Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürtreffenlich bis fürtreflich (Bd. 4, Sp. 914 bis 919)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürtreffenlich, das von dem vorigen adj. abgeleitete adv.: excellenter, fürträffenlich. Frisius (1556) 494a und danach so wie nach andern stellen in dessen dictionar. bei Maaler 151a. du bist allweg eins guten rahts und gemüts, furtreffenlich gescheid. b. d. liebe 188, 2; wo sie (die krone) fürtreffenlich und über alle massen wunderbarlich gemacht unnd geziert. Amadis 301, 638.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreffenliche, f. die fürtreflichkeit, vortreflichkeit. abgeleitet von dem adj. fürtreffenlich. fürträffenliche (die), excellentia, eminentia. Maaler 151a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreffenlichen, adv. was das adv. fürtreffenlich (s. d.). furträffenlich, fürträffenlichen, admirabiliter, egregie, excellenter, graphice, oppidò. Maaler 151a. bei Frisius begegnet die form nicht, wol aber das adv. fürträffenlich.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreffenlichkeit, f. was fürtrefflichkeit, vortrefflichkeit. zusammengesetzt mit dem adj. fürtreffenlich (s. d.) und wie dieses in fürtrefflich, aufgegangen in fürtrefflichkeit. excellentia, fürtreffenlicheyt, grösse. Dasypodius 29c, doch ebenda auch fürtreflichkeyt (s. fürtrefflichkeit). anschawendt dein fürtreffenlichait. Wirsung Cal. (1520) N 6b; nicht allein der höhe unnd fürtreffenlicheit halben, die an demselben (es ist ein kampf gemeint) stunde. Amadis 98, 203; denn Amadis gebraucht sich ritterlich, ... zu erhaltung seiner Oriana wirde, lob und reputation, von welcher wegen er tausent mal gestorben, damit sie in aller fürtreffenlicheit erhalten würde. 203, 427; dann man in dieser welt kein so starck gifft nit findet, welchs diesem wasser widerstehn und schaden bringen mög, dermassen, dasz desselbigen güte und fürtreffenlicheit wegen, sich offt begibt, dasz die vergiffte thier hieher zutrincken kommen und geheilt und unschädlich von hinnen scheiden. 234, 492; darzu verdient er wol durch sein fürtreffenlicheit und grosse mannheit, dasz er von e. k. m. geliebt werde. 256, 540; so dann e. l. auch mit barmhertzigkeit unnd freundlichkeit begabet, welchs die ubrige der fürtreffenlichheit mir zusaget. 360, 766. daneben aber findet sich im Amadis auch fürtrefflicheit (s. fürtrefflichkeit).

