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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
göckern bis goder (Bd. 8, Sp. 667 bis 668)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göckern, vb., gackern; vgl. galli gallinacei vociferant die hähne gockern Kirsch cornucop. (1718) 1138:

dessgleich störch, atzeln, guckler, han ...
... wann sies vernomn,
so schweigens nicht, göckern ganz rischen
oder thun sonst schreyen und zischen
Eyering proverbiorum copia 1 (1601) 4;

es ... wird mit denselbigen ein gut refier bestellet und erwartet, bisz etwas göckert oder flattert Aitinger jagd- u. weidbüchlein (1681) 18.
 
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göckern, vb., juckern, vgl. DWB jucken 1, teil 4, 2, 2347: mein reitknecht muste die pferde satteln, da ich denn 10 bis 12 tage mit ihm herum göckerte, um der (frau) von P. reiseweg ... zu erfahren irrgarten d. liebe (1738) 569.
 
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gockler, gockeler, göck(e)ler, m.
1) weiterbildung von gockel 'hahn', s. oben sp. 660 und zeitschr. f. dtsche wortforsch. 1, 64: capitel und fragen ..., von welchen auch der göckeler viel grosz geschrei gemacht J. H. Heerbrand evangel. wetterhahn (1588) 240; dasz für uns erschienen der tapfere manhaffte herr Göckler der hahn eselkönig (o. j.) 234; im neunten lebensjahr legt der gockeler ein krummes ei in die miste, aus welchem eine schlange hervorkriecht Birlinger volkstümliches aus Schwaben 1, 122; vgl. ebda 194; 336; zur mundartlichen verbreitung von gockler im schwäbischen sieh Fischer 3, 729 ff.; 6, 2053, wo auch zahlreiche übertragungen verzeichnet sind, z. b. als münzname gockeler 'soviel wie 15 kreitzerer (in Ulm 1665 abgeschafft)' ebda 3, 732. als guckler bei Martin-Lienhart 1, 206; güggeler Staub-Tobler 2, 195.
2) mundartliche nebenform für gaukler (s. d.); vgl. DWB göckel der gaukler Schmid schwäb. wb. 215: das ich sie fur meine stocknarren und göckler habe Luther w. 23, 28 W.;

wie mit meister Hemmerlein thut
ein göckler in der göckelbud
der ihn itzt auff, itzt nidder lest
M. Agricola musica instrumentalis deudsch 145 Eitner.


3) unsicher ob hierher oder zu kuckuck II 2 c in der bedeutung 'hahnrei, betrogener ehemann': es ist besser, o brder, man haisz dich ein schmürtzler (geizhals) dan ein guckgler, es ist weger, ein schmürtzler sein yn seinem husz, dan brten fremde eyer usz Joh. Pauli Keisersbergs narrenschiff (1520) 78a.
 
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göcklerei, f., s. göckelei.

[Bd. 8, Sp. 668]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) göcklisch, adj., närrisch, töricht; zu gaukeln, s. gäukelisch teil 4, 1, 1, 1551: da ist göcklisch volck, daz mit narrenwerck umbgat Geiler v. Keisersberg emeis (1516) 35b.
 
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göcksen, vb., intensivum zu göcken 'sich erbrechen, ausspeien'; göksen vomitare; göksung vomitio; gökser vomitor Stieler stammbaum (1691) 794; göcksen, kökzen vomere Kramer dict. 1 (1700) 545c; aus den heutigen mundarten vgl. göksen 'schleim auswerfen, aushusten, hustend auswerfen' rhein. wb. 2, 1294: gelehrthässige weltlinge (haben) davor gehalten und herausgegöhkset: es gehöre in diese vornehme gesellschaft (die fruchtbringende) kein gelehrter ... sondern sie were blosz und allein vor ... adeliche cavalliere gestiftet Neumark teutscher palmbaum (1668) 173.
 
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gode, göde, m., f., pate, s. got(t)e, m., f.
 
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gödeleisen, n., gleichbedeutend mit wascheisen (s. d.): gewaschen eisen oder wascheisen oder auch gödeleisen, wiewohl dieses letzte wort auch von einer sorte des gezeichneten eisens gebrauchet wird Noel Chomel (1750) 3, 839.
 
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gödeln, vb., scherzen, schäkern, mundartliche (schlesische) nebenform zu geudeln, s. DWB geuden teil 4, 1, 3, 4622; Jungandreas schles. zeitwortbildung 42; geuden, geideln schäkern, scherzen Weinhold schles. wb. 27:

o gott, wie fern sind unsre herzn,
es ist mut uns nur gödeln, scherzn
M. Liebig bei
Drechsler Wencel Scherffer 120;

a faullenzt trutz am grusza harrn
und gödelt mit a menschen garn
S. G. Bürde poetische schr. 1 (1803) 246;

se godelt mit eem rüm K. Rother schles. sprichw. u. redensarten 360.
 
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godenstag, m., mittwoch, s. DWB gunstag teil 4, 1, 6, 1126 und Wodenstag.
 
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goder, m. , doppelkinn, wamme; kehlkopf, gurgel, schlund; obd. (bair.-österr.) nebenform zu koder, s. teil 5, 1569; Schmeller-Fr. 1, 1226; goder, gurgel jugulum, fauces, gurgulio Henisch (1616) 1673, 14; goder, gurgel Harsdörffer poet. trichter (1647) 2, 145; mundartlich auch als gauder, so bei Hintner der Defregger dialekt 66; Lexer kärnt. wb. 118. in dieser form vereinzelt auch für die östl. Schweiz (Graubünden-Chur, Prättigau) bezeugt, vgl. Staub-Tobler 2, 122. zur wurzelform *gt-, dentalerweiterung der grundwurzel *geu- 'biegen, krümmen, wölben'; verwandt sind u. a. ags. codd 'sack, hülse, scrotum', engl. cod dasselbe und 'kissen', an. koddi 'kissen', norw. kodd 'hode', kodde 'kissen', aschw. kodde 'hode', schwed. kudde 'kissen', dän. kodde 'hode', ahd. kiot 'bursa' (ahd. gl. 1, 712, 8; doch nach Steinmeyer verderbnis von kiulla), keutel 'fischsack, herabhängende wamme oder unterkinn' teil 5, 655; auszergerm. lat. guttur 'gurgel, kehle'; weiteres s. bei Walde-Pokorny 1, 560 und Walde-Hofmann lat.-etym. wb. 1, 629. der anlaut ist also sicher germ. k; obd. g ist unerklärt, es tritt für k sonst in lehnwörtern oder unter analogem einflusz von wörtern mit g (wie schweiz. gitzi 'kitze' nach geisz) auf, s. Sütterlin nhd. gr. 226 f.
1) unterkinn, doppelkinn; 'fettwulst zwischen kinn und hals' Jakob Wien 71. mundartlich noch bei Hügel Wiener dial. 69; Schöpf tirol. 198; Höfer etym. wb. von Oberdeutschland 1, 304; Schmeller-Fr. 1, 873 (mit belegen aus mundartnahem schrifttum); Lexer kärnt. wb. 117. von der faltig herabhängenden haut am halse des rindviehs, vgl. Schmeller-Fr. 1, 873 (nach einem handschr. vokabular von 1832); Unger-Khull steir. wortschatz 298.
vereinzelt von dem hautsack der wasservögel: die meergansz, so ein groszer vogel, wie sunst ein gansz, der hat under dem schnabel ein groszen goder herab hangen J. B. Fickler v. Weil Olai magni historien (1567) 46a. wohl zugleich die bedeutung 2 umfassend: (die im flusz stehenden wasservögel) teten die goder auf und lieszen die offen sten, das in nichts chund entgen (von fischen) bei Schmeller-Fr. 1, 873.

[Bd. 8, Sp. 669]



2) kehle, gurgel, schlund, vgl. Schmeller-Fr. 1, 873; Schöpf tirol. idiot. 199:

der zwelft von sauffen wirt so vol,
das er es oben greiffet in des goders hol
und geit den zol dem wirt an alles aischen
Oswald v. Wolkenstein 122, 44 Schatz;

hett ich nun jetz ein trünckly win,
dasz ich den goder möchti spülen bei
Bächtold schweiz. schausp. 1, 209;

feste verbindung ist den goder waschen:

das sey ... so nym hin dy flaschen,
ja, ich muesz noch pas mein goder waschen bei
Wackernell altdtsche passionssp. 480;

lasz mir auch etwas in der flaschen,
das ich den meinen goder hab zu waschen bei
Pichler drama d. mittelalters in Tirol (1850) 166;

Hans Sachs liebt diese wendung:

so wol sie ziehen mag im maul
aus der stützen, kandel und flaschen,
darmit iren goder zu waschen sämtl. fabeln u. schwänke 4, 269 ndr.;

wo sie kumbt uber die weinflaschen,
thut sie den alten geder waschen s. w. 5, 263 lit. ver.;

vgl. ferner 5, 274; 17, 280; 21, 105; 21, 189. —

 

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