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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
glückhaft bis gluckhennentaler (Bd. 8, Sp. 298 bis 305)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) glückhaft, adj. (adv.), 'beatus, felix, fortunatus, faustus, secundus, auspicatus' Henisch (1616) 1655; spätmhd. gelückhaft; vgl.gelückhaftec und mnd. (ge)luckhaftich. in den gleichen bedeutungen wie glücklich gebraucht, doch unter starker bevorzugung von dessen bedeutungen 1, 3 und 7; an geläufigkeit seit beginn des 16. jh. beträchtlich hinter glücklich zurückstehend, im 18. und 19. jh. auszer bei den Schweizern nur noch wenig gebräuchlich, am ehesten in festen verbindungen wie glückhaftes unternehmen, glückhafte tage und landschaftlich, besonders alemannisch, in segenswünschen; in der dichtung nach dem weltkriege wieder etwas stärker in aufnahme gekommen; mundartlich heute besonders in der Schweiz, aber auch im sonstigen alemannischen (elsäss., schwäb.).
1) wie glücklich 1 auf das gelingen, den guten ausgang einer handlung bezogen, 'erfolgreich'; wohl schon früh mit

[Bd. 8, Sp. 299]


bevorzugter anwendung auf den, der gewöhnlich glück, erfolg hat; Heynatz antibarbarus (1796) 2, 67 läszt dies allein als richtig gelten, was im ganzen auch heutigem sprachgebrauch entspricht. von personen:

mich helfen nit all meine list,
dann er mir zu gelückhaft ist Teuerdank s. 42 G.;

etwas klüger, doch nicht glückhaffter Fischart geschichtklitt. 272 ndr.; (er) war nit in allem fürnemen glückhaft Stumpf Schweizerchron. (1606) 242a; eine glückhafte erzieherin der jugend Opitz opera (1646) 1, 122; die keckheit macht glückhafte menschen Lehman floril. polit. (1662) 2, 46b; der glückhaften Wiener staatskunst Treitschke dt. gesch. (1879) 3, 254; der glückhafte spekulant H. Grimm volk ohne raum (1926) 1, 442. von sachlichem: nach so vielen glückhaften heirathen (des hauses Habsburg) Treitschke dt. gesch. (1879) 5, 691.
in besonderer anwendung (nicht wie glücklich 1 b γ δ von geistigen anlagen und künstlerischen bzw. wissenschaftlichen leistungen). von spiel, jagd, kampf. von personen: allenthalben hett diser glückhafft fürst sig S. Franck chron. Germ. (1538) 235b; ein sonderer glückhaffter weydmann Sebiz feldbau (1579) 643; (Pescara) ein gewaltiger und glückhafter kriegsmann Schickfus chron. v. Schlesien (1625) 199; Demetrius glückhaft und sieghaft schr. d. Goetheges. 9, 88; er war so glückhaft, dasz er selten in der lotterie verlor Heynatz antibarb. (1796) 2, 67. von sachlichem: seinen glückhaften sig Fischart binenkorb (1588) 139a; das glückhafte schwert Opitz opera (1646) 1, 229; den sieg- und glückhafften ausgang seiner (Davids) sachen J. D. Frisch harpfe Davids (1719) 86; die glückhaften waffen H. Zschokke ausgew. schr. (1824) 7, 39; im verlauf jener groszen und glückhaften kriegerischen unternehmungen Nitsch dt. studien (1879) 210; die ... triumphe seiner glückhaften fahnen Treitschke dt. gesch. (1879) 1, 226. — von einer reise u. dgl.; die bedeutung geht hier über zu der von glücklich 4 'wohlbehalten, ohne schaden zu nehmen', die aber eindeutig für glückhaft nur schwach zu belegen ist: hastu meinen weg glückhaft gemacht Züricher bibel (1531) gen. 24, 42; ym seine weg alle zeit glukhaft seint Schede Melissus psalmen 39 ndr.; Fischart das glückhafft schiff von Zürich (titel); glückhafte fahrt! W. Vesper d. harte geschlecht 309.
2) nur selten wie glücklich 2 'was auf glückliche fügung, günstige umstände zurückgeht': (dasz mehrere länder) auch fast allen benachbarten landen an reichthum und andern glückhaften zufällen überlegen gewesen (1620) acta publ., verhandl. d. schles. fürsten 5, 10 Palm; ... war ich überzeugt, ein echtes und glückhaftes abenteuer erlebt zu haben G. Keller ges. w. (1889) 3, 94.
3) wie glücklich 3 'vom glück begünstigt, mit glück gesegnet':

