Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goldeke bis golderde (Bd. 8, Sp. 727 bis 765)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goldeke, göldeke, pflanzenname, wohl niederdeutsches deminutiv, vgl. oben DWB goldblume und golde (alscotilus golde ahd. gl. 3, 534, 63 St.-S. [13. jh.], affodillus golde ebda 3, 547, 24 [14. jh.]; s. Marzell wb. d. pflanzenn. 1, 475): goldeke goldblume, calendula officinalis gartryngele, goldeke is eliotropia, solsequium maius to latine (1484) bei Schiller-Lübben 2, 131; affodillus adera golteck (voc. md., 15 jh.) Diefenbach gloss. 636c. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldegel, m., nach blutegel gebildet für geizhals im alemann.: Matthäus damals noch ein geld- und goldegel und -igel auf der zollbank Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 157; Conlin heiszt die geizigen wiederholt 'goldegel' A. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 199a. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldelixier, n., zu gold I C 5: goldelixier, lat. elixir auri s. solis ist eine bekannte artzeney, welche in den officinen schon völlig bereitet zu finden Noel Chomel öcon. lex. 4, 1216; vgl. Krünitz 19, 364.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldemmerling, m., s. DWB goldammer.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
golden, gülden, gulden, gölden, adj. , aureus. herkunft und form.
alte adjektivbildung von gold, got. gulþeins, ahd. as. guldîn, ags. gylden, mengl. gilden u. golden, neuengl. golden, anord. gullin (schwed. gyllen, norw. dän. gylden), mhd. mnd. guldîn, mnl. goudyn (gouden, guldijn, gulden), nhd. gulden, gülden, gölden und seit dem 2. viertel des 18. jhs. mit zunehmender häufigkeit golden, näheres s. unten 1 d.
1) der stammsilbenvokal tritt in vierfacher gestalt auf.
a) unumgelautetes u literarisch vereinzelt noch bis ins frühe 19. jh. belegt, im 16. jh. namentlich im bair. (seltener im elsäss. und ostmd.), zuletzt archaisch oder bei mundartlich beeinfluszten autoren; bei der bis ins 17. jh. nicht

[Bd. 8, Sp. 728]


streng durchgeführten schreibung des umlautzeichens bei ü können z. t. auch belegformen von gulden umgelautetes gülden meinen, vgl. DWB gulden, m., teil 4, 1, 6, sp. 1054 ff.; die heutigen mundarten haben sich den literarisch üblichen formen (gülden, später golden) nicht überall verschlossen; gulden gilt noch weithin auf bair. und schweizer. und z. t. auf elsäss. gebiet, bis ins rheinfränk. auslaufend; vgl. z. b. guldə~, guldi~ Schmeller-Fr. 1, 896, guldan Lexer kärnt. 118, gulden Schöpf tirol. 223, guld (auch gold) Gebhardt Nürnberg 81, guldin Staub-Tobler 2, 227; gulden (kùltə, koltə, kolti) Martin-Lienhart els. 1, 213, auch guldə Follmann lothr. 205, rhfrk. gulə (neben golə) rhein. wb. 2, 1301. für das 15. und 16. jh. vgl. z. b. gulden (nach 1427) Schiltberger reisebuch 74, 14 lit. ver.; guldin Arigo decam. 42, 8; 70, 28; 90, 9, aber gülden 146, 9 K.; gulden Hans Sachs 1, 226 lit. ver.; 2, 27; 2, 35, aber gülden 1, 178; 19, 87; gulden Luther 29, 32 W.; 10, 3, 148; 12, 682, aber gülden 15, 31; 19, 561; 23, 34; nach 1600 bereits weniger häufig: guldenen Äg. Albertinus zeitkürtzer (1603) 63; guldnen Opitz t. poem. 16 ndr.; guldenen Grimmelshausen 3, 409 lit. ver.; guldene Schupp schr. (1663) 773; guldnes Angelus Silesius heil. seelenlust 55 ndr.; guldene Abraham a s. Clara 1, 57 Strigl; guldener ollapatrida 264 Wiener ndr.; guldene Heräus ged. (1721) 48; guldne J. Chr. Günther ged. (1735) 547; archaisierend oder dialektisierend: mit der guldenen gnadenkette Schiller 12, 17 u. 365 G. (Wallenstein); das guldene kalb Holtei erz. schr. 24, 129; mit guldenem halsband br. Grimm dt. sagen (1891) 2, 65.
b) umgelautetes gülden, in spätmhd. hss. vor allem niederalem. auch orthographisch gut bezeugt, gewinnt im 16. jh. an boden und drängt sich um die wende des 16.-17. jhs. als literarische gemeinform zur vorherrschaft auch in gebieten, deren dialekt die umlautlosigkeit bewahrt; schon in den erstdrucken der werke Luthers und Hans Sachsens sind gulden und gülden bunt gemischt, s. die belege oben unter a; bis in die 2. hälfte des 18. jhs. behält gülden die führung, da gölden (s. unten c) räumlich und zeitlich beschränkt bleibt, um dann von golden (s. unter d) langsam verdrängt zu werden; doch hat gülden als poetische form bis tief ins 19. jh. hinein nachgelebt und gilt dialektisch heute noch weithin, seltener obd., häufig md. und auch nd., z. t. neben vordringendem oder bereits vorherrschendem golden, vgl. z. b. gülden, güllen Schmeller cimbr. 127a; güln Bacher Lusern 263; gillen (gìlən fast allg.) Follmann lothr. 205; göllen, gölden lux. ma. 149; gülden (gülle) Vilmar Kurhessen 140; gülden (gealle) Crecelius oberhess. 443; moselfrk. gelə(n), rip. jølə rhein. wb. 2, 1301; gȳelən Leihener Cronenberg 48; gülen Bauer-Collitz Waldeck 42; gülden (gele, gyle, gile, gøle) Hertel Thür. 108; gelən (nur noch in einigen erstarrten verbindungen) Hofmann nhess. 111; giltən (in Zschorlau, dafür meist goldig) Müller-Fr. obers. 1, 429; güllen Schambach Gött. 70, Woeste-Nörr. westf. 87; gülden (neben golden, gollen) Doornkaat-Koolman 1, 663; vereinzelt gülden (güll) Mensing schlesw.-holst. 2, 420. — frühnhd. literarische belege für die umlautsform: güldein Schiltberger reiseb. 25, 30 lit. ver.; güldin bibel v. 1483 (spr. Sal. 25, 11); H. Braunschweig kunst zu dist. (1500) 173 a; güldener (v. j. 1507) Wilwolt v. Schaumburg 112 K.; gülden (v. j. 1517) Teuerdank 257 Göd.; güldin Geiler v. Keisersberg brösamlin (1517) 1, 95b; güldiner sprichw. (1548) 157a; belege seit der mitte des 18. jhs. von autoren, die zwischen gülden und golden (oder gölden) schwanken oder gülden noch als poetische form benutzen: güldene (v. j. 1747) bei Kant; güldnen Gottsched ged. (1751) 1, 362; Bürger s. w. 1, 153 B.; güldene Schubart s. ged. (1825) 3, 36; güldene Herder 25, 443 S.; güldenem ebda 26, 224; güldne ebda 5, 494; güldene Lessing 9, 58 M.; güldene Göthe I 8, 58 W.; 37, 307; gülden maler Müller w. (1811) 1, 176; Tieck schr. (1828) 1, 299; Brentano ges. schr. (1852) 4, 8; güldne Bettine dies buch (1843) 1, 384; güldenen graf Strachwitz ged. (1850) 62; güldnen Uhland ged. (1898) 1, 256; gülden

[Bd. 8, Sp. 729]


Mörike ges. schr. 1, 260 Göschen, güldene Platen 1, 236 R.; güldne O. Ludwig ges. schr. 3, 433, Grillparzer 6, 253 S.; güldenen A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 1, 101; güldne Geibel w. (1883) 1, 185; güldene Storm ges. schr. (1884) 1, 169; güldenen G. Keller ges. w. (1889) 6, 167; güldenem ebda 2, 181; vereinzelt bei späteren lyrikern, vgl. z. b. güldne Stefan George d. siebente ring5 15, güldene Rud. A. Schröder ged. (1935) 83.
c) um die mitte des 17. jhs., vom ostmd. gebiet ausgehend und besonders von ostmd. autoren verwendet, in der form gölden, die zwar mundartlich bedingt ist (vgl. bereits 1613 dialektisch gölner [goldner] bei M. Rinckhart christl. ritter 339 ndr.), aber als sprachrichtigere ableitung von gold empfunden wurde; bis zur mitte des 18. jhs. oft neben gülden bezeugt, stirbt gölden in der 2. hälfte des jhs. infolge des wettbewerbs mit golden völlig aus, wurde aber gerade im 18. jh. noch von süddeutschen (drucke in Zürich und Wien) gelegentlich gebraucht, vgl. auch H. Paul dtsch. gramm. 5, 89: göldnes (v. j. 1654) Logau sinnged. 40 E. (aber noch güldne erst. hundert t. reimensprüche [1638] c 11b), göldenen G. Neumark fortgepfl. mus. poet. lustw. (1657) 2, 10 (aber güldne 1, 448); göldnem Stieler geh. Venus 36 ndr.; gölden Butschky Pathmos (1677) 85; göldnen Knittel poet. sinnenfrüchte (1677) absond. buch 25, Anton Ulrich v. Braunschweig Octavia (1677) 1, 1019, Lohenstein Arminius (1689) 1, 174b; göldner Chr. Weise zeitvertreib (1699) 2, 30; göldenen H. v. Fleming t. soldat (1726) vorber. 9; göldnen Henrici ernst.-scherzh. u. sat. ged. (1727) 1, 84, J. Chr. Günther ged. (1735) 79 (aber güldne 184); göldnen v. König ged. (1745) 71 (aber güldner 70); göldene B. Neukirch ged. (1744) 286; göldnen J. El. Schlegel w. (1761) 1, 447; göldnen A. v. Haller schweiz. ged. (1743) 10, 34 u. ö.; göldnen Wieland w. I 1, 41 akad., Araspes (1761) 24, 26 u. ö.; göldenen U. Bräker s. schr. (1789) 2, 201; göldnen Kretschmann s. w. (1784) 1, 41 (aber goldnen 6, 244); göldne Denis lieder Sineds (1772) 100; göldner Mastalier ged. (1774) 53 (aber goldnen 121); göldene A. Blumauer ged. (1782) 8; göldnen Gellert s. schr. (1794) 1, 319. mundartliches gölden geht lautlich auf gülden zurück, vgl. oben unter gülden sowie rhein. wb. 1, 1297, gäldən Kisch Nösner w. 52, gölle Spiesz henneberg. 86; gölden, göllen Leithäuser Barmen 60b.
d) die an das subst. gold angelehnte form golden bleibt bis zum 2. viertel des 18. jhs. vereinzelt, vgl. goldin (v. j. 1404) Marienburger treszlerbuch 312 Joachim; goldynne ebda 403 (v. j. 1406) neben häufigem gulden; goldnen Hohberg georg. cur. (1682) 1, 35; goldne D. Stoppe t. ged. (1729) 2, 41; goldnen (1722/23) J. Chr. Günther s. w. 2, 169 Kr.; goldnes v. König ged. (1745) 45; goldnen Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 104; Gottsched ged. (1751) 1, 365 (neben häufigerem gülden, z. b. 362). gülden wird noch von Gottsched sprachkunst (1748) 202 als reguläre form gebucht, aber ein jahrzehnt später schreibt derselbe: 'golden, gülden, mit diesem letzteren fehlet man; was von golde ist, soll eigentlich golden heiszen, weil es vergoldet ist. aber einige alte bücher reden von güldenen ketten' beob. (1758) 120, und seinem einflusz ist wohl die rasche oberherrschaft von golden zu danken, das dann als literarische normalform der prosa gilt, vgl. auch: 'warum denn nun noch (statt golden) das im hochdeutschen längst veraltete gülden oder gölden?' Adelung magazin f. d. dtsch. spr. (1783) 2, 2, 114. golden herrscht im 3. viertel des 18. jhs. bereits vor, besonders in prosawerken, wenn auch das süddeutsche schrifttum zögernd folgt und erst im letzten viertel des jhs. golden in der poesie breiteren raum gewährt. im folgenden belege aus den ersten jahrzehnten nach 1750 und spätere zeugnisse, besonders aus der versdichtung und von solchen autoren, die sonst auch DWB gülden noch verwendet haben (s. oben c): goldne d. Leipziger avent. (1756) 1, 165; goldnen Lessing 3, 131 M.; goldnen samml. v. schausp. (1764) 1, stärke d. naturelle 31; goldnen Bürger 156 B.; goldene Schubart ästhet. (1806) 214; Herder 3, 120 S.; goldne Göthe I 2, 169 W., maler Müller w. (1811) 1, 238; golden Tieck schr. (1828) 1, 32;

[Bd. 8, Sp. 730]


goldenen Brentano ges. schr. (1852) 5, 11; goldne Bettine dies buch (1843) 2, 335; goldner graf Strachwitz ged. (1850) 55; goldnen Uhland ged. (1898) 1, 307; golden Mörike w. (1905) 1, 44; goldne Grillparzer 6, 86 S.; A. v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 227; goldnem Geibel w. (1888) 1, 37; goldenen Storm s. w. (1899) 1, 146; golden G. Keller ges. w. (1889) 2, 76. in den mundarten ist golden gegenüber gülden vielfach im vordringen, soweit nicht goldig (s. dort) als ersatz eingetreten ist, vgl. z. b. 'schwäb. hat gold eingewirkt' Fischer 3, 740; gold neben guld Gebhardt Nürnberg 81; goldə (Forbach) Follmann lothr. 205; rhfrk. golə neben gulə rhein. wb. 2, 1301; golde Hönig Köln 67; früh im nd., vgl. bereits golden 'gülden' Dähnert vorpomm. (1781) 157; gollen Mi mecklenb. 28; golden, gollen neben gülden Doornkaat-Koolman 1, 663; golln Mensing schlesw.-holst. 2, 420; gollen Jensen nordfries. 162.
2) form des suffixes. mhd. -în der endung vorab im bair. zunächst diphthongiert, vgl. guldeinen Konrad v. Megenberg buch d. natur 485 Pf.; guldein erste dt. bibel 2, 259 Kurr.; güldein Schiltberger reiseb. 25, 30 lit. ver.; besonders alem. wird -in nicht selten noch im frühnhd. geschrieben, vgl. guldin erste dt. bibel 2, 259 Kurr.; güldin Terenz deutsch (1499) 64a; guldine bei Baumann quell. z. gesch. d. bauernkrieges in Oberschwaben 218; guldin sprichw. (1548) 146a; güldinen Niclas Manuel todtentanz v. 38 Bächt.; guldin Fischart flöhhatz 1239 ndr.; güldine ders. 1, 123 H.; güldin Paracelsus chir. bücher (1618) 258; gulden, guldin Henisch (1616) 1774. später auszerhalb des schweizer. nur vereinzelt belegt, vgl. guldin Schupp schr. (1663) 773; güldin Herder 15, 27 S.; für das schweizer. s. Staub-Tobler 1, 227; mundartl. ist i unter nasalschwund z. t. schweizer., els. usw. erhalten, vgl. belege oben unter a.
verlust des -n beruht teils auf ersparung, die von schwach flektierten formen ausgehen konnte (güldenen > gülden, wozu ein nom. gülde oder gulde), teils auf dialektischem nasalschwund, vgl. ein gulder zwei (zweig) Luther 27, 30 W.; die allergüldesten freund 23, 36; du güldes ledelein bergreihen 8 ndr.; gülde Paracelsus opera (1616) 1, 833 Huser; die gulde zahl Fischart practic (1574) b 2b nach Meusebach Fischartstudien 200; gulde (münzen) (v. j. 1606) bei Staub-Tobler 2, 227; guldi hemmet (16. jh.) bei Birlinger schwäb.-augsb. 199a; vgl. dazu die dialektischen belege unter a und b.
abgeschwächtes -en herrscht auszerhalb des bair., schweizer. und els. bereits im 16. jh. stark vor, vgl. die belege oben unter a und b.
suffixerweiterung in analogie zu anderen nhd. stoffadjektiven (hölzern, gläsern, steinern) oder unmittelbar zu silbern, kupfern, eisern bleibt selten, vgl. DWB das gölderne flisz discourse der mahlern (1721) 2, 75; die goldern kett Bettine dies buch (1843) 2, 139; vgl. z. b. dialektisch guldren Schmeller-Fr. 1, 896; guldern Loritza Wien 56b; goldern Askenasy Frankf. 191.
3) einzelnes. mit abweichung in der schreibung des dentals vgl. DWB gülten Hans Sachs fabeln u. schwänke 5, 39 Götze-Drescher; gültin L. Ercker mineral. ertzt (1590) 57a; güldten theatr. amoris (1626) 130; gülten Corvinus fons lat. (1660) reg.; gültten Elisabeth Charlotte v. d. Pfalz briefe a. d. j. 1716 /18 159 lit. ver.verdrängung des d bei synkope des e literarisch nur vereinzelt in flektierten formen: gölner M. Rinckhart christl. ritter v. 339 ndr.; gülne Königsberger dichterkreis 14 ndr.; gölnenen Chr. Reuter Schelmuffsky 129 ndr. mundartlich häufig, vgl. die belege unter a und b. — steigerungsformen treten bei bildlichem gebrauch öfter auf (vgl. unten D): goldner Bürger s. w. 5 B.; goldneres Göthe I 4, 20 W.; goldner Voss s. ged. (1825) 1, 144; güldesten Luther 23, 36 W.; goldenster Stoppe Parnass (1735) 292; theater der Deutschen (1768) 13, 340; goldenste Cramer Neseggab (1791) 3, 131; goldenstes Holtei erz. schr. (1861) 7, 155; goldensten graf Strachwitz ged. (1850) 115.

[Bd. 8, Sp. 731]


bedeutung und gebrauch.
A. als eigenschaftsbezeichnung von gegenständen, die aus gold oder goldartig aussehender metallischer masse bestehen oder damit überzogen sind; neben die blosze stoffangabe tritt vielfach noch ein gefühlsausdruck für wert und schönheit.
1) von dingen, die aus dem edelmetall gold sind, 'aus gold bestehend'; doch macht der allgemeine sprachgebrauch meist nicht den technischen unterschied zwischen golden 'aus massivem gold' und vergoldet 'mit gold überzogen', vgl. dazu:

die (leute) gelich ich uf daz golt,
da mit man daz silber frumt
daz ez zu der wirde kumt,
daz man ez guldin namt
und ez zu ritterlichem amt
nützet von des goldes dach
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 63 Regel;

aber bewuszt kontrastiert: das eine das ist ein húltzin bilde und ist úbergúlt. das ander das ist ein silberin bilde und ist och úbergúlt. das dritte das ist ein bilde von einem luterem golde ..., aber die starke minne die gelichet sich dem gúldin bilde Tauler pred. 248 V.; weliche frow ... hinfüro guldene oder vergullte ketten haben oder tragen will, die mag das thun (15. jh.) Nürnberger polizeiordn. 102 B.; gulden kopf anaphus, ciphus deauratus voc. teuton. (c. 1471) k 5a, dafür vergulter kopf voc. theut. (Nürnb. 1482) ii 2b; gulden, guldin, von gold aureus, auratus Henisch (1616) 1774; das trysur (war) mit güldenen silbernen und überguldeten trinkgeschirren überstellt Grimmelshausen 2, 400 Keller; sonst wird bei beabsichtigter unterscheidung ein zusatz nötig, in älterer sprache z. b.:

driu und zwaintzic tusent
bysantzer si hent
die alle luter guldin sint
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 6203 R.;

auff einen lauter guldin sessel Schaidenreiszer Odyssea (1537) 20b; und unter den ampellen sind ir vil, die gantz güldein sind (nach 1427) Schiltberger reisebuch 25 lit. ver.; auch liesz er machen ain gantz gulden creütz rock Christi (1512) b 1a; nach fast vollbrachter mahlzeit liesz hertzog Herrmann ihm einen gantz güldenen becher reichen Lohenstein Arminius (1689) 1, 17a; in neuerer sprache ist dafür echt golden üblich, z. b. eine echt goldene kette; vereinzelt mundartlich auch anders differenziert, so z. b. in Ostdorf golde 'aus gold' gegenüber goldig 'vergoldet' Fischer schwäb. 3, 740; gold 'goldfarben' gegenüber goln 'golden' Mensing schlesw.-holst. 2, 420; auch der gebrauch der präpositionalen verbindungen von gold, aus gold dient vielfach dieser unterscheidung.
a) von schmuckstücken und ehrenzeichen aus gold oder mit vergoldung:

umbe sinen hals einen bouch (ring)
der was guldin ouch Milst. genesis 86, 26 Diemer;

das warn vier ringe guldin,
die gabin userwelten schin
Rudolf v. Ems weltchron. 11872 Ehr.;

(er hat) dem Lucio Silla ... einen schönen güldenen ring geschencket engl. comedien u. trag. (1624) a 2b;

ach! und den goldenen ring erblickt er am finger des mädchens
Göthe I 50, 247 W.;

ain guldein keten Konrad v. Megenberg buch der natur 278, 33 Pf.;

die goldne kette gib mir nicht,
die kette gib den rittern
Göthe I 21, 206 W.;

seine gilblichen, stark beringten finger spielten an der goldenen kette, die ihm über die weisze weste hing W. v. Polenz Grabenhäger (1897) 2, 189; in guldinen fason Notker 2, 172 P. (ps. 44, 14); also zog Titus Manlius dem Frantzosen eyn güldens köstlichs halszband ab, henckt das an sein halsz Carbach Livius (1551) 66b; güldene oder silberne ohrenspangen Zesen rosenmând (1651) a 6b; als weihgeschenk stifteten sie ... den vergoldeten

[Bd. 8, Sp. 732]


pantoffel, goldene hafte, alles zum putz der Venus gehörig Göthe I 49, 1, 86 W.in fester verbindung goldene krone; im sinne von 'kronleuchter aus gold':

dâr inni (im tempel Salomos) hangitin scôni
dî guldînin crônin d. lob Salomos 122 bei
Waag kleinere dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (21916) 31.

als goldener kopfschmuck, zumeist als fürstenkrone:

achtich scone vrowin
mit goldinen cronin könig Rother 4585 de Vries;

der aber wolt vor allen dingen
kein güldin kron auff seim haupt tragen
wie ein könig
Hans Sachs 16, 335 K.-G.;

sie sasz auf ihrem hohen throne,
den scepter in der weiszen hand,
auf ihrem haupt die güldne krone,
die königin von morgenland
W. Müller ged. (1868) 1, 135;

im bilde:

gott wird sich zu uns kehren,
eim jeden setzen auf
die gülden kron der ehren
Joh. Walther bei
Wackernagel kirchenlied 3, 188;

(der) das haupt mit dem goldenen siegeslorbeer sich kränzen liesz Mommsen röm. gesch. 3 (1866)9; do bot er ir (der könig der Esther) das guldin zepter Tauler pred. 153, 8 V.;

... die inful um
das goldne zepter des ferntreffenden
Apoll in seinen händen
Bürger s. w. 146b Bohtz;

ihr goldnen, silbren ordenszeichen alle
brecht vor dem stärkeren metall in splitter
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 17

goldene rose (rosa aurea), päpstliches gnadengeschenk: benediction der güldnen rose Apinus gloss. nov. (1728) 70; er beschlosz, dem churfürsten ein zeichen der apostolischen gnade ..., die goldene rose, zuzusenden Ranke s. w. (1867) 1, 271.
b) von kostbaren geräten und anderen gegenständen, für die gold als material verwendet wird; besonders von gefäszen, namentlich trinkgeschirren aus gold, vgl. kasa guldeina got. bibel 2. Tim. 2, 20:

dî scuzzilin undi dî nepphi
dî woli gisteinitin chophi,
daz was alliz guldîn d. lob Salomos 169 bei
Waag kleinere dt. ged. d. 11. u. 12. jh. (21916) 33;

swaz ritter dô gesezzen was ...,
den wâren kamerære
mit guldîn becken swære
ie viern geschaffet einer dar
Wolfram Parzival 236, 26;

das sint gar selsam kirchengpräng,
fremd ceremoni und gesäng
ain sacristei voll mummerklaidung,
gulden kelch, paten, meszberaitung
Fischart 1, 419 Hauffen;

disz trinckgschirr ...
und disz gülden pocal geziert
schenckt dir mein vatter
Spangenberg griech. dramen 2, 28 lit. ver.;

(die trinker) erzeigend allen ihren fleisz und ernst, ... ihre credentzen von gülden bechern und schalen mit groszem pracht in ordnung zu stellen Ambach vom zusauffen (1544) c 4b;

es war ein könig in Thule,
gar treu bis an das grab,
dem sterbend seine buhle
einen goldnen becher gab
Göthe I 1, 171 W.;

sprichwörtlich: was nutzt mich e guldeni schüssel, wann nix drin ist Martin-Lienhart els. 1, 213; im bilde: geh, und bring ihm nur das gift in güldnen schaalen! theater d. Deutschen (1768) 6, 69;

so oftmals helden, grosze thaten blühen,
aufsteigend aus der zeiten goldnen schaalen
Tieck schr. (1828) 1, 11;

[Bd. 8, Sp. 733]


die goldne dose, — denkt nur, denkt! —
die könig Friedrich mir geschenkt,
die war — was das bedeuten musz? —
statt voll dukaten, voll helleborus
Lessing 1, 9 M.;

worinne ... eine goldene uhr und 14 schnuren grosze köstliche perlen (lagen) d. Leipz. avanturieur (1756) 1, 165; den langen rohrstock mit goldenem knopf trug er unter dem arm Storm s. w. (1899) 1, 3.
bei einem goldenen thron, goldenen stühlen, sesseln u. s. w. ist an massives gold gedacht, wenn sie als sitz göttlicher wesen oder groszer herrscher gelten (s. unten C 1) sonst ist meist vergoldung gemeint, vgl. auch anord. Hávamál 105, 2:

die guldînen schamele ob liehtem phelle guot Nibelungenlied 531, 3 L.;

da setzt ihn Dionysius ... in einen güldenen seszel Kirchhof wendunmuth 2, 37 Öst.;
mit gefühlsgehalt:

princessin sonder land! die aus dem güldnen throne
der schlag in abgrund stöst!
A. Gryphius trauerspiele 114 Palm;

im bilde:

auf einem golden richtstuhl lasz es (mein eigenes bewusztsein) thronen,
und alle schrecken des gewissens ihm
in flammenrüstungen zur seite stehn
H. v. Kleist 2, 198 E. Schmidt;

die tugend steht erhaben
auf einem güldnen thron
Knittel poet. sinnenfr. (1677) 32.


goldene bulle das kaiserliche siegel aus gold: und darüber zu ainer ganzen stritigkait und ewigen urkund geben wir in disen brief mit unsern gulden bull und unserm gewonlichen zaichen versigelt (v. j. 1332) bei Lori baier. bergrecht 9; kaiserliche urkunde mit angehängtem goldenen majestätssiegel: (kaiser) Sigmund (hat) anno domini 1433 beyde den abt und die von Schweytz zu Basel vereiniget, den Schweytzern das lehen der vogtey unnd kastvogtey bekrefftiget und darüber die keyserlich guldin bull geben am zinsztag vor s. Lucien tag Stumpf Schweizerchron. (1606) 501; terminologisch für das reichsgrundgesetz Karls IV. v. j. 1356: unde wolde he ok secgen, dat he sik to den eren an unser stad vorwaret hadde, so te wy uns an dat recht unde gesette, dat keyser Karolus ... darvan gesat unde mit der gulden bullen na vulborde der heren korvorsten ... unde andersaten des romischen rikes bezegeld heft (v. j. 1418) urk. d. stadt Lübeck 6, 40; (die) stadt Wien ..., deren privilegium mit hinwegreiszung der goldenen bulle cassirt ward M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 3, 33; bildlich für irgend ein fundamentalgesetz, ein grundprinzip: (von) einem ausgedörrten professor oder fresser der schönen wissenschaften ..., dessen ganzes verdienst darin besteht, uns die unverdaulichkeiten seiner lektüre für güldene bullen der kunst zu geben Lenz vertheid. d. herrn Wieland 16 lit.-dkm.
c) von münzen aus gold; vgl. in übersetzung von Matth. 17, 26 (invenies staterem):

thar maht thu undar them kaflon niman
guldina scattos, that thu forgeldan maht
them manne te gimuodie minan endi thinan Heliand 3205 Sievers;

mhd. sonst zufrühest guldîner phenninc, woraus sich das subst. gulden verselbständigt hat (s. teil 4, 1, 6, sp. 1054):

guldîner phenninc tusent pfunt Lohengrin 6511 Rückert;

der phenninge guldîn
die da heizent florîn
Ottokar österr. reimchron. 53339 Seemüller;

man mag es (das gold) treiben mit dem hammer, das ausz einem guldenin phennig fünffzig guldenin täfelin gemacht werden, wie sie die goltschmid brauchen Seb. Münster cosm. (1550) 8;

der (zoll) giltet vierzec tusent guldin
bysantzer der Sarrazin
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 6193 Regel, vgl. 6203;

[Bd. 8, Sp. 734]


das sy eyn guldin muncz munczen und slahen mugen (v. j. 1422) städtechron. 1, 246; (ein gelehrter mensch) ist gleich der gülden müntze, wo die hinkompt bleibt sie in ihrem werth A. Olearius persian. rosenthal (1696) 53b; daher (war) es kein wunder, dasz er ... sein zeit fast mit beschauen der gulden goldstuck und alter müntz ... vollbracht Fischart binenkorb (1588) 233b; den guldin guldi geben (v. j. 1601) bei Birlinger schwäb.-augsb. 198b; indem er so viele güldene species bey sich führete Schnabel insel Felsenburg, vorr. 6 Ullrich; anders als wertangabe bei silbertalern im werte eines rechnungsguldens (51 groschen) neu adjektiviert aus gulden, gülden, m., im sinne von 'guldenwertig', vgl. guldentaler teil 4, 1, 6, sp. 1069 sowie: aureus imperialis ein gulden thaler nomencl. lat.-germ. (1634) 320: die güldenen stückthaler zu 1 thaler 15 gr. (v. j. 1621) acta publ. 4, 148 Palm; wie ich nun also an die nechst verstrichene mittagsmahlzeit gedacht, erinnerte ich mich auch der zweyen guldnen thaler Grimmelshausen 3, 409 lit. ver. —goldner beutel beutel voll goldmünzen: ich wünsche dir und deinem bruder güldene beutel, dann ich weisz besser, was zum studiren gehöre, als ihr mir es sagen könnet Schupp schr. (1663) 397; ähnlich:

salpeter hofft er (der bauer) von der leimenwand,
und findet golden-goldne rolle
erschreckt, erfreut in kümmerlicher hand
Göthe I 15, 1, 19 W.;

goldener fuchs 'goldstück' ist poetisch aufgelöstes goldfuchs (s. sp. 775 f.):

der lange Peter aus Itzehö?
der seines vaters goldne füchse
mit unserm regiment hat durchgebracht
Schiller 12, 20 G. (Wallensteins Lager);

... als sie
die goldnen füchse sah, da ward sie zahm
Bauernfeld ges. schr. 1, 176.


d) in besonderen verbindungen und formelhaften ausdrücken, zumeist mythologischen, biblischen oder sagenhaften ursprungs; von abgöttern u. dgl., deren bildnis aus gold gemacht ist:

sînû abgot er worchti
âni gotis vorchti,
êni sûl guldîn
widir demo himilischin kunigi Nabuchodonosor 17 bei
Waag kl. ged. (1916) 36;

den güldenen abgot Rodegast Joh. Micraelius altes Pommerland (1640) 2, 135;

setzt mir meinen güldnen gott,
meinen vielgeliebten Machmud,
hier im zelte nahe zu mir
Tieck schr. (1828) 1, 298;

im bilde:

(ein törichter mensch,)
der, ob er gleich an geld, an ehr und glück gestiegen;
doch, weil vernunft ihm fehlt, ein güldner götze scheint
Triller poet. betracht. (1750) 4, 334;

nach 2. Mose 32, 3 und 1. kön. 12, 28 das goldene kalb als götzenbild: und der könig hielt einen rat und macht zwey güldene kelber 1. kön. 12, 28; meist symbolisch für eine als götze angebetete sache, z. b. eine irrlehre, besonders häufig aber sinnbildlich für den vergötterten reichtum, den mammon: die gulden kelber sind seyne (des papstes) erdichte leren Luther 8, 556 W.;

du meinst, ich sei verpflicht, dir ehre zu erzeigen,
und mein entblöstes haupt gar tief vor dir zu neigen,
nur dasz du reicher bist; o nein, ich lasz es wol,
weil man ein gülden kalb je nicht verehren soll
J. Grob dichter. versuchg. (1678) 15;

so denkt
ein wuchrer nur, der sich das goldne kalb
zum götzen ausersehn
E. Raupach dram. w. ernst. gatt. (1835) 7, 89.

in antiker mythologie und sage; Jupiter, der sich als goldener regen der Danae nähert: da dis gemeld was, wie der Jupiter etwan ein güldin schlegregen Dann (lies Danae) in die schoss gesandt habe Terenz deutsch (1499) 64a;

[Bd. 8, Sp. 735]


so bald nicht mehr der goldne regen rinnt,
ist keine Danae, so bald im trocknen becher
der wein versiegt, ist kein Patroklus mehr
Wieland s. w. 9 (1795) 4;

das goldne vliesz aus Kolchis:

ein insil wer Colcos genant,
darinne wer ein guldin vel
behalten
Rudolf v. Ems weltchron. 20272 Ehr.;

mit disen knaben solte einer
werden des Jasons schiffartgmeyner
in die insul zum gulden wider
Fischart glückh. schiff 11 ndr.;

allein sie schützt ein gott, Minerva führte sie,
der preis der göldnen haut reizt ihre heldenmüh
Wieland I 1, 41 akad.;

Grillparzer das goldene vliesz, dramatisches gedicht in drei abtheilungen (1822) titel; bildlich: der könig in Frankreich ist ein reicher hirt, alle seine schaf tragen das gülden flüsz Lehman flor. pol. (1662) 3, 357;

volk! dein goldnes vliesz nur zicht in der wage des fürsten:
und er veredelt das schaf, wenn ihm die wolle zu schlecht
Herwegh ged. e. lebendigen (1843) 2, 101;

orden vom goldenen vliesz name eines 1429 gestifteten ritterordens:

des gülden flusses ritterordn
von ihm (Philipp v. Burgund) ist erst gestifftet wordn
Hollonius somnium vitae hum. 10 ndr.;

die titel des Eugen sind: ... ritter des goldenen vlieszes, der römisch kaiserlichen ... majestät würklicher ... raht Hippel lebensläufe (1778) 1, 57. goldene äpfel, vgl. ahd. chuldine effili mala aurea (9. jh.) ahd. gl. 1, 543, 47:

der apfel guldîn unde ergraben,
den Discordiâ dur strît
brâht ûf der göte hôchgezît
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 23662 K.;

die guldein ophel in den silberin petten spr. Salomos 25, 11, s. erste dt. bibel 8, 68 K.; als reichsapfel das symbol königlicher würde:

den güldnen apffel, wie gebrauch,
trug der oberst richter auch lieder auf d. winterkönig 15 Wolkan.


in älterer gnomischer prägung etwas oder jemand ist golden zur bezeichnung einer unmöglichkeit:

sie sprach: entriuwen, ist daz wâr,
sô sint guldîn mîniu hâr gesamtabenteuer 3, 117 v. d. H.;

(die wächter des grabes:)
mer woln zu dem grabe gan,
Jhesus der wel uff stan.
ist das wore, ist das wore,
so sint gulden unser hare Alsfelder passionsspiel 6916 Grein;

denn du sprichst, man sölle sie on alle barmhertzickeyt tödten. antwort ich: meynstu das recht, so byn ich gulden Luther 18, 388 W., vgl. 18, 89; anders 'wertvoll':

het er (Daniel) nit wol verschuldet das,
möcht er sin leben lenger han,
het eyner das usz uns gethan,
er müszt wie er den kampff bestan,
man wurd in dennocht nit vil klagen
als man dem juden nach tht fragen.
deszhalb ist ja, hiedurch msz er
und wenn er schon gantz guldin wer geschicht d. propheten Danielis (1545) p 4b.

bildlich mit goldenen netzen (hamen, angel) fischen allzu wertvollen besitz aufs spiel setzen, also mit D 1 f vermischt: er hielt kriegen für ein ding, als wann einer mit güldenen netzen vischet, da er mer in gefahr setzet dann z gewinnen glaublich ist Seb. Franck Germ. chron. (nov. 1538) 16b;

(von dem fürsten, der unrechte kriege führt)
denn erfehrt er erst an dem end,
dasz er durch sein mutwillig that
mit güldin netzen gfischet hat,
vil mer verloren denn gewunnen,
und im ist aller kunst zerrunnen
Hans Sachs 16, 272 K.-G.;

[Bd. 8, Sp. 736]


... ach! also lob erwischen,
so triumphiren heist: mit güldnen netzen fischen
Opitz opera (1689) 3, 304;

ein zancker schafft sich harten gram,
... er fischt mit einem güldnen ham
B. Ringwaldt evangelia (1581) y 5a;

so hette man doch mit guldin hammen gefischet, mehr in die far ... gesetzt dan gewunnen Eberlin v. Günzburg 3, 151 ndr.; so noch mit goldnem hamen fischen bei Fischer schwäb. 3, 738; das hiesze also doch einmal: mit goldner angel fischen? — und — nichts fangen? (1810) Böttiger an Göschen in: schriftsteller u. buchhändler vor 100 jahren 260 L. Gerhardt.
e) als reine stoffbezeichnung, wo in neuerer sprache fast nur noch komposition mit dem subst. gold üblich ist, weil golden mehr als bezeichnung für das aussehen empfunden wird:

(der Antichrist gibt seinen anhängern)
manic guldin phunt,
silbir und edil gesteine Linzer Antichrist in: fundgr. 2, 114 Hoffm.;

der künec in alles werte ...
manec tiwer goltvaz
und mangen guldînen klôz
Wolfram Parzival 10, 5;

wie kan ein göldner klump das höchste gut erlangen?
Chr. Weise zeitvertreib (1699) 2 30;

fliezendeu wazzer, ... diu ziehent guldeinen griez Konrad v. Megenberg buch d. natur 485 Pf.; poetisch dagegen:

... was nach der Tiber schmekkt,
geht Tagus göldnen sand und Isters perlen oben (voran)
Lohenstein Arminius (1689) 1, e 1a;

... Persian der was
herre über alles Kaukasas,
daz gebirge guldin
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österr. 2105 R.;

lamina guldein blech (anf. d. 15. jh., obd.) Diefenbach gl. 316C, vgl. goldblech;

die berg er (gott) auch durchschmücken was
mit metall, silber, gülden ertz
Hans Sachs 1, 178 K.

frühnhd. gülden stat 'mit gold gefüllte schatzkammer', vgl. aurilegium goltkamer vel gulden stat (15. jh.) Diefenbach gl. 62b:

den nommen den er (der verstorbene) mir verladt,
den acht ich für ein gülden stadt
und alles guot, das kam uff erden,
das ietzund ist und mag noch werden
Murner badenfahrt 23 Martin;

goldener schatz u. ähnl.: du solt den gulden schacz ... dem künig Dionisio geben Steinhöwel Äsop 62 Öst.; wo man silberne und güldene schätze merket, da sucht man gelegenheit zur bekantschafft Chr. Weise pol. redner (1677) 7;

was ist das güldne gut und geld?
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 321;

und (dein haupt) wird vielleicht gar von solcher blumenmenge,
wie jene Römerin von göldner beuth, erstickt
J. Chr. Günther ged. (1735) 400;

(an der krone) werdet ihr allerley zierrathe, edelgesteine und goldene arbeit sehen, die etliche tausend mark werth sind Gottsched Reineke fuchs 52 Bieling; nun war ich (Cellini) unausgesetzt mit der groszen goldenen arbeit beschäftigt Göthe I 43, 138 W.
f) 'mit gold ausgestattet, geschmückt, bekleidet, versehen', wobei der gesamteindruck für die einzelnen teile eintritt, z. t. in D 2 b übergehend:

Thais, du must auch das frümal
mit essen auff dem gülden saal,
dort in der gastherberig mein
Hans Sachs 20, 21 K.-G.;

die leute da droben in den goldenen sälen tanzen und lachen, höhnen vergangenheit und zukunft Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 7, 2;

[Bd. 8, Sp. 737]


mögen sich die sein joch aufladen,
die mitessen von seinen gnaden,
die mit ihm tafeln im goldenen zimmer
Schiller 12, 51 G. (Wallensteins lager 900);

es fragt der goldne stutzer,
weis sie gestickte westen
nach ihrem werth zu schätzen? Bremer beitr. (1746) 1, 405;

... es standen im saale
goldene knaben umher auf schönen gestellen und hielten
brennende fackein
Göthe I 4, 327 W.;

wenn ich mir itzt das goldne gepränge, die trophäen, den stolz meiner kriegerischen tage zurück erkaufen könnte Gerstenberg Ugolino in: Kürschners nat.-lit. 48, 247; soldaten, bediente, hausofficianten und ein glänzender hofstaat folgten hintereinander. endlich erblickte man ein goldnes gedränge und in demselben den könig selbst Göthe I 25, 1, 160 W.; wo die goldnen ritter sitzen und um ihre liebe buhlen maler Müller w. (1811) 1, 260; vgl. die güldinen reiter stadtgardisten Birlinger schwäb.-augsb. 198.
2) bei geweben wie borten, gürteln, tuchen, kleidern u. s. w. im sinne von 'aus oder mit goldfäden oder goldstoff hergestellt', wobei oft nicht mehr an material aus echtem gold gedacht wird, so dasz golden sich vielfach zur angabe des goldartigen aussehens (s. unten 3) erweitert; vgl. ahd. culdinaz uuerh barbarica (9. jh.) ahd. gl. 4, 4, 53 St.-S.; bissio halb sidin und halb guldin (obd., anf. d. 15. jh.) Diefenbach nov. gl. 54:

mit rîchen borten guldîn
Konrad v. Würzburg Alexius 77 Gereke;

da dan i. k. m. unter einem baldachin von nägelfarben sammet mit güldenen posamentborten ... geseszen (v. j. 1620) acta publica 3, 144 Palm;

si truoc ein guldîn hârbant s. Oswald 2594 Baes.;

und durch den blonden schmuck der haare
schlingt zierlich sich ein goldnes band
Schiller 11, 21 G.;

und ein hut mit grünem band,
goldne franzen an dem rand
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 118;

(die frauen) giengen uf daz gestül:
manic guldin tch durch kül
für sunnen schin gespannen was
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 10138 R.;

von India sidin und guldin tuch md. Marco Polo 9 v. Tscharner;

du ehrenhold, behenck den sal
mit gülden tüchern uberal
Hans Sachs 8, 31 K.;

eindeutig 'goldgestickt': item ain swartze guldeine gasel (casula), item ein grune guldeine gasel (v. j. 1431) notizenbl. z. archiv f. kunde österr. geschichtsqu. 1, 301;

ein priester und weissager schon
sasz da in güldinem gewand
Spreng Ilias (1610) 135a;

meine mutter hat manch gülden gewand
Göthe I 1, 167 W.;

eine goldne decke macht den esel nicht zum pferde Rabener s. w. (1777) 4, 32;

wenn er auff hochzeit gehen sol,
so lest er sich gantz prechtig schawen
in füchsen, schauben, gülden hauben
Eyering proverbiorum copia (1610) 1, 74;

ach, sprach die alte, er hat gesagt, du solltest deine güldne haube abthun und deiner schwester geben br. Grimm kinder- u. hausmärchen (1812) 2, 256;

wâpenroc und kursît ...,
hermîn anker drûf genæt,
guldîniu seil dran gedræt
Wolfram Parzival 14, 28;

die säulen waren mit ... goldenen tressen umwunden Göthe IV 8, 65 W.; er reiszt seine goldene hutschnur ab und erdrosselt sich Schiller 2, 190 G.; indesz die eine goldne fäden zwirnt maler Müller w. (1811) 1, 138;

[Bd. 8, Sp. 738]


im bilde: dieses fliehen und schmachten der wachsenden leidenschaft ist der goldne faden, an dem sich von selbst, gleich perlen, die köstlichsten gespräche über liebe, schönheit, ehe reihen Eichendorff s. w. (1864) 3, 170. goldnes stück in älterer sprache 'gewand aus goldbrokatstoff' (s. o. teil 10, 4, 213), vgl. DWB en blâ golden stücke brokat mnd. hwb. 1, 2, 186; gulden stuck, kleid vestis attalica, vestis texti attalici, vestis auro intexta, vestis ex auro textilis Henisch (1616) 1776: der hertzog hett gross hoffart angericht mit seiner und der seinen kleidung von gulden stucken, sammath M. v. Kemnat chron. Friedr. I. 91 Hofm.;

gleich wie auch ihr liebliche jugent
schimmert in einem guldin stuck
Weckherlin 1, 103 Fischer;

ja, ich habe unrecht, ... dich zu beklagen, dasz du einer welt voll elend, voll betrug, voll bosheit entrissen worden, wo das laster in güldenem stücke gehet, wo tugend und menschenfreundschaft betteln musz Nicolai Seb. Nothanker (1773) 1, 69.
3) 'vergoldet' und 'goldfarben' von dingen, die wie gold aussehen, weil sie mit blattgold oder echtem goldstaub vergoldet sind, oder sonst einen goldähnlichen metallischen anstrich haben. die grenze zwischen material- und farbangabe ist hier oft flieszend; mhd. steht guldîn meist noch als stoffbezeichnung 'aus echtem gold bestehend' oder aber 'mit echtem gold überzogen'. in späterer zeit tritt golden als blosze farbbezeichnung stärker oder ausschlieszlich in den vordergrund, vgl. ahd. goltfar (s. unten goldfarb) und auch mhd. goltvar:

sehs ûzerwelte striche
den schilt sîn überviengen ...,
drî wâren guldîn und drî blâ
von lâsûr edel unde fîn
Konrad v. Würzburg turnier 664 Schröder;

(da) siht man vogel vliegen
(nieman ez hab für liegen!)
der varwe guldin schinet
Joh. v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 7747 R.;

carpasinus guldein farib (voc. v. 1432) Diefenbach nov. gl. 77a; goldene pforte die goldene tür in s. Peter zu Rom, die bei der feier des goldenen jahres (s. DWB C 4b) geöffnet wird: es sagt der bapst hie ynn der bulle, er wölle die gulden pforte auff thun Luther 18, 255 W.;

der schöne junge herr fuhr stolz in goldnen wagen
v. Cronegk schr. (1766) 2, 120;

eine goldene karosse Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 8; zimmer mit goldnem getäfel E. M. Arndt s. w. 1, 61 R.-M.; das innere des Münchner theaters ist weit, hoch, reich, golden H. Laube ges. schr. (1875) 8, 171; heraldisch als wappenfarbe:

in dem guldînen velde (des schildes) lac
ein blâwer löuwe schône
Konrad v. Würzburg trojan. krieg 36122 K.;

vel edelir ist eyn guldin veld
danne eyn guldin bilde
Joh. Rothe ritterspiegel 641 Neum.;

als die Medicis zurückkehrten, ward das kreuz wieder ausgekratzt, die rothen kugeln kamen wieder hinein, und das goldne feld (im wappen) ward vortrefflich ausstaffiert Göthe I 43, 24 W.; besonders von den vergoldeten hauszeichen der wirtshäuser, nach denen sich diese benennen:

wer ich zum gulden stern
by mynem gedruwen wirt
meister Altswert 247, 34 Holl.;

eins mals het der edelmann ... ein grosze malzeit und gloch (gelage) zu Wien in Osterreich zum guldin hirsch angeschlagen Jac. Frey gartengesellsch. 82, 7 Bolte; ich zahle dem postillon einen ganzen thaler trinkgeld und bin spätestens um ein uhr in Dresden, wo mich im goldnen engel ... ein gut zugerichtetes abendessen und ein weiches bett erwartet E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 217 Gr.; auch sonst bei gegenständen, die vergoldet sind: goldener schnitt vergoldeter schnitt eines buches, goldschnitt, doch vgl. unten D 2 b, sp. 759f.: dasz ein jeder kerl

[Bd. 8, Sp. 739]


... dieses wercklein (das vorliegende buch), wann es gleich in grünen atlas ... eingebunden, mit einem güldenen schnitt, auszgeziert ... wäre, ohnverhindert ... in das wasser (werfen mag) Grimmelshausen 2, 503 Keller; die meisten buchbinder, die nicht allein einen guldenen schnitt zu machen wissen Abr. a s. Clara schr. 4, 166 Str.; goldenes buch buch mit vergoldetem, selten echt goldenem einband:

es ging ein knäblein wohl über das land,
ein gülden buch trug es in seiner hand
Göthe I 4, 168 W.;

halb terminologisch das goldene buch, in dem der venezianische adel verzeichnet war; daran anknüpfend im bilde: Doria hat das goldene buch besudelt, davon jeder genuesische edelmann ein blatt ist Schiller 3, 52 G.; als ehrenbuch der städte und behörden, in dem sich vornehme gäste eintragen, z. b. das goldene buch der stadt Berlin. goldener rahmen und anderes: da sich jedermann um leidlichen preis auf velinpapier oder im goldenen rahmen sehen möchte, so hat er die lebhafteste kundschaft Göthe IV 25, 129 W.; mit den lebensgroszen bildern der alten grafen von Montfort, in schweren goldenen rahmen A. v. Droste-Hülshoff br. (1893) 58; der hl. Christ bescheret dessentwegen denen kindern so schöne güldene ruthen, dasz sie sich entweder untereinander damit peitschen und schlagen soller, oder damit sie destomehr spielzeug dranne haben J. Prätorius saturnalia (1663) 376; aber die goldenen nüsse blinkten in dem ... licht umso goldener Fontane ges. w. I 6, 258.
in formelhafter verbindung goldene buchstaben, letterr, schrift und verwandtes, vgl. aurigraphia gulden scrift (voc. v. 1417, nd.) Diefenbach nov. gl. 43, gulden geschrifft voc. theut. (Nürnb. 1482) k 4b:

mit guldîn buochstaben
an der porte wol ergraben himml. Jerusalem 47 Waag;

da wurden sy zway schön begraben.
mitt guldinen büchstaben
ward den geliben, so man saitt,
ain aigen grabe da beraitt Göttweiger Trojanerkrieg 20082 K.;

bald ihme ein sehr schönen harnisch machen und darauff mit guldin bchstaben schreiben liesz Montanus schwankb. 19 B.;

braucht andre grabschrift nicht, noch güldne zeichen
Grillparzer s. w. 6, 253 S.

dann redensartlich etwas mit goldenen buchstaben schreiben einen wertvollen spruch, eine tiefe wahrheit, einen teuren namen u. dgl. weithin sichtbar oder besonders einprägsam machen; vgl. schon mhd.:

die si in hertz hat gegraben:
'Wildhelm' die bchstaben
in irm hertzen guldin
sin geveltzet, da von schin
get durch alle triwe lit
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 12777 R.;

dasz man den spruch mit gülden buchstaben allenthalben an die wende ... schriebe theatr. diabol. (1569) 49a; die wort Isocratis sind werth, dasz sie mit güldenen buchstaben geschrieben seyn sollten Stranitzky ollapatrida 51 Wiener ndr.; (sie möchten) den spruch ... mit goldnen buchstaben an die wand der rathsstube schreiben Klinger w. (1809) 3, 72; ähnlich gemeint:

er bringt mich an die pforten,
die in den himmel führt,
daran mit güldnen worten
der reim gelesen wird
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 310;

oft abstrakter: diese wort solt man mit güldenen buchstaben, ja mit lebendigen buchstaben (das were besser) ins hertz schreiben Luther 33, 61 W.; wie ist der verfasser auf diesen nahmen gekommen, der in mein herz mit goldnen buchstaben geäzt ist? Hippel über d. ehe (1774) 16; bildlich von der schrift, die Klio mit dem goldenen griffel in das buch der geschichte schreibt:

[Bd. 8, Sp. 740]


schau, wie sie (Klio) auf ihren kniehen so ädles lob beschreibt,
und mit zierlich göldnen lettern solchs auf marmor einverleibt
G. Neumark neuspr. teutsche palmbaum (1668) 351;

in vielfach variierten wendungen wie z. b. seine taten mit goldenen lettern in das buch der geschichte eintragen; seine taten leuchten mit goldenen lettern im buche der geschichte u. ähnl.; hierzu auch: dasz wier rechtmäszige uhrsache finden, ihren ruhm mit güldenen buchstaben selbst zwischen das gestirne zu setzen Zesen verm. Helikon (1656) 1, a 7b;

sein name flammt
mit goldner schrift im lebensbuche
Schubart s. gedichte (1825) 2, 44;

stärker abgewandelt: sie leben frisch in dem gedächtnisz der menschen und werden in den goldenen rollen der weltgeschichte unsterblich glänzen E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 511.
goldene harfe, saiten, leier meint zunächst das goldene aussehen des instrumentes und der saiten, biegt dann aber vielfach in D 2 b um und kennzeichnet den gefühlswert des wohlklangs (vgl. auch gold II A 1 b):

sein gülden harpff schlug er zu hand (1553)
Casp. Scheit frölich heimfart 78 Strauch (v. 2490);

sprich, widerhall, der, wenn die laute klang,
... mit hellem ton in güldne saiten sang,
sprich, soll ich nie die ruhe wieder finden?
E. v. Kleist w. 1, 41 Sauer;

lieblich klinget der ton von goldnen saiten,
wenn der göttliche sänger sie belebet;
aber lieblicher klingt die mehr als güldne
leier des herzens
Herder 27, 37 S.;

Hermes verlangte die leier, die leier verlangt auch Apollon,
doch vergeblich erfüllt hoffnung den beiden das herz;
denn rasch dränget sich Ares heran, gewaltsam entscheidend,
schlägt das goldene spiel wild mit dem eisen entzwei
Göthe I 2, 134 W.;

es greift der dichter nach der goldnen leier
Tieck schr. (1828) 1, 8;

nun sitzt er droben im krystallnen schlosse,
wo ich ihn sehe goldne saiten rühren
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 38.


B. übertragen erscheint golden vielfältig als eigenschaftsbezeichnung (entsprechend gold II A) bei dingen, die nicht aus gold bestehen oder mit einer metallischen vergoldung überzogen sind; neben der farbvorstellung steht meistens zugleich auch der sinneseindruck des glänzens im vordergrunde, während die reine farbangabe in nhd. prosa mehr durch goldgelb oder auch goldfarben bezeichnet wird; poetisch dagegen gilt golden schlechthin für die goldgelbe farbe auch nicht metallisch glänzender gegenstände.
1) von leuchtenden körpern, wobei der glanz die vorstellung beherrscht, vgl. DWB gold II A 1 a; mhd. nicht belegt, auf anderer linie liegt: der leuhtend ohs (ein sternbild) entsleuzzet uns daz jar mit seinen gldeinen hrnern Konrad v. Megenberg dt. sphaera 25, 26 M.; häufig erst seit dem 17. jh. von der sonne, vor allem am morgen und abend, und ihren lichtwirkungen, auf antikem vorbild beruhend:

ehe früe ausz ihrem bette
noch die gülne sonn auffsteht Königsberger dichterkr. 14 ndr.;

die güldne sonne
voll freud und wonne
Paul Gerhardt ged. 293 Goed.;

die sonne so golden blickend als ie Göthe IV 3, 45 W.;

goldne abendsonne, o wie bist du schön
A. B. Urner-Welti in: neue schweiz. blumenlese (1798) 206;

wenn die güldnen sonnenstrahlen
dieses blaue wieder mahlen
und die nacht ist gantz dahin
Buchner anleitung zur deutschen poeterey (1665) 60;

dort der abendhimmel in purpurfarbnem und goldnem lichte
E. v. Kleist s. w. (1760) 2, 163;

er sah ... in den sonnenball ..., alles schwamm in einem goldenen schimmer Fontane ges. w. I 5, 42;

und jener wald, wen läszt er unvergnüget?
... (wo) sich grüne nacht mit güldnem tage gattet
A. v. Haller gedichte 120 Hirzel;

[Bd. 8, Sp. 741]


ich war auch weit in deinen gauen, und hab' die schafe weiden sehen, und uralte bäume, und einen goldenen abendhimmel, und hab' eine lust im herzen gehabt mit thränen gemischt fürst Pückler briefw. u. tageb. 1, 124 Assing; gefühlsbetont:

doch noch wandl' ich auf dem abendfeld,
nur dem sinkenden gestirn gesellt;
trinkt, ihr augen, was die wimper hält
von dem goldnen überflusz der welt ('abendlied')
G. Keller ges. w. (1889) 9, 43;

dazu stellen sich im anschlusz an antike vorstellungen:

derwegen als die sonn vermerkt,
das nur jr manhait wurd gestärkt,
und sah allweil das schiff forteilen,
... derhalben nicht halb ausgerhut
spannt sie frisch pferd vor wolgemut,
lis sich aus irem guldnen sal
und rennt in aim kib ab zu thal
Fischart d. glückh. schiff v. 657 ndr.;

wo jetzt nur, wie unsre weisen sagen,
seelenlos ein feuerball sich dreht,
lenkte damals seinen goldnen wagen
Helios in stiller majestät
Schiller 11, 3 G.;

vom monde im ganzen seltener, vgl. DWB gold II A 1 a:

die göldne nachtlaterne
K. Stieler geharnschte Venus 6 ndr.;

sage, mond, wo ist dein güldner schein hinkommen?
A. Gryphius lustsp. 48 Palm;

endlich leuchtest meinem pfad,
Luna, klar und golden
Göthe I 3, 222 W.;

wer hat die schönsten schäfchen?
die hat der goldne mond
Hoffmann v. Fallersleben ges. w. (1890) 2, 94;

von den sternen, vgl. nox aurea die nacht von guldinem gstirn Frisius (1556) 146a:

die gülden lichter hat der himmel auffgesteckt
Zinkgref auserles. gedichte 29 ndr.;

der tag ist nun vergangen,
die güldnen sternen prangen
am blauen himmelssaal
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 298;

es schienen so golden die sterne,
am fenster ich einsam stand
Eichendorff s. w. (1864) 1, 267.

allgemein von lichtwirkungen:

von oben wird unsz geben
dasz liecht und gülden schein
in stätem lauff und leben,
sonn, mon und himmel sein
Fr. v. Spee trutznachtigall (1649) 110;

ward das leibliche auge vergebens so schön gebildet? und findet es nicht sogleich den goldnen lichtstral vor sich? Herder 13, 349 S.;

so wie die kerze golden angefacht
am dochte brennet
Tieck schr. (1828) 1, 64;

das goldene licht der lampe fiel auf sein antlitz und die bücher, welche um ihn lagen G. Freytag ges. w. (1886) 6, 7.
2) von andern goldgelben oder wie gold glänzenden dingen, insbesondere vom hellblonden haar, vgl. DWB gold II A 1 b und goldfarb; um haar aus goldfäden handelt es sich bei Notker: tu wândist selbiz taz sin fahs wesen guldinez unde sine loccha gefedelgoldote 1, 754 P.; sonst von menschlichem haar:

daz man durch ez (das tüchlein) ir guldîn hâr
... sach liuhten schône als einen tac
der durch die wolken schînet
Konrad V. Würzburg trojan. krieg 20278 B.;

von deszwegen ir gelb und güldin haar sich die lenge uber sie auszbreitet Amadis 228 Keller; der wind trieb ihr langes goldenes haar weit vor ihr voraus Göthe I 13, 2, 286 W.; ihr (Annas) haar glänzte frisch und golden G. Keller ges. w. (1889) 2, 76;

[Bd. 8, Sp. 742]


lange finger, weisze hände,
augen als ein demantstein,
göldne locken, armenbände
wie der Venus ihre sein
K. Stieler geharnschte Venus 110 ndr.;

einst zog nach diesem schlosse ein edles sängerpaar,
der ein in goldnen locken, der andre grau von haar
L. Uhland ged. (1898) 1, 307;

die blauen augen blickten gar fromm und gut aus den goldnen wimpern herfür Gaudy s. w. (1844) 4, 129; von rothaarigen, vgl. DWB he es en gölde mensch mit rotem haar rhein. wb. 2, 1303; gillen rothaarig Follmann lothr. 205.
häufig als epitheton von reifem getreide, früchten, herbstlaub, wein und honig, gern in poetisch gehobener sprache:

bald, wenn sein (des frühlings) bunter schmuck vergangen,
erscheint der ähren göldnes prangen
Drollinger gedichte (1743) 8;

windet zum kranze die goldenen ähren,
flechtet auch blaue cyanen hinein
Schiller 11, 292 G.;

(die hühner) verlassen das thauigte gras, vom hahne geführet; kommen ... bis güldener regen (goldgelbes futter) aus der zarten hand sie begieszt Zachariä tagzeiten (1757) 21; (die gans schlürft) den gelblichen hafer und die goldne gerste erst in ihren kropf K. Fr. Cramer Neseggab (1791) 1, 5; an denen göldenen zitronäpfeln wären auch die schalen nicht ohne kern Lohenstein Arminius (1689) 2, 342a; zum schönen morgen schick ich dir ein paar goldne äpfel Göthe IV 5, 105 W.; milch schäumt in alle feldbecher, und mit goldensten parmänen (äpfeln) füllen sich die taschen Carossa rumän. tagebuch (1926) 39; zwischen dem goldenen herbstlaube der birken grafen Stolberg ges. w. (1820) 6, 306;

bis die goldnen blätter an der erde rauschten
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 448;

die raup umspinnt den goldnen zweig
zum winterhaus für ihre brut
Göthe I 2, 176 W.;

der halsz ist gantz umbgeben
mit seinem kraussen haar, als wie mit güldnen reben
Rachel satyr. gedichte 27 ndr.;

wo auf und auf die goldne traube hängt
Grillparzer s. w. 6, 86 Sauer;

viele pflückten um die wette den goldenen crocos Ramler einleit. (1758) 1, 353; die goldne sonnenblume Herder 22, 61 S.;

der goldne rebensaft vertreibet gram und schmerz
Schwabe belustigungen (1741) 1, 244;

scherze springen aus dem goldnen wein
Schiller 1, 260 G.;

endlich erscheint ... das auf erden arm geborne neue wunderkind ..., nährt sich von säften süszer blüthen und bringt den goldnen honig zum stocke Göthe I 41, 2, 383 W.
vom blick und von den augen, noch deutlich von 1 aus bestimmt:

Laura — sonnenaufgangsglut
brennt in deinen goldnen blicken
Schiller 1, 295 G.;

recht ein herz spricht aus den augen,
senken sie sich golden nieder
Tieck schr. (1828) 1, 24;

goldner als golden glänzt
allen dein blick
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 125;

der kuckuck lacht von ferne,
es geht mir durch den sinn:
sie hat die goldnen augen
der waldeskönigin
Storm s. w. 1, 128 Köster.


C. über den gebrauch als stoff- oder farbbezeichnung hinaus gewinnt golden vielfach einen besonderen symbolcharakter und gilt dann meist als wertmäszig kennzeichnender ausdruck.
1) als typisches epitheton in der religiösen vorstellung von der wohnung göttlicher wesen und allgemein von dingen himmlischen ursprungs mit dem beisinn des herrlichen, kostbaren, überirdisch schönen, vgl. anord.

[Bd. 8, Sp. 743]


Glaðsheimr er inn flmti,þars en gullbiarta
Valhll við of þrumir ä. Edda Grímnismál 8, 2, vgl. Snorraedda Gylfaginning 14,

wie auch in antiker poesie alles golden heiszt, was den göttern zu eigen ist, vgl. von antiken vorstellungen ausgehend:

an seiner goldnen tafel sitzt
... der herr der menschen und der götter (Jupiter)
Gotter ged. (1787) 1, 61;

vater der götter und menschen!
ruhst du noch oben auf deinem goldenen stuhle?
Göthe I 17, 45 W.;

die goldenen paläste der unterirdischen E. M. Arndt s. w. 1, 47 R.-M.; wenn du unter Elysiums goldnes thor eingehst maler Müller w. (1811) 1, 119. in der christlichen jenseitsvorstellung von offenbar. 21, 18 und 21 aus weiter übertragen:

in himelrîche ein hûs stât,
ein guldîn wec dar in gât
Spervogel in: minnesangs frühl. 28, 28;

im guldenen himmel Paracelsus opera (1616) 2, 681 Huser;

(bis ich) mit ewgen freuden singe
im güldnen himmelssaal
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 350b;

nimm mich aus dieser welt
ins güldne himmelszelt Schweizer volkslieder 1, 191 Tobler;

o lasz mich ewig schauen
im stillen kindersinn
zu jenen güldnen auen,
woher ich kommen bin
E. M. Arndt s. w. 5, 65 R.-M.;

vergleichbar: (die abgeschiedene seele des Hieronymus) bekleidet mit des ewigen lebens guldeinem gewande Joh. v. Neumarkt hl. Hieron. 115 Ben.;

gott lasz euch selig schlafen,
stell euch die güldne waffen
ums bett und seiner engel schaar
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel 3, 298;

o herr! auf dunkelschwankem meere
fahr ich im schwachen boot,
treufolgend deinem goldnen heere
zum ewgen morgenroth
Eichendorff s. w. (1864) 1, 576.


2) formelhaft in der liebessymbolik, im anschlusz an die antike vorstellung von Amors goldenem bogen und goldenen pfeilen; dann oft mit dem beiklang des wohlgefallen, lust und begierde erregenden, vgl. dazu unten D 1 und 2: mit dem gülden pfeil der begierdt verwundt seyn buch d. liebe (1587) 109a;

in dessen (des mundes der geliebten) wundersafft zu seinem liebesköcher
Cupido allemahl die güldne pfeile netzt
Hoffmannswaldau u. and. Deutsch. ged. (1697) 2, 25;

Amors leichte pfeile fliegen
von dem schlanken goldnen bogen
Göthe I 11, 208 W.;

so bald die Venus ihn mit güldnen liebesstrikken
nur angeschnüret hat, er wuste sich zu bükken:
er folgte wie ein schaff
Rachel satyr. gedichte 33 ndr.;

flieht vor seinen (Hymens) goldnen stricken!
Gotter gedichte (1787) 1, 130;

sag an, wo steht der goldne thron,
der goldne thron der liebe?
maler Müller w. (1811) 1, 238;

der liebe goldnes land
Körner w. 1, 131 (Hempel);

die liebe lieh mir ihre goldnen schwingen,
zu diesem liebsten einzgen gut zu dringen
Tieck schr. (1828) 1, 349;

mit D 1 c und 2 a vermengt:

das hochzeitbette winket schon,
geht, eilt und schlaft das goldne schläfgen!
D. Stoppe Parnass (1729) 2, 41;

süsze goldne liebe maler Müller w. (1811) 1, 155; die herrlichste, goldenste, reichste liebe Fr. v. Gentz schr. 1, 48 Schles.

[Bd. 8, Sp. 744]



3) im anschlusz an gold I D drückt golden vielfach die beziehung auf besitz, geld, gewinn und reichtum aus.
a) in formelhaften metaphern für besitz, gewinn, wohlleben und glück; als grösztes, unerreichbares masz von reichtum gilt der besitz eines goldenen berges:

waz solte mir ein guldin berc,
des ich geniezen möhte niht? Winsbekin 10, 13 Haupt;

(anrede des hauptmanns an die soldaten vor dem einbruch in Holland:) vor uns steht ein güldener perg und reichs lant, darin wir zu hern werden möchten (v. j. 1507) Wilwolt von Schaumburg 112 Keller;

vor mir mögen goldne berge stehn
maler Müller w. (1811) 1, 216;

o du lügengeist! schon vor dreiszig jahren hast du mir, so wie heute, von lauter guten tagen vorgeschwatzt, mir einen güldnen berg nach dem andern gezeigt Ulr. Bräker s. schr. (1789) 1, 216; (auswanderer schreiben:) o ir glüklichen zu hause in der guden heimat, lassett eich nicht in eierer heimat goldne berge vormachen Jos. Rank aus d. Böhmerwald 152 K. Wagner; de sett op enen golden berg 'ist sehr reich' rhein. wb. 2, 1302; redensartlich jem. goldene berge verheiszen, versprechen, zusagen u. ähnl. im sinne von 'alles erdenkliche an gewinn versprechen': der selb hat den alten durch brieff gelickert, im gar schier guldene berg verheiszende Boltz Terenz (1539) 136b; er verhiesz mir, ich weisz nicht was für hohe güldene berge B. Schupp freund in d. not 46 ndr.; die (kriegsleute) warden mit wartgeld versehen, auch darneben von guldinen bergen vertröst zimmer. chron.2 3, 427 B.; der ihnen gute worte gibet und güldene berge zusaget Reinicke fuchs (1650) 373; der kayser möchte ihnen ja güldene berge versprechen Lohenstein Arminius (1689) 1, 24b; seine dienstleute staunten: jedem versprach er goldene berge Gutzkow ges. w. (1872) 4, 398; einem guldi berg versprechen Staub-Tobler 2, 227. sprichwörtlich: ein handtwerck hat ein gulden boden Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 7b, d. h. ist gewinnbringend, ernährt seinen mann:

zum pschlües merkt, das man kain hantwerck
auf ert verachten söll;
ides ein guelden poden hat
H. Sachs fabeln u. schwänke 5, 229 Goetze-Drescher;

obgleich er sein handwerk liebte, und es in keiner weise versäumte, so hatte es doch keinen goldenen boden für ihn W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 17; variiert: der reichthum bestehet nicht in gelde, sondern in stärke, geschicklichkeit und fleisz. diese haben einen güldnen boden J. Möser s. w. 1, 159 Ab.;

ein handwerck hat ein gülden grund jedermanns jammerklage (1621) b 1a;

ironisch und mit golden D 2 a gekreuzt: betteln hiesz vordem das güldene faule handwerk W. H. Riehl d. dt. arbeit (1861) 125. in anderen bildlichen wendungen und umschreibungen: (er ist) der hoffnung, es werde ein mal ein güldiner schnee fallen, da werd mann gold und gelt mit schauflen zusamen scheuflen sprichw. (1548) 157; auch sonst in den historiis ungelehrte reiche leuthe schafe mit güldener wollen genennet werden R. Lorichius pädagogia princ. (1595) 15; vgl. auch goldenes vliesz unter A 1 d; darum man auch zu sagen pfleget: ein schaf hat allezeit einen güldenen fusz, dann wo es seinen fusz aufsetzt, da ist eitel gottes segen viehbüchlein 52; anders, vielleicht auf zinsen deutend: summa aller uncosten auf eine schäferey 230 fl. 11 gr. 6 D. rest endlich, ohne den güldenen fusz, 61 fl. 7 gr. 10 D haushalt. in vorw. 174 E.-W., vgl. aber auch guldenfusz teil 4, 1, 6, sp. 1066; die edelleute versprechen zuweilen güldene eyer, und wanns dazu kommt, so sinds kaum ratzendreck Zendorius a Zendoriis winternächte (1682) 88; noch weniger mag es ... den genossen ... verarget werden, wenn sie zu der zeit, wo das schwein eine güldne schnauze haben soll, ihr vieh ... ohne hirten herumlaufen lassen J. Möser s. w. (1842) 3, 208 Ab.;

[Bd. 8, Sp. 745]


die pracht, die euch (städte) umringt, schlieszt euch in göldne ketten
A. v. Haller schweiz. gedichte (1743) 34;

zu selig, schnitte das geschicke
von seiner (des kaisers) hand die güldnen stricke,
womit es ihn zum sklaven macht ders. gedichte 14 Hirzel;

ich gieng zu einigen meiner guten freunde, die ... wuszten, dasz ich mir goldene federn ausrupfen liesz Ph. Hafner ges. schr. (1812) 1, 76; was hilft es, venn man einen goldenen galgen hat und musz daran hängen Kirchhofer schweizer. sprüchw. (1824) 180, vgl. ebenso Fischer schwäb. 3, 738; an en golden galg hange von einer heirat um des geldes willen rhein. wb. 2, 1301; ein hölzerner bock ist einer goldenen ziege werth Düringsfeld sprichw. (1875) 1, 127b; vom goldenen wägele fällt ab ein golden nägele Rother schles. sprichw. 420; goldene wiege für eine reiche familie: warum ist er nicht in die goldne wiege geboren Bettine dies buch (1843) 2, 335; in bildern für 'goldgeld':

der goldene regen, der oft in strömen
aus männerhänden in ihren (der metzen) schoos sich ergieszt
Blumauer gedichte (1782) 128;

dat hus hät golden panne (dachziegel) ist mit hypotheken belastet rhein. wb. 2, 1301.
b) häufig in metaphern, die eine bestechung durch gold bezeichnen (s. DWB gold I D 2 c, sp. 697; auch goldbeladen sp. 717), vgl. DWB man hat in mit einer gulden kgel geworffen, mit eim guldin hamer die zeen einschlagen, man hat im (die) zungen an ein guldin ketten gelegt, sein zung ist an eyn guldin seyl gelegt, mit guldin öpffeln werffen, einn güldin apffel an weg legen, mit guldin spieszen kriegen Seb. Franck bei Joh. Bolte in den Berliner sitzungsber., phil.-hist. kl. (1925), 107: das geld kan alles, wer guldene flügel hat, der fliegt zum höchsten. wer einen guldenen schlüssel hat, sperret alles auf, auch die her tze der menschen. wer mit guldenen kugeln schiest, erobert auch die stärckeste vestung. wer mit guldenen angel fischt, der fängt alles was er will. wer ein guldenen praeceptor hat, der wird der gelehrteste. pecuniae obediunt omnia, o allmächtiges gold, dir geschicht die gröste ehr Abr. a s. Clara mercks Wien (1680) 65; do werden sie den Pilatum ouch myt guldenen buchsen mussen geschossen haben Luther 34, 1, 279 W., vgl. Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 164b; guldin brunnen reden ebda 1, 12a; man schmirt den regenten die hend mit guldiner salb Eberlin v. Günzburg s. schr. 3, 168 ndr.; wer nicht hatte die hände mit güldinen männlein zu füllen, der muste unterliegen unnd seinem widersacher die schue putzen Moscherosch gesichte (1650) 2, 158;

bestechungen (überschrift)
auff göldenen bericht wann bleyern urthel fellt,
ists recht? o, nicht um recht, es ist zu thun um geld
Logau sinnged. 599 E.;

(Aquilar:) es ist ein arzt im hause, der wird nun immer nach meiner wunde sehen wollen, die ich nicht habe. (Ponce:) setze ihm eine brille mit goldenen gläsern auf, so sieht er sie nicht Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 127; ein goldener schlüssel macht alle türen auf Fischer schwäb. 3, 738; von hier aus zu verstehen: solche heisze ich silbern und gülden juristen, die dem recht dienen nicht um des rechts willen, sondern nach den personen umb der taler willen Luther 50, 430 W.; hierher auch:

herr Schenk und Güldne Gunst daselbsten richter sind Reinicke fuchs (1650) 274.


c) 'aus goldgeld bestehend', 'goldgeld bringend', vgl. guldein zinse oder rente redditus, census voc. theut. (1482) n 2b, wo aber verderbtes gülte vorliegen kann: ferner ward das ambt Laub und der güldene zoll daselbst, so hiebevor Churpfaltz zugestanden, ... gedachten landgraffen vom keyser vorehret und eingeräumet v. Chemnitz schwed. krieg (1653) 2, 826; jeder bildete ihm ... ein, er kriege mit seiner landvogtey einen beruff zu einer güldenen erndte Lohenstein Arminius (1689) 1, 24b;

[Bd. 8, Sp. 746]


der dichter hofft auf goldnen dank
Ramler fabellese (1783) 3, 224;

sie haben sich heute so bald entfernt, dasz ich ihnen den goldnen segen Cottas nicht mit auf den weg geben konnte Göthe IV 14, 74 W.; (er) verwies den unentschlossenen richter ... auf das blendende corpus delicti, und diese güldene hoffnung unterliesz nicht, einen verhaftungsbefehl auszuwirken Musäus volksmärchen 1, 22 (Hempel); sie überschlug rechnend den goldenen gewinn dieser ... stunde Holtei erz. schr. (1861) 3, 23; auszerdem ward ... durch diesen brief bestätigt, dasz ... Veronika reich war. dieser umstand gab der ganzen angelegenheit einen angenehmen goldenen hintergrund, auf welchem sich alles noch einmal so schön ausnahm H. Seidel vorstadtgesch. (1880) 153; 'auf geldgewinn zielend', oft dem sinne von 'gewinnbringend, einträglich, lohnend' angenähert: er ist ein doctor, reitet guldin meylin, gibt guldin räht Paracelsus chir. bücher u. schr. (1618) 258; wir armen gebirger müssen uns indessen dieser güldenen handgriffe entschlagen Chr. Lehmann hist. schauplatz (1699) 443; will einer die güldne praxin exerciren, so musz er cantzeley acta, urtheile, bescheide und solche sachen fleiszig durchgehen H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 20; ironisch gemeint wie oben b: wenn sie nützliche anleitungen zur güldnen praxis schreiben wollen Rabener s. schr. (1777) 2, 156; vergleichbar: als sie und Boie mit Dietrich wegen des almanachs zerfielen, plagte mich Dietrich basz durch drey oder vier expresse boten, bepackt mit schwehren, güldnen versprechungen, seinen almanach zu übernehmen Bürger br. 2, 16 Strodtmann.
d) metaphorisch für 'reich, voll von schätzen, ertragbringend'; so früh in flurnamen bezeugt goldene aue, vgl. in der gulden ouwe (v. j. 1480), in der gülden aue (v. j. 1641) bei Gerbing d. flurnamen d. herzogt. Gotha 163; die goldene au, der goldene steig, goldene äcker, huben bei Buck flurnamen 86; als landschaftsname die Goldene Aue zwischen der Unstrut und dem Kyffhäuser:

Güldene Aue ist der garten
wo man diese rose (die stadt Roszla) sieht (v. j. 1740) bei
E. Dietrich die landschaftl. u. geschichtl. merkwürdigkeiten der güldenen Aue (1897) 20;

es lag die Goldne Aue
im blutgen frührotschein,
als wär mit blutgem thaue
besprengt der gelbe rain
Freiligrath ges. dichtungen (1870) 1, 57;

allgemeiner: denn sie haben genug, sie sind die güldene, reiche awe in der welt Luther 19, 561 W., vgl. 28, 206. oft mehr nach D 2 neigend, auszer dem reichtum auch schönheit und pracht bezeichnend:

in des Ebro goldnen auen
Müllner dram. w. (1828) 2, 27;

dann ist bei uns alles schlecht, auswärts das goldene land und der himmel auf erden Fr. L. Jahn w. 2, 755 E.; an c anknüpfend, wegen des geldertrages: nun erhebt sich die frage: hatte die burg Wolfkers gleich von anfang an diese bestimmung, seine pfleger zu beherbergen, oder ist sie ursprünglich nur zum schutz des 'goldenen steiges', der damaligen handelsstrasze nach Böhmen, errichtet worden? Wimmer gesch. d. dt. bodens (1905) 81; 'reich, voller schätze und kunstgegenstände', von herrschaftsgebieten, städten u. s. w.: (ich) hette aber doch gemeint, du habst Meintz ausz einer andern ursach gulden genent in: U. v. Hutten 4, 150 Böck., vgl. 1, 401;

der Juno goldnes Mycene
Ramler lyr. ged. (1772) 221;

trotz aller schmeicheleien der dichter konnte August sein goldnes Rom nicht einen augenblick zum Athen in absicht auf geschmack und schöne fühlung machen Herder 5, 623 S.;

die grafschaft war so reich und gut,
dasz man sie der zeith nennen thut
die gülden grafschafft ... (v. j. 1532) bei
Haltaus gloss. 758;

[Bd. 8, Sp. 747]


(bischof Pretislaus I.) besserte sein bisthumb so sehr, dasz es hernach das güldene bisthumb genennet ward Rätel Curäi chron. (1607) 393; weszwegen August ..., umb ... das reichthum seines güldnen reiches zu bezeichnen, auff den marckt zu Rom eine säule aus golde setzte Lohenstein Arminius (1689) 1, 7a. mit dem nebensinn des täuschenden, nur äuszeren prunkes, der nicht wahrhaftes glück bedeutet: in guldin heuszern hat man eisen odder höltzin leben Seb. Franck sprüchw. (1541) 1, 117b; auch der besiz des ersten und schönsten königreichs der welt ist mir, um mit Schakespear zu reden, eine glänzende unruhe, eine goldne sorge Schubart vaterl. chron. (1787) 147;

und du,
in deinen goldnen kerker eingesperrt,
du hast von aller unsrer freude nichts deutsches museum (1780) 1, 3;

goldenes elend, bei Auerbach schatzkästlein (1857) 333 zuerst bezeugt im sinne von 'körperliches oder seelisches elend reicher leute', ist nur eine variante von glänzendes elend, vgl. teil 4, 1, 4, sp. 7642 sowie ztschr. f. dt. wortf. 11, 291. vereinzelt von personen:

er eilt, der goldne narr (der reiche Mops), aus dem verhaszten
voll sehnsucht nach der stadt wald
Wieland I 1, 272 akad.;

und mögen goldne schurken beben
und sich vor kraft und tugend grauen
Körner w. 1, 137 (Hempel);

die gesuchte goldene braut P. Dörfler d. notwender (1934) 64.
4) als kennzeichnende bestimmung von zeitabschnitten sowie kirchlichen terminangaben, für die gold einen bestimmten symbolwert besitzt.
a) das goldene zeitalter (alter, weltalter; die goldene welt, zeit; die goldenen jahre), auf grund antiker anschauungen mythologischen ursprungs, vgl. O. Schrader sprachvergl. u. urgesch.3 2, 1, 12, bei Hesiod und danach bei Ovid, eine art paradiesvorstellung von einer frühesten epoche der welt, wo noch friede, glück, allgemeine sorgenlosigkeit und tugend herrschte. für jene sagenhafte urzeit, vgl. aetas aurea die guldine zeyt, do die gerechtigkeit embor was und die laster hindan gesetzt, do frid und fromkeit regiert Frisius (1556) 146a:

armt die yetz ist gantz unwerdt
was ettwann liep und hoch uff erd
und was genem der gulden welt,
do was nyemans der achtet gelt
oder der ettwas hatt alleyn,
all ding die woren do gemeyn
Seb. Brant narrenschiff 83, 33 Z.;

wie die guldinen jar warn rummen,
seind sie z den isennen kummen
Jörg Wickram w. 8, 235 B.;

wie selig war die gülden zeit
da in der gantzen welt die leut
lebten in fried und fröligkeit
Rollenhagen froschmeuseler (1595) c 6a;

die goldne zeit ...
da auf der freien erde menschen sich
wie frohe herden im genusz verbreiteten
Göthe I 10, 144 W. (Tasso 979);

von der uralten goldenen zeit Novalis schr. 4, 93 M.; die schäfergedichte mahlen die glückselige einfalt und unschuld des ersten güldenen weltalters (ab) Breitinger crit. dichtkunst (1740) 1, 88; ach die glücklichen menschen der goldenen vorzeit! Eschenburg beispielsamml. (1788) 1, 309; er lebte ... nur in dem goldenen heroischen zeitalter der welt Klinger w. (1809) 4, 13; uranfänglich glückliche eilande, paradies oder goldnes alter Göthe IV 13, 37 W.; erweitert: die glückseligkeit ... liebt noch immer ihre kleine erde, die ihr sitz in goldnen zeiten war R. Z. Becker mildheimisches liederbuch (1799) 63;

(wo) kraftgefühl die sitten
des goldnen alters lohnt
v. Matthisson schr. (1825) 1, 30.


b) bei jubiläumsangaben. goldenes jahr ein päpstliches jubeljahr, bei dem die Rompilger einen besonders groszen ablasz erhielten; angeblich nach der goldenen tür zu s. Peter

[Bd. 8, Sp. 748]


in Rom (s. oben sp. 738), die dabei geöffnet wurde, benannt, vgl. Grotefend zeitrechn. 1, 75, aber golden meint hier eher 'gewinnbringend' für das seelenheil, daher auch DWB gnadenreich, vgl. DWB gulden oder gnadenreich iare annus jubileus, annus gracie, annus remissionis voc. theut. (Nürnberg 1482) n 2b, sowie jubileus annus das güldin jor (voc. v. 1440, md.) Diefenbach gl. 311a: disse sulve cardinale gaf ... allen luden in unses heren van Magdeburg stichte (stift,) do dat gnadenrike jar edder dat gulden jar in mate und wise, als ed to Rome was (15. jh.) städtechron. 7, 401; als man schreib nach Christus gebort tusent vierhundert unnd funffczig jar, do was das guldene jar unnd eine grosze Romfart K. Stolle thür. chron. 29 lit. ver.; weet wol wise jeghen dyt tokomende guldene jar, dat alle dat gheld, dat me wert vorende na Rome, dat schole gij sulven upnemen ... unde altomale myt ware to betalende uthe dessen landen (v. j. 1448) urk. d. stadt Lübeck 8, 613; wenn der bapst den engeln gebeut, das sie der pilger seelen (so auff der Romfart sterben im gülden jar) gen himel füren müssen, ists auch gewis? Luther 30, 2, 478 W.; vgl. noch gülden jaar päpstliches jubeljahr Dähnert Pomm. 164b; ironisch, mit dem nebensinn des einträglichen: also ist der gottsdienst nu durch die gantze christenheit zwey mal groszer worden und die priester werden auch zeitlich zwey mal reicher werden denn zuvor. o der seligen zeit, das wil ein gulden iar werden! Luther 26, 605 W.; übertragen im sinne von 'segensreich': darumb ist nicht gnug, das uns gott lesset anbieten vergebung der sunde und eyn gnadenreych gulden jar verkundigen ebda 12, 682; weyl uns denn itzt gott so gnediglich beratten hat mit aller fülle beyde der kunst, gelerter leutte und bücher, so ists zeyt, das wyr erndten und eynschneytten das beste, das wyr künden, und schetze samlen, damit wyr ettwas behallten auff das zukunfftige von disen gülden jaren und nicht dise reyche erndte verseumen ebda 15, 52; unnd so also der papst und die bären verzehrt werden, so wird das selig gülden jahr kommen und der verstandt im glauben Paracelsus opera (1616) 2, 585 Huser.
goldene hochzeit das fest der 50-jährung des hochzeitstages, wobei das ehepaar vergoldete myrten trägt, vgl. die güldene hochzeit Scherz-Oberlin gl. (1781) 1, 576; gülden hogtiid Dähnert Pomm. (1781) 164b: heute will ich vor allen dingen zum 22. glück wünschen und hoffen, dasz sie in ihrer neuen schön bereiteten wohnung mitten durch ein eisernes zeitalter der goldenen hochzeit entgegen gehen werden (v. j. 1809) Göthe IV 20, 334 W.; bei eurer goldnen hochzeit M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 2, 284.
c) verschiedenes.
goldener sonntag, goldener freitag die in die quatember, goldfasten, fallenden tage (s. unten goldfasten), vgl. Grotefend zeitrechn. 1, 75 sowie teil 10, 1, sp. 1714: am gülden suntag in der fasten was es wider warm (z. j. 1503) städtechron. 11, 661; am gülden suntag Michahelis (z. j. 1464) ebda 10, 289; gulden sunntag jeder sonntag nach den goldfasten Schmeller-Fr. 1, 896; goldener sonntag sonntag nach den 4 quatembern Fischer schwäb. 3, 739; uff den gulden freitag nach reminiscere (v. j. 1510) bei Spiesz archiv. nebenarb. 3, 198; anders, der sonntag, der auf den Johannistag fällt: die s. g. geisterkirche im Fichtelgebirge öffnet sich am Johannis- oder am goldenen sonntag A. Sommerer das Alexandersbad 163; an einem goldenen sonntag, das ist ein sonntag, welcher auf den Johannistag fällt Herm. Gröszler sagen d. grafsch. Mansfeld (1880) 50; goldener sonntag der letzte sonntag vor Weihnachten, an dem die kaufleute besonders groszen gewinn erzielen, also an C 3 c anknüpfend, vgl. der goldene sonntag sonntag vor Weihnachten Müller-Fraureuth obersächs. 1, 429. die drei guldenen samstage oder samstagnächte die drei samstage nach Michaelis, vgl. Schmeller-Fr. 1, 896 sowie 'sonnabend in der vollen woche nach Michaelis, auch deutsch als goldene messe, goldenes amt bezeichnet, nach der an dem tage entwickelten kirchlichen pracht oder wohl noch eher nach den an dem tage gegebenen präsenzgeldern'

[Bd. 8, Sp. 749]


Grotefend zeitrechn. 1, 124: am güldein samstag da hieb man den Henffenvelder mit gerten ausz (z. j. 1503) städtechron. 11, 661; goldene messe messe an diesen goldenen samstagen, vgl. Schmeller-Fr. 1, 896 sowie 'gulden mesz missa solemnis antelucana de annunciatione b. virginis, quatuor temporum adventus feria quarta celebrari solita, sic dicta ob excellentiam' Henisch (1616) 1776: fünf messen von dem liden unsers herren, als ich mein so sind es gesin die fünf guldin messen (15. jh.) Stretlinger chron. 1, 106 Bächt.; die prediger münch erdencken siben guldin mäss, die darumb guldin haiszen, dann man msz in ein guldin do von z läsen geben Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 160 ndr., vgl. guldine messen (um 1597) bei Fischer schwäb. 3, 739; das guldene amt das engelamt, das rorate (frühmesse der adventszeit), vgl. Schöpf tirol. 105: disz ist die ursach, dasz das rorate oder guldene amt zu morgens in aller fruhe gehalten wird Heribert v. Salurn pred. bei Birlinger kirchensprache in: kirchenschmuck 21, 19; o was für andacht hatten unsere gottselige voreltern zu dem gulden amt! es pflegten unsere gottselige voreltern diesen gottesdienst, das rorate, das guldene amt zu nennen, anzuzeigen, dasz ihnen nichts angenehmeres, nichts köstlicheres und nichts wertheres sei als dieser gottesdienst, gleichwie das gold dem menschen am angenehmsten und werthesten ist ebda; der herbst was warm und naz und aun allen schne biz an die plüenden (var. guldin) vesper (z. j. 1382) städtechron. 4, 72; goldene none nontag, Christi himmelfahrt: luiders (glockenläuter), de de gulden none luidet Freckenhorster hebungsbuch bei Grotefend zeitrechn. 1, 135; daz si daz hailtum zu der guldin non auf den altar sazten Andexer chron. bei Schmeller-Fr. 1, 896.
D. entsprechend gold II B-D vielfältig metaphorisch angewendet, wobei bestimmte typische eigenschaften des goldes, wie hoher wert, schönheit und beständigkeit, besondere sinnfüllungen von golden hervorrufen, die mehr den charakter eines symbolausdrucks als den einer wortbedeutung haben.
1) vergleichsmerkmal ist vor allem der hohe wert, die kostbarkeit goldener gegenstände, vgl. DWB gold II C; dinge, personen und abstracta werden golden genannt, wenn sie einen vergleichbaren wertcharakter haben.
a) im kontrastvergleich von etwas wertvollem im gegensatz zu etwas weniger wertvollem; oder von etwas geringwertigem gegenüber völlig minderwertigem (vgl. oben gold II C 2) etwas ist golden gegen etwas anderes, 'wertvoller, besser als etwas anderes', die ältere adjektivische fassung des gleichen gebrauches von gold II C 2 (s. sp. 707): fahre hin messe, fahre hin sacrament, fahre hin gebet, fahre hin orden, ich will des werks gern entbehren, ich will meinem nächsten dienen; die liebe, so ich an meinem nächsten übe, ist gülden gegen dem werke Luther 14, 129 Erl.;

ja, schweigt, gfatter! dann eur man
ist warlich gulden gegenn meym.
meiner khumbt wunder seltten heim
Peter Probst dram. w. 111 ndr.;

dasz es unter allen übeln ... für kinder, wogegen das verschrieene buchstabieren und wixen golden ist, kein giftigeres ... giebt als eine — hausfranzösin Jean Paul w. 1, 45 (Hempel); dagegen ist die hannöversche indolenz noch gülden, ob sie gleich auch unverantwortlich ist G. Forster s. schr. (1843) 8, 153; vgl. DWB s ist golden dergegen es ist unvergleichlich mehr wert Martin-Lienhart elsäss. 1, 213; dat is dr nog golden tägen ist golden dagegen Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 663; dat wif hett weer (wieder) efräiet (gefreit) un de twäide keerl es golden tiägen dän iärsten (ersten) Frederking Hahlen 45; so auch: die Wertheimer bibel, eine übersetzung nur der fünf bücher Mosis, ist golden im vergleich mit der Altonaer bibel Claus Harms verm. aufs. (1853) 316; ähnlich: dannenhero pflegt man zu sagen: die liebe der ersten ehe pflegt gülden, der andern aber silbern zu seyn v. Hohberg georg. cur. aucta 3 (1715) 1, 133a; formelhaft goldner als gold 'wertvoller':

so ist doch euer leben,
darinnen ihr jetzt seyd, und künftig bleiben solt,
geliebt es gott und euch, noch güldener als goldt
M. Opitz teutsche poemata 233 ndr.;

[Bd. 8, Sp. 750]


noch goldner ist als gold
gesang von edlen dingen
J. H. Voss s. ged. (1802) 5, 210.


b) feste terminologische bestimmungen wie goldene zeit oder zeiten, auch zeitalter, jahre, tage und verwandtes gehen zunächst von C 4 a aus und gelten übertragen gebraucht besonders als umschreibungen für eine epoche des friedens und hochstandes der kultur, eine blütezeit der kunst (so die epoche einer klassischen literatur) oder überhaupt für eine glückliche, harmonische, sorgenfreie zeit im leben der völker und des einzelnen menschen, hier besonders für kindheit und jugend; verknüpft werden damit zugleich die vorstellungen von kostbarkeit und schönheit, entsprechend gold II C und D, und neben die objektiv gemeinte bewertung treten vielfach verwendungen mit mehr oder weniger stark betontem gefühlsgehalt, der sich vor allem auf starke gefühel des glückes, materiellen oder seelischen wohlbefindens, der freude, lust u. s. w. bezieht (s. darüber besonders D 2 a): auch müssendt die ständt untergohn und gar ausz der welt gereutt werden ... alsdann ist die güldin welt, das ist, alsdann wirdt der mensch in seinen rechten verstandt kommen und menschlich leben, nicht viehisch Paracelsus opera (1616) 1, 1056 Huser; sie (hatten) das goldne alter ihrer dichtkunst und sprache in ein silbernes und ehernes verwandelt Gottsched d. neueste a. d. anmuth. gelehrsamk. (1751) 6, 194; endlich hat Frankreichs goldenes alter unter Ludewig dem vierzehnten den La Fontaine hervorgebracht Ramler einl. in d. schön. wiss. (1758) 1, 288; bis unter dem chalifen Almansor ... sich das goldne saeculum der litteratur unter den Saracenen anfieng Wieland gesch. d. gelehrtheit 37 Hirzel; (man sollte) glauben: der allgemeine friede sei befestigt und das goldne zeitalter vor der türe Göthe I 20, 296 W.; lasset ... uns nicht glauben, dasz menschen eines goldnen jahrhunderts, wofern je ein goldnes jahrhundert gewesen ist, eine akademie der wissenschaften vermiszt haben grafen Stolberg ges. w. (1820) 3, 149; goldene jahrtausende hüpften wie bräute vor unsrer seele vorbei Schiller 3, 500 G.; wodurch das zeitalter des Augustus zum goldenen alter geworden ders. 1, 157; manches volk (hat) mehr als eine periode seines sogenannten goldenen zeitalters der kunst gehabt A. Stifter s. w. 14, 36 Sauer; mein städtchen liegt wohl kaum einmal in deiner geographie; lauter arme leineweber, deren goldenes zeitalter gewesen (vorbei ist) Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 4, 81. gern von der jugend gesagt:

als er nun seine güldne jugend
mit ädler übung ausgeziehrt
... hat er sich wieder her gewandt
Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 448;

wenn wir uns vor allem der jünglingszeit mit lust und freude erinnern ... wie wir die jahre fürs güldne alter und für ein elysium unserer erinnerung halten (denn wer erinnert sich seiner unentwickelten kindheit?) die am glänzendsten ins auge fallen Herder 5, 494 S.; hierzu auch: keine frau wird imstande sein, die tendenzen zu ändern, welche sie in jener goldnen zeit hatte, die ihr allein das leben scheint E. T. A. Hoffmann s. w. 1, 110 Gr.;

noch ist die blühende, goldene zeit,
noch sind die tage der rosen
Otto Roquette waldmeisters brautfahrt (1874) 53;

anders, in f übergreifend, 'wertvoll': sehet ihr hier ... die früchte des lustigen studentenlebens. einen solchen ausgang gewinnet es zu letzt: ... wir werden uns selbsten gram und betauern mit unserm höchsten schaden das schöne geld, und welches unwiederersetzlicher, die edle und güldene zeit Schoch studentenleben 79, 33 Fabr.; bald richtete ich mich nach den sitten der leute ..., verlohrne goldne zeit! Knigge umgang m. menschen (1796) 1, 31; mit C 3 c sich kreuzend: für den sohn war dies eine goldene zeit, da nicht nur das unternehmen überhaupt eine spekulation vorstellte, sondern auch eine menge geschicklichkeiten an den mann gebracht werden konnten G. Keller ges. w. (1889) 1, 159.

[Bd. 8, Sp. 751]



formelhaft goldene zeiten:

da gieng es redlich zu! da waren göldne zeiten!
Neumark fortgepfl. musikalisch-poet. lustwäldchen (1657) 4;

o güldene zeiten! o selige stunden!
J. Chr. Günther gedichte (1735) 334;

kein zeitpunkt war so dumm, so voller dunkelheiten,
in dem man nicht geschrien: itzt sind die güldnen zeiten
v. Cronegk schr. (1766) 2, 118;

o, wo sind jene goldenen zeiten, da wir einander jeden posttag schrieben! G. Forster s. schr. (1843) 7, 347.
goldene jahre, tage, stunden; hierbei ist der persönliche gefühlsklang oft besonders kräftig; objektiver: was glückseliger und guldiner jaren gewesen ... by unser vatter zyten (v. j. 1586) bei Staub-Tobler 2, 227;

ehstes wird die böse zeit kummen auff die bahre,
ehstes werden werden jung tausend göldne jahre
Logau sinnged. 300 Eitner;

ironisch:

ja endlich haben wir erlebt die güldne jahren,
dasz auch das weibervolk läst spul und haspel fahren
und macht ein kunstgedicht
Rachel satyr. gedichte 111 ndr.;

stärker subjektiv: die goldne mayenjahre der knabenzeit leben wieder auf in der seele des elenden Schiller 2, 129 G.; objektiv gemeint:

vor zytten was wypliche schon
nit also werdt und wol gethon;
wir sindt ietzundt in gulden tagen
und weln nit von den alten sagen,
was kleydung sy handt vor getragen
Th. Murner gäuchmatt 19, 118 Uhl;

(du wirst) den Spaniern die goldnen tage schenken,
die sie von mir umsonst gehofft
Schiller 5, 402 G.;

mehr subjektiv: mit solchem heimwehähnlichen schmerz denke ich an die goldenen tage, die glücklichsten meines lebens zurück Lavater aussichten ind. ewigkeit (1770) 1, 25;

stelle her der goldnen tage
paradiese noch einmal,
liebes herz! ja schlage, schlage!
freier athem, deine lieder
mischen sich mit lust und qual
Göthe I 2, 39 W.;

er hat ... ihr frühes ende vorausgesehen und ihr deshalb die goldenen tage bereitet M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 199. in D 2 a übergreifend goldener tag tag nach der hochzeit Birlinger schwäb.-augsburg. 198; der guldene tag dasselbe Schmeller-Fr. bair. 1, 896; entsprechend auch di guldi wuche flitterwochen Staub-Tobler 2, 227. fast durchweg auf das persönliche gefühlsleben gerichtet goldene stunden, minuten; objektiv, an f grenzend, 'kostbar' (s. unten): (ihr) habt tausend ... guldene stunden gehabt, gutes zu thun Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 507; sonst mehr subjektiv wie 2a:

und habt ihr dann in goldnen stunden,
vom schicksal zugeführt, den edlen freund gefunden,
dem euch die liebe schuf ...
Wieland I 1, 318 akad.;

glückliche tage, goldne stunden, o wär ich schon da! Gleim briefw. 1, 393 Körte;

träumte da von vollen goldnen stunden
ungemischter lust,
hatte schon dein liebes bild empfunden
tief in meiner brust
Göthe I 1, 71 W.;

tanzet nun, in lust verloren,
ihr, der liebe goldne horen,
tanzt um meinen schönsten sohn!
Bürger s. w. 75b Bohtz;

das waren goldene minuten Bettine Göthes briefw. m. e. kinde (1835) 1, 173.
c) in anwendung auf personen, die jem. teuer sind, mit besonders betontem gefühlsgehalt vor allem bei zärtlicher und schmeichelnder anrede; namentlich für die geliebte, den geliebten, vgl. entsprechendes bei gold II C 3 a und goldig sp. 797:

so kom du güldens freundelein auff den abend spate
und acker mir mein allerbestes felt! bergreihen 72 ndr.;

[Bd. 8, Sp. 752]


o meine güldene hertzallerliebste frau, was hab ich denn getan? Chr. Weise erznarren 12 ndr.;

herzchen, blümchen, goldnes mädchen
Herder 25, 401 S.;

liebster, närrischer, goldener mann Mörike ges. schr. (1905) 1, 235 Göschen; (Johannes:) Käthchen! du goldnes, goldnes geschöpf G. Hauptmann einsame menschen (1891) 64; so auch mundartlich, aber wie in der umgangssprache weithin von goldig verdrängt, vgl. DWB gülden (gëalle) ein übliches liebes- und schmeichelwort Crecelius oberhess. 443. ebenso bei der anrede naher verwandter und freunde als zärtlichkeitsausdruck, vgl. DWB gülden vrünt mnd. hwb. 1, 2, 186: ach lieb, hertze, gülde vetter engl. comed. (1620) 41; o mein gantz guldener schwehervatter! höret doch einmal auf (zu schlagen) Abele v. Lilienberg künstl. unordnung (1670) 2, 228; ach mein göldner herr sohn, ist das nicht freude, wenn man solche ehre an seinen kindern erlebet? Chr. Weise Masaniello 114 ndr.; (tochter:) derowegen thu ich mich unterthänigst bedancken, guldener papa Stranitzky ollapatrida 264 Wiener ndr.; theuerster, liebster, goldener vater Meiszner Alcibiades (1781) 1, 31; ironisch: ich hab yhr noch keynen (der falschen propheten) gesehen, der gerne hette geben, sie wöllen alleyne, man mus yhn geben, ey lieber, yhr gulden freunde, wer möchte des nicht? Luther 17, 1, 368 W.; du prächtiger, goldener freund Kotzebue almanach dram. spiele (1806) 2, 287; auch sonst als schmeichelndes epitheton bei bitte oder dank, besonders gegenüber höhergestellten personen, vgl. DWB ja, DWB es ist wohl bräuchlich gewesen, dasz man vornehme leute gülden genennet Chr. Weise pol. redner (1677) 675:

(Hans Pfriem): ach hertzige, güldne herren viel,
ich bitte euch lauter umb gottes will
Hayneccius Hans Pfriem v. 1653 ndr.;

ach gölner heer, nich dach so streng,
ich wils noch heut alls gebreng
geld oder weetz (weizen)
M. Rinckhart christl. ritter v. 339 ndr.;

ach ihr hertze gülden leute, steuret doch einem armen mann auch etwas umb gottes willen engl. comed. (1620) 120; ja! mein goldenster herr rittmeister theater d. Deutschen (1768) 13, 340; verzeih, lieber, goldner Perlendaniel, verzeih! Schiller 2, 188 G.;

komm her, du lieber goldner knabe du,
der mich befreit, nimm diesen ring von mir
H. v. Kleist w. 2, 229 E. Schmidt;

nein, seien sie barmherzig, goldner herr Barbarossa! Gaudy s. w. (1844) 2, 154; als kosendes beiwort von kindern, vgl. das heute dafür häufigere goldig (s. unten): dieses guldene kind (Jesus) Abr. a s. Clara 1, 75 Strigl; gölles kend Estor rechtsgelahrtheit (1767) 3, 1409, vgl. Vilmar Kurhessen 140; gölde kosewort für kleine kinder rhein. wb. 2, 1303. — anders, wenn weniger das persönliche gefühl als eine mehr objektive qualitätsbewertung gemeint ist; ironisch: ach, das weren mir die feinesten christen und die güldene brüder Luther 30, 3, 562 W.; vor zeiten waren gülden priester und höltzen kelch: nun seind die priester höltzen und die kelch gülden de generibus ebriosorum (1599) 60; jenes teutsche sprichwort lautet: vor diesem hatten wir güldene pfaffen unnd nur höltzerne kelch, jetzo haben wir güldene kelch unnd höltzerne pfaffen J. H. Schill d. teutsch. sprach ehrenkranz (1644) 28, vgl. dazu: hölzigi chelch und guldige priester hat die alt chilchen ghan — und jetzt? bei Staub-Tobler 2, 227; oft mehr nach f hinüberweisend:

o goldenster Virgil!
D. Stoppe Parnass (1735) 292;

unser herzog ist ein goldner junge Göthe IV 3, 22 W.; Diez ist ein ganz goldner mensch: er hat in kraft, einfalt, heiterkeit und nächstenliebe ... ungemein zugenommen Görres ges. br. (1858) 3, 261; und der herr von Natas? fragte ich kleinlaut. 'ist noch hier. ach, das ist ein goldener herr' W. Hauff s. w. (1890) 2, 24. vergleichbar auch goldener zirkel kreis erlauchter persönlichkeiten: da es bey dem goldenen zirkel des Osymandias unter den ägyptischen

[Bd. 8, Sp. 753]


priestern an sternkundigen nicht gefehlt hatte Gottsched d. neueste aus d. anmuth. gelehrs. (1751) 2, 37; zuweilen ein goldener zirkel von ihren verwandten und freundinnen um sie her Schubart leben u. gesinn. (1793) 1, 104.
d) von weisheitssprüchen, lehren, regeln u. ähnl., die besonders wertvoll erscheinen; in diesen gebrauch gehört die übertragung auf den mund und die zunge des weisheitslehrers, vgl. im griechisch. χρυσόστομος als ehrenname groszer redner, z. b. den namen Johannes Chrysostomus:

Johannes mit dem gulden munde
der sprag also zu einer stunde
Johannes Rothe lob d. keuschheit 1564 Neum.;

der evangelist sagett nit, was das vor ein zceichen sein wirtt, sonder der Gulden Mundt sagett uns das (v. j. 1521) Egranus pred. 53 Buchwald; do sprach der junger (zum meister): dine guldine zunge hat mich erhabin hoher denne dehein berc si. nu sage mir von der heiligen froide Lucidarius 73, 2 Heidlauf; (die) universität werde ... grosze traurigkeit empfunden haben, als sie ... den güldenen mund des Mylii zu der erden bestattet (hatte) Chr. Weise pol. redner (1677) 554; gleichen sinnes ist der titel legenda aurea des Jacobus a Voragine, daran anknüpfend: sihe, das sind die rechten güldenen legenden, darynne uns gott leret Luther 24, 613 W.; also dasz weniger zweiffels hieran, dann uber der gulden legend, die im meszbuch authentisiert ... ist, fürfallen kan Fischart binenkorb (1588) 156a; disz ist das guldin abc, das diser from man dem doctor für gab z lernen Tauler pred. (1521) b 5a; wie wohl hätten die leute gethan, wenn sie bedacht hätten, was die christliche kirche im güldenen abc singet Liscow samml. sat. u. ernsth. schr. (1739) 21; da er das goldene abc bei der heiligen taufe zu seinen vornamen empfangen hatte, so ward er A. B. C. freiherr von und zu Rosenthal ... genannt Hippel kreuz- u. querzüge (1793) 1, 3. am häufigsten goldener spruch, goldenes wort, goldene regel: es ist eyn guldener spruch, qui summis verbis haud dubio a Petro est explicatus Luther 34, 1, 484 W.; diss sey ein gülden spruch in peinlichen sachen Nigrinus v. zäuberern (1592) 453; thränen ..., die zu ihrer zeit beredter sind als alle goldne sprüche der griechischen und römischen weisen Rabener s. w. (1777) 3, 212; goldne sittensprüche und regeln sind ... von unschätzbarem werth Herder 16, 585 S.; dicta aurea guldine wörter, das ist schöne und nutzbare Frisius (1556) 146a; o runde, ausztruckne, gründliche warheit, o güldene wörter, denen das allerbest alchimistisch gold in ewigkeit nit wirdt gleichen Guarinonius grewel d. verwüst. (1610) 45;

weisen freundes goldne worte
lispelten am schattenorte
Göthe I 4, 20 W.;

dazu ist vor allem geduld nötig und einsicht und die ruhe des gemütes, die von der einsicht kommt. das sind goldene worte Waggerl Wagrainer tagebuch (1936) 58. wiltu aber ye etwas bey der sunde thun deynes nehesten, so halt die edle, kostliche, gulden regel Christi, da er spricht: so dein bruder etwas sundiget, das dir wyddert, so gang hyn und straff yn tzwischen dir und im allein Luther 2, 120 W.; es ist eine goldene regel, dasz man die menschen nicht nach ihren meinungen beurtheilen müsse, sondern nach dem, was diese meinungen aus ihnen machen Lichtenberg verm. schr. (1800) 2, 129; mein vater prägte seinen sieben buben fleiszig die goldene lehre ein Musäus volksmärchen 1, 64 (Hempel); höre, herr sohn, erlaube mir, dir zwei güldene lehren zu geben Fr. L. Schröder dram. w. (1831) 1, 203; so hatte ich jedoch diese güldene warnung und lehr weder recht verstanden noch ihren nutz beobachtet Grimmelshausen 2, 455 Keller; demnach finde ich pag. 1 a deines wehrten schreibens den unvergleichlichen und recht güldenen ausdruck J. Chr. Edelmann göttlichkeit d. vernunft (1740) 360; du hast mir goldne sachen über mich selbst und über meine nächsten verhältnisse gesagt Göthe IV 8, 217 W.;

[Bd. 8, Sp. 754]


ich habe goldne meinungen
von leuten aller art mir eingekauft
Schiller 13, 35 G. (Macbeth I 15);

in weiterer anwendung, vgl. aureolus libellus ein guldins büchlin, fürträffenlich, nutzlich wie gold Frisius (1556) 146a: hätte nun die posterität solchem begeren nachkommen und wie andere recht guldene schrifften ... untertrucken und verlegen wollen Dannhawer cat.-milch (1657) 1, )( 3a; so will man lieber sagen, es käme dieses güldne büchlein von irgend einer andern universität her Lichtenberg nachlasz 24 Leitzm.;

erwach, mein volk, mit neuen sinnen,
blick in des schicksals goldnes buch
Herwegh ged. e. lebend. (1843) 2, 26;

in dieser sinnrichtung oft in titeln älterer zeit, z. b. Seb. Franck die guldin arch (1538), A. Comenius aufgeschlossene güldene sprachenthür (1643).
e) von sittlichen handlungen, ethischen werten, hohen lebensgütern, idealen u. ähnl., vielfach von dem religiösen symbolcharakter (s. oben C 1) ausgehend, vgl. der ussewendige mensche ... weschet sich rechte in Cristo in sime hochguldigen (var. hoch guldinen) blte Tauler pred. 38, 13 V.: es sind eitel hertzliche, lebendige wort, wilche anzeigen, das, was er gethan hat, hat gott wolgefallen, und hat eitel rechtschaffene güldene werck gethan Luther 24, 492 W.; (das) seynd eytel guldine gte werck reformationsflugschr. 1, 13 Clemen; das hie ist das gulden leyden, das man verfolget werd und getödt mit schmachait Luther 10, 3, 148 W.; es sind auch einige schmied gewesen, welche zwar immerzu mit eisen umgegangen, aber zugleich einen guldenen wandel geführt Abr. a s. Clara schr. 4, 200 Strigl; ein schöne güldene warhayt, dem evangelio gemäsz Joh. Nas antipap. eins (1567) 2, a 7a; er wuste aber die güldne warheit mit baumwollen auffzutragen Harsdörffer t. secret. (1656) 2, a 3b; wir haben immer gemeint, die goldene wahrheit wiege schwerer als guineen und napoleons d'or E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutschen (1845) 1, 450;

der keuschheit güldnen tugend
sind gott und menschen hold
Simon Dach in: Königsb. dichterkreis 10 ndr.;

unsere goldenen ideale steigen endlich aus ihren himmeln nieder und wandeln und wohnen unter uns br. v. u. an Herwegh 105 H.; die leute unterlassen nichts, mir meinen guten, goldenen stolz in die schlechte kupfermünze der eitelkeit umzuschlagen Levin Schücking in: A. v. Droste-Hülshoff br. (183) 16 Sch.;

blüte edelsten gemütes
ist die rücksicht; doch zu zeiten
sind erfrischend wie gewitter
goldne rücksichtslosigkeiten
Storm s. w. 1, 179 Köster.


in fester verbindung goldene freiheit, goldener friede, vielfach mit stärker subjektivem beiklang 'beglückend':

du güldne freiheit du, mein wünschen und begehren
Opitz dt. poeterei 16 ndr.;

die unterthänigkeit bey dir
zieht man der güldnen freyheit für
D. Stoppe Parnass (1735) 14;

dort lehnte er sich bitterlich seufzend an die wand, und wünschte der goldenen freiheit der landstrasze wieder teilhaftig zu sein G. Keller ges. w. (1889) 5, 16; die zeit des unverheiratetseins: (Amalie:) nein, nein! goldne freiheit, nimmer werde ich dich vertauschen, wenn nicht das verdienst mir die fesseln reicht Kotzebue s. dram. w. (1827) 5, 143; ebenso gemeint:

was uns sonsten nur erfreut,
es sei was es sei auf erden,
das mag nicht verglichen werden
mit der güldnen ledigkeit
P. Fleming dt. ged. 293 lit. ver.;

damit in deroselben königreich und landen der guldene religion- und prophanfriede erhalten (bleibe) (v. j. 1619) acta publ. 2, 228 Palm; (gott wolle) dem hochbedrängten

[Bd. 8, Sp. 755]


... Teutschlande den edlen, wehrten und güldenen friede ... schenken J. Rist friedewünsch. Teutschland (1648) 28; ich zuerst zerrisz ihrer unschuld goldenen frieden Schiller 3, 405 G.;

und was er schaut, ist frieden, goldner frieden
Geibel ges. w. (1888) 1, 150;

ähnlich: ja der himmlische richter ... zwingt dich zu der rechnung, aus was vor gerechter anleitung du ... die güldene sicherheit zerstöret hast Chr. Weise pol. redner (1677) 16.
f) für 'kostbar, wertvoll' von objekten verschiedenster art: du hast ... eyn guldene begrebnusse empfangen ... als du wol wirdig bist Arigo decam. 254 Keller; alszo haben wyr nu hie ynn Mose die recht guldene fundgrube, darausz genommen ist alsz, was von der gottheytt Christi ym neuen testament geschrieben ist Luther 10, 1, 1, 185 W.; 'nur' den wein! 'nur' deinen goldensten hort! ... wir undankbaren und so schon durch deinen reichtum verwöhnten! Gutzkow zauberer von Rom (1858) 2, 4;

er wolle schlieszen mich in seine güldne huld Reinicke fuchs (1650) 178;

mit dem nebensinn des seltenen: dis were die recht gülden kunst, die ir wenig konnen Luther 34, 1, 57 W.;

o eine güldne kunst, da beyde theil (die ehegatten) sich schikken
Rachel satyr. gedichte 102 ndr.;

die goldne kunst, die völker zu beglycken
Wieland I 1, 355 akad.;

herzige liebe menschen voll theilnahme und güte. aber sie sind goldene ausnahmen von der allgemeinen regel Gutzkow ges. w. (1872) 11, 158. — redensartlich: den dārfst net anregen, der ist golden! (von einem übermäszig heiklen kind) d. h. allzu kostbar Fischer schwäb. 3, 738.
g) ohne subjektiven gefühlswert, wohl an die vorstellung des wirtschaftlichen vorteils und nutzens anknüpfend, den reichtum und besitz gewährleisten (s. oben C 3), im sinne von 'nutzen bringend, vorteilhaft, förderlich, ersprieszlich', vgl. 'weil nun das gold eine so herrliche sache ist, wodurch dem gemeinen wesen viel ersprieszliches wiederfähret, so pfleget man daher mancherley dingen, welche einen groszen nutzen haben, den namen der güldenen beyzulegen' allg. haushaltlex. (1749) 1, 629a; die goldene zahl (numerus aureus) die zahlen des 19 jährigen mondzyklus, mit deren hilfe die perioden des neumonds bestimmt werden, wegen ihres nutzens bei der berechnung der mondphasen im kalenderjahr und der beweglichen feste golden genannt, vgl. Grotefend zeitrechn. 1, 75 und mnd. hwb. 1, 2, 186; ciclus die güldein zal (15. jh., obd.) Diefenbach nov. gl. 89a; z schen die gulden zal d. ew. wiszheit betbüchl. (1518) b 6b;

so hondt wir ouch die guldin zal,
sternen schen, rechen, messen,
singen, sprechen nüt vergessen
Th. Murner narrenbeschwör. 130, 28 Spanier;

daher scherzhaft: die gulden zahl erzeigt sich bei den armen schmal Fischart praktik 3 ndr.; derselbe calendermacher sagt: dasz in dem künfftigen jahre die güldene zahl bey den armen leuten, sonderlich in Holstein werde gar geringe seyn Schupp schr. (1663) 574; allgemein 'nützlich':

in Rom hergegen fängt ein kind, das reden kann,
die güldne rechenkunst mit vielem eifer an
Gottsched crit. dichtkunst (1751) 49;

die goldene regel in der rechenkunst, die 'regel de tri', als regula aurea schon 1468 bezeugt, vgl. Tropfke gesch. d. elementarmathem. 12, 152, deutsch die gulden regel im Bamberger rechenbuch v. 1483 ebda: die gulden regel die dan alszo genant ist, wan gleicherweysz als das golt ubertrit al ander metal also auch diesze regel in gebrauchung ubertrit al ander regel, auch wird sy genant regula detri Joh. Widmann rechenung auff allen kauffmanschafft (1489) k 1b; als sein vater ihn (Gleim) die edle rechenkunst nach pfunden und thalern ... und die güldene regel-de-tri lehren wollte, dachte der unartige

[Bd. 8, Sp. 756]


knabe schon an nichts als mädchen Herder 3, 275 S.; ebenso die goldene regel der mechanik die wirkung des hebels betreffend; redensartlich dem feinde eine goldene brücke bauen, schlagen d. h. ihm einen vorteil gewähren, damit er sich durch die flucht retten kann und nicht zum verzweiflungskampfe genötigt wird: deshalben sollte man einem ins gedrange gebrachten feinde lieber eine güldene brücke bauen Lohenstein Armin. (1689) 1, 420a;

sie wollten auch dem feind zur flucht
ein goldne brücken schlagen
A. v. Arnim w. (1853) 14, 483;

verallgemeinert 'jem. behilflich sein': ihrer viel wehren zur höchsten unseligkeit nie gelanget, wenn die vorhergehende glückseligkeit ihren begierden keine güldene brücke dazu gebauet Butschky Pathmos (1677) 25; 'ein gewisses entgegenkommen beweisen': der könig blieb bei seiner abneigung gegen indemnität, während es mir nothwendig schien, den parlamentarischen gegnern ... eine goldne brücke zu bauen Bismarck gedank. u. erinn. 2, 90. von Horazens aurea mediocritas (oden II 10, 5) ausgehend, wobei der begriff des vorteilhaften, nützlichen sich vielfach mit dem des angenehmen, bequemen verbindet:

o güldne mittelstrasz! wer dich hält, findt vergnügen
Gottsched anmuth. gelehrsamk. (1751) 7, 53;

geht zwischen hasz und enthusiasmus die mittelstrasze, die von den weisen aller zeiten immer die goldne genannt wurde Immermann w. 1, 37 Boxb.; da es in den wissenschaften keine goldne mittelmäszigkeit giebt Klopstock gelehrtenrepublik (1774) 114; die goldne mittelmäszigkeit, die sich ganz in ihre zeit zu schicken wuszte Herder 23, 171 S.;

wer, klug in seiner wahl, den güldnen mittelstand liebet
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 259;

wenn der goldene mittelzustand durch den streit der vertheidiger beider extreme erfochten werden soll, so ist es eine gar miszliche sache Lichtenberg verm. schr. 1, 234;

manch leben ist, wie licht und nacht, verschieden,
in goldner mitte wohnest du
Hölderlin s. w. 4, 52 v. Hellingrath;

die goldene mitte zu halten, ist ... schwer Fontane ges. w. I 4, 128.
2) entsprechend gold II D als beiwort, das die schönheit und pracht eines gegenstandes oder überhaupt einen gesteigerten ästhetischen gefühlswert kennzeichnet oder auch einen hohen grad von lustgefühlen zum ausdruck bringt, wie sie mit dem besitz wertvoller und schöner dinge verknüpft sind; während golden im älteren nhd. fast stets noch den objektiven wertcharakter mit dem subjektiven gefühlsbezug verbindet, löst sich im 18. jh. vor allem seit Klopstock (s. unten b) eine ausschlieszlicher ästhetisch oder ganz allgemein seelisch bestimmte verwendungsweise ab, deren wurzeln z. t. in der religiösen bildsprache (s. oben C 1) wie in der liebessymbolik (s. oben C 2), namentlich aber in der vorstellung von glanz, schönheit und reinheit des goldes liegen, vergleichbar schon:

dich (Maria) zieret daz gemælde
güldîner schœne garwe
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 585 Schr.;

dann der schönheit guldner schein
nimt das hertz und sinnen ein
Schupp schr. (1663) titelbl.b.


a) vereinzelt schon in älterer sprache findet sich ein bildlicher gebrauch von golden im sinne von 'beglückend, erfreulich, angenehm', für den wohl die vorstellung vom goldenen zeitalter und die daran angeschlossenen typologischen verbindungen goldene zeit, goldene jahre u. s. w. (s. oben C 4 a und D 1 b) ebenso von einflusz gewesen sind wie der wertbegriff C 1 d.
α) auf einen sinnenhaften genusz äuszerer güter des daseins zielend: goldenes leben; derb erotisch gemeint: (wir wollen) das vöglin lassen sorgen, so bleibt die Greta schön und disz leben guldin sprichw. (1548) 25a; auf die lebensfreuden bezogen:

[Bd. 8, Sp. 757]


grau, theurer freund, ist alle theorie,
und grün des lebens goldner baum
Göthe I 14, 95 W. (Faust I v. 2039);

etwas anders, von C 4 a her bestimmt:

jedes glück des lebens fühlten
wir im unbescholtnen sinn;
wie der unschuld lämmer spielten
wir durchs goldne leben hin
J. M. Miller in: (Göttinger) musenalmanach (1775) 44.

ähnlich:

mein gemüht und dessen güldne ruh
Simon Dach 711 Österley;

er könte seinen rest der tage glücklich schlieszen,
und als sein eigner herr der güldnen ruh genieszen
v. Canitz gedichte (1727) 91;

heut zu tage aber sitzen die gnädigen herren, wenn sie nicht selbst anders wollen, ruhig beim kaminfeuer und lassen die andern ins feld ziehen; ist es nun wohl unbillig, dasz sie für ihre güldene ruhe wenigstens etwas bezahlen? M. Claudius w.13 2, 403 Redlich; dasz Goethe sitzt, statt zu stehen, hat mir wegen seiner bekannten liebe zur goldenen behaglichkeit immer besser geschienen Gutzkow ges. w. (1872) 11, 109; der güldne schlaf Hagedorn poet. w. (1760) 1, 24;

goldner schlaf, nur dessen herz zufrieden
wohlthätger tugend wahre freude kennt,
nur der fühlt dich
Hölderlin s. w. 1, 5 v. Hell.;

hier (in seiner höhle) denn leget er (der riese) nieder die ungeheueren tore
und sich selber dazu, des goldenen schlafes genieszend
Mörike w.2 1, 70 Maync.


β) mit allgemeinerem gefühlswert; von den schönen jahreszeiten, besonders dem frühling, auch von guter witterung, z. t. mit einflusz von B 1: der güldne sommer blicket nun vom himmel und winket dem landmann E. v. Kleist 1, 242 Sauer; im bilde:

blikst von des alters winterwolkenthrone
und schmälest auf den goldnen may (ged.: an einen moralischen)
Schiller 1, 248 G.;

ihr wollt von mir ein lied, ein lied
vom goldnen mai, vom goldnen mai
graf Strachwitz ged. 202 W.;

an dem schönen morgen in der herrlichen goldenen frühlingszeit E. T. A. Hoffmann s. w. 6, 149 Gr.;

ach, das toben roher stürme
risz den goldnen frühling fort
Uhland ged. (1898) 1, 8;

nun hatten aber die leute, bei dem goldenen wetter, gerade viel zu arbeiten (in der ernte) G. Keller ges. w. (1889) 1, 252. als inbegriff des erwünschten:

goldneres hab ich genossen,
als ich euch ins herz geschlossen
Göthe I 4, 20 W.;

und werd ich einmal im leben sein,
das mir alles goldenste gibt
R. M. Rilke buch d. bilder2 16.


anders, mehr ein materielles wohlergehen meinend, also von B 2 her gefärbt: dahero (wegen der verwandtschaft von sonne und gold) auch die sonntagskinder in dem verdacht sind, ob hätten sie gülden glück J. G. Schmidt gestr. rockenphilos. (1718) 2, 155;

indesz aus moder, sturz und wettern
sein golden loos sich mancher zieht,
spiel ich mit leichten rosenblättern
Herwegh ged. e. lebend. (1841) 19;

und wird sich jeder lehrer besserer art die goldene aussicht erhalten wollen, in anderen freyhäfen eine freundliche aufnahme zu finden Thibaut notwend. e. allg. bürg. rechts in: civilist. abh. (1814) 427; mit doppelsinn: sei wiren taufreden mit den glatten rundgang von de geldgeschäften, un de utsichten würden in den eigentlichsten verstann ümmer güldener Fr. Reuter s. w. 2, 359 Seelmann.
γ) von geistig-seelischen werten, wünschen, erwartungen, hoffnungen, vgl. yglicher gerne wolt, das alle welt guldens von yhm redete Luther deudsch cat. (1529) nach Dietz 2, 182b: das ist ein guldener gewunschter trost Carlstadt

[Bd. 8, Sp. 758]


sermon vom stand der christglaubigen seelen (1523) a 2a; schenken sie mir doch ferner ihre liebe und mit derselben den goldenen trost — wenigstens einen freund zu haben Schubart br. 1, 56 Strausz; (er) ward gewahr, dasz er zwar in seinem zimmer das bild, nicht aber das güldene glücke selbst ... besäsze Lohenstein Arminius (1689) 2, 11a;

und die blicke
suchen in den schwarzen räumen
sich ein goldnes glück zu träumen
A. v. Arnim w. (1853) 12, 1;

weg sind meine hoffnungen ..., weg die goldnen träume Göthe I 18, 10 W.;

und wie in goldnen träumen
geht linder frühlingswind
rings in den stillen räumen
Eichendorff s. w. (1864) 1, 546;

goldene träume aber hatte seine beschäftigung für ihn (den schuster) W. Raabe hungerpastor (1864) 1, 17; anders jedoch unter d.

aber ein goldner gedank, ein frölicher schimmer von hoffnung,
zeigt mir, o himmlischer freund, den ausgang der traurigen
sich in freude verliehren scene
Wieland I 2, 112 akad.;

der die schickungen lenkt, heiszet den frömsten wunsch,
mancher seligkeit goldnes bild
oft verwehen
Klopstock oden 1, 81 M.-P.;

goldne phantasie Göthe I 1, 13 W.; tausend güldne hoffnungen schlossen sich an diesen gedanken Hölderlin s. w. 2, 78 v. Hell.; in der hellen gegenwart genosz ich und weidete mich an träumen einer goldenen zukunft Tieck schr. (1828) 6, 11; tage ..., an welchen ich mir von der phantasie goldene luftschlösser vormalen liesz Immermann w. 1, 106 Boxberger; zudem war ich trotz aller dieser goldenen luftschlösser unsäglich kleinmüthig und traurig G. Keller ges. w. (1889) 4, 50; er lacht dabei so tröstlich, dasz diese worte wie eine goldene verheiszung klingen Storm s. w. (1899) 1, 179; aber eine goldene erinnerung waren diese jugendtage für ihn doch Meinecke v. Boyen (1896) 1, 16. goldene worte schöne, beglückende worte: o mehr als güldene worte! o diamantine verheiszungen! J. Rist friedejauchz. Teutschland (1653) 167;

(Hystaspes:) man schätzt ihn gar zu hoch; seitdem bin ich
(Araspes:) o mehr als güldnes wort! ihm feind.
Gottschedin br. 3, 219 Runkel;

und immer fiel ein goldenes wort ihrer freundlichkeit mit darunter Fouqué gefühle (1819) 1, 11; von hier ausgehend: ihr lieber, süszer, goldner brief Zelter in: briefw. zw. Göthe und Zelter (1833) 1, 241.
gern von frohsinn und seelischer unbeschwertheit: ach, auch dieser fand die goldene laune jenes lustlagers nicht mehr H. Laube ges. schr. (1875) 4, 148; Frommel, der echte Süddeutsche mit dem weichen herzen und dem goldenen humor C. Kayser Emil Frommel4 154; wer wäre nicht dankbar dafür, wollte nicht gerne lauschen einem kameraden, dem die gottesgabe goldener fröhlichkeit in die wiege gelegt ward Liller krz., soldatenworte (1917) 105.
b) als ausdruck ästhetischen wohlgefallens, des gefühls für schönheit und künstlerischen wohlklang in werken der kunst, rhetorik u. dgl.; seit der mitte des 18. jhs. breiter entfaltet, aber schon älter bezeugt. noch streng im bildzusammenhang:

von Strâzburc meister Gotfrit,
der als ein wæher houbetsmit
guldîn getihte worhte
Konrad v. Würzburg gold. schmiede 99 Schr.;

freier:

die güldne musica, die thier und uns erfreuet
Opitz opera poet. (1646) 1, 13;

mit einschlag von 1 d:

der weise Plato ward vom schüler schon verlachet,
der güldne Cicero vom Crispus umbgetrieben.
Polybius wird noch in schulen offt veracht;
da keiner doch so treu von Deutschen hat geschrieben
Lohenstein Arminius (1689) 2, a 2b;

[Bd. 8, Sp. 759]


vor sprach nur Cicero mit einer güldnen zungen
B. Neukirch gedichte (1744) 123;

hinflog der gott, und war bereit
mit goldener beredtsamkeit
den aufruhr zu beschwichten
Rückert ges. poet. w. (1867) 1, 171;

disz war die güldne kunst zu reden und zu schreiben
Rachel satyr. gedichte 118 ndr.;

namentlich bei und nach Klopstock (vgl. die anm. Kösters zu der unten angegebenen stelle aus Schönaichs ästhetik) als epitheton für alles auserlesene, schöne herrliche, besonders auch in der romantik beliebt; vornehmlich im bereich der poetischen und musikalischen künste, vgl. oben DWB A 3 ende: uns ist zwar niemals vorgekommen, als klänge das gold so vortrefflich, dasz man einen goldenen klang schmieden sollte. allein das gold ist schön, daher musz alles, was von gold kömmt, schön seyn: ein goldner klang, ein goldner laut, ein goldner hauch. es ist unnöthig, einen anzuführen; unsere bibel- und teufeldichter blasen gern einen goldenen klang v. Schönaich d. ganze ästhetik in einer nusz 210 lit.-denkm.;

Zenophila, lieblich entzückend
klingt dein goldenes spiel, singet dein zarter gesang
Herder 26, 33 S.;

und da ist ein saitenspiel erklungen,
goldne töne ernsthaft mich umschweben
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 498;

o horcht! nun tanzt es sanft auf goldner töne leiter
Mörike ges. schr. (1905) 1, 131;

bald vergnügt, bald sinnig,
wie die wolken ziehn,
taucht die quelle nieder,
steigt die quelle wieder
goldner melodien
Löben gedichte (1817) 8 Pissin;

er wirft sein schwert, das blitzend des jünglings brust durchdringt,
draus, statt der goldnen lieder, ein blutstrahl hochauf springt
Uhland gedichte (1898) 1, 302;

noch märchenhafter war es, wenn ... nun Clarissens harfe plötzlich ertönte ... und wenn die leichten einzelnen töne, wie ein süszer pulsschlag, durch die schlafende mitternachtluft gingen, ... das echo versuchte sogleich das goldne räthsel nachzulallen A. Stifter s. w. 1, 263 S.; (die) enthüllung des rätsels vom goldenen klang (der Amatigeigen) Karl Nef unsere musikinstrum. (1926) 63; daher bedeutet goldene ader auch die poetische ader: bestrebungen der natur zur goldnen ader, die ihr (der frau Gottscheds) ... so schmerzlich geworden, dasz sie sie ... eine bleyerne ader zu nennen pflegte briefe, d. neueste litt. betr. 21, 180; die poetische goldene ader Jean Paul w. 7/10, 247 (Hempel); im spiel mit der alten bedeutung von goldene ader (s. unten E 2): sie bedienten sich ... dabei des ausdruckes 'güldene ader', welches ihre einzige poetische ader ist Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 404; sie (Klotzens homerische briefe) sind kinder der goldenen muse allg. dt. bibl. (1765) 1, 1, 198;

sie haben goldne verse mir, phaläcische,
das zierlichste latein, geschickt
Mörike ges. schr. (1905) 1, 187 Göschen;

dann ist der gut gelaunte sänger
mitunter auch ein kinderfänger,
der selbst die wildesten bezwingt,
wenn er die goldnen mährchen singt
Göthe I 1, 183 W.

anders in der meistersingerischen bezeichnung von tönen neben anderen farbadjektiven, vgl. DWB des Harders guldyn rey, disz ist Leschen guldyner reye Kolmarer meisterl. 6 B.: meister Cunrads guldin reyel ebda 7; ein strafliet im guldinen done ebda 295; im gülten ton Hans Sachs fabeln u. schwänke 5, 39 Goetze-Dr.
terminologisch in der geometrie der goldene schnitt, das ästhetisch ideale proportionsverhältnis zweier strecken von verschiedener länge; erst im zweiten drittel des 19. jhs. nachweisbar für ältere bezeichnungen wie stäte proportz (16. jh.), stetige teilung (18. jh.), lat. proportio continua, proportio divina, sectio divina, anscheinend angelehnt an den älteren ausdruck goldene regel (s. oben sp. 755), während lat. sectio aurea weder im altertum noch im mittelalter

[Bd. 8, Sp. 760]


nachweisbar ist u. erst im 19. jh., später als der goldene schnitt, auftritt, vgl. Tropfke gesch. d. elementarmathem. 42, 186 u. 187: diese zerteilung nennt man wohl auch den goldenen schnitt M. Ohm raumgröszenlehre (1835) 194 anm.; die mathematiker nennen die hier erörterte theilung einer gegebenen linie die 'theilung im äuszern und mittlern verhältnisse', oder 'den goldnen schnitt'. der grund der letztern benennung ist mir nicht bekannt; doch rührt sie wahrscheinlich daher, weil man die auszerordentlichen vorzüge des verhältnisses, welches man durch diese theilung gewinnt, und die vollkommenheit der durch dieses verhältnis gebildeten proportion mit richtigem blick erkannt hat A. Zeising neue lehre v. d. proport. d. menschl. körpers (1854) 163; auf andere ästhetisch wohlgefällige maszverhältnisse in natur und kunst übertragen und als gesetzmäsziges prinzip der schönheit aufgefaszt: F. X. Pfeifer der goldene schnitt und dessen erscheinungsweisen in mathematik, natur und kunst (1885) titel; ein menschlich gleichförmiges wohlgefallen, etwa an der einteilung des goldenen schnittes, (geht) auch auf eine gleichförmige liebe zu diesem objekt zurück Scheler schr. aus d. nachlasz (1933) 1, 256.
c) poetisch oft zu einem beiwort ohne spezifischen sinngehalt aufgelöst, das lediglich eine unbestimmte, lustbetonte gefühlsregung ausdrückt; vgl. dafür bereits golden als intensivierendes adverb: und hat es seine tage hertzen gülden gut gemeint engl. comed. (1620) 37; das mägdgen hat mich frey gülden lieb ebda 32; noch deutlich von B 1 aus bestimmt:

der frewden güldner schein
Simon Dach bei
Fischer-Tümpel 3, 69;

du wirst uns wohl ein recht verkehrter donnerstag,
weil (= dieweil) deinen donner du durch himmlisches geschicke
verkehrst in lauter lust und güldne freudenblicke
Hoffmannswaldau-Neukirch gedichte (1697) 2, 29.

subjektiv besonders gehaltvoll als 'lieb, ersehnt, beglückend' wie etwas sehr kostbares:

goldne thränen,
schwimmt ihr, den kusz zu krönen,
den die allersüszeste lippe gab?
maler Müller w. (1811) 1, 215;

ich seh das goldne land herüber winken,
mein aug erreicht es, aber nicht mein fusz
Grillparzer s. w. 4, 153 Sauer;

wie golden winkt die neue schwelle
des lebens jedem jungen paar!
Mörike w.2 1, 40 Maync.

objektiver, mehr als wertendes beiwort gemeint, 'herrlich, prächtig, schön':

doch schöner ists, wenn sanfter wind die flut
von Milons finsterm haar
mit blüthen und mit güldnen veilchen schmückt
E. v. Kleist s. w. (1760) 1, 75;

wem hat nicht in gegenwart seines mädchens die ganze welt golden geschienen? Göthe I 37, 317 W.;

der schönsten mädchen goldne zahl
Pfeffel poet. versuche (1812) 3, 100;

... denn es quillet heller
nicht vom Parnasz die ewge quelle sprudelnd
von fels zu fels ins goldne thal hinab
Göthe I 10, 52 W.;

auf glänzenden muscheln getragen, fuhr der schöne himmel (die götter) über Oceans spiegelnden rücken dahin, und es sangen und klangen die wogen, als am goldnen gestade sich die schöne schaar gelagert maler Müller w. (1811) 1, 152; das goldene land der vaterländischen geschichte Fr. L. Jahn w. 1, 12 E.;

du wirst ein schöner leben schauen,
und ewig, ewig bleibt es dein;
man wird dir goldne schlösser bauen,
nur — muszt du erst gestorben sein!
Herwegh gedichte e. lebendigen (1842) 98.

ähnlich als symbolisches epitheton für etwas ideales:

und Marc Aurel und Titus und Trajan
für ihrer groszmuth goldne thaten
nun ewig an dem spiesz und auf dem roste braten
Gotter gedichte (1787) 1, 421;

[Bd. 8, Sp. 761]


das napoleonische kaiserthum ... war in vielen beziehungen das goldene reich der beamten E. M. Arndt schr. f. u. an s. lieben Deutschen (1845) 2, 337; so war Milton ein berühmter reisender, als er ... Italien besuchte, das noch immer wie in Shakespeares tagen den Briten als das goldne land der künste galt historische u. pol. aufsätze (1886) 1, 7; an jenem goldenen ort der kunst (Florenz) verrinnt die zeit doppelt Wilamowitz-Möllendorff briefw. mit Usener (1934) 3.
d) mit besonderem nebensinn 'schön, aber im grunde täuschend, trügerisch' negativ bewertet, vgl. ähnliches bei gold II D; wohl von dem bilde einer täuschenden vergoldung ausgehend, vgl. schon:

si (die minne) truoc uf daz wize
geverwet under ougen
daz guldine lougen,
ir allerbeste varwe: nein
Gottfried v. Straszburg Tristan 17543 R.;

diu guldin unschulde ebda 17552;

untriuwe izzet maniges mannes brôt,
der güldîniu wort hât in dem munde
und valschen hort in herzen grunde
Hugo v. Trimberg renner 4431 Ehr.;

dann zieht er (der neuere dichter) die rüstung der goldnen phrasen an O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 55; anders als oben D 2a γ, negativ bewertet: der betreugt sich selbs weidlich und macht yhm selbs einen gülden traum, da er eitel dreck finden wird, so bald er auffwacht Luther 23, 28 W.; ein güldiner traum (d. h. eine schöne täuschung) sprichw. (1548) 149b;

die goldnen träume, die schimären
von menschenwerth und erdenglück
Gotter gedichte (1787) 1, 468;

ladet mich der goldne schein
der wollust dieses lebens ein
R. Z. Becker mildheim. liederbuch (1799) 27;

(Heine) wird sich allmälich ganz auflösen in das 'goldene' nichts der eitelkeit Gutzkow ges. w. (1872) 12, 219; noch war er (der junge kaiser Otto III.) nicht eingefangen in das goldene netz groszartiger vorstellungen, das sich später um ihn legen sollte O. Gmelin d. ruf z. reich (1936) 82. vergleichbar auch die metaphorisch gebrauchte verbindung goldner glanz: im Nibelungenlied findet er (Göthe) einen 'grauerlichen rittersinn', und an den kreuzfahrerscharen, die dem abendland eine neue bunte welt eroberten, sieht er nur die entsagung. ... den goldnen glanz, den die romantik auf diese trübe warf, konnte Göthe nicht gelten lassen, er hätte sich denn untreu werden müssen A. Hübner kl. schr. z. dtsch. philologie (1940) 277.
3) das vergleichsmerkmal der dauerhaftigkeit, lauterkeit, echtheit und beständigkeit (s. DWB gold II B) tritt bei golden weniger heraus; in bildlicher umschreibung von 'lauter, gediegen', in bezug auf menschlichen charakter; vgl. im bilde mhd. guldîn adel echter adel:

von kupfer scheidet man daz golt mit eines unkes aschen:
hei, daz mîner taschen
vil nâhe ein pulver nie gelac,
dâmite ich guldîn adel schiede ûz kupferînem willen
Konrad v. Würzburg lieder 32, 230 Schr.;

wie mancher ehemann ... würde in seinem heimkommen ein schönen hausz- und vorraht von gantz guldenen kindern finden, und sehen, wie emsig seine fromme und hertzallerliebste hauszhenne in der ein bildung gearbeitet habe M. Abele v. Lilienberg gerichtshändel 1 (1655) 505, sowie auch: weil nun die landgerichtshändel ... ein lapis lydius (sind), daran man den goldenen strich der wahrheit meistens erkennen kan v. Hohberg georg. cur. (1682) 1, 35; es ist niemand gar güldin (echt, zuverlässig) sprichw. (1548) 105a; solte er unsere hoffart auf den probierstein streichen, sie würde nicht gülden herausz kommen Chr. Weise erznarren 159 ndr.; in fester formel ein goldenes herz: ist das ein gewiegter ... geschäftsmann, und dabei wie theilnehmend und fürsorglich, ... er hat ein goldenes herz M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr (1893) 4, 368; en golden herz han rhein. wb.

[Bd. 8, Sp. 762]


2, 1302; hierher auch: wenn ihm die zunge einmal mit dem herzen durchgeht, dann blicken wir auf dessen goldenen grund jahrbuch d. Grillparzergesellschaft 3, 34; Wilhelm war aber trotz seiner rauh beinigkeit ein golden guter kerl und allgemein geschätzt P. Grabein o alte burschenherrlichkeit7 155; denn Gschnaxl hat eine so goldene hundeseele, dasz man bedenkenlos über alle miszbildungen seines in der tat ungeratenen körpers hinwegsehen darf Liller krz., sechste auslese (1917) 247. 'gediegen' hinsichtlich der künstlerischen ausführung: vor Dürern ... krieg ich alle tage mehr respekt. so bald ich einmal einigen raum finde, will ich ... meine gedanken aufsetzen, nicht sowohl über erfindung und composition, als über die aussprache und die ganz goldene ausführung Göthe IV 4, 201 W.; (Bürger strebe in seiner übersetzung des Homer) nach der goldnen, einfachen, lebendigen bestimmtheit des originals: kurz, thue das seinige Göthe in: teutsch. Merkur (1776) 1, 194; während Shakespeare (in seinen werken) massives gold mit goldner kunst behandelt O. Ludwig ges. schr. (1891) 5, 272. 'unverfälscht', wohl im anklang an B 3 a: das leben in den gelehrtenrepubliken nähert sich noch am meisten dem goldnen stande der natur Heinse s. w. 3, 456 Sch.
E. in terminologischen sachbezeichnungen.
1) in älterer arzneikunde bei heilmitteln, die als besonders hochwertig gekennzeichnet werden sollen.
gülden wasser, s. auch güldenwasser (guldenwasser) teil 4, 1, 6, sp. 1065, wo weitere belege, sowie unten goldwasser; vgl. aqua capponis das lebendigk gulden wasser (vor 1419) Diefenbach nov. gl. 30a: güldine wasser von wegen ihrer wirdigkeit nenneten Wirsung artzneybuch (1584) 785a; dahero ich mehr für ein tieffsinniges lehrstücke ... halte, dasz bey lebensstraffe kein mensch das so genennte güldene wasser kosten darff Lohenstein Arminius (1689) 1, 1066a. gülden latwerge, salbe, milch u. anderes: aurea Alexandrina, dise latwerg hat beschriebenn, als etlich meynen, der grosz Alexander, heyszt zu teutsch die güldin latwerg Joh. Dryander d. ganzen arzenei gemeiner inhalt (1542) 65b; latwerg vom eye, die gülden latwerg und gülden eye electuarium de ovo oder electuarium aureum Wirsung artzneybuch (1584) reg. f 3b; man lobt auch die güldin salb unguentum aureum Mesuae ebda (1588) 642; guldine oder jungfrauenmilch. also nenneten die alten ein gut und sicher wasser, das nit allein zu allen flecken und masen desz angesichts, sondern auch zu viel andern sachen ... nützlich gebraucht wirdt ebda 61; daz man der hitz wolte euszerlichen wehren, alsz mit der guldenen milch, die gesotten wirdt ausz essig, glätty, saltz und wasser Fel. Würtz wundartzney (1612) 148; vgl. guldinöhl als heilmittel für kindbetterinnen (v. j. 1671) Fischer schwäb. 3, 739; sie klopfen an jede hütte ..., um mit trompetenschall ihre goldene tinktur anzubieten W. H. Riehl d. dt. arbeit (1861) 267; so auch: der fünffte modus ist, das wir etwann machenn hafften (nähte), die mann nennet die güldin oder selbhafften, von tüchlin unnd das gezimmet in den stetten, sonderlich in dem angesicht da wir wöllen das die mal nit erscheinent H. Braunschweig chirurg. (1539) 14; bei der mundartlich verbreiteten bezeichnung goldenes pflaster kann dagegen auch ein euphemismus vorliegen, da es sich meist um ein gegen brandwunden gebrauchtes pflaster aus menschenkot handelt und gold ebendiesen kot umschreibt (s. oben sp. 709), vgl. DWB güllen plster Woeste-Nörr. westfäl. 87b, gülen plster Bauer-Collitz wald. 42a, gelen blosde r Hofmann niederhess. 111a, golden ploster heiszer kuhkot rhein. wb. 2, 1302.
2) in volksmedizinischen benennungen.
seit etwa 1500 bezeugt ist güldene ader (vgl. auch güldenader teil 4, 1, 6, sp. 1063 und oben goldader); die bezeichnung meint zunächst die venen des mastdarms, deren spontanes bluten angeblich bestimmte unterleibsbeschwerden erleichtert, vgl. 'güldene ader, diese pfleget ihres nutzens wegen, welchen sie den leibe verschaffet, also genennet zu werden, indem nicht nur, wenn die natur zu rechter zeit

[Bd. 8, Sp. 763]


diese adern öfnet, dadurch überflüsziges, sondern auch verdorbenes blut abgeführet wird ... es werden aber zu der güldenen ader gewisse blutgefäsze, welche um den hindern und in dem mastdarme sich finden, gerechnet' allg. haushaltungslex. (1749) 1, 629a, sowie Hyrtl kunstworte d. anatomie (1884) 70. eine andere deutung ist s. v. goldader verzeichnet: zepfflin von rohen zwibeln gemacht und in leib gethon, reynigt die gulden adern H. Bock kräuterbuch (1539) 2, 58b; dise (adern) werden von etlichen fälschlichen ausz unverstand für die guldin adern des affterns angezeygt Ryff anatomi (1541) 46b; ein ander gebrechen (des afterdarms), welchen wir die feigwartzen und feigblatern, die Griechen haemorrhoides, blutflusz ... (nennen), seynd nun solche ... geschwer, die sich im hindern und umb den afftern ... erzeigen; ihr ursprung ist ausz etlichen kleinen äderlen, so sich bisz auff das eusserst desz magens erstrecken, von uns die rosen- oder güldin ader genannt Wirsung artzneybuch (1584) 329b; dann für die krankhaften krampfadern der mastdarmvenen, deren blutiger flusz die erscheinungsform der haemorrhoiden darstellt: breitwegrichwasser ist gut für den flusz der güldin adern des bltz, das sint die vickblattern, so sie bltent Hier. Braunschweig kunst zu dist. (1500) 173a; eisenrost ... zu stlzäpflin gebraucht, (stillet) auch den unnatürlichen flusz der guldin adern Ryff spiegel u. regiment d. gesundheit (1544) 100b; als volksmäsziger krankheitsname für das medizinische gesamtbild der hämorrhoidalknoten und ihrer blutungen (phlebectasis haemorrhoidalis) bis heute geläufig: der rauch von dem wein, darinn das apostemakraut gesotten ist, den mit einem zäpflin gethon in den hindern ... stillet die güldin äderlin in des menschen hindern, ist dise krankheit in latin genant emorroida Petrus de Crescentiis vom ackerbau (1531) 91b; die bletter (des pastemenkrauts) gestoszen ist gut dem flusz im afftern, der güldin adern, darauff gelegt, stillets ihn Lonicerus kräuterbuch (1604) 179b; diese kranckheit wäre natürlich die haemorrhoida oder güldene ader genant Frz. Ferd. v. Troilo oriental. reisebeschr. (1676) 107; bey der güldenen ader mach zwey säckgen aus gestoszenen eicheln und eichenlaub, koche sie stark in essig und lege eines über das andere über H. v. Fleming teutscher soldat (1726) 332; eine andere anlage ist die zu hämorrhoiden (der güldnen ader) Hufeland kunst d. menschl. leben zu verlängern (1798) 375; die form güldene ader ist terminologisch erstarrt, goldene ader Villaret hwb. d. ges. medizin (1888) 1, 786b erscheint als künstliche verhochdeutschung, doch vgl. auch d golden oder (ader) hämorrhoiden Martin-Lienhart els. 1, 213. in anderer bedeutung golə orer. (ader) wildwachs im fleisch rhein. wb. 2, 1302. güldene pforte für vulva wird euphemistische benennung sein: (die hobwurz) zeuht die gepurt auz der güldeinen porten Konrad v. Megenberg buch d. natur 383 Pf.; vgl. der magede guldîn tor Konrad v. Fussesbrunnen kindheit Jesu 19 Kochendörfer.
3) in pflanzennamen; teilweise ihrer offizinellen nützlichkeit wegen als gülden 'goldwertig' bezeichnet, andere wegen der goldgelben farbe ihrer blütenblätter, später meist als einheitlicher name zusammengerückt, vgl. daher gülden gänserich unter güldengänserich teil 4, 1, 6, sp. 1064, gulden günsel ebda, gülden haar ebda sp. 1064; gülden klee (gulden klee) ebda, gülden kraut ebda, gülden lack ebda, gülden leberkraut ebda, gülden milzkraut ebda, gülden raute (rute) ebda 1065, gülden steinbrech ebda, gülden steinklee ebda, gülden widerton ebda, gülden wundkraut ebda 1066. gülden gertel (ajuga reptans L.) vgl. Wirsung artzneybuch (1584) d 4b; gülden haarmoos und goldenes frauenhaar (polytrichum L.) Pritzel-Jessen 300, vgl. güldenwiderton teil 4, 1, 6, sp. 1065; guldner ehrenpreis (lysimachia nemorum L.) Pritzel-Jessen 227; die goldene engelsüsze (polypodium L.), vgl. Oken allg. naturgesch. (1839) 3, 326; gülden kreuzkraut und güldener (golden) waldmeister (galium cruciatum Scop.), vgl. Wijk dict. of plant. 1, 569a, Pritzel-Jessen 159; gulden leinkraut (aster linosyris Bernh.) Pritzel-Jessen 50; Marzell 1, 499 f.; goldner lack lackviole (goldlack) Krünitz 19, 52;

[Bd. 8, Sp. 764]


güldene lungenwurz (hieracium murorum L.) Wijk dict. 1, 641b; gulden mausöhrlein (hieracium aurantiacum L.) Pritzel-Jessen 181; goldenes ruhrkraut gnaphalium fulgidum, aureum Oken 3, 767; güldin skepter (dipsacus fullonum L.) Pritzel-Jessen 136 (nach Toxites).
4) einzelnes. goldene schnitten ein beliebtes gebäck, das aus semmelschnitten besteht, die in eigelb getränkt und in schmalz gebacken werden, vgl. auch güldenschnitten teil 4, 1, 6, sp. 1065; gülden schnitz artolaganus (voc. v. j. 1590) Diefenbach gl. 52a; triolaganus genus panis delicatissimi, qualia liba, placentae güldene schnitten, zottete schnitten, brodkuchen, gogelhopf Corvinus fons. lat. (1660) 1, 145; guldene schnittlein crocati panes Comenius orb. pictus (1769) 2, 338; guldene schnittlein Schmeller-Fr. 1, 896; mit guldenen schnidln (Böhmerwald) (v. j. 1844) bei Crecelius oberhess. 443; gülden schnitten Vilmar Kurhess. 140; gêalle schnitt Crecelius a. a. o.; gelen šneren Hofmann niederhess. 111a; g. schnitt(chen) rhein. wb. 2, 1302; ein anders backwerk heiszt 'güldene hauben, ein sehr niedliches gebäcke von feinem semmelmähl ..., welches ... in einer gewissen form wie hohlziegel gestaltet und in butter ausgebacken wird' Spreng idiot. Raur. (ca. 1760) in: Alemannia 15, 203, vgl. Staub-Tobler 2, 915.
goldner stein stein der weisen, der andere metalle in gold verwandeln soll: obwol von den gar alten philosophis durch langwirige müh und nachforschung der güldin philosophische stein (lapis philosophorum) offtmals gefunden Paracelsus opera (1616) 2, 671 Huser, vgl. oben philosophisches gold sp. 684. in älterer metallurgischer fachsprache gülden wohl in kontamination mit gültig 'ertragreich' (vgl. gültig teil 4, 1, sp. 1086): weisz- und rothgültig oder gülden ertz heiszet deszwegen nicht gültig oder gülden, dasz es gold führe, sondern dasz es reichhaltig sey und die kuxe viel gelten Minerophilus bergwerkslex. (1730) 319; vgl.roth gülden ertz ist ein art gutes ertzes, braunroth an der farbe und hält über den halben theil gut silber Junghans gräublein ertz (1680) e 1a. anders: güldnes metall eine legierung von gold und silber Sittel-Strausz handelswb. (1921) 91a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
golden, vb. , gölden, gülden, älter gulden vgl. zur form golden, adj.; sp. 727 ff.
1) denominative bildung zu golden, gülden, adj.; erst mhd. bezeugt und von verschiedenen anwendungen des adj. ausgehend, meist poetisch gebraucht. 'vergolden', 'mit gold belegen', vgl. DWB gülden, vb., teil 4, 1, 6, sp. 1063:

der swerte knopf von silber grôz,
helze und valz rîch geguldet
Ulrich v. d. Türlin Willehalm 313, 21 Singer;

gulden oder vergulden aurare, deaurare voc. theut. (Nürnb. 1482) n 2a; vgl. DWB gülden vergolden, gold auflegen mnd. hwb. 1, 2, 186; kultə, fkoltə vergolden Meisinger Rappenauer ma. 75;

blieb alles da hinden,
sticken und seydenfltzen,
maln, gulden oder schnitzen
Hans Sachs 3, 473 Keller;

kränzet mit blumen den stier! güldet die hörner des stiers!
grafen Stolberg ges. w. (1820) 4, 11;

die morgenröte, mit ihren stralen die berge zu gulden pfleget Harsdörffer frauenz. gesprächsp. 6 (1646) 63;

sie (die sonne) goldet gnädig sein gefieder
Immermann w. 13, 92 Boxb.

bildlich: 'verschönern', 'verklären':

Zeuxis, deine mahlerkunst
kan sie (die tugend) nicht nach würden bilden,
und wird nur zu einer dunst
wenn sie will ihr antlitz gülden,
das schon mehr als gülden leuchtet
Knittel poet. sinnenfr. (1677) 14;

ihrer blicke letzter
göldet mein erwachtes
frohes, dankbemühtes harfenspiel
Denis lieder Sineds (1772) 252;

deine liebe golde seine tage
Kosegarten poesieen (1798) 250;

[Bd. 8, Sp. 765]


vereinzelt reflexiv:

düstrer zukunft nebelferne
goldet sich in deinem sterne
Schiller 1, 295 G.


mundartlich gelegentlich intrans. gül(d)n goldgelb leuchten, vom reifen korn Bacher Lusern 263; vgl. engl. to golden, vb., bei Murray 4 g 281.
2) denominative ableitung von gold, n., im alemann. golde(n) 'gold suchen', 'goldwaschen in flüssen': dem ir die weid (ausbeuterecht) in der Aren ze golden verlihen habent (v. j. 1457) bei Staub-Tobler 2, 226; die goldgründe (des Rheins) werden für ein sonder regal der hohen oberkeit zustendig gehalten, und mag die hohe oberkeit, wie mans nennt, golden lassen Meurer jag- u. forstrecht (1582) 103b; weilen sie ihr stück brot durch golden verdienen J. J. Scheuchzer (1746) bei Staub-Tobler 2, 226; golden id est goldsand suchen, wie im Rein geschiehet J. G. Schottel teutsche haubtspr. (1663) 567. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldener, m., nomen agentis zu golden 1: argentarius eyn goldener voc. 1420 bei Diefenbach nov. gl. 33. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
goldensonnig, adj., poetische zusammenrückung: im eindruck des goldensonnigen herbsthimmels Varnhagen v. Ense tageb. (1861) 5, 215; da wird es goldensonnig hin über das weite Alpenland Rosegger schr. (1895) II 12, 48.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
golder, m., zu golden, vb., 2: golder, göldner nennet man die auri legulos, goldfischer, welche mit dem gold suchen und wäschen umgehen J. J. Scheuchzer naturgesch. (1707) bei Staub-Tobler 2, 226. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
golder, goldere, f., in der Schweiz bezeichnung der pflanze lilium martagon L., türkenbundlilie, vgl. Stalder 1, 463; Tschumpert 611; goldern Pritzel-Jessen volksn. d. pfl. 216. —
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
golderde, f., goldhaltige erde: keiser Otto von Sassen ... vant ouch einst silver ind goulterde in dem lande van Sassen (15. jh.) städtechron. 13, 434 (Köln); ja sagt man doch gar, das Adam, der erste mensch, ausz golderde formiret sey Prätorius anthropodemus Pluton. (1666) 1, 235; dann (kann er) so viel er will, golderde holen Jac. Grimm mythol. 817. —

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: