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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gleich bis gleich bleiben (Bd. 7, Sp. 7936 bis 7948)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gleich, adj. herkunft und form.
das gemeingerm. adj. ahd. galîh, gilîh, gelîh, mhd. gelîch, gelîche, glîch, gelich (zu letzterem s. Zwierzina in: zs. f. dtsch. altert. 45, 81 ff.), adv. gelîche, gelîch, gelich, glîche, mnd. gelîke (neben lîk, like), mnl. gelijc, nl. gelijk; got. galeiks, altnord. glîkr (neben lîkr), schwed. lik, dän. lig, as. gilîk, afries. lîc, ags. gelîc, engl. like ist deutlich bahuvrihi-zusammensetzung aus ga- und līka- 'gestalt, körper', bedeutet also ursprünglich 'dieselbe gestalt habend', vgl. got. wisan þiudos gaarbjans jah galeikans jah gadailans εἶναι τὰ ἔθνη συγκληρονόμα καὶ σύσσωμα καὶ συμμέτοχα (wörtlich 'dasz die völker seien dasselbe erbe habende und denselben körper habende und denselben teil habende') Eph. 3, 6 sowie die entsprechenden bildungen samaleiks 'gleich', aljaleiko, adv., 'anders', swaleiks 'so beschaffen', hwileiks 'wie beschaffen' und die zahlreichen deutschen adjektiva und adverbia auf -līch (s. P. Schmid zs. f. dtsch. altert. 49, 521 ff.). auszerhalb des german. ist mit sicherheit nur lit. lýgus 'gleich, von derselben beschaffenheit, gleichartig', adv. lýg, lett. lĩdzs, adv. lĩdz, apreusz. polijgu und deren ableitungen verwandt. trotz Weigand-Hirt 1, 735; Wood modern language notes 21, 39 f.; Uhlenbeck beiträge 30, 279; van Haeringen suppl. zu Franck-v. Wijk 55 verträgt sich beides, die auffassung von galeika- als bahuvrihi und die anerkennung der verwandtschaft mit den balt. wörtern, sehr wohl miteinander; da der singular eines nomens nach W. Schulze an sich schon die identität bezeichnen kann (mhd. ze mâle 'zugleich', d. i. 'auf einunddasselbe mal'), so können auch ableitende suffixe genau so wie kompositionsbildungen den besitz einunddesselben gegenstandes (oder allgemeiner die zugehörigkeit dazu) bezeichnen, wie aus lat. vicinus, tribulis, rivalis, germanus 'zum selben vicus, tribus, rivus, germen gehörig, oder denselben ... habend', dt. landsmann 'mann desselben landes' und dergl. hervorgeht, s. J. Schmidt vocalismus 1, 90 f. danach ist also lit. lýgus 'denselben körper, dieselbe gestalt habend', d. h. es wird hier durch das suffix dasselbe ausgedrückt, was im germ. durch das erste kompositionsglied ga-. ob die abgeleiteten präfixlosen verba got. leikan ἀρέσκειν, ags. lícian, afries. līkia, as. lîcon, ahd. lîchên 'gefallen' (an. líka kann lautlich das präfix verloren haben) ähnlich zu erklären sind oder zu galeikan nach den verben, bei denen simplex und ga-compositum fast bedeutungsgleich nebeneinander stehen, hinzugebildet sind (so Uhlenbeck tijdschr. 25, 286), läszt sich nicht entscheiden.

[Bd. 7, Sp. 7937]


jedenfalls ist der oft geäuszerte zweifel an dem zusammenhang zwischen leikan und galeiks unberechtigt, vgl. got. samjan in mannam samjandans 'ἀνθρωπάρεσκοι' zu sama 'ὁ αὐτός'; auch ahd. lîchôn 'polire' ist von galîh abgeleitet, wie lit. lyginti 'gleich machen, ebenen, glätten, polieren' von lýgus 'gleich', s. auch u. 1gleichen, vb.da es für germ. līka- 'körper' abgesehen von den genannten balt. wörtern keine glaubhaften anknüpfungen gibt, ist die grund- oder ausgangsbedeutung nicht zu erkennen; was P. Schmid zs. f. dtsch. altert. 49, 525 für eine ältere bedeutung 'kennzeichen, merkmal' geltend macht, schlägt nicht durch.
das ältere ahd. zeigt das präfix noch mit vollem vokal und obd. mit anlautender tenuis: calihhemo, calihchemo (ca. 750) ahd. gl. 1, 28, 38 St.-S.; kalich (8./9. jh.) ebda 335, 52; galihiu (9. jh.) ebda 2, 223, 16; galih (9. jh.) Monseer fragm. 15 Hench; chiliihho (z. anlaut s. Braune ahd. gr. § 143 anm. 3) Isidor 17, 5 Hench; gilih durchweg bei Otfrid und Tatian, vgl. Otfrid I 25, 25; V 12, 79 u. ö.; Tatian 34, 4 u. ö.; kilichiu (9./10. jh.) ahd. gl. 2, 262, 38 St.-S.; gilihhiu (11. jh.) ebda 1, 477, 14. mit abgeschwächtem präfixvokal schon im 9. jh. (as. gelîcumu Heliand 1221, gelîcun 1532 neben gilîh 785, gilicost 5810): kelih (9. jh.) ahd. gl. 2, 141, 11 St.-S.; durchweg bei Notker: gelîh 1, 32, 15 P.; 1, 367, 4; kelîh 1, 35, 21; kelîcho 2, 185, 5 u. s. w.ausstoszung des präfixvokals ist zuerst bei Williram belegbar, der glîch dem gelîch bereits vorzieht, vgl. glîch dero palmon 121, 1; demo uuîghûse glîch 142, 11 u. s. w. neben uuis gelîch dero rêion 47, 1 u. ö.; das mhd. einigermaszen gleichberechtigte nebeneinander von gelîch und glîch wird im frühnhd. endgültig zugunsten der synkopierten formen entschieden, doch begegnen ge-formen vom späten 15. bis ins frühe 17. jh. noch recht häufig, oft freilich, und besonders jünger, in rhythmisch gebundener rede: eins geleichen gewichts erste dtsche bibel 3, 326 Kurr.; vgl. 3, 50 u. ö.; mache dich ir geleich Keisersberg granatapfel (1510) f 3a u. ö.; geleich als wann Pantaleon warhafft. bestät. (1571) t 4a;

geleich dem sande an dem meer
Hans Sachs 1, 211 lit. ver.; vgl. 1, 219 u. ö.;

weil er hett für sich seins geleichen
Spreng Ilias (1610) 29a; vgl. 2a, 22a u. ö.;

thun es ihm doch nicht geleich
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 89.


schwankungen im vokalismus der stammsilbe sind auszerhalb der spätmhd. eintretenden diphthongierung des î > ei und ihrer innerhalb der mundarten verschiedenen durchführung (s. u. sp. 7938) geringfügig, vgl. vereinzeltes keines gelechen (druckfehler?) Arigo decamer. 157 lit. ver., gerundetes des kürsners gleuchen Zimmer. chron.2 3, 286 B.
der auslaut zeigt vereinzelt -g: ain gleigs ding (1488) österr. weist. 8, 766. der in den obd. mundarten verbreitete abfall der auslautenden spirans (s. u. sp. 7938) ist schon im 16. jh. historisch bezeugt: ob dann gley die von Windshain solichs verwilligten (Rothenburg 1525) bei Baumann quellen z. gesch. d. bauernkr. 2, 418; so wohl auch: gleih in der ersten vastwochen Zimmer. chron.2 2, 327 B.die alte adverbialform gleiche, mhd. gelîche begegnet noch im 17. und in der ersten hälfte des 18. jh. nicht selten, z. b. gleiche schlagen Logau sinnged. 402 Eitner, gleiche behauen Lohenstein Arminius (1689) 2, 954b, gleiche gemachet Bodmer samml. crit. schr. (1741) 1, 16. daneben steht in derselben zeit gelegentlich eine auf -e auslaufende unorganische adjektivform, die wohl als nachträgliche analogiebildung zu adverbialem gleiche oder zu den e-formen der alten jo-stämme zu erklären ist, s. Paul gr. 2, 167. adjektivisches gelîche im reim gelegentlich im mhd.: Hartmann v. Aue Iwein 3860; Wirnt v. Gravenberg Wigalois 5615;

... kein ort war ihnen gleiche
Opitz ged. (1689) 3, 273;

das schwerdt macht offters gleiche,
die schon nicht gleiche sind ebda 3, 284;

Steinbach dtsch. wb. (1734) 1, 601 f. mundartliches gleiche, adj. und adv. s. u. sp. 7938 f.einem mhd. g(e)lîchen entsprechendes adv. gleichen tritt nur im älteren nhd. auf,

[Bd. 7, Sp. 7938]


s. auch unten s. v. gleichen, adv.: daz sie es geleichen hielten (15. jh. Nürnberg) dtsche städtechron. 3, 386; geleichen so wenig Arigo decamer. 87 lit. ver.; gleichen wie Luther 30, 3, 520 W.;

nichts ist an euch, musz ich sagen, das nicht gleichen ist zu neiden
Logau sinnged. 563 Eitner.


eine formale sonderstellung behauptet eine gruppe substantivischer gebrauchsformen von gleich, die nhd. fast nur noch in der erstarrten genetivform gleichen weiterlebt. als meines gleichen, deines gleichen etc. (s. u. I C 1) sowie als ohne gleichen, sonder gleichen (s. u. I B 4 c) sind sie unmittelbar auf ein schw. subst. ahd. gilîcho, mhd. gelîche zurückzuführen. anders verhält es sich mit der gleichen, des gleichen, deren, dessen, dieser gleichen u. ä., die formal aus adjektivischen oder adverbialen anwendungen von gleich hervorgegangen und erst in späterer analogie zu meines gleichen in den formbereich des schw. subst. gelîche hinübergetreten sind (s. u. I C 2, 3; I D 3; III D 5 b). unter formalem analogiezwang von meines gleichen steht auch das ursprünglich aus in gleichem abzuleitende in gleichen (s. u. III D 5 c).
in den mundarten ist gleich einer fülle lautlicher veränderungen unterworfen. im anlaut bewahrt die mundart z. t. noch die vokalische vollform des präfixes: gileiche Lexer kärnt. 115; gelaich, cimbr. galaich Zingerle Lusern 40a; gelîk, glîk Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 604a; jeleich Jecht Mansfeld. 43a; zuverdumpft: gəleic Müller-Fraureuth obersächs. 1, 424b; gəláiΧ Gerbet Vogtland 188; 277. durch nachträglichen verlust des präfixes verstümmelt als lei im ostschwäb. und teilen des bair.-österr., s. u. VI D und VII. —als stammvokal gilt im nd. durchweg das alte -ī-, seltener -ĭ-; -ei- nur gelegentlich dort, wo mit md. einflusz zu rechnen ist: kleiΧ Hentrich Eichsfeld 104; gleik Martin Waldeck 219b und jleich Brendicke Berlin 128a; umgekehrt greift das nd. -ī- auf benachbarte gebiete des westmd. über, wo es gekürzt als -ĭ-, z. t. auch gesenkt als -e- erscheint: rip. gliΧ, seltener -e- rhein. wb. 2, 1264; glich Heinzerling-Reuter siegerländ. 87a. kurzes -i- begegnet neben gewöhnlicherer länge auch im südnfrk., vgl. rhein. wb. 2, 1264, sonst im nd. nur vereinzelt: liek (līg), vereinzelt lick (lig) Mensing holstein. 3, 481, ferner licken, vb. Frischbier preusz. 2, 26b; in der nachfolge von afries. lîc noch lik Schmidt-Petersen nordfries. 81b; Jensen nordfries. 326; Siebs Helgoland 250a. das obd. bietet -ī- im schweizerischen und elsässischen: glīch Staub-Tobler 2, 593; glich Martin-Lienhart 1, 255b; glī in den alemannischen teilen des schwäb. Fischer 2, 683; ferner glīch, glēch im südl. moselfrk., s. rhein. wb. 2, 1264 und glich im lothring. Follmann 208a. isolierter steht glīch (neben häufigerem gleich) bei Hertel Salzung. 16. nur vereinzelt begegnen umfärbungen des stammvokals wie gelegentliches glääc (für Augustusburg) bei Müller-Fraureuth obersächs. 1, 424b, gl Gusinde dtsche sprachinsel im poln. Oberschlesien 167a; mit rundung des diphthongs: gloich (für Pilsen) Schröer ungr. bergland 55b; Χlöikə Böger Schwalenberg 151. —im auslaut nd. durchweg unverschoben glīk, līk; mit auslautendem -ch als glich nur in einem schmalen streifen des südnfrk., s. rhein. wb. 2, 1264 und als jleich Brendicke Berlin 128a. im md. und obd. gelten die auf -ch ausgehenden formen als regelfall, doch vgl. als gelegentliche variante im moselfrk. gleish Christa Trier 99a. formen wie glī, gləi, glei sowie lei, mit durch schwund der auslautenden spirans vokalischem ausgang des wortes, sind unter der wirkung des enklitischen gebrauchs im sinne von 'sogleich' im gesamten obd. und den meisten teilen des ostmd. die vorherrschenden, daneben auch in der bedeutung 'eben, just, gerade', vgl. die einschlägigen wbb. und s. u. VII und VI D, auszerhalb dieser anwendungen begegnet eine abstoszung der spirans nur oberdeutsch, doch in geringem umfang: glī teilweise in Wallis schweiz. idiot. 2, 593, vgl. 597; gləi Ostallgäu, glī im alemannischen teil des schwäb. (flektiert aber gləiΧer) Fischer 2, 683. zum alter dieser glei-formen s. o. sp. 7937. — mundartliche formen mit auslautendem -e begegnen im adj.

[Bd. 7, Sp. 7939]


selten: gleiche, adj. Weinhold schles. 27b; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 424b; gileiche, adj. Lexer kärnt. 115, häufiger dagegen im adv. (s. auch II A 3 a, sp. 7961): gliche, adv. Heinzerling-Recter siegerländ. 87a; gleiche, adv. Weinhold schles. 27b; glîke Damköhler Nordharz 62a, nd. sonst besonders in der form mit präfixverlust: lîke, adv. Woeste 161a; lîke, adv., neben lîk Schambach Göttingen 124a; lieke, adv. Mensing 3, 481. vereinzelt steht -en-auslaut des adv. (s. auch unten gleichen, adv.): et geht gleichen of rhein. wb. 2, 1265; gleishen dögk (gleich dick) Christa Trier 99a. eine dem westmd. zugehörige erweiterte adjektivform gleiche und gleichen in der bedeutung 'eben, flach' s. u. VI B 1 ende und s. v. gleiche, gleichen, adj.vereinzelt begegnen im obd. spuren einer dentalerweiterung: mins glichten Martin-Lienhart elsäss. 1, 256a, vgl. derglychterig (1531) in: schweiz. idiot. 2, 597.
für nahezu das gesamte nd. sprachgebiet gilt mundartlich das nebeneinander von glîk und lîk, entsprechend dem mnd. gelîke, adj. und adv. Schiller-Lübben 2, 43a und häufigerem lîk, like, adj., like, adv. ebda 692a; 694a, vgl. über den präfixverlust im nd. Lasch mnd. gr. 125 ff.; Sarauw nd. forsch. 1, 325 ff. sowie das nl., in dem die präfixlosen formen geringere ausdehnung besitzen, s. mnl. gelijc Verwijs-Verdam 2, 1239 neben lijc ebda 4, 623, nl. gelijk woordenboek 4, 1162 neben (provinziellem) lijk ebda 8, 2303. sowenig ursprünglich die präfigierten formen von denen mit präfixverlust bedeutungsmäszig zu trennen sind (vgl. die belege bei Schiller-Lübben a. a. o.), so ist doch für lîk in den nd. mundarten ein vorrang der bedeutungen 'gerade, eben, wagerecht' vor 'gleich, ähnlich' ebenso unverkennbar, wie bei glîk, zumal mit seiner wachsenden verbreitung unter dem einflusz des hd.-schriftsprachl. gleich, die bedeutung 'gleich, ähnlich' und adverbial 'sogleich' stärker hervortritt, vgl. etwa brem.-nds. wb. 3, 69; Doornkaat-Koolman 1, 604a gegen 2, 508b, Schambach Göttingen 64b; 124a; Danneil altmärk. 127a; nicht selten werden in den wbb. die bedeutungen in dem angedeuteten sinne bei glîk und lîk ausdrücklich getrennt: glîk 'gleich, zugleich, sogleich' Woeste 80b, lîk 'gerade, eben' ebda 161a; ähnlich Frederking plattdtsches wb. d. dorfes Hahlen 44b; 78b; Böger Schwalenberg 151; 157; Flemes Kalenberg 337; 346. besonders der adverbiale gebrauch VII A 'sogleich' (s. u. sp. 8004) bleibt als glîk und glîks (s. u. gleichs) durchweg der präfigalen form vorbehalten, hier vor allem unter einflusz der hd. umgangssprache; als ausnahme steht lîk 'sofort' Damköhler Nordharz 62a. das friesische, in dem der präfixverlust noch weiter als im nd. geht, kennt, entsprechend afries. lik 'gleich' Richthofen altfries. wb. 901a, neben dem ein gelik ebda 774a nur ganz vereinzelt begegnet, nur lik 'gleich, ähnlich, gerade' Jensen nordfries. 326, Schmidt-Petersen nordfries. 81b, lik 'gerade' Siebs Helgoland 250a, daneben ein glîk 'sofort' nur als nd. lehnwort, vgl. Jensen a. a. o. 157, Siebs a. a. o. 250a. bedeutung und gebrauch.
was die bedeutungsgeschichte des deutschen wortes betrifft, so umschlieszt schon das ahd. gilîh die verschiedenen stufen und grade der gleichheit vom begriff des nur annähernd gleichen, des nach art oder gestalt ähnlichen (similis) über den einer stärkeren, in gewissem betracht vollen übereinstimmung (aequus, aequalis, par) bis hin zur vorstellung sachlicher oder begrifflicher identität (idem), so dasz in der geschichte des wortes eigentliche entwicklungslinien kaum sichtbar werden. ein gewisses eigenleben führt nur der in sich vielfältig gegliederte bedeutungszweig, der an lat. aequus, rectus und die deutschen synonyma eben, gerade anknüpft, s. u. VI. ob es notwendig oder auch nur berechtigt ist, got. galeiks auf die bedeutung 'ähnlich' (ὅμοιος), in der es vorwiegend erscheint, einzuschränken und es gegen ibna, ibnaleiks, samaleiks in dem engeren sinne von 'gleich' (ἴσος) unbedingt abzugrenzen, ist trotz sk. 5, 24: ni ibnon ak galeika sweriÞa usgiban uns laiseiÞ, vgl. 5, 26 u. 1, 4, zumindest fraglich angesichts von Phil. 2, 6: wisan sik galeiko guda (τὸ εἶναι ἴσα θεῷ) und der in der auseinandersetzung um diese stelle von Jostes in Paul-Braunes

[Bd. 7, Sp. 7940]


beitr. 22, 186 anm. beigebrachten zeugnisse. die geringe verbreitung des synonymen ähnlich auf den älteren deutschen sprachstufen bis ins frühnhd. hinein (noch Petri's Basler glossar zur Lutherbibel [1523] erklärt und übersetzt Luthers ähnlich durch gleich, s. Kluge von Luther bis Lessing 84) bringt es mit sich, dasz auch im älteren deutschen gebrauch gleich in dem schwächeren sinn von 'ähnlich' häufiger hervortritt, gelegentlich sogar mit ausdrücklicher eingrenzung auf diese bedeutung: ter mennisko ist keskaffen ad imaginem et similitudinem dei. er ist imo similis nals equalis! taz chît kelîh nals kemâze Notker 1, 35, 21 P.; in jüngerem gebrauch tritt an die stelle von gleich 'ähnlich' mehr und mehr das wort ähnlich, oder es eignet doch dem wort gleich in diesem sinne eine stärkere bedeutung als dem synonymen ähnlich, vgl. z. b. Stosch gleichbed. wörter (1777) 1, 190.
I. von zwei oder mehr personen oder dingen, die in gewissen eigenschaften und merkmalen übereinstimmen, in bestimmter hinsicht einander verwandt und ähnlich sind. das, was sie unterscheidet, bleibt dabei auszer betracht. der vergleichspunkt wird entweder ausdrücklich genannt oder ist, wie zumeist, aus dem sinnzusammenhang zu erschlieszen.
A. 'gleichartig', lat. similis; auf körperliches und seelisches wie auf sachliches, auf aussehen, gestalt, beschaffenheit, gesinnung, verhalten u. ähnl. bezogen.
1) die beiden vergleichsglieder sind durch die grammatische konstruktion getrennt, vor allem nach dem typus eines ist einem anderen gleich; nur selten tritt an stelle des dativs der genetiv (s. u.c) oder eine präpositionale verbindung (s. u. d).
a) in prädikativen oder adverbialen verbalverbindungen, wie sie grösztenteils auch unter B 1 a begegnen.
α) in festem gebrauch: gleich sein: ni curet uuarlihho in gilih uuesan (adsimilari eis): uueiz iuuar fater uues iu thurft ist, er thanne ir inan bitet Tatian 34, 4; und gott sprach, laszt uns menschen machen, ein bild, das uns gleich sey 1. Mos. 1, 26;

hier sitz ich, forme menschen
nach meinem bilde,
ein geschlecht, das mir gleich sei
Göthe I 2, 78 W.;

genies ... werden keinen zweifel hegen rücksichts einer art ausbildung, die vielleicht der ihrigen gleich ist E. T. A. Hoffmann s. w. 10, 35 Gr. namentlich für jüngeres gleich sehen (s. u.β), 'die gestalt von etwas haben, so aussehen wie':

er (der heil. geist bei Christi taufe) was dubun gilih, thaz was so gilumflih,
thuruh thia ira guati, joh thaz mammunti
Otfrid I 25, 25;

sîn menneschlich bilde
was anders harte wilde.
er was eim Môre gelich
Hartmann v. Aue Iwein 427;

sie glauben nit das Jhesus gekreuzigt sey worden, es sey ain ander gecreutzigt worden, der war im gleich Schiltberger reisebuch 95 lit. ver. mhd. in verhüllender umschreibung etwas oder jemand gleich sein anstatt 'etwas, jemand sein' (s. auch b und D 1):

ez hât mir an dem herzenvil dicke wê getân
daz mich des gelustedes ich niht mohte hân
noch niemer mac gewinnen,daz ist schedelîch.
jone mein ich golt noch silber:ez ist den liuten gelîch
Kürenberg in: minnes. fr. 5 v. Kraus;

der ist jung und darzuo reich
einem fromen man geleich
Heinrich v. Wittenweiler ring 3583 Wieszner.


der wahrheit gleich sein 'wahrscheinlich, glaubhaft sein' (s. auch gleich sehen unter β, vgl. dazu noch ungleich III 1, teil 11, 3, 970; unähnlich I A 2, teil 11, 3, 114). im ahd. vorgebildet, wo, ebenso wie im mhd., das bedeutungsmoment des scheinbaren oder des augenscheinlichen auch sonst begegnet (s. u. DWB D 3):

scal iz Krist sin, fro min?ih sprichu bi then wanin;
thaz selba sprichu ih bi thiu,iz ist gilih filu thiu
(es scheint ganz so, sieht ganz danach aus)
Otfrid II 14, 90;

wiewol mich dünkt, es sei der warheit gleicher, wie ander schreiben, das die Baiern mit den Römern sölch krieg

[Bd. 7, Sp. 7941]


gefüert haben Aventinus bayer. chron. 1, 464 Lexer; vgl. 2, 35. entsprechend: je mehr ein ding einer lügen gleich ist, je gröszern anhang es vntern leuten hat Lehman floril. polit. (1662) 1, 507. vgl. verisimile der war-, worheit gleich (15. jh. md.) Diefenbach gloss. 613a. soviel wie 'halbwahr': darnach in seinem entwachen ir (der träume) etliche war fint, ettliche der wahrheyt geleich, auch etliche on alle warheyt sein Arigo decamer. 281 Keller. die gleiche wendung in anderem sinne s. u. D 1.
gleich werden, mehr in älterem gebrauch: salig sint dien iro unreht pelazen sint unde dero sunda bedechet sint. disiu uox ist penitentis fone dien er sus chit dien gerot er (der büszende) gelih uuerden Notker 2, 103, 11 P.; ein mensche immac nummirme lust gehabin noch gode so nahe noch so glich werdin alse wan he an got denkit und got bekennit paradisus anim. intelligent. 102 Strauch; gedenck zum sibenden, das du glych würst got dem herren, so du also verzyhest Keisersberg bilgersch. (1512) 7a.
gleich tun, 'ebenso tun wie':

theo gilîco duot
uuîsumu manne, the giuuit habad Heliand 1805;

(die kinder) thon geleiche den do von sie komen sein ... dann von müterlicher art sie von petlern sein Arigo decamer. 137 Keller;

dem pöffel weich,
thu jhm aber nicht gleich
Lehman floril. polit. (1662) 3, 35.

gleich machen (s. u. gleichmachen), besonders jemanden oder etwas einem andern gleich machen, vgl. in diesem sinne schon: ane unsih in se transformando. uuir den tod furhten, nieo unsih diu forhta unseren fienden geliche netue, noh ze in nebechere Notker 2, 263, 13 P.; zwen ander ringe dem ersten geleich machen liesze Arigo decamer. 34 Keller;

mach uns dem willen gottes gleich
B. Neukirch ged. (1744) 74.

im sprachgebrauch der mystik von der gleichförmigkeit der menschlichen seele mit gott (s. u. gleichförmigkeit): doch machte er (gott) im die sêle sô glîch und sô ebenmæzic, ûf daz er sich der sêle gegeben möhte meister Eckhart w. 1, 71 Quint.gleich kommen (s. u. gleichkommen): es war so viel ... im ton seiner stimme, das ihnen so gleich kommt Schiller 2, 150 G.sich gleich stellen (s. u. gleichstellen), 'ebenso sein wie, sich anpassen': vnd stellet euch nicht dieser welt gleich Römer 12, 2; die insinuatio bestehet (für den, der eine um ihren liebsten sorgende braut trösten will) darinne, dasz man sich ihrem furchtsamen gemüthe gleich stellet Chr. Weise polit. redner (1677) 228; 'nachahmen': wir erfahren wo jeder sich hinneigt, welchem beispiel er sich gleich stellt Göthe I 24, 258 W.
β) vor allem gleich sehen, bedeutungsmäszig schattiert (s. u. gleichsehen).
'ähnlich sehen, aussehen wie': wann nu durch natürliche würchung der leib mit glidmas berayt vnd aimm menschen gleich siecht, alsdenn beschaeft got vnd geusst in den leib ainn newen unvermailigten untodlichen geyst Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 333 Reithm.; er hat jm die bein desz angsichts also zerschlagen, das er keim menschen gleych sicht Frisius dict. (1556) 933b; also wurd ich in eyl wieder ein kerl, der einem braven soldaten gleich sahe Grimmelshausen Simplic. 329 Scholte. namentlich von der familienähnlichkeit: etliche kinder sehen jhrem groszvatter gleich Heyden Plinius (1565) 22; und sahen einander überhaupt zum verwechseln gleich Immermann w. 1, 20 Boxb. auch ohne eigentlich visuellen gehalt, 'ähnlich sein': das fleust alles daher, das es (das eheliche leben) dem hurnleben so nahe und gleich sihet Luther 34, 1, 52 W.; ich sehe, dasz du deinem vater ganz und gar gleich siehst, da er anhob, die streiche zu machen A. Stifter s. w. (1904) 3, 319. so auch es sieht ihm gleich, 'es entspricht seiner art, dem, was von ihm zu erwarten ist':

[Bd. 7, Sp. 7942]


es sieht ihm gleich,
zu überraschen wie ein gott; er musz
entzücken stets und in erstaunen setzen
(von Wallenstein gesagt)
Schiller 12, 145 G.;

es sieht ihm (Hasse) gleich, dasz er ... neidlos die künftige grösze Mozarts erkannte O. Jahn Mozart (1856) 1, 224. umgangssprachlich und mundartlich gern mit negativem wertakzent, neben häufigerem das sieht ihm ähnlich, vgl. DWB dös siəht deən lumpm gláich Schiepek egerländ. 392; schweiz. idiot. 2, 595; Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 604a; 2, 508b.
mit dem sinngehalt 'anscheinend, augenscheinlich'. in älterer sprache: es sieht ihm (d. i. dem) gleich, als (ob) u. ä. 'es sieht ganz danach aus, es scheint': es sach im geleich, als wellt ain aufflaff daraus sein worden (Augsburg anf. d. 16. jh.) dtsche städtechron. 25, 57; so dasz es ihm gleich sahe, als ob er ein freye tafel gehalten hätte Grimmelshausen Simplic. 296 Scholte. noch mundartlich: es gsēht em eso glīch, wie wenns wett schneien schweiz. idiot. 2, 595; es siht dem regnen gleich 'es scheint, dasz es bald regnen werde' Schmeller-Fr. bair. 1, 1424.
speziell der wahrheit gleich sehen 'wahrscheinlich, glaubwürdig sein' (vgl. dieselbe verbindung mit sein oben unter α): die vorig (erzählung) sihet der warheit gleicher Seb. Franck chron. Germ. (1538) 88a;

nach dem es aber hat frgeben
könig Atrides ehrentreich,
so sieht es einer warheit gleich
(musz es wohl wahr sein)
Joh. Spreng Ilias (1610) 15a;

sie sagten, er streb nach dem reich,
disz aber sicht keiner warheit gleich (1683) bei
Schmeller-Fr. bair. 1, 1424.

in ähnlichen wendungen: ich muesz von Greg. melden, dasz er vil schrybt, das der sach gar nit glych sicht (nicht zutrifft) (1569), dafür 1670: sachen, die den altvätterischen fabeln mehr, als der wahrheit ähnlich sind in: schweiz. idiot. 2, 595; Rapertus schreybt, dasz damals den brüdern vom k(önig) bewilliget sey, hinfüro selbs ein abt zu erwehlen etc. aber es sihet jm selbs nit gleych: dann es hernach lang nie gehalten ward Stumpf Schweizerchron. (1606) 357a.
etwas gleich sehen 'nach etwas aussehen, etwas darstellen', schriftsprachlich nur im obd.: unter andern macht er sich gern an fremde, die etwas gleich sehen, um hernach bei andern mit ihrer bekanntschaft grosz zu thun Hebel w. 2, 457 Behaghel. mundartlich verbreitet: das gsehd öppisem glīch 'ist etwas rechtes, gut gemacht' schweiz. idiot. 2, 595; er hànt neks glaich gschaut 'er machte einen unscheinbaren oder minderwertigen eindruck' Schiepek egerländ. 392; dat tüg süht nix liek 'taugt nichts' Mensing schlesw.-holstein. 3, 482. anders, von VI D 4 'passend, günstig' her gefärbt: bi~'n ganz.n wochəmark' à'gangə~ und hàt mə' ni~cks gleich g.segng d. i. 'hat mir nichts gefallen' Schmeller-Fr. bair. 1, 1424.
γ) in mehr gelegentlichen verbindungen: Epicuros grece chit latine super porcos. ten namen gaben imo die andere philosophi, uuanda er uoluptati folgendo, mit sinen sectatoribus porcis kelicho lebeta Notker 1, 134, 24 P.;

doch kan ich nicht eben
den nonnen gleich leben
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 101;

so werden die iünger freylich nach solchem letze trunck auch nicht mehr getrunken, sondern sich Christo gleych gehalten haben Luther 26, 462 W.
b) elliptisch an stelle eines relativsatzes:

uuas thar gard gôdlîcendi grôni uuang,
paradîse gelîc Heliand 3136;

sehin! da hast du gleich deim leib
ein mitgehülffin; das sey dein weib!
Hans Sachs 1, 28 lit. ver.

gleich mit dem dativ auch geradezu 'in gestalt von':

gelîch einem slangen (der teufel im paradies) die hochzeit 964 Waag;

Clodio ... sasz eines tags ... am meergestade, sich zu kühlen, da stieg ein ungeheuer (meermann) einem stiere

[Bd. 7, Sp. 7943]


gleich, aus den wogen Grimm dtsche sagen (1891) 2, 46. in substantivierten formen, nur frühen gebrauchs: inti andriu gilichu then (alia his similia) tuont Tatian 84, 4; vnd auff dem wolcken einen sitzenden einen gelichen dem sun der meyd (sedentem similem filio hominis) habent auff seim haubt ein guldin kron erste dtsche bibel 2, 505 lit. ver. vgl. im ahd.: at scire potuisti Canios (männer wie Canius) tu mahtost aber uuizen Canio geliche ter be Gaio imperatore uuas at Senecas unde Senec geliche Notker 1, 20, 8 P. älter auch in attributivem gebrauch:

iwer varwe im treit gelîchiu mâl
('ihr seht ihm ähnlich')
Wolfram v. Eschenbach Parzival 474, 21;

er ist ye dem sone Vlyssis Telemacho also ennlich, das ich mein tage jhme kainen gleichern menschen nie gesehen habe Schaidenreisser Odyssea (1537) 15a. im mhd. verhüllend einem dinge gelîch für das ding selbst, wie oben sp. 7940, s. auch D 1):

(von Volkers schwert)
Volkêr der küenezôch nâher ûf der banc
einen videlbogen starken,michel unde lanc,
gelîch eime swerte,vil scarpf unde breit Nibelungenlied 1785, 3 Bartsch; vgl. 2002; 2004; 2006; 2007.


c) vereinzelt begegnet im älteren nhd. das zweite vergleichsglied im genetiv:

noch wil die herrschweis hohnen
der gar unteutscher sinn, spricht davon kikes kaks,
(last mich so reden) und ist gleich des elsterschnaks
Schottel (1663) 1004;

die Andronica, die da nicht eines menschen gleich ist schausp. engl. comöd. 32, 13 Cr.
d) gelegentlich tritt das zweite vergleichsglied in präpositionale abhängigkeit von gleich (mit), vgl. schon: (justusque eius quasi) simile cum melle kalich mit honegge ahd. gloss. 1, 335, 52 (8./9. jh.) St.-S.; wenn ... ich ihn (Ruff) höre, so finde ich an ihm viel gleiches mit dem (sänger) Meiszner Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 1, 508 anm. 8.
2) gleich wird einem einzelnen oder zwei grammatisch gleichgeordneten beziehungsworten zugeordnet, prädikativ nach dem typus zwei dinge, bzw. dies und jenes sind gleich oder attributiv nach dem typus zwei gleiche dinge:

that thu thar te hênum duoasubila endi guoda,
lioba endi lêda,uuand sia glilîca ni sind altsächs. genesis 197;

dâ wâren niender zwêne (von den singenden vögeln) gelich:
ir sanc was sô mislich
hôch unde nidere
Hartmann v. Aue Iwein 615;

lesch das liecht ausz, so sind die weiber alle gleich sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 1426;

nû pruofte der junge man
drîe schilte gelîch
Hartmann v. Aue Erec 2285 Haupt;

ein richter sol zwey gleiche orn haben Seb. Franck sprüchw. (1545) 1, 6b; schön saszen sie (Adam und Kain) neben einander. zwey gleiche gemälde, von zwey trefflichen künstlern verfertiget maler Müller w. (1811) 1, 76. gleiches paar: ein gleiches wolgegattetes par una coppia ben' assortita, un paio ben' accoppiata Kramer teutsch-ital. dict. 2 (1702) 181a. handelt es sich um gemeinsamen anteil an eigenschaften einundderselben gattung oder teilen eines ganzen, so liegt, besonders neben einem beziehungswort im singular, die bedeutung 'der nämliche, derselbe' nahe (s. u. II B): gliche spysz, tranck vnd klaidung, wachen, rwen, fasten, arbeiten etc. ist den vnglichen complexion ein vnträglicher last Eberlin v. Günzburg s. schr. 1, 28 ndr.;

edelfräulein dreimal hundert
wohnen bei ihr im palast;
tragen sämmtlich gleiche schuhe,
tragen sämmtlich gleich gewand
Geibel ges. w. (1888) 8, 123;

dasz es geschwister waren, zeigte der erste blick: gleiche figur und haltung Fontane ges. w. I 1, 24. so auch gleiche liebe, 'gegenseitige': amor mutuus gleiche liebe nomencl. lat.-germ. (1634) 230.

[Bd. 7, Sp. 7944]



3) mit ausdrücklicher angabe des vergleichspunktes in einer präpositionalen verbindung; namentlich mit an und in:

than uuesat gi eft an iuuuon dâdiun dûbon gelîca Heliand 1884;

der stahelstein aber, der ist dem eysenstein an seiner farb gar vnd gleich L. Ercker mineral. ertzt (1580) 124a; an güte müszten beide rollen ganz gleich seyn Mozart bei O. Jahn Mozart (1856) 4, 162;

ih irkennu inan io;sprichu ih avur alleswio
bin ih thanne in luginon gilicher iuen redinon
Otfrid III 18, 46;

in der quantität der syllaben ist khein membrum dem anderen in diesem psalmen gleich Cyr. Spangenberg von d. musica 59 lit. ver.; ein geschöpf ..., welches im körperbau wie in seinen geistigen verrichtungen uns völlig gleich wäre O. Peschel völkerkde (1874) 8. seltener mit nach: eine versammlung von lebendigen selbständigen wesen, die der idee, der anlage nach, gleich sind Göthe II 6, 10 W. älter auch mit von: ir har was von farwe gleych dem golde Niclas v. Wyle translat. 22 Keller.
4) bis ins 17. jh. hinein wird durch die steigerungsformen von gleich oder durch beifügung von adverbien oder partikeln häufig der grad der ähnlichkeit oder gleichartigkeit bestimmt. in jüngerer sprache tritt hier das als gemäszer und eindeutiger empfundene ähnlich fast durchweg an die stelle von gleich:

uuas im (dem engel am grabe) is giuuâdi uuintarcaldon
snêuue gilîcost Heliand 5810;

die im aller gelichest nu nachvolgent an den göttlichen fúrwúrfen, in dem wirken und gebruchen ein wirt, die súllent im allerglichest her nach sin in weselichem gebruchen eweklichen Tauler 157, 22 Vetter; dasz aber die kinder den eltern gleich sehen vnnd werden, geschicht von wegen desz stärcksten vnd fürtrefflichsten samens: also, dasz das kind dem, welches samen am stärcksten ist, am gleichsten vnd ähnlichsten wirt geborn J. Ruoff hebammenbuch (1580) 44;

diesz ist dein aug und mund, was kann dir gleicher seyn?
Hagedorn poet. w. (1757) 2, 161;

(sie) sehen eim rosz gleicher mit den schhen denn eim menschen Keisersberg brösamlin (1517) 1, 95d; meines herrn gunst vermehrte sich täglich ... weil ich nicht allein seiner schwester ... sondern auch ihm selbsten je länger je gleicher sahe Grimmelshausen Simplic. 76 Scholte. mit verstärkenden adverbien oder vergleichspartikeln: simillime ... gantz gleych, gar nlich Frisius (1556) 1213a;

de ander was em seer ghelik Reinke de vos 308 Leitzmann;

und er (Raguel) sahe Tobiam an, und sprach zu der Hanna seinem weibe, wie gleich sihet der junge gesell unserm vetter Tobias 7, 2;

sol iuwer swester Kûdrûnindert lebende sîn
in deheinem landeûf al dem ertrîche,
sô ist daz diu selbe.ich gesach ir nie deheine sô gelîche.
dô sprach der künic Ortwîn'si ist vil minniclîch
und doch mîner swesternindert anelîch' Kudrun 1238, 4 Martin;

Joh. Seb. Bachs zweite frau schrieb ihrem manne so gleich, dasz nur ein geübter ihre handschriften unterscheiden konnte O. Jahn Mozart (1856) 4, 696. redensartlich: er ist jm also gleich, als wer er jhm ausz der haut geschnitten sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 26b; (das kind) sahe dem knecht so gleich, als wenns ihm aus dem gesicht geschnitten worden wäre Grimmelshausen Simplic. 403 Scholte.
5) gleich —gleich in korrespondierenden wendungen, namentlich sprichwörtern und redensarten, groszenteils in unflektiertem, für alle geschlechter geltendem gebrauch, seltener in flektierenden substantivierten formen.
a) am gebräuchlichsten in dem sprichwort gleich und gleich gesellt sich gern, seinen varianten, parallelen und

[Bd. 7, Sp. 7945]


umformungen, aus älterem gleiches gesellt sich gern hervorgegangen; meist mit dem üblen nebensinn 'ein bösewicht findet den anderen': glychs gesellt sich gern; der sich ze dien bösen gesellt, den beschicht och böslich (1386) in: schweiz. idiot. 2, 593;

nu spricht man: 'glich gesellit sich gerne',
daz mochte man do wol lerne
an em (Judas) unde Pilato
Joh. Rothe passion 161 Heinrich;

doch glychs und glychs gsellt sich gern,
sprach der tüfel zuo dem koler ouch fastnachtsp. 896, 11 Keller;

als man gemainklich spricht: gleich und gleich gesellet sich gern, also beschach da auch. es fand ain schalck den andern Fortunatus 144 ndr.; A. Schellhorn sprichw. (1797) 97;

je nun! die diebe sind ja seine schutzgenossen,
und gleich und gleich gesellt sich gern
Pfeffel poet. vers. (1812) 9, 65;

Fischer schwäb. 3, 683; rhein. wb. 2, 1265. von hier aus:

wahrlich das heiszt wohl recht, ein taugenicht führet den andern!
wie gesellet doch gott beständig gleiche zu gleichen!
Voss Odyssee 316 Bernays;

ohne nebenton:

du verglichst mit griechischen seelen
Römerseelen und hast gleiche zu gleichen gesellt
Herder 26, 63 S.

in ähnlichen prägungen: es sucht ye ain geleich sein gleich (1417) bei Klapper d. sprichw. d. Freidankpred. (1927) 69; ähnliches ebda; gleich schet sich, gleich findet sich Tappius adag. cent. sept. (1545) j 3b; J. J. Chr. Bode gesch. d. Thomas Jones (1786) 1, 243; gleich find zu gleich Eyering proverb. cop. (1601) 2, 673. in verkürzten wendungen: hurn und bubn, gleich und gleich Eyering prov. cop. (1601) 3, 48; gleich bei gleich, sei der düvel, du kom hei bej ene schorstenfeger rhein. wb. 2, 1265. gelegentlich auch in eingliedriger wendung, bei der aber das zweite gleich in der vorstellung mitgegeben ist: gleych sammelt sich gerne (1450) bei Klapper d. sprichw. d. Freidankpred. (1927) 69;

das gleiche findet sich.
die deine liebt ein junger.
die vettel ist für dich
Casp. Stieler geharnschte Venus 114 ndr.


b) seltener in sonstigen anwendungen: das ist, ein schaffstall, ein wesen, gleich vnd gleich von dem alten vnd newen, keiner besser noch böser, keiner anderst dann der ander Paracelsus op. (1616) 2, 443 Huser; neben ihm stand ein phönix, der gerade in die sonne sahe, mit der beyschrifft gleich und gleich Lohenstein Arminius (1689) 1, 354b; zu einer gesellschaft, die sich schon als gleich und gleich anerkannt hat, kommt ein neuer incroyable, den sie (die übrigen incroyables) mit perspectiven und lorgnetten anstaunen Göthe I 47, 355 W. den gleichen ein gleicher 'mensch unter menschen':

nun da sie tot, was hält dich länger ab,
den gleichen als ein gleicher zu gehören,
mitfühlend ihre sorgen, ihre lust?
Grillparzer s. w. 7, 30 Sauer.


6) auch sonst gelegentlich in substantiviertem gebrauch. unflektiert:

wan mit glich (mit seinesgleichen) behendú spil
machint kurzewile vil,
als ez irgie Sampsone
Rudolf v. Ems weltchron. 62606

(s. u. meines gleichen sp. 7951); minne minnet alwege glîch meister Eckhart w. 1, 174 Quint. flektiert, in sächlicher beziehung: es gibt menschen die ihr gleiches lieben ... und wieder solche, die ihr gegentheil lieben Göthe I 42, 2, 147 W.; mein lieber major! wir haben doch sehr viel gleiches in unserm ganzen wesen Ayrenhoff s. w. (1814) 3, 53. mit folgender vergleichspartikel: unausgesetzt ... klang ihr gezirp, ohne tonfülle, ... und doch war etwas gleiches darin, wie im lied der nachtigallen Cl. Viebig d. schlafende heer (1904) 1, 46.
B. 'gleichwertig, gleichrangig, gleichberechtigt', lat. par, aequus. vorwiegend auf die stellung von personen zueinander, aber auch auf sachliche wertverhältnisse bezogen,

[Bd. 7, Sp. 7946]


auf rang, stand oder befugnis, auf fähigkeiten und verdienste, besitz- und machtverhältnisse u. ä.
1) in grammatischer trennung der vergleichsglieder.
a) die verbale konstruktion mit dem dat. eines substant. oder pron. zeigt groszenteils dieselben verbindungen wie unter A 1 a α.
α) gleich sein, meist in der blickrichtung vom niederen zum höheren hin; besonders gott gleich sein: þata auk fra(i)Þjaidau in izwis, Þatei jah in Xristau Jesu, saei in gudaskaunein wisands ni wulwa rahnida wisan sik galeiko guda (τὸ εἶναι ἴσα θεῷ) Phil. 2, 6 Streitberg;

gilih, quad, goton uuarin,in thiu sie iz ni firbarin;
quad, guat joh ubil wessin,thes guates thoh ni missin
Otfrid II 5, 17;

(der mensch) ist auch niht geleich den engeln, sunder hoher wenn die engel (aequalis sed superior) Joh. v. Neumarkt pseudoaugustin. soliloquien 20 Sattler; Lucifer wolt got gleich sein, aber bapst will vber gott sein Hutten op. 5, 394 Böcking. von menschen untereinander:

ich neweiz in nicht in miner gewalt
wedir iungen noch alt
der dir si gelich (sagt Pharao zu Joseph) genesis 86, 12 Diemer;

dein trewer hort, der edel Clandt ...
bey krieg geübt, wer ist jhm gleich
Zinkgref auserl. ged. 13 ndr.;

jene ehrfurcht, ... die wir vor dem haben was uns gleich ist, nennen wir die philosophische: denn der philosoph, der sich in die mitte stellt, musz alles höhere zu sich herab, alles niedere zu sich herauf ziehen Göthe I, 24 243 W. in umgekehrter blickrichtung, am niederstehenden orientiert:

der ist eyn narr, der gott veracht
und wider jn vicht tag und nacht
und meynt, er sy den menschen glich
Brant narrenschiff 83, 3 Z.;

dasz der sohn dem vater nicht gleich sei, sondern ein bessrer
Göthe I 50, 208 W.

in naturrechtlicher auffassung: im übrigen sind alle menschen einander von natur gleich, und die ungleichheit der stände ist entweder aus mangel oder wegen dringender noth eingeführet worden Chr. Thomasius von d. kunst vernünfftig ... zu lieben (1692) 27. in sachlicher anwendung:

daz er âne sîn lant
nie bezzer kurzwîle vant:
wan dem (seinem lande) was et niht gelich
Hartmann v. Aue Iwein 2659.

gleich werden:

gilih, quad, wurtin thanne goton, nales manne,
joh thanne in iro brustin guat joh ubil westin
Otfrid II 6, 21;

du wirst nicht mächtig, wirst nicht reich,
jedoch den gröszten helden gleich
Göthe I 6, 50 W.

formelhaft von Christi menschwerdung: hier vmb bitte jch dich auffs demutigest bey deiner mensch werdung, als du vns gleich bist worden, ... du wollest mir mein aller liebsten Peter ... widder geben Warbeck Magelone 50 Bolte.(sich) gleich machen (s. u. gleichmachen):

er (Jethro) machot in (Moses) geliche
im selben ebenriche exodus 124, 30 Diemer;

sondern saget auch, gott sey sein vater, und machet sich selbs gotte gleich Joh. 5, 18; daher einige seiner landesleute ihn dem Virgilio und Horatio gleich machen D. Morhof unterr. v. d. dtschen sprache (1682) 1, 239; besonders mit der blickrichtung nach unten:

wande di clare machte sich
otmudec armen luden gelich heil. Elisabeth 3006 Rieger;

indem ich deine zier
so einen höllen riegel
mit meinem löffeln gleich gemacht
(d. h. dich schöne habe ich mit einer gemeinen magd,
der ich den hof machte, auf eine stufe gestellt)
Chr. Weise d. grün. jugend überfl. ged. 66 ndr.

es jmd. gleich tun (s. u. gleichtun): der regiret auch, unde hette gerne dem ersten glich getan, hette he vurmocht Limburger chron. 84 Wyss;

[Bd. 7, Sp. 7947]


vnd gert nit das ain plosser man
geharnischt leuten gleich soll than
J. v. Schwarzenberg d. teutsch Cicero (1553) 131a;

denn so wie schon in den compositionen ... die eigenthümlichkeit Mozarts unverkennbar hervortritt, so macht sich auch in seinen späteren werken nirgends das bestreben geltend, wie Bach und Händel zu schreiben, ... sondern es ihnen gleich zu thun O. Jahn Mozart (1856) 3, 381.
neben verben des einschätzens. gleich achten (s. u. gleichachten): also die sint ... an dien impietas richesot, dien gelichen ahtoton sie mih Notker 2, 362, 17 P.; die philosophia soll dem wort gottes ... nicht gleich geachtet ... werden Moscherosch insomnis cura parent. 37 ndr.; und wie schon lange der kampf gegen die ungläubigen im abendlande den zügen nach der heiligen stätte gleich geachtet wurde, so wandte der orden (der Deutschritter) seine waffen nach dem occident Ranke s. w. (1867) 25, 28. — gleich schätzen (s. u. gleichschätzen): equipensare gleich schetzen (1495) Diefenbach gl. 206c; mich aber ... dürffen sie nur einem leibeignen knecht gleich schätzen Joh. Mathesius Sarepta (1571) 173a; ich möchte nicht sagen, dasz ein so langer stillstand einem frieden gleich zu schätzen gewesen wäre; vielmehr blieben die alten differenzen dabei noch immer unausgeglichen Ranke s. w. (1867) 4, 85. anderes mehr gelegentlich: denn wer mag in den wolcken dem herrn gleich gelten ps. 89, 7; darumb das er ... den ubelthetern gleich gerechent ist Jes. 53, 12; (wir würden uns) für gott gleich halten A. G. Kästner verm. schr. (1755) 1, 5; will an seinem hofe das ceremoniel des kaisers einführen, dem er sich gleich dünkt Scherer lit.-gesch. 98.
β) in übertragener anwendung verschiedener im eigentlichen gebrauch zu gleich VI A 3 'gerade, auf einer linie' gehörender verbindungen. transitive verbindungen dieser art begegnen sowohl als akt der einschätzung, des werturteils wie in der bedeutung des tatsächlichen auf eine stufe stellens. gleich setzen (s. u. gleichsetzen): dw solst myr nichts eynem christen gleych seczen, vil weniger druber Luther 34, 1, 370 W.;

sein leben wird den köstlichsten geschichten
gewisz dereinst von enkeln gleich gesetzt
Göthe I 16, 179 W.

(sich) gleich stellen (s. u. gleichstellen):

o hätte dich des stammes grösze
nicht schon den sternen gleich gestellt
Stoppe Parnasz (1735) 15;

Sacchini hat nichts, was diesem (dieser komposition Glucks) gleich zu stellen wäre Heinse s. w. 5, 132 Schüddekopf; indem er (Christus) die unwissenden ... seiner weisheit ... theilhaftig werden läszt und sich deshalb ihnen gleich zu stellen scheint Göthe I 24, 253 W.gleich stehen (s. u. gleichstehen, -stehend): ich sah federzeichnungen, die ... den Dürerischen handzeichnungen gleich stehen Görres ges. br. (1858) 3, 3. gelegentlich. das ist doch ein wahres gefühl seiner selbst, wenn man andern gleich oder gar vorläuft Göthe I 19, 90 W. juristisch, von gegenständen und handlungen gleichen rechtsgehaltes: einer verfügung des berechtigten steht eine verfügung gleich, die im wege der zwangsvollstreckung ... erfolgt bürgerl. gesetzb. § 353; vgl. 136, 161 und oft. ebenso von personen, die in bestimmter hinsicht rechtlich auf gleicher stufe stehen: anstifter und gehilfen stehen mittätern gleich ebda 830; vgl. 1609. — gleich kommen (s. u. gleichkommen und kommen 22 a, teil 5, 1658):

dagegen Heinrich blosz im reiche chur-fürst war,
dem gleichwol nach der zeit noch keiner gleich gekommen bei
Chr. Fr. Weichmann poesie d. Niedersachsen (1721) 1, 33;

denn nach einer grippe nebst rückfall bin ich von einer faulheit, der nichts gleich kommt fürst Pückler briefw. u. tageb. (1873) 1, 114. seltener gleich gehen (s. teil 4, 1, 2, 2440):

stern, vor dem die seraphinen
nur wie todte kohlen stehn,
dem die lichten cherubinen
niemahls können gleiche gehn
Chr. Gryphius poet. wälder (1718) 1, 14.

[Bd. 7, Sp. 7948]


gleich bleiben: wenn sich die tragödie bisweilen herunter läszt, oder die materie sich erhebt: so geschieht es um ihrer materie gleich zu bleiben Ramler einl. in d. schön. wissensch. (1758) 1, 151.
b) selten auch elliptisch, an stelle eines relativsatzes: nun wölt gotte ... das du dir doch eynen dir geleich in adel auszerwelt hettest der so vil an unserm hofe ist, so hast du dir Gischwardo den schnedesten an unserem hof z eynem liebhaber erwelet Arigo decamer. 250 lit. ver.; ein ernstlicher scharmützel, ... fast einer feldschlacht gleich Stumpf Schweizerchron. (1606) 26b.
2) einem einzelnen beziehungswort zugeordnet, meist prädikativ:

ni bidrahtot unser sumilih,thaz wir birun al gilih,
einera giburti,thoh iz sid sulih wurti
Otfrid III 3, 17;

nach der natur sein alle menschen gleich erschaffen, darumb sllen die fürsten vnd herren sich nit z vil erheben Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) r 5a;

teil und haufen wurden gemacht;
das heten die pauern selbst betracht;
sie wolten gar nichts geben,
sunder ein jeder gleiche sein,
gemes dem andern leben (16. jh.) chron. d. stadt Bamberg 2, 201 Chroust;

wann alle leute weren gleich,
und weren all sämptlich reich,
und weren all zu tisch gesessen,
wer solt aufftragen trincken und essen
Lehman floril. polit. (1662) 1, 18;

es sind nicht alle gleich, so mit dem kayser reiten ... hoc est: ministri Caesaris non sunt pares Pistorius thes. paroem. (1715) 471; das ist gewisz, sagte Hansz Thurnmeyr, der tod macht alles gleich, vnd ist bey jhm kein underscheid der person: starck oder schwach musz jhm alles nach Moscherosch gesichte (1650) 2, 240;

wir stiften brüderschaft. der trunk macht alle gleich
P. Fleming dtsche ged. 1, 96 lit. ver.

selten attributiv; in älterem dogmatischen gebrauch: ich setze alle meyn hoffnung vnd trawen auff vnd ynn den heyligen geyst, gleicher gott vnnd von beyden auszgehet mit dem vater vnnd mit gott dem sohne 2 ält. katech. 33 ndr.;

(Christus) mit mir ein gleicher gott allzeit,
von ewigkeit zu ewigkeit
B. Krüger anfang u. ende d. welt (1580) b 5b.


3) mit präpositionaler bestimmung des vergleichspunktes, vor allem durch an und in: vnde dir neist kelicher an dinen gedanchen Notker 2, 146, 8 P.;

ein weib, das ihrem mann an stand und gut ist gleich
Rachel satyr. ged 37 ndr.;

an einfalt, grösze und frömmigkeit ist keine kunst der deutschen gleich A. Stifter s. w. (1904) 14, 305; andere heiligon ne mugon imo gelich sin, neueder in diuinitate, noh in humanitate Williram 35, 3 Seemüller; nachdem derselp (Christus) geporen in allen krefften gleych ist dem geperer, deszhalb werden sy bed genennt vater vnnd sun Berthold v. Chiemsee teutsche theol. 56 Reithm.; auch hat er einen solchen reichthum von ideen, dasz ihm niemand als sein eigener groszer sohn darin gleich kommt Schubart ästhet. d. tonkunst (1806) 101. älter auch in anderen verbindungen:

daz in (den frauen) ûf erde iht sî gelîch
mit êren reines muotes rîch
Reinmar v. Zweter 34, 10 R.;

vier frowen all vermechelt vnd von adel, gestalt, iugend vnd geziert garnach gelych Nicl. v. Wyle translat. 21 Keller; o wie gar gros ist unser vater Jeronimus ...! niemant ist im geleich nach seinen groszen werken Joh. v. Neumarkt leben d. hl. Hieronymus 96 Benedict.
4) in speziellen anwendungen, namentlich substantivischer formen, die z. t. (s.c) unmittelbar auf das schwache substantiv gelîche (vgl. DWB C) zurückgehen, im übrigen aber wohl nur substantivierungen darstellen, wie sie von jedem adjektiv gebildet werden können.
a) als bezeichnung einer rang- oder stufenordnung.
α) soviel wie 'standesgenosse, ebenbürtiger', vgl.: ladige he hine mid xi his gelicena and mid anum cyninges ðægne

[Bd. 7, Sp. 7949]


(890) bei Liebermann d. gesetze d. Angelsachsen 1, 126: alterutrum cumulat parilem meruisse iugalem iuuer iouuedermo ist era ze gelichemo gehien Notker 1, 716, 14 P.; swer des uberredet wirt mit siben siner gelichen oder siner tiurern (1256) denkm. d. baier. landesrechts 46 Rockinger; ubi multa sunt castra et fortalitia in quibus se recipiunt maligni homines qui glichen in nostro ydiomate apellantur id est pares in auctoritate et societate (1320) bei Haltaus 727; wann das ist, das ich oder mein eriben das haus ... verkauffen, so sullen wir das geben ainem geleichen pawman (1416) fontes rer. austr. II 52, 148; 3. hülfsanrufung ... a. von oberen (gerichtsbarkeit); b. von gleichen (freundschaft, gefälligkeit) K. L. v. Haller restaur. d. staatswiss. (1816) 1, 79. von leuten niederen standes, gewöhnlicher herkunft, gleicher mann wie gemeiner mann; vielleicht unter einflusz der besonders im östl. obd. begegnenden bedeutung gleich VI E 5, die eine mittlere grösze bezeichnet: der ist ze wandel, ist er ain edelmann 3 mark goldes und ain schilt vollen silber ... ist er aber ain gleicher (ein bürgerlicher) man, so ist er vervallen 5 tal. (15. jh.) österr. weist. 8, 622; vgl. ebda 11, 159; was gemaine juden, populus, knecht, hüerten, schächer, henkher und gleichen leut sein (anordn. z. fronleichnamsprozess. von 1580) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1422; im bair. noch lebendig: der tuət so vórnêm, dás ə' gàr kaə~n gleichə mensch.n mèr a~schaut ebda.
β) in auszeichnendem sinne 'gleichrangig, ebenbürtig':

da (in der heimat) seh ich dich im ächten männerwerth,
den ersten von den freien und den gleichen,
mit reiner, freier huldigung verehrt,
grosz, wie ein könig wirkt in seinen reichen
Schiller 14, 347 G. (Bertha zu Rudenz im 'Tell');

gewisz umgibt ein schöner kreis dich auch
von ähnlichen! von gleichen sag ich nicht!
o! sieh dich um in deinem eignen herzen,
in deiner freunde herzen sieh umher,
und findest du ein überflieszend masz
von liebe, von ergebung, kraft und muth;
so werde dem verdientesten diesz kleinod (Eugenie als gattin)
mit stillem segen heimlich übergeben
Göthe I 10, 332 W. (natürliche tochter v. 1850);

verschaffte er (Goethes vater) sich den charakter eines kaiserlichen raths ... dadurch hatte er sich zum gleichen der obersten gemacht Göthe I 26, 113 W.;

denn, erst gestützt des rechtes heilig haus,
ziehn wir einher als unsrer führer gleiche,
und tilgen dich als letztes unrecht aus
Grillparzer s. w. 2, 97 Sauer.


γ) gelegentlich als verdeutschung von die pairs (frz. pairs, engl. peers), als bezeichnung der dem könig ursprünglich ebenbürtigen adligen: von den zwölff fürsten, genennt die glychen Stumpf Schweizerchron. (1548) 212b; uber söliche zwölff gleychen hat Franckrych noch viererley gerichtshöf ebda 213a; zum erstenmale, wie man annimmt, haben sich damals die pairs, die in ihrem verhältnisse zu der französischen krone als die gleichen Johanns erschienen, zu einem groszen gericht versammelt Ranke s. w. (1867) 8, 26.
b) in verbindung mit negationen wie nie, nicht, nichts oder sonst in negativem zusammenhang in stark hervorhebendem oder auszeichnendem sinne, 'unvergleichlich, nicht vergleichbar, nie derartig' u. ä. (s. auch C 1 b α; 3): quia nihil tale in hominibus accidit kalihhes eo neo uuiht mit mannum Monseer fragm. 33, 16 Hench;

ouwê waz hât ir getân
ir antlütze unde ir schœniu lîch,
der ich nie niht sach gelîch
Hartmann v. Aue Iwein 1670; vgl. 2662;

wunderhaftige grose dink und den nichtes gleiches gehoret ist in keinen zeiten Joh. v. Neumarkt leben d. hl. Hieronymus 131 Benedict.;

dann erheb ich, auszer Preuszen,
Sachsens schöne lindenstadt,
Leipzig, das nichts gleiches hat
Gottsched ged. (1751) 1, 218;

nie macht ich einen gleichen ritt
Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 109.

im nämlichen sinne: sie sei das weib der weiber, die göttliche frau, die immer nur ein mal in der welt sei, schön

[Bd. 7, Sp. 7950]


und hell und heiter, wie der stern der Venus, klug und gütig und nur sich selber gleich G. Keller ges. w. (1889) 2, 223. selten in persönlicher substantivierung: also dasz einer nit solt gedencken, inen in der unzucht ... einen gleichen z haben Kirchhof wendunmuth 1, 272 Österley.
c) so namentlich ohne gleichen, sondern gleichen, unter rhythmischem zwang auch ohne gleich (s. auch ohne II 1 a, teil 7, 1214 und sondergleichen teil 10, 1, 1579). seiner bildung nach ist gleichen hier ursprünglich der accus. masc. zu dem mhd. schw. subst. gelîche (s. u. DWB C), als erstarrte form aber und wohl unter dem analogiezwang von meines gleichen, des gleichen u. ä. auf alle geschlechter und numeri anwendbar. in frühester bezeugung, vgl. mnl. im 13. und 14. jh. mehrfach belegtes sonder ghelike Verwijs-Verdam 2, 2151: o sunderiw und on allen geleichen junkfraw Maria (cf. span. sin par ... dulcinea) aus einer alten quelle bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1423. sonst dem zugehörigen substantiv durchweg nachgestellt:

zu klagen dessen tod, der an die wolken rühret
durch thaten ohne gleich
Fr. v. Logau sinnged. 4 Eitner;

o groszmuth ohne gleich
Joh. Ulr. v. König ged. (1745) 17;

du (Maria) lilie ohne gleichen,
der selbst die engel weichen
Mittler dtsche volksl. 299;

eine unbescheidenheit ohne gleichen Cramer Neseggab (1791) 1, 17;

ein vielgewandter ...
kommt zum lustmahl ohne gleichen
Göthe I 4, 70 W.;

mein war der mund, der liebesschwüle,
und mein der busen ohne gleich
M. Graf Strachwitz ged. (1850) 213;

du wirst gemalt, und wenn es gelingt, dann giebts ein bild ohne gleichen M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 4, 229. prädikativ: sein entsetzen sei ohne gleichen gewesen Göthe I 23, 299 W. nur selten adverbial auf ein adjektiv bezogen: da dieser ohne gleichen warme, dreieckige winter leider meine schwachen spazierentschlüsse überwunden hat Annette v. Droste-Hülshoff br. an L. Schücking (1893) 162. sonder gleichen:

jenes ist der Gen'ralife (der garten der Alhambra in Granada),
ist ein garte sonder gleichen
Herder 25, 173 S.;

welch ein wirthshaus sonder gleichen.
Göthe I 1, 147 W.;

gewisz ein jäger ist er sonder gleich
Fouqué held d. nordens (1810) 78.

namentlich neben negativ betontem beziehungswort: eine frechheit sonder gleichen W. Alexis Roland von Berlin (1840) 2, 159; durch eine wort- und treulosigkeit sonder gleichen Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 66.
d) gleich und gleich, gleich zu gleich u. ä., vorwiegend unflektiert, in sprichwörtlichem oder redensartlichem gebrauch, von den teilweise gleichlautenden wendungen I A 5 nicht immer sicher zu unterscheiden:

kein pesser heirat wirt nit erdacht,
dann wo sich gleich und gleich zusamn macht fastnachtsp. 517 Keller;

gleich bei gleich macht langen frieden Binder sprichw. 76;

gleich und gleich! so allein ists recht!
darauf will ich leben und sterben!
ich liebe mir den müllerknecht,
an dem ist nichts zu verderben (müllerin zum edelknaben)
Göthe I, 1, 188 W.;

zwar die Lübeker und ander stedte mochten sich hiemit behelffen, das sie nicht des königs unterthanen, sondern als feind mit feind und gleich mit gleichem gefaren hetten. aber die armen Denen ... haben wider yhre öberkeit on gotts befelh gehandelt Luther 19, 642 W.; sie (die neigung) will als eine majestät angesehen seyn, und mit der vernunft, als sittliche gesetzgeberinn, wie gleich mit gleichem handeln Schiller 10, 410 G.
5) sonst nur gelegentlich in substantiviertem gebrauch:

Carl wollte sich was gleiches wählen,
und weil ein kluggesetzter geist
an dir des adels spuren weist,
so konnte seine wahl den weg unmöglich fehlen
Stoppe Parnasz (1735) 16;

[Bd. 7, Sp. 7951]


du warst ...
zu hoch ... für meine liebe,
und nur das gleiche fügt sich leicht und wohl
Grillparzer s. w. 4, 216 Sauer.

in freiem gebrauch, unflektiert:

denn ach! die einen rufen:
nichts, nichts als frei und gleich
E. M. Arndt s. w. 5, 129 R.-M.


C. eine formale sonderstellung behauptet eine gruppe substantivischer gebrauchsformen von gleich, die auf ein schw. subst. ahd. gilîcho, mhd. gelîche zurückzuführen sind, das aber nur noch in erstarrten genetivformen weiterlebt (reste dieses gebrauchs s. auch noch B 4 c; D 3; III D 5 b; c).
1) meines gleichen, deines gleichen u. s. w., unflektierbar und auf alle casus, numeri und geschlechter anwendbar (in jüngerem gebrauch häufig zusammengeschrieben, vgl. DWB mein 7, teil 6, 1915, sein 4 c ζ, teil 10, 1, 353, ihresgleichen teil 4, 2, 2056 mit beispielen für getrennte und ungetrennte schreibung). fast ausschlieszlich in persönlicher anwendung, als bezeichnung eines menschen, nur gelegentlich in sächlicher beziehung (s. u. c).
zur formalen herleitung vgl. Jac. Grimm gr. 3, 74 f.; 4, 902, Wilmanns gr. 2, 592, Paul nhd. gr. 3, 108, derselbe, dtsch. wb. 216b. den nhd. festgelegten formen stehen in der älteren überlieferung verschiedene miteinander konkurrierende möglichkeiten gegenüber. eindeutig ist die schon von Jac. Grimm a. a. o. erkannte rückführung auf das schw. masc. ahd. gilîcho, mhd. gelîche (mnl. gelike, neunl. gelijke, s. Verwijs-Verdam 2, 1250; woordenboek 4, 1182), das, wie jedes substantiv, mit dem gen. oder dem pron. poss. verbunden werden kann: Adames kelicho Notker 2, 21, 20 P.; des weibs gleiche Judith 11, 16; des mans gleichen (acc. sgl.) Jesus Sirach 36, 25; in vertretung des possessivs: iro gelichen Notker 2, 579, 30 P.; zuo ir glîchen Hartmann v. Aue Erec 1945. in der verbindung mit dem possessivpronomen in zahllosen, namentlich mhd. beispielen, denen wohl auch die an sich auch als gen. des pers. pron. deutbaren verbindungen mit mîn, dîn, sîn zuzuweisen sind: sin gilicho Otfrid III 20, 36; mine gilichon III 7, 52; iuuera glîchon Williram 134, 5; iwer gelîche Nibel. 2199, 2 B.; sînen gelîchen (acc. sg.) Wirnt v. Gravenberg Wigalois 193, 21 Pf.; Johann v. Würzburg Wilh. v. Österr. 12430 R.; mit andern sinen gelichen (14. jh.) dtsche pred. 80, 20 Leyser; fur unsern gleichen (1469) Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 1, 90; synen geliken (acc. sgl.) (1473) bei Schiller-Lübben 2, 43a; und so häufiger noch bis zur mitte des 16. jh., vor allem in der Lutherbibel: herr, es ist dein gleiche nicht 1. chron. 18, 20; vgl. Hiob 1, 8; 9, 32; 2. kön. 23, 25; und sonst: Augusto, Trojano und jren gleichen Luther 6 (Jena 1568) 156b; durch ettliche meyne gleichen (1524) bei Luther 15, 91 W.; seinen gleichen (acc. sgl.) volksb. Fierrabras (1533) a 7. vereinzelter jüngerer gebrauch (s. auch B 4 a) läszt eher an spontane substantivierung denken, wie sie bei jedem adj. möglich ist: das mitleiden, welches ein mensch von natur über das elend seines gleichen haben soll Fielding gesch. d. Jos. Andrews (1761) 313; dasz ich auch meine gleichen suche W. Alexis ruhe (1852) 4, 282.
daneben stehen schon mhd. und bis ins 16. jh. hinein in allen casus zahlreiche flexionslose formen in verbindung mit dem possessivpronomen oder anderen adjektivischen pronomina, vorwiegend, aber nicht ausschlieszlich unter rhythmus- und reimzwang: der mensch inhait keinen glich parad. anim. intell. 58, 9 Strauch; gesach ich iren geleich Hätzlerin 188; an ... sîme gelîch Kolm. meisterl. 438; seynen gelich (acc. sgl.) Vintler blum. d. tug. b 3a; iren gleich (acc. sgl.) fastnachtsp. 577 Keller; andere sine gelîk Reinke de vos 131 Lübben; seinen gleich (acc. sgl.) sprichwörter, schöne weise klugr. (1548) 6a; mit seinem gleich Burkh. Waldis Esop 1, 21 Kurz. noch früher bezeugte verbindungen mit mîn, dîn, sîn etc. sind auch hier wohl nicht im sinne des genetiv. pers. pron., sondern des possess. aufzufassen: sîn gelîch Hartmann v. Aue Erec 2758; arm. Heinr. 281; Konrad v. Würzburg troj. krieg 384; 17490; mein gleich (14. jh.) exodus 9, 14 in cgm. 341; sein