gelkhafften nydet sie (die gerechtigkeit) nit minnereden 87 Matthaei;

wie wann du selber nn so glúgkhafft (tute fortunatus) würdest? Terenz deutsch (1499) 47a; vnd in dir söllend glückhaft (gesegnet) werden alle geschlächt der erden Züricher bibel (1531) 1. Mos. 12, 3; es wer auff erd keyn mensch so glückhaft als ich Aymont (1535) g 6b; es msz ein glückhaffter mensch sein, der zehen jar kain unglück hat gespürt Val. Schumann nachtbüchlein 164 Bolte;

wider meines unglücks willen ...
hab ich glückhafft werden müssen
S. v. Birken ostländ. lorbeerhayn (1657) 369;

wer den glückhafften ohne neid liebet, der hat groszen verstand Butschky Pathmos (1677) 87; o himmel! thäte ich einen guten fund, wie dieser glückhafte bauer discourse d. mahlern (1721) 1, 4; es wurde dem glückhaften John beinahe unheimlich, dass es auch gar nichts mehr zu hoffen und zu fürchten, zu schmieden und zu spekulieren gab G. Keller ges. w. (1889) 5, 86. von der ständigen begünstigung durch das glück: glückhaft fortunae filius; cui fortuna favet (1683) bei Staub-Tobler 2, 624.
glückhaft schätzen, preisen u. ä. (nach dem 17. jh. nicht mehr gebräuchlich): ich lob dich vnd schetz dich glückhaft

[Bd. 8, Sp. 300]


Boltz Terenz (1539) 69b; (ich) schätze deszwegen seinen herrn patron ... glückhafft, dasz er ihm diesen gefährten geaccompagnieret hat unterredung eines fürnehmen Ungarn (1664) a 2b;

wer bedenkt, dasz lange leben
heisze lang in ängsten schweben,
musz die leute glückhaft preisen,
welche bald von hinnen reisen
J. Grob dicht. versuchgabe (1678) 116.


4) wie glücklich 4 'wohlbehalten, ohne schaden'; nur vereinzelt: seiner glückhafften ankunfft wegen Amadis 49 Keller.
5) wie glücklich 5 'in glückszustand befindlich, in angenehmer, erfreulicher lage'. die belege sind spärlich und beziehen sich vor allem auf den besitz äuszerer glücksgüter: eyn reyche glückhaffte statt civitas beatissima et opulentissima Maaler (1561) 186c; ein glückhaffter ignorant ist weit besser als ein armer omnisciant Lehman floril. polit. (1662) 2, 843;

wer glükhaft heiszen will, musz nachgesezte gaaben,
gesundheit, jugend, geld und schlechte weisheit haben
J. Grob epigramme 200 lit. ver.;

dasz ... er sie ... überall gantz glückhafft machen wollte Prätorius Blockesberges verrichtung (1668) 397;

sey glückhafft umb und an
und habe, was dein hertz ihm wünschen sol und kan
S. Dach 565 Österley.

auf jenseitiges glück bezüglich:

so seyn in wahrheit disz auch wol glückhafte leuth,
die eben durch den tod den selgen sieg erlangen
Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 78.


