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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
furthauen bis furtig (Bd. 4, Sp. 904 bis 905)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) furthauen, fortfahren, wie angefangen weiter thun, wie gethan weiter thun. pergere, furthauwen. Schöpper synon. nr. 13. wol in diesem allgemeinen sinn in der oberdeutschen sprache, aus der Schöpper zur kenntnis für seine westfälischen landsleute schöpfte.
eigentlich, wie forthauen 1), im oder mit hauen fortfahren, dann auch so viel als forteilen, fortlaufen, sich geschwind fortbewegen, gleichsam mit den füszen in geschwindem fortbewegen den boden schlagen, z. b. »der fuchs hawt fort, pergit currere«. prompt. v. 1618 bei Schmeller 2, 130. s. auch hauen 13). hieraus nun gieng jene allgemeinere bedeutung fortfahren, pergere, hervor.
 
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furtheil, m. und n., s. vortheil. unnd solten darzu den vheind in seinem furteil angreiffen. schreiben Philipps des groszmüthigen v. 1547 in Rommels Philipp der groszm. 3, 172. s.furtel.
 
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fürtheil, m., und vorzugsweise n., s. vortheil. 1) das vordere theil. 2) ein voraus zukommender oder gegebener theil.
 
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fürtheil, n. in unrichtiger schreibung statt viertheil, viertel (s. d.). disz hinter fürtheil vom hasen (mit erlaubnusz ewer weidmännischer rhetorich also zu reden), wie dürr die arszbacken scheinen, sind gut für die patengrämische hackbrettdäntzer. Fischart Garg. (1608) Ffiiija.
 
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fürtheilen, durch urtheil zuerkennen. mit acc. der sache und dat. der person. so im 15. jh. einem etwas fürtailen, ihn dazu verurtheilen. Schmeller 1, 441.
 
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furthel [furtel], m., s. vorthel. eben so, wie dieses wort durch abschwächung seines letzten theiles aus vortheil entstanden ist, aus furtheil (s. d.) hervorgegangen. leut die ... sich damit auch sunderlich schicken dasz sie den grösten furtel und gewin haben. Schade sat. u. pasqu. 2, 49, 25.
 
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further, fürther, adv., in nicht zu billigender schreibung statt fürter. so z. b. hat in der unter dieser form auf der vorigen spalte angeführten stelle aus bruder Rausch A ij der von Schade besorgte druck im weimar. jahrb. 5, 409, 384 fürther. further ist der lanndtgrave im mittelzug plieben. Philipps des groszmüth. bericht vom Ingolstadter zug, in Rommels Philipp. d. groszm. 3, 157.
 
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furthin, fürthin, adv., s. forthin. zu den dort gegebenen stellen mögen hier noch nächträglich stehn: caetera, heraffter, hernach, hinfürt, fürthin. amodo ..., von nn an, nun fürthin. Alberus dict. n 1b; ich wolt mich furthin bass fursehen, es sölt mir nit mehr not geschehen. dessen wider Witzeln M 4b; du solt auch selbst furthin teglich mes lesen. M 6a, auf derselben seite aber auch besser fürthin dein leben, so will ich dir dein sund vergeben;

ach (spricht das geangelte fischlein zum fischer) lasz mich gehn, dieweil ich noch
klein binn: ich werd dir fürthin doch. dessen Esop (1550) 117;

[Bd. 4, Sp. 905]



da nam das stoltz pferdt seinen lohn,
das (dasz) nun fürthin das köstlich pferdt
nicht wol war zehen gülden werdt. 130;

solt ich fürthin erst ein handtwerck treiben,
so mszt ich villeicht in zwilchen gan,
sunst trag ich sammet, gold, seyden an. Berner fastnachtspiel von 1522 B 7b;

nun geht mit mir, ich wil euch geben
noch ein recept, das (dasz) jr mügt leben
fürthin frölich in stiller ruh.
H. Sachs III (1588). 3, 8c;

das wolt er an jhn rechen allen,
auff dasz ander stätte fürthin
hetten dest grösser sorg auff jhn. IV. 2, 87c;

fürthin zu eim gmahel zu han. V, 265d.

fürthin bei Schade sat. u. pasqu. 2, 229, 1200. 3, 132, 29. aber gnediger herr, fürthin ist nicht mehr von nöthen, dasz e. g. sich also verhelingen. Amadis 168, 353. alle diese stellen zeigen die geläufigkeit der form fürthin im 16. jahrh., die mit furthin später erlosch.
 
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fürthun , s. vorthun.
1) vornhin thun, mit acc.
a) vorbinden, vor sich befestigen. fürtuhn sive vortuhn, praecingi. Stieler 2357. eine schürze fürthun, doch heute nur mundartlich; die schriftsprache kennt schon in der zweiten hälfte des 18. jh. blosz noch vorthun. eben so bei eine serviette fürthun, sie für das essen um den hals binden, dasz sie die brust bedeckt und die kleider vor derselben nicht befleckt werden.
b) zu bedeckung und schutz vornhin thun: eben zu gutem glück hat der juncker sein visier fürgethan. Amadis 60; stürmeten die binenkörb, wiewol mit gefahr, dann sie musten das visier fürthun. Fischart Garg. 201b (1608 Aa 5a).
c) zum sperren, zum verschlusse vornhin thun: furthn, beschliessen, obdere. Dasypodius 441a (vgl. 56a) und danach Serranus dict. g 1a, der fürthun schreibt. obex ..., allerley das man etwar für tht oder fürstoszt den durchgang zeverschliessen oder zeversperren, als rigel, sparren, gatter, thürle, schlossz, schrancken. Frisius (1556) 891a. freilich in dieser stelle getrennt für thun, aber mehr in alter weise, denn es könnte eben so gut, als fürstoszt, auch fürtht zu éinem worte verbunden stehn. den riegel fürthun, pessulum ostio vel foribus objicere. Aler (1727) 822a, der aber 2129b eben so wol den rigel vorthun hat. Rädlein, Weismann verweisen auf vorthun, ein zeichen des schwindens von fürthun im schriftdeutschen hier, und wenn auch der Zürcher Dentzler nach seiner Schweizermundart dieses wie jenes, jedes an seiner stelle mit erklärung, aufnimmt, so unterlassen Kirsch und Matthiä ganz in diesem sinne, Hederich und Nieremberger überhaupt fürthun anzuführen und deuten dadurch dessen erlöschen im schriftdeutschen an. alle haben vorthun, und auch Steinbach 2, 786, der »für et vor gethan« ansetzt, bringt in dieser bedeutung blosz den riegel der thüre vor thun. doch hat sich fürthun hier wie in a) und b) bis heute mundartlich erhalten, z. b. wetterauisch, oberhessisch u. s. w.
2) hervorthun, aus etwas herausthun. vgl. Dentzer 2, 119b. mit acc.
3) vorherthun, vorausthun, zuvorthun, eher, als ein anderer oder andere oder als anderes, thun. mit acc. hier z. b. bei Stieler a. a. o. nur ein beispiel und in diesem vorthun.
4) auszeichnend zuvorthun, auszeichnender thun vor —, thun zum vorzug vor —. mit dem acc. es und dem dat. der person: ein fechter in kriegen und schawspielen also erfahren, dasz es jm niemandt fürthun kan. buch d. liebe 226, 3. auch hier hat Stieler a. a. o. »fürtuhn sive vortuhn« mit dem letzten in dem angeführten beispiele, Aler, dann Steinbach eben so wol fürthun als vorthun, und verweisen Rädlein und Weismann bei fürthun kurzhin auf vorthun, während Dentzler in dér bedeutung nur vorthun aufnimmt, Kirsch dagegen mit seinem nachtreter Matthiä blosz fürthun. er thut es allen weit für. Kirsch (1723) 2, 126a. bei Hederich und Nieremberger ist es hier wie unter 1) c), und fürthun erhält sich auch in dem sinne nur noch mundartlich. an diesen schlieszt sich aber an, wenn
5) reflexiv sich fürthun gesagt wird, in der bedeutung: sich hervorthun, sich auszeichnen, durch thun einen andern oder andere übertreffen. s. die stelle von Fischart unter fürsträuben. sich vor andern für thun, superare alios. Steinbach a. a. o.
 
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furticht, adj. durchwatbar zum hinüberkommen, an verschiedenen oder an vielen stellen durchwatbar zum hinüberkommen, vadosus. von furt m. und f. abgeleitet. mhd., wo man vurtëht gesagt haben würde, noch nicht vorhanden und selbst nhd. geht das wort aus fürtechtig (s. d.) bei Dasypodius hervor, das, wenn es verblieben wäre, später zu fürtichtig geworden sein würde.
 
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furtig, adj. vorwärts dringend, vorwärts strebend, wacker, frisch drauf los abgeleitet, wie dortig von dort, von fort oder

[Bd. 4, Sp. 906]


von furt für fort (s. DWB furt oben sp. 900). von dem adj., das durch furtlich (s. d.) gestützt wird, kommt dann ein gleichlautendes adv.; doch steht in der folgenden stelle furtig oder, wie geschrieben ist, furttig verdruckt für fruettig, d. i. fruetig (s. das adv. frutig, frütig):

darnach so zecht man, und ist müettig,
inn geheim tantzt man wol eins gar furttig.
Thurneisser archidoxa 55,

= munter, lebhaft, frisch.

 

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