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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
göffelmaul bis gogelich (Bd. 8, Sp. 671 bis 674)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göffelmaul, n., ein beliebtes schimpfwort des 16. jh., s. fastnachtspiele 1, 333 Keller; bei Murner göffelsmul schelmenzunft 55 ndr., daneben bei ihm geffelsmul narrenbeschw. 11, 55 Spanier; nachtschweifer, löfler, göffelmäuler Fischart groszmutter 81 ndr.
 
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göffeln, vb., 'zum narren haben':

graf Jos ...
... will auch dein unlob meren.
noch thut ainer zukeren
Johanns, ain freie von Steffeln,
der maint dich auch zu göffeln
an schener frawen huld zimmerische chron. 1 (1881) 584 B.;

vgl. auch gäffeln, vb., teil 4, 1, 1, 1135.
 
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goffen, guffen, vb., zu goffe, f., auf die goffe schlagen, prügeln:

verminnt, verspielt ich hân daz mîn versoffen.
noch sîn wir guot gesellen drî,
ich bin im sin, daz wir ein ander goffen Kolmarer meisterliederhs. nr. 126, 50;

also (mit schlägen) sol man ein übel weib all tag newn stund goffen ... wan du sye drey stund goffst cgm. 811, f. 49 bei Schmeller-Fr. 1, 875. mundartlich heute, vielleicht aus dem rotwelschen entlehnt, in Ulm, Stetten i. L., s. Fischer schwäb. 3, 905; in der form gufle(n) für Solothurn bezeugt, s. schweiz. idiot. 2, 133. seit dem 16. jh. häufig in rotwelscher umgebung, vgl. liber vagatorum (1510) bei Kluge rotwelsch 54; 76; rotwelsch vocabularius bei Luther w. 26, 652 W., bei Moscherosch gesichte 287 Bobertag; damit solt man euch in den stronbart (wald) hinausz goffen Joh. Val. Andreä turbo (1616) 44; ich will dich bald auf den kabas (kopf) goffen ebda. auch in der form guffen, vielleicht unter einflusz von md.-nd. kuffen 'stoszen, ohrfeigen' (teil 5, 2533), doch s. auch oben guffe neben goffe; mundartlich als 'schlagen, prügeln' in der gaunersprache (dem sog. jenischen) zu Pfullendorf (1820) und anderen schwäbischen orten, vgl. Fischer schwäb. 3, 905; ferner Württemberg. vierteljahrshefte n. f. 13, 212; 16, 74; Kluge rotwelsch 485; Horn soldatensprache 118.
tirol. (und vereinzelt schwäbisch) guffen vom eierschlagen der kinder ist wohl angelehnt an gupf, guff 'abgestumpfte spitze des eies', s. Schöpf 221; Fischer schwäb. 3, 905. zu koffe 'hüfte' wird in Gottschee ein verbum auskoffen 'verrenken' gebraucht, s. Schröer wb. d. ma. von Gottschee 141.
 
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goffer, m., kampfer (kaffer, gaffer, vgl. teil 5, 149): wer aber wil, mag unter dieses wasser ein wenig goffer (das ist kampffer) thun J. B. Schupp Corinna 21 ndr. die nasallose form, die in den dt. maa. im schwäb. (gaffert Fischer 2, 38), bair. (gaffəretinktur, -geist Schmeller-Fr. 1, 874), tirol. (gaffer Schöpf 197), kärnt. (gaffer Lexer 106; kfr [ aus a] Lessiak P.-Br. beitr. 28, 152) belegt ist (vgl. auch noch Höfer 1, 258 gaffet, gaffer) und aus dem dt. ins tschech. kafr und sloven. kafra gewandert ist, findet sich in Europa noch im mlat. cafora (seit dem 9. jh.), afrz. cafour (13. jh.), aprovenz. cafera (12. jh.) sowie altital. cafúra (woraus mgriech., neugr. καφουρά) und stammt durch dessen vermittlung aus arab. kāfūr und dieses über pers. kāpūr aus mittelind. kappūra, aind. karpūra. die in Europa herrschende nasalform gilt als urspr. span. (cánfora, alcánfor seit dem 15. jh.), doch beachte Wartburg frz. et. wb. 2, 43: 'wo der ausgangspunkt der form mit nasaleinschub und akzentwechsel liegt, bleibt noch zu untersuchen'.

[Bd. 8, Sp. 672]


vgl. auszerdem Lokotsch 1100; Murray 2, 55; Meyer-Lübke 4656; Berneker 1, 468.
 
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gogel, adj., ausgelassen, lustig, übermütig; lascivus. vgl. DWB gogel, m., und gogeln, vb. ablautend mit mhd. giege(l) 'narr', ags. gēogelere 'magus, haruspex', sowie gaukeln (s. d.; über dessen ahd. bezeugung vgl. jetzt Wesche d. ahd. wortschatz im gebiete d. zaubers 28 ff.); beachte, dasz die von Walde-Pokorny 1, 566 angesetzte wurzel *gheugh 'possen treiben' sich nur auf die germ. wörter stützt. vermutlich ist die sippe, wie die zahlreichen unter gaukeln angeführten lautvarianten zeigen, urspr. lautnachahmend. im mhd. weit verbreitet, vgl. mhd. wb. 1, 540; Lexer 1, 1044:

daz volc was uf dem anger gogel
Ulrich v. Eschenbach Alexander 3414;

sî swanc sich ûf reht als ein vogel:
'ja wil ich hiure sîn vil gogel;
seht an mîne sîten junc,
diu tuot manegen geilen sprunc' bei
Wiessner Neidharts lieder s. lxxi;

es spricht auch maniger: 'ich pin gogel,
ich han gesehen Sand Marteins vogel
heute an dem morgen frue;
mir stoszet kain ungelück nicht zue
Hans Vintler blumen d. tugend 7876 Zingerle;

jubilus gogel vel frolicher voc. inc. teuth. a. lat. (15. jh.) bei Diefenbach gl. 311a;

alle gute gesellen rain seit gogel
vff rustig und auff frewden rogel refrain e. frühlingsliedes cgm. 379, f. 134 bei
Schmeller-Fr. 1, 879;

die hawer (bergleute) worn mit wortten gogel (: vogel) pfarrer v. Kalenberg 351 ndr.;

der alt schalckhafftig schlang was gugel das im sin kunst so meisterlich fürgieng Judas Nazarei vom alten u. neuen gott 20 ndr. seit dem frühnhd. auch in der form gögel, besonders im bair. und ostfränk.; mit entrundung gegel (s. u.); häufig bei Hans Sachs:

die kleinen einfelting waldvögel
die waren unerfarn und gögel
Hans Sachs 17, 453 lit. ver.;

gott lob auff erd in weitem raum
alles weidviech und thierlein gögel ders. 18, 551, 18 lit. ver.;

die spottvögel,
welche sind frech, fürwitz und jögel ders. 9, 170 lit. ver.;

erst (bevor) maid vnd frawen gögel
hetten gemolcken ire kw,
der pfarr zwlauffen wüeren ders. fab. u. schw. 5, 93 ndr.;

vgl. ferner bei ihm: frech und gögel (: vögel) w. 5, 126 lit. ver.; ebda 21, 4; sämtl. fabeln u. schwänke 2, 71 ndr.; 3, 242; frisch und gögel w. 10, 33 lit. ver.; mutig und gögel ebda 2, 179. besonders von der ausgelassenen stimmung bei esz- und zechgelagen:

die münich wurden ggel
und süffen wie die schweine
Hans Sachs fab. u. schw. 4, 360 ndr.;

die kremer waren gögel.
als nun des bratens kam,
nur zehen kramat vögel
waren, ider ein nam ders., fab. u. schw. 5, 58 ndr.

in der form gögl mundartlich heute noch im Vintschgau, s. Schöpf tirol. 199.
mit besonderer bedeutungsnuance 'lächerlich':

wer dann singet oder lacht,
man spricht: wie gogel sich der macht!
wer schweigt und züchtig ist
des spott man auch zu aller frist
Teichner in: liederbuch d. Hätzlerin 2, 12, 61.

bisweilen auch als 'stolz, hochmütig, eingebildet' (vgl. Fischer schwäb. 3, 735):

grôz koste ringe wac se,
sîn volc hôchmüetic unde gogel
Wolfram Willehalm 377, 3;

[Bd. 8, Sp. 673]


(mich wundert) das du dich dunckst noch als gogel.
du bist doch nit der blaw yszfogel:
so der wirt alt, so ist er hübsch
Hermann v. Sachsenheim d. mörin 4435 Martin;

sang diser rapp (rabe) mit seinen vöglen,
sy dauchten sich als grosz und göglen dtsche städtechron. 22, 363 (Augsburg 1478).


in religiösem zusammenhang von sündhafter diesseitsfreudigkeit: also hat er (Christus) geordnet zeitlich trüebsal, ... z zämen die unbesniten un gögeln menschen Berthold v. Chiemsee teutsche theologey 525 R.; so si nun erledigt und frei waren, kain hunger oder durst mer hetten, waren sie gögel ..., fielen si in muetwillen, namen der ungläubigen ... gotsdienst an Aventinus bair. chron. 1, 154 Lexer; der lang frid hat si (die christen) gögel gemacht und voraus die geistlichen 1, 993.
charakteristisch für die bedeutung des wortes, die besonders auf die ungehemmte, zügellose fröhlichkeit zielt, ist ihr gebrauch für freuden niederer art:

den dritten (liebhaber) hielt ich in dem hus.
der was dann mein spilvogel,
mit dem was ich also gogel,
das ich der fräden wol geruocht liederbuch d. Hätzlerin 2, 85, 48;

lieder sollen sie aintweders geistliche oder gar keins singen: welche aber frech und gegel sein wil, die hör was jener gegel poet (Ovid) sagt ... bei Schmeller-Fr. 1, 878; das der leib der sel nit zw gogel werd als ein gails ros ebda 1, 879 (cgm. 632, f. 40);

kan ... nit verborgen bleiben,
wer heimlich bulerei thut treiben ...
so komt sein bulerei an tag,
weil er ir nit abrechen mag,
gleich einem tauber, frech und gögel,
und pleibt ainer der gailen vögel
Hans Sachs 20, 301 lit. ver.;

vgl. ebda gail und gögel 22, 195;

mein schwester aber siczet in der kamer
und pewainet mit sewfzen und mit jamer,
des sie vert lachet, sie war frech und gögel,
wan sie get mit aim hueren kind ders., fab. u. schw. 5, 117 ndr.;

Oliba ist von den gemalten männern also gegel worden (frei nach Ez. 23, 14f.: insanivit super eos concupiscentia oculorum suorum) bei Schmeller-Fr. 1, 878. in gleichem sinn sind auch die glossierungen einiger älterer vokabularien zu verstehen: gogel oder geil lascivus vocab. v. 1437 (Klagenfurt) bei Lexer 1, 1043; lascivus gayl oder gögel clm. 5877 (1449) bei Schmeller-Fr. 1, 879; gail sein oder unkeuschen lascivire oder gogel sein voc. theut. (1482) k 1a; gailer, gogler scortor ebda, vgl. Diefenbach gl. 520b; gogel lascivus, luxuriosus; gogel sein luxuriare, luxuriari Aventin s. w. 1, 434; lascivirn gaillirn, gögel sein Roth dict. (1572) j 6a.
unsicher, ob hierhin: eine solche weschige magd, fraw oder jungfraw hat auch ein geneschiges maul; nicht ferne davon sind diebische hende und ein göckel und fürwitzig hertz Mathesius Syrach (1586) 3, 42b.
 
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gogel, m. , mhd. gogel, s. Lexer 1, 1043. neben gogel stand von jeher bedeutungsverwandtes goukel, gougel (vgl. Lexer 1, 1059; teil 4, 1, 1, 1548f.), das in modernen mundarten (so schlesisch und obersächsisch, vgl. die belege) auch als gokel, gogel auftreten kann, so dasz sich bei überschneidungen beider worte in form und bedeutung die herkunft einer einzelnen wortform bisweilen nicht mit sicherheit bestimmen läszt.
1) zum adj. gogel (s. d.) 'ausgelassener scherz, possen, übermut':

daz haupt daz in jugent
schinet an dem vogel,
daz tt (bedeutet) der welt gogel
den tribent junge lte
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 4350;

das zwerglin sich versan
des besten und sprach mit gogel
Hermann v. Sachsenheim Altswert 161, 28 Holland u. Keller;

keinen gogel trîben Laszbergs liedersaal 3, 86, 139; ähnlich 89, 240;

[Bd. 8, Sp. 674]


so wil iederman ein paurn berüpfen
und sein gogel an in henken fastnachtsp. 1, 349 Keller;

da vergelobet er got dem herren, wo er im sig gäb, so wölt er den gailen huerenpfaffen iren gögel, muetwillen und unkeusch vertreiben Aventinus s. w. 5, 73. unsicher, ob mit Lexer mhd. wb. 1, 1043 als kontrahierte form hierher zu stellen:

er hat mit im schimpf und gol (: wol)
Hans v. Bühel Diocletian 3606 Keller;

es ist war und ist kein gol (: wol) ebda 2892.

übertragen (< mhd. goukel?): es war nicht an ders möglich, dasz die Schwerdtner-Seffe nun schnell für alle spottlustigen ein willkommener gokel zu allerhand schabernack und übermütigen possen wurde H. Stehr der heiligenhof 1 (1918) 235.
2) als 'narr, sonderling' in den neueren mundarten häufig bezeugt, vgl. gugele Martin-Lienhart els. 1, 204; schweiz. gogel sonderbarer, komischer mensch Staub-Tobler 2, 153; gögel geck, narr, dummer mensch 154; laffe, läppischer junge Stalder 1, 463; schweiz. idiot. 1, 462; hierher wohl auch vogtländ. gōgl narr bei Gerbet 212; häufig in compositis mit besonderer bedeutungsnuance, vgl. strüszgogel 'blumenfreund, blumennarr' schweiz. idiot. 2, 153; tauben-, pferde-, hundegokel (< mhd. goukel?) Müller-Fraureuth 1, 428 f.; gōgl, gūgl 'tölpel' Tschinkel Gottschee 154; 310; 317; gogel als n. (vgl. mhd. goukel, n.) bei Follmann Lothringen 210; gôgl 'kleines schlimmes kind' Lexer kärnt. 118; vgl.gögel 'schlechter kerl' schweiz. idiot. 2, 154. zu schweiz. gȫgel, gȫggel als 'lustigmacher, possenreiszer, hanswurst' Staub-Tobler 2, 154; 178, vgl. mhd. gaukel, gaukelære; vgl. ferner ggl mimus (md. 1440) Diefenbach gl. 361c: o gut heszlebrugel seind auch gt für den gögel Joh. Nas anipap. (1567) 1, 88b randglosse. hierher wohl schon:

dein got (Machmet) gen dem meinen musz er ein gogel sein Wolfdietrich 590, 4 bei
v. d. Hagen heldenbuch 1, 236;

gaukel (in demselben zusammenhang) ebda 620, 1.
 
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gogel, f., kapuze, s. 2gugel teil 4, 1, 6, sp. 1047f.
 
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gögelfritz, m., fastnachtspiele 1, 287 Keller, s. DWB gugelfritz.
 
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gogelfuhr(e), f., s.gugelfuhr(e) teil 4, 1, 6, sp. 1049f.
 
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gogelhopf, gogelhupf, m., s. DWB gugelhupf teil 4, 1, 6, sp. 1050f.
 
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gogelich, gogelig, adj. und adv. verschiedene bildungen sind in diesem wort zusammengefallen.
ableitung vom adj. gogel (s. d.). im mhd. eng an die bedeutung des grundworts angelehnt 'fröhlich, lustig, ausgelassen':

der selbe gogelliche schal
meldet einen ziteling (var. der hs. C) bei
Wieszner Neidharts lieder xli, 3;

durch gogeliche schant (schandvolle lust)
Oswald v. Wolkenstein 113, 40 Schatz;

der tag scheint gogeleichen hel ebda 54, 13;

auch in der verkürzten form gölich neben dem adverb:

frisch, frei, fro, frölich,
ju, jutz, jölich,
gail, gol, gölich, gogeleichen ...
so ist mein herz ebda 81, 23;

daher kams, dasz die geyle, gobelige, gogelige ... Gallier gern weisze federn auff den hüten tragen Fischart Gargantua 194 ndr.
vereinzelt in nhd. mundarten. zu gogel, gögel, m.: gögelig, göglig geckenhaft bei Staub-Tobler schweiz. idiot. 2, 154. — zum verbum gogeln, gockeln 'hin und her schwanken, unsicher gehen' vgl. sp. 675: gockelich schwankend, unsicher gehend Heinzerling-Reuter Siegerländ. wb. 93; gockelig hin- und herwankend, schaukelnd, unachtsam, nachlässig rhein. wb. 2, 1294; gocklich langsam wankend, schwankend Kisch moselfränk. 93; goklich ders., Nösner wörter 50.

 

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