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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldfarbe bis goldfieber (Bd. 8, Sp. 768 bis 771)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldfarbe, f.
1) 'farbe des goldes'; seit dem spätahd. belegtes compositum.
a) vom golde selbst: ein jedes goldt, das sehr rein und hoch ist, das bringet seine ... schöne natürliche rechte goldtfarb selbs mit Ercker beschreibg. aller mineral. ertzt (1580) 84a; goldfarbe geben die goldschmiede dem golde allgem. haushaltlex. (1749) 1, 609; eine hohe goldfarbe ertheilt man ihm (dem golde) ... durch eine besondere behandlung Karmarsch-Heeren techn. wb.3 1, 2. übertragen: goldfarb ist die schönste, wer mit solcher angestrichen (d. h. reich) ist, der gefällt jedermänniglich Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 63.
b) goldartige farbe anderer, unechter metalle: man spricht auch, daz der asch auz dem unk geprant die art hab, wer silber dâ mit salb und temperier, daz nem goltvarwe Konrad v. Megenberg buch d. natur 264, 27 Pf.; kupfferblech in goldfarb Thurneysser magna alchymia (1538) 35; das man dem kupffer ... ein goltfarbe ein brennen könne, wissen bergkleute und rothgieszer ser wol Löhneisz bericht v. bergwerken (1690) 25; auf aus ... messing hergestellte ... blechwaaren kann man ... eine schöne goldfarbe hervorbringen Muspratt chemie (1888) 4, 1967.
2) 'goldähnliche farbe nicht metallischer dinge, besonders von leuchtenden und von glänzenden körpern': an himele chumet tageliches tiu sunna niuuiu, aber demo uualde gibet skimo goldfareuua Notker 1, 706, 3 P.; die untergehende sonne erleuchtete die wolken mit den glänzenden goldfarben G. Forster s. schr. (1843) 1, 205; poetisch auch goldesfarbe:

um den schnitter und die garbe
flosz der abendglut, der warmen,
wunderbare goldesfarbe
C. F. Meyer ged. (1900) 66;

das glänzende aber ist nichts anders als die gedrängtheit und dichtheit des lichtes. so entsteht die goldfarbe, wenn das gelbe und sonnenhafte, verdichtet, stark leuchtet

[Bd. 8, Sp. 769]


Göthe II 3, 33 W.; man überzieht etwas mit firnis, um ihm eine goldfarbe zu geben Sulzer theorie d. schönen künste (1771) 2, 236; alle hauptfarben des ... (fasanen-) gefieders haben ... (einen) metallschimmer in die feurigste goldfarbe Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 6, 435; cypricus ist der geringst (diamant), hat ein goltfarb Alberus dict. (1540) l l 4b; für eine goldgelbe farbtönung allgemein: es haben aber etwan die wein solliche goldfarb von natur oder von alter Ryff spiegel d. gesundh. (1544) 62a; der wein ... ist von guter starker beschaffenheit und einer dunkeln lockenden goldfarbe Steub drei sommer i. Tirol (1895) 2, 369; so seindt alle kerne der vollkommenen pflantzen in beginne irer iugend weisz und feucht und im zunemen irers alters gandt sie zu goldvarbe und trukenheit Petrus de Crescentiis vom ackerbau (1531) 11b; begieszet sie (die hühner) öffters mit butter, damit sie fein eine goldfarbe bekommen mögen Amaranthes frauenz. lex. (1715) 900; nirgends ist der contrast zwischen der goldfarbe des sandsteins und der saphirbläue des himmels ... schneidender Gaudy s. w. (1844) 5, 98.
3) goldgelber farbstoff aus echtem oder unechtem blattgold (vgl. DWB goldbronze), oder auf chemischem wege hergestellt, vgl. auripigmentum goltfarbe (15. jh. md.) Diefenbach gl. 62b: das sie (die kugel) izt eine mit vermeineter schönen goldfarbe gesmükte seite gezeiget hat, so tut sich bald darauf eine andere, meisten teils mit unbeständiger wasserfarbe angestrichene seite hervor M. J. Bellini hdt. rechtschr. (1657) ).( 3b; das anstellungsdecret, dessen kalligraphische ausführung im texte eine lorbeergeschmückte lyra in goldfarbe zeigt jahrb. d. Grillparzerges. (1890) 2, xxvi; (er) war beauftragt, mit der werthesten goldfarbe die anfangsbuchstaben auszumalen Scheffel Ekkehard (1913) 63; bildlich: die mit goldfarbe aufgefrischten trümmer der vergangenheit Jean Paul w. 6, 128 (Hempel); auch 'lösungen, in welche goldgegenstände eingetaucht werden, um einen gewünschten farbenton zu erhalten', vgl. Lueger lex. d. techn. 4, 729; citrin ist die goldfarbe, damit die goldmacher ihre metalle tingieren wollen Apinus gl. nov. (1728) 123; zur erzielung bestimmter farbentöne stehen mannigfache goldfarben in gebrauch Karmarsch-Heeren3 techn. wb. 3, 348. —
 
