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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
göldisch bis goldkarausche (Bd. 8, Sp. 797 bis 799)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göldisch , auch goldisch, adj. zum stammvokal vgl. das bei golden adj. (oben sp. 727) gesagte; für die form s. güldisch teil 4, 1, 6, sp. 1070.

[Bd. 8, Sp. 798]



1) in der älteren bergmannssprache soviel wie 'goldhaltig', s. auch goldig b: ferner tragen auch alle goldische werck, welche gemeiniglich sandig seind, gut gediegen golt Ercker beschreib. aller mineral. ertzt (1580) 42a; etliche weise kiesz ..., die ... göldisch seind ebda 42b; quecksilberertz, so ... sehr goldisch sind Thurneysser magna alchymia (1583) 86; gantze gebirge giebt es voll von gestein, die einen göldischen extract geben, welcher zu gold oder silber geschmoltzen, in allen proben darbey bestehet J. J. Becher närr. weisheit (1707) 65; unter der erden sind die silber- und kupfferertze vor andern göldisch, das ist etwas gold haltend Noel Chomel öcon. lex. 4, 1196; goldische bergarten, ... goldische eisen Jacobsson techn. wb. (1781) 5, 714; man soll jährlich höchstens 70 mark gewinnen neben 6-700 mark goldischen silbers K. Weber Deutschland (1827) 2, 466; bei göldischem quecksilber Muspratt chemie (1888) 7, 534.
2) von Paracelsus in besonderem sinne angewandt, 'der natur, dem wesen des goldes entsprechend': wie dem goldt sein göldisch arth auszgezogen wirdt opera (1616) 1, 614 Huser; Mercurius und Sol seind weiss und goldischer art 2, 135; darumb der sulphur vom goldt göldisch virtutes hatt 1, 1047.
 
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goldjahr, n., dass. wie goldenes jahr, vgl. unter golden C 4 b: jubileus annus isz heiszet daz gultiar (15. jh., md.) bei Diefenbach gl. 311a; anders: nach dem letzten meissnischen goldjahre J. H. Voss krit. bl. (1828) 1, 440.
 
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goldjunge, m., kosewort, vgl. DWB golden D 1 c: seht mir nur den goldjungen da, wie er an mir hängt! Musäus volksmärchen 1, 45 (Hempel); goldjunge, Harry! Klinger theater (1786) 2, 336; lasz dich küssen, goldjunge! Grabbe w. 1, 276 Blumenthal.
 
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goldkäfer, m., seit dem 15. jh. bezeugt; als name verschiedener metallisch glänzender käfer, vor allem des meist unter dem namen 'spanische fliege' (cantharis lytta venicatoria) bekannten und des rosenkäfers (cetonia aurata, wofür älter scarabeus auratus L.) verbreitet, vgl. Brehm tierleben 9, 102 P.-L., gelegentlich auch für den goldgrünen laufkäfer carabus auratus L., vgl. Nemnich wb. d. naturgesch. 202, Ratzeburg forstinsecten (1837) 1, 26. nicht näher bestimmbar in der glossierung: aurilia goldkeber (voc. rer. 1466 obd.) bei Diefenbach nov. gl. 43b, wo vermutlich die spanische fliege gemeint ist, vgl. unten goldwurm; cantarides gryene vöglin, goltkäfer Gersdorff wundarzney (1517)91a; goldtzefer, spanische flege Chyträus nom. (1585) 379; cantharides seind goldkäffer Paracelsus opera (1616) 1, 1122 Huser; cantharis goldkäfer oder spanisch muck Zehner nomencl. (1645) 215; goldkefer, ein käfer von goldgrüner farbe scarabeus aureolus Frisch (1741) 1, 360c; cetunia aurata goldkäfer allg. dt. bibl. 85 (1789) 504, vgl. Oken allg. naturgesch. 5, 1790: Aristoteles sagt, das der geruch von rosen die goldkefer vertreib, dann übler gestanck ist inen der best geruch Michael Herr feldbau (1551) 118a; (glänzen) thut auch ein jedes wachslicht, oder ein indianischer goldkefer Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 1 (1644) 102; erwege doch bey dir, dasz zwischen einem kothkehfer und goldkhefer ... nit ein so grosser underschid seye als zwischen dem menschen und dem engel Abraham a s. Clara Judas, der ertzschelm (1686) 1, 523; dies leben mit ... den goldkäfern, die so träg und duftberauscht in der mittagsonnenhitze auf blumenkelchen ... schillerten Gutzkow aus der knabenzeit (1852) 247. bildlich und übertragen: (er wurde) von dem alchimistischen goltkefer und schatzgreber ausz geitz betrogen Rollenhagen froschmeuseler (1595) C 3a; ihr vernunfftlose goldkäffer! wem samlet ihr? Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 72; du! erniedrigt durch diese goldnen schuppen (des römischen panzers) zu einem goldkäfer! Grabbe w. 3, 535 Blumenthal.
 