[Bd. 7, Sp. 7952]


gleich Teuerdank 3; Thym Thedel v. Wallmoden 1361 ndr.; dein gleich (1567) Kehrein kirchenl. 2, 31. gelegentlich steht auch hier statt des possess. der gen. des pers. pron.:

wis, syttlich vtter, tugentrich
machen ouch kynder jren glich (statt ir glich)
Brant narrenschiff 52b Zarncke;

vgl. ebda 101b, 76a und dazu Zarncke 386a; zweifelhaft: Adam (dat.) wart nicht funden sin geleich (similis eius) erste dtsche bibel 3, 50; vgl. 198.
abseits stehende, meist mehrdeutige fälle sind die gelegentlichen verbindungen sin glich, ir glich, die entweder als verkürzungen des acc. sgl. masc. für sinen, iren glich oder als verbindungen des substantivierten adjekt. neutr. mit dem possess. aufgefaszt werden können: darumme wirkit her (gott) sin glich in siner geburt parad. anim. intell. 16, 18 Strauch;

nindert so fand man sein geleich Laurin 240 Schade;

so ein greulich man, das man sein gleich nie gesehen hett Seb. Franck Germ. chron. (1538) 20. sicher als neutr.:

wâ si (die natur) mac vinden ir gelîch,
daz wol ir art gehillet
Konrad v. Würzburg troj. krieg 7806;

eyn islik dink dat vynt io sin gelik bei Schiller-Lübben 2, 43a.
die den ganzen jüngeren sprachgebrauch beherrschende form meines gleichen ist ein erstarrter genetiv, der mit Paul a. a. o. am ersten als ein partitiver gen. aus ursprünglicher abhängigkeit von substantiven, namentlich solchen wie einer, jemand, alle und besonders negationen wie nichts, keiner u. ä. zu erklären ist, vgl. in frühester bezeugung: fräut er sich der gesellschaft seins gleichen Konrad v. Megenberg buch d. nat. 95 Pf.; und so in älterem gebrauch noch öfter: das deines gleichen keiner unter den königen ist 1. kön. 3, 13; vber viel meines gleichen Gal. 1, 14; vil (acc. pl.) deins gleichen Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 123; keinen meines gleichen Grimmelshausen Simplicissimus 259 Scholte, wie auch jünger noch: andere seines gleichen Kästner verm. schr. (1755) 1, 41; viele ihres gleichen Göthe IV 8, 24 W.; einem ... manne meines gleichen Ph. Hafner ges. lustsp. (1812) 1, 63, welchen fällen auch in jüngstem gebrauch die ungetrennte schreibung vorbehalten bleibt: niemanden ihres gleichen Polenz Grabenhäger (1897) 1, 154. schon im späten 15. jh. ohne abhängigkeit von einem substantiv, als indeklinable form in andern obliquen casus und im nom.: ob ich sins gelychen ye gesechen hab Nicl. v. Wyle transl. 17 Keller; seines geleichen in keinem lande waz Arigo decamer. 126 Keller. im 16. jh. gewinnt diese indeklinable form über alle älteren möglichkeiten die vorhand und gilt bereits vor 1600 als einzige, der nur gelegentliche varianten zur seite stehen, so ein verkürztes meins gleich, meines gleich in gebundener rede, nicht über das 16. jh. hinaus: sins glich (acc. sg.) Brant narrensch. 60a Z.; er ... sicht synes glich Murner gäuchmatt 69 ndr.; deins gleich (von Maria) (1573) Kehrein kirchenl. 1, 426; vgl. noch sîns gelîk neben gelîken Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 604a. in seltsamer doppelflexion der in ihrer herkunft nicht mehr verstandenen form: jres gleichens J. v. Schwarzenberg teutsch Cicero (1535) 73; seines gleichens Kramer 1 (1701) 532c; unsers gleichens Wieland Lucian (1788) 4, 175; seines gleichens Brentano ges. schr. (1852) 4, 487; singulär: seines gleiches Laube ges. schr. (1875) 4, 167, doch vgl. noch myns glyches (1891) bei Martin-Lienhart elsäss. 1, 256a; ōses gliches lī 'leute von unseres gleichen' Heinzerling-Reuter siegerländ. 87b.
a) als bezeichnung eines lebewesens, das einem oder mehreren anderen gleichartig ist, hinsichtlich des aussehens, der gesinnung, der natürlichen artung, des lebensstandes u. ä., wie oben A:

sume datun mari,thaz iz ther ni wari,
quadun iogilicho,theiz wari sin gilicho (dasz er ihm ähnlich sähe)
Otfrid III 20, 36;

ich besueron iuuich, guote sêla, ir da treffet ad supernam Hierusalem, suâsir decheina iuuera glîchon uindet, diu

[Bd. 7, Sp. 7953]


der uuerlte durch mînen uuillon inslâfan sî Williram 134, 5 Seem.; die vogel gesellen sich zu jres gleichen Jesus Sirach 27, 10; vnd alles was auff erden kreucht, das gieng aus dem kasten, ein yetlichs zu seines gleychen Züricher bibel (1531) 1. Mos. 8 c; dann sintemal ich weder burger noch soldat war und also keinen meines gleichen hatte, der mir gesellschafft leisten mögen Grimmelshausen Simplic. 259 Scholte; der neger, der unter seines gleichen, und der in verbindung mit Europäern lebt, hat zwei ganz divergirende richtungen in seiner entwicklung angenommen Ritter erdkde (1822) 1, 368; system des wechselseitigen unterrichts, nach welchem kinder am besten von ihres gleichen lernen Schopenhauer w. 1, 25 Grisebach. von liebenden, die zueinander passen, einander gemäsz sind, dem bedeutungsgehalt von D 'gemäsz, angemessen' nahe:

ich pm stolz und seuberleich:
ich hoff, ich find meinen gleich
(antwort des freiers:) nu hie, nu, junkfrau minnikleich!
mich dünkt, ich sei eur gleich fastnachtsp. 619 Keller; vgl. 577.

vgl. ähnliches die gleiche mein noch mundartlich:

gait ausar (gebt heraus), gait ausar dai liəbə main,
gait ausar, gait ausar dai glaichə main.
dai eltischt et, dai jingischt a net,
dai mitr ischt dai glaichə main!
Hauffen sprachinsel Gottschee 300.

nicht selten grammatisch als plural gefaszt: sie (die tragödie) erregt sie (furcht und mitleid), indem sie uns das unglück vor augen stellet, in das unsers gleichen (unsere mitmenschen) durch nicht vorsetzliche fehler gefallen sind Lessing 10, 116 M. älter oft in die bedeutung 'gefährte, genosse' übergehend: und weme sal ich glîch achten dise geburt? si ist glîch kinderen sitzende an dem markite, di da rûfinde sprechin zu iren glîchen (coaequalibus) des M. v. Beheim evangelienb. Mt. 11, 16; umb mitte nacht lietten wier uns uff die benk, namlich ich und mins glichen Thom. Platter 57 Boos. mit verächtlichem unterton, vgl. schon:

so war so iz io zi thiu gigeit,thaz min gilicho iz ni firsteit
Otfrid III 7, 53;

vnder hochgelehrter leutte stattlichem gespräch auch wasz beyreden wollen, ist warhaftig ein frevel von meines gleichen Moscherosch insomnis cura parent. 5 ndr.:

die herren ihres gleichen,
die schneiden meist für sich das ganze kornfeld um
Göthe I 9, 106 W.


b) nicht minder häufig als bezeichnung eines menschen, der einem oder mehreren anderen gleichrangig, gleichwertig ist, wie oben B.
α) vor allem neben negationen oder doch in negativem zusammenhang: nicht seines gleichen, kaum seines gleichen u. ä., in betont elativem sinne; meist ohne nähere beifügung:

daz man [den] dînin gilîchin
ni mac finden in allin disin rîchin lob Salomos 39 Waag;

nu lône iu got von himele,vil edel Rüedegêr.
ez wirt iwer gelîchedeheiner nimmer mêr Nibelungenlied 2199, 2 B.;

daz du wizzest, dasz mein gleich (von gott gesagt) nicht sei in allem ertreich (14. jh.) cgm. 341 exodus 9, 14 in: Münchener museum 3, 135; ires geleichen in keynem land ist Arigo decamer. 628 Keller;

der alt böse feind
mit ernst ers jtzt meint,
gros macht und viel list
sein grausam rüstung ist,
auff erd ist nicht seins gleichen
Luther 35, 456 W.


formelhaft seines gleichen nicht finden, nicht haben, seines gleichen suchen u. ä.: man fand nit seinen gleichen Fierrabras (1533) a 7;

und die nit hat jhrs gleichen,
Agnes die jungfraw rein
J. W. Zinkgref auserl. ged. 10 ndr.;

unser vetter ist ein mann, der in der weiten welt seines gleichen sucht H. L. Wagner theaterst. (1779) 25;

[Bd. 7, Sp. 7954]


Hamlet: er (mein vater) war ein mann, nehmt alles nur in allem,
ich werde nimmer seines gleichen sehn
(I shall not look upon his like again) Shakespeare 3, 158.

mit ausdrücklicher kennzeichnung des vergleichspunktes, meist präpositional: in stechen und turniren sein gleiche nicht was Arigo decamer. 135 Keller; dasz im klöppeln, im nähen, im sticken ... ihres gleichen nicht war in gantz Ninive J. B. Schupp Corinna 46 ndr.;

wir ... müssen doch beklagen,
dasz einen solchen wir an dir zu grabe tragen,
der an der redligkeit kaum seines gleichen hat
Hoffmannswaldau u. and. Dtsch. auserl. ged. (1697) 3, 190;

denn wo gibts an holdseliger freundlichkeit noch eine ihres gleichen? maler Müller w. (1811) 1, 261; mit schreiben und lesen ires geleichen nicht were Arigo decamer. 142 Keller. mit als und folgendem nominativ: als mechaniker aber hat er schwerlich seines gleichen in Europa Schubart ästhet. d. tonkunst (1806) 216.
β) gelegentlich in auszeichnendem sinne auch auszerhalb eines negativen zusammenhanges: ein qualificirt subjectum meines gleichen Chr. Weise die drei ärgst. erznarren 24 ndr.; unser trefflicher Hackert ... hofft sich wieder für die kunst zu erholen. seines gleichen hätte ich wohl in ihrer gesellschaft den tropischen ländern gewünscht Göthe IV 19, 299 W.
γ) im sinne soziologischer abgrenzung, als bezeichnung des standesgenossen, des gleichrangigen, des ebenbürtigen auf allen stufen gesellschaftlicher schichtung: priuato thinemo gelichen, kelichen (10. jh.) ahd. gl. 2, 58, 33 St.-S., vgl. Notker: neheinemo dinemo gnoz ... sie heizent alle priuati die chuninga nesint 1, 76, 15 P.;

die starken und die richen,
die knechte mit irn gelichen,
die vrien under den luten
Heinrich v. Hesler apok. 12074 Helm;

wir haben unser gute mit guften (prahlerei) nit gewunnen und sind dennoch auch bei den leuten gewest, das man uns für unsern gleichen (leute unsers standes) geschazt hat (1469) Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 1, 90; grosze herren sollen mit jhres gleichen schimpffen Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) t 2b;

man hat mich
vor ein gericht von männern vorgefodert,
die ich als meines gleichen nicht erkennen (kann)
Schiller 12, 406 G.;

dieser vorzug erregte ihm unter seines gleichen nur feinde Holtei erz. schr. (1861) 2, 70. einschränkend: sie sind um einen hauptmann verlegen, vor dem alles volk respect hätt. denn wir sind doch nur ihres gleichen, das fühlen sie und werden schwürig Göthe I 8, 141 W. mit verächtlichem ton: er glaubt, er hat seines gleichen vor sich G. Stephanie d. j. s. lustsp. (1771) 218. voraufgehende vergleichspartikel in als seines gleichen, wie mit seines gleichen u. ä. umschreibt eine verwischung oder verschiebung der standesgrenzen in der richtung vom höheren zum niederen hin: er gebrauchte (auch nach seiner wahl zum führer) gegen die fürsten eben die ehrerbietung als vorher, und als gegen seines gleichen Lohenstein Arminius (1689) 1, 27b;

götter sollten nicht
mit menschen wie mit ihres gleichen wandeln
Göthe I 10, 16 W.

auch umgekehrt: daher behandelte ein freiherr von Krenkingen Friedrich den ersten fast wie seines gleichen Raumer gesch. d. Hohenst. (1823) 5, 40.
c) in sächlicher beziehung viel seltener. als bezeichnung des gleichartigen, im ersten beleg noch deutlich von der persönlichen vorstellung aus: sich legt der nebel gern zuo den wazzern und zuo den fäuhten steten, dar umb, daz er auch fäuht ist, dar umb fräut er sich der gesellschaft seins gleichen Konrad v. Megenberg buch d. nat. 95 Pf. sonst wohl nur in jungem gebrauch:

ewiges nimmt nur seines gleichen wahr
R. M. Rilke ges. w. (1927) 6, 242.

häufiger in der kennzeichnung des gleichwertigen: ein aufheben und posaunen, das seines gleichen nicht hat

[Bd. 7, Sp. 7955]


Bürger s. w. 175 Bohtz; und den feinen arm, der weit und breit nicht seines gleichen fand Gaudy s. w. (1844) 13, 58.
d) im 16. und 17. jh. hat seines gleichen gelegentlich die funktion eines adjektivischen attributs:

da gott, der herr, den Abel find
und seines gleichen ghorsame kind
Hans Sachs 1, 53, 26 lit. ver;

Columbanus vnd andere seines gleychen gelehrte Stumpf Schweizerchron. (1606) 208b; von ihres gleichen pappeltäschen Grimmelshausen 2, 417 Keller.
e) wie von flektiertem schwachem masc. gilîcho (s. o. sp. 7951) ist im 16. und 17. jh. auch von indeklinablem gleichen bzw. gleich nicht selten ein subst. im gen. abhängig: wer hat solches traurens gleichen erfarn? (wie Christus in Gethsemane) (1519) Egranus pred. 25 Buchwald; denn wer hat jemals des exempels gleichen gelesen odder gehrt? Luther 38, 111 W.; dise redt wolt Christof nit guet haisen, auch nit des kürsners gleuchen sein Zimmer. chron.2 3, 286 B.;

willtu ein meister-stükkchen tuhn,
komm her, Apelles, mahle nun ...
hier kanstu Venus gleichen schauen
Casp. Stieler geharnschte Venus 17 ndr.;

dusses dinges gelik (huiuscemodi rem) 2. Sam. 14, 13 in d. Halberstädter bibel (1522) bei Schiller-Lübben 2, 43a.
2) der gleichen, des gleichen, deren, dessen, dieser gleichen u. ä., indeklinabel und auf alle casus, numeri und geschlechter anwendbar (in jüngerem gebrauch zusammengeschrieben, s. dergleich teil 2, 1015, dergleichen ebda 1016, desgleich, desgleichen ebda 1028, wo überall auch zahlreiche belege der getrennten schreibart). diese formen, in adverbialer wie substantivierter oder attributiver anwendung, sind, wenn auch die formale mehrdeutigkeit gerade der älteren formen in vielen einzelfällen keine sichere auskunft gibt, in ihren vorstufen formal von verschiedenen ansatzpunkten des adjektivischen oder adverbialen gebrauches von gleich herzuleiten, später aber, in der analogie zu meines gleichen etc. (s. 1), endgültig in den formbereich des ursprünglichen schw. subst. gelîche hinübergetreten.
die den adverbialen gebrauch bestimmende linie führt über ahd. thiu gilîcho, mhd. diu gelîche, eine verbindung des adverbiums mit dem instrumentalis, zu ahd., mhd. dem gelîche und seit dem 14. jh. auch zu der adverbialen genetivverbindung des glîch, mnl. des gelijes Verwijs-Verdam 2, 1253; erst im späten 15. jh. begegnen in dieser adverbialen verwendung die wohl an meines gleichen formal angelehnten formen des gleichen, desselben, desselbigen gleichen, der gleichen (belege s. u. I D 3 und III D 5 b).
substantivisch oder attributiv verwendetes des gleichen, der gleichen scheint vornehmlich aus verbindungen flektierter oder unflektierter adjektivformen, meist solcher des neutr. sgl., mit abhängigem pronominalem genetiv herzuleiten, vgl. mnl. des, dies, dier, deser gelike Verwijs-Verdam 2, 1252, denen nur vereinzelt verbindungen mit dem instrumentalis voraufgehen:

fühse hasen und diu gelîche
Hartmann v. Aue Erec 7147 Haupt;

des selben gelich mag hie beschechen
Wernher Marienl. 14217 Päpke;

von der herlichen ere deines reichs, und von der unsprechenlichen macht und des gleichs bei Schönbach miszellen aus Grazer hss. 2. reihe, s. 29; obs, hew, stro, oder was des geleiches ist (1394) bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1423; des gelik dachte nueman ed was geschen bi keiser Otten tiden (15. jh. Magdeburg) dtsche städtechron. 7, 114; dem kumbt des glych Brant narrensch. 68, 15 Z.; donerschlag, hagel, schne und der gleich G. Alt buch d. cronick. (1493) 6a; relativisch:

Mariam de vil werden,
der geleich uff erden
an schöne nie gesechen ward
Konrad v. Helmsdorf 392 Lindqvist.

gelegentlich ist der pronominale genetiv auch von attributivem gleich abhängig: scheltwort oder has ... und vil diser gliche untugende Tauler pred. 22 V. auffallend:

[Bd. 7, Sp. 7956]


mit rüwen und ... knüwende und des geliches manigen dingen ebda 272. für die seit dem späten 15. jh. auftauchenden, im 16. jh. rasch den vorrang gewinnenden gleichen-formen ist, soweit sie nicht als flektierte pluralformen aufgefaszt werden können (wie z. b. mit mer ir der geleichen worten [1483] österr. weist. 2, 164), sondern, wie in jüngerem gebrauch immer, indeklinabel sind, am ersten mit formaler angleichung an indeklinables gleichen in meines gleichen zu rechnen. belege dieser art s. a-c.
a) in demonstrativem gebrauch. der gleichen 'etwas ähnliches, etwas derartiges', bedeutungsmäszig durchweg zu I A: durch lipliche arbeit, durch herte leger und der glichen Keisersberg bilgersch. (1512) 20d; sauffen, fressen vnd der gleichen Gal. 5, 21;

dann slt ich andern sagen war,
vnd mgen selbs nit hren gar
der gleichen auch, so wr ich werd,
das mich nit lenger trg die erd
Hutten op. 1, 452 Böcking.

attributiv: man findt ir vihll ... dy do furchtt, gunst adder geldts halben schweigen der warheit, vill auch ausz unwiszenheit und der gleichen ursachen mehr (1519) Egranus pred. 2 Buchwald. anfangs auch des gleichen, das aber mehr und später ausschlieszlich der adverbialen verwendung vorbehalten bleibt (s. III D 5 b):

verkouff gens, entten vnd des glychen
H. R. Manuel weinspiel 2420 ndr.

in anderen demonstrativverbindungen nur gelegentlich:

nun ist offt diser gleychen
geschehen auch hie vor,
das einer von den reychen
ain gtes spil verlor
Hutten op. 2, 93 Böcking;

diser und deren gleichen kurtzweil wurden auff diser hochzeit vil getriben Wickram w. 2, 60 Bolte; auch sind unsere leute von solcher stärcke, welche in vorigen zeiten schwerlich derer gleichen ersehen worden ist J. B. Schupp schr. (1663) 777.
b) mit relativischem pronomen verbunden; bedeutungsmäszig meist zu I B, als rangbezeichnung: ich ... wil wunder thun, der gleichen nicht geschaffen sind in allen landen 2. Mos. 34, 10; insonderheit liesz sich einer vernemen von der schonen Magelonna ... deren gleichen nicht solt gefunden werden Warbeck d. schöne Magelone 4 Bolte; wil ich dir weiszheit geben, welcher gleichen nie gewesen, auch nicht kommen sol R. Lorichius paedag. princ. (1595) 58;

ihr gräber voller leichen
vnd blutgen heldenschweisz,
der helden, derer gleichen
auf erden man nicht weisz
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 397b;

Hieronimo sei ein heiliger mann, dessen gleichen seit jahrhunderten nicht gelebt habe Ranke s. w. (1867) 40/41, 302.
3) gelegentlich stehen auch andere pronomina neben indeklinablem gleichen bzw. gleich; namentlich kein (s. auch D 3):

ewer klarheyt die ist voll und gantz,
uff erden hat sie keinen gleych (1537)
Kehrein kathol. kirchenl. 2, 153;

wann die alden wyuer besthain tho rasen, so hebben se ghein gelycken Tappius adag. cent. sept. (1545) A a 1a. ferner: singen, lesen, wyhen, meszlesen und ander glychen Zwingli dtsche schr. 1, 145; ein jedes gleichen gelüstet auch nach seines gleichen Aristotelis probl. (1585) 72b; haderbadermetzen, schloszmägd, wirtsmägd, schmaltzhäfen: vnd alles gleichen abgeribenes gesindlein Fischart aller prackt. groszm. (1607) e 1a.
D. von der vorstellung des gleichartigen (A) aus leitet sich eine besondere bedeutung 'entsprechend, gemäsz' her, die, verschieden gewendet, fast ganz auf älteren sprachgebrauch beschränkt bleibt, aber auf andere anwendungen des wortes einwirkt (s. u. VI E 1; 4; 5).
1) vor allem einer sache gleich sein 'entsprechend, gemäsz, angemessen sein'. vgl. ahd. thiu gilîcho 'dementsprechend' und ahd., mhd. dem, diu gelîche tuon 'dementsprechend handeln' (anders s. u. 3):

[Bd. 7, Sp. 7957]


'heil thu', quadun sie, 'krist,thu therero liuto kuning bist;
bist garo ouh thiu gilichoioh harto kuninglicho'
Otfrid IV 22, 28;

er ist selbe unsælic, swer daz gerne sprichet
unde niemer diu gelîche tuot
Walther v. d. Vogelweide 70, 21;

similique imagine formans. i. formasti unde demo gelih tate du iz, so dir in muote uuas Notker 1, 177, 11 P.;

ir werden unde ir süezen
gesellen unde künge rîch,
sô tuont aber dem gelîch,
daz wir uns wellen rechen
Konrad v. Würzburg troj. krieg 26340.

mhd. auch in persönlicher beziehung einem gelîche tuon, in der bedeutung 'sich gefällig, beliebt machen' wie geläufigeres sich gleichen (s. d. IC):

kain iunger dir och nie gelicher getet (als Johannes),
das ward ob dem nachtmal wol erzaigt Christus u. d. minnende seele 318 Banz.

mhd. in verhüllender umschreibung für die sache selbst, wie oben A 1 a α unter gleich sein:

nû begundens vehten
glîch zwein guoten knehten
Hartmann v. Aue Erec 4404 Haupt;

Nibelungenl. 2206, 3 B. in der anwendung auf begriffe, die eine norm enthalten, geradezu 'in übereinstimmung mit', so namentlich der wahrheit gleich (anders s. o. sp. 7940 u. 7942):

disiu rede ist wunderlich,
sist iedoch der warhait gelich anegenge 15, 64 bei
Hahn ged. d. 12. u. 13. jh.;

Reinbot v. Durne d. heil. Georg 4033 Kraus; auff dasz sie (unsere hofrichter, räte und beisitzer) frey, ungescheucht und ohne alle gefahr, allein der warheit gleich, ... meniglich urtheilen ... mögen hove-gerichts-ordnung Frider. pfaltzgr. bey Rhein (1573) 9; darnach dann der tätter der pltenden wunden glych sölle gestrafft werden (Rottweil 1535) in: dtsches rechtswb. 4, 927; aber ein solches hertz gibt niemand, denn gottes geist, der machet den menschen dem gesetz gleich, das er lust zum gesetz gewinnet von hertzen, vnd hinfurt nicht aus furcht noch zwang, sondern aus freiem hertzen alles thut Luther dtsche bibel 7, 5 W.;

dasz er (der arme mann) hinfürter steur und fron
gebe, nach dem er hat und kan,
und dasz ein andrer, der ist reich,
auch fron seinem vermögen gleich
Ayrer 274 lit. ver.

in synonymer verbindung: sie sollen ... vor allen dingen das recht handhaben, damit der arm neben dem reichen auch müg z recht komen, und alles das den eern gleich und gemesz ist, fürnemmen teütscher nation nodturfft (1523) b 3a; (17. jh.) österr. weist. 1, 76, 1. als 'gemäsz, angemessen': sage mir etwas, das meiner natur vnd meinen synnen gleych ist, willtu das es gehalten soll werden Albrecht v. Eyb dtsche schr. 1, 29 Herrmann; so auch in jüngerem gebrauch:

Friedrich pflanzt ein königreich:
wir vergessen unser reimen;
oder, wo wir ja was träumen,
ists kaum seiner jugend gleich
B. Neukirch ged. (1744) 4;

die strafe musz dem verbrechen, die belohnung dem verdienste gleich seyn Adelung wb. 2 (1796) 709; der beifall, den das stück genosz, war vollkommen der reife gleich, die es ... gewonnen hatte Göthe I 36, 4 W. vereinzelt in präpositionaler verbindung: actor debet sequi forum rei ... das ist in der deutsch geleich nach den worten (wortgetreu) also geredt: der klager schol nach voligen dem markt seins schuldiger. secht, wie unebenleich ist die vor geschriben mainung in deutsch mit den worten ze reden, und doch in latein gewondleich also wirt geredt (15. jh.) mitteil. d. hist. ver. f. Steiermark 46 (1898) 29. singulär auch ohne dativverbindung im sinne einer konsekutiven konjunktion gelyk dat 'derart dasz, so dasz': de mot vaste by den Motton (eigenname) segelen, gelyk dat dar eyn man upp springen mach d. seebuch 9, 51 Koppmann.

[Bd. 7, Sp. 7958]



2) seltener in attributivem oder substantiviertem gebrauch:

her kung, ich bin hie
und wolt dienen schon
umb ain gelichen lon Friedrich v. Schwaben 1, 58 Jellinek;

wann ich ouch disz umb gelt het gmaht
sorg ich mir würd nit glicher lon
Seb. Brant narrenschiff 113 Z.;

die sünd erinnert mich, dasz ich von hier musz fahren,
nun ist der tod allein der sünden gleicher sold
J. Rist Parnasz (1652) b 7;

ie höher dein standt ist auff erd,
ziert dich demuth, wie Syrach lehrt.
darfür dir ein gleichs widerfehrt,
nemblich, gotts gnad reichlich beschert
Kirchhof wendunmuth 277 lit. ver.


3) mhd. dem, diu gelîche tuon und älternhd. dem gleichen, der gleichen, des gleichen, keines gleichen tun (s. auch dergleichen 5, teil 2, 1016 f. und desgleichen ebda 1029) 'sich stellen, sich den anschein geben', neben gleich wie lat. simulare neben similis; erwachsen aus einer verbindung von dem gelîche tuon 'dementsprechend handeln' (s. 1) und der in gelîch und gleich auch sonst begegnenden bedeutung des scheinbaren oder des augenscheinlichen (s. o. A 1 a sp. 7940 u. 7942; vgl. auch IV C gleich als ob u. ä. sowie gleichen I A 3, II E und namentlich gleiszen C, gleisznen, gleichsen, wo die vorstellung eines falschen scheins, einer verstellung zur herrschenden geworden ist). vgl. bei Notker: et hoc erat quod promittere videbantur unde des kelih taten sie doh (das [wunschlos glücklich zu machen] war es, was sie [die reichtümer] zu versprechen schienen) 1, 142, 8 P.;

und tete dem niht gelîche
als er dar umbe iht weste
Hartmann v. Aue Erec 8116 Haupt;

tuon aber ich diu gelîche nuo
und schephe mîniu wort dar zuo,
daz mir ir iegelîches sage (ihrer aller erzählung)
von disem mære missehage,
sô wirbe ich anders, danne ich sol
Gottfried v. Straszburg Tristan 135 Bechstein.

negiert ohne folgenden abhängigen satz, soviel wie 'nicht zeigen, heimlich tun, nicht merken lassen':

er truoc im kranke minne
und waz im âne schult gehaz.
doch hal er tougenlichen daz
und tet niht dem gelîche
Konrad v. Würzburg troj. krieg 10271;

da offnet ouch sy gegen im ir liebe, die sy lang verborgen getragen vnd dem nit gelych getan hat, vnd tett sich vf mit sölichen schrifften Niclas v. Wyle transl. 72 Keller. selten ohne demonstrativpronomen: die gelych tuend, wie si sich der lüten glückes fröwend und in doch von herzen leid ist (14.-15. jh.) in: schweiz. idiot. 2, 593;

thet gleich, samb wolt sie mich ansprechen,
und mich gantz freundlich schmöllet an
Hans Sachs 17, 124 lit. ver.

vereinzelt in verbindung mit einem substantiv: er (der überfallene fürst) pracht sein volk gar in groszer still zusamen und geparet kainer wer geleich (tat nicht so, als ob er sich wehren wollte) Ulrich Füetrer bayer. chron. 198 Spiller. späteres dem gleichen tun, als ob, als wenn 'so tun, als ob', wohl in anlehnung an der oder des gleichen tun (s. u.): gleychsznen oder dem gleychen thn, als ob einer traurig oder bekümberet seye Frisius dict. (1556) 830b.
der gleichen und des gleichen tun, in formaler anlehnung an C 2: (er) beschickt sie (seine söhne) den andern tag wieder, thut der gleichen als wenn er sehr über sie (dieweil keiner die sorg desz königreichs auff sich nemmen und ihme gehorsam sein wellen) erzörnt were J. Wetzel reise d. söhne Giaffers 14 lit. ver.; (die frau) des geleichen thet als ob sie sich darumb sere petrübet Arigo decamer. 83 Keller. negiert keines gleichen tun 'sich nichts anmerken lassen': grosz scham und vertrusz davon empfieng, doch keyns gleichen thet Wickram w. 1, 65 Bolte. als derglīchen, desglīchen, kein glīch tun obd. mundartlich noch lebendig, vgl. schweiz. idiot. 2, 593 f.; Martin-Lienhart elsäss. 1, 256a; Schiepek egerländ. 2, 393. vereinzelt auch in abweichenden wendungen: eines

[Bd. 7, Sp. 7959]


tages trug er (der betrogene ehemann) an mit seiner dinerinne, ... das er sich den gleichen stalte als ob er durch sein notdurft wolde fremde lant besuchen Joh. v. Neumarkt leben d. hl. Hieronymus 199 Benedict; (er) z geleicher masse thet als ob (er) die iunckfrawen was genötiges fragen wölte Arigo decamer. 132 Keller. jünger noch sich gleich stellen simulare Dentzler clavis germ.-lat. (1716) 136a; sich als einem freund gleich stellen simulare amicitiam, amicum; mentiri amicum Aler dict. (1727) 1, 953a; s. dazu noch gleichstellen 3, gleichsteller 1, gleichstellung 3.
II. gleich als masz-, grad- und intensitätsbegriff, aequus, aequalis, coaequalis, par. äuszere gröszen-, masz- und mengenverhältnisse, aber auch wert, reichweite oder wirkungsgrad innerer eigenschaften und vorgänge werden als übereinstimmend festgelegt; die gleichsetzung ist umfassender oder präziser als bei dem gebrauch von I. in einzelnen anwendungen schon ahd. bezeugt und mhd. erheblich erweitert, gewinnt der gebrauch im älteren nhd. seine ganze breite.
A. in allgemeiner anwendung.
1) in attributiver, seltener prädikativer zuordnung zu substantiven steht gleich für gleich viel, schwer, grosz, lang, hoch u. ähnl., je nach dem beziehungswort oder sinnzusammenhang.
a) in sachlich-gegenständlichen verbindungen:

er lazit sunnun sinascinan filu blida,
joh regana giliche (acc. pl.)allemo erdriche
Otfrid II 19, 22;

der huosherro gab in allen kilichiz lon Steinmeyer kl. ahd. sprachdenkm. 170, 66; sind die einzelnen stimmen gleich, so wird gelost Klopstock gelehrtenrepubl. (1744) 19; man mache das schwarze bild um soviel (ein fünftel) gröszer (als das ebenso grosze weisze), und sie werden gleich erscheinen Göthe II 1, 6 W. namentlich (s. gleiche, f.): equinoctium so tag und naht glich wurt (1440 md.) Diefenbach gl. 206c; ghelik nacht derselbe, nov. gl. 154a; denn welche lerchen sich des winters bey uns aufhalten, die fliehen wieder von uns weg, wenn tag und nacht gleich wird J. Prätorius winterflucht d. sommervögel (1678) 9. häufig neben maszen und maszangaben (gleiches gewicht im sinne von 'gleichgewicht' s. u. DWB B 3 b): daruber so ist reht, daz ein ieglich man, er si gewander, kramer, gastgaebe, hucker, vlaismanger unde swer mit wagen unde mit geloete umbegat, gelichiu geloete haben suln, diu elliu gemachet sin nah des munzmeisters geloete (13. jh.) Augsburger stadtb. 22, 3 Chr. Meyer; dieweil sie (die gefäsze) alle gleich vnnd gleicher masz gemacht seindt Xylander Polybius (1574) 427; nur eine münze sollte gelten: man sollte gleiches masz und gewicht einführen Ranke s. w. (1867) 2, 143; equus ghelik older i. coetanius (nd. 1417) Diefenbach nov. gl. 154a; des waterrades mochten bruken alle borghere ... de dat mede becosteghen wolden an lykeme arbeyde und an lyken costen (1394) brem. urk.-buch 4, 209;

du bist noch einer erbse grosz,
da wir sonst gleicher länge waren
Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 21.

im sinne des gleichwertigen: ob wir in der besitzunge irkeynes ritthers eyn hus buwen welden ... wir im schuldig sollen syn czu geben eyne andir besetzung in glicher gutte (1278) cod. diplom. Pruss. 1, 174 Voigt; 'N. N. gibt der abtei eine seiner hörigen ze einem glychen wechsel um eine hörige der abtei' (1413) bei Staub-Tobler 2, 593; ainen rechten geleichen auswechsel gemacht (1430) fontes rer. austr. II 59, 246; im selben herbst ward der allerbeste win, und des so ... vil, dasz man einem ein fasz füllt umb ein ander lär fasz zu glichem tusch Äg. Tschudi chron. Helvet. (1734) 1, 332;

doch wann die Griechen mir vor allen
nach meinem willen vnd gefallen
verehren ein gleiches geschenck (für den verzicht auf
alszdann zu volgen ich gedenck Chryseis),
Joh. Spreng Ilias (1610) 4a.

[Bd. 7, Sp. 7960]


prädikativ in verbindung mit verben wie gelten, schätzen: topasius aus morenland wird jr (der weisheit) nicht gleich geschetzt, vnd das reineste gold gilt jr nicht gleich Hiob 28, 19.
b) neben inneren werten, gefühlen, charakterlichen eigenschaften u. dgl., sofern sie nach ihrem grad und masz verglichen werden: uzzar fateres endi sunes endi heilegen geistes ein ist gotchundi, gilih diuridha (aequalis gloria), ebaneuuigu craft (9. jh.) Steinmeyer kl. ahd. denkm. 31, 63; so sehen wir das er die gschrifft an etlichen orten offenlich verwürfft unnd unkrefftig macht, setzt der gschrifft syne gesatz in glicher wyrden, eeren vnd krafft Judas Nazarei vom alten u. neuen gott 33 ndr.; der vater sie (die söhne) alle drey in geleicher liebe lieb hette Arigo decamer. 34 Keller; dann kein pein unnd schmertz ist dem gleich Montanus 369 Bolte; ist es so gewisz nicht, dasz alle frauenzimmer von gleicher untreue sind Lessing 2, 7 M.; Gortschakow beherrschte die russische, die deutsche und die französische sprache mit gleicher vollkommenheit Bismarck ged. u. erinner. 2, 130 volksausg.; seine eitelkeit war nur seiner unbegrenzten vorliebe für die sitten der alten Sparter gleich Immermann w. 1, 38 Boxb. die träger der gleichsetzung in syntaktischer sonderung; durch den dativ nur in älterer sprache:

der wîse Pictagoras,
der ein astronomierre was,
unt sô wîse âne strît,
niemen sît Adâmes zît
möhte im glîchen sin (verstand) getragen
Wolfram v. Eschenbach Parzival 773, 29.

durch die präpsition mit:

der geist geht ohne zeit herfür
vom vater und vom sohne,
mit beyden gleicher ehr und zier
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 347a.

durch wie:

dem hut soll gleiche ehre wie ihm selbst geschehn
Schiller 14, 290 G.;

kaum ist je mit gleicher treulosigkeit, grausamkeit und habgier krieg geführt worden wie von diesen beiden feldherren Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 8.
c) beziehen sich solche verbindungen auf ein vorher genanntes zurück, so steht gleich für ebenso grosz, viel u. s. w.: ettliche ... sampt andren mans vnd weibspersonen ... so in gleicher betrübnusz diser zeit stunden Casp. Scheit d. fröl. heimfahrt 4 Strauch; einen gleichen und fast noch gröszern nutzen gewähren die vortrefflichen anmerkungen des Willeram Kinderling reingk. d. dtsch. spr. (1795) 79; frau Dörr erwiderte den grusz mit gleicher freundlichkeit Fontane ges. w. I 5, 127.
d) neben formalen maszbestimmungen in festen adverbialverbindungen: in gleichem masze, in gleichem grade, gleicher maszen (s. u. gleichermaszen):

der eichbaum vnd das kleinste gras
empfängt von dir (sonne) in gleichem maas
flor, wachstum, reife, leben
Chr. Fel. Weisze lied. f. kinder (1767) 19;

beide parteien stritten gleicher maaszen für schatten Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 74; mit dem wissen nimmt das nichtwissen in gleichem grade zu Athenäum (1798) 1, 2, 73 Fr. Schlegel. mit folgender vergleichspartikel: unter ihm standen locale verwaltungen, die wohl der controlle, aber nicht in gleichem masze wie heut der disciplinargewalt der bezirks- oder ministerial-bürokratie unterlagen Bismarck ged. u. erinner. 1, 29 volksausg.
2) als adverb einem verbum zugeordnet, in derselben bedeutung wie die unter 1 d aufgeführten verbindungen in gleichem masze, grade:

that thea gesehan mugin (das licht)
alla gelîco, thea thar inna sind,
helidos an hallu Heliand 1408 Beh.; vgl. 3434; 3443;

ist deheiner dar under (unter den 'angesprochenen' bürgen) der niht hât ze gelten, des sullen die anderen gelîche schaden hân Deutschenspiegel 87, 15 Eckhardt; oder nimm talch, schmeer, schwefel, mirrhen, honig, baumhl und speck, alles gleich J. Walther pferde-u. viehzucht (1658) 77;

[Bd. 7, Sp. 7961]


kam Pallas vom Olymp,
herab gesandt von Juno, die sie zwei
gleich liebte, und bekümmert um sie war
Bürger s. w. 14a Bohtz;

will sie denken, wo gedanke
rath und hülfe gleich versagt
Göthe I 3, 11 W.

älter auch zu gleichem 'ohne unterschied': derowegen haben wir auch vom herren disen befelch empfangen, dasz wir seiner güte und freundtlichkeit nachfolgen sollen, welcher sein sonnen uber gerecht unnd ungerecht zu gleichem auffgehen läst Schweickhart graf zu Helfenstein Basilius Magnus (1591) 682. neben einem zahlbegriff, zweimal gleich, 'zweimal so viel': dann wol ehemals befunden, das etzliche Holländer ... wol zweymal gleich lössen und laden können (1591) bei Pardessus collect. de lois maritimes (1831) 2, 511. ähnlich: er fand nach aller seiner auszrechtung, daz er geleich zwir sovil gtz het als do er von heyme aus fure Arigo decamer. 78 Keller.
3) als adverb vor adjektiven und adverbien, namentlich solchen der masz- und gradbestimmung, und dort, besonders in jüngerem sprachgebrauch, häufig zu einem wort zusammengewachsen, s. u. gleichalt, gleichgrosz, gleichstark, gleichviel u. ähnl.
a) in einfacher beifügung, soviel wie 'in gleichem masze', auch 'übereinstimmend'; mhd. auch dem adj. oder adv. nachgestellt. geläufig:

wît unt hôch gelîche
als man der venster siule sach,
der art was obene al daz dach
Wolfram v. Eschenbach Parzival 589, 24;

aeque ambo pares sy sind gerad bed gleych grosz Frisius (1556) 49b;

sie san gleich grosz und san gleich alt
Karl Stieler ged. 3, 37 Reclam;

ungezweieter brüeder kint sint auch gelîche nâhen den gezweieten brüedern an dem erbe ze nemenne Deutschenspiegel 206, 7 Eckhardt;

rätselhaft tier!
immer gleich nah und gleich ferne von mir
Grillparzer s. w. 7, 227 Sauer;

wann der patient vier gran mit gleich viel antimonii diaphoretici vermischt Ettner v. Eiteritz med. maulaffe (1719) 44 (s. auch C 1 und gleichviel); das botenlaufen will mir und meiner krücke gleich wenig bekommen Tieck schr. (1828) 5, 71; wenn ein reifes gemüth mit kenntnisz und liebe gleich sehr erfüllt, an die ruinen und grabmäler der vorzeit tritt derselbe 4, 10; es ist einer saw alles gleich gut Friedrich Wilhelm sprichw.-reg. (1577) c 1b; wan ein war liebhabender mensch hat got oder das ewig gut gleich lieb yn haben und yn darben theol. deutsch 24 Mandel; er sagte ihnen ..., dasz sie ihm alle drei gleich lieb und wert wären G. Keller ges. w. (1889) 4, 239. mundartlich in dieser verwendung oft mit auslautendem -e: dat ös gliche got, -schlech, -fern, -weck (weit) u. s. f. die zwin sin gliche grusz rhein. wb. 2, 1267; ostfries. gəlîkə Frommann dtsche maa. 4, 277; märkisch lîke ebda 272; lieke grot Block Eilsdorf 76a; Schambach Göttingen 124a. darüber hinaus in gelegentlichen verbindungen beliebig: phenninge sol der muntêre halden phundich, unde evene swêr, unde glîche wîz (= silberhaltig) Sachsenspiegel 79 Eckhardt; denn gott ist beiden gleich feind, dem gottlosen und seinem gottlosen gescheffte weish. Salom. 14, 9; einen wohlgebauten sattel, der zum reiten wie zum packen gleich bequem war Göthe I 24, 26 W.; dasz in dem augenblick, wo wir alle gleich reich, wir alle gleich arm geworden sind Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 76. häufig, und namentlich in der beziehung auf ein begriffspaar, hat gleich hier über die gradbestimmung hinaus steigernde oder auszeichnende bedeutung:

weil kanäle sie zum theil
verschlingen, die zu füllen oder zu
verstopfen gleich unmöglich ist
Lessing 3, 21 M.;

mann und frau waren gleich gedreht, gleich weibisch, gleich gezwungen A. v. Knigge roman m. lebens (1781) 1, 169; die durch rang und erscheinung gleich distinguierte

[Bd. 7, Sp. 7962]


dame Fontane ges. w. I 4, 239. gelegentlich sind die verglichenen gröszen syntaktisch getrennt: Christus, der on sünd ist und glych gt, schön und rein ist mit gott Zwingli dtsche schr. (1828) 1, 185. folgt eine vergleichspartikel, so steht gleich wie ebenso: vonn rechter trübe ist es (das wasser) gleich grawe als mistlach F. Fabri eigentl. beschreib. (1557) 166a; bis zum siebzigjährigen ortsvorsteher, der als erfahrener leitbock den zug mit gleich stolzem bewusztsein anführte, wie er seinen sitz in der gerichtsstube einnahm Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 263. manchmaltreten hier die beiden glieder der vergleichung als abhängige infinitivsätze nebeneinander: unsre natur, gleich unfähig, länger im zustand des thiers fortzudauren, als die feineren arbeiten des verstands fortzusezen Schiller 3, 513 G.; es war gleich unthunlich, den katholischen ständen das Wormser edict wieder zu entziehen und es den evangelischen neuerdings aufzulegen Ranke s. w. (1867) 2, 260.
b) in unmittelbarer rückbeziehung auf vorher gesagtes soviel wie 'ebenso, geradeso' (das zu konzessiver bedeutung weiterentwickelte gleich wohl s. u. VIII A); vgl. ahd. iogilicho:

ferit ouch, so thu iz ni weist,ther selbo heilego geist,
sin kunft ist iagilichoungisewanlicho (wie das des windes)
Otfrid II 12, 44;

und als bald wolt sie das ander berlin gelych kostlich von dem andern or och also verzeret haben Stainhöwel de claris mulieribus 265 lit. ver.; als der hochädle ... herr ... sich ... mit der gleich hochädlen jungfrauen ... vermählete Neumark fortgepflanzt. musik.-poet. lustw. (1657) 1, 228; so wirkt jene kenntnisz, wenn sie erworben ist, gleichsam als material; aber gleich heilsam und vielleicht noch heilsamer wirkt gleichsam ihre form, die art sie zu erwerben W. v. Humboldt schr. 1, 262 akad.-ausg. bis ins späte 17. jh. häufig auch mit folgender demonstrativpartikel als bzw. so:

het wir euch ain fuder weins mügen her tragen,
das het wir euch gleich als gern pracht fastnachtsp. 788, 28 Keller;

diese kunst hätte der schlimste handwercksjunge gleich so gut zu practiciren gewust Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 27 ndr.; 's is gleich so gut (gleichsegut) gerade recht, um so besser Müller-Fraureuth obersächs. 1, 425a. gleich so mehr 'ebensogut, ebensogern, ebensoleicht' (mehr aus mhd. mære, s. u. gleichsomehr):

die blinden haben selten gelt,
sie bleiben mir gleych so mehr dausz
(sagt ein wirt)
Hans Sachs 14, 291 lit. ver.;

mundartlich gleich so mær Schmeller-Fr. bair. 1, 1635; 1423. gleich so wohl 'ebensogut, ebensosehr', s. u. gleichsowohl: dieweil sye (die hirsche) in den tyergrten ... gleich so wol (wie in der freiheit) ir gehürn ... werffen Eppendorff Plinius (1543) 66; glei' so wol thuəi. s səlbə Schmeller-Fr. bair. 1, 1423.
c) in korrespondierenden wendungen gleich dies als (wie) jenes 'ebenso(sehr) dies wie jenes': alles das ich hab, gleich dein als mein gewesen ist Boccaccio cent. nov. (1535) 187; gleich einem wie dem andern Lehman floril. polit. (1662) 3, 134; doctor Boisserée, dessen gleich unerwarteter als angenehmer besuch ... Göthe IV 41, 41 W. ungewöhnlich statt des als ein und: dies bei einem künstler ihrer grösze gleich seltne und liebenswürdige talent A. G. Meiszner Alcibiades (1781) 1, 2. abgeschwächt nur noch 'sowohl ... als auch ...': von den abgefallenen christen (den reformierten) glīch in als ussert dem vatterland (um 1600) in: schweiz. idiot. 2, 596.
d) gleich als wenig als, gleich so wohl als u. ä. 'ebenso wenig wie, ebenso wohl wie', vom 15. bis ins 17. jh. geläufig, später noch vereinzelt: also das man ir freiheit gleich als wennig schonet als der ander monthetter (bewohner der immunität) (15. jh.) chron. d. stadt Bamberg 1, 134 Chroust; der arm gleich so wol ... als der reich Fischart aller praktik groszm. 16 ndr.; ich hab gleych als wol den Christum ... als sie Luther 10, 3, 203 W.; da kam er schon, und war gleich als starck als ich Götz v. Berlichingen lebensbeschr. 74 Bieling; es ist der eine gott dem herrn

[Bd. 7, Sp. 7963]


gleich so lieb als der ander Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, c 2a. in gelegentlichem späteren gebrauch liegt wohl einflusz von VI D 'gerade, eben, just' vor:

ich wollte gleich so lieb, bey schwarzem haar
und schönen schwarzen augen, mich der welt
mit einer krummen nase zeigen, als
der dichter seyn, der diesem künstler gliche
Wieland Horaz br. (1787) 2, 202.

'sowohl ... als auch ...': derselbig sone ist in gleychem friden in allen dingen seynes vatters, gleych als woll in der straffe als in der miltigkeyt Hartm. v. Cronberg schr. 49 ndr. mit folgendem konditionalen vergleichssatz:

das mir wurd glich als wol anston,
als gieng ein k uff stältzen
H. R. Manuel weinspiel v. 39 ndr.;

fürwar es were mir gleich so lieb,
es stiel mir ein offenbarer dieb,
dann dasz mich einer diebisch treugt,
vnd mirs gelt auszm beutel leugt
Th. Murner bei
Lehman floril. polit. (1662) 1, 451.

konjunktional und ohne relationspartikel: gleich als wenig wir (ebenso wenig wie wir) in der religion unsern ... ncz suchen (Augsburg 1530) dtsche städtechron. 25, 400.
B. speziell im vorstellungsbereich des eigentlichen messens und zählens, teilens und wiegens.
1) in der exakten mathematischen bestimmung von verhältnissen des flächen- und rauminhaltes, der grösze, der länge, der zahl u. s. w., als fachausdruck seit dem mhd.; in der älteren geometrie sowohl für gleichen rauminhalt wie für congruenz (s. Schirmer wortschatz d. mathem. in: zs. f. dt. wortforsch. beiheft 14, 27; 37 f. mit belegen), seit Chr. Wolff nur von übereinstimmender grösze, in exakter begriffsabgrenzung zu ähnlich, das übereinstimmende gestalt meint, und zu congruent, das gleich und ähnlich umfaszt (s. Schirmer a. a. o., s. u. gleichähnlich, vgl. auch gleich und ähnlich 'congruent' bei Tropfke gesch. d. elementarmathem. [31930] 4, 95 mit belegen des 18. jh.): de geometria ... aequus, aequalis gleich Zehner nomencl. (1645) 31; 'figurae congruentes, einander deckende oder aufeinander passende figuren, sind diejenigen, welche gleich und ähnlich sind' Chr. Wolff math. lex. (1716) 629; Klügel mathem. wb. (1803) I 2, 359 und historische belege bei Schirmer a. a. o. 27 f. eine grösze ist der andern gleich:

wen ir (der mauer) hoe was glich der lenge
und ir wite was glich der enge
Heinrich v. Hesler apokal. 21071 Helm;

ein würfel. in ihm sind alle sechs seiten einander gleich Herder 22, 41 S.; concurrere cum summa mit der summ gleych träffen, oder das der summ grad gleych ist Frisius dict. (1556) 283a. in terminologischer verbindung: der ebennehter ist ain zirkel oder ain kraiz, der speram in zwai geleicheu tail stukt, also daz er gleich abstet von paiden himel spitzen Konrad v. Megenberg dtsche sphaera 15, 27 M.; eyn viereckecht geuilde, daz mit gleych vir winkeln vnde gleyche vir wenden yst beslossen (ca. 1400) geometria Culmensis 20 Mendthal; die dryangel von geraden linien sind dreierlei art, der erst ist von dreien gleichen seiten, der hat drei gleicher eck oder winckel Albrecht Dürer op. (1604) e 2a; von diser lini hhe far man mit eyner zwerch lini gleich wincklich innen an die forder krummen maur derselbe, underr. z. bef. d. stett (1527) b 4b; darnach sind ander gefiert figuren, aber nit gleich seytig derselbe, underweysung d. messung (1525) e 3a; gleiche circkel heiszen diejenigen, derer diametri von gleicher grösze sind Chr. Wolff mathem. lex. (1747) 585; gleiche winckel sind diejenigen, die einerley maasz haben ebda 586; gleiche oder gleichgültige brüche brüche gleicher grösze ebda 246. in der abstandsbestimmung: paralell lini, die ich in unserm deutsch parr lini will heiszen, disz sind sölch lini, das sie alweg gleich weit von einander lauffen Albrecht Dürer op. (1604) a 2b.
2) in besonderen anwendungen.
a) von den durch 2 teilbaren, also aus zwei gleichen summen zusammengesetzten zahlen, in älterer sprache neben gerade (s. d. 1, teil 4, 1, 2, 3542 f.), das heute allein gilt (vgl. als gegenbegriff ungleiche zahl teil 11, 3, 969): eben, gerade an der zal, gleich par voc. theuton. (1482) f 5a; und

[Bd. 7, Sp. 7964]


hat der abt von Kaiszham die gkraden und gleychen monat und die gemaind die ungleichen zu leichen Knebel chron. v. Kaisheim 373 lit. ver.;

dasz man ...
fünffe gleich und grade nennt,
und sich nicht das maul verbrennt
Chr. Fr. Henrici ernst-, scherzh. u. sat. ged. (1727) 3, 474.


b) in älterer sprache, jünger noch mundartlich, bezeichnet gleich im verrechnungswesen oder auch im spiel den gleichstand von rechnung und gegenrechnung; eigentlich und bildlich: die sprochent hienoch den anlos us, das ein schade gegen dem andern solte glich uf sin und alle gefangen lidig und aller krieg und missehelle abe (Straszburg 1400) dtsche städtechron. 9, 839; sü süllent ouch alle halbe ior ... rechenunge tun von allen dingen irs innemens und usgebens, uff das man dodurch verston möge, wie es ein gestalt habe mit vorstant oder mit nachzugk oder mit glich uffgon (1481) bei Eheberg verfassungsgesch. d. stadt Straszburg 1, 317; schweiz. idiot. 2, 593; wir sein gleich. darumb gt ist ... das wir hinfür als bissher gt gesellen sein sollen Montanus 321 Bolte; vgl. rhein. wb. 2, 1265. bairisch-österreichisch in enger berührung mit VI C von dem, was in ordnung gebracht ist; 'einig sein': nachher ... kannst bald fragen, ob er denn mit dem dirndl schon auf gleich wär? Anzengruber (1890) 2, 101 anm.; gleich machen: pario gleych machen, gleyche rchnung gben desz auszgbens unnd desz eynnemmens, einem als vil widergben, als er jm genommen hat Frisius dict. (1556) 945a; ich möchte sie gittichst gebetn habn, ob se ... mir a vorschusz dasmal nich abrechn ... ich wollts ja gerne uf de neue woche gleiche machn G. Hauptmann d. weber (1892) 8; Woeste westf. 80b; rhein. wb. 2, 1266. ebenso in der wohl hier wurzelnden übertragenen bedeutung 'ersetzen, ausgleichen, wiedergutmachen':

so könnens (eine erwiesene wohltat) alt und jung beyd schwach
nicht gleich odr wie man sagt wett machn
Eyering proverb. copia (1601) 1, 58;

ich wäre ... ein rechter undanckbarer kerl, wenn ich nicht vor dieselbe gutthat, welche ich ... von eurer hochgebohrnen herrlichkeiten genossen, nicht solte bedacht seyn, wie ichs wieder gleich machen möchte Chr. Reuter Schelmuffsky 3 ndr.; thust du das, so will ich dir ... eine spendasche verehren, die würdig genug ist, ein so treues gefallen gleich zu machen jungfer Robinsone (1724) 37; vgl. Müller-Fraureuth obersächs. 1, 424b. die jüngere sprache bevorzugt hier verbale zusammensetzungen, doch vgl. noch: wenn er (der theaterdirektor) seine einnahme einigermaszen der ausgabe gleich setzen will, so ist es dem publicum gleich zu viel Göthe I 21, 79 W.; die summe beider ungleichen zahlen der dauer bleibt der wahren umlaufzeit gleich A. v. Humboldt kosmos (1845) 3, 278; erlangt es einen zuwachs, der seinem alten besitzstande beinahe gleich kam Ranke s. w. (1867) 1, 42. vom gleichstand im spiel: wir sind gleich (im ballspiel) sumus pares Joh. Orsäus nomencl. method. (1623) 313; ohne gewinn und verlust gespielt habend, wett sein ech sen gleich rhein. wb. 2, 1265; sich gleich spielen ebenda 1266; die partie steht nicht gleich auf beiden seiten Moltke ges. schr. u. denkw. (1892) 7, 19. sprichwörtlich wohl mit anspielung auf ein bestimmtes kartenspiel, bei dem es auf gleiche werte verschiedener farbe ankommt (s. auch 1gleich, n., 3): der teuffel wirfft alweg ein gleiches Seb. Franck sprüchw. (1541) 2, 60b; Lehman floril. polit. (1662) 3, 48.
3) namentlich dann, wenn es sich um ein teilen und zuteilen, ein wiegen und abwägen handelt, wobei die z. t. in diesem gebrauch wurzelnde bedeutung 'gerecht' (s. u. VI D) manchmal durchschimmert.
a) gleich teilen, verteilen (s. u. gleicht eilen), seit dem mhd. geläufig:

sô teilt mit mir gelîche
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 3439 K.;

du weist dasz wir also einig worden seyn, dasz alles, was wir finden, wollen wir gleich theilen, dasz einer so viel bekomme als der ander J. B. Schupp schr. (1663) 303;

[Bd. 7, Sp. 7965]


an diesen brüsten nährt ich beide gleich,
gleich unter sie vertheilt ich lieb und sorge
Schiller 14, 16 G.

älter auch: ob aber einichs jars unser verordnete under jnen selbs des schlags nit vereinen köndten, sonder in sollichem sich in gleich teylten, so wöllen wir ... des fürstenth. Wirtemberg newe landsordn. (1536) k 1a; (der aufwand) der auch under alle kreisz z gleich getheilt, also, das kein standt vor dem andern beschwert werden soll d. keyserl. maiestat cammergerichts-ordnung (1555) 157a. gleiche teile: alse n'is't ok nicht lantrecht, of de vader den sone mit sime lene van ime sundert und et san uplet, dat he dat to voren behalde na sines vader dode, unde in dem anderen lene gelike dele neme sinen brüderen Sachsenspiegel 28, 20 Eckhardt;

also gekochet worden gut,
die bueg vnd ander stuck mit sitten,
in gleiche theil alsbald zerschnitten
Joh. Spreng Ilias (1610) 10a;

gleiche theile machet keinem krieg Spanutius (1720) 594. in präpositionaler verbindung: die czwen patron ... der frauen liebe in gemein und auf geleichen teyle prauchen wolten Arigo decamer. 111 Keller; alsdenn möchte es zu gleichen theilen gehen Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 22 ndr.; die unterhaltungskosten sind von den nachbarn zu gleichen teilen zu tragen bürgerl. ges.-buch § 922. mhd. glich halb(es) 'zur hälfte', s. u. gleichhalb: das wir ... derselben stat unser hs z Wertdorff gliche halbes eygintliche gegeben han (1349) Wetzlarer urk.-buch 1, 656; unde muste der grebe von Ditze ime daz vurgenante slosz glich halp geben Limb. chron. 44 Wyss.
b) gleich wiegen (s. u. gleichwiegen), gleiche wage, gleiches gewicht (s. u. gleichgewicht) u. ä., soweit an ein gleiches gewichtsverhältnis auf den schalen gedacht ist (s. DWB wage III 2 b, teil 13, 351; häufiger, wenn auch ohne sichere unterscheidungsmöglichkeit in einzelnen fällen, wurzeln diese verbindungen in der vorstellung eines wagerechten gleichstands der wagschalen, s. VI A 4 und teil 13, 357 f.); eigentlich und bildlich:

naht unde tac
unser strît vil nâch gelîche wac
Wolfram v. Eschenbach Parzival 30, 16;

noch tummer mac der sîn wol ouch,
der laster und êre gelîche wiget
Hugo v. Trimberg renner 5471;

die Römer selbst bekennten, dasz er ... seine gewalt der römischen als gleich wiegend entgegen gesätzt ... hätte Lohenstein Arminius (1689) 2, 633b; die streitkräfte waren einigermaszen gleich gewogen Mommsen röm. gesch. (1874) 2, 230. belege zu gleiche wage, mit gleicher wage s. teil 13, 351 f. dazu noch:

tougen sol man minnen pflegen,
mit glicher wage liep wider wegen
der Meiszner in: minnes. 2, 223b v. d. Hagen;

(er) mischt diu dreu (weihrauch, wachs und butter) mit geleicher wag Konr. v. Megenberg buch d. nat. 377 Pf.;

hochmüthig in gleicher wag
ihr vergnügen zu wägen und
eines sterblichen weh
Ramler lyr. ged. (1772) 151;

wird den menschen zugewogen
leid und lust mit gleicher wage
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 267.

gleiches gewicht für gleichgewicht (s. d. A 1 a): aequipondium gleych gewicht, wenn under zweyen eins als vil als das ander wigt Frisius dict. (1556) 47b; die weltbeschreiber sagen von dem gleichen gewichte der erden, das der mittelpunct solcher schwere also gleych sey, das auch gar ein geringes die erde bewegen könne Butschky Pathmos (1677) 485. vereinzelt gleiches gewicht für gleichgewicht (s. d. B 2) im übertragenen sinne eines seelischen zustandes:

denn kummer und sorgen verändern es nicht,
sie schleudern dich ewig aus gleichem gewicht
Göthe I 6, 120 W.


c) unter dem gesichtspunkt gleicher kräfteverteilung, in lockeren, mehr gelegentlichen fügungen:

ezn wart nie glîcher kampf gesehn
Hartmann v. Aue Iwein 7272;

[Bd. 7, Sp. 7966]


nie sind mahlerey und poesie in einen gleichern wettstreit gezogen worden. der sieg blieb unentschieden, und beyde verdienten gekrönet zu werden Lessing 9, 132 M.; giengen meister und schüler, unüberwunden, als gleiche kämpfer auseinander Schiller 7, 17 G. 'unentschieden': Agrippa schätzte dieses gleiche gefechte gleichwol für einen nicht geringen verlust Lohenstein Arminius (1689) 1, 1062a.
C. von gleich als masz- und wertbegriff aus sind noch andere gebrauchsweisen herzuleiten.
1) es ist, gilt (mir) gleich, in leicht adversativer anwendung (s. u. VIII) auf zwei oder mehr dinge, personen, möglichkeiten bezogen, die nach wert und bedeutung als völlig übereinstimmend empfunden oder behandelt werden. auch wenn diese verbalen formeln einem einzelnen vergleichspunkt, namentlich einer verallgemeinernden zusammenfassung der verschiedensten möglichkeiten zugeordnet sind, bedeuten sie soviel wie 'es ist (mir) gleichgültig, einerlei'.
a) es ist (mir) gleich, seit dem mhd., später hinter es gilt (mir) gleich zurücktretend, aber seit der zweiten hälfte des 19. jh. fast allein gültig. vgl. schon ahd. gelîcho gân: sicut tenebre eius ita et lumen eius imo gant prospera unde aduersa gelicho Notker 2, 578, 9 P.: vgl. 1, 527, 9. im mhd. nur in persönlicher konstruktion:

ein nebel war ir diu sunne:
sie vlôch der werlde wunne.
ir was gelîch naht unt der tac:
ir herze niht wan jâmers phlac
Wolfram v. Eschenbach Parzival 117, 5.

mit abhängigem nebensatz: ob mir schon die gantze welt anhienge und widderumb abfiele, das ist mir eben gleich Luther 23, 36 W.;

dann ist es gleich, ob mir nur stunden,
ob menschenalter dir verschwunden
Pfeffel poet. vers. (1812) 1, 40;

't is mî glîk, of du dat deist of nêt Doornkaat-Koolman ostfries. 1, 604a. in der beziehung auf eine einzelne verallgemeinernde aussage: auf wen er losschlägt, ihm ists gleich Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 142; und eigentlich ist es ganz gleich, wovon man spricht Fontane ges. w. I 5, 141; so werd ichs durchfechten, in gottesnamen, es ist mir auch alles gleich Ina Seidel Lennacker (1938) 114. soviel wie 'es ist mir recht': 'gute nacht, meister' sagte Uli, 'aber wenns dir gleich wär, so hätte ich dich gerne noch was gefragt' Gotthelf ausgew. w. 2, 131 B.; es ist mir auch gleich 'auch einverstanden' Fischer schwäb. 3, 684; vgl. schweiz. idiot. 2, 595. häufig wird das gleich durch ein viel verdeutlicht (s. auch c und gleichviel 2): Cyprianus zceigett an, das es gleich szovill sey, es werde der getauffte mitt waszer allein gesprengett oder gar hynein getauchtt (1522) Egranus pred. 84 Buchwald; es ist mir gleich viel, ob es in ihrem hause, oder auf der gasse geschieht Lessing 2, 132 M.; es war gleich viel, ob jemand sich mit der allgemeinen absolution begnügte oder nach einer besondern verlangen trug Ranke s. w. (1867) 2, 25.
b) es gilt (mir) gleich, jünger als a, aber im nhd. bis ins 19. jh. gebräuchlicher als dieses, seither veraltend (s. u. gleichgelten, gleichgeltend, gleichgültig, vgl. auch gelten teil 4, 1, 2, 3081): darumb gelt es gleich, sy thn pss oder gts Berthold v. Chiemsee t. theol. 534 Reithm.;

so woltend sy es ouch haben bald,
es galt jnen glych, mit lieb oder gwalt schweiz. schausp. d. 16. jh. 3, 17 Bächtold;

auff diese weis gilts gleich, ob sich einer wol hält, oder nicht Grimmelshausen Simplic. 49 Scholte; ob auch die theologen ... mich lesen wollen oder nieht, gilt mir gleich D. Fr. Strausz ges. schr. (1877) 3, xix; auch gilt es uns gleich, dasz der zeitpunkt ihrer auswanderung ... abweichend angegeben wird Niebuhr röm. gesch. (1811) 1, 41. persönlich konstruiert: zu hoff gilt gleich, der hinder die thür tht, vnd der es auszkeret sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 39a; doch ist er (W. v. d. Vogelweide) von keinem dogma beschränkt, christ, jude und heide gilt ihm gleich, wenn er dem einen dienet Gervinus

[Bd. 7, Sp. 7967]


gesch. d. dtsch. dicht. (1853) 1, 316. einem verallgemeinernden gesichtspunkt zugeordnet:

gott geb, wie sij es (das irdische gut) mögent hon,
es gilt inen glich, wan si nur hant (15. jh.)
Mone schausp. d. mittelalt. 2, 379;

und galt mir glych, wie es mir gieng
H. R. Manuel weinspiel v. 2998 ndr.;

erwehlt mir, wen ihr wolt, es gilt mir alles gleich
Chr. Reuter Harlequins hochzeitschmaus 47 ndr.

das bleibt sich gleich in derselben bedeutung, aber mit anderem ausgangspunkt s. u. III E 4 d α.
c) elliptisches gleich viel (s. u. gleichviel 2 e): dasz schönheit schönheit sey, gleich viel, wohin sie fiele Herder 5, 308 S.; erkauft, oder gestohlen, oder erschlichen, gleich viel, alles verbrieft Alexis Roland v. Berlin (1840) 1, 122. selten auch einfach gleich:

allenthalben führet der weg zu den schatten hinunter,
gleich, ob du von Athen oder von Meroe kommst
Herder 26, 61 S.


2) von 1 aus erfolgt eine verwendung des adverbs in meist konjunktivischen sätzen mit der bedeutung 'gleichviel, ob dies oder jenes gilt, mag nun dies oder jenes gelten', in der wohl gleich aus dem regierenden in den abhängigen satz als konzessive partikel hinübergetreten ist; im 16. und 17. jh. recht häufig und dem konzessiven gebrauch VIII B 3 nahe verwandt, der am ersten hier seine wurzel haben dürfte: so offt gott hat mit jnen reden wllen, durch die propheten, es sey gleich von den zehen geboten gewest ... oder von verheiszung künfftiger hlffe, so sind sie allwege verstockt Luther 8 (Jena 1568) 57a; der kranck empfindt, dasz jhm gleich ein kalter dampff ausz dem erkalteten glid, es sey gleich hand oder fusz, durch den leib in den kopff hinauff steiget O. Gäbelkover artzneybuch (1595) 1, 29;

he sy gelick dusser oder der,
so bistu ehm schuldig tucht vnd ehr
Husemann spruchsammlung (1575) nr. 99;

ich möchte gleich reden oder schweigen, so würde doch bald weltkündig werden Grimmelshausen 2, 30 Keller. gelegentlich auch in indikativischem satz:

alle lebende creatur
auff erd, so viel ihr immer wöllen,
dem menschen gehorsamen söllen,
sie sind geleich zam oder wild
Hans Sachs 1, 22 lit. ver.;

du must auch gedencken, dasz es tag und nacht wird, wann es zeit ist, du magst gleich sauer oder süsz darzu sehen Grimmelshausen 2, 363 Keller. mundartliches gleich —oder noch in der bedeutung 'entwederoder': glei nimme də dés odə dés Schmeller-Fr. bair. 1, 1424; ə ligt áf də freithofmauə, glei, ə fàllt eini àder auszi ebda 1422. in verkürztem nebensatz:

wie bald ich eim, glich morn ald hütt,
die stund (stundenglas) mit myner hand erschütt (1550) bei
Staub-Tobler schweiz. id. 2, 596.


3) ähnlich wie 2 bis ins 17. jh. formelhaft in konjunktivischen sätzen mit folgendem verallgemeinernden relativsatz konzessiver bedeutung: er sei gleich, wer er wolle; es geschehe gleich, was wolle u. ä., wo jüngerer sprachgebrauch das gleich fallen gelassen hat: vnd ist gemeinlich aller achtung gewesen, ich werde, es geschehe gleych jn welcher gestalt es wll, abgetilget, vnnd von leuten gethan Hutten op. 1, 407 Böcking;

wer darausz kreucht, wöll wir erschrecken,
er sey geleich wer und er wöll
Hans Sachs 2, 30 lit. ver.;

es komme gleich auch wie es wolle
Paul Fleming dtsche ged. 260 Lappenberg;

sie sey gleich, wie sie wil
Logau sinnged. 363 Eitner.


4) in ähnlichen anwendungen, namentlich noch in verallgemeinernden relativsätzen konzessiver bedeutung (s. auch VIII B 3 c): ein gesatz, das jede fraw oder jungfraw (von was stand und wirde die gleich were) ... Amadis 1, 26 lit. ver.; vgl. 28;

jungfern haben gerne geld; jungfern leben gerne gut;
jungfern haben gerne ruh; jungfern haben gerne muth.
kümt nun denn ein alter buler, der disz alles kunte leisten,
sah man, wie so viel geliebtes sie sam ihm bey seite weisten,
nahmen einen jungen an, wie es gleich um ihn bewand
Logau sinnged. 506 Eitner;

[Bd. 7, Sp. 7968]


der rasche kampf verewigt einen mann:
er falle gleich, so preiset ihn das lied
Göthe I 10, 91 W.

gelegentlich auch verallgemeinernd in hauptsätzen von der form der aufforderungssätze:

ist gott für mich, so trete
gleich alles wider mich
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 3, 387a.