bei zeitbegriffen: (eure hochwürden) welche der almechtig got mit gesunder, frölicher, glickhaffter, lanckwiriger zeit aufenthalten wel (Augsburg 1536) städtechron. 23, 2;

z einem glückhafften sälgen jar schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 134 Bächtold;

alle blicke rückwärts ... sprangen von da gleich in seine glückhafte kindheit H. Fr. Blunck weibsmühle (1927) 180.
6) wie glücklich 6 'von glücksgefühl erfüllt oder damit verbunden': und als sie nun vermainet, sie were ganz glückhafft und selig worden von dem küngrych und iren kinden Stainhöwel de claris mulieribus 90 lit. ver.;

da ward sein edles hertz aus frewden so entbrandt,
dasz er alleine sich glückhafft und selig vant
Dietrich v. d. Werder Ariost (1636) 12;

da fühlte er, wie das glückhafte lächeln auf seinem gesichte stand Kolbenheyer Paracelsus 3 (1926) 364; eine zeitlang scheint es wie ein fieber glückhafter erwartung über den hl. vater geströmt zu sein O. Gmelin ruf z. reich (1936) 258; jene glückhaften stunden der beschwingung ..., die uns ohne unsern willen zuweilen auf erden ankommen H. Fr. Blunck sprung über d. schwelle (1931) 230. — von liebe und ehe:

wie glückhafft kan ich seyn,
wan ich euch küssen mag
Opitz opera (1690) 2, weltl. poem. 231;

inn welchem (d. h. wenn) du deinem eeweyb trew und freundschafft laysten solt, bist du so vil seliger vnnd glückhafter, dann wenn du lang im bbenleben ... Montanus schwankb. 166 Bolte; in einer glückhaften ehe G. Keller ges. w. (1889) 4, 283.
7) wie glücklich 7 'glückbedeutend, glückbringend, beglückend'; schon mhd.: wan die spiler gelaubend, es sey ain stat, ain haus, ain würfel, ain zeit klückhaffter den die ander meister Ingold gold. spiel 54, 20 Schröder. mit dem nachdruck auf der günstigen vorbedeutung: die alten ... schäfer haben aus langwiriger erfarung glückhaffte vnd vnglückhaffte, böse vnd gute zeit gemerckt Sebiz feldbau (1579) 136;

zu irer rais glückhaftem zaichen
Fischart glückhafft schiff 27 ndr.;

so er aber antrifft ein anders glückhafftes thier oder gevogel zu einem guten zeichen new jägerbuch (1590) 34a; zu glückhaffter stund W. Spangenberg beschr. d. glückshafens (1609) 143; die glückhafftesten planeten sind Jupiter,

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die sonne und Venus Opitz Barclays Argenis (1626) 1, 318; faustus dies ein frölicher vnd glückhaffter tag A. Corvinus fons lat. (1646) 331; zu einem guten glückhafften anfang grillenvertreiber (1670) 22; dies hielt Ref für ein glückhaftes zeichen W. Vesper d. harte geschlecht 150.
mit dem nachdruck auf der unmittelbaren oder ständigen förderung. vom wind: sy ... hetten einen gluckhafften wind d. heiligen leben in d. winterteil (1471) 165d; der südostpassat, der so lang ersehnte glückhafte wind G. Plüschow segelfahrt ins wunderland (1926) 25. sonst: wie kan etwas gut vnd gott gefellig vnd glückhafft sein, das mit unrecht ist erhalten worden? Gretter erkl. d. ep. Pauli an d. Römer (1566) 167; und wer als dann die diebsdaumen abschnitt, der hett gewisz gluckhafft würffel Fischart geschichtklitt. 303 ndr.;

erbarer nam in schlechtem stand
reicht offt seim herrn glückhafft die hand
Kirchhoff wendunmuth 287 Österley;

aber sein gmt ist auffgestigen,
durch glückhafft flügel hin erhebt
in himmels thron, da er dann lebt
Fischart accuratae effigies 52 Kurz;

(der) glückhaffte seckel (glückssäckel) engl. comedien u. trag. (1624) 1b; mit glückhaffter hand Opitz t. poemata 93 ndr.; um sich von vornherein für das ungewöhnliche und glückhafte zuzubereiten G. Keller ges. w. (1889) 5, 63; aus glückhafter (beglückender) erleuchtung predigt er von mensch und gott H. Fr. Blunck weibsmühle (1927) 233.
8) wie glücklich 8 'erwünscht, günstig, angenehm, gefällig':

du schönes, weisses, englisches, glückhafftes, edles bildt
Opitz dt. poeterei 33 ndr.;

das war als glückhaft und nützlich angesehen worden G. Keller ges. w. (1889) 6, 124.
 
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glückhaftig, adj. (adv.); spätmhd. gelückhaftec; mnd. luck(h)aftich, geluckhaftich; im 16. jh. auch glückhäftig, -heftig, glücklich 'dexter, fortunatus, beatus, felix, faustus, prosper, secundus, auspicatus' Maaler (1561) 186c; gleichbedeutend mit glückhaft und wie dies noch heute in alemannischen (schweiz., schwäb., elsäss.) mundarten lebendig. schriftsprachlich seit dem 17. jh. sehr selten und seit der 2. hälfte des 18. jh. nicht mehr belegt.
1) wie glückhaft 1. von personen: und was in allem sinem fürnemen ein glükhaftiger man Stretlinger chron. 151 Bächtold; eyn tcher ... in seinem handel mer geluckhafftig dann weis in andern sachen Arigo decamerone 410 Keller; dieser Hainrich was gar mechtig und reich und glückhaftig (Nürnberg 1488) städtechron. 3, 80; gelückhafftig zieher (einrenker) H. Braunschweig chirurgia (1539) 106a; nachdem die Walhen sich gesündert haben, nit also glückhafftig gewesen S. Franck weltb. (1542) 63b; was glückhafftigen artzts dich davon (von der krankheit) entledigt hat Wickram 1, 20 Bolte; in guten anschlägen behend ..., auch glückhaftig Lorichius paedag. principum (1595) 349; unter glückhaftigen beherrschern des reiches A. v. Haller Usong (1771) 26. adverbiell und von sachlichem: daz die sache deste bass gluckheftiger zû gînge (1410) Frankfurts reichskorresp. 1, 180 Janssen; glückhafftig regiment Luther bücher u. schriften (Jena 1555) 167a; glückhafftige heilung Paracelsus chirurg. schr. (1618) 1, 318; das ihre sache einen glückhafftigen auszgang erreichen möchte Opitz Argenis (1626) 306.
in besonderer anwendung. von liebe, spiel, kampf: den glückhafftigen blern Boltz Terenz deutsch (1539) 117b; der ausz einem eseltreiber der glückhafftigest vberwinder der Parthier ward Fronsperger kriegsbuch (1578) 1, f 6b; ein hauptmann, der was gantz glückhafftig, Hannibal kundt ihm kein schlacht abgewinnen Pauli schimpf u. ernst 308 Österley; gluckhafftige kriege S. Münster cosmogr. (1550) vorrede 3. vereinzelt wie glücklich 1 b δ von kunstwerken: es were dann ... das sein (Homers) werck so glückhafftig were H. v. Eppendorff Plinius (1543) 22.
2) wie glückhaft 2: nichts ist als eben und bequemlich der natur zu gelückhaftigen und widerwertgen sachen

[Bd. 8, Sp. 302]


als früntschaft Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) s 2b; wo er (Jupiter) das römisch reich in ein pesser wesen und glückhäftigern stand kert Aventin 4, 506 Lexer; zu aller glückhafftigen wolfahrt Kirchhof militaris disciplina (1602) 16.
3) wie glückhaft 3: der von dem ersten tag seiner gepurt bisz in seinen tod gelückhafftig ist gewest vnd im nit bels noch widerwerttigkeit zugestannden sein Albrecht v. Eyb dt. schr. 1, 88 H.; glügkhafftiger verschnitner, der ... (o fortunatum istum eunuchum, qui ...) Terenz deutsch (1499) 47a; (Karl d. Gr.) hat mit den töchtern kain glück gehabt, wiewol er sunst vast glückhaftig ist gewesen Aventin 5, 149 L.; doll ist glückhafftig (d. h. der vom glück begünstigte verliert die vernunft) S. Franck sprüchw. (1541) 2, 144b; (das amulett) macht sein trager glückhafftig Paracelsus opera (1616) 571;

(er) war glückhafftig (gesegnet) mit jungen erben lieder auf d. winterkönig 132 Wolkan;

er hat die tugendsamste ... unter allen damen, er ist der glückhafftigste mann discourse d. mahlern (1721) 2, 110. — glückhaftig achten u. ä.: es soll kainer vor seinem absterben glückhafftig oder vnglückhafftig geachtet werden G. Mayr sprüchw. (1567) a 6b. im ausruf mit verkürzung: glückhafftig sey die stund, in deren ich dich erkennt hab buch d. liebe (1587) 175d.
4) wie glückhaft 4. nur vereinzelt:

als sie nun kamen vff dem meer
glückhafftig zu der Griechen heer
J. Spreng Ilias (1610) 10b.


