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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldgraben bis goldgrund (Bd. 8, Sp. 786 bis 788)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldgraben, subst. vb.:

solchen leüten dien ich gar gern,
die mit hurn und buben umbgehn,
denn solcher unzucht thu ich beystehn,
bin lieber dabey als bei goltgraben
J. Ayrer dramen 1872 Keller;

der älteste unter den zwei stammbrüdern sei durch gold- und silbergraben reich geworden Fr. Schlegel s. w. (1846) 13, 56. —
 
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goldgrabend, part. adj.: die existenz dieser goldgrabenden indianischen ameisen Wieland Lucian (1788) 1, 126; dem indischen märchen von den goldgrabenden ameisen Mommsen reden u. aufs. (1905) 252.
 
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goldgräber, m. , seit dem 15. jh. goltgreber belegt (s. u.b).
a) goldgraber aurilegus Widerhold nouv. dict. (1669) 149a; goldgräber ... heist ein bergmann, welcher in der goldgrube arbeitet Noel Chomel öcon.-phys. lex. 4, 1231: der goldgräber kann nur während drei monate seinem geschäft nachgehen Ritter erdkde (1822) 3, 668; auch als goldgräber in Kalifornien habe ich mein glück versucht W. Weigand d. gärten gottes (1930) 264. übertragen: das reich der abstraktionen (ist) die wahre gegend unterirdischer arsenikalischer dünste, wo die goldgräber (goldgräber nach dem wahn der menschen) als verdammte der hölle umhergehen Herder 5, 458 S.

[Bd. 8, Sp. 787]



b) euphemistische bezeichnung für kanalräumer: für 8  liecht den goltgrebern in die aduche gegeben und ine domide gelûchtet (1443) Frankf. baumstb. bei Lexer 1, 1048; goltgreber, galtgreber, kanal-, abtritträumer (belege von 1463 an) bei K. Bucher Frkf. berufswb. 52b; vgl. M. Kramer t.-ital. 1 (1700) 546b; Jacob Wien 71.
 
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goldgradieren, subst. vb., das erhöhen der farbe des goldes durch chemische einwirkung: das gemeine goldtgradieren aber geschicht, dasz man ein pulffer mach von zwei theil kupffer und ein theil schweffel Ercker beschreib. aller mineral. ertzt (1580) 85b; 'so wird auch das gold, wenn es sehr bleich oder gar weisz ist mit ... gradierpulvern ... wie auch mit so genannten goldfarben ... in seiner farbe erhöhet, welches man das goldgradieren nennet' Krünitz öcon. encycl. 19, 354; dazu goldgradierung, f., bei Ercker beschreib. aller mineral. ertzt (1580) 84a. —
 
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goldgranat, m., eine art des minerals granat, die gold enthalten soll, vgl. Voigtel wb. (1793) 2, 112a; Adelung 2, 743. —
 
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goldgras, n., bezeichnung der pflanze 'anthoxanthum odoratum': das gemeine ruchgras ... das dem heu seinen angenehmen geruch gibt, heiszt daher auch lavendelgras und, weil die ähren zuletzt gelblich werden, goldgras Oken allg. naturgesch. 3, 394; beleg f. d. 18. jh. bei Marzell 1, 329.
 
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goldgrien, m., im ält. alem. 'uferplatz mit kiessand, in dem gold gewaschen wird': so ist eins apts und des gottzhusz zue Swarzach twynge und banne, walde und weyde, ... wyltbenne, vogelleygen, goltgrine, mülestaden (vor 1400) weist. 1, 423; item 1 lb. von goltgrienen, myne oder me (1414) bei Mone ztschr. f. gesch. d. Oberrheins 18, 416; aurifovea ein goldgrueb oder goldgrien an einem reine oder wasser gemma gemm. (1510) c 3a; aurifodina goltgrien am Rein, var. goltgryn am Rhyn (16. jh.) bei Diefenbach gl. 62a; der sich vorgender gerechtikeiten, als der almend, weiden, altwassern, goltgrien, wiltpand ... underneme (1528) weist. 5, 499. —
 
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goldgries, m., 'goldhaltiger sand', schon ahd. bezeugt: quicquid Tagus donat aureis harenis suuaz Tagus kibet fluuius Hispanie an sinemo goltcrieze Notker I 196, 8 Piper; lexikalisch noch bei Voigtel wb. (1793) 2, 112a, Adelung 2, 744; vgl. auch mhd. goldgrûz Lexer 1, 1048:

wan man sol die golt grûz lesen uz den griezen
Heinrich v. d. Türlin krone 18116.


 
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goldgrube, f.
1) goldbergwerk, vgl. aurifodina goltgrube, goltgrub, goltgrueb (1429 md.); goltgrobe (1414 nd.) bei Diefenbach gl. 62a; aurifovea goltgrueb gemma gemm. (1495) C 3b: als ein köche und etliche tiche (dämme) und züne bij der goltgrben und anders gemaht sint ..., daz man nit wol darvor usz und in ... gefaren mag (1405) ztschr. f. gesch. d. Oberrheins 9, 411 Mone; und mssen unsere mnner mit strenger arbeit in den goldgrben arbeiten Wickram 3, 170 Bolte; so läszt sich solches vergleichen mit dem gold, das ... aus der goldgruben gegraben ... wird Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. 5 (1645) 444; so ist er zu verlachen ... wenn er nicht ... hingeht goldgruben und kirchenschätze suchen, wo ihn nur niemand sieht Herder 1, 25 S.; ohngeachtet der reichen goldgruben in Amerika waren dennoch seine finanzen sehr oft in unordnung Schiller 4, 92 G.; in dem bezirk der goldgruben haben die Römer sich ansässig gemacht Mommsen röm. gesch. 5 (1904) 207. oft bildlich und übertragen: du (gott) bist ... die goldgrube der güte Olearius persian. baumgarten in: verm. reisebeschr. (1696) vorr. 5; für eine besonders reiche grube, vor allem in fester verbindung wie rechte, wahre goldgrube (s. auch unter 2), 'fundgrube von geistigen schätzen': die kirchengeschichte, die als eine wahre goldgrube zu beobachtungen und grundsätzen ... gebraucht werden kann J. G. Hamann schr. 3, 285 Roth-Wiener; in die goldgrube der sprache herabsteigen Herder 2, 57 S.; wieviel kostbares (in der bibel)! lauter goldgruben, in die man sich hineinarbeiten und die man ausbeuten möchte! K. Gerok psalmen (1891) 1, 2;

[Bd. 8, Sp. 788]


die rechte goldgrub ist der fleisz —
für den, der ihn zu üben weisz
Chr. v. Schmid ges. schr. (1858) 16, 33.


2) seit dem 18. jh. verbreitet in der übertragenen bedeutung 'ertragreiche erwerbsquelle', 'quelle des reichtums, wohlstandes'; vgl. Krünitz öcon. encycl. 19, 520, Adelung 2, 744, auch mundartlich, vgl. goldgrouf gutgehendes geschäft luxemb. ma. 149; goldgrube ein gutes geschäftslokal Brendicke Berliner wortsch. 128; geschäft, das überreichen ertrag abwirft Unger-Khull steir. 299: allgemeine goldgrube, woraus grosze potentaten und gantze länder sich bereichern können J. J. Pock (1726) titel; von der in der accise entdeckten goldgrube Gottsched d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. (1751) 1, 676; so gilts in allen ländern: dasz die kornernte eine goldgrube ... sey Herder 1, 83 S.; das (die zeitschrift) kann für sie und mich eine goldgrube werden Göschen an Böttiger in: briefw. (1803) 158; desto fleisziger arbeiteten sie ... also dasz er ein heidengeld durch die stillen gesellen verdiente und eine wahre goldgrube an ihnen besasz G. Keller ges. w. (1889) 4, 227; euphemistisch gefärbt für die dunggrube: lieber pastor ... das is unsere goldgrube Hauptmann einsame menschen (1891) 116; vgl. auch Brendicke Berliner wortsch. 128.
 
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goldgrün , auch goldengrün, adj., 'von grüner, ins goldene spielender farbe', vgl. auch grüngolden.
1) der goldene ton wird hervorgerufen durch metallischspiegelnden glanz; so gern vom tierkleid: umb die tische herumb standen ... thiere, nemlich ein löwe, ein pferd, ... und ein goldgrüner käfer Lohenstein Arminius (1689) 1, 1365a; die wasserjungfern tanzten, dasz ihre goldgrünen haare wehten H. Stehr Leonore Griebel (1900) 217;

wie sie kreise zieht, sich hebet und sich senkt,
die goldengrüne, lüsterne schlange!
an ihren roten lippen hängt
ein lächeln, wie drei tropfen süszes gift
Mörike ges. schr. (1905) 3, 110 Göschen.


2) der goldene ton wird durch den schimmer durchscheinenden oder auffallenden gelben lichtes hervorgerufen: ein durchsichtiges wäldchen von goldgrünen birken Jean Paul w. 7/10, 174 (Hempel); man sahe nichts als über sich das goldgrüne gewölbe des waldes Jung-Stilling s. schr. (1835) 4, 564; oben spielten die letzten strahlen der abendsonne auf den warmen goldgrünen blättern C. F. Meyer Jürg Jenatsch (1901) 39;

hell im silberlichte flimmernd
zieht und singt des baches welle;
goldengrün und tiefblau schimmernd
küszt sie flüchtig die libelle
G. Keller ges. w. (1889) 9, 55.

vom lichte selbst: im goldgrünen abend Jean Paul w. 39/44, 66 (Hempel); zweifarbig, golden und grün:

auf deiner weiszen marmorschale, deren rand
den efeukranz von goldengrünem erz umflicht
Mörike ges. schr. (1905) 1, 100 Göschen.


 
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goldgrund, m.
1) fundstelle für natürliches gold, vor allem in gewässern, vgl. grund II A 3 a: so wern durch zuflotzung des wassers an irem eygentum zu Otterstat angestanden ein golt- und ein salmengrunde (v. j. 1487) d. dtsche bauernkrieg, aktenbd. (1935) 18 Franz;

bei eynem flusz, hiesz Pactalon,
welcher doch damalen (noch) nitt
eyn goltgrundt hatt
Wickram w. 8, 89 Bolte;

von goldgründen desz Rheins Meurer jag- u. forstrecht (1582) 103b; goldgründe, da gegoldet wird Schottel haubtspr. (1663) 567; der rothe, reichhaltige goldgrund (boden) Ritter erdkde (1822) 3, 659. im bilde: was denn hinter und unter diesem meer von fluthen und meinungen endlich ... gewisser grund, gold- und felsengrund sei Herder 10, 281 S.

[Bd. 8, Sp. 789]



2) maltechnische bezeichnung, vgl. grund I G 2.
a) 'untergrund aus farbe und firnisz bei der vergoldung'. 'solche farbe wird der goldgrund genennet' allgem. haush.-lex. (1749) 1, 610; vgl. auch Frisch wb. (1741) 1, 360b: (man) trägt dann den goldgrund (goldfarbe, goldleim), der aus gekochtem leinöl und ocker besteht, sorgfältig mit einem pinsel auf. nach sechs ... stunden ist der goldgrund ziemlich abgetrocknet Muspratt chemie (1888) 3, 1835; im bilde:

die ram (des spiegels) mach ich von holtz, an dem der herr sein leben
hie für die sünder lies. ich fasz sie: brauch an stat
des goldgrunds gottes huld
Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch s. reimget. (1647) 208.


b) seit dem ende des 18. jhs. bezeugt als bezeichnung für den goldenen hintergrund auf gemälden, mosaiken und glasschmuck, vgl. goldgrund le fond d'or stoff mit seidenen blumen auf goldgrund Schwan nouv. dict. (1783) 1, 776a: was die art betrifft, wie diese bilder zu mahlen wären ..., graue figuren auf goldgrund (1801) Göthe IV 15, 264 W.; im (Kölner) dombild erscheint keine perspective, weil der reine goldgrund alles abschlieszt I 49, 1, 17; prachtbilder ihrer schönheit, auf goldgrund gemalt Jean Paul 27, 64 (Hempel);

es ist ein bild, wie still und heisz
es alte meister hegten,
kunstvolle mönche, und mit fleisz
es auf den goldgrund legten
Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. 1, 114 Schücking;

ihre (der tür) zwei felder waren mit tafeln von blauem glas auf einem goldgrunde belegt Jung-Stilling s. schr. (1835) 4, 221; dieses ganze ... umgiebt sich mit malerischer zierde: buntem marmor, mosaikfuszböden, ..., goldgrund Fr. Th. Vischer ästhetik (1846) 3, 300; der goldgrund der byzantinischen mosaiken ist nicht mehr reliefgrund, sondern idealer raum Schmarsow grundbegr. d. kunstwiss. (1905) 325; die schönen alten ... gläser mit den ... silhouetten und landschaften auf gold- und silbergrund gezeichnet Marie Grengg Niederösterr. (1937) 27. übertragen, besonders vom abendlich leuchtenden himmel: so dasz ihre häupter auf dem goldgrunde des abendhimmels schwebten G. Keller ges. w. (1889) 6, 113; alles (in dem gedicht) in den spiegelhellen goldgrund der phantasie gefaszt Görres ges. schr. (1854) 3, 359; so scheint durch diese namen aus heldensage und legende der verblichene goldgrund der göttersage hindurchzuschimmern Laistner nebelsagen (1879) 114. —

 

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