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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
golden bis goldesse (Bd. 8, Sp. 764 bis 766)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) golden, vb. , gölden, gülden, älter gulden vgl. zur form golden, adj.; sp. 727 ff.
1) denominative bildung zu golden, gülden, adj.; erst mhd. bezeugt und von verschiedenen anwendungen des adj. ausgehend, meist poetisch gebraucht. 'vergolden', 'mit gold belegen', vgl. DWB gülden, vb., teil 4, 1, 6, sp. 1063:

der swerte knopf von silber grôz,
helze und valz rîch geguldet
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 313, 21 Singer;

gulden oder vergulden aurare, deaurare voc. theut. (Nürnb. 1482) n 2a; vgl. DWB gülden vergolden, gold auflegen mnd. hwb. 1, 2, 186; kultə, fkoltə vergolden Meisinger Rappenauer ma. 75;

blieb alles da hinden,
sticken und seydenfltzen,
maln, gulden oder schnitzen
Hans Sachs 3, 473 Keller;

kränzet mit blumen den stier! güldet die hörner des stiers!
grafen Stolberg ges. w. (1820) 4, 11;

die morgenröte, mit ihren stralen die berge zu gulden pfleget Harsdörffer frauenz. gesprächsp. 6 (1646) 63;

sie (die sonne) goldet gnädig sein gefieder
Immermann w. 13, 92 Boxb.

bildlich: 'verschönern', 'verklären':

Zeuxis, deine mahlerkunst
kan sie (die tugend) nicht nach würden bilden,
und wird nur zu einer dunst
wenn sie will ihr antlitz gülden,
das schon mehr als gülden leuchtet
Knittel poet. sinnenfr. (1677) 14;

ihrer blicke letzter
göldet mein erwachtes
frohes, dankbemühtes harfenspiel
Denis lieder Sineds (1772) 252;

deine liebe golde seine tage
Kosegarten poesieen (1798) 250;

[Bd. 8, Sp. 765]


vereinzelt reflexiv:

düstrer zukunft nebelferne
goldet sich in deinem sterne
Schiller 1, 295 G.


mundartlich gelegentlich intrans. gül(d)n goldgelb leuchten, vom reifen korn Bacher Lusern 263; vgl. engl. to golden, vb., bei Murray 4 g 281.
2) denominative ableitung von gold, n., im alemann. golde(n) 'gold suchen', 'goldwaschen in flüssen': dem ir die weid (ausbeuterecht) in der Aren ze golden verlihen habent (v. j. 1457) bei Staub-Tobler 2, 226; die goldgründe (des Rheins) werden für ein sonder regal der hohen oberkeit zustendig gehalten, und mag die hohe oberkeit, wie mans nennt, golden lassen Meurer jag- u. forstrecht (1582) 103b; weilen sie ihr stück brot durch golden verdienen J. J. Scheuchzer (1746) bei Staub-Tobler 2, 226; golden id est goldsand suchen, wie im Rein geschiehet J. G. Schottel teutsche haubtspr. (1663) 567. —
 
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goldener, m., nomen agentis zu golden 1: argentarius eyn goldener voc. 1420 bei Diefenbach nov. gl. 33. —
 
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goldensonnig, adj., poetische zusammenrückung: im eindruck des goldensonnigen herbsthimmels Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 5, 215; da wird es goldensonnig hin über das weite Alpenland Rosegger schr. (1895) II 12, 48.
 
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golder, m., zu golden, vb., 2: golder, göldner nennet man die auri legulos, goldfischer, welche mit dem gold suchen und wäschen umgehen J. J. Scheuchzer naturgesch. (1707) bei Staub-Tobler 2, 226. —
 
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golder, goldere, f., in der Schweiz bezeichnung der pflanze lilium martagon L., türkenbundlilie, vgl. Stalder 1, 463; Tschumpert 611; goldern Pritzel-Jessen volksn. d. pfl. 216. —
 
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golderde, f., goldhaltige erde: keiser Otto von Sassen ... vant ouch einst silver ind goulterde in dem lande van Sassen (15. jh.) städtechron. 13, 434 (Köln); ja sagt man doch gar, das Adam, der erste mensch, ausz golderde formiret sey Prätorius anthropodemus Pluton. (1666) 1, 235; dann (kann er) so viel er will, golderde holen Jac. Grimm mythol. 817. —
 
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golderling, gölderling, m., name für den orangen- oder pomeranzenbaum, citrus aurantium L., vgl. Nemnich wb. d. naturgesch. 201; Noel Chomel öcon. lex. (1750) 4, 1190; Marzell wb. d. dt. pflanzenn. 1, 1030.
 
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golderz, n.
1) goldhaltiges erz; goltertz ... ertzader doraus man golt ... sampnet voc. theut. (Nürnbg. 1482) 15a, vgl. s. v. litargirum bei Diefenbach gl. 333b; vena auri goldärtz Frisius dict. (1556) 145b: in Kernten ... alda hat er diser zeit ein goltärzt funden nit tiefer under dem poden dan zwen zwerchschuech; solchs goltärzt sein kügel wie die pon gewesen Turmair s. w. 4, 1, 480 Lexer; der goltertz seind zweyerley, eines theils flüssig, eines theils streng Ercker beschr. aller min.-ertzt (1580) 51a; goltertzt oder güldige sandt Mathesius diluvium (1587) 82a;

viel flammen aber müssen
dar würcken, wo der stahl sol glühn, das goldertzt flissen
Lohenstein Ibrahim sultan 7;

golderz, worin das gold durch schwefel vererzt wäre, ist höchst selten G. Chr. Lichtenstein entd. geheimnisse (1778) 191; der bleiglanz kommt ... in gesellschaft von ... golderzen ... vor Muspratt chemie (1888) 1, 1489. bildlich: der finger gottes (hat) ... selbten (fürsten) ... aus goldertzte gebildet Lohenstein George Wilhelms lobschrift (1679) g 5a; ihr fragment ... ist wie alle ihre fragmente ein reichhaltiges stück golderzt ohne form (an Wieland) Merck briefe 2, 108 Wagner.
2) für goldbergwerk auf ältere sprache beschränkt:

kein ertrîche nie getruoc
baz korn unde wîn: ...
siben golterze ez hât.
lützel hie kein berc stât
man envinde silber drinne Biterolf 13311 in dt. heldenb. 1, 195 Jänicke;

das vor zeiten ist hie gebesen das goltärzt, dardurch unsz unser freihait ist hie verlihen worden (v. j. 1529) österr. weist. 11, 11. so in den wörterbüchern noch bis ins 17. jh. gebucht: für aurifodina goldärtz Frisius (1556)

[Bd. 8, Sp. 766]


146a; für auraria Corvinus fons latin. (1646) 99. —
 
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golderzgrube, f.: z Polybii zeiten sind im land Norico ... goldertzgrben gewesen Stumpf Schweizerchron. (1606) 156b.
 
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goldesche, f., name für eine spielart der esche, vgl. fraxinus excelsior, f. aurea L.: die goldesche hat lebhaft gelbe triebe E. A. Roszmäszler d. wald (1863) 486; denn es war herbst, und sie saszen vor einer goldesche Marie v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 3, 13, vgl. Hegi flora 5, 1928. —
 
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goldesse, f.: aurificina goltsmit vel esse (15. jh., md.) Diefenbach gl. 62a. —

 

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