5) wie glückhaft 5:

den fried verender ich inn streyt ...
die glückhafftigen in unglück
H. Sachs 5, 311 K.-G.;

gott will damit beyde reich und arm, glückhafftige und vnglückhafftige auff die prob stellen Dannhawer catechismusmilch (1657) 2, 459; der ist der glückhafftigst, der sich mit seiner armuth begnügen läst Lehman floril. polit. (1662) 1, 372. in religiösem sinn: wenns der (gott) z schickt, denn ists besser, so bistu yhe seliger und glückhafftiger, das du von wolthat wegen leydest Luther 12, 365 W.; glückhaftig machen Züricher bibel (1531) 5. Mos. 23, 19. — von zeitbegriffen:

gott geb úch allen ein gt glúckhaftig jar bei
Mone schausp. d. mittelalters 2, 410;

also sint die valschen frúnd z glückhafftiger zyt by vns Riederer spiegel d. w. rhetor. (1493) j 5b; er wunscht ... vatter und mter einen glückhafftigen säligen tag Wickram 2, 183 Bolte; basl. i wünsch ech es glükhaftigs neus jor Seiler 139.
6) wie glückhaft 6. kaum belegt: war ich nicht glückselig (var.: hs. von 1523/24 glückhafftig)? war ich nicht fein stille Hiob 3, 26.
7) wie glückhaft 7. von der vorbedeutung: glückhafftige stund hora candida Maaler (1561) 186c; die vögel ... sind nit all weder glückhafftig noch vnglückhaftig Schaidenraiszer Odyssea (1537) 6b; denn gute vnd glückhafftige aspect oder anschauungen der guten planeten, schönheit von angesicht geben J. Ruoff hebammenbuch (1580) 44; warten sie auf einen glückhafftigen tag, ... dasselbe (haus) einzuweihen Abr. a s. Clara etwas f. alle 2 (1711) 84. — vom unmittelbar oder dauernd fördernden: den ... glückhaftigen namen Jesus Seuse dt. schr. 394 Bihlmeyer; lieber ... gott, bisz günstig diser hochtzeit, das sy sälig und glückhafftig müg gesein Albrecht v. Eyb dt. schr. 2, 152 H.; diesem glückhafftigen seckel Fortunatus 95 ndr.; eine so glückhafftige bestrickung (gefangenschaft, die vor irrweg bewahrt hat) Opitz Barclays Argenis (1626) 1, 750.
8) wie glückhaft 8: also daz alle syn ding uff daz mynnsamst, lustlichst, hüpschst und gluckhafftigst solten syn gewest Stephan Fridolin dt. pred. 140 Schmidt; es sei gar heilsam und glückhafftig zu viel dingen das öl Felix Fabri eig. beschreibung (1557) 146b.
 
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glückhaftigkeit, f., 'beatitas' Calepinus XI ling. (1598) 157b; 'faustitas, felicitas, abundantia fortunae'

[Bd. 8, Sp. 303]


Stieler (1691) 676. im 16. und 17. jh. als subst. zu glückhaft(ig) gebraucht. zu glückhaft(ig) 1: wo aber eines heerfürsten tugenden, namlich glückhafftikeit, kriegserfarnusz, das ansehen und dapfferkeit nicht gefunden werden J. Schlusser beschr. d. protestier. kriegs (1573) 94; ist aber doch von wegen seines groszen verstandes, tapfferen gemüts, und glückhafftigkeit zu den höchsten digniteten kommen M. Dresser ungnad. chron. (1602) a 2b. — zu glückhaft(ig) 5: das wir ... unwirs oder nmtig werden uber der gotlosen glukhaftikait Schede Melissus psalmen 143 ndr.
 
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glückhaftiglich, adj. (adv.), in gleicher bedeutung wie glückhaft(ig), vgl. Calepinus XI ling. (1598) 583a; Henisch (1616) 1655; Stieler (1691) 675:

und in sinen sachen ser fest
und gluckhafftiglich (erfolgreich) ist gewest
M. Behaim reimchron. 155 Hofmann;

andere gebrauchen sich sehr glückhafftiglich (mit groszem glück) eines andern wassers Sebiz feldbau (1579) 75.
 
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glückhans, m., 'vom glück begünstigter': darumb haben (den glückweg) die glückhansen z förchten S. Franck paradoxa (1539) 27b. —
 
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glückheben, n., s. DWB glücksheben. —
 
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glückheilsam, adj.:

(der herr) wirt ihm auff erd in sachen sein
glückheilsam wolfart geben bei
Kehrein kath. kirchenl. 3, 192.


 
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glückheit, f., 'glück, glückszustand': prosperitas glückheit, glückseligkeit voc. predicant. (1486) x 7a; gluckheit (ende 15. jh.), geluckeit (15. jh., md.) Diefenbach gl. 467b; sospitas gesuntheit, gluckheit (ende 15. jh.) ebda 544a; s. noch Stieler (1691) 676. literarische belege sind selten: es ist ein volck on rat vnd on glückheyt d. heiligen leben, wintertheil (1471) 211c. im plural: welcher (glaube) mit den glückheiten Augusti zgenommen C. Hedio chron. Germ. (1530) f 2a.
 
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gluckhenne, f. , 'glucke, bruthenne, henne'. selten gluckshenne (z. b. Jer. Gotthelf ges. schr. [1855] 20, 368) oder glockhenne (z. b. im 16. jh. bei Wicel, s. Kehrein nass. volksspr. 167; Hulsius [1618] 139a; glokkhänn Rompler v. Löwenhalt, s. u. 2 a) neben dem besonders norddeutschen kluckhenne (s. teil 5, 1260), das schriftsprachlich seit dem 17. jh. zurücktritt. während die bildung auch den verwandten sprachen geläufig ist (engl. dialekt. cluckhen Wright 1, 666a; [engl. cluckinghen]; holl. klokhen [bei Kilian (1623) 2, r 2a: klockhinne]; dän. klukhøne; älterschwed. [18. jh.] kluckhöna, letzteres-unter nd. einflusz), ist sie den deutschen mundarten nur z. t. geläufig (mnd. kluckhenne), und zwar mit anlautendem k: Berghaus Sassen 2, 163a; Doornkaat-Koolman ostfries. 2, 285b; Mensing schlesw.-holst. 3, 183 (neben kluckhen auch klunkhen); korrespond.-blatt f. nd. sprachf. 17, 5 (Recklinghausen); rhein. wb. 4, 785; mit anlautendem g: Fischer schwäb. wb. 3, 713; Martin-Lienhart elsäss. maa. 1, 341 (wenig gebräuchlich); Staub-Tobler schweiz. id. 2, 1313; cimbr. kluckarhenna Schmeller 129; vgl. tirol. glutschhenni bei Frommann dtsche maa. 5, 487. gluckhenne gilt, besonders im 18. jh., gegenüber dem 'niedrigeren' glucke als 'feinere sprechweise', s. Krünitz öconom. encyclop. (1780) 17, 204. s. u. auch gluckhuhn.
1) die brütige, brütende oder ihre jungen führende henne; gelegentliche ältere definitionen wollen den begriff auf die ihre jungen führende henne einschränken, vgl. z. b. gluckhenne, oder glucke, heiszet eine alte henne, welche, wenn sie gebrütet hat, und ihre küchlein führet, eine neue gluchsende stimme annimmt, und dieselben damit locket; von diesem gluchsen wird sie eine gluckhenne genennet Noel Chomel (1750) 4, 1172. dem widerspricht aber der sprachgebrauch: so offt man aber ein glughennen setzen wil (sie zum brüten bringen will) Heuszlin Gesners vogelbuch (1557) 90b; wenn es in der brt donnert, so verterben die eyer; auch beschi ht ihnen schade, so die gluckhenne des weihen geschrey höret J. Heyden Plinius (1565) 481; wann man ein gluckhenne, eier zu prten, gesetzt hat Sebiz feldbau (1580) 104 (ebda 1579: kluckhennen); ein junges hünlein

[Bd. 8, Sp. 304]


leufft und tzschipet so lange, bis es zur gluckhennen kömpt Lucas Pollio v. ewigen leben (1583) 14b;

die gluckhenn führt ihr völklein aus
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel evang. kirchenl. 3, 398;

kluckhän, die scharn alles vor ihr glücklin Lehman floril. polit. (1662) 1, 193; die gluckhännen ... denen die erziehung ihrer kleinen ans hertz gewachsen Er. Francisci lust. schaubühne (1697) 3, 305; (eine) gluckhenne, die auf ihren eyern sitzet Gottsched crit. dichtkunst (1751) 804;

und in deinem (der mutter natur) strahle piept das küchlein
unter der gluckhenne fittich
Schubart s. ged. (1825) 2, 304;

vor der gluckhenne, die mit wuth ihre küchlein vertheidigte, hielt er (der hund) nicht stand G. Parthey jugenderinnerungen (1907) 1, 117.
2) gern im vergleich.
a) in religiösen vergleichen. häufig im anschlusz an Matth. 23, 37 und Luk. 13, 34: wie offt hab ich wöllen deine kinder versamlen, wie ein kluckhenn ire hünlin versamlet O. Brunnfels pandektenbüchlin (1528) 54b; damit er unss unter Christo behellt, wie die jungen hunlin unter der gluckhennen Luther 10, 1, 1, 121 W.;

er (gott) will die klüklein däkken
als wie die glokkhänn thut, wer will sie dann erschrökken?
Jes. Rompler v. Löwenhalt erstes gebüsch (1647) 31.

von den küchlein: darumb mussen wyr unss unter dieser gluckhennen flugel schmucken unnd nit ynn eygens glawbenss vormessenheytt ausflihen Luther 18, 125 W.; (der teufel) reisset dich hin wie der weihe das kuchle ausser der gluckhenne flugel ders. 28, 13 W.; ein küchlein, das sich nicht zu seiner gluckhenne halten will, geräth endlich dem stoszvogel in die klauen P. F. Sperling Nicodemus quaerens (1718) 1, 401.
b) in sonstigen vergleichen mit der fürsorglichen und zuflucht gewährenden gluckhenne: wie eine gluckhenne ... ihre küchlein in den sicheren hühnerkorb lockt Musäus volksmärchen 1, 44 H.; da fuhr Mädi wie eine gluckhenne auf ihn ein Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 21, 94; o liebe mutter! weinte er wieder, ... dein armer Peter geht nun allein in der welt betteln, wie ein armes küchlein, das seine gluckhenne verloren hat L. Steub drei sommer in Tirol (1895) 1, 222.
c) vergleiche auf grund bildlichen gesichtseindrucks: (der) kamp ..., aus dem schlosz Westerhof wie eine alte gluckhenne heraussieht K. Gutzkow zauberer v. Rom (1858) 3, 273; die kirche da im busch wie die gluckhenne mitten unter den häuschen O. Ludwig ges. schr. (1891) 3, 483.
d) vergleich mit der ratlosen henne, die enten ausgebrütet hat:

sie lieffen zwar umb den rand,
besahens wasser und das land,
als wenn ein gluckhenn sich erschreckt,
die junge entlein hat geheckt
Rollenhagen froschmeuseler (1621) N n 5b;

mein leiblicher vater hat nix für mich z thun gwuszt, als dasz er oben afm steg hrumschieszt wie a gluckhenn, dö ihr ausbrut'te enten im wasser schwimmen sieht Anzengruber ges. w. (1890) 8, 326.
3) übertragen auf menschen.
a) im anschlusz an Matth. 23, 37 und Luk. 13, 34 übertragen auf Christus, vgl. 2 a: wer an ihn gleubet und seine zuflucht setzet undter die gluckhenne, der sol selig sein Luther 33, 522 W.;

ein gluckhenn, wier die jungen sein,
da samlest uns, die christlich gmein,
undter den schutz und schirme dein
H. Sachs 1, 333 K.;

ach ja mein Jesu, ... du bist mein hirte, ich bin dein schäfflein ... du bist meine gluckhenne, ich bin dein hünlein Heinr. Müller geistl. erquickstunden (1667) 243; vgl. 262.
b) übertragen auf fürsorgliche menschen, besonders frauen: die Toni, die ... die gluckhenne zu machen

[Bd. 8, Sp. 305]


hat, hat ihre sorge, die küchlein immer auf trocknen weg zu leiten Görres ges. briefe (1858) 3, 605; so du willst gute pflege genieszen auf deine letzteren tage ..., so nimm das junge hähnel (den kaplan Christel) auf deinen pfarrhof und die alte gluckhenne (dessen mutter) balde mit dazu! Holtei erz. schr. (1861) 16, 7; jetzt seid ihr meine küchlein, ich bin die bekümmerte gluckhenne, welche über eurem wohl brütet G. Freytag ges. w. (1886) 2, 33; er that, als ob er die eigentliche gluckshenne aller Vehfreudiger sei, ohne ihn nichts gemacht würde Jer. Gotthelf ges. schr. (1855) 20, 368. vereinzelt freier: dieser dichter ist in der that die gluckhenne der zeit H. Steffens was ich erlebte (1843) 8, 400.
c) schweiz. 'delikate reizbare person' Staub-Tobler 2, 1313; daher als schimpfwort Pansner schimpfwb. 23b; vgl. auch glucke 2 b.
4) die plejaden, das siebengestirn, vgl. DWB glucke 3 und gluckerin 3. nl. klokhen met de kuikens. lexikalisch seit dem 16. jh.: plejades ein gestirn, das man nennet die glughenn mit jren jungen Frisius-Cholinus (1541) 665b; glockhenne gestirn, plejades Hulsius (1618) 139a; Adelung. vereinzelt mundartlich, z. b. schwäb. gluckhenn Fischer 3, 713; schlesw.-holst. kluckhen un küken Mensing 3, 183: von der gluckhänn am gestirn, so vmm den zehenden des brachmonats am abend erscheint Sebiz feldbau (1579) 6; die gluckhenne (und) der haas am himmel Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 3, 11; gluckhänn sind die sieben sterne in tergo tauri J. Saubert almanach u. prognosticon (1626) 44; der leser selber kennt ja einige dieser sternbilder ..., die gluckhenne oder das siebengestirn Hebel w. 2, 209 Behaghel; das gestirn der gluckhenne scheint mir in unser alterthum verwachsen J. Grimm deutsche mythologie (41876) 2, 607. — mit dem schwanken der bezeichnung 'siebengestirn' auch auf andere sternbilder bezogen: gluckhenne für polarstern Frisch teutsch-lat. wb. (1741) 1, 357c; gluckhenne der kleine bär, polarstern, das siebengestirn J. H. Kaltschmidt gesammtwb. (31851) 345b.
 
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gluckhennenfeder, f., feder der gluckhenne. der plural für die schützenden flügel der glucke gebraucht; bildlich: sein gekreutzigter sohn mag ... seine gluckhännenfedern noch so sorgfältig ausbreiten, so gibt mir doch der satan ... so anmuthige sinnverzauberungen, dasz er mich überredet Er. Francisci wol der ewigkeit (1717) 651.
 
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gluckhennentaler, m., auch blosz hennenthaler, eine im jahre 1691 zu Basel geprägte münze, auf deren einer seite 'eine am ufer des Rheinstroms und im prospect der stadt Basel sitzende gluckhenne mit vier küchlein, unter dem strahlenden nahmen gottes' zu sehen war; anspielung auf Matth. 23, 37, bzw. Luk. 13, 34, s. Krünitz 23, 18. vgl. DWB gluckhenne 2 a und 3 a.

 

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