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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
gebende bis geberden (Bd. 4, Sp. 1725 bis 1736)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) gebende, gebände, n. bandwerk, bänder, bande, kranz u. ähnl., collectivische bildung von band; ahd. gipenti, gibenti Graff 3, 138, mhd. gebende, mnd. gebende; vgl. auch gebinde und gebünde, und die nebenform geband unter 8.
1) bänder zusammen, bandwerk z. b. im folgenden: und auʒ den seiden macht man seidein gepent und seidein gewant. Megenberg 297, 6, obwol dabei vorzugsweis an die kopfbänder des gebendes unter 4 gedacht sein mag; heiszt doch dieser kopfputz auch selber das bänderwerk, in Hessen, neben bändern, das haar mit bändern und blumen durchflechten, s. Vilmar 25. bänder als gebände s. auch 4, b a. e., vgl. DWB gebendel.
2) bande, fesseln, ahd. mit loramentum, vinculum glossiert, mhd. z. b.:

ern moht niht loufen drâte (schnell),
wand er gebende hâte
an ietwederm beine. Greg. 3242.

nhd. gebände n. vincula Frisch 1, 55b, z. b.: der ries hat ein groszen bratspiesz und tregt den schiffman gebunden, stöszt den spiesz durch die gebänd, als ob er ihn braten wöll (und zu dem zwecke anspieszen). Ayrer 226a (1125 K.), im plur., wie auch schon ahd., mhd. auch von den windeln mhd., wie nhd. kindsbinden, s. unter kindesbinde.
3) bänder u. dgl. zum verbinden von wunden u. ähnl.: legte ihm ein groszes pflaster über den kopf, befahl ihm auch dasz er sich solte still halten und das gebände bei leibe

[Bd. 4, Sp. 1726]


nicht ehe lassen herab thun, er käme dann selbsten wiederumb zu ihme. eselkönig 345; ein pflaster auf den bauch legen und mit gebänd wol versorgen. Tabern. kräut. 325; hat darzu ein blutig gemachtes gebend, damit verbindt er im die (anscheinend abgeschnittene) nasen. Ayrer 89c (455, 10), in einer bühnenweisung; auch bei F. Würtz neben geband (s. d.). jetzt verdrängt und vertreten durch eine andere wunderliche collectivbildung, bandage.
4) bei frauen bänder zum aufbinden und schmücken des haares, dann kopfputz der frauen überhaupt, genauer mhd. houbetgebende, ahd. houbitgibenti serta, auch houbitpendil sertum Graff 3, 138. es heiszt aber noch nhd., landschaftlich bis heute auch einfach haarband (s. d.).
a) in ältester bedeutung wol die bänder oder das band zum aufbinden des haares, womit das weib sich von der jungfrau unterschied, die das haar vielmehr blosz oder offen trug, d. h. ungebunden lang fallend, oder auch im haare gieng (s. DWB haar III, 2), und wie das lange haar abzeichen der freiheit war, so mag auch das aufbinden ins gebende zugleich eine hingabe der freiheit an den mann bezeichnet haben, wie es noch im 15. oder 14. jh. geistlich aufgefaszt wurde: die fraw trait darumb gepende auf irem haubt, das man darbei erkenne, das si dem man undertenig sol sein. Schmeller2 1, 247. das wird mhd. auch ausdrücklich als wîplîch gebende bezeichnet (jüng. Tit. 1215, 4) im gegensatz und als ablösung des schapel oder kranzes, mit dem die jungfrau das blosze haar schmückte. Bemerkenswert ist dabei, dasz das anlegen des gebendes mhd. noch kurz binden hiesz oder ûf binden, mit verschiednem obj., oder auch mit weggelasznem obj. in folge des täglichen gebrauches seit jahrhunderten vorher:

diu ir val hâr ûf gebunden hât.
Walther 111, 18;

(Isot) slouf in wîplîch gewant (nach der brautnacht),
ir houbet si vil schône bant
durch den gewonlîchen site.
Ulrich Trist. 312 (505, 12 M.);

als dô der briutegome kam,des wart ein michel strîten,
wie si der briute bünden:des zerwurfen si sich gar.
ze jungest bants ir selber ...
daʒ ir kein gebende zam, wan daʒs ir selber bant. Walth. 106, 26 L.;

es ist offenbar der aus der ältesten einfachsten zeit her fortgepflanzte ausdruck, der aber nun auch den kopfputz überhaupt, auch den allerkünstlichsten bezeichnete, wie jetzt sich frisieren lassen u. ä., im hausdeutsch doch auch noch höchst einfach sich die haare machen; und ebenso hatte sich gebende schon damals von seinem einfachen inhalt weit entfernt, zugleich, wie ebenfalls binden, sich erweitert zum haarschmuck auch der jungfrauen; so ist auch das haarband (gesprochen hormt) der altenburgischen bauermädchen, bei der höchsten einfachheit des ausdrucks, sachlich doch eine sehr künstliche krone (s. DWB krone I, 1, b ff.), wie es schon im 15. jh. auch als kranz erscheint: harpant, krenzlein, scapel, sertum. voc. 1482 n 8a, vergl. bendel schlechthin als brautkrone unter krone I, 1, b.
b) das gebende als abzeichen der braut, mit krone einerlei: drîerlei kleinôte sal ein brût von rechte habe zû einer bekentlichen zîrunge vor einer andern die nicht vortrûwet ist .. das derte kleinôte ist das gebende adder die krône ûf dem houbte. Ortloff rechtsqu. 2, 25. zur frauengerade gehörte auch al gebende Sachsensp. I, 24, 3 (var. nd. gebendesel Homeyer s. 425), alleʒ gebende Schwab. 26, 2, als erbschaftsstück: morgengab, end und gebend. bair. landr. von 1616 Schm. 1, 180. Die behörden kämpften gegen überpracht die sich darauf warf, nach einer Nürnb. hochzeitordn. von 1567 z. b. sollen die frauen da (ausgenommen die noch nicht ein jahr verheirateten) in ihren alten und ehrbaren gebenden der püntlein oder kopflein erscheinen und sich der biret nit gebrauchen, s. Schm.2 1, 247a, also bündlein und köpflein als eine art des gebendes, aber auch die biret (vgl. von sameten paretlin nach meisznischer art aus Garg. 281b unter haarhaube); im j. 1583 wurden verboten perlen an köpflein und andern gependen, s. unter köpflein 2, d. Eine art reimformel gewant und gebend, kleider und haarschmuck: alleʒ mein gewant und gepent (wird vermacht). mon. boica 18, 466; an gewant und an gebent (prunk treiben). Schmeller a. a. o.;

ir ganzer leib der ist untadlich,
und tritt her in irm gbend und gwand
ganz erbarlich nach irem stand.
H. Sachs 1, 14 Göz (von seiner frau).

wirklich reimend und offenbar alt end und gebend im bair. landr. vorhin, noch bei Stieler 154, Steinbach 1, 221, als rechtsausdruck pro amictu et quod ad cultum quotidianum pertinet,

[Bd. 4, Sp. 1727]


s. bei Schmeller 1, 77, der aus Kreitmayr als juristische erkl. beibringt »die kleine montur einer frau an schuhen, pantoffeln, strümpfen, bändern, hauben, handschuhen, garnituren u. s. w.«, nebst einer glosse enderbant, decerniclum, ornamentum virginale capitis (Graff 3, 137, vgl. underbant gleich harbant Dief. 184b, nov. gl. 137a), wozu er auf ahd. endi stirn verweist; in gebände könnte da zugleich die bedeutung 1, bänderwerk überhaupt, enthalten sein.
c) gebende auch vom haarschmuck der jungfrauen ist schon mhd. sicher bezeugt, z. b.:

dâ giengen ûʒ zwei werdiu kint ..
zwei schapel über blôʒiu hâr
blüemîn was ir gebende. Parz. 232, 17,

einfache blumenkränze auf dem ungebundnen haar. aber eben der kranz wird in alter zeit auch ausdrücklich als band bezeichnet, ahd. haupitpant sertum, z. b. vom lorbeerkranze, houbetpendil sertum wie houbutgibenti, s. Graff 3, 137. 138 und dazu unter krone V, 2369 m.; der ausdruck führt eben wieder in die älteste zeit zurück, das bant soll eben eigentlich das haar in ordnung zusammenhalten, wie es noch mhd. auch ausgesprochen wird:

si truogen ûf ir houbtenvon golde liehtiu bant,
daʒ wâren schapel rîche,daʒ in ir schœne hâr
zerfuorten niht die winde. Nib. 1594,

doch wol in kranzform, denn das franz. schapel wird auch übersetzt bluomenhuot (s. DWB kranz 4, b, δ), auch blosz huot, d. i. eben kranz, wie z. b. deutlich ist beim tanze Walther 75, 7. auch nhd. wird ein gebende der jungfrauen noch zu finden sein, wie das haarband unter a, bänderwerk, bändern unter 1.
d) auch formelhaft verbunden schapel und gebende, mhd. und noch jetzt, offenbar aus dem munde der frauen:

nun hab ich weder schappel noch gebende
noch frowen zeinem tanze, owê! (klagt der hof zu Wien).
Walth. 25, 9;

wie ist si gestalt?
ist si jung oder alt? ...
wie ir schappel und gepend? Hätzl. 222b;

disz hab ich dir mit wörtrn von einr silb schreibn wolln (s. dazu sp. 1601 fg.), auf dasz du ab-nemst, wie läpsch es steh, wann man das an ihm selbst schön Teutsch umb-gieszn und ver-beszrn will, abr wedr schappl noch gbänd dar-zu hat. Simpl. 4, 293 Kz. (galgenm. cap. 7), nichts was zum feste, dann zu einem wichtigen vorhaben überhaupt gehört, nicht das zeug dazu, wie es jetzt heiszt. noch im westen, z. b. in der Wetterau mit schappel und gebende, mit allem, mit der gesammten habe (Weigand unter gebände), jenem end und gebend ähnlich, man sieht wie wichtig das in denken und rede der frauen war.
e) eine ältere bair. nebenform pent ist nichts als aussprache von gbent (s. sp. 1606 fg.): mit flodrendem har, mit zerriszem pent soll eine genotzüchtigte klagen. Schm. 1, 180 aus einem rechtsbuche; von pettgewant und andern gewant, pent und was (gleich swaʒ) zu meinem leib gehört. mon. boica 18, 496 das. Aber in underbende discriminale Germ. 9, 28 unter frauenschmuck kann (neben underbant, s. unter 4, b a. e.) ein altes bendi ohne gi- enthalten sein, wie beini gleich gibeini, s. u. gebein 1, a.
5) für kranz u. ä. noch im 17. jh. dichterisch (s. ahd. serta houbitgibenti unter 4):

höret mit geneigten sinnen,
was das chor der Pierinnen
euch für ein gebände bringt.
Greflinger weltl. ged. (1651) 48.

von guirlanden in fruchtgebände, von der bekannten bauzierat im ital. geschmack, die auch fruchtband (s. d.), fruchtgehänge heiszt: zwischen zwoen seulen mit festins oder fruchtgebände bewunden. Birken ostl. lorb. 104.
6) im hausbau: das gebände eines hauses, contignatio. Steinbach 1, 221, vermutlich aus Schlesien; die zimmerleute brauchen das einfache binden und band vom verbinden der balken u. ä. (Frisch 1, 55a), vgl.pant Tucher baum. 75, 11 von verbindenden querbalken und verbanden, damit verbinden; also gebände wieder von band, nicht von binden. s. auch unter 8.
7) in der dichtkunst, reimgebände, neuerdings wieder in wissenschaftlichem gebrauch, wie im 17. jh. und gewiss seit lange bei den meistersingern: die gebände (metra) ziehen sie nach belieben, und haben derselben über 500 unterschiedliche arten, werden gebände benamst, weil die wörter dadurch gebunden oder gebändigt werden. Wagenseil de civ. Noriberg. 519 (aus Harsdörfer gesprächsp. 4, 13); ein falsch gebänd ist ein fehler, wann die vers anderst gebunden werden, weder sie von ihren meistern sind gereimet oder gebunden worden, oder wann

[Bd. 4, Sp. 1728]


sich körner in einem gesetz (strophe) binden oder reimen, wohin sie nicht gehören. 529, vgl. 531, aus der alten tabulatur, danach hiesz gebände auch die art des reimens; es hat herr Scheffer in seiner Lapponia einige ihrer (der Lappen) liebeslieder angeführet .. es ist aber kein gewisses gebände noch abgemessene zahl der sylben. Morhof unterricht (1718) 377; J. Helwig, die nymphe Noris .. nebenst .. sinn- und reimbildern, auch artigen gebänden. Nürmb. 1650. das reimen zweier zeilen hiesz binden, gebunden, ein reimpaar also gewiss ein band, ich denke mir, schon in der mhd. kunstsprache, gebände also solche bänder zu einem ganzen vereinigt, dann auch die art des gebändes.
8) nur in der bildung verschieden ist geband, d. i. entweder band durch bloszes ge- verstärkt oder vom praet. band gebildet wie gesang von singen (s. sp. 1615 u. β); s. die belege sp. 1634, wo einer für mhd. gebant fehlt:

si (die vrouwen) minnent die ...
mit stætem muote stênt in ir gebande.
Rud. v. Rotenburg bei
Ben. beitr. 80, MSH. 1, 74b,

in ihren banden (s. 2). im 15. jahrh. zu gebanden gen, als maurerwort: item sie sollent das güszbett (das zu erneuern ist) gegen dem ablauf des graben ganz abheben bisz uf den grund und dasselb durchusz muren und wider machen mit gehauwen quadern, die z gebanden geend hinder sich und auch verhaubtet u. s. w. Mones anz. 6, 252, wie es scheint: fest verbunden werden nach hinten, um der gewalt des abflieszenden wassers (güsse) künftig besser widerstand zu leisten; vergl. im hausbau unter 6, verbanden mit mörtel binden Schm. 1, 180. im schiffbau: donnerstreich .. davon das ganz schiff voll feurs ward, die prätter und geband ausz einander giengen. Schaidenreiszer Odyss. 167a.
 
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gebendel, n. nebenform von gebende:

sie trug jetzt keinen rock mit zipfel und gebendel,
ein mantel war es nur von schönem silbern zendel.
Dietr. v. d. Werder Ariost 7, 28,

es sind wol bänder, also wie gebende 1; vgl. übrigens bendel, das aber masc. ist, schon ahd. pendil, noch oberpf. bendel auch als brautkrone, s. DWB krone I, 1, b, vgl. unter gebende 4, c.
 
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gebendsel, n. nebenform von gebende in einer nd. hs. des Ssp. (s. unter gebende 4, c), vermutlich auch md., die bildung ist wie gebäcksel gebäck.
 
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gebendung, f. für dativendung, casus dativus, im 17. jh.: endungen sind bei den Deutschen sechse, die nennendung, die geschlechtsendung, die gebendung, die klagendung, die rufendung, die nehmendung. Gueintz deutscher sprachlehre entwurf 43.
 
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gebenedeien gleich benedeien, segnen, wie schon mhd. gebenedîen, im 16. jh.: wir, die wir lebendig sind, gebenedeien gott nu und ewiglich. Luther 1, 20b; gott gebenedeiet dich zeitlich und ewiglich. 3, 293a; seinen heiligen süszen und gebenedeieten namen. 3, 414a.
 
