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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
goderfleisch bis goffer (Bd. 8, Sp. 669 bis 671)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) goderfleisch, n.: der baader schneidete ihr unter dem kinn den schaden auf und nahm das darinnen verfaulte goderfleisch ... heraus bei Unger-Khull 298a. —
 
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goderlein, goderl, n., deminutiv zu goder 'kinn', vgl. epiglotum goderlein vorn am halsz voc. theut. (Nürnberg 1482) l 5a; mundartlich bei Schranka Wiener dialekt 61; Lexer kärnt. wb. 118:

du pist mit raiffen gezieret vein,
und tust mir sanft am göderlein trinklied von 1495 bei
Schmeller-Fr. 1, 873;

auch solle man das göderlein oder gurgelknöpflein eintweders mit trolltraubensafte oder eishöpfel oder schleiszigem alaune bestreuen Joh. Khüffner acht bücher d. Aurelii Corn. Celsi (1531) 105a; in mundartnahem schrifttum häufig in bestimmter verbindung: geh, kratz mers goderl K. J. Weber Deutschland (1827) 2, 215;

sie kann so geschami mit den augen himlatzen
und thut mir das goderl so hamli schon kratzen
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 451;

geh du also lieber gleich morgen hin, kratz ihm a wenig s goderl, spiel d schmeichelkatz, kannsts ja so gut Anzengruber ges. w. 3 (1890)349; vielleicht soll man (dem stier) gar das goderl kratzen! spottete einer Rosegger schr. III 8, 87.
 
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goding, göding, n., gaugericht, s. gauding teil 4, 1, 1, 1539; ferner Schiller-Lübben 2, 129 f.; goding, gogerichte urkdl. belegt aus Waldeck z. b. 1321 bei Bauer-Collitz Waldeck 146; Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 451: die städte wurden an das vierstädte-gericht gewiesen und das scheint das goding gewesen zu seyn allg. dt. bibliothek 77(1787) 183. in der form gadinge, gadinc bei Verwijs-Verdam mnl. wb. 2, 872 f.
 
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gof(e), m., f., n., bezeichnung eines kindes, meist in scherzhaftem oder tadelndem sinne, auch als ausdruck des unmutes, in Schwaben und besonders in der Schweiz sehr üblich und gelegentlich auch in mundartnahem schrifttum verwendet; vgl. Fischer schwäb. 3, 735; Staub-Tobler 2, 130: wenn ich nicht die stube voll gofen hätte, ich stände nicht lange mehr hier E. Zahn Albin Indergand (1901) 271; alle gofen hänseln und heinzeln dich schon, — hör nur! H. Federer berge u. menschen (1911) 106; was will er denn mit einem siebzehnjährigen gofen anfangen? P. Dörfler d. notwender (1934) 92.
 
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goffe, guffe, f., clunis, entspricht altniederdt. gopon terga ahd. gl. 2, 702, 39 (11. jh.); ags. gupan (pl.) clunis, renibus, coxe Wright-Wülker ags. vocab. 1, 205, 41; mndl. goepe crupa (ndl. gl. 14. jh.) Diefenbach gl. 159; (gope bei Verwijs-Verdam irrtümlich zu gupf, gupfe gestellt, vgl. mndl. woordenboek 2, 2069); dazu mit nasalierung aisl. gumpr, schwed. gump, dän. gump, vgl. Falk-Torp 1, 361. im ablaut mit goffe steht ags. gēap

[Bd. 8, Sp. 670]


gebeugt, ge krümmt'; zu einer wurzelvariante germ. *geub- gehören norw. guva 'zusammengesunken sitzen', gobb 'rücken, besonders schulterpartie', jüt. gubbe 'schulterpartie', adän. gub(b)e 'hals, kehle' Torp 191, 174; ordbog over det danske sprog 7, 287, vielleicht auch schweiz. guppel 'wölbung, buckel, gewölbter rücken, höcker' (nach v. Helten beitr. 30, 218; anders schweiz. idiot. 2, 389). zur idg. wurzel *gheub-, *gheubh- 'biegen, bücken', zu der auszerhalb des germ. u. a. lett. gùbt 'sich krümmen, sich biegen', aksl. -gnti 'biegen, falten', russ. guba 'busen', poln. prugub 'bug, gelenk, krümmung' gehören. weiteres s. bei Walde-Pokorny 1, 567.
bis auf die Gottscheer ma. (s. u.) nur ahd. und mhd. belegt, doch vgl. unten goffen (vb.). als glossierung von clunis (inflexio dorsi) hufbeni vel goffa ahd. gl. 2, 375, 10 (10. jh.) St.-S.; 370, 43 (10.-11. jh.; auch gofpha); coffa 2, 393, 51 (10.-12. jh.); goffa 3, 261, 1 (11.-14. jh.); per lumbos aftergophum 2, 636, 71 (11. jh.); ferner g[r]offen clunes 4, 213, 50 (12. jh.); goffun, goffen, gofphen 3, 73, 22 (12. u. 13. jh.); gosse (d. i. goffe) 3, 73, 64/74, 1 (12. u. 13. jh.); gofen 3, 431, 31 (12. jh.). auch im mhd. flektiert goffe (wenigstens überwiegend) schwach, vgl. das mhd. wb. 1, 552; Lexer 1, 1043; 3, 215 nachtrag. in der form guf(fe) (nach dem synonymon huf?):

Tarquines sper was cranc,
Aimonis starg und lang
und instach Tarquine den stich
und warf in alles undir sich
Aimonis orsis guf,
daz im diu bein stundin uf Athis u. Prophilias bei
Kraus mhd. üb.-buch (1918) 78b;

mit spern und mit swertin
die vil dicke besuffin (eindrangen)
den orsin in den guffin Athis u. Prophilias ebda 80b;

hinder deme satelbogen
oberhalp der goffen
wart ez (das rosz) von im dâ troffen
Konrad v. Würzburg Partonopier 19881 Bartsch.

guffe neben goffe

daz vierde (rosz) swartz alsam ein kol.
im stnden gar die guffe wol
gevar rehte alsam ein lebart
(nie deheiner orshe der varwe wart),
der hals als die goffe var
Ulrich v. Türheim Rennewart 2700, 2703 Hübner;

vgl. ferner aus dem 14. jh.:

noch im menliche truhte er zestunt,
daz er in valte uf den plon
übers rosses göffen wolgeton
Wisse u.
Colin Parz. 39, 10 Schorbach.

göffen (pl.) auch im dict. alphab. (Würzburg, anfang des 15. jh.) bei Diefenbach-Wülcker 629; huf oder goffen clunis (15. jh.) Diefenbach nov. gl. 97. ferner clunis goffe voc. opt. 12 (14. jh.) und Schmeller-Fr. 2, 875 (beleg aus dem 15. jh.). mundartlich als koffe, köffe 'hüfte' heute noch in Gottschee, s. Schröer wb. d. ma. von Gottschee 141; Tschinkel Gottscheer ma. 155.
 
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göffel, f., zunft, nebenform zu gaffel, s. teil 4, 1, 1, 1135: in den stattlichen processionen ... in Braband ... da jeglich handthierung, göffel und zunft ihren sondern patron oder baal auf ein fliegenden fändlein sehr stattlich umbfüret Fischart binenkorb (1588) 202a.
 
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göffel, m., narr, geck, müsziger umherläufer, mundartlich im Elsasz, s. Martin-Lienhart 1, 198, und in der Schweiz, s. Staub-Tobler 2, 131 f., wo das wort zu gaffen gestellt wird; dazu: gäffel oder göffel, der da gaffet und nach der liebsten sieht Frisch wb. (1741) 313; ferner gaffel, f., 'mädchen, die neugierig gaffend herumläuft oder am fenster liegt' teil 4, 1, 1, 1135; doch vgl. auch bair. goff 'dummkopf', ostfries. guffel 'tor, dummkopf', mhd. gief 'tor, narr' und Walde-Pokorny 1, 567:

jetzt wer schyer usz der narrendantz,
aber das spiel wer nit all gantz,
wann nit hie weren ouch die löffel,
die gassentretter und die göffel,
die durch die nacht kein rüw went han
Seb. Brant narrenschiff 61 Z.;

[Bd. 8, Sp. 671]


dasz sich die jungen göffel und oftmalen auch die alten narren uf erbguet und gewunnes guet verlassend H. Bullinger (1527) bei Staub-Tobler a. a. o.;

du kanst lyeblichen hofleren,
bsunders die nacht vor den thüren,
da loszt dir uff der gemein böffel,
bsunders din heimlicher göffel
heimlich dir ein worzeichen gibt bei
Bächtold schweiz. schausp. 2, 214;

ich thn nit wie der ellend göffel,
ich trincken lieber wyn dann wasser
Joh. Aal trag. Johannis 4388 ndr.;

o Stöffel, lieber göffel Fischart Gargantua 165 ndr.
 
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göffelmaul, n., ein beliebtes schimpfwort des 16. jh., s. fastnachtspiele 1, 333 Keller; bei Murner göffelsmul schelmenzunft 55 ndr., daneben bei ihm geffelsmul narrenbeschw. 11, 55 Spanier; nachtschweifer, löfler, göffelmäuler Fischart groszmutter 81 ndr.
 
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göffeln, vb., 'zum narren haben':

graf Jos ...
... will auch dein unlob meren.
noch thut ainer zukeren
Johanns, ain freie von Steffeln,
der maint dich auch zu göffeln
an schener frawen huld zimmerische chron. 1 (1881) 584 B.;

vgl. auch gäffeln, vb., teil 4, 1, 1, 1135.
 
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goffen, guffen, vb., zu goffe, f., auf die goffe schlagen, prügeln:

verminnt, verspielt ich hân daz mîn versoffen.
noch sîn wir guot gesellen drî,
ich bin im sin, daz wir ein ander goffen Kolmarer meisterliederhs. nr. 126, 50;

also (mit schlägen) sol man ein übel weib all tag newn stund goffen ... wan du sye drey stund goffst cgm. 811, f. 49 bei Schmeller-Fr. 1, 875. mundartlich heute, vielleicht aus dem rotwelschen entlehnt, in Ulm, Stetten i. L., s. Fischer schwäb. 3, 905; in der form gufle(n) für Solothurn bezeugt, s. schweiz. idiot. 2, 133. seit dem 16. jh. häufig in rotwelscher umgebung, vgl. liber vagatorum (1510) bei Kluge rotwelsch 54; 76; rotwelsch vocabularius bei Luther w. 26, 652 W., bei Moscherosch gesichte 287 Bobertag; damit solt man euch in den stronbart (wald) hinausz goffen Joh. Val. Andreä turbo (1616) 44; ich will dich bald auf den kabas (kopf) goffen ebda. auch in der form guffen, vielleicht unter einflusz von md.-nd. kuffen 'stoszen, ohrfeigen' (teil 5, 2533), doch s. auch oben guffe neben goffe; mundartlich als 'schlagen, prügeln' in der gaunersprache (dem sog. jenischen) zu Pfullendorf (1820) und anderen schwäbischen orten, vgl. Fischer schwäb. 3, 905; ferner Württemberg. vierteljahrshefte n. f. 13, 212; 16, 74; Kluge rotwelsch 485; Horn soldatensprache 118.
tirol. (und vereinzelt schwäbisch) guffen vom eierschlagen der kinder ist wohl angelehnt an gupf, guff 'abgestumpfte spitze des eies', s. Schöpf 221; Fischer schwäb. 3, 905. zu koffe 'hüfte' wird in Gottschee ein verbum auskoffen 'verrenken' gebraucht, s. Schröer wb. d. ma. von Gottschee 141.
 
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goffer, m., kampfer (kaffer, gaffer, vgl. teil 5, 149): wer aber wil, mag unter dieses wasser ein wenig goffer (das ist kampffer) thun J. B. Schupp Corinna 21 ndr. die nasallose form, die in den dt. maa. im schwäb. (gaffert Fischer 2, 38), bair. (gaffəretinktur, -geist Schmeller-Fr. 1, 874), tirol. (gaffer Schöpf 197), kärnt. (gaffer Lexer 106; kfr [ aus a] Lessiak P.-Br. beitr. 28, 152) belegt ist (vgl. auch noch Höfer 1, 258 gaffet, gaffer) und aus dem dt. ins tschech. kafr und sloven. kafra gewandert ist, findet sich in Europa noch im mlat. cafora (seit dem 9. jh.), afrz. cafour (13. jh.), aprovenz. cafera (12. jh.) sowie altital. cafúra (woraus mgriech., neugr. καφουρά) und stammt durch dessen vermittlung aus arab. kāfūr und dieses über pers. kāpūr aus mittelind. kappūra, aind. karpūra. die in Europa herrschende nasalform gilt als urspr. span. (cánfora, alcánfor seit dem 15. jh.), doch beachte Wartburg frz. et. wb. 2, 43: 'wo der ausgangspunkt der form mit nasaleinschub und akzentwechsel liegt, bleibt noch zu untersuchen'.

[Bd. 8, Sp. 672]


vgl. auszerdem Lokotsch 1100; Murray 2, 55; Meyer-Lübke 4656; Berneker 1, 468.

 

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