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goldfarbig, adj., dass. wie goldfarb, erst im 16. jh. aufkommend, im 16. u. 17. jh. oft auch goldfärbig: drumb nennet er die ... flugel, die auff den rucken sich enden zum leybe werds, goltferbig Luther 8, 15 W.; goldfarbige kütten (quitten) Junius nomencl. (1567) 113b; katzengold, welches gar schön goldfärbig ist P. Albinus bergkchron. (1590) 153; gut löthig gold ... das ist roth goldfarbig Prätorius wündschelruthen (1667) 223; fast eben so war die fürstin Ismene gebildet auser, dasz ihre haare ein wenig goldfärbicht ... zu seyn schienen Lohenstein Arminius (1689) 1, 196b; das vom körper abgeriebene aber erscheint nicht mehr gold- oder kupferfarbig ... ṣondern ganz schwarz Göthe II 3, 33 W.; messing zeigt ... verschiedene ... goldfarbige töne Muspratt chemie (1888) 4, 1955; auf dem dunghaufen ... scharrte ein goldfarbiger hahn Storm s. w. (1899) 1, 205.
 
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goldfasan, m., phasianus pictus, vgl. Brehm tierleben 5, 588 P.-L.; v. Behlen forst- u. jagdkde (1840) 3, 468; phasianus colchicus L. Naumann naturgesch. d. vögel (1822) 6, 433;

... flöge der goldfasan
in seine schüsseln, schenkte Bacchus
selber ihm ein die erlesene traube ...
Herder 27, 31 S.;

bey jedem schritte fast sah ich bald nah bald fern den goldphasan oder einen andern vogel über den weg schlüpfen Lichtenberg br. 1, 203 Leitzmann-Schüddekopf. bildlich für ein reiches mädchen: (ich) kam bei ein stück drei oder vieren (mädchen) herum, darunter ein paar goldfasanen Mörike w.2 3, 32 Maync.
 
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goldfassung, f.: (juwelen,) wenn sie aus ihrer goldfassung herausgenommen waren Ranke s. w.2 16, 147; diese goldfassung führt den namen ahd. kasto M. Heyne hausaltert. 3, 329.

[Bd. 8, Sp. 770]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldfaste, f., meist goldfasten, pl., bezeichnung der quatemberfasten, fronfasten, vor allem im schwäb. und bair., vgl. DWB golden C 4 c: goldfasten ... das waren mittwoch bis sonnabend nach invocavit ..., pfingsten ..., kreuzerhöhung und Lucie Grotefend zeitrechnung 1 (1891) 76; vgl. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 198a; Unger-Khull steir. 299: diu êrste zît ist, wenne man gemeinlîchen vastet, in der goltvasten unde die vierzic tage vor ôstern Berthold v. Regensburg 1, 322, 16 Pf.; so sol auch dheiner von dem spital varn, er hab denn sein pfrünt verdinet ... piz auf die nehsten goltvasten (v. j. 1343) hausordnung f. d. 12 chorschüler i. d. spitalschule zu Nürnberg in: samml. selt. pädagog. schr. 12, 18; dy goltfast quatuor tempora (v. j. 1421) Diefenbach nov. gl. 311a; angaria quatember ... goltvaste (Nürnb. 1470) gl. 34c; mein vasten ist leider klein gewesen, die fasten und goldfasten auszgenomen Arigo decam. 23, 21 Keller; die vier goldfasten oder notfasten Luther 32, 429 W.
 