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goldkäferchen, n., deminutiv zum vorigen: da flog ein goldkäferchen ganz oben bei den sternen Th. Storm s. w. 2, 121 Köster. übertragen: o mein hertzgen, mein goldkäfergen! Chr. Weise d. grün. jugd. überfl. ged. 191 ndr.
 
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goldkäferlein, n., dass.: darin (in rosen) stets nicht allein die bynen, sunder auch andere insecta oder

[Bd. 8, Sp. 799]


goldkefferlin jre narung schen Bock kreutterbuch (1539) 3, 20; wie ein goldkäferl auf einer rosen Abraham a s. Clara 1, 75 Strigl;

gottlob, dasz ich wieder bei ruhigem sinn
und nicht das verwünschte goldkäferlein bin
Chr. v. Schmid ges. schr. (1858) 17, 70;

vgl. auch goldkäferl rosenkäfer, cetonia aurata im steir. Unger-Khull 299a.
 
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goldkalb, n., 'goldenes kalb', von dem im a. test. häufig vorkommenden götzenbild, vgl. DWB golden A 1 d; hier bildlich für eine irrlehre: ja die ärgesten spitzbben, die verloffenen trewlosen münch ... die werden bey ihn (den lutherischen) uber die gemeyn gestellt z predigen, und rhmen die zwo gestalt, ich meyn die zwey goldkälber Hierobeams, wie es dann im reich Israel nach ihrem abfall auch zgieng Joh. Nas das antipapist. eins u. hundert (1567) 4, 64b.
 
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goldkalk , älter goldkalch, m., vgl. DWB kalk teil 5, sp. 64.
1) in der anschauung und sprache älterer zeit 'verkalktes gold' (calx auri), wie es bei der scheidung von gold und silber durch scheidewasser ausgefällt wird: wann nun das scheidwasser alles silber und gold abgeschieden ..., so geusz ... auff das goldt oder goltkalch, der im kolben geblieben, rein siedent heisz wasser Ercker beschreib. aller mineral. ertzt (1580) 72a; nimm die selbigen probkörner ... und solvir das silber in eim scheidkölblein, im scheidwasser, so bleibt ein brauner goldtkalch ebda 59a; und ists ein process also, nemblich dasz das gold calciniert werde durch aquam regis, auff saffranfarb denselbigen goldtkalch in einen cuourbith gethan Paracelsus opera (1616) 1, 886 Huser; vgl. DWB goldkalk ein in kalk verwandeltes, d. i. entweder durch die gewalt des feuers oder auch durch säuren seines brennbaren wesens beraubtes gold Krünitz 19, 532, s. auch Jacobsson techn. wb. (1793) 5, 714a; in neuerer technologischer literatur nicht mehr üblich.
2) im 18. jh. für eine gesteinsart bezeugt, die gold enthält: goldkalch ist eine art erde, welche bisweilen gold in sich hält Frisch t.-lat. (1741) 1, 360c; goldkalk ist wie ein anderer kiesz, der aber zufälligerweise etwas gold hält Minerophilus bergwerckslex. (1730) 302; goldkalck ist eine bey den klüfften in der grube zusammengesinnterte erdart, welche bisweilen gold in oder an sich führet Noel Chomel öcon.-phys. lex. (1750) 4, 1232.
 
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goldkamm, m., kamm aus echtem gold, oder goldfarbener, goldverzierter kamm:

o lang, lang mögen ihre frauen stehen,
den goldkamm in dem baar,
und warten ihrer lieben herrn
Herder 25, 176 S.;

und sie läszt sich einen spiegel stellen,
zieht den goldkamm aus dem sonnenhaare
Isolde Kurz ged. (1905) 159.


 
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goldkammer, f.1) schatzkammer, vgl. gazetum goltkammer (md. 15. jh.) bei Diefenbach gl. 258b. 2) name einer fischfangvorrichtung: in der nacht vor dem fange treibt der reis (befehlshaber der fischer) alle thunfische, deren tod beschlossen, in die vor- oder goldkammer ..., goldkammer genannt, weil der thun in diesem teile des netzes dem fischer ebenso sicher ist wie das gold im beutel Brehm tierleben 8, 111 P.-L.3) im kurhessischen spöttische bezeichnung für bürgerliches gefängnis, vgl. Pfister kurhess. 133.
 
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goldkarausche, f., name für den fisch carassius carassius etc., vgl. Brehm tierleben 8, 251 P.-L.; Krünitz 18, 394 unter giebel.

 

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