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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gokel bis golatsche (Bd. 8, Sp. 676 bis 678)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gokel, gökel, m., sackende des zugnetzes (in der fischerei). die herkunft des wortes ist dunkel; vielleicht zu gaukel, gäukel, subst. (vgl. DWB gaukel 3, teil 4, 1, 1, 1549): das sackende des zugnetzes (hakel, hökel, hekel, gökel, pinne, stosz, kuttel, in Süddeutschland auch gapfen genannt) musz ebenfalls aus starkem garn gemacht werden A. Seligo fanggeräte (1914) 110.
 
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gokellampe, f., auch gokel, f., 'handlampe zum umhergehen in haus, küche u. s. w.', vgl. Albrecht Leipz. ma. 123; Müller-Fraureuth 1, 428; s. ferner gaukellicht teil 4, 1, 1, 1552, und gaukeln 2 b ebda sp. 1557. —
 
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gokellicht, n., s. gaukellicht teil 4, 1, 1, 1552, gaulicht ebda sp. 1572 und gaukeln 2 b ebda sp. 1557, vgl. ferner unten go(l)licht.

[Bd. 8, Sp. 677]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gokeln, gökeln, vb., mit feuer oder licht spielen, mundartliche nebenform zu gaukeln, vgl. teil 4, 1, 1, sp. 1557 unter 2 b sowie kockeln, köckeln teil 5, sp. 1566:

weisze hände kränken nimmer,
aber als die dummheit dümmer
ist es, gokeln noch im schimmer
eines lichts
W. Alexis Isegrim 1 (1854) 153;

das wort lebt vor allem im östlichen mitteldeutschen und niederdeutschen, vgl. Müller-Fraureuth 1, 428; Albrecht Leipziger ma. 124; in der form kôkeln bei Karl Bischoff studien zur dialektgeographie ... in Calbe u. Zerbst 39; H. Meyer d. echte Berliner 9102; Teuchert aus d. neumärk. wortschatze in: zs. f. dtsche maa. (1909) 133; Frischbier preusz. wb. 2, 536; gokeln, gökeln dagegen bei Bernd Posen 77; Weinhold schles. wb. 28; Knothe schles. ma. in Nordböhmen 260. weiter südlich als gokeln, gakeln bei Weise Altenburger ma. 77; Pasch Altenburg 85; gökeln, gäkeln Reinwald henneberg. idiot. 1, 52; gâkeln ('fränkisch') bei Frommann d. dtschen maa. 2, 190; gackeln, göckelen Schmid schwäb. 215.
 
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goksch, m., hahn, s. o. gockel 1, sp. 661.
 
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gol, adj., 'bitter, ranzig, verdorben' von geruch und geschmack. die herkunft des mundartlich verbreiteten wortes ist dunkel.
zufrühest in Oberhessen verzeichnet, vgl. DWB gol 'bitter' bei Estor teutsche rechtsgelahrtheit (1767) 3, 1409; heute umgangssprachlich üblich in Hessen und im Rheinland: gôl, goul, gôel ranzig, widrig von geruch und geschmack, auch von abgestandenen flüssigkeiten Crecelius Oberhessen 1, 429; bitterschmeckend (für Oberhessen, Schwalm, Haungrund) Vilmar Kurhessen 132; gohl Kehrein Nassau 1, 168; gol (Siegerland, rip., berg., Aachen, südndfrk. bis z. Ürdinger linie) im rhein. wb. 2, 1295; gol bitterschmeckend Heinzerling-Reuter Siegerländ. wb. 93; jol ranzig, verdorben Rovenhagen Aachener ma. 46a; gool ranzig, vom speck Leithäuser Barmer ma. 61. vereinzelt auch im flämischen (doch nicht im niederländischen) belegt: gool bitter, gallig Schuermans vlaamsch idiot. 159.
daneben steht golig, gaulig vom schlechten körperlichen befinden, besonders in der Schweiz, vgl. golig4 im schweiz. id. 2, 216; gaulig Stalder schweiz. id. 1, 430; göhlig, gohlig, gaulig Tobler Appenzell. sprachschatz 232; ebenso im rhein. wb. golig übel, besonders nach übermäszigem alkoholgenusz, neben 'bitterschmeckend' 2, 1295. vgl. hierzu gaulig teil 4, 1, 1, 1573 und galsterig ebda sp. 1209 sowie rhein. gölschig leicht süsz, aber widerlich, bitter, ranzig schmeckend rhein. wb. 2, 1295.
 
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gol, subst., grober steinschutt, mundartlich in der Schweiz, besonders in flurnamen schweiz. id. 2, 216. ebenso golete, f., ebda; Stalder schweiz. id. 1, 464; Buck flurnamen 86.
 
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göl, gol, goll, goli, m., mundartlich in der Schweiz, Tirol und Kärnten 'narr, dummkopf' schweiz. id. 2, 213; Hintner Defregger dial. 70, vgl. DWB gölen gaffen: bis doch nit e göhl, sagte die meisterin Gotthelf s. w. 4, 193 Hunziker (spätere umarbeitung bis doch gescheit). 'mutwilliger possentreiber' schweiz. id. 2, 214; Lexer kärnt. 118, nach dem schweiz. id. 2, 214 anm. zu gellen. mundartliche weiterbildungen: göldi groszer, einfältiger bursche Tschumpert bündn. 613, guleflabes täppischer mensch Schön Saarbrücken 90b, freszgolles nimmersatt rhein. wb. 2, 1304. vgl. noch: gölsüchtig stupidus Schmidt id. Bern. 33. — ferner goli spielzeug schweiz. id. 2, 215 und gigeliman-golis machen lauten spasz treiben a. a. o. 216.
 
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golammer, m. u. f., s. DWB gaulammer, teil 4, 1, 1, 1572 und goldammer.
 
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golander, m., ein vogelname, nebenform zu galander (s. d.) und Suolahti die deutschen vogelnamen (1909) 101. vgl. der golander überschrift aus dem vogelgespräch (15. jh.) Germania 6, 97; golander fraudula voc. inc. teut. (1471) k 1a; voc. primo ponens dict. theut. (Hüpfuff 1515) k 2b; golander alcedo ispida (d. i. eisvogel) Nemnich wb. 200; golander eisvogel Jagemann dizionario (1799) 534; golonder eisvogel Schaffer dt.-frz. wb. (1834) 1, 751.

[Bd. 8, Sp. 678]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) golatsche, m., radförmiges gebäck, bes. im südostdt., aus slav. kolač, (poln. kołacz, tschech. koláč, sorb. kolač, russ. kalač, sloven., serbokr., bulg. kolač): kolo rad, s. Berneker 1, 541. golatschen im Wiener dialekt Jacob 71a; Hügel 69a; literarisch: Hohberg landleben (1682) 1, 203a; Abr. a s. Clara etwas. f. alle 2 (1711) 244; synkopiert infolge anfangsbetonung goltschen, gultschn, goulscht Knothe nordböhm. 261; gooltschen Müller-Fraureuth obersächs. u. erzgeb. 2, 77a, vgl. dagegen klotsch s. hier unten; golasche Fischer schwäb. 2, 736. weiter verbreitet mit tenuis-anlaut (vgl. teil 2, 629) kollatsch in Ostpreuszen Frischbier 1, 403b; Posen Bernd 138; Pommern Kaiser atlas d. pomm. volkskunde, textb. 73, hier auch synkopiert klatsch, klotsch a. a. o. 151. kollatschen, pl., Hoffmann poln. lehnw. i. d. schles. ma., s. z. f. dt. maa. (1910) 200; aus dem russ. baltisch kalatsche Hupel 104, Gutzeit 2, 6 f., Kiparsky fremdes im baltendt. (1936) 156. in der literatursprache (collatschen neben golatschen s. o.) Hohberg landleben (1682) 1, 203a; Holtei charpie (1866) 2, 19; Göthe I 4, 288 W.; Ponten die väter zogen aus (1939) 207; kolasche 'brei' in Siebenbürgen Schröer ungr. 249; Kramer Bistritz 70. die lautung kalatschen in Bayern Schmeller-Fr. 1, 1233 und schweiz. id. 3, 209, vgl. das aus dem poln. entlehnte altpreusz. kalso vlade (= 'fladen', ein gebäck) Elbinger voc. um 1400 in Marienburg abgeschrieben Trautmann altpreusz. sprachdenkm. 351. vereinzelter dentalanlaut in Rügen und Pommern tollatsch Dähnert plattdt. 490; Kaiser atlas d. pomm. volkskunde, textb. 74; 275.
vor Hohberg (1682 s. o.) schon in urkunden 1445, bei Müller-Fraureuth obersächs. 2, 77a, golaczer 'kuchenbäcker' bereits im Olmützer stadtbuch, s. Jelinek mhd. 327.
in der literatursprache bekannt als speziell böhmisches gebäck: ausser dasz die Böhmen ihre collatschen oben mit geriebenen käsz und eyren und butter besprengen Hohberg landleben (1682) 1, 203a; oder seind ihm (dem verlorenen sohn) die böhmische golatschen eingefallen ... oder pommerische knackwürst Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 244; freund Klutschek sasz mit seinen kindern vor einem tisch kolatschen und wuchteln (in Prag am Wenzelstag) Holtei charpie (1866) 2, 19;

so manche kollatschen man früh und spat
bei dem Churfürsten gebacken hat (Engelhäuser bäuerinnen an hzg. Karl August, Karlsbad 1786)
Göthe I 4, 228 W.;

vgl. auch: russische frauenspersonen ... boten kuchen, piroggen und kolatschen an Jos. Ponten die väter zogen aus (1939) 207; mundartlich: 'flaches, rundes eiergebäck, lange, schmale zopfsemmel, die man zu einem kranz biegt und mit den enden aneinander fügt' Müller-Fraureuth obersächs. u. erzgeb. 2, 77a; kleine runde kuchen Hoffmann poln. lehnw. i. d. schles. ma., z. f. dt. maa. (1910) 200; schlechtes, nicht ausgebackenes backwerk, gewöhnlich rund Bernd Posen 138; kleine kuchen Jacob wien. 71a; mit verschiedenartigem mus gefülltes gebäck Hügel Wien. 69a; als backwerk auch sonst im obd.: kalatschen art backwerk (daneben 'sache von geringer bedeutung') Schmeller-Fr. bair. 1, 1233; in Lindau Fischer schwäb. 2, 736; in Basel schweiz. id. 3, 211; im preusz. semmel, weiszbrot, salzfladen Frischbier 1, 403b (als bezeichnung für brot dient z. b. auch im ostslav. kolatsch, s. Zelenin russ. volkskunde [1927] 111); brei Schröer ungr. 249; 250. mit besonderer bedeutung als festgebäck: als osterbrot Knothe nordböhm. 261; zur weihnachtszeit Kaiser atlas d. pomm. volkskunde, textb. 73.
aus lat. collatio und coena collatitia herzuleiten ist klotsch, klatsch und kollatsch, das in Pommern und Ostpreuszen erscheint in der bedeutung 'festessen', vgl. Kaiser a. a. o. 151 und Hennig 130 ('weil bisweilen gute freunde ihre speisen zusammentragen und miteinander verzehren'); vgl. bei den Lausitzer Wenden als tauffest kolancija, kolacyja aus collatio Schneeweis feste u. volksbräuche der Lausitzer Wenden (1931) 16 und dän. kalas (kallas, kalads, galads), kollas, kollats ordbog over

[Bd. 8, Sp. 679]


det danske sprog 9, 1084; 10, 1044f.; sowie schwed. kalas (älter collatzie, collatie 1535, collatz 1541, collas 1607, s. ordbok över svenska sprket k 85 ff.) 'schmaus', 'festmahl' über mnd. collatie, s. Hellqvist svensk etym. ordbok 2434. von kirchenlat. collatio 'imbisz, frugales essen in der fastenzeit' stammt schweizer. kollatz imbisz (dagegen kalatsch gebäck) schweiz. id. 3, 209, vgl.kollatzen, vb., 'einen imbisz nehmen', bei Fischer schwäb. 4, 579, Schmeller-Fr. bair. 1, 1237, s. ferner teil 2, 629. ein anderes collatio in enne kleene golazche, auch kollatsch herumtollende kinderschar Müller-Fraureuth obersächs. 2, 77a.
von golatsch 'gebäck' abgeleitet: es ist von alders zu Olomuncz gewonheit gewesen und ein aussetczung, das sunderliche pecken gewesen sein, die die golaczer geheissen haben und ir sunderliche czech (zunft) hatten, die do scheibelat prot puchen und gancz rucken wolgesmach Olmützer stadtbuch bei Jelinek mhd. 327. in der komposition: golatscheng'sicht ein bausbackiges, rundes und gutgefärbtes gesicht Hügel Wien 69. übertragen: steifer, schwerfälliger, täppischer mensch, einer der kolač iszt, daher Wende Müller-Fraureuth obersächs. 1, 429a.
in einer frühen literarischen bezeugung aus Böhmen (weistum von 1584) eine ablösung: und wenn er nach genugsamer erkantnus zum erben wirdt zugelassen, so mus er dann auch solches vermeint erbtheil umb ein golatschen ablösen. da in aber der gedecht(?) zu schwer sein, so soll er solches ablösen umb den dritten pfennig bei Schlesinger weist. 2, 305 mitt. d. vereins f. gesch. d. dt. in Böhmen (1884) 22. Röszler gesch. d. rechts in Österr. xxx leitet es von collatio ab, dt. rechtswb. 4, 988 stellt es zu golatsch gebäck. ungeklärt in der Tschernowitzer ruge aus einer hs. d. 17. jh.: auch danken wir dem erbarn rath zu Commotau, dasz sie uns rat und hulfe thun, was wir recht haben als diejenigen, die mit den in kolazsch (collatio?) setzen, was die von Commothau in kolazsch recht haben, das haben wir zu Tschernowitz auch recht bei Röszler a. a. o. xxxi, in der älteren fassung von 1544: ... die mit ihn in scholetzsch sitzen, wass die von Commothau in scholetzs recht haben ... (scultetia?), vgl. dazu Schlesinger a. a. o. 22.

 

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