[Bd. 4, Sp. 915]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürtreffentlich, adj., die ursprüngliche, in fürtreffent, fürtreffend, das part. praes. von fürtreffen deutlich zeigende zusammensetzung, aus welcher sich fürtreffenlich, fürtreffelich, fürtrefflich, fürtreflich herausbildete, so dasz die participiale zusammensetzung zu einer eigentlich verbalen übergeht: ach liebe frauwen, secht jhr nicht die fürtreffentliche schöne dieses edelmans. Amadis 215, 452; sahe ... neben jr ein junges frewlin sitzen, welchs mit gantz fürtreffentlicher schöne begabet war. 239, 503. doch im Amadis häufiger fürtreffenlich (s. d.) und nur selten fürtrefflich (s. d.), das letzte neben dem adv. fürtreffenlich auch bei Luther.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreffentlich, adv., von dem vorigen adj. abgeleitet: auch ist nicht grosz daran gelegen, ob sie mein nicht wollen durfen: mir ist eben gnug und mehr denn zuviel, dasz etliche laien, und die fürtreffentlich, sich demüthigen, meine predige zu lesen. Luther briefe 1, 436.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtrefflich, adj. , s. vortrefflich. angemeszner fürtreflich geschrieben. über herausbildung der form aus fürtreffentlich, s. dieses und die adjective fürtreffenlich, fürtreffelich. fürtrefflich zeigt sich zuerst um das ende des 15. jahrhunderts: furtrefflich, precellens. voc. incip. teuton. f 4b. im 16. jahrh. verbreitet es sich dann so neben fürtreffenlich, dasz dieses mit dem ende des jh. ganz verdrängt ist. so haben Dasypodius 443a fürtrefflich, fürträfflich, und Serranus y 4a fürtreflich neben fürtreffenlich (s. d.), während freilich Frisius und Maaler dieses letzte fest halten; aber Henisch kennt neben fürtreffend nur fürtrefflich und Hulsius einzig dieses. erst in der zweiten hälfte des 17. jahrhunderts scheint neben fürtrefflich sich vortrefflich geltend zu machen, und Matthias Kramer oder, wie er sich nennt, Krämer in seinem 1678 erschienenen neuen teutschital. dict. verweist bei jenem auf dieses, bei dem er auch die beispiele gibt, ja das 1683 zu Genf herausgekommene teutsch-frantzös.-lat. wb. für einen reisenden hat nur vortrefflich, wogegen Pomeys groszes königl. wb. in seinem deutsch-franz.-lat. theile (Frankf. a. M. 1690) fürtrefflich wie vortrefflich aufnimmt. auch Stieler 2298 bringt beide, doch in einem beigesetzten beispiele blosz vortrefflich. im 18. jh. führen Aler, Wilhelmi, Kirsch nur fürtrefflich an, während Weismann auf dieses bei vortrefflich geradezu verweist, dagegen Rädlein, dann Hederich mit dem ihm folgenden Nieremberger umgekehrt bei fürtrefflich auf vortrefflich. Steinbach 2, 865 verzeichnet »für et vortrefflich« und setzt in den beispielen bald dieses bald jenes, eben so hat der sonst Kirsch nachtretende Matthiä schon in der ersten ausgabe seines lexicons (1748) neben fürtrefflich gleich vortrefflich, ohne dieses später noch einmal an seiner stelle im alphabete zu bringen, und Crichton nimmt beide, fürtreflich und vortreflich, wie er besser schreibt, in ihrer alphabetischen stellung auf, doch fügt er jenem hinweisung auf dieses bei, dem er einen längeren artikel widmet. Frisch 2, 383b, Moerbeek, Bernhold, Weber deutschlat. universalwb., Haas teutsches u. franz. wb. und deutsch-lat. handwb., Bauer deutsch-lat. lex. kennen nur vortrefflich, während Adelung, Scheller, Campe, Heinsius noch fürtrefflich an seiner stelle im alphabete anführen, aber kurzhin auf vortrefflich verweisen, Heyse mit dem beisatze dasz jenes für dieses veraltet sei. dieses letzte hat etwas mehr für sich, als wenn Campe aus unzureichendem grunde fürtrefflich, wie zuweilen selbst gute schriftsteller schrieben, für falsch erklärt. das richtige ist, dasz, zumal da fürtreffen (s. d.) sicher steht, fürtrefflich volle berechtigung hat und sich, wenn sich auch neben ihm im 18. jahrh. die form vortrefflich mehr und mehr geltend machte und, dem an die stelle des mit acc. gesetzten für in der bedeutung vorwärts über, vorwärts über hin (s. oben sp. 621) eingetretenen vor gemäsz, in der umgangssprache überwiegend wurde, doch fort in der schriftsprache erhielt, wofür die unten angeführten so zahlreichen stellen von Göthe und auch stellen von Schiller zeugen. heute freilich ist es durch vortrefflich fast verdrängt.
die bedeutungen gehn von dem grundbegrif »übertreffend« aus und sind:
1) durch höhere stellung oder höhere vorzüge sich vor andern in hohem grade hervorhebend, hochangesehen. fürtrefflich, edel, insignis, clarus. Dasypodius 333d. vast fürtrefflich, praeclarus. ebenda. insignis, fürtreflich. Serranus y 8b. ob sie auch in bischofflicher, konyglicher konigynnischer odder wilcherley wirden, es sey geystlich odder weltlich, furtrefflich weren. Luther bulla cene domini (Wittemberg 1522) B ija; sind nicht die philosophi und weisen ynn Kriechen und sonderlich zu Athen hohe, furtreffliche leute gewesen? J. Jonas das der freie wille nichts sey P iija, s. Ph. Dietz 760b; instruction, wie

[Bd. 4, Sp. 916]


gegen hohen fürtrefflichen personen und mehrer oberkeyt, als key. maie. fürsten, graven, herrn ... sich ... zuhalten sei. formular, allerlei schriften, briefe und instrumente u. s. w. zu stellen und zu geben (Frankfurt a. M. 1556) 16b; vil hohe und fürtrefliche personen. Weckherlin vorr. zu den weltlichen gedichten. mit an gefügt, aber ebenso auch mit von: da kame ein rahtsherr, vom alter des geschlechts fürtreflich und wegen lob der tugend und frombkeit ansehnlich. Schuppius 741.
Hierher gehört auch, wenn sehr fürtrefflicher mann als anrede oder in der weise einer anrede gebraucht wird, wie es Aler (1727) 822b anführt. vgl. DWB fürtrefflichkeit 1).
2) durch übertreffen höhere geltung habend, in hohem grade vortheilhaft für sich bemerklich, in hohem grade anderm oder andern vorzuziehend, praecellens, praestans. wie aber im flusz Gange das beste goldt und edelste perlen gefunden werden, also sol auch indianischer agstein weisz unnd fürtreflich sein. Mathesius Sarepta (1562) 79a; nicht lange nach Mela hat der fürtreffliche mann Plinius ... Micrälius altes Pommern 1, 12;

fürtrefflich frawenvolck es da in menge hat.
Werder Ariost 20, 15, 3, im original

de belle donne ed amorose lieta;

von einem solchen furtreflichen und hochweisen potentaten. Schuppius 96; die excelliren und furtrefflich seyen. 716; in betrachtung das (dasz) di fürtreflichste gemüther nicht so sehr ansehen, was man ihnen schänkt, als was man ihnen schänken wolte. Butschky kanzlei 163; schöne fürtrefliche qualitäten und tugenden ehrt und beschenkt er (der prinz) billich. dessen Patmos 404; Thucidides, der fürtrefliche geschichtschreiber. 407; ein fürtrefflicher dichter, egregius poëta. Steinbach 2, 865; ein fürtreffliches werck, opus egregium et praeclarum. ebenda. diese erfindung (es ist die poetische erzählung Arist gemeint) des fürtrefflichen hrn. p. (professor) Gellerts hat mir so ausnehmend gefallen, dasz ich es gewagt habe, sie auch nach meiner art einzukleiden. E. v. Kleist neue ged. (1758) 39; was hat sie verbrochen, die fürtreffliche, was hat sie verbrochen? 88; nimmer werde ich diesen abscheulichen tag vergeszen, der mir meinen fürtrefflichen freund und dem menschlichen geschlechte seine zierde raubt. 122; die erfahrung zeigt, dasz das römische recht, was in der hauptstadt der welt fürtreflich war, sich für so geringe leute nicht schicke, weil der beweis zu viel kosten erfordert. J. Möser patriot. phant. 2, 247;

er (Friedrich d. gr.) siegt! — — fürtrefflicher gesang,
wir haben noch zu thun:
halt ein, und werde künftig lang,
wenn wir von arbeit ruhn.
Gleim siegeslied nach der schlacht bei Roszbach str. 57;

auch sollen dich (Amor) belohnen ...
fürtreffliche macronen
und süszes zuckerbrot.
Bürger stutzerballade, im alm. d. d. musen 1771 s. 61;

fürwahr ich bin nicht schlimmer
als mancher der sich hoch fürtrefflich preist.
Göthe 4, 53, = als ein hoch fürtrefflicher;

was willst du, redend zur menge
dich selbst fürtrefflich preisen? 332;

was sie ganz fürtrefflich nennen
ist wahrscheinlich nicht das recht. 5, 102, = ein ganz fürtreffliches,

zu fürchten ist das schöne, das fürtreffliche. 9, 178 (Tasso 3, 2);

ich tadl es (die wahl des meisters zur nachahmung) nicht, weil er fürtrefflich ist. 13, 160;

ndem Sie bei jeder unterhaltung Ihrer fürtrefflichen erzieherin ehre machen. 15, 105; ein dutzend geschichten, wo nicht von fürtrefflichen, doch gewisz von guten frauen aussuchen können, um diese bösen weiber zu balanciren. 285; man traute sämmtlichen schauspielern fürtreffliche gaben, glückliche anlagen ... zu. 19, 84; denn es ist von nichts wenigerem als von dem miszbrauch fürtrefflicher und weitauslangender mittel die rede. 21, 177; tadle ich aber, so kann mir begegnen, dasz ich etwas fürtreffliches abweise. 179; unter diesen (neueren schriften) kündigte er uns den landpriester von Wakefield als ein fürtreffliches werk an. 25, 333; ein neues intermezzo ... ist ganz fürtrefflich. 29, 42; unser theurer gefährte, der fürtreffliche Wolff. 31, 229; die stanzen sind ganz fürtrefflich. 32, 195; das fürtreffliche ist unergründlich. 49, 69; von meiner mutter hab ich einen brief gefunden, der fürtrefflich ist. an fr. v. St. 2, 252; das mikroskop ist ganz fürtrefflich und so bequem als

[Bd. 4, Sp. 917]


möglich. 3, 176; empfiel mich deiner fürtrefflichen freundinn. an F. H. Jacobi s. 197 (nr. 96); wer gesteht denn das jetzt wohl unter unsern fürtrefflichen kennern und sogenannten poeten? an Schiller nr. 379 = 3, 334; der kopf ist ganz fürtrefflich. nr. 355 = s. 236; ich sah auch das bewundernswürdige kupfer des letzten königs in Frankreich, in einem fürtrefflichen abdruck aufgestellt. ebenda = s. 237. aber unter diesen fürtrefflich in dem briefe nr. 355 (2. ausg. nr. 363a) und dem gleichlautenden adv. in zwei stellen ebendaselbst begegnet auch einmal das adv. vortrefflich (s. den folg. art.), und in jener ersten stelle des briefes nr. 355, die in den werken 43, 87 wiederkehrt, ist an diesem letzten orte fürtrefflich in vortrefflich geändert, wie auch das in der der stelle 42, 44 die glossen, womit die gelehrtesten männer das fürtreffliche werk geschmückt haben entsprechenden stelle der ersten ausgabe des Götz v. j. 1773 festgehaltene fürtreffliche in dem spätern drucke 8, 35 dem alterthümlichen dieses schauspiels ungemäsz, aber, wie es scheint, dem vorwiegend herschend gewordenen vortrefflich zu gefallen in vortrefflichste geändert wurde, zuerst in der während Göthes aufenthalt in Italien gedruckten ausgabe seiner schriften von 1787. doch findet sich bereits 1784 in der unter Göthes augen gedruckten rede bei eröffnung des neuen bergbaues zu Ilmenau (werke 56, 177): dasz glück und ruf eines so vortreflichen, so vernachlässigten werkes von unserem betragen abhängt. auch bei Schiller liest man in der 1782 erschienenen bearbeitung der räuber für die Mannheimer bühne 4, 1 (Gödeke 2 s. 283) ein fürtreflicher mann! und o ein fürtreflicher mann, während in den übrigen ausgaben dieses schauspiels, in denen die beiden stellen act 4 sc. 2 (Gödeke 2 s. 131) sich finden, ein vortreflicher mann! dann ja ein vortreflicher mann und oh ein vortreflicher mann steht. daneben noch act 1 sc. 2 dieser ausgaben (Gödeke s. 41, 21) vortreffliche plane! allein jenes fürtrefflich kommt, unverdrängt von vortrefflich, auch sonst mehrmals bei Schiller vor: die räuber — das gemählde einer verirrten grosen sele — ausgerüstet mit allen gaben zum fürtrefflichen. schriften (Gödeke) 2, 336, 26; (Karl Moor) gros und majestätisch im unglück und durch unglück gebessert, rückgeführt zum fürtrefflichen. 337, 5; an dergleichen fürtreflichen schilderungen ist dieses gedicht (ein elegisches von Johann Ulrich Schwindrazheim) ... fruchtbar. 380, 31;

der hochselige (Gustav Adolf)
hat immer grosz gedacht von euer gnaden (Wallensteins)
fürtrefflichem verstand und feldherrngaben. werke 363a (Wall. tod 1, 5).

... um ein paar recht fürtreffliche sachen um ein enormes zu erhalten. Joseph v. Beroldingen an Merck, briefe 1, 206; ich danke Ihnen sehr für die mittheilung des fürtrefflichen werkes. Wyttenbach an Merck 504; dasz de Saussure ein fürtrefflicher interpret zwischen Deutschen und Franzosen sey, dies ist gewisz. ders. an Merck 2, 268. spöttisch: fürtreffliche moral! die nur so lang besteht, bis du ein weib antriffst, das dich zu bezaubern im stand ist. L. Ph. Hahn graf Karl v. Adelsberg (Leipzig 1776) 22.
man fügt das wort mit der praep. in, z. b. in etwas fürtrefflich sein; aber früher findet es sich auch mit an gefügt: ehrliche männer, die nicht allein an geschrey der reichthumb, sondern auch an der tugend fürtrefflich seyn. Schuppius 751. eben so mit mit: alsdann wolte ich die verständigste und weiseste schulmeister zusammen ruffen, die nicht allein des verstands halber, sondern auch mit der erfahrnus und freundlichkeit lob, fürtreflich seyn. Schuppius 742.
3) über anderes ansehnlich, beträchtlich: ob seiner fürtrefflichen schönheit. Amadis 276, 581, neben fürtreffentlich (s. d.) und fürtreffenlich (s. d.); der zöllner zunfft fürtreffliche und dem gemeinen nutzen fürträgliche leut gewesen. Lehman 1, 591; ihr werd durch die schönesten schatten der stauden ein gar fürtrefflichen flusz sehen fliessen welcher edel ist mit quel der sauerbrunnenwässerlein und den bädern auffs tauglichste. Schuppius 690.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtrefflich, angemeszner fürtreflich geschrieben, das von dem vorigen adj. abgeleitete adv., s. DWB vortrefflich. mit dieser und jener form, beide mit einander verglichen, verhält es sich ganz so wie bei dem adj., aber es ist auch hier, wie überhaupt bei adverbien, die von adjectiven abgeleitet und diesen gleichlautend sind, in manchen stellen zweifelhaft, welche von beiden wortarten gesetzt wurde. es bedeutet: überaus hervorstechend, in hohem grade hervorstechend, in hohem grade besser als anderes, weit besser als anderes, weit über anderes, in hohem grade vorzuziehend, weit vorzuziehend. s. das adj. fürtrefflich 2). obs fürtrefflicher

[Bd. 4, Sp. 918]


seye dasz reuter auff reuter und landtsknecht oder fuszvolck auff fuszvolck ... treffen sollen. Kirchhof milit. discipl. 149, »vorzuziehen, beszer« (Wilh. Grimm bei aufzeichnung der stelle);

das scheint fürtrefflich schön: denn wer bewundert nicht
den göttlichen verstand, so oft ein könig spricht?
Hagedorn 2, 59;

fürtrefflich! sagte Wilhelm, denn in einer gesellschaft u. s. w. Göthe 18, 186; diese aufgabe ist fürtrefflich ausgeführt. 27, 123; sprich, lieber leser, ob unser Lavater nicht fürtrefflich denkt? 33, 98; ein frauenbild von Holbein, besonders aber eine alte mutter ... und ein liebhaber, der bei ihr (der tochter) steht ..., ist fürtrefflich gedacht, componirt und gemahlt. 43, 100; die kreppel (kräpfel) schmeckten fürtrefflich. an frau v. Stein 2, 159; ich danke meine beste für das frühstück. es schmeckt fürtrefflich. 3, 116; Krause zeichnet ganz fürtrefflich. 82; es wehte (bei der feuersbrunst) kein lüftchen, und wie einmal die spritzen da waren, brannte nichts weiter. unsre anstalten haben sich gut bewiesen und die maschinen fürtrefflich. 191; das kupfer ist übrigens auf dem wege gleichfalls (wie das portrait) fürtrefflich zu werden. an Schiller nr. 355 (363a) = 3, 237; das kupfer thut im ganzen sehr gut und ist in seinen theilen fürtrefflich gestochen. ebenda, aber bei der spätern aufnahme in die werke 43, 88 geändert in das herschend gewordene vortrefflich, wie denn auch in der mehrfachen fürtrefflich des briefes (vgl. die vorige spalte) schon ein auch 43, 88 festgehaltenes vortrefflich unterläuft: sehr charakteristische und vortrefflich tockirte portraitgesichter. neben Göthe schreiben jedoch auch andere noch fürtrefflich, und bei dem adj. sind stellen von Schiller beigebracht. die bisher zum theil so fürtreflich ausgefallenen beantwortungen der aufgestellten dramatischen fragen. Wolfgang Heribert v. Dalberg in der rhein. Thalia 1, 196; es war das evangelium vom cananäischen weiblein, und der herr superintendent legte den text fürtrefflich aus. Merck bei Stahr 126;

