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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürträgenlich bis fürtreffend (Bd. 4, Sp. 911 bis 913)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürträgenlich, adj. was das adj. fürträglich: da denn ewern gnaden dunke, da es uns allernützlichost und fürträgenlichost sye. schreiben vom 18. april 1416 in den chron. d. deutsch. städte 5, 349, 8. mit ausfall des t, wie oft bei zusammensetzung des part. praes. mit -lich, statt fürträgentlich, fürtragentlich, und der umlaut des a ist einwirkung des -lich. was die bedeutung anlangt, s. DWB fürtragen 12).
 
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fürträgisch, adj. was das adj. fürträglich. darauf der andere theil nochmals darauf gestanden, dasz es fürträgscher ihres achtens seyn sollt, dasz die letzten punct zuerst vorgenommen würden. Pontanus in Melanchthons werken 2, 286. abgeleitet von dem verbum fürtragen in dessen letzter bedeutung.
 
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fürträglich, adj. förderlich, nützlich, nutzbringend, zuträglich. vgl. DWB fürtragen 12). entweder ohne abhängigen casus, oder mit dat. zur bezeichnung dessen, dem etwas angegebenes förderlich u. s. w. sei: liesz sich dunken, es solt yhm nit wenig datzu furtreglich seyn, wo er doctor Luthern ym heerschildt furet. Luther eyn sendbrief an bapst Leo X. (Wittemberg 1520) A iiijb, s. Ph. Dietz 760a; dasz dieser artikel des friedens dermaszen gestellt, dasz er den evangelischen ständen nichts fürträglich, sondern allein eine verführung sey. Baumgärtner in Melanchthons werken 2, 417; nichts nützlicheres, fürträglicheres und fruchtbareres. abschied Frankf. 1558 in Melanchthons werken 9, 492;

desz ist grosz krieg zu förchten täglich,
solch zwispan ist gut und fürträglich
dem Türcken, der ohn widerstand
wol zwingen mag das teutsche land.
H. Sachs I (1590), 263c;

hierausz thut uns zu mercken bleiben
dasz in den. krieg weiszheit und list
gegen dem feind fürtreglich ist. IV. 2, 84c;

mit fürträglicherm exempel des abbruchs. Frontin v. Tacius 1, 7, 7, bei Fronsperger kriegsb. 3, 236b, im lat. text utiliore exemplo temperantiae; dieweil nach vergleichung dieses lanngwierigenn stritts, irrungen und zweyspaltungenn, dieselbigenn keinem theil weitters furtreglich sein konten, weil aber darausz in kunfftiger zeitt mehr wiederwillenns, getzenncks unnd unraths enndtstehenn und volgen kan ... urk. v. j. 1557 bei Ledderhose kleine schriften 5, 174; mag dir nicht viel fürträglich seyn. Kirchhof wendunmuth 300a, = »zuträglich« (Wilh. Grimm); allezeit fürträglicher und besser. dessen discipl. milit. 9; ist nicht dieser eyner statt oder eyner gemeyn fürträglicher, der kinder zeugt, den der, so eyn eynlitzig leben füret. Fischart ehzuchtb. 505; der zöllner zunfft fürtreffliche und dem gemeinen nutzen fürträgliche leut gewesen. Lehman 591; weil der billigkeit nicht zuwider, sondern vielmehr an ihm selbst nützlich und den parteyen zu ersparung vieler zeit und vergebenen unkostens fürträglich ...: so sollen unsere reichshoffräthe ... reichshofrathsordnung von kaiser Matthias, in Hipp. a Lapide dissertat. de rat. status in imper. rom.-germ. s. 436; diese regel sey recht oder nicht, so ist sie doch fürträglich, und ich habe auch keine andere gelernet. Sigm. v. Birken Margenis 69; das er diejenige parthey, so seinem interesse kan fürträglich seyn, schütze. Butschky Patmos 902; weil ein grosser miszbrauch in dem bücherwesen, indem die buchhändler oft blosz und allein auf ihren vortheil sehen und sich nicht allein an das, so dem gemeinen wesen fürträglich, nicht kehren, sondern auch falsche, schädliche und ärgerliche schriften zu verlegen, einzuführen und zu vertreiben nicht entsehen. Leibnitz 2, 281. am fürträglichsten

[Bd. 4, Sp. 912]


steht adverbialisch: in diesen hohen und voller schrecklicher grosser fährlichkeit sachen ist am fürträglichsten u. s. w. Kirchhof milit. discipl. 92. s. auch gleich nachher.
gern ist das wort mit nütz, nützlich verbunden, in welchem formelhaft erscheinenden verstärkten ausdruck es wol mehr den sinn von »förderlich« hat: weil wir es aber dafür halten, das es seer gut, nutz und fürtreglich sein werde, das diese pestilentzische frucht der luterischen ketzerey ausgetilget werde. Luther 1, 555b; war zu wirt es nütz und fürträglich sein. Spalatinus verdeutschung von Melanchthons anweisung in der heil. schrift. sprichwörtlich: gesatz und ordnung hält man so lang, als sie den leuten nutz und fürträglich seyn. Lehman 1, 293. selbst mit am nützlichsten wird am fürträglichsten wie formelhaft verbunden: welcher meyerhoff am allernützlichsten und fürtraglichsten sey? Schuppius 100. eben so findet sich fürträglich sein zu nutzen gefügt:

sie mochten jhm an dieser stet
nicht nutzen, noch fürträglich sein.
Spreng Il. (1610) 214a.


Stieler 233 scheint kein fürträglich mehr zu kennen, und nimmt blosz vorträglich auf, dagegen hat Steinbach 2, 835 wieder als adj. »für-, vorträglich« und Moerbeek selbst im jahr 1768 noch beide wörter, jedes an seiner stelle im alphabete. doch auch Ludwig, Hederich, Nieremberger gönnen nur vorträglich aufnahme, bei dem weiteres nachzusehen ist.
 
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fürträglich, adv., von dem vorigen adj. (s. d.) abgeleitet, von dem es sich nicht immer scheiden läszt, so dasz manche dort angeführte stellen vielleicht hier stehn sollten. damit nun solche hülf desto fürträglicher und der nothdurfft nach gebraucht und man wissens habe, wie, auch welcher gestalt, masz und zeit, solche hülff beschehen mag, ist beschlossen ... reichsabschied v. j. 1522 §. 1; hab ich ganz fürträglich geachtet. Kirchhof discipl. milit. vorrede, = »zuträglich« (Wilh. Grimm).
 
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fürträglichkeit, f. das förderlichsein, die nützlichkeit, zuträglichkeit, dienlichkeit. s. das adj. fürträglich.
 
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fürtrauen, zu sehr trauen, zu viel trauen, zu viel vertrauen. fürtrüwen, vast (sehr) und zevil treüwen, praefidere. Maaler 151b. Frisius hat das wort nicht.
 
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fürtreffelich, adj. was fürtrefflich (s. d.), zu dem es den übergang aus fürtreffenlich (s. d.) bildet. precellens, fürtreffelich. aus einem voc. incip. teuton. bei Diefenbach 451d.
 
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fürtreffen ,
1) weiter fernhin treffen über —. mit acc.:

warff auff (in die höhe) die scheiben auch hiemit,
thet beyder fürsten marck und zeichen
fürtreffen weit und uberreichen.
Spreng Il. (1610) 334a,

= Ἰλ. 23, 843. schon ahd. furitraf (Graff 5, 527) als glosse zu transit, reichte über —, in des Prudentius peristeph. 11, 100, ferner furitrëphentê = überragende (Docen misc. 1, 239b).
2) übertreffen, an vorzüglichkeit vorgehn, praecellere. auch hier schon ahd. furitrëfan, mhd. vürtrëffen. furtreffen, eminere oder ubertreffen. voc. theut. 1482 i 8b. furtreffen, praecellere. voc. inc. teuton. f 4b. für ausz mögen, fürtreffen, praepollere. Dasypodius 385b u. 188a, nach letzter stelle bei Serranus dict. t 2a praepollere, fürtreffen, für ausz giltig sein. fürträffen, überträffen, der fürnemst seyn. Frisius (1556) 1033b und danach Maaler 151a; praepollere, mächtiger unnd stercker seyn dann ein anderer, an gewalt fürträffen, mer gewalts haben. Frisius 1043a und danach Maaler a. a. o.; praeponderare, höher geachtet werden, mer gälten, fürträffen. Frisius ebenda. fürtreffen, übertreffen, fürtrefflich sein. Henisch 1312, 27. bei Stieler und Weismann fehlt das wort, aber Wilhelmi, Aler, Rädlein, Dentzler, Kirsch nehmen es auf, des letztgenannten nachtreter Matthiä (1748) 2, 153a jedoch, indem er »vortreffen, übertreffen« als gleichgeltend und erklärend daneben setzt, wie denn auch schon vorher Steinbach 2, 865 für- et vortreffen verzeichnet. Hederich und Moerbeek bringen nur vortreffen, auch Nieremberger, der es aber als veraltet bezeichnet. Ludwig und Frisch führen es, wie oben Stieler und Weismann, gar nicht mehr an. in der that ist es durch übertreffen, auf das auch manche wörterbücher bei vortreffen bereits hinweisen, verdrängt worden.
fürtreffen steht hier
a) ohne einen beigesetzten casus, mehr allgemein: min minn und liebe gegen got söllen fürtreffen. N. v. Wyle translat. (Keller) 352, 3; htt dich vor sollichen wercken, die da etwas scheinenn seind oder fürtreffende und ainen namen habend, aber vor allen dingen fleisz dich demtiger verworffner werck, der sich nyemand gern annymmet. Keisersberg predigen (1508) 77b; ein gwonheit ... sol nit verhindern, dasz die warheit

[Bd. 4, Sp. 913]


dester weniger fürtreff und überwinde. Schade sat. u. pasqu. 2, 15, 25, s. auch von s. 14, 14 die stelle unter fürtreffend; sondern die complexen treffen fur und unterdrucken die vernunfft. Paracelsus 1, 505c.
b) mit beigesetztem acc., der das bezeichnet was übertroffen wird. mhd. alse dîn (gott ist gemeint) güete alle die fürtriffet, die in himel sint und ûf ërden, alse gar dînes minnerîchen hërzen dêmuot ist vor allen engelen und allen menschen. bruder David bei Haupt 9, 25; dër (kaiser Titus ist gemeint) furtraf sînen vater an güete, wie frumme dër vater wêre. Closener 13 = chron. d. d. städte 8, 27, 24. vurtryft, praestantior est. aus der ersten hälfte des 15. jh. in Mones anz. 5, 85, 69. nhd. dise thier sind schnälles laufs, mit welchem sy alle gewild fürträffen sollen. Forer thierbuch 67b;

weil die jung welt fürtrifft die alt,
fell ich mein urtheil der gestalt,
dasz man die jugend lasz beleiben,
und thu das alter gar vertreiben.
H. Sachs I (1590), 281b,

der alle Griechen in gemein
fürtraff in ritterlicher that. III. 2, 82d;

wann offt ein ungstalte person
fürtrifft die schönen mit weiszheit
mit tugenden und nutzbarkeit. V, 243c;

der andre menschen wyt fürtrifft. trag. Johannes d. t. F iij;

anteiri ab aliis, von anderen fürtroffen werden. Frisius 101a und danach Maaler 151b. o mein gott, wie furtrifft oder übertrifft doch ein mensch den anderen? Maaler ebenda.

sein (des sternes) glantz die andre liechter gut
am firmament fürtreffen thut.
Spreng Ilias (1610) 304a;

und wie der abent steren gut
mit seinem glast fürtreffen thut
die liechter an desz himelsring. 310b.


c) seltener mit dat., der eben so steht, wie vorhin der acc., also das bezeichnet, dem ein genanntes an vorzüglichkeit vorgeht oder vorzuziehen ist: einem fürtreffen, vorzüglicher sein als derselbe, praepollere, praestare. prompt. von 1618. s. Schmeller 1, 479, wo weiter als beleg: hirschen, beern, lux, wolff, wildkatzen oder andere thier, so andern thieren etwas fürtreffen. gejaidtsordnung von 1616. dann wird s. 555 auf die bairischen landrechte 1616 bl. 780 verwiesen.
S. vortreffen.
 
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fürtreffen, n. das übertreffen. der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums. in gradu equestri clarus, eins grossen nammens und furträffens under dem adel oder ritterschafft. Frisius (1556) 232a.
 
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fürtreffen, adj. anderes übertreffend, vortreflich, ausgezeichnet. das wort scheint der Schweiz eigen zu sein, denn es findet sich nur bei Frisius und Maaler. altus, fürträffen, verrmpt. Frisius 78a und danach Maaler 151a, der noch »eximius, clarus« erklärend beisetzt. aequare quempiam re aliqua, etwar inn als verrmpt und fürträffen seyn als ein anderer. Frisius 50a und danach Maaler a. a. o.; antecellere uberträffen, fürträffen, etwarinn fürträffner seyn und verrmpter. Frisius 101a und danach Maaler 151b; anteire, fürträffen, furträffner oder verrmpter seyn. ebenda.
sollte dieses adj. durch schwinden des auslautes aus fürtreffend (s. d.) entstanden sein?
 
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fürtreffend, das als adj. in dem sinne von fürtrefflich (s. d.) gebrauchte part. praes. von fürtreffen (s. d.). furtreffender, eminens, oder ubertreffenlicher. voc. theut. 1482 i 8b. excellens, fürträffend, fürträffenlich, der ander etwarinn übertrifft. Frisius (1556) 494a und danach Maaler 151a. der (Petrus) schreibt in seiner ersten epistel (cap. 2, 13): seid underworfen einer ieden ereatur umb des herren willen, es sei gleich dem künig als dem fürtreffenden oder seinen fürsten als die von im bestelt werden. Schade sat. u. pasqu. 2, 14, 14, bei Luther dem könige als dem obersten, in der vulgata regi quasi praecellenti.

 

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