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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
göcklerei bis goding (Bd. 8, Sp. 667 bis 669)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göcklerei, f., s. göckelei.

[Bd. 8, Sp. 668]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göcklisch, adj., närrisch, töricht; zu gaukeln, s. gäukelisch teil 4, 1, 1, 1551: da ist göcklisch volck, daz mit narrenwerck umbgat Geiler v. Keisersberg emeis (1516) 35b.
 
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göcksen, vb., intensivum zu göcken 'sich erbrechen, ausspeien'; göksen vomitare; göksung vomitio; gökser vomitor Stieler stammbaum (1691) 794; göcksen, kökzen vomere Kramer dict. 1 (1700) 545c; aus den heutigen mundarten vgl. göksen 'schleim auswerfen, aushusten, hustend auswerfen' rhein. wb. 2, 1294: gelehrthässige weltlinge (haben) davor gehalten und herausgegöhkset: es gehöre in diese vornehme gesellschaft (die fruchtbringende) kein gelehrter ... sondern sie were blosz und allein vor ... adeliche cavalliere gestiftet Neumark teutscher palmbaum (1668) 173.
 
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gode, göde, m., f., pate, s. got(t)e, m., f.
 
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gödeleisen, n., gleichbedeutend mit wascheisen (s. d.): gewaschen eisen oder wascheisen oder auch gödeleisen, wiewohl dieses letzte wort auch von einer sorte des gezeichneten eisens gebrauchet wird Noel Chomel (1750) 3, 839.
 
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gödeln, vb., scherzen, schäkern, mundartliche (schlesische) nebenform zu geudeln, s. DWB geuden teil 4, 1, 3, 4622; Jungandreas schles. zeitwortbildung 42; geuden, geideln schäkern, scherzen Weinhold schles. wb. 27:

o gott, wie fern sind unsre herzn,
es ist mut uns nur gödeln, scherzn
M. Liebig bei
Drechsler Wencel Scherffer 120;

a faullenzt trutz am grusza harrn
und gödelt mit a menschen garn
S. G. Bürde poetische schr. 1 (1803) 246;

se godelt mit eem rüm K. Rother schles. sprichw. u. redensarten 360.
 
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godenstag, m., mittwoch, s. DWB gunstag teil 4, 1, 6, 1126 und Wodenstag.
 
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goder, m. , doppelkinn, wamme; kehlkopf, gurgel, schlund; obd. (bair.-österr.) nebenform zu koder, s. teil 5, 1569; Schmeller-Fr. 1, 1226; goder, gurgel jugulum, fauces, gurgulio Henisch (1616) 1673, 14; goder, gurgel Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 145; mundartlich auch als gauder, so bei Hintner der Defregger dialekt 66; Lexer kärnt. wb. 118. in dieser form vereinzelt auch für die östl. Schweiz (Graubünden-Chur, Prättigau) bezeugt, vgl. Staub-Tobler 2, 122. zur wurzelform *gt-, dentalerweiterung der grundwurzel *geu- 'biegen, krümmen, wölben'; verwandt sind u. a. ags. codd 'sack, hülse, scrotum', engl. cod dasselbe und 'kissen', an. koddi 'kissen', norw. kodd 'hode', kodde 'kissen', aschw. kodde 'hode', schwed. kudde 'kissen', dän. kodde 'hode', ahd. kiot 'bursa' (ahd. gl. 1, 712, 8; doch nach Steinmeyer verderbnis von kiulla), keutel 'fischsack, herabhängende wamme oder unterkinn' teil 5, 655; auszergerm. lat. guttur 'gurgel, kehle'; weiteres s. bei Walde-Pokorny 1, 560 und Walde-Hofmann lat.-etym. wb. 1, 629. der anlaut ist also sicher germ. k; obd. g ist unerklärt, es tritt für k sonst in lehnwörtern oder unter analogem einflusz von wörtern mit g (wie schweiz. gitzi 'kitze' nach geisz) auf, s. Sütterlin nhd. gr. 226 f.
1) unterkinn, doppelkinn; 'fettwulst zwischen kinn und hals' Jakob Wien 71. mundartlich noch bei Hügel Wiener dial. 69; Schöpf tirol. 198; Höfer etym. wb. von Oberdeutschland 1, 304; Schmeller-Fr. 1, 873 (mit belegen aus mundartnahem schrifttum); Lexer kärnt. wb. 117. von der faltig herabhängenden haut am halse des rindviehs, vgl. Schmeller-Fr. 1, 873 (nach einem handschr. vokabular von 1832); Unger-Khull steir. wortschatz 298.
vereinzelt von dem hautsack der wasservögel: die meergansz, so ein groszer vogel, wie sunst ein gansz, der hat under dem schnabel ein groszen goder herab hangen J. B. Fickler v. Weil Olai magni historien (1567) 46a. wohl zugleich die bedeutung 2 umfassend: (die im flusz stehenden wasservögel) teten die goder auf und lieszen die offen sten, das in nichts chund entgen (von fischen) bei Schmeller-Fr. 1, 873.

[Bd. 8, Sp. 669]



2) kehle, gurgel, schlund, vgl. Schmeller-Fr. 1, 873; Schöpf tirol. idiot. 199:

der zwelft von sauffen wirt so vol,
das er es oben greiffet in des goders hol
und geit den zol dem wirt an alles aischen
Oswald v. Wolkenstein 122, 44 Schatz;

hett ich nun jetz ein trünckly win,
dasz ich den goder möchti spülen bei
Bächtold schweiz. schausp. 1, 209;

feste verbindung ist den goder waschen:

das sey ... so nym hin dy flaschen,
ja, ich muesz noch pas mein goder waschen bei
Wackernell altdtsche passionssp. 480;

lasz mir auch etwas in der flaschen,
das ich den meinen goder hab zu waschen bei
Pichler drama d. mittelalters in Tirol (1850) 166;

Hans Sachs liebt diese wendung:

so wol sie ziehen mag im maul
aus der stützen, kandel und flaschen,
darmit iren goder zu waschen sämtl. fabeln u. schwänke 4, 269 ndr.;

wo sie kumbt uber die weinflaschen,
thut sie den alten geder waschen s. w. 5, 263 lit. ver.;

vgl. ferner 5, 274; 17, 280; 21, 105; 21, 189. —
 
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goderfleisch, n.: der baader schneidete ihr unter dem kinn den schaden auf und nahm das darinnen verfaulte goderfleisch ... heraus bei Unger-Khull 298a. —
 
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goderlein, goderl, n., deminutiv zu goder 'kinn', vgl. epiglotum goderlein vorn am halsz voc. theut. (Nürnberg 1482) l 5a; mundartlich bei Schranka Wiener dialekt 61; Lexer kärnt. wb. 118:

du pist mit raiffen gezieret vein,
und tust mir sanft am göderlein trinklied von 1495 bei
Schmeller-Fr. 1, 873;

auch solle man das göderlein oder gurgelknöpflein eintweders mit trolltraubensafte oder eishöpfel oder schleiszigem alaune bestreuen Joh. Khüffner acht bücher d. Aurelii Corn. Celsi (1531) 105a; in mundartnahem schrifttum häufig in bestimmter verbindung: geh, kratz mers goderl K. J. Weber Deutschland (1827) 2, 215;

sie kann so geschami mit den augen himlatzen
und thut mir das goderl so hamli schon kratzen
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 7, 451;

geh du also lieber gleich morgen hin, kratz ihm a wenig s goderl, spiel d schmeichelkatz, kannsts ja so gut Anzengruber ges. w. 3 (1890)349; vielleicht soll man (dem stier) gar das goderl kratzen! spottete einer Rosegger schr. III 8, 87.
 
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goding, göding, n., gaugericht, s. gauding teil 4, 1, 1, 1539; ferner Schiller-Lübben 2, 129 f.; goding, gogerichte urkdl. belegt aus Waldeck z. b. 1321 bei Bauer-Collitz Waldeck 146; Mensing schlesw.-holst. wb. 2, 451: die städte wurden an das vierstädte-gericht gewiesen und das scheint das goding gewesen zu seyn allg. dt. bibliothek 77(1787) 183. in der form gadinge, gadinc bei Verwijs-Verdam mnl. wb. 2, 872 f.

 

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