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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürtrachtung bis fürtreffelich (Bd. 4, Sp. 907 bis 912)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürtrachtung, f.
1) das vorwärtstrachten, das vorwärtsstreben, das fortstreben, das hinstreben.
2) die vorsehung. providentia. mhd. wie wîse ër (gott ist gemeint) ouch ist, dër sô manicvaltiger dinge aller ganze achte weiʒ unde nimmer ir deheines vergiʒʒet und ordent sie nâch sîner êwigen vürtrahtunge ze dër erwelten vürderunge nâch ir heile. myst. 1, 358, 15.
3) das vorausdenken und darauf gegründete behutsamsein, die voraus- und vorsicht. er (ritter Agraies) mit sinnreichem verstand, fürsichtigkeit und fürtrachtung, wie mit starckmütigem hertzen begabt. Amadis 94, 192.
 
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fürtrag, m. , s. vortrag.
1) die handlung, vor jemand oder überhaupt andern etwas in worten darzulegen:

in dem ersicht er ohn gefehr
in dem creutzgang dort stehn den abbt,
zu dem gieng er, demütig gnapt,
und bot jm einen guten tag
und thet mit schalckheit sein fürtrag,
sprach: ....
H. Sachs II (1591). 4, 92b.

fürtrag thun, fürtragen, aliquid proponere, referre, deferre. Aler (1727) 822a.
2) das was vor jemand oder andern in worten dargelegt wird. des procesz fürtrags halben. cammergerichtsordnung von 1527 am anfange; item nach beyder theyl und allem fürtrag, auch entlichem beschlusz der sachen, sollen der richter, schöffen und urtheyler alle gerichtliche fürtrag und handlung für sich nemen, mit fleisz besichtigen und erwegen. carolina art. 92, fehlt aber in dem entsprechenden art. der bambergensis, also 1507; herr richter, ich sprich, es geschicht billich auf alles gerichtlich einbringen und handlung, was nach des gerichts ordnung recht und auff gnugsame alles fürtrags besichtigung in schrifften zu urtheyl verfasset ist. art. 93;

wenn diser, der da sitzt hiebey,
wil reden nach sim gschwornen eyd,
wirt er sins fürtrags gen (geben) guot bscheyd. trag. Joh. E 5.

was als willensmeinung oder befehl ausgesprochen wird: darnach keiner unsern angelangten fürtrag und erfordern verhindern, sondern denselbigen gehorsam seyn sol. Amadis 326, 694.
In den bedeutungen 1) und 2) bei Frisius, Maaler, Wilhelmi, Aler; dagegen fehlt das wort bei Stieler und Rädlein, die nur vortrag haben. Dentzler und Weismann nehmen fürtrag und vortrag auf, aber dieser das letzte mit verweisung auf vorschlag, jener mit hinweisung auf fürtrag. bei Kirsch und Matthiä findet sich, trotzdem dasz sie fürtragen haben (s. DWB fürtragen), nur vortrag, und Steinbach 2, 835 bringt zwar »für-, vortrag«, setzt aber in den beispielen hierzu blosz vortrag; auch Ludwig, Hederich und Nieremberger führen nur dieses an, das nach dem ersten viertel des 18. jahrh. allein hochdeutsch im gebrauch ist, während fürtrag blosz noch mundartlich bewahrt bleibt.
3) zur besprechung oder zum streiten aufgestellter satz, thesis. ... der sich zu Rom zu disputiern erboten und offenlich uffgeschlagen hett under andern fürtregen und conclusiones auch disze ... Reuchlin augensp. 12b.
4) die beiden vortretenden brüste einer weiblichen person. den ausdruck hört man mitunter im gewöhnlichen leben der gegenden, in welchen statt des heutigen hochd. vor mundartlich für herscht; in der umgangssprache sagt man vortrag (s. d.).
 
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fürtragen , s. vortragen. ahd. furitrakan, furitragan, mhd. vürtragen, nhd. bei Dasypodius nur fürtragen. vgl. 9). aber vortragen erscheint bald daneben. so hat schon Maaler beide wörter, jedes wo es alphabetisch zu verzeichnen ist, und Stieler 2313

[Bd. 4, Sp. 908]


in der nachher unter 9) angegebenen bedeutung »für- sive vortragen «, doch in den beispielen nur das letzte. Wilhelmi, Rädlein, Weismann, Aler nehmen ebenfalls beide, jedes an seiner stelle im alphabete, auf, während Dentzler nach den bedeutungen scheidet, indem er fürtragen die »antragen, offere«, also die unter 4), und vortragen die »vorher tragen, praeferre«, also die unter 9) beilegt. Kirsch verweist bei vortragen auf fürtragen, worin ihm auch sein nachtreter Matthiä (1761) folgt, während umgekehrt Hederich und der ihm nacharbeitende Nieremberger bei fürtragen kurzhin auf vortragen verweisen, zum zeichen dasz dieses bereits weitaus überwiegend sei. Steinbach 2, 835 nimmt zwar noch beide auf und setzt in den von ihm gegebenen beispielen bald das eine und bald das andere, aber Frisch 2, 380c, wie vor ihm schon der so reichhaltige Ludwig, kennt nur vortragen. dieses ist denn auch seit dem ersten viertel des 18. jh. anfangs vorwiegend, später aber allein hochdeutsch im gebrauch, während fürtragen nur noch in mundarten fortdauert, z. b. bair. (Schmeller 1, 484), wetterauisch, oberhessisch u. s. w.
das part. praet. lautet fürgetragen, doch findet sich mitunter, zumal im 16. jh., auch fürtragen. Bedeutungen:
1) hervortragen, heraustragen. mit acc. ahd.

wirdit denne furi kitragan
daʒ frônô chrûci
dâr dër hêlîgo Christ
ana arhangan ward. Muspilli (Schmeller) 103.

Daraus entwickelt sich die bedeutung
2) hervorbringen, zum dasein bringen. ebenfalls mit acc., oder mit accusativisch stehendem ausdrucke: der fürst printz Moritz, ein held von Nassau, der ein stützen des Niederlands, ein zier des Teutschlandes, der ein sohn der victori und des glücks gewesen, vor welchem die vergangene jahr nichts starckmüthigers und verständigers fürgetragen haben. Schuppius 705.
3) vornhin tragen, vor augen bringen, vor das angesicht bringen. mit acc. der sache. mhd.

diu Clinschores rîcheit
wart dâ ze schouwen für getragen. Parz. 760, 19.

zugleich mit dat. der person: mhd.

dën boten rîche gâbeman dô für truoc:
dër hët in ze gëbeneGunther genuoc. Nib. 165, 1.

nhd. waldmann, halte dich zu mir, wie ich zu dir:
so trag ich hier des edlen hirsches gehörn dir für. weidegeschrei in
Fleming teutsch. jäger 1, 280b.

bildlich: seinen aposteln die geleuterte ... lehr von der waren busse und vergebung der sunden inn jhren mundt leget, damit sie ein rein speiszopffer unnd ungesewertes schawbrot unnd ein lautern wein unnd ungefelschte milch unnd saubers kirchengerethe den leuten fürtrugen unnd die klare lehr des evangelij an allen orten inn seinem namen auffopfferten unnd verkündigten. Mathesius Sarepta (1562) 172b.
Daraus geht dann die folgende bedeutung hervor.
4) anbieten, darbieten. fürtragen, antragen, offerre. Dentzler 2, 119b. vornehmlich aber: vornhin bringen zum essen oder zum trinken oder zu beidem, auftragen. apponere mensam, ... furtragen, die trachten darstellen. Frisius (1556) 107a und danach Maaler 151b. mit acc., der ausdrückt was zum essen oder trinken aufgetragen wird: mhd.

ich muoʒ iu von ir spîse sagen.
diu wart mit zühten für getragen. Parz. 32, 29;

daʒ ich die spîse künne sagn,
diu dâ mit zuht wart für getragn. 637, 4;

wan ê man vür trüege
die jungesten rihte:
ze ir aller gesihte
kam dar in dën sal gegân
zwô juncvrouwen wol getàn. krone 29349.

nhd. und hies die selbigen (die fischlein) auch furtragen. Marc. 8, 7. aber meist zugleich mit dat. der person: und man trug jnen essen fur. 1 Mos. 43, 34; da esset was euch wird furgetragen. Luc. 10, 8; er was ein gter zechbrder, nam nit vergt, was jm an seines gnedigen fürsten und herren tisch fürtragen ward, sunder scht jm anderswo gt gselschafft. Wickram rollwagenbüchlein nr. 53 (Kurz s. 95, 2);

der jm ein gute speisz bereyt
und darnach seinem herrn fürtreyt.
H. Sachs IV. 2, 49a;

macht haben, kaufbrod denselben fürzutragen und mit ihnen zu verzehren. weisth. v. j. 1554 in weisth. 3, 643, 25.
5) in worten vorbringen, in einer rede aussprechen, redend darthun, überhaupt zum hören vorbringen. mit acc. der sache.

[Bd. 4, Sp. 909]


mhd.

anders kan ichʒ niht vür tragen,
alsô ichʒ hin und hër verstân.
Teichner s. 141 anm. 180.

nhd. kan die selben (lügen) auffs schönst fürtragen. Luther das 14. u. 15. cap. Johannis (Wittemb. 1538) AA iijb, s. Ph. Dietz 1, 760a; sol ainer allein dz (das) lauter wort gottes fürtragen, warumb machen dann die new christen so vil predigbücher. Eck christenliche underricht 14a. gleicher weise bei Göthe 13, 126 in der treffend alterthümlichen dichtung »Hans Sachsens poetische sendung«:

wenn andre bärmlich sich beklagen,
sollst schwankweis deine sach fürtragen.

fürtragen (part. praet.) werden und z bedencken kommen, cadere in deliberationem, venire in disquisitionem. Maaler 151b, vgl. Cic. de off. 1, 3 §. 9; cadere formula, den handel oder die sach nit recht fürtragen, die sach mit dem fürtrag verhönen und versaumen. Frisius (1556) 168a und danach Maaler a. a. o., = den process verlieren, vgl. Quintil. 3, 6, 69. zuweilen auch mehr in dem sinne von erwähnen, in anführung vorbringen:

und das (dasz) nicht die suiter (jesuiter) sagen,
ich könn nur die zwey ort (puncte) fürtragen,
in denen sie so ungwerd sind.
Fischart nachtrab 470.


in dieser fügung mit bloszem acc. liegt, was fürtragen betrift, etwas allgemeineres, beschränkter dagegen erscheint es mit noch hinzutretendem dat. der person, der zur bezeichnung gesetzt ist, vor wem gesprochen, gesungen, überhaupt zum hören vorgebracht wird: fürtragen der gemeyn, ferre ad populum. Dasypodius 442c. also ward dem junckern die sach durch den schultheissen von wegen der gmein fürgetragen. Wickram rollwagenbüchlein nr. 50 (Kurz s. 90, 16); uns ist Eur schreiben heut datum furgetragen worden, darinnen Ir einen magister an uns vorschrieben, so ein Holsteiner sein sol. churfürst Johann Friedrich an Luther, in Burkhardts briefw. Luthers s. 389; unnd andern ein gut exempel fürtregt. Melanchthon hauptart. christ. l. (im corp. doctr. christ.) 646; da sie ... mit gantz inbrünstiger andacht predig hörten, in welcher die zween ritter jr bitt und anligen gott fürtrugen und anrufften. Amadis 417, 900; dann dadurch kan ... ein armer bauer oder ander unterthan offt gelegenheit gewinnen, seinem herrn seine sache und sein anligen selbst fürzutragen. Schuppius 25;

wan ich dir mein begehren,
mein hertz und hand fürtrag.
Weckherlin 123 (ps. 28, 4),

das mägdgen, so bey mir,
das trug mir nach und nach den handel artig für.
Picander ernstscherzh. ged. 2, 355;

doch traget das den jungfern für,
die sich bey euch ietzt eingefunden. 365.


statt des acc. kann auch ein diesem casus gleichzuachtender satz stehn:

das (dasz) er dem Agamemnon sag
und Menelao auch fürtrag,
was könig Paris sich erbeut.
Spreng Ilias (1610) 90b.


unter diese bedeutung gehört auch, wenn fürtragen auf ziehen in gerichtliche untersuchung geht: vocare in disquisitionem, fürtragen und fürhalten sich über ein ding zu beradten. Frisius 429a und danach Maaler a. a. o., vgl. Sueton. Caes. 15 und Nero 2.
Aus der bedeutung aber geht dann die folgende hervor:
6) lehrend darstellen, lehren. mit acc. der sache und dat. der person. aber es kann auch ein den acc. vertretender satz stehn, der das bezeichnet, was gelehrt wird oder wozu das dargestellte oder dargelegte als beispiel dient. in diesem letzten falle hat fürtragen dann den sinn: als beispiel lehren, als belehrendes beispiel zeigen, zum beispiel dienen, ein beispiel sein. hie müssen uns nu die zween brüder (es sind Esau und Jacob gemeint) fürtragen, wie es zugehet, das (dasz) der segen so seltzam und wünderlich gefellet, das es kein mensch gleubet. Luther 5, 151b.
7) in bildender darstellung von sich geben, bildend darstellen. ohne einen abhängigen casus in allgemeinem sinne: die zeichnung freut mich! — weil ich ganz überzeugt bin, Sie (Charlotte von Stein ist angeredet) werden in kurzem Ihrem gefühl zu dank und liebe fürtragen können. ich zeichne jetzt leider nichts. Göthe an frau v. Stein 1, 43 auszerdem aber mit acc. der sache und dat. der person.
8) vorwärts tragen, vorwärts forttragen. mit acc.
9) vorhertragen, voraustragen. mit acc. der sache und dat. der person. wie war es eine so grosse majestet und herrligkeit, wenn man magistros promoviert und jnen fackeln fürtrug und sie verehrte Luther tischr. 427b, das (dasz) durch

[Bd. 4, Sp. 910]


beschlusz, rath und gemein, ein crucifix den ehrlichen processen, damit man die verstorben zu grab beleitet, ist fürgetragen. Mathesius Sarepta (1562) 194a; als offt er (Johann von Leyden als könig zu Münster) aber auff den platz, oder sonst auszgangen, seind ihm ein gantzer hauffen seiner hofleüt gefolget, unnd fürnemlich zwen, ausz wölcher einer jhm das new testament und kron, der ander aber ein blosses schwert fürtragen müssen. J. Nasus antipapist. eins u. hundert 169b; praeferre, fürtragen. ut: elector Saxoniae imperatori praefert gladium, der churfürst zu Sachsen führet das schwerd für dem keyser her. Corvinus fons latinit. (1660) 1, 257a;

ja die gesammte schaar, die Venus ie bescheinen
mit ihrer sonne liesz, befindet sich allhier,
und trägt Persephonen die hochzeitfackeln für.
Lohenstein in Hoffmannswaldau u. anderer auserl. ged. 1 (1695), 291.

für- sive vortragen, praegerere, praeferre, praeportare. Stieler 2313. Steinbach 2, 835 führt aus Günther an:

befiehl der reinen treu die fackeln für zu tragen.

allein in der mir vorliegenden 1742 erschienenen 3. aufl. der ged. s. 599 steht vorzutragen, was freilich auch änderung von unberufener hand sein könnte.
10) vorbeitragen, vorübertragen. mit acc.: mhd.

hët in daʒ ors niht vür getragen. Iwein 5035;

dô in daʒ ros vür truoc,
dô sluoc ime dër rise einen slac. 5046.

gleicher weise dürfte das wort auch noch nhd. vorkommen.
11) für die zukunft herbeischaffen. bair. du hast d' (dir) scho brav fürtragng. Schmeller 1, 484.
12) zum vortheil vorwärts kommen machen, zum vortheil vorwärts bringen, fördern, förderlich sein, nützen. zunächst ohne beigesetzten acc. allgemeiner: mhd.

die (ärzte) leiten allen iren sin
mit arzâtlîchem liste an in:
waʒ truoc daʒ vür od waʒ half daʒ?
im was doch nihtes dëste baʒ. Tristan 7267 = 183, 29;

diu scham diu wolte minnen
und brâhte ës niemen innen.
waʒ truoc daʒ vür? 11835 = 297, 37.

nhd. das schewen ist umbsonst, und woltest du gleich kriechen
in deiner mutter leib, das pulver nicht zu riechen,
so trägt es doch nicht für.
Opitz 1, 110.

sprichwörtlich: beschisz (betrug) tregt nit für, unrecht faselt nicht. Agricola sprichw. 207a.
zumeist aber steht fürtragen in dieser bedeutung mit acc. zur bezeichnung dessen was gefördert wird oder dem das, was geschieht, zum nutzen gereicht: mhd. unde (dein schwören beim kaufe) treit dich niht vil für, wan daʒ dû alle dîne sælikeit dâ mite verdamnest. Berthold (Pfeiffer) 149, 11;

wëder hëlm und halsbërc
noch dehein sîn ander kamphwërc
daʒn hæte in dâ niht vür getragen,
ërn hæte in durch die ringe erslagen. Tristan 6919 = 175, 1;

nu waʒ treit dich (die Minne ist gemeint) für, ob ich nâch dër vil hërzelieben lieben stirbe?
Gottfried v. Neifen 11, 30;

waʒ treit iuch für, frou Minne, ob ich verdirbe?
waʒ hilfet eʒ iuch, süeʒiu sældenbære? ...
waʒ treit iuch für, frou Minne, ob ich erstirbe?
waʒ hilfet iuch mîn lange wërndiu swære? 50, 37 u. 51, 3;

wênic sie daʒ vür truoc,
wan sie wurden erslagen ze tôt. GA. 1, 422, 1258;

mich (spricht der hahn zum gefundenen edelstein) nuzte baʒ ein gërstenkorn,
denn du. du bist niut nütze mir.
waʒ nützest mich? waʒ sol ich dir?
wiʒʒest, daʒ mich nicht vürtreit
dîn schœni noch dîn edelkeit.
Boner nr. 1, 15.

nhd. was hilft (spricht der bauer zum ritter) dein stechen und dein tanz? ...
mein herte arbait die ist ganz
und trægt die welt pasz für.
Uhland volksl. s. 338, 4;

wie wol er sich tt wagen
sein narung zu erjagen,
wil in doch nit fürtragen
sein vleisz zu kainer frist. 375, 6;

dasz ich umb eines solchen schnödten geldtes willen, dasz mich auch ein ganz jahr nit umb zwey oder drey gulden furtragen möcht, meiner ehren ... vergeszen solt. Willibald Pirckheimer entschuldigung vor dem rathe v. j. 1511, in: zum andenken W. Pirckheimers (Nürnberg 1828) s. 7; darwider sie nicht schützen, schirmen oder fürtragen soll einige tröstung, sicherheit, freyheit oder geleit. landfriede v. 1521 VIII §. 1; alsdann

[Bd. 4, Sp. 911]


soll sie der eyd nichts fürtragen, sondern gegen ihnen, ihren haab und gütern, inmassen, wie oben angezeigt, gehandelt werden. erklär. des landfriedens von 1522 XII;

zu schwach ist unser wort und werk,
uns tregt nit für gewalt und sterk.
Spreng Ilias (1625) 333a;

so wird es euch doch nit fürtragen. 1610 292b;

ihn werden bey mir nicht fürtragen
sein schöne form und manszgestallt. 296a.

s. noch Schmeller 1, 484. doch auch, wenn gleich selten, mit dat. in derselben weise, wie hier der acc. steht und wie jenen casus nützen und helfen bei sich haben können: dann ob ich alle tag käme ..., wurde mir solches nit fürtragen, auch darmit nit geholffen sein. Willib. Pirckheimer a. a. o. 11.
Das verbum erlosch in dieser bedeutung bereits im 17. jahrh.; länger, oder, wie Benecke in seiner ausgabe des Bonerius s. 468 bemerkt, am längsten erhielt sich fürträglich (s. d.).
 
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fürtragen, n. der als subst. gesetzte inf. des vorigen verbums.
 
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fürträgenlich, adj. was das adj. fürträglich: da denn ewern gnaden dunke, da es uns allernützlichost und fürträgenlichost sye. schreiben vom 18. april 1416 in den chron. d. deutsch. städte 5, 349, 8. mit ausfall des t, wie oft bei zusammensetzung des part. praes. mit -lich, statt fürträgentlich, fürtragentlich, und der umlaut des a ist einwirkung des -lich. was die bedeutung anlangt, s. DWB fürtragen 12).
 
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fürträgisch, adj. was das adj. fürträglich. darauf der andere theil nochmals darauf gestanden, dasz es fürträgscher ihres achtens seyn sollt, dasz die letzten punct zuerst vorgenommen würden. Pontanus in Melanchthons werken 2, 286. abgeleitet von dem verbum fürtragen in dessen letzter bedeutung.
 
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fürträglich, adj. förderlich, nützlich, nutzbringend, zuträglich. vgl. DWB fürtragen 12). entweder ohne abhängigen casus, oder mit dat. zur bezeichnung dessen, dem etwas angegebenes förderlich u. s. w. sei: liesz sich dunken, es solt yhm nit wenig datzu furtreglich seyn, wo er doctor Luthern ym heerschildt furet. Luther eyn sendbrief an bapst Leo X. (Wittemberg 1520) A iiijb, s. Ph. Dietz 760a; dasz dieser artikel des friedens dermaszen gestellt, dasz er den evangelischen ständen nichts fürträglich, sondern allein eine verführung sey. Baumgärtner in Melanchthons werken 2, 417; nichts nützlicheres, fürträglicheres und fruchtbareres. abschied Frankf. 1558 in Melanchthons werken 9, 492;

desz ist grosz krieg zu förchten täglich,
solch zwispan ist gut und fürträglich
dem Türcken, der ohn widerstand
wol zwingen mag das teutsche land.
H. Sachs I (1590), 263c;

hierausz thut uns zu mercken bleiben
dasz in den. krieg weiszheit und list
gegen dem feind fürtreglich ist. IV. 2, 84c;

mit fürträglicherm exempel des abbruchs. Frontin v. Tacius 1, 7, 7, bei Fronsperger kriegsb. 3, 236b, im lat. text utiliore exemplo temperantiae; dieweil nach vergleichung dieses lanngwierigenn stritts, irrungen und zweyspaltungenn, dieselbigenn keinem theil weitters furtreglich sein konten, weil aber darausz in kunfftiger zeitt mehr wiederwillenns, getzenncks unnd unraths enndtstehenn und volgen kan ... urk. v. j. 1557 bei Ledderhose kleine schriften 5, 174; mag dir nicht viel fürträglich seyn. Kirchhof wendunmuth 300a, = »zuträglich« (Wilh. Grimm); allezeit fürträglicher und besser. dessen discipl. milit. 9; ist nicht dieser eyner statt oder eyner gemeyn fürträglicher, der kinder zeugt, den der, so eyn eynlitzig leben füret. Fischart ehzuchtb. 505; der zöllner zunfft fürtreffliche und dem gemeinen nutzen fürträgliche leut gewesen. Lehman 591; weil der billigkeit nicht zuwider, sondern vielmehr an ihm selbst nützlich und den parteyen zu ersparung vieler zeit und vergebenen unkostens fürträglich ...: so sollen unsere reichshoffräthe ... reichshofrathsordnung von kaiser Matthias, in Hipp. a Lapide dissertat. de rat. status in imper. rom.-germ. s. 436; diese regel sey recht oder nicht, so ist sie doch fürträglich, und ich habe auch keine andere gelernet. Sigm. v. Birken Margenis 69; das er diejenige parthey, so seinem interesse kan fürträglich seyn, schütze. Butschky Patmos 902; weil ein grosser miszbrauch in dem bücherwesen, indem die buchhändler oft blosz und allein auf ihren vortheil sehen und sich nicht allein an das, so dem gemeinen wesen fürträglich, nicht kehren, sondern auch falsche, schädliche und ärgerliche schriften zu verlegen, einzuführen und zu vertreiben nicht entsehen. Leibnitz 2, 281. am fürträglichsten

[Bd. 4, Sp. 912]


steht adverbialisch: in diesen hohen und voller schrecklicher grosser fährlichkeit sachen ist am fürträglichsten u. s. w. Kirchhof milit. discipl. 92. s. auch gleich nachher.
gern ist das wort mit nütz, nützlich verbunden, in welchem formelhaft erscheinenden verstärkten ausdruck es wol mehr den sinn von »förderlich« hat: weil wir es aber dafür halten, das es seer gut, nutz und fürtreglich sein werde, das diese pestilentzische frucht der luterischen ketzerey ausgetilget werde. Luther 1, 555b; war zu wirt es nütz und fürträglich sein. Spalatinus verdeutschung von Melanchthons anweisung in der heil. schrift. sprichwörtlich: gesatz und ordnung hält man so lang, als sie den leuten nutz und fürträglich seyn. Lehman 1, 293. selbst mit am nützlichsten wird am fürträglichsten wie formelhaft verbunden: welcher meyerhoff am allernützlichsten und fürtraglichsten sey? Schuppius 100. eben so findet sich fürträglich sein zu nutzen gefügt:

sie mochten jhm an dieser stet
nicht nutzen, noch fürträglich sein.
Spreng Il. (1610) 214a.


Stieler 233 scheint kein fürträglich mehr zu kennen, und nimmt blosz vorträglich auf, dagegen hat Steinbach 2, 835 wieder als adj. »für-, vorträglich« und Moerbeek selbst im jahr 1768 noch beide wörter, jedes an seiner stelle im alphabete. doch auch Ludwig, Hederich, Nieremberger gönnen nur vorträglich aufnahme, bei dem weiteres nachzusehen ist.
 
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fürträglich, adv., von dem vorigen adj. (s. d.) abgeleitet, von dem es sich nicht immer scheiden läszt, so dasz manche dort angeführte stellen vielleicht hier stehn sollten. damit nun solche hülf desto fürträglicher und der nothdurfft nach gebraucht und man wissens habe, wie, auch welcher gestalt, masz und zeit, solche hülff beschehen mag, ist beschlossen ... reichsabschied v. j. 1522 §. 1; hab ich ganz fürträglich geachtet. Kirchhof discipl. milit. vorrede, = »zuträglich« (Wilh. Grimm).
 
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fürträglichkeit, f. das förderlichsein, die nützlichkeit, zuträglichkeit, dienlichkeit. s. das adj. fürträglich.
 
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fürtrauen, zu sehr trauen, zu viel trauen, zu viel vertrauen. fürtrüwen, vast (sehr) und zevil treüwen, praefidere. Maaler 151b. Frisius hat das wort nicht.
 
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fürtreffelich, adj. was fürtrefflich (s. d.), zu dem es den übergang aus fürtreffenlich (s. d.) bildet. precellens, fürtreffelich. aus einem voc. incip. teuton. bei Diefenbach 451d.

 

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