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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldfinger bis goldflimmer (Bd. 8, Sp. 771 bis 773)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldfinger, m., der vierte finger jeder hand, an dem gewöhnlich die ringe getragen werden. seit dem 12. jh. bezeugt, vgl. anularis goltvinger (12. jh.) ahd. gl. 3, 72, 8 St.-S.; nach mittelalterlicher anschauung wirkt sich an diesem finger die heilkraft des goldes aus, weil von ihm eine ader zum herzen führte, vgl. medicus goldvinger (13. jh.) 362, 59; anularis vel medicinalis goltfinger (13./14. jh.) 178, 19:

den reiff stecke an dins hertzen flnger!
wanne di ader get dem hertzen zu,
da man den reiff sal an thu;
dar umme ist her der goltfinger genant
nehest den cleinen an der lincken hant
Joh. Rothe lob d. keuschheit 3532 Neumann;

den goltflnger schier
bôt ez (das bild) herdan von der want.
dô stiez erz flngerlîn an die hant der maget krône 55 Zingerle;

er ir ein klar guldin vingerlin an iren goldvinger stiess d. heiligen leben wintert. (1471) 97a; annularis, das ist der guldin ringfinger bey den gelerten oder der goltfinger genannt S. Virdung musica getutscht (1511) m 4a; (er rieb) das unterste glied des goldfingers an ihrer linken hand, ihr hertz zu stärken Zesen Assenat (1640) 300; wenn man nieszen und es gerne verhalten will, so darf man nur mit dem goldfinger der rechten hand drey circul um die augen herumstreichen Fleming d. vollk. t. soldat (1726) 329; so darf man nicht die ehrenlinie unter dem goldfinger suchen Hippel über d. ehe (1792) 182; dasz ihnen statt eines goldfingers deren fünf an der rechten sitzen, ahnte ich längst Hebbel br. 6, 425 Werner.
 
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goldfingerlein, n., goldener fingerring, bis ins 16. jh. bezeugt, vgl. fingerlein teil 3, sp. 1658 ff.: wan ich es versprich, du gebest ir das goldfingerlin (des ... aurum) Terenz deutsch (1499) 91a;

da tranck die fürstin unverzagt
und sah das halb goldflngerlein
in der schewren (im becher) ligen im wein
Hans Sachs 16, 225 K.-G.;

desgleichen ein goltflngerlein
wil er der schonsten schencken bergreihen 83 ndr.;

mir ist ein roth goldflngerlein
auf meinen fusz gefallen (volksl. a. d. 16. jh.) bei
Arnim 21, 235 Grimm;

für einen siegelring: damit und sein brieffe ... dester krefftiger were, zaichenott er in mit siner aignen hand, mit bevelh, in och mit sinem goldfingerlin oder secret z besiglen Gallus Oheim chron. v. Reichenau 62, 30 Barack.
 
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goldfink, m., name für den gimpel, dompfaff (pyrrhula europaea, pyrrhula pyrrhula), vgl. Suolahti 137f.; Naumann naturgesch. d. vögel 5, 44 und Brehm tierleben 4, 281 P.-L. buchen goldfink auch für fringilla montifringilla u. andere; lexikalisch seit dem 16. jh. belegt, vgl. aurivittis goldfinck, lobfinck, taumpfaff, gumpell voc. rei numariae (1552) e 4b; goldfinck, guger Junius

[Bd. 8, Sp. 772]


(1567) 64b; mundartlich verbreitet, z. b. goldfinke fringilla Woeste westfäl. 82b; gollfink loxia pyrrhula schweiz. id. 1, 867: Eberus und Peucerus wöllend, daz der vogel, so von etlichen goldfinck, gümpel und güger genennt, also heisze Heuszlin Gesners vogelb. (1557) 20b;

ein goldflnk und ein zeisig hieng ...
vor eines voglers haus
Pfeffel poet. vers. (1812) 6, 37;

im wortspiel von einem kanarienvogel: hat mein armer hänfling sich nach seinem tode in einen goldfinken verwandelt? Storm s. w. 1, 286 Köster; übertragen auf einen reichen: er läszt euch ein tüchtiges vermögen zurück, der alte goldfink Tieck schr. (1828) 3, 251.
 
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goldfirnis, m., anstrich, überzug aus gold oder goldfarbe: er ersinnet den fund, in die lükke des weggeschnittenen feinsten goldes ein stück mit goldfirnis überstrichenen blechs hineinzuflikken J. H. Benner (1748) 3, 139. übertragen: (die) den strich gemeiner rauher farben mit dem scheinbaren goldfürnüsz ertichteter ausdeutungen meisterlich zu überziehen wissen J. D. Major bevölckertes Cimbrien (1692) 153; da die geistlichen herren alle mit der geistlichen farbe wenigstens angestrichen sind, so glaub ich zu meiner ruhe, der goldfirnisz sey lauter gutes gold mährleinbuch (1799) 295; bei (diesem volksstamme) herrscht eine nationalroheit, die blosz mit dem goldfirnisz des luxus übertüncht ist J. G. Scheffner mein leben (1821) 5. technisch, vgl. 'goldfirnisz ... ein gelber glänzender firnisz, womit beym vergolden mit blattsilber die auf den farbengrund getragenen silberblätter angestrichen werden und hierdurch eine goldfarbe erhalten' Jacobsson techn. wb. 2, 128a: noch einen schönen goldfürnüsz zu machen Fr. Frisius handwercker ceremonial (1708) 729; ihm mangelte, was weder marmor noch cedernholz, weder goldfirnisz ihm geben könnten Kotzebue s. dram. w. (1827) 1, 159.
 
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goldfisch, m., name einer karausche (carassius auratus L.), vgl. Brehm tierleben 8, 254 P.-L.; auch anderer goldfarbener fische wie für 'hippurus' L. ... dieser prächtige fisch ... ist allen schiffern unter dem namen dorado oder goldfisch bekannt Oken allg. naturgesch. 6, 218; für 'perca ceruna', 'chrysomela', 'clupea alosa', 'cyprinus auratus', 'sparus aurata' bei Nemnich wb. d. naturgesch. 201. in den wörterbüchern seit dem 15. jh. bezeugt, vgl.: aurena goltvisch voc. theut. (Nürnb. 1482) bei Diefenbach gl. 61c; ceruna ... kaulbars ... goltfisch Bas. Faber thes. (1587) 1019b; alausa goldfisch ebda 1048a:

vil furnen, karpffen und schnotvisch ...
goldtvisch an zal, deszgleich eschling
Wickram 4, 155 Bolte;

dann es werden hie gefunden ahle ... goldfische ... heringe Micraelius altes Pommerland (1640) 6, 384;

ein goldfisch, dessen glasner kasten
dem bauer einer nachtigall
zur seite hieng
Pfeffel poet. vers. (1812) 8, 124;

der fischer warf den goldfisch wieder ins wasser br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 1, 291; in einem aquarium schwammen gold- und silberfische Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 99. in übertragung auf einen menschen, so als kosename: goldfisch 'kosenamen für kleine mädchen' Reuting wb. d. Höchster ma. 19;

wo ist dein herr, mein goldflsch Faust, Mephisto?
Baggesen poet. w. (1836) 3, 265.

öfter für einen reichen, den man um seines besitzes willen einzufangen sucht: M. ist nach dieser beschreibung ein goldfisch, den man nicht hinauslassen darf W. Hauff s. w. (1890) 3, 42; gängig für ein reiches mädchen, eine reiche frau: armer Titus, dieser goldfisch wird sich schwerlich in euren netzen fangen Holtei erz. schr. (1861) 22, 159; seine frau, ein vielbegehrter goldfisch mit 300 tausenden liegt todtelend; was hilft das geld? quelle a. d. j. 1850; mundartlich: joldfisch eine reiche braut H. Brendicke Berliner wortschatz 129; goldfösch reiche frau luxemb. ma.

[Bd. 8, Sp. 773]


149b. —
 
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goldfischchen, n., deminutiv zum vorigen: ein sinesisches goldfischchen in einer gläsernen bowle Jean Paul 1, 155 (Hempel); bildlich: wenn mich nicht alles trügt, hängt das goldfischchen (reicher junger mann) an einem ganz anderen haken W. Hauff s. w. (1890) 3, 44.
 
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goldflamme, f. 1) bergtechnisch: 'eine art gewaschenes feines gold, das sich ... im sande und in der erde befindet' Jacobsson techn. wb. 2, 128: wie man auch gemeiniglich in ... seiffen goldflammen und kleine goldkörner gediegen wäschet P. Albinus meiszn. bergkchron. (1590) 132. 2) 'goldene flamme': ich habe ... gesehen den namen Jesus mit güldenen buchstaben gezeichnet und mit goldflammen, als einem hellen scheine ... umgeben Chr. Scriver seelenschatz (1737) 1, 825a; übertragen auf den schein der sonne: täglich lodert ... der abendbrand des himmels herein; dann lodern goldflammen über das glas der bücherkästen Stifter s. w. 1 (1904) 105. —
 
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goldflammend, part. adj.: der sonnen und ihren goldflammenden straalen Neumark fortgepfl. mus. poet. lustw. (1657) 2, 3;

wer naht in muth'ger zuversicht dem orte;
gerüstet, stark, als ob ihn siegs gemahne,
das kreuz goldflammend auf azurner fahne,
freudig im geist, vertrauend fest im worte?
Fr. Schlegel s. w. (1846) 6, 158.


 
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goldfleck, m., goldglänzender farbfleck: das ist auch hie zumercken, das solche schieffer gemeiniglich ein gesprenge von goltflecken haben P. Albinus meisznerische bergkchron. (1590) 105; eine brachsme mit goldflecken am kopf Corvinus fons lat. (1646) 99; ein goldflecken schmückt den kiemendeckel Brehm tierleben 8, 57 P.-L.
 
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goldfliege, f., name für das insekt chrysomela, auch für chrysis, musca caesar bei Nemnich wb. d. naturgesch. 201: zarte libellen und goldfliegen durchzuckten funkelnd ... das ... geleucht der sommerstille quelle a. d. j. 1919.
 
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goldflimmer, f., 'kleine goldblättchen, waschgold', dass. wie goldflitter, goldflitsch, vgl. Jacobsson technol. wb. 2, 128. —

 

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