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goldfasz, n., in älterer sprache 'gefäsz aus gold oder mit gold angefüllt', vgl. DWB fasz teil 3, sp. 1358 und gefäsz teil 4, 1, 1, sp. 2127 ff.; besonders das kostbare, verzierte trinkgeschirr; so schon im altsächs. belegt:

... skenkeon huurbun,
gengun mid goldfatun ... Heliand 2742 Sievers;

Joseph sande in nach
sinen amman, als im wære gach,
sine brdir hiez er hazzen
nach einem uerstolne goltuazze Milst. Genesis 95, 18 Diemer;

in vil manic goltvaz
gôz man met unde wîn Herzog Ernst B 3186 Bartsch;

vil presente riche
von silbir und von golde ...
und manig ture goltvaz
Rudolf v. Ems weltchron. 29925 Ehrism.;

gestabiliert stomaticum
in einem geltvaz er trg
Johann v. Würzburg Wilh. v. Österr. 368 Regel.

als neubildung mit fasz 'tonne' zusammengesetzt, 'mit gold gefülltes fasz aus holz': das goldfasz eures oheims ist ja nur zu haben, wenn ihr die pfaffen niederschlagt H. Laube ges. schr. (1875) 10, 146; nur dasz leider die gold- und silberfässer ... durch einen räuberhaufen abgenommen wurden Mommsen röm. gesch. 2 (1874) 175.
 
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goldfeder, f., 'goldene feder': darumb mit gmelten exempeln verstreichstu ein schwartzen teufel mit goltfedern gleich als wers ein engl Joh. Fundling anzaigung zwaier falschen zungen d. Luthers (1526) f 2b; eine ... hand, der ein engel mit freuden die schönste goldfeder seines fittichs darreichen würde, wenn sie schreiben wollte Hebbel br. 6, 213 Werner; die ausgerauften goldfedern verlor das deutsche volk, aber nirgends in masse seine ehre und vaterlandsliebe Jean Paul w. 53, 76 (Hempel); heute für eine schreibfeder aus gold oder goldhaltiger metalllegierung an füllfederhaltern.
 
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goldfeim, m., 'goldschaum', vgl. feim teil 3, sp. 1450 ff.; auricalcus goltfein voc. theut. (Nürnbg. 1482) l 4c; aurugo goldphaim (15. jh., md.); gultfin (15. jh., nd.) ebda 62c; litargirum goltphaim (15. jh., md.) ebda 333b. als goldfaum und goldfeim 'blattgold, flittergold' im steir. bei Unger-Khull 299.
 
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goldfeld, n., im plural goldfelder üblich für landgebiete, in denen gold gefunden wird: leute, welche man ausschickt, um ergiebige goldfelder zu suchen K. E. v. Baer reden u. versch. aufs. (1864) 3, 209; so bewegte sich die karawane den neuen goldfeldern entgegen Rosegger schr. II 4, 149.
 
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goldfell, n., für ein golden gefärbtes leder: auratas pelles goltfel (11./12. jh.) ahd. gl. 3, 622, 48 St.-S.; gheste ... mogen verkopen ... eyn grot dosyn goltuel und sulueruel (v. j. 1353) urkundenb. d. st. Lübeck 3, 187; orapellum goltfelle (15. jh., md.); goltfel (15. jh., md.) bei Diefenbach gl. 398c; für das goldene vliesz der griechischen sage:

[Bd. 8, Sp. 771]


hier ist nicht Griechenland,
das nur bis auf ein schiff gränzt an den Kolcher strand,
kein goldfell nur ist hier
Paul Fleming dt. ged. 183 Lappenberg.

für 'hautartig dünn ausgewalztes gold': bractea golt-, goldfel (15. jh., md.) bei Diefenbach gl. 80b; daneben in der bedeutung 'goldabfall': cadmia, cachinia goltfel (1468) nov. gl. 64; goltfel cachina i. residentia ex auro (15./16. jh.) gl. 87b unter cadmia; vgl. ebda aus anderen glossaren silbervöl; vgl.goltföl (15. jh.) bei Fischer schwäb. 6, 2054.
 
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goldfieber, n., fieberartige sucht nach goldgewinnung; mitte des 19. jhs. nach der entdeckung neuer goldfelder aufkommendes schlagwort: so entwickelte sich, was man das goldfieber genannt hat K. E. v. Baer reden u. versch. aufs. (1864) 3, 206; die Huacas (in Peru) ... wurden seit dem goldfieber der ersten fünfziger jahre ja geradezu systematisch ausgeleert Ratzel völkerkde (1885) 3, 684; (er) war nach Kalifornien gegangen. das goldfieber war derzeit noch lange nicht vorüber; noch manchen lockte. es in die minen und manchen in den tod Th. Storm s. w. 7, 98 Köster.

 

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