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gebenedeiung, f. benedeiung, segen: durch in solten alle heiden den segen und die gebenedeiung haben, wie Abraham verheiszen war. Luther 3, 170a; aller ablasz, aller nutz, alle gebenedeiunge und alles was der mensch bedarf an leib und seel, hie und dort, das ist hierinne überflüssig begriffen. 1, 68a.
 
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geber, m. einer der gibt oder gegeben hat, ahd. gebari dator Graff 4, 124, mhd. geber, mnd. gever Dief. 166b.
1,
a) der geber sol allwegen lieber sein dann die gab. Keisersberg brös. 21a; der nemer ist in disem fall wol so edel als der geber. Frank spr. 2, 45a; nun wölt kein from vernünftig man .. das ein ander .. also geb (freigebig sei), das er selbs der geber betlen mszt. 1, 80a; der geber sind allzeit weniger als der nehmer. Stieler 650.
b) mit adj. als vertreter des adv. bei dem dabei gedachten geben: spricht st. Paulus (2 Cor. 9, 7), einen frölichen geber den hat gott lieb. Keisersb. seelenpar. 87a, ebenso bei Luther, der frölich gibt, ἱλαρὸν δότην (goth. mit dem part. ausgedrückt hlasana giband); ein reichlicher geber, largitore. M. Krämer 504a.
c) geber als beamter, in einem wetterauischen weisthum: die bestellung der mark mit merkermeistern, mit furstern und mit gebern zu kiesen. weisth. 3, 457, vgl. s. 455 wan man einem holz gebe, von der holzlieferung an die märker, die wol jene geber zu besorgen hatten.
2) reichlich in zusammens., wie gesetzgeber, ratgeber, gastgeber (schon mhd.), trostgeber, arbeitgeber, auftraggeber, auch angeber, aufgeber, hingeber, dargeber dator Dief. 166b u. s. w.; in einfacherer und älterer bildung aber noch nhd. gastgebe m.

[Bd. 4, Sp. 1729]


(s. d.), ahd. gastgëbo zweifellos nach dem fem. gastgëbâ hospita, mhd. lîtgebe schenkwirt, lîtgebinne schenkwirtin, râtgebe, noch nhd. bei Alberus mm 2a ratgeb, ahd. auch unzusammengesetzt kepo dator Graff 4, 123.
3) auch der casus dativus ward geber genannt, so nach Adelung unter gebefall bei Ickelsamer (aber nicht in seiner grammatica, wo von den casus gar nicht die rede ist), vielleicht schon früher, vgl. bei Dief. 166b dativus geber; vgl. gebendung.
 
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geber, m. hiatus, gähnendes öffnen des mundes, der letzte geber eines sterbenden: das herz stehet nimmer still, es lebet unter allen gliedern im menschlichen leib am ersten und dauert bis in den letzten geber, gleichwie hingegen die augen am letzten gebildet werden und am ersten brechen und sterben. Otho 209, subst. verb. zu geben gleich gäuen, den mund öffnen, s. sp. 1540 fg.; nürnb. den letzten gäwer tuen, sterben Schm. 2, 8.
 
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geber, f. n. geberde, s. DWB gebär.
 
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geberde, gebärde, f. n. , subst. verb. zu gebaren (s. d.), ein lange wichtiges wort mit viel weiterem lebens- und begriffskreise als jetzt, gleich seinem zeitworte.
I. Form und nebenformen.
a) ahd. ist nur bezeugt fem. kipârida, gipârida, gebârda u. ä., gestus, motus, habitus, species, nutus, signum, situs, s. Graff 3, 150 fg., es musz aber auch ein neutr. gipâridi gegeben haben, wie bezeugt ist gibâri n. (s. DWB gebär 2), mhd. gebære n. neben gebâre f., ahd. pâra f. (s. DWB gebar 3), von welchen die formen mit -ida und -idi nur gleichsam vollere bildungen sind (s. sp. 1615); noch nhd. gehn eine zeit lang neben einander gebär und gebärde, beide als f. und n., auch gebar. mhd. gebærde, aber auch schon gebêrde (s. d) und noch gebârde (Wig. 44, 7 B). mnd. geberde, geber, apparatus, gestus. Dief. n. gl. 29a; auch geberte Schiller u. Lübben 2, 19b (wie gebênte, s. gebein 1, b). mnl. gebard, auch gebeerre, s. Oudem. 2, 360. 362, die letztere form mit angeglichnem d auch rhein. im Rother, gebêrre 2198.
b) auch mhd. ist das n. nur einmal verzeichnet, und zwar md.:

seht an sîn gebierde (: zierde),
eʒ zieret vür der sunnen glast.
Frauenlob spr. 133, 11.

aber wie von den stellen im mhd. wb. 1, 149 nur zwei oder drei das fem. sicher zeigen, während in den pluralformen auch das n. enthalten sein kann (auch Nib. 429, 3), so findet sich das n. in den var. versteckt, z. b.:

sîn gebærde daʒ was sæleclîch. Wig. 44, 7 in B.

nhd. im 16. jh. oft genug, oberd. wie md., z. b.: edeles geberde. Bocc. 1, 106a; gott hat .. das geberde. Luther 4, 151a, der es sogar nur so zu brauchen scheint (s. Dietz 2, 16 fg.); das reich gottes kömpt nicht mit einem euszerlichen geberde oder schein. 1, 74b; gelobet sei gott und gelobt sei dein geberd. buch d. liebe 306d, nach 1 Sam. 25, 33, wo rede für geberd (vgl. aus Henisch unter II, 5, a); redet ich zu meinen gesellen mit trawrigem geberd und worten also. Schaidenreiszer Od. 163a; wiewol du ein erbars adeliches gebärdt hast. 174a;

von tugend rein und schonem geberd. Ambr. lied. 91, 3. 154, 7,

wo vielleicht berd gemeint ist (s. e). noch im 17. jahrh.: das geberde Henisch 1386 (neben harte geberde u. ä.);

sein sterbendes geberd' ermuntert mich die nacht.
A. Gryphius 1, 206 (Card. 1, 507),

sein gebaren als sterbender (s. II, 6);

das (pferd) hatt' ein kleinen kopf und adelichs geberde.
Werder Ariost 19, 65;

der sein geberde nicht zur ehrerbitung neiget.
Logau 2, 3, 58.

und doch gibt nur fem. schon Maaler 158c, die gebärd (Dasyp., Henisch, Schönsleder sind um das geschlecht unbekümmert), ebenso nur die gebärde Steinbach 1, 150, die geberde Frisch 1, 63a, Ludwig 698, Rädlein 324a, die aber alle schon nur den plur. noch als gebräuchlich behandeln.
c) der pl. erscheint im 16. jh. noch in starker form, die ihm ursprünglich allein gebührt, z. b.: so die euszerliche geberde so strenge sollen gelten. Luther 3, 55a; dieser pl. ist öfter anzunehmen, als er sicher erkennbar ist, z. b. seltzame geberd treiben, gesticulari. Schönsl. S 6a; geberd erzaigen, motus dare. das.;

leut, die durch schein betrogen werden,
geberde, prangen und das prachten
höher denn kunst (wissen, bildung) und tugent achten.
Waldis Es. II, 76, 17.

aber daneben auch schon geberden treiben gesticulari Dasyp. 337a, Alberus Cc 2a, vol geberden gestuosus Dasyp. das. (sing. geberd), gebrden Maaler 158c, gerade im alem. gebiete mag dieser pl. sich am frühesten entwickelt haben vom gen. aus, der da schon in ältester zeit diesz -n zeigt (s. unter kind I, g).

[Bd. 4, Sp. 1730]



d) das gebierde unter b aus Frauenlob steht nicht allein, es zeigt sich auch später noch in md. mundart, z. b. in einem voc. des 15. jh., der dem Mittelrhein anzugehören scheint, gebyrde gestus Dief. 261c, und noch im 16. jh. bei Luther: ein mensch, dem leid und ubel zu mute ist, der hat auswendig elend gebirde. buszpsalmen C 5a (Dietz 2, 25a), später zurückgeführt auf geberde schr. 1, 24a; es ist die übertriebene wirkung des umlauts, wie sie sich in der md. volksrede noch heute vielfach zeigt, æ durch ê hindurch vollends zu î erhöht (wie umgekehrt da gern ursprüngliches i durch brechung bis zum a hinuntergeht). kurzer vocal ist mir aber bei dem gebirde nicht wahrscheinlich, so wenig wie in mhd. zeit bei dem md. wie oberd. geberde (das im wb. als gebërde angesetzt wird den reimen nach), alem. z. b. im Reinfried 8023. 15206. 18043; zu einer so gewaltsamen kürzung war der verbrauch des wortes doch wol nicht grosz genug.
e) auch ohne ge- blosz berde, berd noch nhd., wie baren für gebaren (s. dort I, a), berden für geberden, ber für geber (s. DWB gebär 3); im folgenden verlangt der reim für das gedruckte berd freilich ber, das doch schon damals anstosz finden muszte:

ich wünsch allen frawen ehr
durch einer frawen willen,
ich lieb ihr freundlichs berd
gar heimlich und gar stille.
Joh. Ott 115 liedlein Nürnb. 1544 nr. 35,

also auch n., wie u. b; s. mehr unter berde (auch bei Luther, Ayrer), mhd. bærde z. b. unter II, 2, a.
f) die schreibung geberde ist nhd. vorherschend, obwol gebärde wiederholt noch auftaucht, wenn man sich des ursprungs von gebaren erinnerte; das letztere mit längenbezeichnung in gebahren zog dann auch gebährde, gebehrde nach sich. das oberdeutsche geperde erscheint auch bei Luther ursprünglich, s. unter 4, a.
II. Bedeutung und gebrauch.
1) auch als sing. schon bezeichnet es ursprünglich die ganze haltung, die gebärd und weis eines menschen, gestus (von se gerere) Maaler 158c, wie einer seiner art nach gebaret oder sich gebaret, z. b. wol oder übel.
a) dem wol gebaren (s. d. II, 1) entspricht gute oder gutes geberde, mhd. guot gebærde (vgl. wolgeberdig unter geberdig 3); H. Sachs z. b. preist seine zweite frau:

ich schweig der hoch (hohen) geistlichen gab,
die ir gott ausz genaden gab ...
mit guter geberd, sitten und tugent,
die sie anfieng in irer jugent. V, 2, 330 (1, 15 Göz),

zugleich als ausdruck des innern, s. unter 5, e; im musterbilde einer frau aus dem 15. jh., bei einem preistanze:

welche frau das pest thut mit tanzen,
(nämlich) mit hübschen triten, mit ümbher schwanzen,
mit züchtigem lachen, mit lieplichem schmutzen (lächeln),
mit guter geperd, mit freuntlichem angutzen (anblicken),
der wil man schenken (als preis) ain pernlein kranz. fastn. sp. 764, 24,

mit var. mit gutem geperd. auch geradezu gleich bildung, gute sitten, gleich zucht oder zucht und ere u. ä.:

besser ist haben gt geberd,
dann alle richtum uf der erd.
usz sitten man gar bald verstat,
was einer in sim herzen hat.
Brant narr. 9, 17;

vgl.edeles, adelichs, schönes geberde u. I, b. auch verbunden sitten und geberde:

wer hat bös sitten und geberd .. das. überschr.,

wo freilich auch geberd plur. sein kann.
b) von einem bildungslosen heiszt es z. b., er habe geberde wie eine kuh:

mancher der sitten wenig schont,
das schafft, er hat sin nit gewont
und ist gezogen nit dar z,
des hat geberd er wie ein k.
Brant 9, 24.

dem übel gebaren, sowol von dem thun und lassen ungebildeter als mismutiger, unglücklicher u. ähnl. gebraucht, entspricht auch einfach ungeberde, schon mhd. ungebærde, ahd. ungipârida rabies, fastidium Graff 3, 151, und noch im 18. jahrh. z. b. bei Steinbach 1, 151 (und noch jetzt ungeberdig), auch von allem auffallenden gebaren, z. b.: dâ fledert sie (die verzückte) mit den armen und wônt, sie wêr ein gans, biʒ die priôlin sprach 'du bist kein gans'. dâ lieʒ sie aller êrst von der ungepêrde. nonne von Engelthal 14, 12 (s. unter gänsehimmel), wozu auch verbal ungebaren, z. b.: als imant sluge, stoisze ader ungebarte in finstern steden .. weisth. 1, 542, wie heute er weisz sich nicht zu benehmen. und entsprechend schon mhd. auch blosz gebâren von gutem, gebildetem gebaren, wenigstens verneinend (vgl. Walther 120, 12):

[Bd. 4, Sp. 1731]


zuht zieret frowen wol,
schœn gebærde si haben sol ..
ist daʒ sie niht gebâren kan,
sie haʒʒent sicherlich die man.
Zarnckes d. Cato s. 134,

vgl. geberdig gleich wol gebarend, fröhlich u. ä.
c) die ganze haltung als ausdruck der stimmung, neigung, güte, des wolwollens u. a., des gemütes überhaupt: o was lieplicher gepärd hast du in allem deim thun und laszen, wol schmeckt (duftet) alle ding, wenn du dich bewegst, so herzlich wol ist es allenthalben u. s. w. Wirsung Calistus 2, wo doch der sing. nicht sicher ist wegen der urspr. starken form des plur.; ich mag des nicht, der stolz geberde und hohen mut hat. ps. 101, 5; ein mensch, dem leid und übel zu mute ist, der hat auswendig elend geberde, schlecht das heubt nider. Luther 1, 24a; mit trawrigem geberd. Schaidenreiszer 163a (s. unter I, b); freundliche gebärd des leibs, gestus corporis venustus. Henisch 1386. der deutliche sing. aber noch im 17. jh. und länger bei dichtern, besonders als reimwort:

er ist nicht werth so gar,
dasz seine mutter selbst je eine jungfer war,
der sein geberde nicht zur ehrerbitung neiget,
sein haupt zum tiefsten bückt, den fusz in demut beuget ..
für so ein liebes volk und himmlisches geschlecht.
Logau 2, 3, 58 (jungfrauen);

zerraufte sie ihr rabenhaar
und warf sich hin zur erde
mit wütiger geberde.
Bürger ged. 1778 s. 82;

der eine flieht mit düsterm blick von hinnen,
der andre weilt mit fröhlicher geberde (: erde).
Göthe 13, 177 (die geheimnisse);

an offenheit, an unschuld der geberde
scheint er ein mensch von einer andern erde. 13, 181;

da versetzte Reineke drauf mit verstellter gebärde. 40, 71;

stolz und würde sprach aus der gebärde (des sprechenden):
einen edlen gab ich dieser erde.
Schiller IV, 6, 17.

von der körperhaltung, mehr äuszerlich:

mit aufgerichteter geberde
der mensch dazwischen steht allein (unter den thieren).
Rückert poet. w. 6, 64.


2) auch der plur. in gleicher bedeutung ist doch alt, schon ahd. zu erkennen, mhd. ganz geläufig, nhd. das vorherschende (s. I, b am ende). entlehnt auch dän. gebärden pl.
a) mhd. z. b.:

nemt daʒ in iuwer witze (beobachtet es),
in welhen bærden diu sî.
won ir freude oder trûren bî,
daʒ sult ir prüeven tougen. Parz. 709, 29,

ob ihre haltung von froher stimmung zeuge oder nicht;

mit bærden, die sie missezement,
daʒ iuch disen langen tac
nieman getrœsten mac. Erec 6397,

von der haltung der Enite nach dem verluste des gatten, die stimmung doch nicht ausgeschlossen; von der haltung einer frau an der bahre ihres gatten:

eʒ erzeicten ir gebærde
ir herzen beswærde
an dem lîbe und an der stimme. Iwein 1321,

in körperhaltung und stimme, die denn in den gebærden der klage, dem haarraufen und wehschreien inbegriffen ist:

si bat in mit gebærden gnuoc. 3819.


b) nhd., wozu wegen der form, d. h. auch geberde, geberd als plur., I, c zu vergleichen: sawre, ernste geberden. Luther bei Dietz 2, 17a; darneben war ich (Courage) zart, schön und adelicher geberden. Simpl. 3, 14 Kz.; und als sie mir auch hosen und wambst angezogen, lernte sie mich weitere schritte thun und wie ich mich in den übrigen geberden verhalten solte. das., d. h. die kleidung in den geberden eigentlich eingeschlossen (s. 5, c); Logau beginnt ein hohes lob der jungfrauen mit der vorwarnung:

ihr jungfern, hört mir zu, doch fasset die geberden
und meint durch meinen ruhm nicht stölzer wo (etwa) zu werden. 2, 3, 58,

wie faszt euch, nehmt euch zusammen; es hat sich aber solche (ein bauermädchen, herzogin geworden) dergestalten in diesen stand gefunden, dasz sie wegen dero vernunft und wol anständigen geberden .. in höchsten werth gewest. Simplic. alb. briefst. 15; heutiges tages ziehen wir in Frankreich, in Italien, fremde tänze und geberden zuerlangen. Butschky Patmos 27; di ehre sol ein zeugnis der tugend sein und bestehet in den gebehrden, wi das lob in reden. kanz. 50, die ehre die einem bezeugt wird, ihre äuszerung die geberden womit er behandelt

[Bd. 4, Sp. 1732]


wird; mit was für gnade hat unser durchlauchtigster held (der kurf. von Brandenb.) nicht den .. wunsch, den wir professores unter denen stadtthoren (von Halle) abgeleget, angenommen, mit was holdreichen gebehrden hat er selben nicht kürzlich beantwortet? Thomasius 662, noch von der ganzen haltung überhaupt, es wäre jetzt nicht mehr sagbar; gaukelnde gebärden. Ettner unw. doctor 733; zu viel geberden machen, in gestu nimium esse, gesticulari. Frisch 1, 63a;

du (bär) warst der schönste kerl an bildung und geberden,
nun sieht man fast nichts häszlicher als dich.
Hagedorn 2, 118;

an worte statt sind liebliche geberden,
die zwar im takt, jedoch von herzen gehn (d. h. tanz).
Göthe 13, 227;

mit den gebärden eines wütenden
sah ich ihn eben diesen saal verlassen.
Schiller V, 83;

man sieht traurigkeit und wut in seinen gebärden abwechseln. V, 5, 13; er warf sich in einen stuhl mit allen geberden der verzweiflung. IV, 240, 17; aber gebehrden und äuszerer anstand verkündigten einen mann, den die welt ausgebildet hat. IV, 339, 3, also anders als ursprünglich, der anstand von den geberden ausgeschieden (s. 5, e).
c) von bewuszten, gewollten, angenommenen, auch geheuchelten geberden, in welchem sinne es uns heute wol am nächsten liegt: chironomus, der seltzame geberden und bossen treibt mit den henden. Alberus Cc 2a; seltzam gebärden treiben, gesticulari. Maaler 158c (s. gebärdgaukler); die hexe mit seltsamen gebärden zieht einen kreis. Göthe 12, 129; demnach sind die complimente der gebehrden eine sprache (der höflichkeit). Bodmer mahler der sitten 2, 133, d. h. verneigungen, bücklinge, knickfüsze s. 130; man soll auch fein mit heroischen gebärden den arm unterstützend die pfeife ausrauchen. Conlin narrenwelt 5, 426; er (der schauspieler) weiszt, dasz vielleicht tausend und mehr augen an jeder seiner gebärden hangen. Schiller IV, 346, 16; wer ist sie? fragte die gräfin .. eine schauspielerin .. war die antwort, indem der schalk (Philine) mit einem gar frommen gesichte und demüthigen gebärden sich neigte. Göthe 18, 238;

und so gieng er (Reineke) dahin mit stillen frommen geberden. 40, 80.

von einem neuling im theater heiszt es: sein ganzes gesicht wird zum spiegel, der alle die abwechselnden gebehrden der auftretenden personen, verdrusz, spott, neugier, zorn, verachtung getreu zurückwirft. Engel mimik 1, 87.
3) dazu dann der sing., mit dem u. 1 nicht ganz zusammenfallend, wo mehr der unbewuszte ausdruck des ganzen inneren gemeint ist, hier mehr ein bewuszter einzelner ausdruck eines augenblicklichen empfindens, wollens u. ähnl., obwol sich beides im einzelnen falle nicht streng scheiden läszt. nhd. z. b.: der Italiener, der überhaupt viel mit gebehrden .. spricht, hat unter andern eine sehr redende pantomime, womit er vor einem falschen, hinterhältischen menschen warnet (folgt beschreibung und bild) .. anfangs wollte ich ihnen diese ganze gebehrde als eine .. malerei des falschen charakters erklären .. es ist sonderbar, dasz diese gebehrde so sehr leicht zu verstehen und ihre erklärung doch schwer ist. Engel mimik 1, 92. 93; noch eine andre gleich sprechende gebehrde macht der Italiener, wenn er verachtung einer drohung oder warnung ausdruckt. 1, 93; das deutende in der gebehrde (Admets), die richtung der augen, des hauptes, der hände. 1, 333, der zusatz als ausführung des begriffs; Mephistopheles, mit ernsthafter gebärde (spricht). Göthe 12, 117; er macht eine unanständige gebärde. 128; anständige, doch seltsame gebärden und grüsze hab ich bemerkt .. 'dreierlei gebärde habt ihr gesehen, und wir überliefern eine dreifache ehrfurcht'. 22, 11. 12 (wanderj. 2, 1, pädag. provinz); er machte eine gebärde des unwillens, der abwehr, auch mit dem bestimmten artikel die gebärde des höchsten erstaunens u. ähnl.; übrigens schon im 16. jh. auch handgebärde (s. d.), und auch ahd. schon nutus, signum (s. I, a), also wink, zeichen, wol auch schon von handgebärden.
4) für den älteren gebrauch, als das wort noch lebendiger war, ist zunächst noch zu bemerken
a) wie das verhältnis oder misverhältnis zwischen den geberden und dem inneren auch schon ausdrücklich bezeichnet wird: an geberden kennet man das gemüet. Henisch 1386, 30; mit herzen und gebärden ein christlich trauren gehalten. Schweinichen 1, 61. aber auch:

freundlich geberd, verborgen tück.
Henisch 1386, 11;

[Bd. 4, Sp. 1733]


das geberde ist gut, ex habitu bonum virum prae se fert. 1386, 16;

du urtheilst niemand nicht so leicht nach den gebährden
und stellst in jedem wort dir ein geheimnüs vor.
Wernike 44 (an einen staatsklügling).

Luther spricht viel und nachdrücklich von äuszerlichen geberden, z. b.: und sihe, wie er sein gebet beschreibt, das er sich auch mit euszerlichen geberden des knie beugens dazu stellet (gestalt, haltung annimmt). Dietz 2, 17a; kein euszerlich ding fordert ... gott, dennoch müssen wir euszerlich ding und geperde halten, so dazu dienen, das man die leute zum wort gottes halte. das.; das reich gottes kompt nicht mit euszerlichen geberden .. das reich gottes ist inwendig in euch. Luc. 17, 20 (μετὰ παρατηρήσεως, vulg. cum observatione), wobei Luther offenbar an die ceremonien und das ganze äuszerliche wesen der kathol. kirche dachte, die er oft so bezeichnet, z. b.: warumb heiszt denn der bapst seine schlüssel des himels schlüssel? so sie doch weder zum himel noch zum glauben oder zur christenheit helfen, sondern allein euszerliche irrdische geberden stellen. schr. 5, 219b; das die euszerlichen irrdischen gesetze und geberden nichts nütze sind. das., mit berufung auf Luc. 17, 20; der priesterstand, tempel, altar, mit irem geberde, kleidern, werken, opfern .. 5, 471a, s. auch unter geberdle; ebenso nennt er das einhalten der cultusgebräuche ein geberden (s. d. 1, c von Paulus).
b) geberde haben war jahrhunderte lang gebräuchlich von unwillkürlichen und willkürlichen geberden, wie jetzt machen, z. b.:

dô chlageten sie ie mêre unt mêre,
si heten manige ungebêre. Rol. 258, 18;

der (Wate) hete die gebærde,daʒ im lachens gebrach. Gudrun 334, 4;

nu habe du die gebærde,diu werc wil ich begân. Nib. 429, 3,

anweisung Siegfrieds an Gunther im wettkampfe mit Brünhild; ago gestus, ich hab geberden. Alberus Bb 2b; got hat aller ding (durchaus, völlig) das geberde, als wolt er Esau segenen und alles geben, noch kriegts endlich der Jacob. Luther 4, 151a (zur bedeutung s. 6); vor frewd geberd haben, gestire. Henisch 1385, 50, sich freudig geberden;

von höflichkeit hast du geberden.
Weckherlin 372 (od. 1, 6).

daneben geberde führen, in einem osterliede bildl. von der saat:

die saat desgleichen solches spürt ..
und ein fröhlich geberde führt.
Ringwaldt bei
Mützell 650.


c) auch in geberden sein u. ä. geht in die mhd. zeit zurück; im 16. 17. jahrh.:

hilf, gott, wie gehts so ungleich zu
in dieser welt auf erden?
der gottlos hat gut fried und ruh
in frölichen geberden ...
Ringwaldt bei
Mützell 689;

seid frölich in geberden. ders. evang. R 6a;

und leben in geberden
dem lieben gott zu hohn. laut. warh. 447 (399),

vgl. auch unter 6 aus Ringwaldt u. ö.;

Daphnis freundlich in gebärden
seufzet mit gar sanftem sinn.
Spee trutzn. 240 (249);

ihr menschen alle gar,
frisch frölich in geberden
vor ihm euch stellet dar. 140 (147);

kläglich in gebärden. 61.

mhd. z. b. in gebære, gewiss auch in gebærde:

man sach in der gebæreHartmuoten den rîchen,
daʒ er edeler minnean hôhe vrouwen gerte billîchen. Gudr. 622, 3;

in allen sînen sorgenstuont er in der gebære (so stattlich schön),
als er mit einem penselan einer wende wol entworfen wære. 1601, 3,

vgl. in armutseliger geber bei H. Sachs unter gebär 1, wie wir jetzt in stolzer haltung u. ä., man kann an der jetzigen unmöglichkeit dieses in die verengung, veräuszerlichung des begriffes sehen.
5) wie weit der begriff der geberde sich ursprünglich erstreckte, ist auch näher zu betrachten; in allen folgenden bedeutungen sowol sing. als plur.
a) was zu den geberden im allgemeinen sinne gerechnet wird, z. b.: ein vernünftiger merkt den man an seinen geberden, denn seine kleidung, lachen und gang zeigen in an. Luther Sir. 19, 26. 27 (gr. ἀπάντησις), also auszer mienen und haltung auch die art wie man sich kleidet, s. dazu unter c; ob ers gt mein .. das wirstu im an all seinen geberden, reden, farb (gesichtsausdruck), gestalt (haltung) abmerken und an augen

[Bd. 4, Sp. 1734]


sehen. ob nun dise zeichen .. das ist mund, augen, geberd (pl.), gestalt alle fählten, so wirt dirs dein herz sagen. Frank spr. 1, 21b, auch da ist geberde wol doch zugleich umfassend gemeint, denn dasz auch das reden eingeschlossen werden konnte, darauf deutet z. b. die stelle aus dem buch der liebe unter I, b, nachher unter d die stelle aus der Magdeb. chron. und folg.: ernsthaft gesicht, nicht leicht zu lachen, mäsziger gang, milte stimm seind geberd so ein ansehen machen. Henisch 1386, 40 (offenbar aus einem dichter); berden, kleider und wörter eines schauwspilers, histrionicus gestus. Maaler 58b.
b) insbesondere auch der gesichtsausdruck, die miene, welches wort ohnehin sehr jung und ein fremdwort ist (noch Engel mimik 1, 315. 355 u. ö. spricht von gesichtsmine):

der (Wate) hete die gebærdedaʒ im lachens gebrach. Gudr. 334, 4;

da ergrimmet Kain seer und sein geberde verstellet sich. 1 Mos. 4, 5, vulg. et concidit vultus ejus; und David .. verstellet sein geberde fur inen. 1 Sam. 21, 13, immutavit os suum, s. auch Sir. 25, 23. Henisch 1385, 41 erklärt im allgemeinen geberd eines menschen, gestalt des angesichts, weise eines menschen, habitus, status, vultus, facies, gestus, dann aber 1386, 9 ff. besonders mit vultus: freundlich geberd und rede, benignus vultus et sermo; frölich geberd, laetus vultus; harte geberde, vultus severus et tristis; die geberden zeigen die sitten an, vultus est animi imago. und so noch lange: häszliche geberden mit dem mund machen, far' smorfie, geberden mit den augen machen, far' occhi. M. Krämer 504b; freundliche gebehrden, vultus benignus. Stieler 79; verächtliche geberden, a scornfull look. Ludwig 699; verdrieszliche geberden, a tedious countenance. das.; an den gebärden siehet man was hinter einem steckt, vultus pictura animi. Steinbach 1, 150. bei Frisch 1, 63a sind zwar geberden schlechthin nur motus corporis, status corporis, aber auch geberden des gesichts, habitus oris, compositio vultus, die geberden ändern, mutare vultum, die geberden verstellen, distorquere vultum, das gesicht verziehen. auch bei Adelung (und Campe) ist es noch 'in engerer und gewöhnlicher bedeutung die bewegung der gesichtszüge, die mienen', mit beleg: unschuld lächelt sanft auf ihren wangen, voll anmuth ist jede geberde. S. Geszner, der doch auch gesicht und geberde trennt, z. b.: freud und unschuld reizten im kleinen gesicht und in jeder geberde. 2, 12. aber noch später, z. b. in einer bekannten stelle, die uns durch den verlust dieser bedeutung eigentlich schon verdunkelt ist, obwol noch nicht hundert jahr alt:

schöner malt sich mir die schöne erde,
heller spiegelt in des freunds geberde,
reizender der himmel sich.
Schiller 8a (freundschaft),

wo nach dem sich malen und spiegeln sogar hauptsächlich an den blick gedacht sein musz. noch jetzt heiszt es im hause zu kindern, die gesichter schneiden, auch, sie sollen keine geberden machen, s. auch Schiller unter geberdenspäher, noch Arndt unter geberdenspiel, das doch schon vorher vom mienenspiel auch unterschieden wird: sein (Talmas) mienenspiel ist erstaunlich ausdrucksvoll, seine geberden natürlicher. W. v. Humboldt an Göthe s. 90; stimme, miene und geberde. 108. auch nl. ghebeer erklärt Kil. mit franz. 'mine, geste', und das gebräuchlichere nd. wort für geberde, gelât (mhd. gelâʒ), bezeichnet noch jetzt auch die miene Danneil 262b, wie engl. countenance, miene, eigentlich nichts als 'haltung' ist.
c) auch von der kleidung unter umständen insbesondere (vgl. Luther unter a): geberde, apparatus. voc. 1482 k 3b;

was seine fraw, das stolze thier
wil haben zu des leibes zier,
auf das sie fein in dem geberd
von jederman gepreiset werd.
Ringwald laut. warh. 97 (86);

man musz keine sauere geberden auf einem platze vorstellen, der da vor ansehnliche leute ist. Olearius pers. baumg. 4, 5, ein armer in zerrissenen kleidern hatte sich nämlich oben an gesetzt; folgendes sinngedicht Logaus ist überschr. französische geberde:

wir kleiden jetzund, ihr Franzosen,
der Deutschen ruhm in eure hosen:
ihr künt es schwerlich anders machen,
ihr müst zu unsrer thorheit lachen. 3, 5, 20.

auch mhd. schon ist oft die kleidung mit oder vorzugsweise gemeint, z. b. bei einem empfang von helden:

dô diu alte Hildebî ir tohter saʒ,
die minneclîchen meidevil wol behuoten daʒ,
daʒ si ieman vündedâ in der gebære
daʒ man iht anders spræchewan daʒ ieclîche ein küniginne wäre. Gudr. 339.

[Bd. 4, Sp. 1735]


es ist wie beim lat. habitus (von se habere) das auch sonst mit geberde mehrfach übereinkömmt (auch z. b. habitus oris, miene) und gleichfalls die bedeutung kleidung schlechthin entwickelte, frz. habit, auch bei uns habit.
d) von der ganzen erscheinung (wie mhd. lîp oder bilde), ungefähr wie gestalt, doch mehr als diesz jetzt gewöhnlich bedeutet: den Franken begunde to wunderen, do se de manheit segen (sahen, nämlich der Sachsen) und or geberde, wente se konden herliken reden und hadden lange har .. se weren stete an orem gemote u. s. w. Magdeburger scheppenchr. 15, 25, geberde zusammenfassend auch für das was von ihrem reden und gemüte gesagt wird; (Christus) da er in gottes geperden war, liesz er sich nicht dunken .. gott gleich zu sein, sondern er euszert sich sein selbs und nam an sich die geperde (pl.) eins knechts. Luther bei Dietz 2, 16b (nach Phil. 2, 6. 7, wo übersetzt ist in göttlicher gestalt, nam knechts gestalt an); auf das der mensch das greszlich geperd und bild des tods tief betrachte. das. 17a; im folg. ist die beschriebene kleidung nicht allein gemeint:

so setzt nun auf mein weisze hauben
und nemet umb mein rothe schauben
und kompt in meinem gberd hinbei,
so wird er meinen das ichs sei.
Waldis IV, 81, 71 (2, 205 K.).

und nicht blosz für die äuszere erscheinung (vgl. scheinen und geberden unter geberden 1, d), wie es denn auch für falschen schein vorkommt: die da haben das geperde eines gottseligen wandels. Luther 2 Tim. 3, 5 var., sondern auch für die wesenhafte erscheinung, ja das wesen, leben und thun selber:

auf das sie (nach der geistigen anstrengung) ir geblüt vernew,
die luft verendre, speis verdew,
und also wider im geberd
erfrischt und new geschaffen werd (durch leibesübungen).
Ringwaldt laut. warh. 238 (213);

auf das ich wider frisch und frei
erwach nach meinem muthe
und in geberd
erfreuet werd,
der ich war fast verkommen. ders. bei
Mützell 685 (ach gott erbarm dich über mich v. 5);

dort aber gar ein new geberd
den engeln gleich bekommen werd. ders. tr. Eck. L 8b;

da wir denn fein in himmlischen geberden ..
beinander bleiben werden. ders. geistl. lied. 87;

du (sonne) hast nicht menschliche gebehrde,
du issest nicht wie wir u. s. w.
Claudius 3, 4.

doch ist wol da mehrmals zugleich die bedeutung 6 eingemischt, wie überhaupt ein verflieszen der nahliegenden bedeutungen sich mehrfach zeigt. übrigens ist auch diesz schon ahd. zu vermuten nach der glossierung species (nach situs wol selbst auf dinge übertragen, vgl. 8), und in lat. habitus gleichfalls vertreten.
e) auch berührt sich damit wie mit dem folgenden zugleich die bedeutung sitten, art, charakter, schon in der stelle aus der Magdeb. scheppenchr. vorhin deutlich mit inbegriffen:

zweihundert seckel silbers klar
und auch ein güldin zungen gar (eine ganz goldene zunge),
namb das aus geizigen gebärden
und grub dasselb unter die erden.
H. Sachs III, 1, 27;

dolle geberden, ovilli mores. Dasyp. 337a; mannicherlei sitten und geberden, varietas morum. Henisch 1386, 22. ebenso gebär, nd. gebêre: nu scholle gi horen van der Sassen gebere. se weren endrechtlich .. und vredesam u. s. w. Magd. scheppenchr. 18, 13.
6) von thun und lassen eines menschen überhaupt, oder von seinem verhalten, verfahren in einem bestimmten falle, was wir ja noch das gebaren nennen (oder haltung, auch lat. habitus). so gewiss von jeher, mhd. z. b. wol im folgenden, mit pl. (vgl. in gotlîchen gebæren gen. 8, 24 D.):

wan er (Christus) ûʒer waʒʒer hie
mit götlîchen gebêrden
wîn lie schône werden. Reinfr. v. Br. 18043,

wo doch zugleich gemeint sein musz: mit göttlicher kraft. nhd.: gestus, geberd, gewonheit des wandels, sitten u. s. w. Melber varil. k 6a, die ausführung stimmt nicht zum lateinischen, nur zum deutschen worte; got hat aller ding das geberde, als wolt er u. s. w. Luther 4, 151a (s. die stelle u. 4, b), er verhält sich durchaus so, thut so, als wollt er Esau beglücken;

als werdet ihr, wo ihr dergleich
gottfürchtig werdet halten euch,
von jederman in den geberdn
geliebet .. werdn.
Ringwaldt tr. Eck. H 3b;

der pfaff ist reich
und wird die leng in den geberdn
ein edelman im dorfe werdn. J 7a,

[Bd. 4, Sp. 1736]


wol zugleich: auf diese art und weise (s. 7), vgl. unter amtsgebärde, haltung im amte, trew in amtsgeberden;

ein christ sol kostfrei sein ..
auf das er wegen der geberd
von jederman gepreiset werd. laut. warh. 109 (97);

dasz wir vergessen dieser erd
und allermeist unser geberd
in himmel naufen heben. ders. bei
Mützell 659,

deutlich zugleich sinn und sitten einschlieszend (s. 5, e), wie Logau im folgenden geberden mit sinn wechseln läszt;

ich wil nicht Damon sein, die welt darf auch nicht werden
mein Pythias, wir sind von zweierlei geberden.
mein sinn steht aufgericht, die welt geht krumm gebückt,
mein sinn ist ungefärbt, die welt ist glat geschmückt u. s. w.
Logau 3, 245, 45 (letzte zugabe);

wie kümmt es, dasz die zeit nicht wil gebessert werden?
die menschen in der zeit verbösern die geberden. 1, 1, 90;

vgl.sterbendes geberde Gryphius unter I, b. auch noch folg. musz hierher gehören, die gebärden gleich das gebaren:

mit seltsamen gebärden
gibt man sich viele pein:
kein mensch will etwas werden,
ein jeder will schon was sein.
Göthe 4, 315.


7) endlich selbst abgeschwächt zu der allgemeinen bedeutung art und weise, die aus mehreren der angeführten bedeutungen sich bilden konnte und schon im vorigen öfter mit anklingt:

der gar keinerlei geberdn
zum leiden kan gezwungen werdn.
Ringwaldt tr. Eck. C 2a;

da denn nach allerlei geberdn
rechtschaffen wird gesehen werdn (wie u. s. w.). C 3a.

vgl. so östr. par, d. i. gebar, weise, art sp. 1635, schon mhd. selbst aller brôte gebâre gen. 81, 22 D., aller art brote, was ahd. mit species doch auch gemeint sein könnte.
8) eigen auch von naturerscheinungen, in Seb. Brants spruch von dem donnerstein bei Ensisheim:

es sint gesehen wunder vil
im luft comet und füren pfil ...
stosz, bruch des himels und der erd
und ander vil seltzen geberd.
Stöbers Alsatia 1873 s. 63,
Liliencron 2, 308a,

es musz doch wol als ein seltsames gebaren der natur gedacht sein.
 
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geberden, gebärden, zeitwort zum vorigen; es ist erst nhd. entwickelt, so viel bezeugt ist, das alte einfache gebaren vertretend und allmälich verdrängend. auch im 16. jh. noch bei Dasypod., Maaler nicht verzeichnet, im 17. noch bei Schönsleder nicht, und doch vom ersteren selbst schon gebraucht (1, a). übrigens noch nhd. auch berden (s. d.), wie berde für geberde, noch bei Stieler 78 wie eine braut bärden, instar sponsae superbire.
1) intr., wie eben auch bärden, gebaren.
a) geberden machen: gesticulari manibus, mit den henden zierlen oder geberden. Dasyp. 86b; ago gestus, ich geberd, hab geberden. Alberus Bb 2b; grallator, der uf alle weis geberden kan. Cc 2a, vgl. DWB geberdgaukler; mit den schulteren geberden, agere gestum humeris (Cic.). Henisch 1385, 61.
b) gebaren, sich in geberden so und so verhalten: ein verstendiger geberdet weislich, ein narr wirft die augen hin und her. spr. Sal. 17, 24; wol ists fein, wo eine jungfraw oder weib from ist, das sie ehrlich und reinlich gekleidet und gezieret sei und euszerlich fein züchtig geberdet. Luther bei Dietz 2, 17b (vgl. unter geberde 5, c die kleidung eingerechnet); also redet und geberdet, wie er leute fur im hat. das., von Christus (vgl. u. geberde 5, a das reden eingerechnet); das sich einer stellet als ein gott und auch also geberdet. das.;

ich wil also freundlich geberden,
dasz ich noch wol der liebst soll werden.
Alberus Es. 101;

geperd eim wilden thier ganz gleich.
H. Sachs II, 2, 91a;

er geberdet einfältig, ist aber ein arger fuchs. Henisch 1385, 59; anders geberden, als ihm umbs herz ist, ist nicht bidermännisch. das. (das ihm zu einem in geberden gedachten einer oder man);

(weisz) wie die und die gebehrd't, es ist kein weib noch mann,
an welchem sie nicht was zu tadeln finden kann.
Rachel 1, 123.

wolgebehrden, eleganti gestu moveri, übelgebehrden in gestu nimium esse Stieler 79.
c) auch erweitert, wie gebaren, vom verhalten, verfahren in bestimmten fällen, lagen, wie das subst. geberde 6 gleichfalls: aber so spricht er (gott): ich wils uber dein denken und vernunft machen, wil dazu (dabei) geberden als wolt ich liegen und eben (gerade) das widerspiel thun. Luther 4, 113a (1556 122a),

[Bd. 4, Sp. 1737]


vgl. ähnlich von gott unter geberde 4, b; er ist aus dem orden getreten und nun in weltliches priesters kleide geberdet. br. 2, 183; Paulus .. asz, trank und geberdet mit den Jüden nach dem gesetz .. und mit den heiden asz, trank und geberdet er on gesetz. post. 1528 60b, zugleich vom einhalten der cultusgebräuche, die er als geberde (s. d. 4, a) bezeichnet; die am aller fürstlichsten geberden wollen. bei Dietz 2, 17b, wie gebaren, auch von der fürstlichen pracht z. b. bei einem feste.
d) geberden, so und so aussehen, erscheinen, wie geberde 5, d von der erscheinung, auch dem angenommenen scheine, daher 'scheinen und geberden': auch were es kein glaube, wo es schiene und geperdet wie der glaube acht und die wort lauten. und eben darumb ists glaube, das es nicht scheinet und geperdet wie der glaube und die wort lauten. Luther post. 1528 9a (Dietz). gewiss auch sonst in allen andern bed. des subst., dessen bedeutungskreis selbst noch nicht erschöpft ist oben.
2) sich geberden, die jetzt allein übrige gebrauchsform, wie es auch heiszt sich gebaren, sich gebären (s. sp. 1638), gewiss auch im 16. jh. schon: sich närrisch geberden, bardum se facere. Henisch 1385, wie noch jetzt; nun musz ich mich aufs new oder anders geberden, stellen, nunc mihi gestus est capiendus novus. das.; er weisz sich hübsch zugebehrden, elegantem gestum agit. Stieler 79;

bei hof ist lustig leben .. ein jeder ticht und tracht
sich also zu geberden, dasz seiner wird geacht — (echo) gelacht.
Logau 1, 10, 21;

die frau Orgon mag sich nun geberden wie sie will, so hat sie doch nichts an dem gewinnste zu fordern. Gellert 2, 292 (lustsp. 1748 s. 358), anspielung auf die art wie ein zorniger, wütender sich geberdet, 'mag sie noch so böse werden' u. ä.; ich habe bei nonnen gelegen und sie wie andre weiber gefunden, lasz mich nun sehen wie sich eine schwärmerin dabei geberdet. Klinger 3, 168;

vielbedeutend geberdeten sich die priester und summten.
Göthe 1, 276;

ich seh in zierlicher gestalt
ein artig männlein sich gebärden. 41, 106;

Philinen .. die fortfuhr sich mit einer scheinheiligen, unschuldigen miene gar artig zu geberden und zu betragen. 18, 243; die übrigen gebärdeten sich jeder nach seiner art. 18, 257; sie sind ein mann und denken: wie gebärdet sie sich bei einem nothwendigen übel .. die thörin! 19, 86; Newton werde sich seltsam gebärden müssen, um das bedingte .. licht .. darzustellen. 59, 174; es ist auch hier höchst merkwürdig, wie er sich herumdrückt und wie seltsam er sich gebärdet. 59, 168, von wissenschaftlichem verfahren. jetzt wol nur noch so in tadelndem sinne, sich seltsam, toll, wie ein unsinniger geberden u. ä., im hause z. b. zu einem widerspenstigen kinde: geberde dich doch nicht so. auch von verstellung, z. b.: sich geberden als ob man krank wäre Ludwig 699, vgl. DWB gebaren II, 2 so. von angenommenem, unberechtigtem thun überhaupt z. b. er gebärdet sich als genie, als der unentbehrliche u. ä.
3) in kühner neubildung trans., durch geberden darstellen:

gesondert sind die freud' und der zeitvertreib,
wie oft auch dieser jene gebehrdete.
Klopstock od. 1798 2, 29 (verschiedene zwecke),

der blosze zeitvertreib sich wie die wahre freude geberdete. aber mehr trans. als refl. klingt doch auch Henischs mich aufs new geberden unter 2, gestum novum capere.
4) zusammensetzung nachgeberden: er wird sich bald also nachgeberden, hos gestus mox imitabitur Frisch 1, 63a.

 

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