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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gelehrtin bis geleiche (Bd. 5, Sp. 2978 bis 2979)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gelehrtin, f. gelehrte frau: seine alte (sagte er) wäre keine gelehrtin. J. Paul uns. loge 1793 2, 432.
 
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gelehrtlich, adv. zu gelehrt, im voc. th. 1482 gelertlich docte, gelertlichist doctissime k 6b, bei Maaler 165c geleertlich, perdocte. ahd. einfach gilêrto, docte, scienter Graff 2, 259. noch nl. geleerdelijk.
 
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geleiben, verstärktes leiben (s. d. 2), einen leib bilden u. ä., refl. sich gelîben (lîben), alem., unpers., bei S. Brant in dem cap. von kranken die nit volgen, in bezug auf den rat an die kranken, für die seele zu sorgen:

aber es spricht yetz mancher gouch
'was sich gelibt, das gesölt (so) sich ouch'.
doch würt es sich z lest so liben,
das weder lib noch sel würt bliben. narrensch. 38, 63 ff.;

ja, sprechen sie, der pfaff sag was er wöl, hett es sich geleibet, es geselet sich etwan, lat. si corpori provisum esset, bene provideretur animae (s. Zarncke zu Brant 374a). Keisersberg ev. 18a, s. unter leiben 2, b; das ge- kann der bezeichnung des vollständigen dienen (s.ge II, 5, a), wie bei gelegern und oft: was gut und ganz leib ist oder wird, wenn einer nur leiblich ganz ist u. s. w., so ist auch für die seele gesorgt. vgl. übrigens gelieben (1), auch geleibt.
 
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geleiben, verstärktes leiben, d. i. laiben (s. das dritte leiben), übrig lassen u. ä., ist bezeugt in schwäb. g'laiben Schmid 349 (s. auch Schm. 2, 408), gewiss auch alt.
 
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geleibt ,
1) mit einem leib versehen, wie geleibt, mit welcher art leib: daʒ man sol achten, wie sy geleibt sei. gesta Rom. 158; wie der mensch geleibt sei (soll der arzt erkunden). Ortolf 12a. grosz geleibt, mit groszem leibe:

sanct Christoff auch dasselb zu schreibt,
wird lang gemalt und grosz geleibt.
Waldis päbstl. reich Cca.

wol geleibt, wie jetzt wol beleibt (vergl.ge II, 3, e), s. mehr unter leiben 2, a.
2) als part. zu leiben 2, c (eig. gleich unserm organisieren): nichts wird auferstehen, als allein was in Christo geboren ist, geleibt, gespeist und auserwählt. Parac. 2, 349b, vergl. die stellen aus dems. a. a. o.
 
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geleich, adj., s. gleich.
 
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geleich, gelaich, n. coll. zu laich (s. leich), auch fischgeleich u. ä., mhd. geleiche (Bech Germ. 18, 376): welch vischer geleiche êhir danne einis jâris alt .. vêhit und daʒ nicht wedir înwerfit (ist straffällig). Eisenacher rechtsb. 3, 95 bei Ortloff 1, 732, also auch von der fischbrut; damit das kleine geleich nicht verderbet. Weimar. landesordn. 1556 § 79, in einer weisung an die fischer; noch sonst in gemeinen wassern fischen und das geleihe (so) gemeinem nutz zu nachteil nicht verderben. Erfurter stadtordn. O 4b; pammites (ein edelstein) sihet wie fischgeleich oder rogen. Alberus dict. Mm 2b, fischgelaich (s. d.) hess. 17. jh.; noch jetzt hessisch gelaich, gelæch, namentlich frosch- und krötenlaich Vilmar 234, mit beleg für geläch aus d. 17. jh.
 
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geleich, gelaich, n. gelenk, glied, auch glaich, gleich (s. d.), mhd. geleich, ahd. kileich, geleih, artus Graff 2, 154, Schm. 2, 422; wegen der herkunft s. DWB leichen 5, besonders die mhd. stelle von den beinen, die mittelst der knie 'sich leichen', swenne si scrîten, eig. wol sich spielend frei bewegen (wie im tanz), vergl. Schmellers bemerkung 2, 421, 'wie in der mechanik auch spielen für sich bewegen, drehen gebraucht wird.'
1)
a) eig. ein gelenk am körper, in den mrh. gl. zu Heinr. summ. pulpa gileiche Germ. 9, 27 im cap. de membris hominis (s. pulpa knod, knorpel Dief. 472b, vgl. unter knoten II, 2, b), ahd. diu geleiche des fingeris, mhd. vom armgelenk an der

[Bd. 5, Sp. 2979]


achsel Mart. 186, 42. nhd.: gelaich, klein gelied, articulus, compages, junctura (vergl. 3). voc. th. 1482 k 6b; du solt auch merken, daʒ der mensch viererlei gleich hat ... das dritt geleich ist wie ein fürgehenkter schilt (der ellenbogenfortsatz), zu beschirmen die innern geleich. Braunschweig chir. 1498 15b, zugleich als gelenkknochen; war umb den hals mit einem groszen kragen umbgeben und dermaszen eingespannet, als ob er am pranger oder halseisen stunde, kein glied noch geleych kondte er bewegen. Mosch. Phil. 1, 83 (gleych 1644 s. 69). noch landsch., z. b. bair. gelaich (glaech) gelenk Schm. 2, 421, schweiz. geleicht (glæcht) Tobler 222b. vergl. geleichgebeinlein aus dem 18. jh., s. auch filzgeleich am pferdefusze, wol druckf. für fiszgeleich, wie ich J. Grimm dort vorschlug (vergl. u. fiszloch).
b) aber auch von dem gliede, das vom gelenke begrenzt ist oder sich im gelenke bewegt (der begriff der bewegung ist das ursprüngliche), wie eben glied auch ursprünglich das gelenk ist und lat. artus gleichfalls; so bei bestimmung von wunden nach ihrer tiefe oder länge: ist die wonde eins gleichs lang oder langer. weisth. 2, 218; wer es sach das sich die leut mit einander stechen und schlügen, hieben und verwundt würden eins gleichs lang. 166; seind sie (die wunden) gleich tief und gleich lang, der frevel ist unsers gn. h. 163, hier mit dem acc., wie vorhin mit gen. eins gleichs lang, fingerglied, wol das vorderste. vergl. 2, b.
2)
a) vom menschen übertragen auf pflanzen, z. b. an der weinrebe: bigemmis surculus, der drei (l. zwei) augen oder geleich hat. Alberus dict. Nn 3b, wie knoten (s. dort 5, b), das zuerst eben auch den gelenkknochen bezeichnete, wie das gelenk selbst.
b) auch hier wieder das 'glied' zwischen zwei knoten, geleichen: syringites (ein edelstein), ist hol wie ein pfeif, sihet wie ein gleych zwischen zwen knoden eines halmen. Alberus Nn 1a.
3) auch auf werkzeuge u. ä. übertragen, 'compages, junctura' voc. 1482 (s. vorhin), besonders auf die 'glieder' oder 'gelenke' der kette (schweiz. glæcht Tobler 222b): die zeit ist gleich einer güldenen ketten, ein jeder tag ist ein geleych, zu ende welcher an statt eines kleynods hanget der todt. Mosch. Phil. 1, 56 (46); an der mauren (des castells) hangen ettliche grosze gleich gleichsam einer kettin, von stein ausgehauen. Kiechel 276. noch im 18. jh. rhein. in voller form: die funken (gestirne) die über mir sich drehen als welten, vielleicht edlerer gebilde erbtheil, ich oberster hier, dort vielleicht wurm noch, der kette unterst geleich, die sich zu höheren gestalten anschlingt. Fr. Müller 1, 6. von thürbändern: und hat im in solchem tausch (der wohnung) auch vorbehalten die newen fenster, auch die schlosz und gelaich oder bandt am thurn zu Mösskirch im schlosz (die er mit nahm). Zimm. chron. 2, 316, 26; in solchem hin und widerziehen brach er allweg die schlosz und glaich wider ab. 317, 8. nach folgendem wol auch am dreschflegel: ein sollicher streitiger aigenwilliger man, dergleichen mir all mein tag nie furkommen und in dessen haupt weniger glaich als in eim pflegel gewesen. 3, 300, 25, d. h. keine oder nur eines, das gehirn mit seiner denkarbeit als ein kunstgefüge mit arbeitenden gelenken gedacht. mhd. besteht ein stählernes streitgewand (plate) aus ganzen blechen und geleichen, in denen sich jene bewegen:

ir ganzen blech und ir geleich ..
ûʒ stahele wol gehertet.
Konrad troj. krieg 3718.


 
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geleich, gelaich, m. oder n. betrug, fopperei, bair. 15. jh. (vergl. leich 3):

(Esopus spricht) der seins gelaiches sich nit wil maszen,
der mag sein ungerechtikait nicht laszen,
wann wer die leut wil alweg laichen,
der wänt alweg, man well in smaichen.
Vintler bl. d. tug. 3724,

nach it. pieno d'inganno, s. Zingerle s. 352, vergl. das vierte geleichen.
 
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geleich, adj., gelenkig, schwäb. 16. jh.: wie des morgens der graf ufsteen (wollte), do war er dermaszen an schenklen erstarret, das er nit ufkommen oder geen kunt, und muest in der diener mit macht ufheben und lang umbher fieren, bisz im die pain widerumb gelaich wurden. Zimm. chron. 3, 439, 18. es ist wie gelenk gleich gelenkig, mhd. gelenke, gewiss auch mhd. geleiche, gelenkig (vergl.ge II, 3). mhd. auch geleichic, gelenkig, z. b. ein geleichic lit (glied) Reinfr. von Braunschweig 26255, gewiss auch nhd. noch geleichig; vergl. geleichnig.
 
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geleiche, gleiche, f. gelenk, wie geleich n.: die clawen (des hoferfalken) sind knorret in der glaiche der zeehen inwendig des fszes. Mynsinger von falken 11.

 

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