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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
glauchherd bis glaurauge (Bd. 7, Sp. 7923 bis 7924)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) glauchherd, m., im hüttenwesen ein waschherd zum schlämmen des gepochten erzes (zu glauch 1 b): 'glauchherd ist gleich einem planherd; seine breter müssen eben an einander gefügt und glatt seyn, solchen gebraucht man ohne planen, die gepuchten schlämme darüber zu waschen, abzukehren, und die materie, so von den planen abgeflauet, darauff rein zu machen' Schönberg berginformation

[Bd. 7, Sp. 7924]


(1693) 2, 45; vgl. auch königl. u. churfl. sächsz. resolution (1709) § 39; in bergbautechnischen wörterbüchern bis in die neuere zeit belegt, vgl. Mothes baulex. 2, 468.
 
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glauchherd, m., im oberdeutschen ein kleiner vogelherd, vgl. Heppe wohlred. jäger (1763) 151b; Adelung (1775) 2, 702; Voigtel wb. (1794) 2, 98; Voigt hwb. (1807) 1, 546.
herkunft unsicher, aber mit 1glauchherd sicher nicht zusammenhängend. vielleicht gehört das wort (einem mhd. *ge-lûch- oder *ge-louch- entsprechend) zu mhd. ge-lûchen (st. v.) oder ge-louchen (sw. v.), vgl. mhd. wb. 1, 1023, als 'herd mit (einer) zu schlieszenden öffnung', vgl. DWB lauch 'fallthür', lauchen 'öffnung' bei Schmeller-Fr. 1, 1420, und fallherd für eine art vogelherd bei Aitinger bericht vom vogelstellen (1653) 66.
 
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glauen, vb., s. DWB glühen teil 4, 1, 5, sp. 442.
 
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glauer, m., tresterwein, nachwein. jüngere nebenform zu glauren, f. (s. d.), vgl. DWB lauer, m., schweiz. lūr, dessen männliches geschlecht Staub-Tobler 3, 1379 nach den synonymen most, saft, win erklären: und nennt man diesen trunck den glauer Valvassor hertzogthum Crain (1689) 1, 350; der glauer der tresterwein, der schlechteste wein, der in einigen ländern aus trestern gemacht wird Fr. Nicolai reise durch Deutschland u. d. Schweiz (1785) 5, 2, 92; zum sachlichen vgl. noch: zum haustrank und zum essig wird häufig auch glauer, das ist nachmost, bereitet, wenn nähmlich auf mehrere ausgepreszte stöcke eine hinlängliche menge wassers geschüttet wird und man diese eine zeitlang so stehen läszt, worauf sie gestoszen und gepreszt werden Frz. Sartori reise durch Österreich (1812) 2, 397; s. auch lauer. die heutige verbreitung beschränkt sich auf die mundarten der Ostmark, s. Höfer Österreich 1, 301; Popowitsch versuch (Wien 1780) 578; Schöpf tirol. 755; Unger-Khull steir. 294, hier als masc. und fem., sowie für ein 'getränk aus holzäpfeln, holzbirnen und wacholderbeeren'. dem plur. glauern entsprechend als compositum: glauernessig, m., 'essig, der aus glauern oder trebern gewonnen wird' ebda.
 
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glauer, m., 'lauscher, laurer': ausculto ich lauster, hr zu. corycaeus der da laustert, glawer Alberus nov. dict. (1540) c c 4a. als nomen agentis zu glauren, vb.
 
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glauern, f., s. DWB glauren, f.
 
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glauhörig, adj., scharfhörig Stürenburg ostfries. wb. 70; zu glau 2, vgl. 4, 1, 4, sp. 7773.
 
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glaukopf, m., kahlkopf, vgl. Campe 2, 394; J. F. Schaffer franz. wb. (1836) 1, 740. zu glau 3, vgl. teil 4 1, 4, sp. 7773 f.
 
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glaun, f., spiesz, speer, contrahiert aus glavin, sieh bei glefe, f., die übersicht über die formen.
 
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glaunen, vb., schielen, scheel sehen. im älternhd. (alemannischen) glunen, vgl. Thomas Wolf (Basel 1523) zu Matth. 20, 15 schylen, übersichtig, glunen (Luther: scheel sehen) bei Dauner die obd. bibelglossare d. 16. jh. (1898) 93. dazu gluner luscus vocab. rerum (obd. 15. jh.) Diefenbach nov. gl. 242a; vgl. schwäb. glauner 'schielender' (auch als familienname) Fischer 3, 682. die heutige mundartliche verbreitung beschränkt sich auf das schwäbische gebiet zwischen Schwarzwald und Neckartal, ist hier jedoch reich bezeugt, vgl. Fischer a. a. o. einmaliges glaunen aus Ulm (dear glaunet net schleacht), zs. f. dtsche maa. (1907) 38, kann nach Fischer a. a. o. nicht bodenständig sein.
wie alemannisch (elsässisch und schweizerisch) glauren, gluren 'schielen' (s. d.), nd. glûmen, glûpen 'heimlich und verschlagen nach etwas sehen; versteckt lauern' (s. d.) zu germ. *gl- (erweiterung der idg. wurzel *ğhel-), vgl. schwed. dial. gluna, glyna 'starr, scheel blicken', dän. dial. glyne 'stieren' Walde-Pokorny 1, 627 sowie glau, glū (s. glüh) und glauch.
 
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glaurauge, n., undiphthongiert glurauge, zu glauren (s. d.). als bahuvrihibildung 'einer, der blinzelnde, halb geschlossene, lauernde augen hat', in lexikalischer bezeugung des 16. und 17. jh.: glauraug lu(s)cinus Dasypodius germ.-lat. (1536) 335d; paetus der bocksaugen hat, das ist, wenn das auglid den augsternen halb deckt, als ob

[Bd. 7, Sp. 7925]


einer die augen halb offen hette, gluraug, ubersichtig, der mit den augen obsich sicht oder ein aug kleiner hat Frisius (1556) 939a; glawrauge Hulsius-Ravellus teutsch-frz.-it. dict. (1616) 141a; glauraug Widerhold nouv. dict. (1669) 146b. mundartlich glureugli mache Seiler Basler ma. 139b, nordfries. glyrûg glotzauge Jensen wb. d. Wiedingharde 159, sowie in verbaler weiterbildung holl. gluyeroogen Kilian (1605) 154a, gluuroogen 'verliebte augen machen, mit halb zugekniffenen augen spähen' woordenboek 5, 171. —s. auch glurauge sowie (s. v. 1glosen) glorauge, ferner in weiterer verwandtschaft glar(r)auge und glasauge.

 

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