zu Bimpelstein, im kloster, lies
sichs Zill fürtrefflich schmecken.
L. Ph. Hahn ged. 220.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtrefflichkeit, f. , angemeszner fürtreflichkeit geschrieben, das übertreffen von anderem in hohem grade, und zwar
1) hochangesehene würde, hochherrlichkeit: wie gott die schlüssel der gewalt, Christus die schlüssel der fürtreffligkeit hat. Luther 1, 13a (gegensprüche Johan Tetzels). in titeln: er hat mir deiner fürtrefflichkeit brieff überlieffert, reddidit mihi Eximietatis tuae literas. Aler (1727) 823a; der deiner fürtrefflichkeit diesen brieff bringt, qui hanc epistolam tuae Eximietati apportat. ebenda. doch ist der ausdruck in titulaturen nicht gerade gewöhnlich. vgl. das adj. fürtrefflich 1).
2) das höhersein an geltung weitaus vor anderem, das bessersein weitaus vor anderem. s. DWB vortrefflichkeit. eminentia, fürtreffligkeyt. Dasypodius 128b und danach fürtrefligkeit bei Serranus o 1a. praestantia, fürtrefflicheyt. Dasypodius 233c und danach fürtreflicheit bei Serranus z 8a. dieweil nit allein mit dem werck, sondern auch mit den gedancken ich solche hochwichtigkeit und fürtrefflicheit nicht anrüren, viel weniger erlangen möchte. Amadis 254, 534; ich glaub und halt underthenigst, dasz e. kön. may. der fürtreffligkeit nach, der edlen hochlöblichsten gemüts, gleichmessigs reden, und also wie ich es begere. 299, 633. diese stellen im Amadis neben andern, in denen fürtreffenlichkeit, fürtreffenlicheit sich findet, s. DWB fürtreffenlichkeit. fürtreffligkeit, praestantia. Henisch 1312, 31. die fürtrefflichkeit eurer rede bestehet in der kürtze. Olearius persian. baumg. anhang nr. 88; was das (das wörtlein nichts) vor einen herrlichen nutzen durch das gantze menschliche leben hindurch habe und was vor eine fürtreffligkeit. Schuppius 402; eben die fürtreffligkeit der besoldungen wird ein ruhm dem künstler seyn, ein glori dem patronen, und wird andere auffmuntern. 716; nit allein mit fürtreffligkeit der waffen, sondern mit der freyen und anderer künsten ehr. ebenda. excellentia, fürtrefflichkeit, hoheit. Corvinus fons latinit. (1660) 1, 139a; praestantia, fürtrefflichkeit. 637a. aber gegen ende des 17. jh. neben fürtrefflichkeit auch vortrefflichkeit: für- sive vortrefflichkeit. Stieler 2299. beide formen hat auch Rädlein, jene erste 314a fürtreffligkeit und 1018b richtig fürtrefflichkeit geschrieben, und Ludwig, wenn er sp. 2010 »treflichkeit, vortreflichkeit oder fürtreflichkeit« anführt. dagegen bringen Wilhelmi, Aler, Dentzler, Weismann, Kirsch wieder nur ein für-, kein vortrefflichkeit, und wenn auch der Kirsch nachtretende Matthiä in der ersten ausgabe seines lex. (1748), während

[Bd. 4, Sp. 919]


er »fürtrefflich, vortrefflich« verzeichnet, doch blosz fürtrefflichkeit hat, so enthält die 1761 erschienene dritte ausg. (die zweite fehlt mir) an derselben stelle »fürtreflichkeit, vortreflichkeit«, wie denn auch Steinbach 2, 865 »für-, vortrefflichkeit« bietet. vortrefflichkeit allein nehmen dann Frisch 2, 383b, Hederich, Nieremberger, Moerbeek, Bernhold, Crichton, Weber deutschlat. universalwb., Adelung u. s. w. auf, und fürtrefflichkeit ist von da an aus der schriftsprache verdrängt.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreffung, f. das übertreffen, und zwar
1) ein vorzug. mhd. îtel êre ist, sô dû minnest dîn sëlbes lob dur eine schînende furtrëffunge. diu furtrëffunge ist an drîn dingen, an frumekeite, an wîsheite, an gewalte. Mone schausp. des mittelalters 1, 326. dann und vornehmlich
2) was fürtrefflichkeit (s. d.). s. auch vortreffung. furtreffung, precellentia. voc. incip. teuton. f 4b. voc. gemmagemmar. (1505) t 6d. Rädlein 314a stellt fürtreffung mit übertreffung und, wie er schreibt, fürtreffligkeit zusammen, eben so Kirsch (1723) 2, 126a mit fürtrefflichkeit, mit dem es ihm also gleichbedeutend ist. ganz dasselbe hat noch, ihm nachtretend, Matthiä in der ersten ausgabe seines lex. (1748) 2, 153a, aber in der 1761 erschienenen dritten ausgabe (die zweite fehlt mir) 2, 162 ist fürtreffung weggelassen und dafür vortreflichkeit neben fürtreflichkeit gesetzt (s. fürtrefflichkeit), ein deutliches zeichen für das völlige erlöschen von fürtreffung, das zuletzt nur mehr noch in einigen wörterbüchern festgehalten worden war.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürtreflich, s. fürtrefflich, das adj. und das adv.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: