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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gogel bis goggeisel (Bd. 8, Sp. 673 bis 676)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gogel, m. , mhd. gogel, s. Lexer 1, 1043. neben gogel stand von jeher bedeutungsverwandtes goukel, gougel (vgl. Lexer 1, 1059; teil 4, 1, 1, 1548f.), das in modernen mundarten (so schlesisch und obersächsisch, vgl. die belege) auch als gokel, gogel auftreten kann, so dasz sich bei überschneidungen beider worte in form und bedeutung die herkunft einer einzelnen wortform bisweilen nicht mit sicherheit bestimmen läszt.
1) zum adj. gogel (s. d.) 'ausgelassener scherz, possen, übermut':

daz haupt daz in jugent
schinet an dem vogel,
daz tt (bedeutet) der welt gogel
den tribent junge lte
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 4350;

das zwerglin sich versan
des besten und sprach mit gogel
Hermann v. Sachsenheim Altswert 161, 28 Holland u. Keller;

keinen gogel trîben Laszbergs liedersaal 3, 86, 139; ähnlich 89, 240;

[Bd. 8, Sp. 674]


so wil iederman ein paurn berüpfen
und sein gogel an in henken fastnachtsp. 1, 349 Keller;

da vergelobet er got dem herren, wo er im sig gäb, so wölt er den gailen huerenpfaffen iren gögel, muetwillen und unkeusch vertreiben Aventinus s. w. 5, 73. unsicher, ob mit Lexer mhd. wb. 1, 1043 als kontrahierte form hierher zu stellen:

er hat mit im schimpf und gol (: wol)
Hans v. Bühel Diocletian 3606 Keller;

es ist war und ist kein gol (: wol) ebda 2892.

übertragen (< mhd. goukel?): es war nicht an ders möglich, dasz die Schwerdtner-Seffe nun schnell für alle spottlustigen ein willkommener gokel zu allerhand schabernack und übermütigen possen wurde H. Stehr der heiligenhof 1 (1918) 235.
2) als 'narr, sonderling' in den neueren mundarten häufig bezeugt, vgl. gugele Martin-Lienhart els. 1, 204; schweiz. gogel sonderbarer, komischer mensch Staub-Tobler 2, 153; gögel geck, narr, dummer mensch 154; laffe, läppischer junge Stalder 1, 463; schweiz. idiot. 1, 462; hierher wohl auch vogtländ. gōgl narr bei Gerbet 212; häufig in compositis mit besonderer bedeutungsnuance, vgl. strüszgogel 'blumenfreund, blumennarr' schweiz. idiot. 2, 153; tauben-, pferde-, hundegokel (< mhd. goukel?) Müller-Fraureuth 1, 428 f.; gōgl, gūgl 'tölpel' Tschinkel Gottschee 154; 310; 317; gogel als n. (vgl. mhd. goukel, n.) bei Follmann Lothringen 210; gôgl 'kleines schlimmes kind' Lexer kärnt. 118; vgl.gögel 'schlechter kerl' schweiz. idiot. 2, 154. zu schweiz. gȫgel, gȫggel als 'lustigmacher, possenreiszer, hanswurst' Staub-Tobler 2, 154; 178, vgl. mhd. gaukel, gaukelære; vgl. ferner ggl mimus (md. 1440) Diefenbach gl. 361c: o gut heszlebrugel seind auch gt für den gögel Joh. Nas anipap. (1567) 1, 88b randglosse. hierher wohl schon:

dein got (Machmet) gen dem meinen musz er ein gogel sein Wolfdietrich 590, 4 bei
v. d. Hagen heldenbuch 1, 236;

gaukel (in demselben zusammenhang) ebda 620, 1.
 
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gogel, f., kapuze, s. 2gugel teil 4, 1, 6, sp. 1047f.
 
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gögelfritz, m., fastnachtspiele 1, 287 Keller, s. DWB gugelfritz.
 
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gogelfuhr(e), f., s.gugelfuhr(e) teil 4, 1, 6, sp. 1049f.
 
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gogelhopf, gogelhupf, m., s. DWB gugelhupf teil 4, 1, 6, sp. 1050f.
 
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gogelich, gogelig, adj. und adv. verschiedene bildungen sind in diesem wort zusammengefallen.
ableitung vom adj. gogel (s. d.). im mhd. eng an die bedeutung des grundworts angelehnt 'fröhlich, lustig, ausgelassen':

der selbe gogelliche schal
meldet einen ziteling (var. der hs. C) bei
Wieszner Neidharts lieder xli, 3;

durch gogeliche schant (schandvolle lust)
Oswald v. Wolkenstein 113, 40 Schatz;

der tag scheint gogeleichen hel ebda 54, 13;

auch in der verkürzten form gölich neben dem adverb:

frisch, frei, fro, frölich,
ju, jutz, jölich,
gail, gol, gölich, gogeleichen ...
so ist mein herz ebda 81, 23;

daher kams, dasz die geyle, gobelige, gogelige ... Gallier gern weisze federn auff den hüten tragen Fischart Gargantua 194 ndr.
vereinzelt in nhd. mundarten. zu gogel, gögel, m.: gögelig, göglig geckenhaft bei Staub-Tobler schweiz. idiot. 2, 154. — zum verbum gogeln, gockeln 'hin und her schwanken, unsicher gehen' vgl. sp. 675: gockelich schwankend, unsicher gehend Heinzerling-Reuter Siegerländ. wb. 93; gockelig hin- und herwankend, schaukelnd, unachtsam, nachlässig rhein. wb. 2, 1294; gocklich langsam wankend, schwankend Kisch moselfränk. 93; goklich ders., Nösner wörter 50.

[Bd. 8, Sp. 675]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gogeln, vb. , flattern, sich (schwankend) hin und her bewegen, gaukelei treiben, gesticulari. zur herkunft vgl. DWB gogel, adj., und gaukeln, vb.; in fast allen mundarten verbreitet, literarisch bis ins 17. jh. bezeugt; s. auch DWB gugeln und DWB gageln.
1) flattern, hin und her schwanken, kindliche (tölpelhafte) bewegungen machen, mutwillen treiben:

man sach dâ wunder gogelen
von tieren und von vogelen
ûf manegem helme veste
Wolfram v. Eschenbach Willehalm 403, 23;

wie nun das kündt mit beiden füeszen goglet Zimmerische chronik2 3, 105 Barack;

'gebt mir doch mein eier wider!'
'ja, morgen früh leg dich nider
und gogel mit deim bein darfür!'
A. J. Widmann Peter Leu 1583, s. Weimar. jb. 6, 473;

im compositum aufgogeln:

den grosten adel und die hochsten art
hon ich vor allen vogeln,
es darff sich keiner uff der vart
hie uber mich uffgogeln
Michael Beheim bei
Schmeller-Fr. 1, 880;

vgl.: gockeln oder gesten machen gesticulari (15. jh.) bei Diefenbach gl. 261c; dagegen gehört niederrhein. gokelen (mit ô) blijde sijn, vroeliche gesten machen gesticulari gemma gemmarum (Köln 1495) j 8b wohl zu gaukeln, vgl.gaucklen oder frolich ding driben gemma gemmarum (Hagenau 1510) l 4b.
im bairischen und ostfränkischen begegnet auch gögeln (vgl.gögel, adj., bei Hans Sachs, sp. 672 f.):

des maien wint der gögelt in dem loup minneburg (um 1340) bei
Lexer 3, 215;

das weiberspienzeln, das kögeln und gögeln Selhamer (1694) bei Schmeller-Fr. 1, 880. in den heutigen mundarten reicht diese form bis in den obd. westen, vgl. gögeln 'sich wie ein laffe betragen, läppisch tun' und vergögeln 'etwas aus unachtsamkeit verlegen, verlieren oder weggeben' bei Stalder schweiz. idiot. 1, 462 (zu gögel, m., ebda); gög(e)len 'mutwillen treiben, närrisch tun, sich lustig machen', 'dumm handeln' bei Staub-Tobler schweiz. idiot. 2, 154. mit r -ableitung gögern 'herumfuchteln' Schöpf tirol. 199. daneben kennt die mundart auch ein nicht-umgelautetes gôgeln in gleicher bedeutung, s. Schöpf 167; Staub-Tobler 2, 153; auch rheinisch, s. rhein. wb. 2, 1294.
die grenze zu gaukeln, das mundartlich auch als gögeln, gö(c)keln, go(c)keln erscheint, ist naturgemäsz schwer zu ziehen, vgl. oben. zu gaukeln (gäukeln) rechnet wohl nd. gögeln, s. Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 451, ferner Jensen Wiedingharde 161, dagegen zu gogeln, gögeln mundartliches go(c)keln, gö(c)keln überall dort, wo lautgesetzlich vor l eine verhärtung des g eintritt, so im moselfränkischen und obersächsischen, s. Kisch Nösner wörter 56; Müller-Fraureuth 1, 372; hierher vielleicht auch: gocklen sich kindisch betragen Fischer schwäb. 3, 734; gockeln hin und her schwanken Heinzerling-Reuter Siegerländ. wb. 93 (dagegen gökeln 'unruhig sitzen' zu gaukeln ebda 79); gockeln hin und her wanken; schwanken, müszig gehen rhein. wb. 2, 1294; gokeln unsicher gehen, wackeln Stauf v. d. March nordmähr. maa. 45.
2) unter bedeutungsmäszigem einflusz von gaukeln 'zaubern' im sinne von 'zauberei treiben, kunststückchen machen': wann frawen oder anders ymand her în gêt und gegockelt haben, in das zu nemen mit secken und mit all (v. j. 1436) im Frankfurter bürgermeisterbuch bei Lexer 1, 1060; den lûden das guckeln verbieden (v. j. 1442) ebda; im compositum vergogeln 'verzaubern (verspotten?)': so müszt ir bekennen, dasz er (Christus) vergogelet werd, und nach lotterbübischer art verschwind wie der wind Joh. Spreter von d. alten christl. mesz (1532) bei Fischer schwäb. 2, 1151. als nomen agentis, vgl. iocularius gogler voc. alphab. (s. l. e. a.) bei Diefenbach gl. 307c; phito (fito) ein gockler oder ein tufel vocab. ex quo (15. jh.) ebda 237b; desultorius (i. e. ioculator) gockler voc. alphab. (s. l. e. a.) ebda 177a:

[Bd. 8, Sp. 676]


darumb ich si in der segi (netz) han.
schellenslaher, gogler und affer
sind mir all nit unmær des teufels netz 13336 Barack.


 
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gogeln, vb., schreien, krächzen. lautmalend wie mhd. gâgen, vgl. Walde-Pokorny 1, 526.
nur ganz vereinzelt belegt:

hilf, heiliger Thoma!
diz horte man in (einen vogel) dicke gogeln passional 61, 29K.;

do quam ir genuc zugevlogen
ouch von anderen vogelen.
ir schrien und ir gogelen
was gegen im manigerleie ebda 525, 86.

vgl. dazu mundartliches gogeln neben gockeln 'schreien, krächzen' rhein. wb. 2, 1294.
 
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gogelspiel, n., nebenform zu gaukelspiel (s. d.): yetz ist aber ain nüwes gogelspiele entstanden daz man in vil cantzlien und schriberyen pfligt ze schriben zway n, da des ainen gnug wer ... als unnser, unnd Niclas v. Wyle translationen 351 lit. ver.
 
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goger, m., der bärenkrebs (cancer squilla, d. i. squilla mantis L.) auch hoger und hegerling (wohl aus högerling) Nemnich wb. d. nat.-gesch. 2, 200; 1, 804; Oken naturgesch. 5, 633; vgl. teil 4, 2, 783 und 1705.
 
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goggeisel, n., ziegelstein von halber breite: ganze und halbe ziegel. goggeisel, preysen, taschen (v. j. 1765) bei Schmeller-Fr. 1, 885; älter in den formen guggeiszl, (v. j. 1613) guggeisl, gottgeissl (v. j. 1668) ebda. das wort ist auf das bairische beschränkt. zur herkunft vgl. die vermutungen von Schmeller a. a. o.

 

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