III. gleich im sinne der identität oder doch einer totalen übereinstimmung, sofern zwei oder mehrere gröszen einundderselben gattung, ordnung, begriffskategorie u. s. w. zugehören, lat. idem, par. in adjektivischem gebrauch soviel wie 'derselbe, einundderselbe, der nämliche, ein ebensolcher', als adverbium bzw. in einer adverbialen verbindung in der bedeutung 'auf einunddieselbe weise' oder 'ebenso, ebenfalls'. seit dem ahd. bezeugt.
A. als bezeichnung sachlicher identität, sofern ein ding, unter verändertem gesichtspunkt, mit sich selbst verglichen wird oder zwei vorgänge derselben zeitbestimmung unterworfen werden.
1) allgemein, neben sinnfälligen oder abstrakten beziehungsworten, meist attributiv; der schriftsprachliche (und mundartliche) gebrauch bevorzugt hier jedoch bei weitem derselbe, einundderselbe, auch der nämliche, vgl. Adelung wb. 2 (1796) 708, der hier nur dem obd., nicht aber dem 'hochdeutschen' uneingeschränkte verwendung zuerkennt; nach ausweis der gröszeren wbb., soweit sie diesen gebrauch überhaupt verzeichnen, gilt aber die einschränkung auch für das obd., vgl. Fischer 3, 685; Martin-Lienhart 1, 255, s. auch rhein. wb. 2, 1266; ohne einschränkenden zusatz nur im schweiz. idiot. 2, 594 verzeichnet: sic in euangelio sunt equiuoci uterque Johannes, sed diuersam sue substantie rationem habent secundum nomen Johannes unde aber Johannes sint kenammen. i. habent kelichen namen unde aber ungelicha unde ungemeina diffinitionem Notker 1, 367, 24 P.; das dorf zählt kaum zweitausend bewohner, von welchen je ein paar hundert den gleichen namen führen G. Keller ges. w. (1889) 1, 12; sie ziehen nit in gleichem joch sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 145b; ich fühle auf das deutlichste, wie wenig Plutarch mit dem Hippocrates ... in dem gleichen kopfe zusammenstimmen, wann sie schon auf gleichem tische vermenget liegen J. G. Zimmermann v. d. nationalslolze (1758) x; er (der künstler) ist ja auch ein theil des publicums, auch er ist in gleichen jahren und tagen gebildet, auch er fühlt die gleichen bedürfnisse, er drängt sich in derselben richtung Göthe I 47, 20 W.; mein jüngerer bruder, der schon seit einigen jahren mit mir den gleichen unterricht genosz H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 184. prädikativ: aequiuoca dicuntur quorum nomen solum commune est tie sint kenammen, dero namo ecchert kemeine unde gelih ist Notker 1, 367, 4 P.; ähnliche anfangsbuchstaben zum anstosz, zum schallen des bardengesanges in die schilde! disticha und verse sich entsprechend! vokale gleich! Herder 5, 165 S. adverbial: equivocus gelich, glich genant (15. jh: md.) Diefenbach gl. 207a. aus attributivem gebrauch in adverbialen verschoben: ynn der ebreischen sprache ist wind und geist gleich ein name Luther 24, 27 W.; gleich ein leib derselbe 19, 459; da schisz er in senff, denn er meinet hanff vnd senff wer gleich ein ding Fischart Eulenspiegel 64 Hauffen. oft, und dann auch schriftsprachlich uneingeschränkt, durch einen relativsatz oder einen mit einer vergleichspartikel eingeleiteten zusatz erläutert: an der gleichen stelle, an der er sich damals ein wenig gesträubt hatte, den selbstmörder gefunden zu haben, liesz er sich nieder H. Johst so gehen sie hin (1930) 283; sie steckt noch in den gleichen alten ringmauern und türmen, wie vor dreihundert jahren, und ist also immer das gleiche nest G. Keller ges. w. (1889) 4, 7; durch die rechtmäszige veräuszerung des pfandes erlangt der erwerber die gleichen rechte, wie wenn er die sache von dem eigentümer erworben hätte bürgerl. gesetzbuch § 1242.
2) zur bestimmung der gleichzeitigkeit (simul) von vorgängen, oft in die vorstellung der zusammengehörigkeit, des

[Bd. 7, Sp. 7969]


zusammengeschehens (una) hinübertretend (s. u. gleichzeitig und namentlich zugleich teil 16, 430).
a) durch ein adverb oder in adverbialen verbindungen.
α) zufrühest als einfaches adverb, mhd. glîch(e), in enger berührung mit C 1 b, vgl. mnl. gelike Verwijs-Verdam 2, 1248, nl. gelijk woordenb. 4, 1169, spärlich noch im älternhd. bezeugt: und si begonden sich glîch alle intschuldigen (coeperunt simul omnes excusare) des Matthias v. Beheim evangelienb. Luc. 14, 18; von dryer manne clage, dy do glych clagen vf eynen man alt. Kulm. recht 3, 150 Leman; Ch.: ... sahe Clinia die ding geschehen? Me.: warumb nit? gleich sampt mit mir (mecum una simul) Boltz Terenz deutsch (1539) 83a; so fahren die kugeln alle geleich mit einander aus Fronsperger v. geschütz u. fewrwerck (1557) 18; den 10. maji ..., an dem gleich einfiel das fest der himmelfahrt Christi, und der tag vor der fürstlichen leichbeysetzung Neumark fortgepfl. musik.-poet. lustw. (1657) 2, 21. auf gegensätzliche vorgänge bezogen (s. zugleich 2 b): man kan nicht gleich gen himmel und auf die erde sehen Kramer 1 (1700) 533c.
β) zu gleich, im 16. und 17. jh. gelegentlich neben zugleich (s. d.), vgl. mnd. to like Schiller-Lübben 2, 693b, nl. te gelijk woordenb. 4, 1172: Christus hat auch vermanet, wir mögen nit zweyen herren z glich dienen Hutten op. 4, 227 Böcking; die edle Penelope, die jhren eelichen herren nicht sambt unnd auff ain mall z gleich ausz dem gesicht und hertzen lest faren Schaidenreiszer Odyssea (1537) vorr. 3b; als wenn ihm die Türcken und Tartarn wären zu gleich ins land gefallen Chr. Weise d. drei ärgsten erznarren 99 ndr. vgl. noch: te glîke zugleich, zusammen Damköhler Nordharz 62a.
γ) in adverbialen zeitbestimmungen, am häufigsten zu gleicher zeit, jüngeren gebrauchs, doch vgl. in älterer bezeugung gleicher zeit und gleich zu derselben zeit: das der ostertag mit dem jüdischen ostertag solt gleicher zeit gehalten werden corp. doctr. christ. (1560) 104;

gleych eben zu der selben zeyt
geschach es von dem Sygeth nit weyt
der Türck sich wider sehen liesz
W. Schmeltzl zug in d. Hungerland (1556) b 2a.

von längerer oder unbestimmter zeitdauer: kaum hatte Lina einen monat auf dem schlosse ... zugebracht, so wurde sie zu gleicher zeit die freundinn der gräfinn —und Ewalds geliebte Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 182; oder auf einunddenselben augenblick bezogen: sie faszten alle drei an den ring und sprachen zu gleicher zeit die worte Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 142. oft unter zurücktreten der zeitvorstellung (s. zugleich 3):

dein vater ist zu gleicher zeit
ein vater seiner unterthanen
Stoppe Parnasz (1735) 7;

der übersetzer des Gay hat sich zu gleicher zeit auch als verfasser gezeigt Lessing 8, 12 M. bei zusammenfassung des entgegengesetzten: die netzhaut befindet sich bei dem, was wir sehen heiszen, zu gleicher zeit in verschiedenen, ja in entgegengesetzten zuständen Göthe II 1, 5 W. bei vereinigung des verschiedenartigen: mit dem groszen opus ... das so etwas von Odyssee, don Quixote ... zu gleicher zeit ist Herwegh in: br. von u. an Herwegh (1896) 38. geradezu 'zusammen' (s. zugleich 4): und ich wünschte dasz unsere beiden namen hier zu gleicher zeit ausgesprochen würden Göthe IV 38, 74 W. daneben in rein zeitlicher bestimmung:

am gleichen tage werden alle drey
waldstätte sich erheben
Schiller 14, 382 G.;

die haide und am wald die hecken
ergrünten fast am gleichen tag
M. Greif ged. (1889) 16;

nunmehr in weitgedehnten kreisen,
umziehn sie sich; —im gleichen nu,
sie fahren auf einander zu
sich brust und hälse zu zerreiszen
Göthe I 15, 271 W.


b) in attributiver zuordnung zu bewegungsvorgängen. selten in der blosz zeitlichen bedeutung 'gleichzeitig': ich wolte noch mehr gesungen haben, aber die gleiche entgegenkunft

[Bd. 7, Sp. 7970]


zweier, welche ... von fernen uns befehlichshaber zu sein schienen, unternahm es P. Fleming dtsche ged. 1, 84 lit. ver.; wo es darauf ankommt, dasz alle auf den gleichen ruck anziehen K. Bücher arbeit u. rhythmus (1899) 190. meist spielen hier andere vorstellungen mit, so die der gleichartigkeit oder des gleichen maszes:

thäten so starck die rhder zucken ...
im gleichem zug, im gleichem flug,
der stewrmann stund fest an den pflug
Fischart glückh. schiff zu Zürich 13 ndr.

ausgesprochen komplex in den verbindungen gleicher schritt, tritt (s. VI A 5 b und gleichschritt, gleichtritt) und mit gleichen füszen, beinen (s. VI A 5 a).
B. zur bezeichnung voller gattungsmäsziger oder begrifflicher übereinstimmung, oft von den teilen eines in sich gleichartigen ganzen, an dem zwei oder mehrere personen oder dinge gemeinsamen anteil haben.
1) in gegenständlichen und sachlichen verbindungen:

that he it eft mid is selbes scal sân antgelden
mid gelîcûn lidion (mit denselben, den entsprechenden gliedern) Heliand 1532;

wir (menschen) wahsen ûz gelîchem dinge:
spîse frumet uns, diu wirt ringe,
sô si dur den munt gevert
Walther v. d. Vogelweide ged. 22, 9 Kraus;

glicher naturen homogena Konrad v. Heinrichau vocabul. 392a Gusinde; (er ist) einer gleichen substantz vnnd wesens mit dem vatter (ὁμοούσιος) Fr. v. Spee güld. tugendbuch (1649) 3; zu urkund ist diser vortrag gleichs lauts gezwifacht vnd idem teil einen unter mein ... innsiegell gegeben (1517) in: dtsch. rechtswb. 4, 927; warum nun mehrere ... menschen sich in einem gewissen jahreskreis zusammenziehen und sich zu gleicher kunst ... versammeln Göthe I 46, 42 W.; wir haben ihn (den begünstigten) nicht übervortheilt, wir haben uns auf gleichen fusz mit ihm gesetzt Fichte s. w. (1845) 6, 180; 'gleiche stimmen ... heiszen heute stimmen nur einer der beiden hauptgattungen: männerstimmen oder frauenstimmen (knabenstimmen); das gegenteil sind gemischte stimmen' Riemann mus.-lex.11 (1929) 616b; vgl. in junger sprache fest gewordene verbindungen wie menschen gleichen blutes, gleicher rasse u. ä. neben eigentlichen gattungsbegriffen: ein müsziggänger, vnd ein bser brger seynd eins vnd gleicher gattung Lehman floril. polit. (1662) 3, 215; die werke des geistes und des genies aus diesen zeiten (dem mittelalter) sind gleicher art Herder 5, 528 S.;

soll ich verirrter hier in den verschlungnen gründen
die geister Shakespeares gar verkörpert finden? ...
sie sind es selbst, wo nicht ein gleich geschlecht
Göthe I 2, 143 W.


2) in bestimmten geistigen oder erlebnishaften bereichen besonders ausgeprägt.
a) auf innere kräfte, gefühle und geistige äuszerungen bezogen:

thoh sie thar alle be gelîcumu gelôbon ni quâmin Heliand 1221;

des sin wir geliches muotes:
swaz si vröut, des vröuwe ich mich (13. jh.)
Hiltbolt v. Schwangau in: minnesinger 1, 284 v. d. Hagen.

namentlich in der verbindung gleicher sinn, s. u. gleichsinn:

mit dir hab ich ein gleichen sin
Joh. Spreng Ilias (1610) 45b;

beharren wir zusammt in gleichem sinne,
das rechn ich uns zum köstlichsten gewinne
Göthe I 4, 16 W.;

gleichen sinnes:

nicht gleichen sinns mit deinem gatten kamst du
Grillparzer s. w. 7, 19 Sauer;

gleichen sinnes mit mir lasz die überlebenden sein M. v. Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 1, 127. ähnlich: gleicher meynung seyn eiusdem sententiae esse Stieler (1691) 667; wunderbar ist es, dasz diese beinahe gleiche neigung, gleiche gemüthsart, gleiche gaben besitzen Schiller 1, 15 G.;

[Bd. 7, Sp. 7971]


sprechen gleich in vielen zungen
deine stämme; alle eint
gleicher glaube, gleiches lieben,
gleiche hoffnung, gleicher feind
Ernst Leibl zelt unterm stern (1931) 53.


b) von der gemeinsamkeit schicksalhafter erlebnisse: fone gelichemo urspringe (ab simili ortu) chamen alle mennisken in erdo Notker 1, 159, 25 P.;

sô daz der tôt uns beiden
gebe gelîchez ende Tristan als mönch 1355;

meine kameraden hatten damals mit mir gleiches schicksal d. Leipziger avanturieur (1756) 1, 74; die menschen haben alle einerley eingang in das leben, und gleichen auszgang Petri d. Teutschen weiszheit (1604) 1, b 5b;

löst die erinnerung des gleichen schicksals
nicht ein verschlosznes herz zum mitleid auf?
Göthe I 10, 81 W.


c) auf eine gemeinsamkeit der ursachen, umstände, geistigen voraussetzungen u. ä. bezogen: umbe gelichiu ding (paribus causis) scuofe du angelos unde die in hinderoren mennisken Notker 1, 178, 21 P.; ceteris paribus mit den andyrn glyche, ob daz andern glich ist allis bei Alois Bernt beitr. z. mittelalt. vokabul. 448; die subjectivische verbindlichkeit ist gröszer als die objectivische bey sonst gleichen umständen C. A. Crusius kurzer begriff d. moraltheol. (1773) 2, 984; ein menschenschlag, unruhiger und unternehmender als seine nachbarn, liesz in dem kleinen staate, von dem wir reden, manches weit greller hervortreten als anderswo unter gleichen umständen Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 262; auch von gleichen anfängen aus wird man zu verschiedenen ergebnissen kommen und von entgegengesetzten zu gleichen Schleiermacher s. w. III 5, 8. mit folgender vergleichspartikel: eine willenserklärung, welche ... unrichtig übermittelt worden ist, kann unter der gleichen voraussetzung angefochten werden wie nach § 119 eine irrtümlich abgegebene willenserklärung bürgerl. gesetzbuch § 120.
3) in korrespondierenden verbindungen, um ein verhältnis genauer entsprechung auszudrücken, sofern die gleichheit der voraussetzungen, der ursachen, der handlungen auch die gleichheit der folgen, der wirkungen, der ergebnisse u. ä. bedingt. namentlich in redensarten und sprichwörtern: in gleichen sachen musz man gleiches recht thun Graf-Dietherr 477; vgl.: in lycka secken aegh ma lych riucht tve dwaen Hettema jurisprudentia Frisica 1, 26; dann gemeiniglich wo gleiche sünde sind, da folgen auch gleiche straffen J. B. Schupp schr. (1663) 7;

die sünder haben sold; sold haben auch soldaten.
der tod ist gleicher lohn auff ihre gleiche thaten
Logau sinnged. 24 Eitner;

gleicher lohn harrt gleicher frechheit
Grillparzer s. w. 7, 120 Sauer;

sie gebrauchen in gleichen situationen die gleichen worte Scherer lit.-gesch. 93; im vollkommensten widerspruch gegen das grundgesetz, das für alles physische und geistige leben gilt: unter gleichen bedingungen werden zu jeder zeit und an jedem ort die gleichen wirkungen entstehen derselbe, kl. schr. 1, 251; noch heute findet sich auf gleichem boden gleiches leben kriegsbr. gefall. studenten (1928) 151. am geläufigsten: gleiche mönche, brüder —gleiche kappen (s. teil 5, 189): gleiche münch, gleiche kappen Lehman floril. polit. (1662) 3, 134. sowohl mit dem auch für gleich und gleich gesellt sich gern (s. I A 6 a) häufig geltenden üblen nebenton von zwei kumpanen, die nicht viel taugen, wie in dem neutralen sinne: was dem einen zukommt, kommt auch dem andern zu, vgl. Frisch (1741) 1, 500b: gleiche brüder, gleiche kappen, sagte Felix, und befahl darauf den schergen, dasz man sie beyde mit stricken binden und vor gefangene annehmen solte A. H. Bucholtz Herkuliskus (1665) 7;

gleiche brüder, gleiche kappen,
einerley gefahr und muth:
solt uns auch der feind ertappen,
kämpfen wir vor ruhm und blut
Chr. Günther ged. (1735) 186.

etwa: was dem einen recht, ist dem andern billig: gleiche brüder, gleiche kappen, fort mit dem batzen, bis ich

[Bd. 7, Sp. 7972]


auch welche verdient habe und gleich einlegen kann (in den gemeinsamen spartopf) A. v. Arnim s. w. (1853) 3, 22; vgl. Bauer-Collitz waldeck. 16a. ähnlich: es ist ja das gemeine sprichwort: gleicher kopff, gleicher hut Abr. a s. Clara reimb dich (1708) 264; glichə def (diebe), glichə galge, glichə klocke, glichə seil rhein. wb. 2, 1264.
C. als adverb oder als glied einer adverbialen verbindung, im sinne modaler bestimmung soviel wie 'auf einunddieselbe art, in übereinstimmender weise', daneben auch in enger prädikativer verbalbeziehung (s. u. 1 a ende).
1) in enger zugehörigkeit zu einem verbum, vorwiegend in älterer sprache. in jüngerem gebrauch stehen dafür meist adverbiale verbindungen (s. u. 2), adverbien wie gemeinsam, übereinstimmend, das pronomen dasselbe, das pronominaladjektiv das nämliche u. ä.
a) mehr oder minder gefestigt:

er sprach zen ewartonselben thesen worton;
gab armer joh ther richoantwurti gilicho
Otfrid I 17, 36;

unt wil iu helden râten,ir habet einen muot,
ir jehet gelîche (sprecht übereinstimmend, sagt dasselbe) Nibelungenlied 385, 2 B.;

die jungen wâren, sô man seit,
glîch geriten unde gekleit
Hartmann v. Aue Erec 1950;

vnd wurden sy dan ein red sagen,
ouch glich redig vom iuden klagen
Murner entehrung Mariae 597 Klassert;

da sie gefraget warden ob man dise artzney kinden vnd alten leuten glych bruchen mcht Murner bei Hutten op. 5, 436 Böcking; gleich gesinnt entsprechend gleicher sinn auf sp. 7970, s. auch gleichgesinnt 1, gleichsinnig 1.: das wir nach einer regel, dar ein wir komen sind, wandeln, vnd gleich gesinnet seien Phil. 3, 16; paribus animis gleych gesinnet vnnd einmtig oder eines willens Frisius (1556) 944b; alte und junge leut seynd nicht gleich gesinnt Lehman floril. polit. (1662) 1, 10; aber auf ihm lag ein ansehnlicher stosz bücher, an die fünfzig bändchen, alle gleich gebunden G. Keller ges. w. (1889) 2, 11. gelegentlich auch zu gleich (s. zugleich 1): (dasz er) in holztailung zu gleich mit inen befuegt sein solle (1609) österr. weist. 6, 524. gleich stimmen, gleich lauten in eigentlicher und übertragener bedeutung (s. u. gleichstimmen, gleichgestimmt, gleichstimmig, gleichlauten, gleichlautend), mhd. auch in anderen verbindungen:

als habe wir kristen, swenne daz rîche
und der bâbst niht hellent gelîche
Hugo v. Trimberg renner 9004 Ehrism.

(s. u. gleichhellen);

si trgen per acort (accordium) gelich
und namen (zum könig) den von Osterrich (1298)
Liliencron histor. volkslieder 1, 13;

ob seu (die briefe) mit dem dinst unde rechten pimerchen gleich sagen (1376) in: dtsch. rechtswb. 4, 934; von den gleich stymenden worthern aber ungleichs verstandes (überschrift) (1532) Hans Fabritius büchl. gleichstimmender wörter 31 J. Meier; vnnd stunden bey ihnen 120 priester, die mit drommetten so gleich stimment blieszen, dasz es schallete, allsz wehre es einer der drommetete Cyr. Spangenberg von d. musica 49 lit. ver.; das wir ... Christo folgen, mit Paulo halten, den heiligen vetern gleich stimmen Luther 23, 418 W.; wer sonndere lere trutzlich gibt, die ... nit gleych stymbt mit andern lerern ... denselben solt man hallten für ain ketzer Berthold v. Chiemsee t. theol. 49 Reithm.; das du deine antwort auff meine rede recht fügest, damit gleich stimmest Bas. Faber thesaur. (1587) 751a; wenn meine empfindungen itzt nicht so selten mit dem tone solcher gedichte gleich gestimmt wären Lessing 17, 388 M.; 3, 452; consonum glich lauten (oberd. 15. jh.) Dieffenbach gl. 144c; vgl. 413c; soll ... mit den leutten auf die ganze companie abgerechnet vnd zween gleiche lautende zettel gemacht ... werden (1619) acta publica 2, 141 Palm; es haben aber die wort mit der that so gar nicht gleich gelaut Frz. Ad. graf v. Brandis ehrenkräntzel (1678) 172. anders: gleich gesinnt sein gegen, auf ein einzelnes subjekt bezogen (s. u. gleichgesinnt 2): wie er (gott) ein

[Bd. 7, Sp. 7973]


vnparteisch gt vnd gegen allen vlckern einig vnd gleich gesinnet ist Seb. Franck weltbuch (1534) 234a. in gewissen, sonst meist zusammengeschriebenen (prädikativen) verbalverbindungen (s. u. gleichmachen, gleichstellen, gleichsetzen, gleichkommen, gleichgeltend) mit der bedeutung 'identifizieren, identisch machen' oder 'sein': so sind auch andere gleichförmige beispiele, die in der geslächtendung nicht allein idis, sondern auch is haben, und also diselbige der nänendung gleich machen Bellin hochdtsche rechtschreib. (1657) a 3a; jene Taran, weil er sie mit Diana gleich stellt, scheint der Römer weiblich aufzufassen Jac. Grimm kl. schr. (1864) 2, 412; Rochholz ... setzt den Elbst (einen nebelgeist) einem in Uri heimischen unthier Greisz gleich Laistner nebelsagen (1879) 258; das das c ... mit dem zischenden sz (welches der Franzosen ç gleich kömmet) könne geschriben wärden Bellin hochdtsche rechtschreib. (1657) 39; φ und das römische f gilt euch (Deutschen) gleich A. W. Schlegel im: Athenäum (1798) 1, 14.
b) neben alle und von da aus auch in der beziehung auf andere pluralische begriffe nimmt dieses adverbiale gleich die bedeutung 'miteinander, zusammen, zugleich' an (vgl. ältere, im mhd. nicht mehr mögliche gebrauchsweisen von gleich wie ahd. iogilîcho 'immer' und ahd. gilîh, mhd. gelîch in verbindung mit dem gen. pl. eines subst.: manno gilîh 'jeder mann' u. s. w.). namentlich mhd., aber bis ins ältere nhd. gebräuchlich, oft von dem zeitbestimmenden gebrauch A 2 a α kaum zu trennen, im ahd. noch in prädikativer konstruktion:

alle thie furistunjoh thie jungistun,
arme joh richegiangun imo al giliche
Otfrid I 27, 8; 11, 56;

mhd. neben flektiertem und unflektiertem al:

er (Christus) gab in allen geliche
wider sin riche,
die si uon sculden heten uerlorn
frau Ava leben Jesu 1779 Piper;

von swelher künege landedie geste kômen dar,
die nâmen al gelîcheniwan ir zweier war Nibelungenlied 297, 2 B.;

der selbe got erbarmet sich
über alle manne gelich Laubacher Barlaam 6620 Perdisch;

do sie alle geleiche (die ganze familie) von herren Arigetto enpfangen worden Arigo decamer. 104 Keller;

also musz uch got helffen allen glich
beide arm und rich Alsfelder passionsspiel 2890 Grein;

gott grüsz mirs alle gleiche,
die armen als die reichen,
gott grüsz mirs allgemeine,
die groszen als die kleinen (um 1570) hoch- u. nd. volksl. 1, 8 Uhland;

lobet den herren alle gleich,
ihr sein engel, ihr starcken held (1609)
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 1, 123a.

wohl auch hierher, aber ungewöhnlich in der loslösung von einem zugehörigen verbum:

wir wurden all darob zu spott,
gott Jupiter in seinem reich
ist stärcker dann wir all geleich
Spreng Ilias (1610) 99a.

vereinzelter jüngerer gebrauch steht für sich:

das ist ein heilger krieg, wo selbst die götter
des himmels waffen gen die feinde wenden;
dann fechten alle gleich, der ewge retter
will mit den menschen dann das werk vollenden
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 2, 61.

in ähnlichen anwendungen:

si erbeizten bêde gelîche
vil unmüezeclîche
und erfuorten diu swert
Hartmann v. Aue Erec 4395 Haupt;

vber die Caros all hernach ...
die zwen shn Nomionis reich,
regierten beedesam geleich
Spreng Ilias (1610) 28b;

als tete Melôt und Marjodô ...
sie truogen ime gelîche
mit valsche und mit âswîche
ir dienest und ir heinlîche an
Gottfried v. Straszburg Tristan 15081 Bechstein;

die biderben unt die bœsen
die huoben sich gelîche dar (die einen wie die andern) der pfaffe Amis 417 Lambel;

[Bd. 7, Sp. 7974]


derselbig der verliesz zwen sön,
Frotonem und Heraldum kön.
den verliesz er das königreich
mit einander regieren gleich
Hans Sachs 8, 524 lit. ver.


2) in den adverbialen verbindungen auf gleiche art, auf gleiche weise u. ä., in derselben bedeutung wie 1 a, aber bis in die junge sprache hinein gültig:

du dienest vilen oder eim,
bey frembden oder sonst daheim,
so dien jn alln auff gleiche art
Casp. Scheit Grobianus 414 ndr.;

und geschahe dies überall auf gleiche art? Herder 5, 82 S.; aber wir thun, was wir müssen, nicht auf gleiche weise G. Freytag ges. w. (1887) 13, 100. die bedeutung von gleich als gradbegriff (s. II A 1 d) mit einschlieszend: nein, gewisz, in gleicher weise hat kein volk der erde gelitten und gestritten, mit so rührender liebe und treue keines seiner heimat angehangen H. Allmers marschenbuch (1900) 41.
D. auszerordentlich häufig begegnet gleich in einer auf früher gesagtes zurückweisenden funktion, um ein schon genanntes noch einmal zu benennen oder einen vorher ausgesprochenen sinnzusammenhang wieder aufzugreifen. groszenteils in enger anlehnung an die unter A-C geläufigen verbindungen.
1) soviel wie 'ebenderselbe', wie A im rahmen sachlicher identität und in attributiver anwendung. allgemein: der richter eben in der glych sach mit eim andren ouch in spennen steet Fr. Riederer spiegel d. waren rhetoric (1493) a 6b; den frantzösischen könig Philippum, nebst dem flandrischen grafen gleiches nahmens S. Fr. Hahn einl. zu d. teutsch. staats-historie (1721) 3, 297; wie im groszen und in natura, so dienten mir diese stadttürme mit ihrer kirche (auf dem marktplatz in Ludwigsburg) auch nachgemacht und im kleinen oft zum spielzeug ... so auch die garnisonkirche und die hauptwache auf dem gleichen platze Kerner bilderbuch (1849) 10; (der) wirth in Scharnitz, der mit einem buben und neun schafen die reissen überquerte, als eben ein felsensturz aus der wand ging ... ich machte einige tage später den gleichen weg Herm. v. Barth aus d. nördl. Kalkalpen (1874) 397. speziell neben zeitbegriffen, zur bestimmung eines zeitpunktes, in dem noch etwas anderes geschieht: sie (die kunst) stellte uns gegenstände vor, die uns erschreckten, und liesz sich zu gleicher zeit selber sehn Ramler einl. in d. schönen wiss. (1758) 1, 88; so fuhr ich fort, mich nach der schönen manier des Michelagnolo zu bilden ... und zu gleicher zeit ging ich mit einem liebenswürdigen jungen menschen um, zu dem ich die gröszte freundschaft faszte Göthe I 43, 39 W.;

und lös ich nicht die aufgegebne frage,
so soll in gleichem augenblick das band (einer verhaszten ehe)
geflochten sein
Schiller 13, 405 G.


2) soviel wie 'ebensolch' im rahmen genauer entsprechung, völliger gleichartigkeit und übereinstimmung mit vorbenanntem, teilweise in gleichen oder ähnlichen verbindungen wie unter B, attributiv: da antwortet der ander, straffet in und sprach, und du frchtest dich auch nicht fur gott? der du doch in gleicher verdamnis bist (ἐν τῷ αὐτῷ κρίματι, vulgata: in eadem damnatione) Luc. 23, 40; ich wils thun (dich beim lehrer entschuldigen), aber mit dem beding, das du ein gleichen dienst mir (idem mihi officium) wider leistest Joh. Orsäus nomencl. method. (1623) 304;

ein mordbefehl
risz sohn und vater von einander.
nun sah zum erstenmal der greis
mit trübem auge auf zu gott ...
Sebastian, zu gleichem tod verdammt,
freut sich, um seiner seelenqual
auf ewig los zu werden
Schubart s. ged. (1825) 2, 46;

um nicht ein gleiches schicksal zu erfahren M. I. Schmidt gesch. d. Deutschen (1778) 1, 419; weniger auf gesetzlichem wege, als in stets erneuten versuchen, gewalt und list mit gleichen waffen zu überbieten Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 262. redensartlich:

[Bd. 7, Sp. 7975]


was schadts, ob man dein herrn bezal
mit gleicher müntz? er zeigt uns an,
er wolt uns alle thun in ban,
so ist er selb ind bonen kommen
Hans Sachs 21, 13 lit. ver.;

von einer heimzahlung mit gleicher münze hielt er sich bei seiner körperlänge für sicher; denn er vergasz auf die langarmigkeit seines gegners Anzengruber ges. w. (1890) 3, 139. daneben in einer zu dem maszbegriff gleich II A 1 a gehörenden verbindung:

mitt suz gelicher mazze
galt er jr gedrate
daz sy im gelichen hatte
Laszberg liedersaal 2, 614;

wann dein lieb mich
zwingt innigklich
vnd kan dein nit vergessen.
drumb bit ich mir
her wider zwir
mit gleichem masz thu messen
G. Forster fr. teutsche liedl. 74 ndr


3) in modalen bestimmungen, um den logischen zusammenhang einundderselben betrachtungsweise mit der aussage eines voraufgehenden satzes herzustellen: so gepret die buss vnd straff, sllicher verbrechung oder enderung halb der geystlichen stete, sunst niemant dann dem ordenlichen geystlichen richter. dessgleychen sol es jn gleychem fall, weltlicher freyheyt halb, gegen dem oberherren derselben freyheit ... auch gehalten werden Carolina 2, 89 Kohler-Scheel; auch ich zu gleichem zweck, wiewol mit gantz vngleichen kräfften gezielet Harsdörffer frauenz.-gesprächsp. (1641) 1, a 3a; so wie für jeden einzelnen menschen seine familienverhältnisse und sein grundbesitz durch eigene würdigung bedeutender werden, so ist aus gleichem grunde möglich, dasz die regeln des privatrechts selbst zu den gegenständen des volksglaubens gehören Savigny v. beruf uns. zeit für gesetzgeb. u. recht (181 9; gleiche bewandnisz hat es auch mit den groszen tituln, mit welchen man in der kirche für gott pranget Gotth. Schuster christ-erbaul. sendschreiben (1742) 206; welche (bücher) ... für einen Lucifer, ein strumpfband, und andre merkwürdigkeiten von gleichem schlage erkannt wurden Gerstenberg br. üb. merkwürdigk. d. liter. 191 lit. denkm. (in gleicher weise, auf gleiche weise, in gleichem fall, auf gleichen schlag u. ä. für 'ebenso' oder 'gleichfalls' s. u. 5 c).
4) häufig erscheint das wiederaufgreifen einer voraufgegangenen aussage in der form des substantivierten adjektivs: das gleiche, (ein) gleiches. soviel wie 'ebendasselbe, das nämliche': da nun dieser Stephanus ... sich eines gleichen wieder ihren schwager ... unterstanden, kahm dieser ihnen zuvor Jak. Döpler theatr. poenarum (1693) 1111; die altgriechischen werke von erz und marmor wurden sämmtlich dahin verwiesen (in die 'polterkammer' der antiquarischen wissenschaften), ein gleiches geschah auch mit den vasen von gebrannter erde, ohne ausnahme Göthe I 46, 76 W.; ich erinnere mich seiner (Schillers) nur aus den späteren erzählungen meines vaters, der öfter von ihm als einer hageren, aufrechten, bleichen gestalt sprach, auch dasz er ... auf manchen den eindruck eines stolzen menschen gemacht habe, was er so gar nicht gewesen sei! das gleiche sagt auch sein Ludwigsburger freund Hoven Kerner bilderbuch (1849) 20; die eröffnung des konkurses ist von amts wegen einzutragen. das gleiche gilt von der aufhebung des eröffnungsbeschlusses bürgerl. gesetzbuch § 75. namentlich (ein) gleiches, das gleiche tun:

du pflegst mir allezeit die trägheit auf zu rüken,
weil dir in kurzer frist so lange lieder glüken,
ich solte gleiches thun
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 79;

denn die mathematick machet den verstand zur klugheit fähig, wenn sie ihn scharffsinnig machet; die weltweiszheit, wenn sie gründlich abgehandelt wird, thut ein gleiches Chr. Wolff ged. von d. menschen thun u. lassen (1720) 213; einige stiegen ab, die dame that ein gleiches Göthe I 22, 43 W.; Lewin hing an der wohltuenden erscheinung (des geistlichen), senkte dann den blick und

[Bd. 7, Sp. 7976]


folgte in andächtiger betrachtung dem stillen gebet. die gemeinde tat ein gleiches Fontane ges. w. I 1, 45;

seine würden meynt,
wenn ich dem kaiser, der mein herr ist, so
mitspielen kann, ich könn das gleiche thun
am feinde
Schiller 12, 219 G.


oft mit der nebenbedeutung des 'entsprechenden', wodurch die aussagen oder handlungen zweier personen in ein korrespondierendes verhältnis gesetzt werden, vgl. schon:

the thu ôdrun geduos
liudeon te leobe,thar thu hugis eft gelîc neman
thero uuordo endi thero uuerco Heliand 1550 B.

besonders in der erwiderung eines wunsches, vgl. mnd. ênem gelîk dôn einem gleichkommen, beim zutrunk nachkommen Lasch-Borchling 1, 2, 53: hiezwischen vergeszt nicht mir einen auff ein gleichs zuzutrincken Fischart Gargantua 29 ndr. (s. u. gleichtrinken, gleichtrunk); sollte dieser brief dich noch ereilen, so empfange sogleich die nachricht dasz es mir wohl geht ... wünsche gleiches und damit adieu Göthe IV 29, 260 W.; ich werde gut schlafen ... und wünsche ihnen ein gleiches A. Stifter s. w. (1904) 5, 1, 86; än gleichen! dank, wenn man mit einem wunsche ... begrüszt oder wenn einem guter appetit gewünscht wird Kisch Nösner wörter 55. auch hièr das gleiche, ein gleiches tun: lassen sie manchmal etwas von sich hören; ich will das gleiche thun Göthe IV 19, 254 W.;

ein jeder treibe, was ihm selber obliegt,
die andern mögen nur ein gleiches thun
Grillparzer s. w. 6, 154 Sauer;

sogleich sprang ich unwillkürlich auf, er that das gleiche G. Keller ges. w. (1889) 1, 157; liebes herz, wundere dich nicht, wenn ich dich fortan sie nenne (in der anrede) und dich um ein gleiches bitte Annette v. Droste-Hülshoff an Levin Schücking 92. speziell im vorstellungsbereich der vergeltung (des bösen wie des guten): gleiches widergelten, mit gleichem vergelten, vgl. ähnlich schon:

der bizeichinit die alten ê (das gesetz des alten bundes)
diu deme sculdigen têt uile wê,
want si mit kelicheme rach
suer ire têt dehein ungemach Wiener genesis 5612 Dollm.;

der, den du dir zfgest mit gütte: der thts von hertzen, er fleiszt sich gleichs z widergelten Boltz Terenz deutsch (1539) 86a; also ist man geneigter, weniges unrecht als grosze wohlthaten mit gleichem zu vergelten Lohenstein Arminius (1689) 1, 80a. älter vereinzelt auch anders, auf ein verhältnis entsprechenden wertes anspielend ein gleiches tun 'schadenersatz leisten': als ein ursacher dieser beyden schäden ... für dieselbigen ein gleichs zuthun Kirchhof wendunmuth 1, 197 Österley. daneben, und namentlich in jüngerem gebrauch, in pleonastischen formeln, älter oft mit unflektiertem gleich: summa, vergilt jhr gleich mit gleich das sie auch schmürtze (schmerzen habe) (denique par pro pari referto) Boltz Terenz deutsch (1539) 41b; als er dessenthalben von etlichen königlichen schiffen ... heimbgesuchet ward, hat er gleich mit gleich vergolten J. Micraelius altes Pommerland (1639) 3, 369; einem spöttischen freygeiste ... vergilt man noch lange nicht gleiches mit gleichem, wenn man ihm das gegenwärtige leben ein wenig sauer macht Lessing 2, 80 M.; uns alle beseelte eine gewisse genugtuung: hatten wir doch zum ersten male unsern feinden hilfe geleistet. hoffen wir, dasz diese auch gleiches mit gleichem vergelten Liller kriegszeit. (1914/15) 1, 65. elliptisch: gleichs für gleichs sprichwörter, schöne weise klugreden (1548) 146a.
5) in dem adverbialen gleich oder in adverbialen verbindungen mit gleich tritt, sofern es sich um eine anknüpfung an früher gesagtes handelt, die bedeutung 'ebenso, geradeso, in derselben weise' oder 'ebenfalls, gleichfalls' hervor.
a) im einfachen adverbium älterer sprache zugehörig, in jüngerem gebrauch durch ebenso verdrängt: diu mannum schinant uzana sconi innan sintun auuar fol totero kapeinnono enti allera unhreinida. enti so se(l)b kalihho (sic et vos) auget ir iuuuih uzana mannum reht uuisige innana birut auuar folle trugida enti nidhes Monseer

[Bd. 7, Sp. 7977]


fragm. 18, 2 Hench (vgl. iogilicho 'gleichfalls' bei Otfrid I 15, 24; 19, 8; II 4, 62);

also daz ein man minne ein wip vor allen wiben gar,
unt daz si danne geliche var (13. jh.)
Hawart in: minnesinger 2, 164a v. d. Hagen.

in verbindung mit eben:

her haben mirs (ein uneheliches kind) auch geben
die goter gleich und eben (wie die durch hurerei erworbenen reichtümer)
Hans Sachs fab. u. schw. 4, 268 Götze;

den keller wol versorgt, den boden eben gleich
Rachel satyr. ged. 54 ndr.

im 16. und 17. jh. auch gleich (al)so für ebenso in der verknüpfung zweier satzaussagen: es waiszt der vnheilig Osiander auch der gerechtigkait halben nicht was er gauckelt ... gleich also narrt auch Joan. Agricola, der sagt Christus hab das gesatz für vns gehalten Joh. Nas d. antipap. eins u. hundert (1567) 2, l 5a;

ach soll sie ihren erben
so sehen tragen hin? gleich so tat Hecuba,
als sie ihr letztes kind zum opfer führen sah
und weinte mehr als das
P. Fleming dt. ged. 1, 51 Lappenberg.

hierher auch die gelegentliche verbindung mit solch: als wenn ich vom kurfürsten zu Sachssen ... sagte, das ist ein kurfürst ... vnd hat doch weder leib, kopff noch strumpff, hende oder füsse. gleich ein solcher gott ists auch, den jnen die Türcken fürbilden Luther 8 (Jena 1568) 287a.
b) in verbindungen mit dem genetiv eines demonstrativpronomens, die in jüngerer sprache, soweit noch lebendig, zusammengeschrieben werden, vgl. DWB desgleich, DWB desgleichen teil 2, 1028, desselbengleich, desselbengleichen, desselbigengleichen ebda 1030, wo überall zahlreiche beispiele auch für den älteren getrennten schreibgebrauch aufgeführt sind. hier noch einzelne nachträge, besonders aus früher bezeugung (zur formalen herleitung und entwicklung dieser formen s. o. I C 2): und anderweit gînc her ûz umme sexte und nône stunde und tet des glîch (et fecit similiter) des M. v. Beheim evangelienb. Matth. 20, 5; 22, 26; mnd. des gelyk: des volt de voervloet dwers an land, unde de achter ebbe des gelyk d. seebuch 6 Koppmann. neben des gelikes:

so ne schal he des ghelikes
ten ersten male nicht myt haste vth dringhen
noch verne van sinem velde springhen
meister Stephan schachbuch 5275 Schlüter;

Reinke de vos 6690 Leitzmann. des gleichs vereinzelt auch obd.: dez geleichs sol er vnns auch hilfflich vnd beigestendig sein (1403) bei Lori baier. bergrecht 18b; das die von Oberhoffen her deshalb nicht zu schaffen sullent haben weder mit holz, mit waid noch mit kainem andern besuech, und wir des geleichen enhalben (15. jh.) österr. weist. 3, 24. in der verknüpfung zweier sätze:

und bitten got für mich mit flisz
das er vor mir daz bad nit bschlisz,
des glichen ich in minen messen
uwer nimer wil vergessen
Th. Murner badenfahrt 144 Michels;

da sprach Jesus zu im: 'so gehe hin und thu des gleichen' Lucas 10, 37. in anlehnung daran, archaisierend:

warum treibt sich das volk so, und schreit? es will sich ernähren,
kinder zeugen, und die nähren, so gut es vermag.
merke dir, reisender das, und thue zu hause desgleichen!
Fichte s. w. (1845) 4, 403;

desz selben glich (ebenso) wer vber den andern tringet (1346) weisth. 4, 383; auch, quemen die lüte hernach, den man das ir het genommen, den sol man desselben gleichen thun (vor 1463) ebda 6, 40; ich des selben gleichen (wie du) vil geritten und gangen pin Arigo decamer. 60 Keller; was dann derselbige urtheilt oder spricht, soll vom gerichtschreiber ... auffs papier bracht werden, desselbigen gleichen auch desz andern gerichtsmanns namen Kirchhof militaris disciplina (1602) 249. selten in umgekehrter wortfolge: in der vasten ein halben tag, pestet er aber, so ist es ein ganzer tag; idem, in der zwiprach und in der satt gleich desselbigen (15. jh.) österr. weist. 8, 527. vereinzelt dessen gleichen:

[Bd. 7, Sp. 7978]


man saget dessen gleichen:
pflegt man die katz zu streichen,
so recket sie den schwantz
G. Voigtländer oden u. lieder (1642) 22.

in analoger bildung: darnach kamen wir gen Pacharach, da must ich mich verschreiben, dasz ich mich in 2 monat verzollen wolte, oder ein ledigbrieff bringen. darnach kamen wir gen Kaw ... ich must mich des vorigen gleichen verschreiben Dürer tageb. 50 Leitschuh.
nur gelegentlich adverbial und in der bedeutung 'ebenso' oder 'ebenfalls' im 16. jh. auch der gleichen, der gleich, das in anderem sinne noch unter I D 3 und sonst nur in adjektivischer und substantivischer verwendung begegnet (s. I C 2): (der knecht) schlug ein pfeil uf, Wilwolt tet der gleich, wart als schier vertig als er Wilwolt v. Schaumburg 67 lit. ver.; hat ouch der glichen gethon Zwingli v. freiheit d. speisen 4 ndr.;

der gleich: wer nit
will arbeitten, snder snst schnappen,
der ms es mit
der zeit auch zalen mit der kappen
Hans Sachs fab. u. schw. 4, 106 Götze.


c) im gleichen, in gleichen u. ä. 'desgleichen, ebenso, gleichfalls', als präpositionales adverb, im 16. und 17. jh. neben den zusammengeschriebenen formen, die seit dem 18. jh. allein gelten (s. imgleichen teil 4, 2, 2065, ingleichen ebda 2116). ursprünglich als verbindung von in, im mit dem dativ des substantivierten adjektivs. im gleichen, vgl. schon: dat len scollet mine vorbenomden heren ... ewichliken vorlenen unde de lenware (belehnung von seiten des lehnsherrn) lat ik ym liken unde de scal ere wesen (1347) urk.-buch d. stadt Hannover 1, 247 Grotefend-Fiedeler; wer lutherisch werden kan, warumb sol der nicht auch calvinisch werden drffen? im gleichen wer calvinisch worden ist, warumb sol sich der auch nicht zu einer andern rotten schlahen knnen? Casp. Ulenberg erhebliche u. wichtige ursachen (1589) 349; sie leben wol, die herrn ... sie im gleichen, frau Camille Chr. Reuter Schlamp. krankh. u. tod 134 ndr. in gleichem: in gleichem (ebenso wie ein vorher genannter könig) liesz der keyser seine pltz vnd rter auch versorgen Stumpf Schweizerchron. (1606) 269b; als dem groszmächtigen Dario ... von allen seinen unterthanen geschencke zugetragen ward, brachte ein armer mann einen hut voll wassers, welches der könig nicht verachtet ..., wann ich mich zu euch recht versehe ..., werdet ihr auch in gleichem nicht verachten mein nichts J. B. Schupp schr. (1663) 402. in gleichen, die als ingleichen den jüngeren gebrauch beherrschende, wohl an meinesgleichen, desgleichen u. ä. angelehnte form: zur ewigen gedechtnusz unserer vorfahren, brüeder und nachkumbenden ... in gleichen zu unserer seelen hail (eine stiftung zu machen) (16. jh.) österr. weist. 6, 53;

künstler wissen aus dem gold einen edlen trank zu machen ...
aus dem golde wird in gleichen eine salbe zu gericht
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 13

vereinzelt mit an: wegen der herrn fürsten vnndt stände hausz alhiro ist für nötig geachtet worden, für allen dingen die werckleuthe mit ihrem vberschlage wegen der baw-kosten zu vornehmen ... an gleichem wird e. f. gn. alss kay. oberambtsvorwalter anheimb gestellet, ob ... (1618) acta publica 1, 57 Palm.
d) rückgreifend auch in substantivischen adverbialverbindungen, neben begriffen der art und weise. präpositional: er nam es und verbrand es (das geschriebene) alles, daz im do ward. do ime daz ander teil ward und er im in glicher wise och also wolt han getan, do ward es understanden H. Seuse dtsche schr. 7 Bihlmeyer; der alten scribenten ... findt man noch wol etliche. vorhanden, so neben andern irem ernstlichen schreiben z zeiten auch sunst lustige schimpff-vnnd fatzwerckische bossen in schrifften und büchlin gemacht ... z gleicher weisz dann auch ... die quodlibet ... gehalten worden seind Jac. Frey gartengesellsch. 3 Bolte; entweder man nahm (in der vergleichenden anatomie) die sache zu trivial und haftete blosz an der erscheinung, oder man suchte sich

[Bd. 7, Sp. 7979]


durch endursachen zu helfen, wodurch man sich denn nur immer weiter von der idee eines lebendigen wesens entfernte. eben so sehr und auf gleiche weise hinderte die fromme denkart Göthe II 8, 9 W.; bisz sie gantz ungezweifflet wust, dasz sie der jüngling in gleichem fall lieb hatt (wie sie ihn) buch d. liebe (1587) 234d; vnd einer sagt ... also vnd fast auff gleichen schlag lehret der kluge Socrates Lehman floril. polit. (1662) 1, 77. häufiger noch in erstarrten genetivverbindungen, die in jüngerem gebrauch fast ausschlieszlich, aber auch älter schon als zusammenrückungen begegnen: gleicher weise (s. gleicherweise 1 a, b): kurtz wie du böses gewürckt hast, also glycher wyss wirck wider umb gutes Keisersberg bilgersch. (1512) b 3a; den dazu (zur aufstellung seiner kunstschätze) bestimmten raum nach art der alten zu überfüllen, war sein (des kardinals Albani) geschmack ... im vorbeigehen gedachten wir, dasz die alten ihre anlagen durchaus gleicher weise gefüllt. so überhäuften die Römer ihr capitol Göthe I 46, 48 W. in der verknüpfung zweier hauptsätze: (es ist) eine treffliche, grosse gabe, dasz wir pfarrherr und prediger haben. gleicher weise soll diese wolthat auch von uns erkandt sein, dasz engel seind Luther 34, 2, 229 W. gleicher gestalt, vereinzelt auch gleich der gestalt (s. gleichergestalt 1 a, b):

ich sorgt fr meinen vatter alt,
fr weib vnd kind gleicher gestalt
Spreng Äneis (1610) 39b.

in der verknüpfung zweier hauptsätze: also Christus spricht Mat. xxiiii: wenn zur selben zyt etwar z üch wurd sprechen, nemmend war hie ist Christus oder drt, sollend jr jm nit glouben. sich das ist der vmbstand, wo, oder ort ... glich der gestalt soltu ouch verston den vmbstand des zytes vnd ander vmbstend Zwingli v. freiheit d. speisen 12 ndr.: weil wir den begriff von der zeit haben ... so können wir alle zeiten unterscheiden und erkennen ... gleicher gestalt, weil wir den begriff von dem raum ... haben, so können wir einen jeden raum erkennen und unterscheiden, darinnen ein ding anzutreffen Chr. Wolff vernünft. ged. v. gott (1720) 39. gleicher masze(n) (s. gleichermaszen 1 a, b):

da fiel er auch über die zwo (andern frauen)
und schlueg sie gleicher maszen (wie die erste)
Hans Sachs fab. u. schwänke 3, 267 Götze;

wol! ihr habt zum hochzeitleben
eine feine zeit erwehlt,
ich verspre, dasz es eben
in den tagen angestellt,
da sich Phöbus gleicher masze
auf der hohen himmelstrasze
her der Jungfer zugesellt
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 138.

gleiches falles (s. gleichfalls 1, 2):

es heiszt: 'trinks als, bezal gleichs fals!'
bei eim ghört gelt und zeren (1563) alte hoch- u. nd. volkslieder 619 Uhland;

und gleiches falls (wie die diebe) gehn auch die jungen leute
in halber furcht und list zur nachtzeit aus
Chr. Weise polit. redner (1679) 406.

in der verknüpfung zweier satzaussagen: der brgermeister Aviola kam auff dem scheiterhauffen, da man jn solte verbrennen, wider z jm selbs, weil aber die flamm schon zgenommen, dasz man jm nicht bey zeit mocht zspringen, ward er lebendig verbrannt. gleiches falls sol es sich mit Lucio Lamia dem stadtuogt zgetragen haben (... similis causa in L. Lamia praetorio viro traditur) Heyden Plinius (1565) 69. selten auch gleicher art:

hur verkehrt ruh.
wer gleicher art verkehrt, stellt diesem glauben zu,
ein mann der huren jagt, erjaget wenig ruh
J. Grob dichter. versuchgabe (1678) 76.


E. von den übereinstimmenden teilen und gliedern eines in sich geschlossenen ganzen oder eines in sich gleichförmigen ablaufes, in mannigfachen gegenständlichen, geistigen und seelischen beziehungen, soviel wie gleichmäszig, gleichförmig, gleichbleibend und oft, besonders in älterer sprache, an stelle dieser wörter.
1) in adverbieller zuordnung zu verben, um die gleichmäszigkeit einer körperlichen beschaffenheit, eines handwerklichen

[Bd. 7, Sp. 7980]


gebildes oder die gleichförmige stetigkeit einer bewegung auszudrücken:

es was ain herlich parawn:
sein mund gewellet geleich,
sein nasen stund herleich,
volcken augen hett der man
Heinrich v. Neustadt Apoll. 595 S.;

alles holtz war gleiche behauen Lohenstein Arminius (1689) 2, 954b; feine musseline werden nasz gewebt ..., wodurch sich das gewebe gleicher schlagen läszt und klarer erscheint Göthe I 25, 124 W.;

auf diesem bogen, fest und gleich gerundet
Cl. Brentano ges. schr. (1852) 1, 131;

mustu dich umbsehen umb gute circkel, die fein stt sind, das macht denn ein noch so lustig wenn sie so fein sanfft unnd gleich gehen H. Lautensack d. zirckuls ... underweisung (1563) 1; wenn die pferdt am wagen gleich ziehen, so gehets fort Lehman floril. polit. (1662) 1, 351;

auf, mäher, tummelt euch!
mäht vorwärts, gleich und gleich!
J. H. Voss s. ged. (1825) 2, 166;

lern- und lehrbegierig wie er war, ging er einen gleich vorschreitenden studien- und lebensgang Göthe I 28, 46 W. älter gleich durchgehen 'gleichmäszig, allgemein' (s. gleichdurch, gleichdurchgehend):

sein eifer straft die bosheit frey,
geht gleiche durch und schonet keinen
Stoppe Parnasz (1735) 312.


2) selten, und nur in älterer sprache (doch s. u. gleichbreit, gleichdick u. a.), adverbial vor einem adjektiv, an stelle eines jüngeren gleichmäszig: vnnd so man jn aufschneydt, ist er (der blinddarm) voller wsts vnd gleych hert Herold-Forer Gesners thierbuch (1563) 13; die figur desz himmels, welche allein spherisch vnd gleich kglechtig vnd rundt ist Nigrinus v. zäuberern (1592) 116; auff ein groszen ambosz, darauff man sonst schmidet, der gantz sauber vnnd gleich eben sey O. Gäbelkhover arztneybuch (1595) 1, 205.
3) zur kennzeichnung dessen, was in sich gleich, in seinen teilen, seiner zusammensetzung oder seinem ablauf gleichförmig und gleichmäszig ist, attributiv und prädikativ; teilweise kreuzt die bedeutung VI B 'eben' hinein: wie bezeuchtt man denn den sexten kore? mit eyner raynen, gten, gleichen saytten (1511) Virdung musica getutscht j 4a Schrade; aber kein volkumener corpus ist, das allenthalben gleicher ist dann ein kgel A. Dürer underweysung d. messung (1525) a 3a; gleicher boden hat wenigstens bis auf 6 zoll tiefe eine gleiche gute erdmischung G. H. Schnee d. angehende pachter (1844) 40; je dunkelgrauer und gleicher der himmel, ... desto lebhafter wird sich die erscheinung zeigen Göthe II 1, 173 W.; 'ein gleicher faden, der durchaus dieselbe stärke oder feinheit, keine knoten, unebenheiten etc. hat ... so heiszt auch in der pflanzenlehre ein stengel gleich (enodis), wenn er weder knoten noch glieder hat' Campe 2 (1808) 395b. von bewegungsvorgängen: aequabilitas motus ein gleyche bewegung, wenns einmal nit fester gat dann das ander Frisius (1556) 49b; des monds gleichen lauff J. Rauw cosmogr. (1597) 39; pulsus der pulsz ... aequalis gleicher —inaequalis ungleicher Orsäus nomenclat. method. (1623) 220; von dem flecke an, wo man die arbeit einige jahre ruhen liesz, geht sie (die chaussee) nunmehr mit gleichem sanften falle immer weiter Göthe IV 21, 307 W.;

die uhr der zeit hat gleichen pendelschlag,
dem letzten ritter schlägt der letzte tag,
und gleichen schwunges mäht der sense schnitt,
und jeder schwung nimmt eine blume mit
B. v. Münchhausen balladen u. ritterl. lieder (1922) 68.

vom ablauf des lebens: aequabilitas universae vitae ein gleyche weysz oder art desz gantzen lbens Frisius (1556) 49b; ich finde mich bey einem gleichen lebenswandel ganz wohl und thätig, und wanke und weiche nicht aus meiner bahn Göthe IV 29, 19 W. mit dem nebensinn des gleichförmig eintönigen: die tage ... vergehen so still, und das leben ist so gleich und arm Fontane ges. w. I 6, 228.
4) im sinne des gleichbleibenden, unveränderten, unwandelbaren, adjektivisch und adverbial.

[Bd. 7, Sp. 7981]



a) in verbindungen wie allzeit, ewig, immer gleich u. ä.: der nammhafft weise mann Socrates war allzeit einer gleichen geberde (Socratem clarum sapientia eodem semper visum voltu) Heyden Plinius (1565) 31;

und an ewig gleicher spindel winden
sich von selbst die monde auf und ab
Schiller 11, 7 G.;

die lust zu scheinen und zu blenden ist eine ewig gleiche eigenschaft unseres geschlechts Treitschke hist. u. polit. aufs. (1886) 1, 1;

wer theilt die flieszend immer gleiche reihe
belebend ab, dasz sie sich rhythmisch regt?
Göthe I 14, 13 W.;

er ist eisster der glīche 'von unverändertem charakter' schweiz. idiot. 2, 594. substantiviert: solche quantitäten und qualitäten der töne, solche mannichfaltigkeit der bewegung, der pausen und athemzüge! dieses immer gleiche immer wechselnde! Göthe IV 29, 90 W.; pasz auf, mein sohn, und lerne, wie sehr wir alle in die ewige wiederkehr des gleichen verstrickt sind W. Weigand d. Löffelstelze (1919) 122.
b) als bezeichnung einer sich gleichbleibenden inneren haltung, eines von keiner veränderung betroffenen seelischen zustands, oft im sinne von 'gelassen, gleichmütig' (mit anderer ausgangsvorstellung s. u. VI E 5, vgl. auch gleichmut, gleichmütig). mhd. in festem gebrauch mystischer sprache:

sô was sîn innerz leben gar
gelîche unde wandels bar.
er was einvalt in rîchem sinne
Lamprecht v. Regensburg Sanct Francisken leben 3189 Weinhold;

und da ist wol ein werck anders, dan das ander; aber der sine werck tätte uss einem glichen gemt, in der warheit, des werck werend och alle glich Meister Eckart reden d. unterscheid. 13, 19 Diederichs; hie inne wurt gelossenheit und senftmütige gebeitsamkeit, also daz man alle ding von gotte genemen kan in gelîcheme gemüete Tauler 96, 8 Vetter; vgl. 115; 140. als attribut gottes, von der unwandelbarkeit seines wesens: ich (gott) bin das unwandelber gt und stan gelich und bin gelich (ego deus qui non mutor) Seuse 230 Bihlm. wie jüngeres (sich) gleich sein, bleiben (s. u.d β): equanimis von glichem gemiet (15. jh.) Dieffenbach gl. 206a; aequabilem se praebere sich allwg gleych halten oder erzeigen, für und für in einem wsen seyn und beharren Frisius (1556) 49a; in ungleichem glükke alzeit gleich z seyn, ist mehr als menschlich Butschky kanzelley (1659) 357;

er (ein weiser mann) ist nicht für die welt, die welt ist nicht für ihn.
nie hat ein glänzend ertzt ihm einen blick entzogen,
nie hat den gleichen sinn ein unfall überwogen (1730)
A. v. Haller ged. 72 Hirzel;

der unruhen und gefahren werden nun manche werden — aber mit gleichem muthe und standhaft will ich das theil tragen, was mein herr auf mich legen wird Iffland dram. w. (1779) 6, Friedr. v. Österr. 44.
c) beim gleichen (bleiben) lassen u. ä., in der bedeutung 'auf sich beruhen lassen, in ruhe lassen' (anders s. VI E 5). in der literarischen bezeugung wie mundartlich an gewisse bezirke des ostmd. gebunden, vgl. Müller-Fraureuth obersächs. 1, 424b; Bruns volksw. d. prov. Sachsen 25b:

ich hab dir warlich nichts genommn,
hastu doch nichts vom vatr bekommn,
vnd hette Merten da gethan,
ich hetts beym gleichn auch bleiben lahn,
muste doch stracks das testament
kurtzrund erlangen krafft vnd end
M. Rinckhart christl. ritter 84 ndr.;

Pickelh.: ihr kerls, wenn ihr nicht gut thun wolt, ich wil euch wol anders kriegen. Am.: ey Pickelhering, du wirst es jo noch beym gleichen bleiben lassen (nicht anders gestalten, nicht ändern), du must nun mit auff unserer kappe tantzen Schoch com. v. studentenleben 17 Fabricius; doch vater Gunderich nahm keine kunde von dem gerede, und liesz alles gutmüthig beym gleichen bewenden Musäus volksm. (1826) 1, 55.

[Bd. 7, Sp. 7982]



d) sich (selbst) gleich sein, sich gleich bleiben (s. u. gleichbleiben, gleichbleibend).
α) in sachlichen beziehungen, 'unveränderlich sein, das nämliche bleiben': seine regierungsmaximen sind sich immer gleich Jung-Stilling s. schr. 3, 501 Gr.; während ihrer blüthe scheint die dorische kunst sich selbst gleich gewesen zu sein, es ist keine beträchtliche verschiedenheit getrennter kunstepochen und wesentlicher hauptveränderungen im styl, sondern nur ein steter regelmäsziger und stufenweiser fortgang der harmonischen ausbildung in ihr sichtbar Fr. Schlegel s. w. (1846) 4, 14; ist der hang der menschen mit der zeit verbessert oder verschlimmert worden? oder sich immer gleich geblieben? Herder 5, 587 S.; eigentlich war die wüste wieder mein altes steinfeld, und zwar sich selber so gleich geblieben, dasz ich wähnte, wir reiten denselben weg zurück, den ich gekommen bin A. Stifter s. w. (1904) 3, 199; die handschrift (Mozarts) ist ziemlich klein, aber ... doch stets deutlich, bestimmt und sich gleich bleibend O. Jahn Mozart (1856) 3, 453. elliptisch: die wahrheit ist, dasz das geistige leben —in seiner ... energie ... sich selber gleich, ein und dasselbe —doch in diesen beiden institutionen (kirche und staat) sich äuszert Ranke s. w. (1867) 1, 4. umgangssprachliches und mundartliches, weniger schriftsprachliches das bleibt sich gleich hat mehr den sinn von das ist gleich, das gilt gleich (s. II C 1), 'es ist einerlei, gleichgültig, ohne belang': das bleibt sich gleich, ob man sich denkt, don Giovanni singe hier ein bekanntes lied oder improvisiere dasselbe O. Jahn Mozart (1856) 4, 391; et blif sech glich es ist einerlei rhein. wb. 2, 1265; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 424b.
β) in der beziehung auf menschliches wesen, seelische haltung (s. auch oben b) sich (selbst) gleich sein 'in seinem wesen beharren, beständig sein, sich treu bleiben': ich bin gar nicht mit mir zufrieden, mein herz ist sich keinen augenblick selbst gleich, es ist so unbeständig (1778) Caroline 1, 3 Waitz; sie ... ist sich aber immer selbst gleich, wankt und weicht nicht von ihrer art und weise Göthe IV 35, 283 W. etwas anders, von einem wahnsinnigen: dieser ausfall mochte für ein anzeichen eines kopfes gelten, der sich nicht immer gleich war Göthe I 24, 81 W. sich (selbst) gleich bleiben 'der bleiben, der man ist': und wenn sonne und mond sich wandeln, und himmel und erde veralten wie ein kleid, die narren bleiben immer sich selbst gleich Schiller 2, 6 G. innerlicher, von ruhigem, gefestigtem wesen: er blieb sich immer gleich, er sprach wenig, aber alles was er sagte, verrieth einen gesunden verstand und ein herzliches wohlwollen Pfeffel pros. vers. (1810) 5, 20. 'sich treu bleiben': das ist der probierstein des wackern, dasz er selten auf rechtliche menschen trifft, und doch sich selber gleich bleibt Tieck schr. (1828) 4, 300; Desiré bleibt sich gleich. Desiré ist ein philosoph. er gefällt sich darin, wie Seneca zu sterben Gutzkow ritter v. geiste (1850) 4, 20. elliptisch:

du herr! dir selbst stets gleich, du blickst uns segnend an,
da wir, wie ströme, dir aus unsern ufern nahn
Wieland I 1, 117 akad.;

der alte Wodan,
sagt man doch, sei vielgestaltig,
stets er selbst, trotz kleid und namen,
stets sich gleich und hochgewaltig
Fr. W. Weber Dreizehnlinden (1907) 31.


IV. gleich als adverb oder mit gleich gebildete adverbiale verbindungen übernehmen vielfach entsprechend lat. sicut, velut, quasi, tamquam, ceu u. ä. die funktion einer vergleichspartikel, wobei oft mehr oder weniger ein übertritt in konjunktionale verwendungen erfolgt. gleich hat hier den sinn von 'ebenso (wie), geradeso (wie), nicht anders als', auch den des einfachen 'wie' (gleich 'ebenso' im sinn einer maszbestimmung s. o. II A 3 a ende und c, d; gleich 'ebenso' in der rückbeziehung auf früher gesagtes s. o. II A 3 b, III D 5). das zweite glied der gleichsetzung wird durch den dativ oder durch die an gleich angehängten vergleichspartikeln bzw. -konjunktionen als, sam, wie, ob, als ob, als wenn angeschlossen, wobei in älterer sprache unter nachträglichem wegfall dieser partikeln in gewissen

[Bd. 7, Sp. 7983]


grenzen auch einfaches gleich begegnet. die übereinstimmung der verglichenen gröszen ist zwischen I 'ähnlich' und III 'identisch' abgestuft, in bestimmten fällen ist gleich dabei bis zur bedeutung einer bloszen copula verblaszt. ahd. vorbereitet und im späteren mhd. sich festigend, bildet sich dieser gebrauch von gleich vom 15. bis 17. jh. in mancherlei verwendungsarten aus, die in jüngerer sprache groszenteils zugunsten einfacherer ausdrucksweisen wieder aufgegeben werden.
A. in der gleichsetzung einzelner satzglieder.
1) in fester verknüpfung mit dem dat., wie sie für gleich in bestimmten verbalverbindungen seit je bestand (s. o. I A 1 a, B 1 a), übernimmt das wort die funktion eines bindegliedes zwischen zwei nominalen ausdrücken, wobei sich die innere verbindung mit dem ihm zugehörigen verbum mehr und mehr lockert. schon mhd., und bis in den jüngsten gebrauch durchstehend:
a) im sinne von 'ebenso wie' oder 'nicht anders als' an stelle des einfachen wie, sofern zwei oder mehrere personen der nämlichen aussage, zwei vorgänge derselben beurteilung unterstellt werden, vgl. schon ahd. in vereinzelter prädikativer konstruktion: vnde zimberota sin heiligunga gelicha demo einhurnen in demo lande edificauit sicut unicornium sanctificum suum. i. sanctificationem suam Notker 2, 323, 18 P.; noch in enger verbaler gebundenheit:

müet sî daz si mîn enbirt
und deiz sî mir gelîche swirt (schmerzen hat) ...
sô werden wir vor leide
mit grôzer liebe erlôst
Hartmann v. Aue büchl. 654;

ohne verbale bindung: wiewol ich nun eines armen manns sohn, liesse er doch sich sein armut nicht dauren, damit ich auch in tugenden und künsten, gleich ander leuten kindern meines alters etwas ergrieffe und lehrnete J. Wetzel reise d. söhne Giaffers 164 lit. ver.; (er sann) darauf ..., gleich Philinen ein zimmer im schlosse zu beziehen Göthe I 21, 296 W.; gleich graf Gockel war er sehr mit dem könig Eifrasius unzufrieden Cl. Brentano ges. schr. (1852) 5, 26; in dem östreichischen selbstgefühl hätte er (der einzug in Wien) gleich jeder abtretung alten besitzes an uns eine verletzung hinterlassen Bismarck gedanken u. erinner. 2, 56 volksausg. im schweizer. auch zu gleich: da die boten hier ohne gotteswort zuo glych dem vieh wyslos umhergehen müssen (1530) in: schweiz. idiot. 2, 595; d tochter muess schaffe eme meitli z glich (wie eine magd) ebda. oft an stelle eines zwischensatzes: sie bilden ihnen ein, diese schöne sprache sey in keine grammatik, gleich andern, zu bringen Neumark fortgepflantzt. mus.-poet. lustw. (1657) 1, 423; da aber wahre grösze und wahrer ruhm, gleich dem glücke, den am meisten zu fliehen scheinen, der sie ... erhaschen will Klinger w. (1809) 3, 4. mit dem grad- und maszbegriff II A 2 vermischt:

und keiner in der zeiten drang
gleich ihr (keiner so wie sie) des aufruhrs fahne schwang
Annette v. Droste-Hülshoff ges. schr. (1878) 2, 127.

oft nur im sinn einer copula, soviel wie 'nebst, mit':

bis einst ihr körper aus der höhlen
zum chore der gerechten zieht
und da, wo sie das lamm bekränzet,
gleich andern auserwählten glänzet
Gottsched ged. (1751) 1, 130;

indesz war ich mit einer wenig bedeutenden blessur ... in gesellschaft von etlich und vierzigtausend geschlagenen waffenbrüdern aus der schlacht nach Prag gekommen, aber gleich allen andern dort eingesperrt Ayrenhoff s. w. (1814) 1, 3, 20.
b) in der beziehung auf einen menschlichen typus, eine historische figur, ein geschichtlich beispielhaftes ereignis u. ä. nähert sich dieser gebrauch dem eigentlichen vergleich (s. u. V), wobei die gehobene sprache den abhängigen dat. gern voranstellt:

wi hat ir, herre, so gedan,
daz ir si hat also verlan
einer armen bedeleren glich
begen ane wer helfe sich? Elisabeth 6155 Rieger;

[Bd. 7, Sp. 7984]


dasz er gleich eim wütigen thummen
ohn alle ursach mich anwendt (angreift)
Hans Sachs 17, 26 lit. ver.;

du wirst sündern gleich begraben,
die den tod verdienet haben
Neukirch ged. (1744) 71;

die jetzt ...
verbrechern gleich, vor des gerichtes schranken
gefodert wird
Schiller 12, 404 G.;

irrend schlich Erwin,
verbannten schatten gleich, um diese felsen
Göthe I 11, 312 W.;

(dann liegt) ir stoltze hoffart, pomp und bracht
mit ihrem heer sampt dem streytfannen,
geleich den heydnischen tyrannen,
welche auff gott auch nit vertrawen,
nur auff die meng ihrs volckes schawen
Hans Sachs 1, 219 lit. ver.;

merkts! die ihr, jenem kaiser gleich,
das gold in enge kerker schlieszet,
und selbst, nicht in der that, nur in gedanken reich,
des todten mammons nicht genieszet
Gottsched ged. (1751) 1, 32;

er beschreibt selbst, wie er seine wissenschaft stückweise zusammengebracht ...; wie er dann jenem vogel des Apollonius gleich den weizen anderem geflügel zum genusz überlassen habe Ranke s. w. (1867) 1, 183.
2) mit folgender modaler vergleichspartikel, gelegentlich auch unter nachträglichem ausfall dieser partikel (s. u. c).
a) im sinne sachlicher gleichsetzung, in genauer entsprechung zu den dativischen verbindungen unter 1 a. mit instrumentalis: Adam factus est quasi unus ex nobis Adam ist dhiu chiliihho uuordan so einhuuelich unser Isidor 17, 5 Hench;

Salomon ther richoni watta sih gilicho,
thaz sagen ih iu in alawar,so ein thero bluomono thar
(coopertus est sicut unum ex istis)
Otfrid II 22, 15.

gleich als, seltener auch gleicher weise als: item 60 m. Ditterich Kesselhut von Leskewicz ... sal alle jor 10 m. bezalen of Martini glycher wyse als Otto Lynsken Marienburger treszlerbuch 463 Joachim; der bischof von Kaminensis, der hett ain hertzogthmb inn und empfieng das lehen glich als ain layg, wann er richt mit dem schwert U. v. Richental chron. d. Constanz. conzils 108 lit. ver.; das sie auszogen gleich als ein einiger man 1. Sam. 11, 7; ein maulesel ... fing an zu traben und die mähne zu schütteln, gleich als ein pferd Ramler einleit. in d. schön. wiss. (1756) 1, 267. nur vereinzelt (s. III D 5 b):

dem armen richten als dem rychen,
eim klein fgen desselben glychen
als eim, der schon hat groszen gwalt
H. R. Manuel weinspiel v. 3547 ndr.

häufiger gleich wie, so auch in jüngerem gebrauch noch, wo es aber, sofern es nicht durch das einfachere wie ersetzt ist, meist zusammengeschrieben erscheint (s. u. gleichwie):

disz schiff mit altem segel fart
vnd dt glich wie das erst vsz fliegen,
loszt sich mit slechtem wynd bengen
Seb. Brant narrenschiff 1 Zarncke;

den die kälte auch gleich wie mich zum stubenofen triebe Grimmelshausen 2, 20 Keller;

bin ich nicht, gleich wie du, ein traum?
Lichtwer Äsop. fabeln (1748) 11;

vereinzelt:

ein reicher karger und geitzhals
thut wie die krotten gleiches fahls,
denn keine zmal mehr erden friszt,
denn sie mit einem fusz abmiszt
Kirchhof wendunmuth 1, 222 Österley.


b) mehr vergleichsweise in denselben beziehungen wie unter 1 b:

du gast glich schlichen als ein dieb
Mone schausp. d. mittelalt. 2, 290;

der andern jeder ein person
für sich thue nemen, nit verschon:
erstlich dieselben mit ein stich
hinferckh, hinricht gleich wie das vich Endinger judenspiel 39 ndr.


c) im 17. jh. nicht selten unter fortfall der an gleich angehängten vergleichspartikel (s. u. DWB B 2, C 3), der im nl. ganz geläufig ist, s. Verwijs-Verdam 2, 1243, woordenboek 4, 1176; vgl. in vereinzelt früherer bezeugung: auf dasselb vierd pfärit sol er gleich die andern 50 gulden järlichs sollds haben (1476 Augsb.) städtechron. 22, 420 anm.;

[Bd. 7, Sp. 7985]


dasz weib ist gleich die seel, ausz welcher tugend werken
wir dasz, waz nützlich ist, gantz eigentlich bemerken
Joh. Rist Parnasz (1652) 88;

der könig ... begab sich bald darauff, gleich auch wir, wieder ins nachtlager A. Olearius persian. reisebeschr. (1696) 278b. vereinzelt als verstärkung der vergleichspartikel nach dem komparativ: (die welt) helts gantz fur gewis ... das auff erden nicht ermer, elender, vnd vnseliger leute sind, denn gleich die christen Luther 6 (Jena 1568) 344a.
d) gleicher weise, gestalt, maszen als, wie oder gleich wie vor adverb oder adverbialen verbindungen:

hi mide si nu guden (verschwendung treiben)
glicher wis alse e began Elisabeth 8031 Rieger;

ne simili utamur fortuna, atque usi sumus damit es uns nicht gleicher gestalt gehe, wie zuvorn Bas. Faber thes. (1587) 760a;

denn jhr waret gleicher maszen
wie annoch nicht reich, nur dasz
ihr auff schönheit euch verlassen
Gabr. Voigtländer oden u. lieder (1642) 85;

er ... hube gleich wie zuvor an, den teuffel wider zu beschweren volksb. v. dr. Faust 15 Petsch;

im winter trägt disz land (und das ist kein gedichte),
gleich wie im sommer selbst, die allerschönsten früchte
D. v. d. Werder rasend. Roland (1636) ges. 17, str. 12;

die angst, ..., das drehende rad, das die sinne, als die bittern essentien, in sich fasset, und gleich als im tode verschlinget Jac. Böhme s. w. 6, 245 Schiebler. in gleicher weise wie: die ... verjährung wird dadurch, dasz eine der parteien den prozesz weiter betreibt, in gleicher weise wie durch klagerhebung unterbrochen bürgerl. gesetzb. § 211.
B. als teil einer mehrgliedrigen konjunktion, um das verhältnis zweier sätze zueinander im sinne wirklicher gleichheit zu bestimmen, seltener auch als reine konjunktion (s. u. 2).
1) gleich als, gleich wie '(eben) so wie', an der spitze eines nebensatzes, in jüngerer sprache neben wie nur noch zusammengeschrieben als gleichwie (s. d.): die obirge summa ist man sculdig alhie im lande, glich also die czeddel usweyset, die ich ... obirgeben habe (1423) handelsrechn. d. dtsch. ordens 468 Sattler;

du hast sy auch mit deiner lieb pegabt,
geleich als ichs von dir han gehabt altdtsche passionssp. a. Tirol 45 Wackernell;

wir ... wellend einen pundt mitt dir machen, das du vns kein schaden thgest, gleych wie wir dich nit beleydiget habent d. gantze bibel verteutscht (Zür. 1531) 1. Mos. 26D. mit voraufgehender korrelativpartikel: ich will hinfüro meinem herrn also dienen, gleich wie ich gern wolte, dasz mir wieder gedienet würde J. B. Schupp schr. (1663) 356. älter auch:

mer gehen gen der stat wert,
glicher wis als du host begert Alsfelder passionssp. 2531 Grein;

und darin so vil eck brauchen als man wil, zu gleich wie vor mit den seulen angezeygt ist Dürer underweysung d. messung (1538) g 2b; ich dich von dem tag an liebhaben wil in gleichem, wie du mich dann liebhast Wickram w. 1, 18 Bolte.
2) als eigentliche konjunktion, ohne die an gleich angehängte vergleichspartikel (s. o. A 2 c, s. u. DWB C 3), vom 16. bis ins späte 18. jh. bezeugt, wenn auch kaum sprachläufig wie im nl. (s. Verwijs-Verdam 2, 1243, woordenboek 4, 1177), sondern eher als eigenheit bestimmter schriftsteller; älter auch glîcher wîs:

vil rehte sie vernâmen,
glîcher wîs in was gesagt erlösung 3112 Bartsch;

so sparet he nicht, to spreken syn eghen laster mede edde der synen, ghelyk hir de wulf syn eghen wyff mede besede Reinke de vos 16 Leitzmann; unde wesz he also entfanget, des maken wy one fulmechtich in crafft dusses sulven breves, quitantien darvan to gevende, gelick wy sulves, eft wy jegenwordich weren, don mochten (1504 Braunschweig) dtsche städtechron. 16, 542; ich will jetz nicht sagen von Ober-Teutschland, in welchem, durch den verderblichen 24 jährigen krieg, die academien sehr

[Bd. 7, Sp. 7986]


verstöret ..., gleich dan in krigen alles unter die fsz geräth Zinkgref apophthegm. (1653) 3, a a 2b; denn wir werden in sachen von dieser wichtigkeit nichts mehr ohne eüere beystimmung und erkenntnisz vornehmen, gleich wir im übrigen in den geringsten bagatelles, die gleicheit und nicht das mehr der stimmen beobachten und zehlen (1721—22) ges. d. mahler 21 Vetter; ein solcher (missetäter) genosz der wohlthat nicht, sich mit gelde lösen zu können; gleich es denn überhaupt scheinet, dasz nur diejenigen dazu gelassen wurden, welche geflüchtet waren Just. Möser s. w. 2, 339 Abeken. vgl. Behaghel dtsche syntax 3, 180 f. mit weiteren belegen. vereinzelt nach einem komparativ:

sie (die pfarrer) sollen ebn die straff auszstehn
fr uns: dessen wir frey entgehn,
weil wir nicht besser habn gewust
gleich uns von ihn geleret ist
Arnold Glaser phasma (1593) l 5b.


3) in korrespondierenden sätzen gleich als, wie ..., (al)so ..., bis ins späte 17. jh. neben jüngerem gleichwie (s. d.) ..., so ... oder einfachem wie ..., so ...; in dem weitgespannten syntaktischen gefüge wird anfangs vor dem einfachen gleich die umschreibung durch (zu) gleicher weise bevorzugt: gelicher wise also obe ein mensche keme in also grosse krangheit, das men zmole verzwifelte an sime lebende ... so mahte man ime ein túre latverge von golde und von berlin ... also sol der mensche diser túren edeln spisen nút nemen dann um sine krangheit Tauler 320, 13 Vetter; zu gleicher weis, wie es sich befindet, das sich ... also befindet sich auch, das ... Sebiz feldbau (1579) 1; geleich wie dem herczogen geschahe also es auch im erginge Arigo decamer. 116 Keller; ich hätte gern eine gute warme brühe gehabt, aber gleich wie man mir keine gab, weil man mich nicht sehen konte, also wolte ich auch keine fordern Grimmelshausen 2, 370 Keller; gleich als der leib kranck wirdt, also auch die vernunfft in kranckheit fallt Paracelsus op. (1616) 2, 317 Huser; ein sehr ... geitziger mann ..., der eben gleich als Chatem von Thai wegen seiner groszen freygebigkeit, also dieser filtz- und schindhund von kargheit und geitz weltberühmt gewesen pers. rosenthal 51b bei Ad. Olearius vermehrte reisebeschr. (1696).
C. als teil einer konjunktionalen verbindung, selten auch als selbständige konjunktion (s. u. 3), an der spitze hypothetischer nebensätze, die eine vermeintliche, scheinbare oder nur vermutete gleichheit zum ausdruck bringen: gleich als, gleich sam, gleich als ob, gleich als wenn, gleich ob, gleich wenn, auch einfaches gleich; als verkürzung alter, zu gleich I D 'gemäsz, entsprechend' gehöriger wendungen, vgl. dort namentlich dem, diu gelîche tuon daz, als, als ob 'so tun als ob, sich stellen als ob', sowie jüngeres des gleichen, dem gleichen tun als (ob) (I D 3). zunächst und gelegentlich noch im 16. jh. gehört dabei gleich als adverb noch zum verbum des regierenden hauptsatzes, allmählich tritt es mit den folgenden konjunktionen zusammen; jüngere sprache drängt das gleich als (ob), als (wenn) zugunsten des einfachen als (ob), als (wenn) stark zurück.
1) gleich als, gleich sam. mhd. meist dem oder diu gelîch als oder sam:

dô ime diu êre was geschehn,
do gebârter rehte al diu gelich
als im aller tägelich
zehenstunt geschæhe alsame
Hartmann v. Aue Iwein 753; vgl. 2217;

du tust dem geleich, als dir ernst sei und dich not swerlich betwinge ackermann aus Böhmen 2 Hübner;

gross fürsten, edel burger, vast rich,
die bettlend stets und eben glich,
als hettind s nit eins hallers wert
Nicl. Manuel 56 Bächtold;

alszo syndt es gifftige meuler, qui pestem, famem, inundacionem Albis euangelio imputant, gleych als vor nihe gewest were Luther 34, 1, 129 W.; ich ward hierdurch derogestalt gerühret, gleich als ich eine göttin für mir reden hörte Lohenstein Arminius (1689) 1, 496a; Ruth ... drehte den lichtschalter in ihrer nähe aus, gleich als wolle sie verhindern, dasz ein rückwärts gesandter

[Bd. 7, Sp. 7987]


blick der groszen starken männer das arme trümmerhäufchen treffe H. W. Seidel Krüsemann (1936) 126. im älteren nhd. gelegentlich auch von attributivem gleich abhängig: das eyn pabst hinfüran so er von der priesterschafft und dem volck erwelt wurd, in glicher kraft und vollkommenheyt geacht sin sol, als wer er vom keyser bestetiget Judas Nazarei v. alten u. neuen gott 19 Kück. gleich sam nicht über das 16. jh. hinaus:

si varent dem gelîchesam ez sî Rüedegêr,
von hiunischen landender degen küene unde hêr Nibelungenlied 1180, 3 Bartsch;

(Petrus) stelt sich gleich sam er das gesatz Mosi ... noch hielt Aventinus bayr. chron. 1, 776 Lexer; er torkelt glich sam er vom gaul fallen wollt derselbe bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1423; es ist ain rechter lust von beymen gwesen, gleych sam ainer in ain wald gang (16. jh.) bei Fischer schwäb. 3, 684; das er mich schilt, ich ertichte, gleich sam were es war, das die papisten widder die lutherischen kriegen wollen Luther 30, 3, 449 W.
2) gleich (als) ob, gleich (als) wenn (s. auch oben I A 1 a β, sp. 7942):

daz was diu vil gelich,
als ob in erbarmte anegenge 19, 30 Hahn;

doch tet diu schœne dem gelîch,
als ob si leidic wære
der sache und dirre mære
Konrad v. Würzburg troj. krieg 17056;

demnach kummend sy mit dem Thoma glich als ob ein einiger bttelmünch gwalt hab gsatzt vor z schriben allem christenvolk Zwingli v. freiheit d. speisen 19 ndr.; gleich als ob Kant gar nicht dagewesen wäre, ist der satz vom grunde bei Fichte noch eben das, was er bei allen scholastikern war, eine aeterna veritas A. Schopenhauer w. 1, 69 Grisebach. älter auch: glycher wyse, als ob dieseb ingezogen schrifte nienert alda geschriben stünd Niclas v. Wyle translat. 15 Keller; unnd geht gleych hietzü, alsz wenn ich sie fragt wo kumpt Parisz her? unnd sie anttwortteten myr: Parisz ist eyn stadt Luther 9, 717 W.; wider diesen satz ... werden ... einwürfe vorgebracht ... gleich als wenn es auch nur möglich wäre, eine andere art der anschauung zu erdenken Kant s. w. (1838) 2, 355. selten mit folgendem indikativ: er macht das tuch vmb, gleich als wenn er schlachten will schausp. engl. comöd. 48 Cr. vom 15. bis 17. jh. auch unter fortfall der relationspartikel: ok was he ein schone man van evener lenge, und hadde eine enkede harde sprake und gele hare, darumme orer vele an ome geden gelik ift he to Parys were doctor worden (15. jh. Braunschweig) dtsche städtechron. 16, 258 nachtr.;

auch Atlas bebete gleich ob er fallen wolte
Paul Fleming teutsche poem. (1642) 10;

all menschlich witz, gewalt, gunst vnd geld
im augenblick zu boden felt,
gleich wans an einem seyden faden hieng
Friedrich Wilhelm sprichw.-register (1577) A 1d.

noch mundartlich:

wànn i' mei~ diəndl hàlsún tuə,
drûckt sie die aüglan zuə
und wêrt gànz stât,
glei', wann sú einschlàfún tât
Frommann dtsche mundart. 5, 247 (kärntnerisch).


3) einfaches gleich für gleich als ob im 16., 17. und frühen 18. jh. nicht selten (s. o. A 2 c, B 2 und im mnl. Verwijs-Verdam 2, 1242), vgl. schon mhd.:

mit ir giengen dannenwol sehzic magedîn
dem gelîch, si soldenin hôhen zühten sîn
komen ûz ir lande Kudrun 976, 2 Symons;

ir antlizze (blieb) unferseret
in aller der gebere
glicher wis ir were
ungemaches nit geschehen Elisabeth 8664 Rieger;

bawen sulch wonung, gleich sye ewigk alhie wolten behawsenn Luther 9, 135 W.; es schiene, gleich schämte sich ihre zunge, dasz ... liebes-cammer (1679) 508; im schifflein schlief der herr zwar, und liesz die jünger in angst und schrecken fallen, er liebet sie aber doch. so war es auch, als er sich, gleich wäre er ganz unkräftig, fangen, binden, tödten liesz, er liebte sie doch und hielt

[Bd. 7, Sp. 7988]


ihnen schutz Scriver seelenschatz (1701) 2, 513; fragte ich einen gelehrten zu rath, welcher ... seinen finger steiff an das hirn anhielte, gleich wolte er den verstand anzapffen Stranitzky lustige reiszbeschr. 21 Wiener ndr. vgl. Behaghel dtsche syntax 3, 181 mit weiteren belegen.
D. adverbielles gleich, gleich als, seltener gleich sam wie 2gleichsam (s. d. 2) in dem leicht einschränkenden sinne von 'sozusagen, gewissermaszen', lat. quasi, prope, zur milderung eines starken ausdrucks oder einer weitgehenden behauptung, nicht über das späte 17. jh. hinaus bezeugt, doch s. woordenboek 4, 1179: in deme dat ... is gevangen vnde bunden en mynsche, de sik geschortet hadde an des hilgen lichgammes symborium by dem hogen alter bynnen den iseren scranken des chrs to vnser vrouwen to Lubek, vnde is wech geuort mit gelik heidenscher walt yn juwe slote (1442) Lübeck. urk.-buch 8, 115; soltu z dem gebunden ochsenn ... glich mit etlichen glichsenden stim komenn (cum quadam vocis adulatione) Österreicher Columella 2, 9 lit. ver.; wann die bedenckung ist glich (quasi) ein vffhebung der vngedachten gttät Terenz deutsch (1499) 11a; tempus succisivum ... zeit die man andern nötigen geschefften abbricht, vnd gleich stielet Bas. Faber thesaur. (1587) 123a. daneben gleich als: es bekümmert und fichtet die herzen nicht wenig an, dasz gott gleich als wankelmüthig ist (var. gleichsam) Luther tischreden od. colloquia 1, 160 Förstemann;

die gestirnten himmelsscheiben
wollen gleich als stehen bleiben
über euch und eurer zier
Paul Fleming teutsche poem. (1660) 354.

von der vorstellung des annähernden aus gelegentlich soviel wie 'beinahe, fast': vnd dergleichen ander dingen, durch welche die eristenliche warheit, vilfaltigklichen, vnd gleich vnauffhörlich (prope infinite) abgezogen ... wirt Hutten op. 1, 406 Böcking; also redet er mit jnen auffs aller einfeltigst und gleich (geradezu, fast) kindlich Luther 45, 486 W.; ohne underlasz und glīch als täglich (1593) in: schweiz. idiot. 2, 596. nur selten gleich sam:

weyl ich merck, das sie alle beyde
gleich sam ein schew und grawen han
ob alln töchtern in Canaan
Hans Sachs 1, 103 lit. ver.


V. im bildlichen vergleich bezeichnet gleich seit alters die gleichartigkeit von sache und bild. groszenteils in den auch unter IV gebräuchlichen syntaktischen formen und beziehungen (s. u. B).
A. in verbaler verbindung mit abhängigem dativ.
1) gleich sein.
a) zufrühest in der wiedergabe oder unter dem unmittelbaren einflusz der biblischen gleichnisse: galeiks ist mann timrjandin razn, saei grob jah gadiupida jah gasatida grunduwaddjau ana staina Luc. 6, 48 Streitberg; uue iu scriberin inti pharisein, lichezera, uuanta ir giliche birut giuuiziten grebiron (quia similes estis ...) Tatian 141, 22; abo ipsa vox praedicantium, quae per guttur intellegitur, diu ist glich demo bezzesten uuine, uuante sie die craft unte den smak supernae dulcedinis an iro selbero habet Williram 123, 6 Seemüller; daz himelrich ist gelich einem menschen, einem huswurte der uz gieng daz er gewúnne werglúte in sinen wingarten Tauler 28 Vetter; ein ander gleichnis leget er jnen fur, und sprach: das himelreich ist gleich einem senffkorn, das ein mensch nam, und seet auff seinen acker Matth. 13, 31;

der blumen gleich ist meine krafft
die in dem winter ist vergangen
D. v. d. Werder buszpsalmen (1632) b 2b;

ihr herz ist gleich
dem himmelreich;
weil die geladnen gäste
nicht kamen,
ruft sie zum feste
krüppel und lahmen
Göthe I 4, 161 W.


b) auszerhalb dieser sphäre:

sleht und unzefüeret
ist dîn hâr, und dîn lîch
eime gemasten frâze gelîch
Hartmann v. Aue Gregor. 2928 Paul;

[Bd. 7, Sp. 7989]


ich weisz nicht, ob der kirche etwas möge gleicher seyn denn amaranthus, diese blume Luther tischreden (1573) 172b; das gewissen der menschen ist gleich einem sieb, dadurch man hundsköpff reitern könte Lehman floril. polit. (1662) 1, 338;

gericht wie bist du manchmal gleich
dem räuber, der im dunkeln thale
dem wandrer schlägt den todesstreich
Lenau s. w. 555 Reclam;

das fügte sie noch hinzu, dasz der lebensbalsam, den du für andre hast, einem feinen geistigen öl ... gleich ist Bettine Cl. Brentanos frühlingskranz (1844) 445.
2) in älterer sprache auch in anderen verbalverbindungen, an stelle des jüngeren vergleichen: uuemo tuon ih gilihhaz thiz cunni (similem estimabo) Tatian 64, 12; und weme sal ich gelîch achten dise geburt? des M. v. Beheim evangelienb. Matth. 11, 16;

ich wil si gelich der sunnen mezzen (13. jh.)
Walther v. Metze in: minnes. 1, 307b v. d. Hagen.


B. in formaler übereinstimmung mit dem gebrauch IV.
1) mit nachfolgendem oder voraufgehendem dativ (s. IV A 1), vornehmlich im poetischen gebrauch gehobener sprache und in bestimmten motivkreisen. in früher bezeugung noch eng an ein zugehöriges verbum angelehnt:

endi thea ôdra (sollen empfangen) thioduuelon (seligkeit)
an hebenrîkea, huîtaro sunnon
liohtean gelîco Heliand 2606;

wan ir scheitel und ir hâr
was so lieht und sô clâr,
daz ez gelîche golde gleiz
Konrad Fleck Flore 6885 Sommer;

allmählich aus der verbalen beziehung stärker gelöst oder ganz verselbständigt:

er sach ir antlitz also clar
erluchtet wunnecliche
der claren sunnen gliche,
di ir schin erguzet Elisabeth 2850 Rieger;

dergleich Jabin mit groszem heer,
geleich dem sande an dem meer,
schlug er (Josua) auch mit sighaffter hand
Hans Sachs 1, 211 lit. ver.;

und dess höchsten gnadenstralen,
gleich der sonnen sie bemahlen
J. B. Schupp schr. (1663) titelbl. b;

ganz ungebunden spricht des herzens fülle
sich kaum noch aus: sie mag sich gern bewahren;
dann stürmen gleich durch alle saiten fahren;
dann wieder senken sich zu nacht und stille
Göthe I 2, 16 W.;

von Straszburg, damals als seine (W. Scherers) schöpferische kraft unversiegbaren quellen gleich hervorbrach, liesz er die ... 'vorträge ... in Deutschland und Österreich' ... hinausziehen K. Burdach bei W. Scherer kl. schr. (1893) 1, v;

der sonnenblume gleich steht mein gemüte offen,
sehnend,
sich dehnend
in lieben und hoffen
Mörike w.2 1, 32 Maync;

got ere de van Nederich,
want si lewen wale gelich
quamen zo der selver wile
vur de burch neden bi Rile
zo velde (ca. 1280 Cöln) dt. städtechron. 12, 96;

dem adler gleich, der in der wolke fliegt,
erschien und schwand mir aus dem auge wieder
und wieder mir des hohen fremdlings bild
Hölderlin s. w. 3, 30 v. Hellingrath;

und übe, dem knaben gleich,
der disteln köpft,
an eichen dich und bergeshöhn
Göthe I 2, 76 W.;

doch erst, wenn so des äuszern trefflichkeiten,
herolden gleich, vor ihnen her trommeten
Grillparzer s. w. 6, 166 Sauer.

auch in den auf blosze veranschaulichung gerichteten vergleichen:

ir brüste nider hiengen;
die sîten si beviengen
gelîch zwein grôzen taschen dâ
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 6316 Kapteyn;

(sie) erschrockenlich eynem steyne geleich stünd Arigo decamer. 290 Keller; wegen der vor wenig jahren so tapfer verfochtenen freyheit (die gleich denen beym Hellespont auf des Protesilaus grabe wachsenden bäumen ... zu

[Bd. 7, Sp. 7990]


knacken anfieng) Lohenstein Arminius (1689) 1, b 1b; es gibt augenblicke des lebens, in welchen die begebenheiten, gleich geflügelten weberschiffchen, vor uns sich hin und wieder bewegen Göthe I 23, 205 W. selten auf ein abstractum bezogen: bis vaterlands heisze liebe, gleich einer mächtigen eingebung, alle geister entflammt Klinger neues theater (1790) 1, 6.
2) mit nachfolgender vergleichender partikel (s. IV A 2), gleich als, gleich wie, im selben sinne und gebrauch wie 1, aber nur bis ins 18. jh. hinein; jünger nur noch gelegentlich in zusammengeschriebenem gleichwie (s. d.), sonst völlig durch das einfachere wie verdrängt. vgl. schon as. gelîc all sô:

hie uuas an is dâdion gelîc ...
sô bereht endi sô blîdiall sô blicsmun lioht Heliand 5806.

gleich als:

sô daz ir (der frauen) lop gelîcheob allem lobe schône als ein crône swebt
Reinmar v. Zweter 34, 6 R.;

disz werffend die so fryheit des euangelij beschirmend den ceremonieren für, glich als ein schilt oder bolwerck Zwingli v. freiheit d. speisen 32 ndr.;

Carl, dessen ruhm, gleich als ein spiegel
des groszen vaters heldengeist
zu wirklich gleicher grösze weist
Stoppe Parnasz (1735) 12.

gleich wie:

din gwin verschwindt glich wie der wind
Nicl. Manuel 15 Bächtold;

all angst und quaal
wird auf einmal
gleich wie ein dampf verschwinden
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 315

in älterer sprache gelegentlich: sedder der tid ... heft Luneborg vege (ängstlich) gewesen vor demsuluen hertegen Magnus, synen kinderen vnde kindeskynde, gheliker wisz alse dat raphon vor dem haueke (1461 Lüneburg) dtsche städtechron. 36, 230; ain ungelerter fürst in ainem land ist geleicher masz wie ain gekrönter esel U. Füetrer bayr. chron. 173 Spiller. auch vor einem nomen mit folgendem relativsatz: uns geschicht glich wie der frowen, die do understot ein hert (herde) iunger hüner in ein hafen z samlen Keisersberg bilgersch. (1512) 9c; und seind die philosophi, so die affecten bey den menschen wolten auszmustern, gleich wie einer der den winden, die auszreiszen wollen, wolt ein gebisz machen Lehman floril. polit. (1662) 1, 8. vor einer präpositionalen verbindung im sinne von 'gleichsam wie' (s. 2gleichsam 3a): sye (meine schrift) werde ... under eüwerem titel, gleich als vnder dem vnuerwundtlichem schildt Achillis, vor den gifftigen zungen der miszgünner, sicher unnd unverletzt besteen Schaidenreiszer Odyssea (1537) vorr. 2a;

womit die hoheit ihm, gleich als mit einem kreuz,
... der stirne thron umzogen!
J. U. v. König ged. (1745) 118.

gelegentlich auch, wie unter IV A 2 c, mit nachträglichem fortfall der vergleichspartikel: musz ich dich doch treiben gleich einen faulen esel engl. comed. u. traged. (1624) a 7b; ich seufze gleich ein pellikan in der wüste (1691) in: schweiz. id. 2, 595;

nun aber schimmern sie, erhöht in jene ferne
gleich um den mond die andern sterne
Kretschmann s. w. (1784) 2, 137.


3) als glied einer konjunktionalen verbindung an der spitze eines vergleichenden nebensatzes (s. IV B), für jüngeres gleichwie (s. d.) oder wie: je hitziger vnd hefftiger jr (der seelen nach dem tode) leben ist, ye nehr sie z dem allerlauterstem ewigen leben nahen, gleich sam das licht des auffgangs, wie vil mer es dem mittag nahet, ye lichter vnd klerer es wirt Carlstadt sermon v. stand d. christglaub. seelen (1523) b 2a; die metall ... werden formirt vnd geziegelt in der mutter der erde leib ... gleich wie ein kind ausz der eltern samen in mutter leib gezelt wird Mathesius Sarepta (1571) 31b;

er aber selbst fängt an und schreyt
gleich als ein leue brüllet
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel ev kirchenl. 3, 334 b

[Bd. 7, Sp. 7991]


selten ohne relationspartikel: sahe ich ... diese liebliche schönheit auffgehen, gleich aus der finstern nacht die anmuthige morgenröthe herfür bricht pers. rosenthal 69a bei Ad. Olearius verm. reisebeschr. (1696). auch in umgekehrter satzstellung, in der die mit gleich gebildete konjunktionalverbindung an der spitze des ganzen vergleichenden satzgefüges steht: gelicher wise also der lichame nússet die lipliche spise, so empfahet sú der mage und wurt denne al umbgeteilet in ein ieglich gelit ... rehte also enphohet hie der geist die edel götteliche spise Tauler 56, 13 Vetter;

gleich wie auch auff der heyd
ein hirsch begierlich schreyt
nach frischem wasserquell,
so ruf ich laut und hell
nach dir, o mein leben
Paul Gerhardt bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 301;

doch gleich wie von demselben osten, wo
die sonne ihre strahlenbahn beginnt,
schiffbrechende gewitter sich erheben,
so brach ein neues schrecknisz aus dem schoosze
des siegs hervor
Schiller 13, 7 G.

ohne vergleichspartikel:

gleich ein ostwind hart strmen tht,
zbricht im meer die schiffe gt,
so hat man da dein hand vernommen
Kehrein kathol. kirchenl. 3, 204.


4) gleich sam, gleich als, als wenn konjunktional in hypothetischen vergleichssätzen mit dem konjunktiv (s. IV C): die wasserwllen, die nit ungestm gond, sonder gleych sam sy kurtzweyletind Frisius dict. (1556) 75b; wenn man sich bey ihren (der ameisen) halden auffhelt, und sihet ihrer trewen arbeit zu, da sie ausz vnnd ein faren, und (gleich als lieffen sie mit dem hunde oder druhen) die körnlein ziehen vnnd schleppen Mathesius Sarepta (1571) 23a; gleich als wenn jemand fr dem lewen flhe, vnd ein beer begegent jm Amos 5, 19; die arznei ist gleich als wenn einer mit einem brodtmesser ein zimmermann wolt sein Paracelsus op. (1589) 2, 20 Huser.
5) gleich oder gleich als in leicht einschränkendem sinne vor bildlichem ausdruck an stelle von 2gleichsam (s. d. 3), bis ins 17. jh. (entsprechend IV D): der selb weiz regenpog kümt dâ von, daz der wolken dunst an dem himel gleich gezaist (= aufgelockert?) ist und dünn mit ainer gaistleichen fäuhten, alsô daz dar auz gar klain riselndiu tröpflein würden, ob er sich in wazzer entslüzze Konrad v. Megenberg buch d. natur 98, 14 Pf.; das yederman sich vorwundert und gleich mit den feusten hat greiffen können, das es gottes wergk ... ist herzog Georg v. Sachsen bei Luther 30, 3, 421 W.;

der othem ist mir gleich zugestopfet Reinicke fuchs (1650) 245;

im libsgebot, uns anbefohlen,
sind die gebote gleich verhohlen (umschreibung von Matth. 22, 40: 'in diesen zwei geboten [der
gottes- u. nächstenliebe] hanget das ganze gesetz und die propheten')
Q. Kuhlmann kühlpsalter (1684) 1, 182.

ebenso gleich als: denn die glentz (der sonne) sind gleych als eyn natürlich geschrey der szonnen, dadurch sie bekand und offenbar wirt ynn aller welt Luther 10, 1, 1, 152 W.; nur leute von ... geringer natur ... haben lust hinter dem ofen zu sitzen, und in ihrem vaterlande gleich als angebundene zu bleiben Ad. Olearius verm. reisebeschreib. (1696) 1.
C. das substantivierte neutr. das gleiche, ein gleiches hat neben häufigerem 1gleich, n. (s. d. 1) in älterer sprache gelegentlich den sinn von 'bild, gleichnis': he sprichit auch: 'daz gotliche licht irschinit funfleige ludin'. di erstin inphahin sin nicht. si sin alse daz vehe ist unglich zu inphahine, alse man mirkin mac bi glichime: ginge ich uber ein wazzir und were ez gemengit und trube, so inmochte ich min antlitze dar inne nicht gesehin durch daz unglichnisse paradisus animae intell. 130 Strauch; vnd auf das du das basz merckest so nymm ain gleichsz, du sichst wenn die sunn scheint als im tag so mag man die andern stern nit sehn Keisersberg schiff d. penit. (1514) 61d; nim ein glychs oder exempel derselbe, bilgersch. (1512) b 1c; ein gleychs finden reperire exemplum Maaler (1561) 185b;

[Bd. 7, Sp. 7992]


de mene ik hir mede in deme sulven ghelyken Reinke de vos 4049 Leitzmann.


VI. für sich steht eine reihe von sonderbedeutungen, die z. t. komplex sind oder innerhalb der oben aufgezeigten bedeutungen von verschiedenen ausgangspunkten hergeleitet werden können. in enger anlehnung an lat. aequus und z. t. in weitgehender parallele mit den synonymen gerade und eben gibt gleich hier zugunsten eines mehr oder weniger festumrissenen sachlichen oder geistigen sinngehaltes seinen logisch-formalen charakter weithin preis. dieser vorgang setzt teilweise schon im mhd. ein und erreicht im frühnhd. eine ziemliche breite; auch in jüngerer sprache behauptet oder erweitert er sich an einigen stellen, an anderen jedoch verschwindet er oder wirkt nur noch in schmalen ausläufern nach.
A. 'gerade, gestreckt, nicht gekrümmt', auch 'geradeaus', rectus, directus, aequus, von einer linie oder bewegung, deren richtung oder verlauf sich gleichbleibt (s. o. III E 3), wobei auch, soweit es sich um wagerechten oder auf derselben höhe liegenden linienverlauf handelt, die verwandte vorstellung 'eben' (s. B) hinzutreten kann.
1) in verschiedenen eigentlichen und bildlich-sprichwörtlichen anwendungen, über das 18. jh. hinaus nur noch in ostmd. und nd. mundarten (nd. lîk, s. o. sp. 7939). als 'gerade, genau, direkt' in der bestimmung eines punktes oder einer richtung (vgl. auch D 2 a 'genau' [vor zeitangaben] und s. unten gleichs, adv.): wenne der môn geleich gegen der sunnen über ist, sô ist er vol Konrad v. Megenberg buch d. natur 65, 6 Pf.; derselbe, dtsche sphära 17; wir wohnen dem rathause gleich über demselben gerade gegenüber Adelung wb. 2 (1796) 707, s. u. gleichüber; ich hab geleich in nagel geschossen de Lapi vocab. (1479) d 2a; hê hed hum lîk in 't hart truffen Doornkaat-Koolman ostfries. 2, 508b; des lichtis gliche shyn radius directus vel incidens Konrad v. Heinrichau vocabul. 394a Gusinde; Diefenbach gl. 483a; he (gott) sendet em (dem menschen) also vele druckes und lijdens in den wech ... wante gruntlike oitmodicheit unde sachtmodicheit is de alre lijkeste (der direkteste, kürzeste) wech, dar wij gode mede volghen sollen Joh. Veghe pred. 365, 38 Jostes; einen feinen gleichen rücken, der in der mitten nit hoch erhaben, noch ein- oder nidergedruckt ist viehbüchlein (1667) 87; die generals, welche die colonnen führen, müssen sich genau auf einander richten und so vorrücken, dasz wenigstens ihre têten gleiche linie halten Eggers kriegslex. (1757) 2, 154; kennt ihr an flug in a acker dricken? kennt ihr woll ne gleiche furche ziehn? G. Hauptmann d. weber (1892) 57. wie schnurgleich (s. d.):

der di werl uber fuere
geleich nach ainer schnüre
Heinrich v. Neustadt Apollon. 4323 Singer;

dieweil aber nicht alle ding so gleich der schnur nachgehendt Paracelsus op. (1616) 1, 298 Huser. besonders in adverbialer verbindung mit präpositionen und ortsbestimmungen, 'geradeaus', eigentlich und übertragen (vgl. Mensing holstein. 3, 482). gleich hin: die kúe giengen in die richtung (dafür seit 1475: geleich hin) durch den weg der do frtte z Bethsames (in directum 1. reg. 6, 12) erste dtsche bibel 5, 29 Kurr. gleich aus: alle rede meines mundes sind gerecht, es ist nichts verkerets noch falsches drinnen. sie sind alle gleich aus, denen die sie vernemen, vnd richtig denen, die es annemen wllen spr. Salomo 8, 9. namentlich gleich zu (s. u. gleichzu): gleich zu machtt ein gueten reuter; gleich zu zurstosst den kopff gern Luther tischreden 2, 257 W.; gleich zu trifft am ersten Petri d. Teutschen weisheit (1604) 2, F f 6a; zwerch ... ist ... so viel als nicht gleich zu, schlimm, in die quere Gueintz d. dtsche rechtschreib. (1666) 173. in verbalverbindungen: ist nu das wahr ... in ritterspielen, viel mehr soll man in gottes sachen gleich zu gehen und gottes wort frei bekennen Luther tischreden 1, 126 W.; er redet gleich zu audacter, confidenter loquitur, veritatem profitetur Stieler (1691) 667. vereinzelt gleich weg 'schlankweg, geradezu': aber der kerle befand sich noch mehr offendirt, und begehrte gleich weg seinen abschied

[Bd. 7, Sp. 7993]


Chr. Weise erznarren 31 ndr. in ausdrücklichem gegensatz zu krumm, besonders im 17. und 18. jh.:

macht alle bahnen recht.
die thal laszt seyn erhöhet,
macht niedrig, was hoch stehet,
was krum ist, gleich und schlecht
Val. Thilo bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 3, 107a;

gleiche, ungleiche (krumme) zeilen linee uguali, paralleli Kramer 2 (1702) 1437c; wohlan denn, sagte Mlard, so werdet ihr mir zu gefallen ein mittel sagen, wie ich meinen krummen finger gleich machen soll Ettner v. Eiteritz mediz. maulaffe (1719) 73;

zum ziel der reise
führt mancher weg gekrümmt und gleich
J. H. Voss s. ged. (1802) 5, 98.

gleich stehen 'gerade, fest stehen': die ... ungeschickte leute, welche ... mehr irren als sich der rechten regel gebrauchen, mehr gleiten und ausskrezeln als gleich stehen, mehr wancken als feste halten J. Prätorius glückstopf (1669) 150. oft von 'eben' (s. B) kaum zu trennen: ducere versus ad amussim gleich schreiben nomencl. lat. germ. (1634) 296;

schneid das brod gleich,
so wirstu reich
J. Prätorius philos. colus (1662) 41;

vgl. Müller-Fraureuth obersächs. 1, 424b. nähert sich die anwendung der bedeutung 'wagerecht', so ist mit einwirkung von 4 'im gleichgewicht befindlich' zu rechnen:

bey hofe schwebt das täntzer-seil, davon wann mancher fällt,
so kan es seyn, dasz er nicht recht die stange gleiche hält
Logau 360 Eitner;

das vass ruck um, herbasz, dasz gleich ligt!
nun ligts gleich (beim faszziehen)
K. Bücher arbeit u. rhythmus (1899) 192.


