Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürtrefflichkeit bis fürtretung (Bd. 4, Sp. 918 bis 920)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürtrefflichkeit, f. , angemeszner fürtreflichkeit geschrieben, das übertreffen von anderem in hohem grade, und zwar
1) hochangesehene würde, hochherrlichkeit: wie gott die schlüssel der gewalt, Christus die schlüssel der fürtreffligkeit hat. Luther 1, 13a (gegensprüche Johan Tetzels). in titeln: er hat mir deiner fürtrefflichkeit brieff überlieffert, reddidit mihi Eximietatis tuae literas. Aler (1727) 823a; der deiner fürtrefflichkeit diesen brieff bringt, qui hanc epistolam tuae Eximietati apportat. ebenda. doch ist der ausdruck in titulaturen nicht gerade gewöhnlich. vgl. das adj. fürtrefflich 1).
2) das höhersein an geltung weitaus vor anderem, das bessersein weitaus vor anderem. s. DWB vortrefflichkeit. eminentia, fürtreffligkeyt. Dasypodius 128b und danach fürtrefligkeit bei Serranus o 1a. praestantia, fürtrefflicheyt. Dasypodius 233c und danach fürtreflicheit bei Serranus z 8a. dieweil nit allein mit dem werck, sondern auch mit den gedancken ich solche hochwichtigkeit und fürtrefflicheit nicht anrüren, viel weniger erlangen möchte. Amadis 254, 534; ich glaub und halt underthenigst, dasz e. kön. may. der fürtreffligkeit nach, der edlen hochlöblichsten gemüts, gleichmessigs reden, und also wie ich es begere. 299, 633. diese stellen im Amadis neben andern, in denen fürtreffenlichkeit, fürtreffenlicheit sich findet, s. DWB fürtreffenlichkeit. fürtreffligkeit, praestantia. Henisch 1312, 31. die fürtrefflichkeit eurer rede bestehet in der kürtze. Olearius persian. baumg. anhang nr. 88; was das (das wörtlein nichts) vor einen herrlichen nutzen durch das gantze menschliche leben hindurch habe und was vor eine fürtreffligkeit. Schuppius 402; eben die fürtreffligkeit der besoldungen wird ein ruhm dem künstler seyn, ein glori dem patronen, und wird andere auffmuntern. 716; nit allein mit fürtreffligkeit der waffen, sondern mit der freyen und anderer künsten ehr. ebenda. excellentia, fürtrefflichkeit, hoheit. Corvinus fons latinit. (1660) 1, 139a; praestantia, fürtrefflichkeit. 637a. aber gegen ende des 17. jh. neben fürtrefflichkeit auch vortrefflichkeit: für- sive vortrefflichkeit. Stieler 2299. beide formen hat auch Rädlein, jene erste 314a fürtreffligkeit und 1018b richtig fürtrefflichkeit geschrieben, und Ludwig, wenn er sp. 2010 »treflichkeit, vortreflichkeit oder fürtreflichkeit« anführt. dagegen bringen Wilhelmi, Aler, Dentzler, Weismann, Kirsch wieder nur ein für-, kein vortrefflichkeit, und wenn auch der Kirsch nachtretende Matthiä in der ersten ausgabe seines lex. (1748), während

[Bd. 4, Sp. 919]


er »fürtrefflich, vortrefflich« verzeichnet, doch blosz fürtrefflichkeit hat, so enthält die 1761 erschienene dritte ausg. (die zweite fehlt mir) an derselben stelle »fürtreflichkeit, vortreflichkeit«, wie denn auch Steinbach 2, 865 »für-, vortrefflichkeit« bietet. vortrefflichkeit allein nehmen dann Frisch 2, 383b, Hederich, Nieremberger, Moerbeek, Bernhold, Crichton, Weber deutschlat. universalwb., Adelung u. s. w. auf, und fürtrefflichkeit ist von da an aus der schriftsprache verdrängt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreffung, f. das übertreffen, und zwar
1) ein vorzug. mhd. îtel êre ist, sô dû minnest dîn sëlbes lob dur eine schînende furtrëffunge. diu furtrëffunge ist an drîn dingen, an frumekeite, an wîsheite, an gewalte. Mone schausp. des mittelalters 1, 326. dann und vornehmlich
2) was fürtrefflichkeit (s. d.). s. auch vortreffung. furtreffung, precellentia. voc. incip. teuton. f 4b. voc. gemmagemmar. (1505) t 6d. Rädlein 314a stellt fürtreffung mit übertreffung und, wie er schreibt, fürtreffligkeit zusammen, eben so Kirsch (1723) 2, 126a mit fürtrefflichkeit, mit dem es ihm also gleichbedeutend ist. ganz dasselbe hat noch, ihm nachtretend, Matthiä in der ersten ausgabe seines lex. (1748) 2, 153a, aber in der 1761 erschienenen dritten ausgabe (die zweite fehlt mir) 2, 162 ist fürtreffung weggelassen und dafür vortreflichkeit neben fürtreflichkeit gesetzt (s. fürtrefflichkeit), ein deutliches zeichen für das völlige erlöschen von fürtreffung, das zuletzt nur mehr noch in einigen wörterbüchern festgehalten worden war.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreflich, s. fürtrefflich, das adj. und das adv.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreflichkeit, f., s. fürtrefflichkeit.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreftig, adj. vortreflich: ein man fürtrefftig, weis und mechtig in Francken. chron. d. d. st. 3, 283, 6.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreiben , seit Maaler in keinem wb. mehr zu finden, ausgenommen in dem von Steinbach. s. nachher II 4). das herschende wort ist vortreiben (s. d.). fürtreiben steht
I. intransitiv, in der bedeutung: ein thun fortsetzen, in einem thun weiter und weiter beharren. hergegen wo e. l. in dero kummer fortfahren, unnd also fürtreiben. Amadis 164, 343.
II. transitiv, in den bedeutungen.
1) vornhin treiben, zum gegenwärtigsein, zur schau oder zu einem andern zwecke herbeitreiben.
2) hervortreiben, heraustreiben, hinaustreiben. man sihet da (nemlich auf dem lande) besudelte zöttige pauermägde ihre beknötelte küh und seu fürtreiben. Butschky kanzl. 437.
3) vorantreiben, vornher treiben.
4) vorwärts treiben, weiter treiben. auch: durch schieben oder stoszen vorwärts oder weiter rücken. obmoliri, etwas fürtreyben, weyter stossen, oder mit grosser arbeit rucken, kummerlich etwas ausz dem wäg thn, oder vor jm anhin stossen. Frisius (1556) 893b und danach Maaler 151b. bei Steinbach 2, 857 für- et vortreiben.
5) weiter ausüben, noch fernerhin ausüben, auszuüben fortfahren. transigere, fürtreyben, weyter treyben. Frisius 1325b und danach Maaler a. a. o. ich hett nimmer gemeinet, dasz hinder einem weibszbild ewers ansehens und stands solche verfluchte boszheit stecket, und halt gewiszlich, in bedenckung ewer jugent, dafür, dasz (laut sprichwort: was das kind lernet, das treibt und ereygt es in seinem alter), wo jr lenger lebt und diese schelmerey und misztrew fürtrieben, deren jhr schon gewohnet und gepfleget, jhr auch den lufft unnd andere element damit vergifften würden. Amadis 251, 529.
6) vorbeitreiben, vorübertreiben.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreiben, n. der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreten , das, was die wörterbücher anlangt, nur in dem von Steinbach 2, 850 aufnahme gefunden hat und zwar neben vortreten in den bedeutungen vornhin treten, vorwärts gehn, weitergehn, progredi, steht
I. intransitiv. hier seit der mitte des 18. jh. nur vortreten (s. d.). die bedeutungen sind:
1) vornhin treten, zum gegenwärtigsein vor augen treten, zum gegenwärtigsein vor jemand oder andere hintreten:

als nun der liebe tag (der vorladungstag) nach vieler angst erschien,
und schon Apollo war auff seinen thron gestiegen ...:
als, sag ich, sich nunmehr die kläger eingestellt
und endlich auch zuletzt die nase fürgetreten
und hatt ihr, weil ein weib im reden leicht verfällt,
der Venus kleinen sohn zum beystand auserbeten.
Benj. Neukirch, in Hoffmannswaldaus u. s. w. ged. (1695) 1, 207.


2) hervortreten, aus etwas hervortreten. 3) hervorstehend werden, hervorragend werden gegen anderes. 4) sich auftretend vorwärts bewegen, vorwärts hin gehn. 5) vorantreten, vorangehn. 6) schreitend sich vorbei- oder vorüber bewegen.

[Bd. 4, Sp. 920]



II. transitiv, mit beigesetztem acc., den die praepositionskraft erfordert, die sich hier in dem adv. für noch geltend macht. in dieser fügung bedeutet das wort so viel als vertreten (vgl. vertreten): mhd. wan diu wërch dër erbermhërzechait, diu dër mensch hât hie begangen, diu wërdent rëht ze worten dës tages und diu fürsprëchent dëm menschen und fürtrëtent in und lëdegônt in mit rëhter urtailde ab dëm jungesten gerihte. Grieshabers pred. 1, 60;

daʒ ër sich lieʒ fürtrëten
dën sæligen Lanzelëten,
wan ër erkante sîne kraft. Lanz. 5240.

diese bedeutung, die immerhin noch nhd. vorkommen kann, wenn mir gleich keine belegstelle vorliegt, gieng hervor aus der: vor jemand oder etwas hintreten. vgl. DWB I 1) und fürtreter 4).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreten, n., der inf. des vorigen verbums substantivisch.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreter, m.
1) einer der vorangeht oder vorausgeht, sei es um als zuerst gehender zum gehn anderer die bahn zu bereiten, oder weil er den vortritt hat.
2) ein der zeit nach vorausgehender, ein vorgänger der zeit nach.
in beiden bedeutungen ist jetzt vortreter (s. d.) die übliche form.
3) einer der sich übertreibungen gestattet. chron. d. d. städte 3, 99, 2.
4) ein vertreter. s. DWB fürtreten II. da (conj.) da seint so vil heiligen und fürtretter. Keisersberg Marie himelfart 2c; denn so natur mag gnade erlangen, ist Christus kein not zu einem furtretter und mittler. Luther auslegung der epist. u. evang. (Wittemb. 1528) Hh 5b; uber diese zween fürtretter und fürbitter (es sind Christus, von dem es zwei seiten vorher heiszt er vertritt und verbit uns on unterlasz, und der heilige geist gemeint) weisz die schrifft von keinem andern mehr. Mathesius leichpredigten 3, 59b. vgl. vertreter.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtretung, f., das von fürtreten (s. d.) abgeleitete subst der handlung in allen bedeutungen dieses verbums. s. vortretung

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: