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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldig bis goldkäferchen (Bd. 8, Sp. 796 bis 798)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldig, goldicht, adj. u. adv. , auch guldig, güldig, s. teil 4, 1, 6, sp. 1070.
1) 'goldähnlich, goldfarben', älter 'goldhaltig', in mundarten, vor allem oberdeutschen, auch 'von gold', 'golden', z. t. anstelle des fehlenden gülden, golden, vgl. guldig golden schweiz. id. 2, 227, Schmid schwäb. 249, Beck Markgräfl. ma. 72; gulden, guldig, goldig für 'golden, von gold' Martin-Lienhart elsäss. 1, 213; goldich ... golden Follmann lothr. 210; koltic golden Meisinger Rappenau 75; gulden, guldig, goldig von gold, golden Schöpf tirol. 223; 'giltən, dafür meist goldig' Müller-Fraureuth obersächs. 1, 429a, vgl. auch Stauf v. d. March nordmähr. ma. 45; 'guldig, goldig ... was gulden, golden' Schmeller-Fr. bair. 1, 901; goldich golden Heinzerling-Reuter Siegerländ. ma. 93; göldig, goldig golden Rovenhagen Aachener ma. 46; vgl. im älteren nd. güldich mnd. hwb. 1, 2, 187. bei Fischer schwäb. 3, 740 wird goldig 'vergoldet' abgehoben gegen golden 'aus gold' (Ostdorf), s. auch golden A 1.
a) 'aus gold':

sie steckten im an ein guldigen ring:
jetzt bist du wieder mein königskind (schweiz.) bei
Mittler dtsche volkslieder 115;

mit guldige gufe, silbrige hafte, fast wie eine hand so grosz Jer. Gotthelf ges. schr. (1856) 1, 105;

die kunst der nadel ist mir nicht geschenkt,
auch kann ich euch kein goldig kleinod reichen
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 234;

sie kämmte dem thier mit goldigem kamm
sein goldiges mähnenhaar
graf Strachwitz ged. (1850) 58.

'wie gold':

da wollt es ihm bedünken,
er säh es aus dem erdreich guldig blinken
Grillparzer s. w. 2, 27 Sauer.


b) in älterer bergmannssprache soviel wie goldhaltig, vgl. auch göldisch und güldig teil 4, 1, 6, sp. 1070: über das fande er ein gros goldecht bergwerck in seinem eigen land Wickram 3, 169 Bolte; dann wieviel seind erst der güldigen bergwercken auffkommen Seb. Münster cosmogr. (1550) 79; ein jeglicher guldiger gang Bech Agricolas bergwerckb. (1621) 80; vom goldigen silber Mathesius Sarepta (1571) 1a; göltig silber ebda 29a; von den göldigen silbern Ercker beschreib. aller mineral. ertzt (1580) 71b; quecksilberertz ..., welche sehr goldig gewesen Thurneysser magna alchymia (1583) 86; (man) entdeckte diesen anbruch güldiger und silberhaltiger ocher Ritter erdkde (1822) 2, 670.
c) 'goldfarben', 'vergoldet', 'mit gold verziert':

der herr zog aus sein guldiges schwert bei
Tobler Schweizer volksl. 1, 113;

wollet mir es vergönnen, hinter den vorhang zu sehn, welcher von jenem guldigen rahmen herunter hängt Fouqué zauberring (1812) 2, 109;

hat mir (dem turmhahn) die sonne unverwandt
auf meinen goldigen leib gebrannt
Mörike w.2 1, 139 Maync.


d) 'glänzend, schimmernd wie gold' von nichtmetallischen körpern, auch 'goldgelb':

da leuchten ...
im mittagstrahl, ein goldig funkenmeer,
die wohlbckannten, heiszersehnten zinnen
A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 235;

der sterne seelig heer
glitt rieselnd in ein goldig nebelmeer
Mörike w.2 1, 147 Maync;

sieh, der sonnenschein liegt so goldig auf der strasze Hebbel s. w. 2, 42 Werner; ich ... freute mich daran,

[Bd. 8, Sp. 797]


wie goldig der tee glänzte R. M. Rilke ges. w. (1927) 4, 57; das haar ... hatte nichts als die fülle von seiner ehemals goldigen schönheit behalten Hermann Stehr d. begrab. gott (1906) 354;

es schwingt in der sonne sich auf
ein bienchen in guldiger pracht. —
bin müde vom irren lauf,
erstarrt von der kälte der nacht
Chamisso w. 3 (1836) 133;

leuchtend gelb: die goldige laugenblume cotula aurea (für cotula coronopifolia L.) Oken allgem. naturgesch. (1839) 3, 761; wie der haber goldig dastand Stifter s. w. 5 (1908) 318.
2) goldig im übertragenen sinne z. t. gleichbedeutend mit golden; wie golden D 1 a: s ist guldig dergegen, es ist unvergleichlich mehr wert bei Martin-Lienhart elsäss. 1, 213b, wie golden D 1 b, auch C 2: die guldige nacht brautnacht, in: schweiz. id. 2, 227. wie golden C 1: in Homers gesängen erscheint alles in so schönem lichte, so verherrlicht, so nobel und goldig (von gold strahlend) J. H. Kohl reise nach Istrien (1856) 1, 307; wie golden C 3 a, c: es geht wie ein zaubermärlein, so schön, ... so reich und goldig (gold verheiszend) Holtei erz. schr. (1861) 4, 149; wie golden D 2 a, auch D 1 b: aber aus der goldigen hoffnungsreichen zukunft war eine graue, trostlose gegenwart geworden Spielhagen s. w. (1877) 2, 436.
in seiner hauptanwendung gilt goldig als schmeichel- und kosewort im sinne von 'lieb, wert, hübsch, liebenswürdig' und ist in dieser verwendung auch in heutiger umgangssprache und in den unter 1 angeführten mundarten weiter verbreitet als golden (vgl. DWB golden D 1 a). vgl. noch e goldig kerlche am ganzen Main und Rhein Askenasy 194, goldig 'von personen und sachen: teuer, goldeswert, lieb, herrlich' Fischer schwäb. 3, 739; min goldicher käfer! Martin-Lienhart elsäss. 1, 213; goldig lieb, sehr hübsch und zierlich, liebenswürdig Reuting Höchster ma. 19: ach du goldiges Andreszgen! ... lasz mir doch erscheinen den hertzallerliebsten mein! J. G. Schmidt gestr. rockenphil. (1706) 1, 170; o ihr seyd doch mein goldiger junker Schiller 2, 144 G. (die räuber 4, 3); bin mit der welt recht zufrieden, goldiger Miller Schubart br. 1, 220 Strausz; was ich aber von ihm am meisten schätze, ist der mann selbst, ein so goldiger bursche ist mir nicht leicht vorgekommen Karl Stauffer-Bern br. 91 Brahm. umgangssprachlich als gefühlsbetontes epitheton ebenso im norddeutschen weit verbreitet, z. b. ein goldiges kind, ein goldiges geschöpf, ein goldiges tier; von sachen gebraucht, wie sonst auch reizend, DWB niedlich, DWB entzückend, z. b. ein goldiger hut, ein goldiges kleid, ein goldiges häuschen u. ähnl.
 
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goldigbraun, adj., goldbraun: die fülle der goldigbraunen locken Zschokke ausgew. schr. (1824) 25, 110; (die) goldigbraune raupe Brehm tierleben 9, 415 P.-L.
 
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goldiggelb, adj., goldgelb: mit krausgelocktem, goldiggelbem haar Gaudy s. w. (1844) 1, 165. —
 
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goldiggrün, adj., goldgrün:

goldiggrüner strahlenschimmer,
der durch saftges weinlaub lacht
Gaudy s. w. (1844) 9, 40.


 
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goldinhalt, m., dass. wie goldgehalt: müntzen mit dem feinen goldinhalt egedachter ordnung (v. j. 1501) urkunden z. gesch. d. schwäb. bundes 14, 425 Klüpfel; die abnahme des goldinhalts in den goldschillingen Luschin v. Ebengreuth münzkde 213; der goldinhalt eines gebirges musz also ein groszer sein, um den bergbau lohnend zu machen K. E. v. Baer reden u. versch. aufs. (1864) 3, 185.
 
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goldinsel, f., insel, auf der gold gefunden wird: insel Peru unnd ander goldinseln Mathesius w. 4, 129 Loesche; sobald die halbinsel Malakka den spätern Griechen und Römern bekannt wurde, hiesz sie die ... goldinsel K. E. v. Baer reden u. versch. aufs. (1864) 3, 340.
 
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göldisch , auch goldisch, adj. zum stammvokal vgl. das bei golden adj. (oben sp. 727) gesagte; für die form s. güldisch teil 4, 1, 6, sp. 1070.

[Bd. 8, Sp. 798]



1) in der älteren bergmannssprache soviel wie 'goldhaltig', s. auch goldig b: ferner tragen auch alle goldische werck, welche gemeiniglich sandig seind, gut gediegen golt Ercker beschreib. aller mineral. ertzt (1580) 42a; etliche weise kiesz ..., die ... göldisch seind ebda 42b; quecksilberertz, so ... sehr goldisch sind Thurneysser magna alchymia (1583) 86; gantze gebirge giebt es voll von gestein, die einen göldischen extract geben, welcher zu gold oder silber geschmoltzen, in allen proben darbey bestehet J. J. Becher närr. weisheit (1707) 65; unter der erden sind die silber- und kupfferertze vor andern göldisch, das ist etwas gold haltend Noel Chomel öcon. lex. 4, 1196; goldische bergarten, ... goldische eisen Jacobsson techn. wb. (1781) 5, 714; man soll jährlich höchstens 70 mark gewinnen neben 6-700 mark goldischen silbers K. Weber Deutschland (1827) 2, 466; bei göldischem quecksilber Muspratt chemie (1888) 7, 534.
2) von Paracelsus in besonderem sinne angewandt, 'der natur, dem wesen des goldes entsprechend': wie dem goldt sein göldisch arth auszgezogen wirdt opera (1616) 1, 614 Huser; Mercurius und Sol seind weiss und goldischer art 2, 135; darumb der sulphur vom goldt göldisch virtutes hatt 1, 1047.
 
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goldjahr, n., dass. wie goldenes jahr, vgl. unter golden C 4 b: jubileus annus isz heiszet daz gultiar (15. jh., md.) bei Diefenbach gl. 311a; anders: nach dem letzten meissnischen goldjahre J. H. Voss krit. bl. (1828) 1, 440.
 
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goldjunge, m., kosewort, vgl. DWB golden D 1 c: seht mir nur den goldjungen da, wie er an mir hängt! Musäus volksmärchen 1, 45 (Hempel); goldjunge, Harry! Klinger theater (1786) 2, 336; lasz dich küssen, goldjunge! Grabbe w. 1, 276 Blumenthal.
 
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goldkäfer, m., seit dem 15. jh. bezeugt; als name verschiedener metallisch glänzender käfer, vor allem des meist unter dem namen 'spanische fliege' (cantharis lytta venicatoria) bekannten und des rosenkäfers (cetonia aurata, wofür älter scarabeus auratus L.) verbreitet, vgl. Brehm tierleben 9, 102 P.-L., gelegentlich auch für den goldgrünen laufkäfer carabus auratus L., vgl. Nemnich wb. d. naturgesch. 202, Ratzeburg forstinsecten (1837) 1, 26. nicht näher bestimmbar in der glossierung: aurilia goldkeber (voc. rer. 1466 obd.) bei Diefenbach nov. gl. 43b, wo vermutlich die spanische fliege gemeint ist, vgl. unten goldwurm; cantarides gryene vöglin, goltkäfer Gersdorff wundarzney (1517)91a; goldtzefer, spanische flege Chyträus nom. (1585) 379; cantharides seind goldkäffer Paracelsus opera (1616) 1, 1122 Huser; cantharis goldkäfer oder spanisch muck Zehner nomencl. (1645) 215; goldkefer, ein käfer von goldgrüner farbe scarabeus aureolus Frisch (1741) 1, 360c; cetunia aurata goldkäfer allg. dt. bibl. 85 (1789) 504, vgl. Oken allg. naturgesch. 5, 1790: Aristoteles sagt, das der geruch von rosen die goldkefer vertreib, dann übler gestanck ist inen der best geruch Michael Herr feldbau (1551) 118a; (glänzen) thut auch ein jedes wachslicht, oder ein indianischer goldkefer Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 1 (1644) 102; erwege doch bey dir, dasz zwischen einem kothkehfer und goldkhefer ... nit ein so grosser underschid seye als zwischen dem menschen und dem engel Abraham a s. Clara Judas, der ertzschelm (1686) 1, 523; dies leben mit ... den goldkäfern, die so träg und duftberauscht in der mittagsonnenhitze auf blumenkelchen ... schillerten Gutzkow aus der knabenzeit (1852) 247. bildlich und übertragen: (er wurde) von dem alchimistischen goltkefer und schatzgreber ausz geitz betrogen Rollenhagen froschmeuseler (1595) C 3a; ihr vernunfftlose goldkäffer! wem samlet ihr? Abraham a s. Clara mercks Wien (1680) 72; du! erniedrigt durch diese goldnen schuppen (des römischen panzers) zu einem goldkäfer! Grabbe w. 3, 535 Blumenthal.
 
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goldkäferchen, n., deminutiv zum vorigen: da flog ein goldkäferchen ganz oben bei den sternen Th. Storm s. w. 2, 121 Köster. übertragen: o mein hertzgen, mein goldkäfergen! Chr. Weise d. grün. jugd. überfl. ged. 191 ndr.

 

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