2) gelegentlich auch soviel wie glatt (s. DWB glatt B 4 g und 5) im gegensatz zu kraus: wo derselbe (Neptun auf einer münze) erhoben ist, hat er einen bart und krause haare; hohl gepräget ist er ohne bart und mit gleichen haaren Winckelmann w. (1808) 5, 213; es bleibt ein theil vor den andern glatt und unbewachsen, dasz auch ein mensch krause, der andere gleiche haare hat, solches kommt von den unterschiedenen temperamenten her Marperger haar- u. federhandel (1717) 3; nachdem er die falten an dem teppiche gleich gestrichen ... hatte A. Stifter s. w. (1904) 2, 159.
3) in den verbalen verbindungen gleich werden, gleich stehen, gleich setzen, gleich kommen, gleich gehen u. ä., sofern mehrere dinge sozusagen auf einer geraden linie, einer höhe einander räumlich zugeordnet sind, auf gleicher linie und höhe liegen; die übertragene anwendung dieser verbindungen, deren ausgangspunkt kaum noch empfunden wird, sieh oben I B 1 a β, auch I A 1 a α:

nu bint an und ziech,
bisz es dem loch wirt glich!
mer ziehen em den arm glich dem hoil (loch) (schilderung, wie Christus ans kreuz geschlagen wird) Alsfelder passionssp. 5617 Grein; vgl. 5621;

wann die rennrosz gleich am greblin nacheinander steen, so schreiet der herren ainer: hauet darauf! (Augsburg 16. jh.) dtsche städtechron. 32, 482; mit beyden hnden dem gesichte gleich an einen pfeiler gebunden Jak. Döpler theatr. poenar. (1693) 304; wenn man von den süden aus der see kompt, und man will in Heerhammer lauffen, so lst man Landsorth am sthrbord, und läufft längst dem lande, bisz dasz man kompt gleich des pilotens wohnung Manson seebuch (1701) 34; das gewehr wird abgestoszen, und eine spanne lang von der lincken schulter gerade gehalten, so dasz das schlosz gleich dem hut kommet reglement vor d. kgl. preusz. cavall.-regimenter (1743) 3, 58;

und der den vâlant verstiez
von dem himelrîche,
durch daz er im gelîche
wolde setzen sînen stuol
Wirnt v. Gravenberg Wigalois 3996 Kapteyn;

bey dem ersten tempo wird der zurück gesetzte rechte fusz dem linken auf die seite gleich gesetzt H. v. Fleming d. vollk. teutsche soldat (1726) 232; er geht dir gleiche in

[Bd. 7, Sp. 7994]


una serie ambulatis Steinbach 1, 539 (s. DWB gehen II 20 d δ, teil 4, 1, 2, 2440); eine schaar delphine begleitete das schiff, schwimmend und springend blieben sie ihm immer gleich Göthe I 31, 224 W.; es (das mädchen) verdoppelte beinahe seine kleinen schritte, um mit denen des dahinschreitenden knaben gleich bleiben zu können A. Stifter s. w. (1904) 5, 1, 226;

sie wisse wort und kiel den wolken gleich zu treiben,
und deiner majestät ein würdig loblied schreiben
B. Neukirch ged. (1744) 185.


4) speziell im sinne von 'wagerecht', vom vorgang des wiegens her, sofern die wagschalen in einer geraden linie liegen (anders, vom gleichmasz der belastung aus, s. o. II B 3 b): wanns der wage gleich ist, so heysts libramentum vel aequilibrium Er. Alberus (1540) e 2b; es gehet hierüber ein altes gerücht, dasz, sobald das zünglein ins gleiche komme, die welt untergehen werde Grimm dtsche sagen (1891) 1, 196. vorwiegend in bildlichem gebrauch:

schweben wohl gar die schalen dir gleich? so verschiednes
schwebet nicht gleich
Klopstock oden 1, 230 M.-P.;

ihr (der nacht) auge sieht die goldne wage nun
der zeit in gleichen schalen stille ruhn
Mörike w2. 1, 100 Maync.

gleich auf der wage, in gleicher wage stehen 'sich im gleichgewicht befinden'; zu den belegen aus teil 13, 358 vgl. noch:

der sig vnd auch die niderlag
stund beeder seits in gleicher wag
Spreng Ilias (1610) 139a.

soviel wie 'noch unentschieden sein' (s. teil 13, 359):

wil sich deyn got erbarmen,
das steet gleych auff der wag lied v. hürn. Seyfr. 12 ndr.

ähnlich: haben lang den streit in gleicher wag gehalten Xylander Polybius (1574) 160. von der vorstellung gleichstehender wagschalen aus wohl auch gleich (in)stehen 'sich die wage halten' in fällen wie:

unser ahte stât gelîch:
wir sîn beide niht rîch,
wir kumen wol ze mâze
Hartmann v. Aue Erec 3821 Haupt;

wenn tag vnnd nacht gleich steen Eppendorff Plinius (1543) 156; noch schickhet es got, das des raths erkanntnus gleych instuenden, dann ain thayl wolt, man solte ... die andern sagten, das ... (ca. 1475 Augsburg) dtsche städtechron. 22, 423;

es würde Caesar selbst wol minder lobes haben
als er ihm selber giebt, es dörften seine streiche
und die er wieder kriegt, oft stehen in und gleiche,
wenn schrifft (über die deutschen taten) vorhanden wer
Wenzel Scherffer ged. (1652) 223;

(s. DWB wage III 2 c α, teil 13, 352).
5) in anderen verwendungsweisen, deren wurzel hier zu suchen wäre, sind vorstellungen verschiedener herkunft zusammengeflossen.
a) mit gleichen füszen, gleichen beinen springen d. i. mit geschlossenen füszen, geraden beinen, die in einer linie gestreckt nebeneinander stehen (s. teil 4, 1, 1, 972 f. und 4, 1, 2, 3545), doch auch von der vorstellung der gleichzeitigkeit aus, mit beiden füszen zugleich (s. o. III A 2 b); für einen sprung, der entschlossen, unbedenklich, in höchster eile oder aus irgendeiner inneren erregung heraus erfolgt: szo springe mit gleychen füszen ynn die helle, ists gotts will, szo wirfft dich die helle widder heraus Eberlin v. Günzburg 3, 221 ndr.; und so sprang zu weilen einer für verdrusz mit gleichen füszen in die höhe Zinzendorf περὶ ἑαυτοῦ (1746) 194; so kam dieser ... reiche geist nicht mehr zu freiem flug und entbehrte ... der selbstgewiszheit des talents, das mit gleichen füszen in einen stoff hineinspringt E. Schmidt bei O. Ludwig ges. schr. 4, 6 Schm.-St.; so bald der hr. graf dieses gesagt, sprang ich mit gleichen beinen in seinen schellenschlitten hinein Chr. Reuter Schelmuffsky 14 ndr.; vgl.: das wieherte und trompetete ... dermaszen durch einander, dasz mein vater mit gleichen beinen in die hosen fuhr O. Ludwig ges. schr. 2, 417 Schm.-St. mundartlich weit verbreitet, s. rhein. wb. 2, 1264; Woeste westf. 80b; Weinhold schles. 28a; Fischer schwäb. 3, 683. ein anderes zu gleichen

[Bd. 7, Sp. 7995]


üszen in der bedeutung 'eins wie das andere tätig' s. teil 4, 1, 1, 972. als analoge bildung: zúgleichə~ oder mit zúgleichə~ füəszún oder händen mit beiden füszen oder händen zugleich Schmeller-Fr. bair. 1, 1423, s. auch gleicharmig 2. hierher wohl auch: hie ligt aber der hasz (hase), da sich mit gleychen augen auff, kanstu anders, ob solch gepott recht odder unrecht sey Luther 7, 675 W.
b) gleicher schritt, gleicher tritt (s. u. gleichschritt, gleichtritt). zur vorstellung einer bewegung, die auf einer linie, in einer höhe verläuft, tritt auch hier die der gleichzeitigkeit (s. o. III A 2 b) wie die des gleichen maszes (s. o. II A 1) sowie vereinzelt auch die des sich gleichbleibenden (s. o. III E 4 a). allgemein gleichen schrittes, mit, in gleichem schritt: dises leben (ist) nitt anders ..., dann ain behender lauff z dem tode, da wirt nyemandt vergündt oder verlyhen, ain weyl still z steen, oder langksamer zugeen, sunnder ain yeder wirt getzwungen, geleiches schrites mitt dem annderen z lauffen Albrecht v. Eyb spiegel d. sitten (1511) 61a; wir sein beyd in einem alter mit geleichem schritt auff z der hohen lere und kunst gestigen Arigo decamer. 635 Keller; dasz die macht der monarchie in gleichem schritt mit der entkräftung einzelner glieder und der stärke des söldnerstandes gewachsen Herder 5, 549 S.; so lange ich sie (eine schülerin) unterrichte, sehe ich sie immer gleichen schrittes gehen, langsam, langsam vorwärts, nie zurück Göthe I 20, 38 W.; insofern aber die selbsterkenntnisz gleichen schrittes wächst mit der gotteserkenntnisz W. H. Riehl d. dtsche arbeit (1861) 16. gleichen schritt halten: dieses maasz (der 'schritt') ... ist sehr ungewisz, weil nicht nur ein mensch weiter als der andere schreitet, sondern auch einer allein im lange anhaltenden fortgehen nicht immer gleichen schritt hält Eggers kriegslex. (1757) 2, 842; es ist mit den geschäften wie mit dem tanze; personen, die gleichen schritt halten, müssen sich unentbehrlich werden Göthe I 20, 76 W.; aus broncenen geschützen, die ... mit dem marsche des heeres gleichen schritt hielten Herm. Grimm Michelangelo (1890) 1, 112.
speziell in der militärischen fachsprache, für den gleichmäszigen marschtritt der fusztruppen, bei dem mit demselben fusz, in gleicher schrittlänge und in gleichem takt marschiert wird; als neuerung in der preuszischen armee erst zwischen 1720 und 1730 eingeführt, s. dazu und zu den gelegentlichen spuren des gleichschrittes im landsknechtsheer des 16. und 17. jh. W. Transfeldt wort u. brauch im dtsch. heer (31942) 64 f. sowie DWB gleichschritt 1. gleich schreiten schon bei Fronsperger: durch solche (belehrung) er ... rechte gliedmasz halten, gleich schreiten, seines manns und standts ächt halten (kann) kriegsb. 1 (1578) g 1b, vgl auch: wordurch die zugordnung erhalten werden mag, geschicht durch vielerley mittel ... 2) dasz man im marchiren im schrit und trit gleichheit halte, 3) dasz die trommschläger den schlag recht halten, alsz nach welchen der soldat tantzen musz W. Dilich kriegsb. (1607) 254. im ersten drittel des 18. jh. begegnen wort und sache einmal bei H. v. Fleming: die gefreyten und gemeinen müssen ... mit steiffen knien und geraden schenckeln schritt vor schritt in eine distance gleichmarchiren ... sich gehöriges ortes mit geschlossenen divisions, als defilirenden gliedern richtig schwenken, einen gleichen schritt mit einander antreten, und nach dem tact haltend beständig continuieren d. vollk. teutsche soldat (1726) 146a. im übrigen scheint gleicher schritt, gleicher tritt (neben geläufigerem gleichschritt, gleichtritt) als fester terminus in exerzierreglements und kriegswissenschaftlichen werken erst um 1800 aufzukommen, an stelle der im 18. jh. zunächst üblichen wendungen mit einem schritt, mit einem egalen schritt (reglement vor d. königl. preusz. infanterie [1. juli 1743] 68; 146; 155; reglement f. d. kgl. preusz. infanterie [1788] 85; 118), in einem tritt, die in festen prägungen und kommandos wie tritt fassen, tritt halten, im tritt, ohne tritt (marschieren) u. ä. bis heute bevorzugt bleiben: schon damals (unter Moritz von Oranien) ward ein abgemessener gleicher schritt des soldaten, wobei man allezeit mit dem linken fusze antrat, für nothwendig gehalten J. Gottfr. Hoyer

[Bd. 7, Sp. 7996]


gesch. d. kriegskunst (1797) 1, 289; die züge müssen beim vormarsch vollkommen gut gerichtet und im bataillon musz ein gleicher tritt seyn exerzirreglem. f. d. infanterie d. kgl. preusz. armee (1812) 53. seit Uhland fest in der wendung in gleichem schritt und tritt:

die trommel schlug zum streite,
er gieng an meiner seite
in gleichem schritt und tritt
Uhland ged. (1898) 1, 184;

gestern abend der grosze zapfenstreich ... da hatte auch sie ihre jungen gefaszt und war mit gezogen im gleichen schritt und tritt. 'mutter, kannst du aber marschieren!' sagten die kinder Cl. Viebig wacht am Rhein 339 Knaur. übertragen: dasz dazu vielleicht mehr heller sinn, nachdenken und freudigkeit gehörten, als heute mit hunderttausend andern in reih und glied in gleichem schritt und tritt zu marschieren Raabe Horacker (1876) 133.
B. in der bedeutung 'eben', aequus, planus, mit ähnlicher ausgangsvorstellung wie bei A 'gerade', von einer in sich selbst, in ihren teilen gleichen fläche (s. III E 3). die bezeugung erreicht keine grosze dichte und ist, abgesehen von mundartlichem gebrauch, nur in gewissen verbindungen auch bis in jüngere zeit fest geworden.
1) allgemein, vgl. aequus, planus, planidus, solidus, simus gleich, eben, flach Alberus (1540) o 1b; vereinzelt schon im 13. jh.:

si wîste in ûf einen wec,
da lac ein gelîcher stec
dar uffe was geleit ein drûch,
da viel er în unz an den bûch (13. jh.) d. wolf u. d. geisz 522 in: Reinhart fuchs 309 Grimm;

dheiner soll vassen (d. i. ein schiff beladen), wann er sicht das das wasser nit gleich ist (1440) österr. weist. 6, 45; unde si gy twisschen Heysant unde der Seynis up 70 vadem, so s(a)l de grunt sin klene swarte stenekens unde sachte gelik erde unde grot rot sand d. seebuch x, 35 Koppmann;

da hebt sich an
auff einem gleichen land, so baldt,
ein schner vnd lstiger waldt
Er. Alberus fab. 86 ndr.;

also hat ein fürst nicht gewisz ... auf die gesetze der staatsklugheit, welche mehrmals ... auf gleichen bodeme stulpert ... zu bauen Lohenstein Arminius (1689) 2, 756a; welches (dach) bey den morgenländern nicht ungleich und gäh, sondern gleich und eben war Dannhawer catech.-milch (1657) 2, 259; vnd wo der wegk gleich vnd eben ist B. Krüger Clawerts werckl. hist. 41 ndr.; erst gepflasterter weg, dann ein schöner gleicher fuszpfad Göthe III 2, 167 W. besonders auf, zu gleicher erde 'zu ebener erde': findest ein zelt ... auf gleicher erde, damit du dich nicht bemühen mögest eine treppe zu steigen Stranitzky ollapatrida 27 Wiener ndr.; man führte uns in ein getäfeltes zimmer auf gleicher erde Göthe I 33, 133 W.; eine reihe fenster zur gleichen erde bildeten den untern theil des hauses H. Steffens was ich erlebte (1840) 1, 59. gleich machen 'ebnen': die inlegung geschicht zum ersten, so die buwung geraingott, die schollen zerschlagen, und daz ertrich gelich gemacht ist (lat.: aequata pastinatione) H. Österreicher Columella 1, 212 lit. ver.; wenn ers (der ackersmann) gleich gemacht hat, so streut er wicken ... und seet weitzen und gersten Jes. 28, 25. bildlich: dasz jenes politische erdbeben die erde ganz ausebnen, und alle stände gleich machen werde, das versteht sich von selbst Jung-Stilling s. schr. 3, 318 Grollmann. ähnlich: aequare aream ein new geschlagen tenne in der scheunen gleich treten A. Corvinus fons latin. (1646) 16; ein bucklichter hat eine eigene stellung; ... der arme witzbold kann mit allen seinen bocksprüngen die unebenheiten der natur nicht gleich und eben trampeln Seb. Brunner erz. u. schr. (1864) 1, 286. mundartlich ist gleich 'eben' im md. und nd. (glîk und namentlich lîk, s. o. sp. 7939) weit verbreitet und z. t. das bevorzugte wort für diese bedeutung, s. rhein. wb. 2, 1266; Weinhold schles. 27b; Woeste westf. 161a; Doornkaat-Koolman ostfries. 2, 508b; im westmd., besonders im rhein. auch formal gegen die anderen bedeutungen des wortes abgehoben, so siegerländ.

[Bd. 7, Sp. 7997]


gliche 'eben, flach' neben sonstigem glich Heinzerling-Reuter 87a; Kehrein Nassau 166 (für das rheinische); Pfister nachtr. 79; besonders mit -n-suffix: gleichen, das gleichene, s. rhein. wb. 2, 1264, 1267 u. unten gleiche, gleichen, adj.; obd. nur vereinzelt gelaich 'eben' Zingerle Lusern 40a. gern substantiviert: upem gleiken auf ebener fläche Bauer-Collitz waldeck. 40b; vgl. Hofmann niederhess. 108a; rhein. wb. 2, 1267.
2) in verbalen verbindungen mit dem dativ, namentlich etwas der erde, dem boden gleich machen (s. u. gleichmachen) 'einebnen, völlig zerstören', wohl in enger anlehnung an lat. solo adaequare: da verprannt si Scipio und macht si geleich der erden (solo aequavit) Heinrich v. Müglin Valerius Maximus (1489) 31b; funden das ledige nest, welches sie in brand steckten und der erden gleich machten Kasp. Schütze hist. rer. pruss. (1599) 78b; der erden gleich machen spianare, rasare, demolire M. Kramer 1 (1700) 532a; der senat befahl ... die stadt Karthago ... dem boden gleich zu machen Mommsen röm. gesch. (1865) 2, 38. ähnlich: unde vorstorden se (die festung) gelik der erden (15. jh.) bei Schiller-Lübben 2, 43a. vereinzelt auch in eigentlichem sinne:

he stopte dat hol wedder myt sande
vnde makede dat ghelyck deme anderen lande Reinke de vos 2262 Leitzmann;

im gefolge noch bei Göthe Reineke fuchs 5, 84, s. I 50, 64 W. im 16. jh. gelegentlich noch in anderen, vergleichbaren verbindungen: denn gott wil alle hohe berge nidrigen, und die langen ufer und tal dem lande gleich füllen, auff das Israel sicher wandere und gott preise Baruch 5, 7; die brunnen die der erden gleich stehn, sint zu sommers zeit zu vil warm Sebiz feldbau (1579) 19.
C. in einem von A wie von B aus übertragenen, vorwiegend jüngeren gebrauch bezeichnet gleich einen zustand wiederhergestellter ordnung, sofern ein aus der richtung gebrachtes in seine ordnung zurückgeführt, ein gestörtes gleichgewicht wiedergewonnen, eine unebenheit ausgeglichen ist. durchweg in der zuordnung zu bestimmten verben, mit denen sich gleich meist als substantiviertes neutrum präpositional verbindet, seit dem späten 18. jh. bis in die moderne sprache bezeugt.
1) am geläufigsten: etwas (wieder) ins gleiche bringen 'in ordnung bringen, bereinigen': ich erbitte mir ew. excellenz gefälliges urtheil, in wiefern auf diese weise die etwas verschobene sache wieder ins gleiche zu bringen sey Göthe IV 21, 406 W.; durch vermittlung einer dame oder andern standesperson liesze sich die sache vielleicht noch ins gleiche bringen (der streit mit graf Arco) O. Jahn Mozart (1856) 3, 30; jet en et gliche brenge 'die verhältnisse ordnen' rhein. wb. 2, 1267; Damköhler Nordharz 62a. selten auf eine person angewendet, 'beruhigen, das gleichgewicht zurückgeben': für gewöhnlich ging derartiges, da mein vater seine ... frau immer bald wieder ins gleiche brachte, ohne weitere spur vorüber Storm s. w. (1897) 4, 323. im bair.-österr. auch auf gleich bringen (s. auch II B 2 b): est ist zeit, dasz du ein weib kriegst, das dich ein wenig auf gleich bringt, du weiszt, ich meins gut mit dir F. v. Saar s. w. (1908) 6, 181. in mehr eigentlicher anwendung: (die hacke zum reisigabschlagen) war an der schneid ganz schartig, dasz's kein wetzstein mehr auf gleich bringen konnt, und er sollt mer's in der stadt bei einem schleifer schärfen lassen Anzengruber ges. w. (1892) 4, 33; in einem fort reparire Anton an ihm (dem lokomobil) und könne es nicht 'auf gleich' bringen Ebner-Eschenbach ges. schr. (1893) 5, 210.
2) in ähnlichen verbindungen mehr oder weniger gefestigt. ins gleiche kommen 'ins reine, in ordnung kommen': legen sie ja, mein lieber freund, keinen alten fehler ab, sie fallen entweder in einen neuen, oder man hält ihre neue tugend für einen fehler; und sie mögen sich stellen wie sie wollen, so kommen sie weder mit sich noch mit andern ins gleiche Göthe IV 22, 50 W.; alle feinern differenzen kommen auf dem dorfe gar bald wieder ins gleiche, und nur tiefe leidenschaften in tiefen gemüthern können auch hier still fortglühen Melchior

[Bd. 7, Sp. 7998]


Meyr erz. aus d. Ries (1868) 2, 49; aber seit mehr als vierzehn tagen bin ich genötigt, alle zeit ... dem zahnarzt zu geben ...; darüber sind nun wieder, kaum dasz ich einigermaszen ins gleiche gekommen war, auf allen seiten verspätungen und rückstände entstanden R. M. Rilke br. 1914 -1921 (1937) 112. ähnlich, aber seltener:

du warst, mich deinem freunde zu versöhnen,
zuerst bemüht, nun bitt ich es von dir.
thu was du kannst, dasz dieser mann sich finde,
und alles wieder bald im gleichen sey
Göthe I 10, 193 W. (Tasso III, 4);

ferner:

manch gutes werk hab ich verricht,
ihr nehmt das lob, das kränkt mich nicht:
ich denke dasz sich in der welt
alles bald wieder ins gleiche stellt
Göthe I 3, 167 W.;

eine reformation an haupt und gliedern, wie man sie so oft verlangt hatte, liesz er (Adrian VI.) hoffen. allein nicht so leicht ist die welt ins gleiche zu setzen Ranke s. w. (1867) 37, 62;

wes wesen ist so wohlgeglückt,
dasz sichs allzeit ins gleiche rückt?
R. Dehmel ges. w. (1906) 1, 41.

mehr im sinne von 'sich ausgleichen' (s. o. II B 2 b): das mindere der einnahme betracht ich als ausgabe, die mir vergnügen macht, indem ich andern dadurch das leben erleichtere; ich habe nicht einmal die mühe, dasz diese spende durch mich durchgeht und so setzt sich alles wieder ins gleiche Göthe I 24, 101 W. mit deutlicher anlehnung an 4 'wagerecht': götter sollten nicht mit menschen wandeln; das sterbliche geschlecht ist viel zu schwach, in dieser ungleichheit sich gleich zu halten (d. h. sich im gleichgewicht zu halten) Göthe I 39, 334 W.
D. in vorwiegend älterer parallele zu adverbialen gebrauchsweisen von gerade (s. d. 3 h-i, teil 4, 1, 2, 3550ff.), eben (s. d. 4-8, teil 3, 10ff.) und just (s. d. 4, teil 4, 2, 2405f.) dient gleich der genauen und präzisen bestimmung von aussagen, namentlich als zeitbegriff, der einen vorgang als gegenwärtig ('gerade jetzt') geschehend oder als unmittelbar voraufgegangen ('gerade eben') bestimmt (den im sinne von 'sogleich, sofort' auf zukünftiges bezogenen temporalgebrauch von gleich s. u. VII). der anfänglich im ganzen sprachraum, wenn auch nicht sehr dicht belegte gebrauch zieht sich im 17. und 18. jh. in seiner literarischen bezeugung, von gelegentlichen ausnahmen abgesehen, mehr und mehr auf den ostmd. bereich zurück, wo er im späten 18. jh. noch stark verbreitet ist und schriftstellern wie Gellert und Lessing fest zugehört (nach Heynatz antibarb. 2, 63 'nicht gut hochdeutsch', aber 'gut sächsisch'), um dann auch hier seinen synonymen zu weichen. mundartliche reste leben im osten des obd. und md. gebietes weiter, oft, wie bei gleich VII, in der durch den enklitischen gebrauch verkürzten form glei oder lei.
1) als selbständige zeitbestimmung.
a) im sinne von 'eben jetzt, gerade in diesem augenblick', um eine handlung als gegenwärtig geschehend, oft als gleichzeitig mit einer anderen festzulegen: z ... seinem vatter, der gleych ausz seinem haus an den rath geen wolt (Augsburg ca. 1475) dtsche städtechron. 22, 434; es kam seiner fraind kainer z im, dan ainer, der gieng z im, gleich als er sterben wolt, lecht (vielleicht) 1 tag darvor (Augsburg 1515) ebda 25, 33;

sie ist gleich in der küchen stehn
und richtet zu auffs aller best
Hans Sachs 6, 144 lit. ver.;

die gleich reiffen rosen bysamten die lufft mit dem süszesten geruche ein Lohenstein Arminius (1689) 2, 737a; wer heiszt ihn denn ausgehen, gleich da ich ihn brauche? Lessing 2, 3 M. vereinzelt auch im jüngeren gebrauch noch auszerhalb des ostmd.:

und wie ich nun als bräutigam
ihr eben itzt (dafür in der erstausgabe des Oberon von 1780: ihr gleich) den gürtel lösen wollte
Wieland s. w. 22 (1796) 98 u. 134 (Oberon 3, 6);

das beste, was du wissen kannst,
darfst du den buben doch nicht sagen.
gleich hör ich einen auf dem gange!
Göthe I 14, 87 W. (Faust 1842).

[Bd. 7, Sp. 7999]


mundartlich: he is gliek nich to huus 'jetzt grade' (fürs 18. jh.) Mensing holstein. 2, 391; gúlei 'eben jetzt, gerade' Lexer kärnt. 115. neben jetzt:

schaw! ietzunder geht gleich und eben
eine grosze herd thier vor dem gartten
Hans Sachs 1, 26 lit. ver.;

denn itzt gleich kamen sie an den so genennten weinbrunnen Lohenstein Arminius (1689) 2, 737a; vgl. Logau 168 Eitner. neben dem imperfekt, um das andauern der nebenhandlung beim eintritt der haupthandlung hervorzuheben: praeteritum imperfectum 'unvolkummenlich verpracht', verti potest per 'gleich': legebam 'ich las gleich' Aventinus s. w. 1, 415 akad.;

als gleich die jünger saszen
bey tisch, eilff an der zahl,
und mit einander aszen,
kam Jesus noch einmal
Joh. Heermann bei
Fischer-Tümpel ev. kirchenl. 1, 329a;

ein jüngrer und ein ältrer bube,
die der noch frühe lenz aus der betrübten stube
vom buche zu dem garten rief,
vielleicht weil gleich ihr informator schlief
Gellert s. schr. (1839) 1, 202.

parataktisch: fuhren wir gantz sachte an den ufer weg, sapperment! was sind da vor schöne wiesen um Stockholm herum, die leute machten gleich um selbe zeit heu, sie gingen der tebel hohlmer im grasse bis unter die arme Chr. Reuter Schelmuffsky 37 ndr.
b) 'soeben, gerade', auf unmittelbar voraufgegangenes bezogen:

als in dem assirischen reich
der fünff-und-dreyssigst köng geleich
Acraiapes gestorben was
Hans Sachs 8, 453 lit. ver.;

als er auch gehöret, dasz gleich briefe von Rom kommen wären, hätte er gefraget Lohenstein Arminius (1689) 2, 933a; sind mir etwan haare von pelzen am kleide hängen geblieben? ich habe gleich pelze verkauft J. El. Schlegel w. (1761) 2, 121; du siehst es ja, dasz ich den brief jetzt gleich bekommen habe Lessing 1, 344 M.;

durchnäszt, als stieg er gleich aus einer badewanne,
schwankt der kalif auf seine ottomane
Wieland s. w. 22 (1796) 217 (Oberon 5, 52);

er is glei' furt gangə~ Schmeller-Fr. bair. 1, 1423; Weinhold schles. 28a; Müller-Fraureuth obersächs. 1, 425a; Albrecht Leipzig 123b. älter auch in dem einschränkenden sinne von 'erst': modo erst, gleych vor Frisius dict. (1556) 827b; junge, unerfahrne, und die ir handtwerck etwo noch nit gar ausgelernet oder gleich noch in den lerjaren (Augsburg 1562) dtsche städtechron. 33, 178 anm. 1. gleich gegen 'kurz vor':

kamen darauff fast um zwo uren
gleich gegen tag, das sie abfhren
Fischart glückh. schiff 186 ndr.


2) seltener in allgemeinerem gebrauch.
a) im sinne von 'genau', vgl. precisus glich (15. jh. md.), glich also (15. jh. obd.) Diefenbach gl. 452b; derselbe, nov. gl. 300b; namentlich und schon mhd. vor zeitangaben, zunächst offensichtlich gleich VIA 1 rectus, directus entsprechend (s. d. und gleichs):

die hochzeid ward gesprochen
geleich über vier wochen
Heinrich v. Neustadt Apollon. 5850 Singer; vgl. 17064;

gelich zwüschen der zehenden stund und der ailften stund, als das crütz vor dem kofhus knüwet und sungen die antiphon, glich dozemal do warend sy all dry und fünfzig in der capell Richental chron. d. Constanz. conzils 123 lit. ver. dem späteren gebrauch liegt meist wohl vermengung mit 1 a 'eben, jetzt' zu grunde: welches tags gleich vor hundert jahren die augspurgische confession gepflantzet worden (1650) bei Fischer-Tümpel ev. kirchenlied 2, 7; am 3. september waren es gleich drey jahre, dasz sich der junge herr Something erhenken wollte Rabener s. schr. (1777) 2, 281; ein jeder, wenn man auch das original nicht bey der hand hat, sieht, dasz der übersetzer gleich das gegentheil von dem sagt, was er sagen sollte Lessing 4, 177 M. neben ortsangaben:

[Bd. 7, Sp. 8000]


stellt sich für ihn auff d gassen:
gleich wo der kyser solt reiten für
Kehrein kathol. kirchenl. 2, 209;

und liesz gleich unter die jungfer ein grosz glasz bier gantz sachte auszgieszen Chr. Weise erznarren 172 ndr. gleich noch 'genau noch, gerade noch': davon (von dem stück stoff) habe ich meiner frau zu einer andrienne abschneiden lassen. das übrige will ich ihnen für einen guten preis lassen. es langt gleich noch zu einer andrienne Gellert s. schr. (1783) 3, 411.
b) in präzisierender bestimmung eines demonstrativpronomens, 'eben dies, genau dies'; auch hier meist vor zeitbestimmungen: ex ipso die gerad an dem tag, gleych desz selbigen tags Frisius dict. (1556) 733a;

und euer furchtsams heyl der strengen see vertrauen,
die gleich auff dieser zeit, inn unerhörter taht
so manches kühne schiff inn sich verschlukket hat
Paul Fleming teutsche poem. (1642) 80;

es war aber gleich den tag sabbath (Luther: es war aber desselbigen tages der sabbath) Zinzendorf Joh. 5, 9. älter auch zur bestimmung der identität (s. gleich III), 'ebendasselbe, das nämliche': denn wir essen gleich das, das die sauen ... essen, allein dasz wirs gekocht in die schüssel legen und anrichten, die sau aber beiszets von der wurzel ab Luther tischreden 2 § 140 Förstemann; gleich oder eben daselbst her indidem, ἐνθένδε H. Decimator thesaur. (1608) 649a.
c) in abgeschwächter, enklitischer verwendung wie obd. und md. halt (s. d. teil 4, 2, 272f.) und jüngeres eben (s. d. teil 3, 12): dasz es gleich (eben) in ein gemein sprichwort kommen ist Aventinus bei Schmeller-Fr. bair. 1, 1423. so vielleicht auch:

seyt mir willkom in meinem hauss!
ich bin gleich lang gewesen auss
Hans Sachs 9, 3 lit. ver.

noch heute im bair.-österreichischen als füllpartikel:

an Jackel is gstorbn sei wei.
no, so ebbes passiert oan glei
Karl Stieler ged. 2, 43 Reclam.

'blosz, nur':

hàst múr kân wein gezlt,
àllweil glei' moust
Frommann dtsche mundart. 5, 249 (kärtnerisch);

vgl. Unger-Khull steir. 295a. so namentlich verstümmeltes lei: lei, adv., nur, blosz, gerade, eben Hintner Defregger dialekt (1878) 138; Schöpf tirol. 380; Lexer kärnt. 175; Fischer 4, 1113 (für das ostschwäb.).
E. für die in älterer sprache kräftig entwickelte bedeutungsreihe 'gerecht, billig, mäszig', auch 'recht, ordentlich, richtig', seltener 'angenehm, passend, günstig' (s. auch ungleich 3 g, teil 11, 3, 973) kommen, neben der weitgehenden parallelität von lat. aequus und der übertragung von A 'gerade' und B 'eben' aus, schon früher und maszgeblicher andere ausgangspunkte in frage, so namentlich II B 3 mit der vorstellung gleichmäsziger verteilung, gleichmäzigen abwägens sowie I D 'entsprechend, gemäsz' für die vorstellung des normgerechten und passenden.
1) im eigentlichen bereich von recht und billigkeit dient, schon in mhd. rechtsquellen, gleich der bezeichnung richterlicher gerechtigkeit oder vertraglichen und sozialen ausgleichs, häufig im 16. und 17. jh., dann veraltend, s. Adelung 2 (1796) 708, vgl. auch mnl. gelijc Verwijs-Verdam 2, 1239, dt. rechtswb. 4, 926; s. auch 1gleich, n.
a) gleicher richter, gleich richten, gleiches recht u. ä., seit dem 13. jh. bezeugt: (der richter) sol gelîch richtêre sîn allen lûden Sachsenspiegel 122 Eckhardt. sprichwörtlich: der todt ... ist ein gleicher richter Lehman floril. polit. (1662) 2, 767. archaisierend: er (kurfürst Friedrich d. Weise) wiederholte seine alte forderung, dasz Luther vor gleichen gelehrten frommen richtern ... verhört werden müsse Ranke s. w. (1867) 1, 301, vgl. Luther briefw. 2, 254 W.; du richtest nicht geleich dem volk U. Füetrer bayer. chron. 136 Spiller; (sollen sie schwören) dasz sie ... alles, nach des reichs gemeynen rechten, nach irer besten verstendnusz ... gleich richten und urtheylen ... wöllen d. keyserl. majest. cammergerichts ordn. (1555) 162b; aequa lance mit gleichem recht, einem teil wie dem

[Bd. 7, Sp. 8001]


andern Bas. Faber thes. (1587) 19b. poetisch gelegentlich noch in jüngerem gebrauch:

doch die jetzige welt ist nachwelt, setzet sich, richtet
gleiches gericht; wenn die that nakt vor das auge sich stellt
Klopstock oden 2, 91 M.-P.

in anderen verbindungen:

sin (Salomos) orteil was ein glichez gelt
Brun v. Schonebeck 41 Fischer;

da zwischen reutern und knechten oder zwischen reutern und reutern unwillen wrd, so sol sich keiner rottieren bey leibstraff, sonder man sol gleichen frieden machen Fronsperger kriegsbuch 1 (1578) 41a; das man sehe, das es gleich zugieng und einer het als der ander (1476) Steinhausen privatbr. d. mittelalt. 1, 50 anm.; sie (die bauern eines dorfes) aber ... solten ihm (dem fürsten) den fünfften, an statt des vorigen zehenden, vorhin reichen, damit es durchauss, sprach er, gleich zugehe Kirchhof wendunmuth 295 lit. ver.;

machts auch mit eweren leuten gleich,
das sie nicht seufftzen wider euch
Ringwalt getr. Eckart (1509) g 2b.

substantiviert: