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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürthun bis fürträchtig (Bd. 4, Sp. 905 bis 906)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürthun , s. vorthun.
1) vornhin thun, mit acc.
a) vorbinden, vor sich befestigen. fürtuhn sive vortuhn, praecingi. Stieler 2357. eine schürze fürthun, doch heute nur mundartlich; die schriftsprache kennt schon in der zweiten hälfte des 18. jh. blosz noch vorthun. eben so bei eine serviette fürthun, sie für das essen um den hals binden, dasz sie die brust bedeckt und die kleider vor derselben nicht befleckt werden.
b) zu bedeckung und schutz vornhin thun: eben zu gutem glück hat der juncker sein visier fürgethan. Amadis 60; stürmeten die binenkörb, wiewol mit gefahr, dann sie musten das visier fürthun. Fischart Garg. 201b (1608 Aa 5a).
c) zum sperren, zum verschlusse vornhin thun: furthn, beschliessen, obdere. Dasypodius 441a (vgl. 56a) und danach Serranus dict. g 1a, der fürthun schreibt. obex ..., allerley das man etwar für tht oder fürstoszt den durchgang zeverschliessen oder zeversperren, als rigel, sparren, gatter, thürle, schlossz, schrancken. Frisius (1556) 891a. freilich in dieser stelle getrennt für thun, aber mehr in alter weise, denn es könnte eben so gut, als fürstoszt, auch fürtht zu éinem worte verbunden stehn. den riegel fürthun, pessulum ostio vel foribus objicere. Aler (1727) 822a, der aber 2129b eben so wol den rigel vorthun hat. Rädlein, Weismann verweisen auf vorthun, ein zeichen des schwindens von fürthun im schriftdeutschen hier, und wenn auch der Zürcher Dentzler nach seiner Schweizermundart dieses wie jenes, jedes an seiner stelle mit erklärung, aufnimmt, so unterlassen Kirsch und Matthiä ganz in diesem sinne, Hederich und Nieremberger überhaupt fürthun anzuführen und deuten dadurch dessen erlöschen im schriftdeutschen an. alle haben vorthun, und auch Steinbach 2, 786, der »für et vor gethan« ansetzt, bringt in dieser bedeutung blosz den riegel der thüre vor thun. doch hat sich fürthun hier wie in a) und b) bis heute mundartlich erhalten, z. b. wetterauisch, oberhessisch u. s. w.
2) hervorthun, aus etwas herausthun. vgl. Dentzer 2, 119b. mit acc.
3) vorherthun, vorausthun, zuvorthun, eher, als ein anderer oder andere oder als anderes, thun. mit acc. hier z. b. bei Stieler a. a. o. nur ein beispiel und in diesem vorthun.
4) auszeichnend zuvorthun, auszeichnender thun vor —, thun zum vorzug vor —. mit dem acc. es und dem dat. der person: ein fechter in kriegen und schawspielen also erfahren, dasz es jm niemandt fürthun kan. buch d. liebe 226, 3. auch hier hat Stieler a. a. o. »fürtuhn sive vortuhn« mit dem letzten in dem angeführten beispiele, Aler, dann Steinbach eben so wol fürthun als vorthun, und verweisen Rädlein und Weismann bei fürthun kurzhin auf vorthun, während Dentzler in dér bedeutung nur vorthun aufnimmt, Kirsch dagegen mit seinem nachtreter Matthiä blosz fürthun. er thut es allen weit für. Kirsch (1723) 2, 126a. bei Hederich und Nieremberger ist es hier wie unter 1) c), und fürthun erhält sich auch in dem sinne nur noch mundartlich. an diesen schlieszt sich aber an, wenn
5) reflexiv sich fürthun gesagt wird, in der bedeutung: sich hervorthun, sich auszeichnen, durch thun einen andern oder andere übertreffen. s. die stelle von Fischart unter fürsträuben. sich vor andern für thun, superare alios. Steinbach a. a. o.
 
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furticht, adj. durchwatbar zum hinüberkommen, an verschiedenen oder an vielen stellen durchwatbar zum hinüberkommen, vadosus. von furt m. und f. abgeleitet. mhd., wo man vurtëht gesagt haben würde, noch nicht vorhanden und selbst nhd. geht das wort aus fürtechtig (s. d.) bei Dasypodius hervor, das, wenn es verblieben wäre, später zu fürtichtig geworden sein würde.
 
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furtig, adj. vorwärts dringend, vorwärts strebend, wacker, frisch drauf los abgeleitet, wie dortig von dort, von fort oder

[Bd. 4, Sp. 906]


von furt für fort (s. DWB furt oben sp. 900). von dem adj., das durch furtlich (s. d.) gestützt wird, kommt dann ein gleichlautendes adv.; doch steht in der folgenden stelle furtig oder, wie geschrieben ist, furttig verdruckt für fruettig, d. i. fruetig (s. das adv. frutig, frütig):

darnach so zecht man, und ist müettig,
inn geheim tantzt man wol eins gar furttig.
Thurneisser archidoxa 55,

= munter, lebhaft, frisch.
 
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furtig, fürtig, adj. durchwatbar zum hinüberkommen. von furt m. und f. abgeleitet. mhd. und mitteld. vürtec:

bî einem waʒʒer, daʒ dâ flôʒ,
daʒ was vürtic und niht ze grôʒ. troj. kr. 40616;

bildlich: unkunt dër wîsheit fluot
die nie menschen sin durwuot
noch niemer furtic wirt. heil. Mart. 272, 65.

nhd. müste hiernach fürtig gesagt werden, doch würde, wenn das wort noch im 18. jh. vorkäme, furtig gelten.
 
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furtlich, adj. vorwärts wollend, vorwärts strebend, muthig, tapfer:

der houptmann was ein furtlich man,
hett gern das aller best gethan.
J. Lenz Schwabenkrieg 46b.

ein einsam stehendes wort, zusammengesetzt mit furt für fort (s. oben sp. 900). vgl. furtig.
 
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furtmehr, adv., für fortmehr, wie furt (s. d.) für fort.
 
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fürtrab, m. , s. vortrab.
1) der trab voraus, das voraustraben, das was vor allem zuerst kommen musz. so in dem sprichwörtlichen des landesfürsten vortheil musz der privatnutzen lassen den fürtrab haben. Lehmann 1, 646. vgl. DWB fürtraben 4).
2) die heeresmacht oder heeresabtheilung die vor der hauptmacht vorauszieht.
 
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fürtraben , s. vortraben.
1) vor die augen traben, vor jemand zum gegenwärtigsein hintraben.
2) hervortraben, aus etwas heraus traben.
3) vorwärts traben, sich trabend vorwärts bewegen.
4) vorantraben, voraustraben. vgl. DWB fürtrab.
5) vorbeitraben, vorübertraben:

wie wird mein weib vertrogn und arck
jr fest mit jren buben habn,
die jr stehts für das hausz fürtrabn?
die wird sie villeicht lassen ein.
Ayrer fastnachtsp. 68a.


 
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fürtraber, m., s. vortraber. einigemal bei Luther.
 
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fürtrachten ,
1) vorwärts trachten, auf etwas hin fortstreben.
2) im voraus sinnen auf —, im voraus bestrebt sein auf —, im voraus denken auf —, im voraus sehen auf —. mit acc.: fürwar ich besorg und fürtracht mer dein wolfarn dann du selbst. Wirsung Cal. (1520) J iiijb.
 
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fürträchtig, adj.
1) vorwärts trachtend, hintrachtend fortstrebend, hinstrebend. spät mhd.

mîn hërz daʒ ist furtrechtic
nâch dîner suoʒen minn.
Hugo v. Montfort (Weinhold) nr. 1, 52.


2) für die zukunft sorgend, mit voraussicht behutsam, vorsichtig, aufachtend sorgsam: wan er (Theodo) vast fürtrechtig und grosanschlegig was. Ulrich Fütrers chron., bei Schmeller 1, 472;

ein embsig volck (zu Nürnberg), reich und sehr mechtig,
gescheid, geschicket und fürtrechtig.
H. Sachs I (1590), 304d;

sie (die weise frau) ...
ist arbeitsam, häuszlich und echtig (achtsam),
embsig, endlich, weisz und furtrechtig
mit allen dingen in dem hausz. 336a;

ein junger mann,
gantz arbeitsam, embsig und echtig,
fleiszig, genaw, klug und fürtrechtig,
orndlich auch mit zimlicher sparung. 364b;

was lebt, mus alls zu aschen werden,
wie edel, reich, gwaltig und mechtig,
wie weisz, vernünfftig, und fürtrechtig. V, 334b;

ich bin gschickt, weisz und fürtrechtig
und bin inn eim hehrzug mächtig.
Fronsperger kriegsb. 3, 88b;

werest du aber fürtrechtig, und gedüchtest das endt. Paracelsus 2, 600a. in folgenden stellen ist es ungewis, ob das adj. oder das adv. steht:

darumb so lassend uns ohn spott
fürträchtig schawen zu den sachen,
auff das wir frid mit jhnen machen.
Spreng Ilias (1610) 90a;

bracht der schwedisch könig groszmächtig
noch mehr schauessen, ganz fürträchtig.
Opel u.
Cohn d. dreiszigj. krieg nr. 64, 68.


Vgl. unfürträchtig.

 

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