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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goding bis gogel (Bd. 8, Sp. 669 bis 673)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goding, göding, n., gaugericht, s. gauding teil 4, 1, 1, 1539; ferner Schiller-Lübben 2, 129 f.; goding, gogerichte urkdl. belegt aus Waldeck z. b. 1321 bei Bauer-Collitz Waldeck 146; Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 451: die städte wurden an das vierstädte-gericht gewiesen und das scheint das goding gewesen zu seyn allg. dt. bibliothek 77(1787) 183. in der form gadinge, gadinc bei Verwijs-Verdam mnl. wb. 2, 872 f.
 
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gof(e), m., f., n., bezeichnung eines kindes, meist in scherzhaftem oder tadelndem sinne, auch als ausdruck des unmutes, in Schwaben und besonders in der Schweiz sehr üblich und gelegentlich auch in mundartnahem schrifttum verwendet; vgl. Fischer schwäb. 3, 735; Staub-Tobler 2, 130: wenn ich nicht die stube voll gofen hätte, ich stände nicht lange mehr hier E. Zahn Albin Indergand (1901) 271; alle gofen hänseln und heinzeln dich schon, — hör nur! H. Federer berge u. menschen (1911) 106; was will er denn mit einem siebzehnjährigen gofen anfangen? P. Dörfler d. notwender (1934) 92.
 
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goffe, guffe, f., clunis, entspricht altniederdt. gopon terga ahd. gl. 2, 702, 39 (11. jh.); ags. gupan (pl.) clunis, renibus, coxe Wright-Wülker ags. vocab. 1, 205, 41; mndl. goepe crupa (ndl. gl. 14. jh.) Diefenbach gl. 159; (gope bei Verwijs-Verdam irrtümlich zu gupf, gupfe gestellt, vgl. mndl. woordenboek 2, 2069); dazu mit nasalierung aisl. gumpr, schwed. gump, dän. gump, vgl. Falk-Torp 1, 361. im ablaut mit goffe steht ags. gēap

[Bd. 8, Sp. 670]


gebeugt, ge krümmt'; zu einer wurzelvariante germ. *geub- gehören norw. guva 'zusammengesunken sitzen', gobb 'rücken, besonders schulterpartie', jüt. gubbe 'schulterpartie', adän. gub(b)e 'hals, kehle' Torp 191, 174; ordbog over det danske sprog 7, 287, vielleicht auch schweiz. guppel 'wölbung, buckel, gewölbter rücken, höcker' (nach v. Helten beitr. 30, 218; anders schweiz. idiot. 2, 389). zur idg. wurzel *gheub-, *gheubh- 'biegen, bücken', zu der auszerhalb des germ. u. a. lett. gùbt 'sich krümmen, sich biegen', aksl. -gnti 'biegen, falten', russ. guba 'busen', poln. prugub 'bug, gelenk, krümmung' gehören. weiteres s. bei Walde-Pokorny 1, 567.
bis auf die Gottscheer ma. (s. u.) nur ahd. und mhd. belegt, doch vgl. unten goffen (vb.). als glossierung von clunis (inflexio dorsi) hufbeni vel goffa ahd. gl. 2, 375, 10 (10. jh.) St.-S.; 370, 43 (10.-11. jh.; auch gofpha); coffa 2, 393, 51 (10.-12. jh.); goffa 3, 261, 1 (11.-14. jh.); per lumbos aftergophum 2, 636, 71 (11. jh.); ferner g[r]offen clunes 4, 213, 50 (12. jh.); goffun, goffen, gofphen 3, 73, 22 (12. u. 13. jh.); gosse (d. i. goffe) 3, 73, 64/74, 1 (12. u. 13. jh.); gofen 3, 431, 31 (12. jh.). auch im mhd. flektiert goffe (wenigstens überwiegend) schwach, vgl. das mhd. wb. 1, 552; Lexer 1, 1043; 3, 215 nachtrag. in der form guf(fe) (nach dem synonymon huf?):

Tarquines sper was cranc,
Aimonis starg und lang
und instach Tarquine den stich
und warf in alles undir sich
Aimonis orsis guf,
daz im diu bein stundin uf Athis u. Prophilias bei
Kraus mhd. üb.-buch (1918) 78b;

mit spern und mit swertin
die vil dicke besuffin (eindrangen)
den orsin in den guffin Athis u. Prophilias ebda 80b;

hinder deme satelbogen
oberhalp der goffen
wart ez (das rosz) von im dâ troffen
Konrad v. Würzburg Partonopier 19881 Bartsch.

guffe neben goffe

daz vierde (rosz) swartz alsam ein kol.
im stnden gar die guffe wol
gevar rehte alsam ein lebart
(nie deheiner orshe der varwe wart),
der hals als die goffe var
Ulrich v. Türheim Rennewart 2700, 2703 Hübner;

vgl. ferner aus dem 14. jh.:

noch im menliche truhte er zestunt,
daz er in valte uf den plon
übers rosses göffen wolgeton
Wisse u.
Colin Parz. 39, 10 Schorbach.

göffen (pl.) auch im dict. alphab. (Würzburg, anfang des 15. jh.) bei Diefenbach-Wülcker 629; huf oder goffen clunis (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 97. ferner clunis goffe voc. opt. 12 (14. jh.) und Schmeller-Fr. 2, 875 (beleg aus dem 15. jh.). mundartlich als koffe, köffe 'hüfte' heute noch in Gottschee, s. Schröer wb. d. ma. von Gottschee 141; Tschinkel Gottscheer ma. 155.
 
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göffel, f., zunft, nebenform zu gaffel, s. teil 4, 1, 1, 1135: in den stattlichen processionen ... in Braband ... da jeglich handthierung, göffel und zunft ihren sondern patron oder baal auf ein fliegenden fändlein sehr stattlich umbfüret Fischart binenkorb (1588) 202a.
 
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göffel, m., narr, geck, müsziger umherläufer, mundartlich im Elsasz, s. Martin-Lienhart 1, 198, und in der Schweiz, s. Staub-Tobler 2, 131 f., wo das wort zu gaffen gestellt wird; dazu: gäffel oder göffel, der da gaffet und nach der liebsten sieht Frisch wb. (1741) 313; ferner gaffel, f., 'mädchen, die neugierig gaffend herumläuft oder am fenster liegt' teil 4, 1, 1, 1135; doch vgl. auch bair. goff 'dummkopf', ostfries. guffel 'tor, dummkopf', mhd. gief 'tor, narr' und Walde-Pokorny 1, 567:

jetzt wer schyer usz der narrendantz,
aber das spiel wer nit all gantz,
wann nit hie weren ouch die löffel,
die gassentretter und die göffel,
die durch die nacht kein rüw went han
Seb. Brant narrenschiff 61 Z.;

[Bd. 8, Sp. 671]


dasz sich die jungen göffel und oftmalen auch die alten narren uf erbguet und gewunnes guet verlassend H. Bullinger (1527) bei Staub-Tobler a. a. o.;

du kanst lyeblichen hofleren,
bsunders die nacht vor den thüren,
da loszt dir uff der gemein böffel,
bsunders din heimlicher göffel
heimlich dir ein worzeichen gibt bei
Bächtold schweiz. schausp. 2, 214;

ich thn nit wie der ellend göffel,
ich trincken lieber wyn dann wasser
Joh. Aal trag. Johannis 4388 ndr.;

o Stöffel, lieber göffel Fischart Gargantua 165 ndr.
 
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göffelmaul, n., ein beliebtes schimpfwort des 16. jh., s. fastnachtspiele 1, 333 Keller; bei Murner göffelsmul schelmenzunft 55 ndr., daneben bei ihm geffelsmul narrenbeschw. 11, 55 Spanier; nachtschweifer, löfler, göffelmäuler Fischart groszmutter 81 ndr.
 
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göffeln, vb., 'zum narren haben':

graf Jos ...
... will auch dein unlob meren.
noch thut ainer zukeren
Johanns, ain freie von Steffeln,
der maint dich auch zu göffeln
an schener frawen huld zimmerische chron. 1 (1881) 584 B.;

vgl. auch gäffeln, vb., teil 4, 1, 1, 1135.
 
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goffen, guffen, vb., zu goffe, f., auf die goffe schlagen, prügeln:

verminnt, verspielt ich hân daz mîn versoffen.
noch sîn wir guot gesellen drî,
ich bin im sin, daz wir ein ander goffen Kolmarer meisterliederhs. nr. 126, 50;

also (mit schlägen) sol man ein übel weib all tag newn stund goffen ... wan du sye drey stund goffst cgm. 811, f. 49 bei Schmeller-Fr. 1, 875. mundartlich heute, vielleicht aus dem rotwelschen entlehnt, in Ulm, Stetten i. L., s. Fischer schwäb. 3, 905; in der form gufle(n) für Solothurn bezeugt, s. schweiz. idiot. 2, 133. seit dem 16. jh. häufig in rotwelscher umgebung, vgl. liber vagatorum (1510) bei Kluge rotwelsch 54; 76; rotwelsch vocabularius bei Luther w. 26, 652 W., bei Moscherosch gesichte 287 Bobertag; damit solt man euch in den stronbart (wald) hinausz goffen Joh. Val. Andreä turbo (1616) 44; ich will dich bald auf den kabas (kopf) goffen ebda. auch in der form guffen, vielleicht unter einflusz von md.-nd. kuffen 'stoszen, ohrfeigen' (teil 5, 2533), doch s. auch oben guffe neben goffe; mundartlich als 'schlagen, prügeln' in der gaunersprache (dem sog. jenischen) zu Pfullendorf (1820) und anderen schwäbischen orten, vgl. Fischer schwäb. 3, 905; ferner Württemberg. vierteljahrshefte n. f. 13, 212; 16, 74; Kluge rotwelsch 485; Horn soldatensprache 118.
tirol. (und vereinzelt schwäbisch) guffen vom eierschlagen der kinder ist wohl angelehnt an gupf, guff 'abgestumpfte spitze des eies', s. Schöpf 221; Fischer schwäb. 3, 905. zu koffe 'hüfte' wird in Gottschee ein verbum auskoffen 'verrenken' gebraucht, s. Schröer wb. d. ma. von Gottschee 141.
 
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goffer, m., kampfer (kaffer, gaffer, vgl. teil 5, 149): wer aber wil, mag unter dieses wasser ein wenig goffer (das ist kampffer) thun J. B. Schupp Corinna 21 ndr. die nasallose form, die in den dt. maa. im schwäb. (gaffert Fischer 2, 38), bair. (gaffəretinktur, -geist Schmeller-Fr. 1, 874), tirol. (gaffer Schöpf 197), kärnt. (gaffer Lexer 106; kfr [ aus a] Lessiak P.-Br. beitr. 28, 152) belegt ist (vgl. auch noch Höfer 1, 258 gaffet, gaffer) und aus dem dt. ins tschech. kafr und sloven. kafra gewandert ist, findet sich in Europa noch im mlat. cafora (seit dem 9. jh.), afrz. cafour (13. jh.), aprovenz. cafera (12. jh.) sowie altital. cafúra (woraus mgriech., neugr. καφουρά) und stammt durch dessen vermittlung aus arab. kāfūr und dieses über pers. kāpūr aus mittelind. kappūra, aind. karpūra. die in Europa herrschende nasalform gilt als urspr. span. (cánfora, alcánfor seit dem 15. jh.), doch beachte Wartburg frz. et. wb. 2, 43: 'wo der ausgangspunkt der form mit nasaleinschub und akzentwechsel liegt, bleibt noch zu untersuchen'.

[Bd. 8, Sp. 672]


vgl. auszerdem Lokotsch 1100; Murray 2, 55; Meyer-Lübke 4656; Berneker 1, 468.
 
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gogel, adj., ausgelassen, lustig, übermütig; lascivus. vgl. DWB gogel, m., und gogeln, vb. ablautend mit mhd. giege(l) 'narr', ags. gēogelere 'magus, haruspex', sowie gaukeln (s. d.; über dessen ahd. bezeugung vgl. jetzt Wesche d. ahd. wortschatz im gebiete d. zaubers 28 ff.); beachte, dasz die von Walde-Pokorny 1, 566 angesetzte wurzel *gheugh 'possen treiben' sich nur auf die germ. wörter stützt. vermutlich ist die sippe, wie die zahlreichen unter gaukeln angeführten lautvarianten zeigen, urspr. lautnachahmend. im mhd. weit verbreitet, vgl. mhd. wb. 1, 540; Lexer 1, 1044:

daz volc was uf dem anger gogel
Ulrich v. Eschenbach Alexander 3414;

sî swanc sich ûf reht als ein vogel:
'ja wil ich hiure sîn vil gogel;
seht an mîne sîten junc,
diu tuot manegen geilen sprunc' bei
Wiessner Neidharts lieder s. lxxi;

es spricht auch maniger: 'ich pin gogel,
ich han gesehen Sand Marteins vogel
heute an dem morgen frue;
mir stoszet kain ungelück nicht zue
Hans Vintler blumen d. tugend 7876 Zingerle;

jubilus gogel vel frolicher voc. inc. teuth. a. lat. (15. jh.) bei Diefenbach gl. 311a;

alle gute gesellen rain seit gogel
vff rustig und auff frewden rogel refrain e. frühlingsliedes cgm. 379, f. 134 bei
Schmeller-Fr. 1, 879;

die hawer (bergleute) worn mit wortten gogel (: vogel) pfarrer v. Kalenberg 351 ndr.;

der alt schalckhafftig schlang was gugel das im sin kunst so meisterlich fürgieng Judas Nazarei vom alten u. neuen gott 20 ndr. seit dem frühnhd. auch in der form gögel, besonders im bair. und ostfränk.; mit entrundung gegel (s. u.); häufig bei Hans Sachs:

die kleinen einfelting waldvögel
die waren unerfarn und gögel
Hans Sachs 17, 453 lit. ver.;

gott lob auff erd in weitem raum
alles weidviech und thierlein gögel ders. 18, 551, 18 lit. ver.;

die spottvögel,
welche sind frech, fürwitz und jögel ders. 9, 170 lit. ver.;

erst (bevor) maid vnd frawen gögel
hetten gemolcken ire kw,
der pfarr zwlauffen wüeren ders. fab. u. schw. 5, 93 ndr.;

vgl. ferner bei ihm: frech und gögel (: vögel) w. 5, 126 lit. ver.; ebda 21, 4; sämtl. fabeln u. schwänke 2, 71 ndr.; 3, 242; frisch und gögel w. 10, 33 lit. ver.; mutig und gögel ebda 2, 179. besonders von der ausgelassenen stimmung bei esz- und zechgelagen:

die münich wurden ggel
und süffen wie die schweine
Hans Sachs fab. u. schw. 4, 360 ndr.;

die kremer waren gögel.
als nun des bratens kam,
nur zehen kramat vögel
waren, ider ein nam ders., fab. u. schw. 5, 58 ndr.

in der form gögl mundartlich heute noch im Vintschgau, s. Schöpf tirol. 199.
mit besonderer bedeutungsnuance 'lächerlich':

wer dann singet oder lacht,
man spricht: wie gogel sich der macht!
wer schweigt und züchtig ist
des spott man auch zu aller frist
Teichner in: liederbuch d. Hätzlerin 2, 12, 61.

bisweilen auch als 'stolz, hochmütig, eingebildet' (vgl. Fischer schwäb. 3, 735):

grôz koste ringe wac se,
sîn volc hôchmüetic unde gogel
Wolfram Willehalm 377, 3;

[Bd. 8, Sp. 673]


(mich wundert) das du dich dunckst noch als gogel.
du bist doch nit der blaw yszfogel:
so der wirt alt, so ist er hübsch
Hermann v. Sachsenheim d. mörin 4435 Martin;

sang diser rapp (rabe) mit seinen vöglen,
sy dauchten sich als grosz und göglen dtsche städtechron. 22, 363 (Augsburg 1478).


in religiösem zusammenhang von sündhafter diesseitsfreudigkeit: also hat er (Christus) geordnet zeitlich trüebsal, ... z zämen die unbesniten un gögeln menschen Berthold v. Chiemsee teutsche theologey 525 R.; so si nun erledigt und frei waren, kain hunger oder durst mer hetten, waren sie gögel ..., fielen si in muetwillen, namen der ungläubigen ... gotsdienst an Aventinus bair. chron. 1, 154 Lexer; der lang frid hat si (die christen) gögel gemacht und voraus die geistlichen 1, 993.
charakteristisch für die bedeutung des wortes, die besonders auf die ungehemmte, zügellose fröhlichkeit zielt, ist ihr gebrauch für freuden niederer art:

den dritten (liebhaber) hielt ich in dem hus.
der was dann mein spilvogel,
mit dem was ich also gogel,
das ich der fräden wol geruocht liederbuch d. Hätzlerin 2, 85, 48;

lieder sollen sie aintweders geistliche oder gar keins singen: welche aber frech und gegel sein wil, die hör was jener gegel poet (Ovid) sagt ... bei Schmeller-Fr. 1, 878; das der leib der sel nit zw gogel werd als ein gails ros ebda 1, 879 (cgm. 632, f. 40);

kan ... nit verborgen bleiben,
wer heimlich bulerei thut treiben ...
so komt sein bulerei an tag,
weil er ir nit abrechen mag,
gleich einem tauber, frech und gögel,
und pleibt ainer der gailen vögel
Hans Sachs 20, 301 lit. ver.;

vgl. ebda gail und gögel 22, 195;

mein schwester aber siczet in der kamer
und pewainet mit sewfzen und mit jamer,
des sie vert lachet, sie war frech und gögel,
wan sie get mit aim hueren kind ders., fab. u. schw. 5, 117 ndr.;

Oliba ist von den gemalten männern also gegel worden (frei nach Ez. 23, 14f.: insanivit super eos concupiscentia oculorum suorum) bei Schmeller-Fr. 1, 878. in gleichem sinn sind auch die glossierungen einiger älterer vokabularien zu verstehen: gogel oder geil lascivus vocab. v. 1437 (Klagenfurt) bei Lexer 1, 1043; lascivus gayl oder gögel clm. 5877 (1449) bei Schmeller-Fr. 1, 879; gail sein oder unkeuschen lascivire oder gogel sein voc. theut. (1482) k 1a; gailer, gogler scortor ebda, vgl. Diefenbach gl. 520b; gogel lascivus, luxuriosus; gogel sein luxuriare, luxuriari Aventin s. w. 1, 434; lascivirn gaillirn, gögel sein Roth dict. (1572) j 6a.
unsicher, ob hierhin: eine solche weschige magd, fraw oder jungfraw hat auch ein geneschiges maul; nicht ferne davon sind diebische hende und ein göckel und fürwitzig hertz Mathesius Syrach (1586) 3, 42b.
 
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gogel, m. , mhd. gogel, s. Lexer 1, 1043. neben gogel stand von jeher bedeutungsverwandtes goukel, gougel (vgl. Lexer 1, 1059; teil 4, 1, 1, 1548f.), das in modernen mundarten (so schlesisch und obersächsisch, vgl. die belege) auch als gokel, gogel auftreten kann, so dasz sich bei überschneidungen beider worte in form und bedeutung die herkunft einer einzelnen wortform bisweilen nicht mit sicherheit bestimmen läszt.
1) zum adj. gogel (s. d.) 'ausgelassener scherz, possen, übermut':

daz haupt daz in jugent
schinet an dem vogel,
daz tt (bedeutet) der welt gogel
den tribent junge lte
Johann v. Würzburg Wilhelm v. Österreich 4350;

das zwerglin sich versan
des besten und sprach mit gogel
Hermann v. Sachsenheim Altswert 161, 28 Holland u. Keller;

keinen gogel trîben Laszbergs liedersaal 3, 86, 139; ähnlich 89, 240;

[Bd. 8, Sp. 674]


so wil iederman ein paurn berüpfen
und sein gogel an in henken fastnachtsp. 1, 349 Keller;

da vergelobet er got dem herren, wo er im sig gäb, so wölt er den gailen huerenpfaffen iren gögel, muetwillen und unkeusch vertreiben Aventinus s. w. 5, 73. unsicher, ob mit Lexer mhd. wb. 1, 1043 als kontrahierte form hierher zu stellen:

er hat mit im schimpf und gol (: wol)
Hans v. Bühel Diocletian 3606 Keller;

es ist war und ist kein gol (: wol) ebda 2892.

übertragen (< mhd. goukel?): es war nicht an ders möglich, dasz die Schwerdtner-Seffe nun schnell für alle spottlustigen ein willkommener gokel zu allerhand schabernack und übermütigen possen wurde H. Stehr der heiligenhof 1 (1918) 235.
2) als 'narr, sonderling' in den neueren mundarten häufig bezeugt, vgl. gugele Martin-Lienhart els. 1, 204; schweiz. gogel sonderbarer, komischer mensch Staub-Tobler 2, 153; gögel geck, narr, dummer mensch 154; laffe, läppischer junge Stalder 1, 463; schweiz. idiot. 1, 462; hierher wohl auch vogtländ. gōgl narr bei Gerbet 212; häufig in compositis mit besonderer bedeutungsnuance, vgl. strüszgogel 'blumenfreund, blumennarr' schweiz. idiot. 2, 153; tauben-, pferde-, hundegokel (< mhd. goukel?) Müller-Fraureuth 1, 428 f.; gōgl, gūgl 'tölpel' Tschinkel Gottschee 154; 310; 317; gogel als n. (vgl. mhd. goukel, n.) bei Follmann Lothringen 210; gôgl 'kleines schlimmes kind' Lexer kärnt. 118; vgl.gögel 'schlechter kerl' schweiz. idiot. 2, 154. zu schweiz. gȫgel, gȫggel als 'lustigmacher, possenreiszer, hanswurst' Staub-Tobler 2, 154; 178, vgl. mhd. gaukel, gaukelære; vgl. ferner ggl mimus (md. 1440) Diefenbach gl. 361c: o gut heszlebrugel seind auch gt für den gögel Joh. Nas anipap. (1567) 1, 88b randglosse. hierher wohl schon:

dein got (Machmet) gen dem meinen musz er ein gogel sein Wolfdietrich 590, 4 bei
v. d. Hagen heldenbuch 1, 236;

gaukel (in demselben zusammenhang) ebda 620, 1.

 

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