranâh legeta si ûfen iro houbet magedlichen goldring (diadema virginale), ter meist clanzta fone dero scôni Notker 1, 786, 6 P.; im mhd. nicht

[Bd. 8, Sp. 826]


belegbar, doch vgl. unten goldringlein: seine hände (sind) goldringe mit türkisen besezzt, sein leib glänzend elfenbein geschmückt mit sapphiren Göthe I 37, 307 W.; nach beyliegendem ringe wünscht unterzeichneter einen starken goldring zu besitzen ebda IV 25, 146;

und der könig nahm stolz Karin gar auf seine knie,
gab goldringe ihr und wälder und land
E. M. Arndt w. 6, 140 R.-M.;

übergabe von grundstücken geschah im mittelalter auch per annulum aureum; ... übergabe von burg und land durch einen goldring Jac. Grimm dtsche rechtsaltert.4 1, 246; einen zweitheiligen mit einer demantenen bärentatze gezierten goldring Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 468; ihm stand der athem still, als er jetzt seinen goldring aus der tasche zog Storm s. w. (1898) 7, 199; die rote hand, die feuer an die scheunen legte, die die goldringe von den fingern unserer toten zog Fontane ges. w. (1905) I 1, 37; sie war zart ..., mit ... rubinen und goldringen in den feinen ohrmuscheln M. Dauthendey Lingam (1923) 96. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldringer, m., mundartlich für den goldringträger, den goldfinger; vgl. schweiz. id. 6, 1101; Frischbier pr. 1, 245. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldringlein, n., dim. zu goldring, besonders in poetischer verwendung, vgl. schon:

wo sint die golt ringelin?
wo sint die guldin vingerlin?
Heinrich v. Neustadt visio Philiberti 91 S.;

was zog er ihr abe vom finger?
ein rothes goldringelein volkslied bei
Herder 25, 147 S.;

vgl. Göthe I 38, 241 W.; Mittler dtsche volkslieder (1865) 92; sie bezahlen ihn mit einem goldringlein, dem letzten, das sich noch gefunden hat Rosegger I. N. R. I. (1904) 268. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldrolle, f., rolle aus goldenen münzen: der konrektor, der sich gegenwärtig an die reihe der millionäre anschlosz, hielt die kurze goldrolle wie einen zepter in der hand Jean Paul w. 3, 94 Hempel; sie ... öffnete den secretär, griff nach einer goldrolle, schlosz wieder zu und trug den schlüssel zurück Hebbel w. 2, 44 Werner; dasz du das glück nach der zahl der goldrollen bemessen solltest, für so inferior halte ich dich nicht (1876) Fontane familienbriefe 1, 240. doppelsinnig: o goldrollen, goldrollen, nach euch streben alle schauspieler dieser welt S. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 180.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldröschen, n., name der pflanze helianthemum chamaecistus Miller; goldröschen Nemnich polyglottenlex. (1793) 1, 1051; sonnenröschen, gemeines ... goldgünsel, goldröschen, güldengünsel etc. Holl pflanzenn. (1833) 349b; Pritzel-Jessen volksn. d. pfl. 178; s. auch goldrose 1 und goldröslein. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldrosef. 1) dass. wie goldröschen, auch kirschisop genannt, vgl. Campe 2, 421. 2) goldene oder vergoldete schmuckrose:

wie die flitterkränze schweben
und die flimmernden goldrosen
zittern auf der jungfraun särgen
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 3, 240;

zur ansicht für den erzherzog hatte man eine goldrose in bereitschaft Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 232; so wird den doctorfrauen ... verboten ..., sich mit ... goldrosen und kleinodien zu behängen K. Fr. Becker weltgesch. (1801) 6, 678. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: