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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstmächtig bis fürstoszen (Bd. 4, Sp. 892 bis 893)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstmächtig, adj. wie ein fürst mächtig, fürstenmacht habend, wie fürstenmacht habend. davon ein adv., das dem adj. ganz gleich ist, weshalb ungewis bleiben kann, ob jenes oder dieses gesetzt wurde:

sach sitzen einen herren prechtig,
herrlicher geberd, stoltz, fürstmechtig.
H. Sachs I. 1, 102b (1590 75d).


 
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fürstmals, adv. sobald als. Schmid 193. zusammengesetzt mit fürst sp. 851.
 
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fürstmann, m. ein fürst der vasall ist, princeps vasallus. pl. fürstmannen: von gots gnaden Johann (Weisz von Fauerbach), dechandt und daʒ capittel gemeynlich des dumes zu Mentze, allen und iglichen des egenanten stifftes furstmannen, edelmannen, burgmannen, dinstmannen, amptluden ..., entbieden wir unsern fruntlichen grusz. v. j. 1419 in Gudenus cod. diplomat. 4, 122.
 
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fürstmäszig, adj. eigentlicher zusammensetzung, für die später die uneigentliche fürstenmäszig (s. d.) sich bildete. es bedeutet
1) fürstlichen personen ebenbürtig, ihnen gleichstehend. solche fürstmäszige personen sind im ehemaligen deutschen reiche neben landgrafen und markgrafen die wirklichen reichsgrafen, auch die reichsständischen edlen herrn die volle landeshoheit besaszen. vgl. DWB fürst 8). wie chrfürsten, fürsten und fürstmeszigen einander zu recht fordern solln ..... der klagend chrfürst, fürst oder fürstmeszig u. s. w. des heil. röm. reichs ordnungen, Worms 1539, 18b. 19a; doch soll in sachen, churfürsten, fürsten und fürstmäszige betreffend, der cammerrichter selbst oder, seines abwesens, der graffen oder herren einer sitzen. concept der neuen kammergerichtsordn., Wetzlar 1716, s. 31.
2) als fürsten einander gleichstehend, in der fürstenwürde einander nahe oder gleichstehend. Franckreich und Engelland machen fried miteynander, .... nimmt eyner des andern orden an, welches eyn grosz zeychen sein soll der freundschafft

[Bd. 4, Sp. 893]


unter fürstmessigen personen. G. Nigrinus papist. inquisition s. 666.
3) einem fürsten oder überhaupt fürsten gemäsz, einem fürsten oder überhaupt fürsten geziemend oder gebührend.
 
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fürstmäszig, das von dem vorigen adj. abgeleitete adv.
 
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fürstmildiglich, adj. fürstliche milde erweisend. davon das gleichlautende adv. in demselben sinne oder auch in dem: mit fürstlicher milde.

das du, mein gnädger herr und fürst,
ihm aus dem achten blatt des buches vorzulegen
fürstmildiglich geruhen wirst.
Wieland 10, 344.


 
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fürstmündig, adj. zur überzeugung oder auch überredung eines fürsten beredt: Jeronymum hat man genannt einen christlichen doctor, Bernhardum einen fürstmündigen lehrer. Luther tischreden (1568) 375b.
 
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fürstopfen, s. vorstopfen. sie (die ehefrau) kan mit jhm (ihrem ehewirth) weinen, auch gleich wider lachen, nachdem man auff der papyrmühl bald den zapffen für stopfft. Fischart Garg. 71b (1608 H 7b).
 
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fürstören, hervorstören, durch gewaltsames bringen aus ruhe und ordnung hervorkommen machen. vor-, für- et herfürstören, in lucem protrahere, educere, obruta eruere. Stieler 2173. mit acc. S. DWB vorstören, hervorstören.
 
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fürstosz, m.
1) das schwarzbraune wachs, womit die bienen die zugänge, insbesondere gegen den winter das flugloch ihres stockes verstopfen, das stopfwachs. s. DWB vorstosz. für- et vorstosz (der), propolis, i. e. materia cerosa, quae in alveariis prae spiraculis reperitur. Steinbach 2, 729. später kommt fürstosz nur noch landschaftlich vor; schriftdeutsch ist vorstosz (s. d.).
2) über den rand ragender ansatz. vgl. DWB fürstoszen II 2). nur noch landschaftlich, z. b. wetterauisch, oberhessisch u. s. w.; auch hier gilt heute schriftdeutsch vorstosz.
 
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fürstoszen , s. vorstoszen.
I. intransitiv, in den bedeutungen:
1) sich vorn hinaus erstrecken, vorragen, über den rand hinaus ragen. für- et vorstoszen, prominere. Steinbach 2, 729.
2) im laufe der begebenheiten zukommen, vorfallen, sich darbieten. für- et vorstoszen, obvenire. Steinbach a. a. o. demnach unser allergnädigster kaiser ... begehret, dasz die fürsten und stände zu höchst nothwendiger und fürstoszender äuszerster angelegenheit der festungen eine hilfe dargeben. verhandlungen der schles. fürsten u. stände v. j. 1618 s. 3. mit dat. der person: seind im wider neuwe reisen und reichshendel fürgestossen, das (dasz) er nit rw haben können. Melanchthon oration von hertzog Friderichen, deutsch von Lauterbeck (Frankf. a. M. 1563) 28. es stöszt mir itzt eine gute gelegenheit für, nunc mihi occasio opportuna offertur. Steinbach a. a. o.
II. transitiv, mit beigesetztem acc., in den bedeutungen:
1) vornhin stoszen zum sperren oder zum verschlusse. ahd. furistôʒan. Graff 6, 734. mhd. läszt sich ein vürstôʒen in diesem sinne nicht beibringen, aber auf bildung eines solchen schlieszen nach dem gebrauche von stôszen in der fügung mit der praep. vür in

stôʒ dën rigel für die tür.
Walther 87, 11. 14.

nhd. »obdere, etwas fürstossen oder für etwas thn.« Frisius (1556) 889b; »obdere pessulum ostio, den rigel fürstossen, versperren, verriglen.« ebenda. nach beiden stellen bei Maaler 150d. obex, ein fürschub oder fürwurff, sperling, allerley das man etwar für tht oder fürstoszt den durchgang zeverschliessen oder zeversperren, als rigel, sparren, gatter, thürle, schlosz, schrancken. Frisius 891a. fürstossen, obdere, objicere. Dentzler 2, 119. fürstossen den riegel, pessulum ostio obdere. Kirsch (1723) 2, 126 und danach Matthiä (1761) 2, 161b. in späteren wörterbüchern fehlt das wort, das sich fortan nur noch mundartlich erhält.
2) vorn ansetzen, zum hervorstehen ansetzen, durch annähen zum hervorstehen ansetzen. für- sive vorstoszen, praesuere, et assuere. Stieler 2180, der aber in dem beigefügten beispiele vorstoszen hat, ein zeichen, dasz dieses hier bereits vorwiegt. in dem 18. jh. wird dann fürstoszen auch in dieser bedeutung blosz mundartlich, wie es heute noch fortlebt. übrigens kann das wort auch ohne acc. gesetzt werden, der dann hinzuzudenken ist.
3) vornhin zum voraussein stoszen, rasch vor sich vornhinaus bewegen. obtrudere, fürstossen, vor jm anhin stossen. Frisius 901b, ebenso 1084a bei »protrudere«; propellere, vor jm hinwäg treyben, fürstossen, dannen stossen. 1077a. nach diesen drei stellen dann bei Maaler a. a. o. fürstossen, vor jm anhin stossen.
4) vornhin stoszen zum sich vorausbewegen, vornhin stoszen zum vorausgehn, dann so viel als vornhin schieben zum vorausgehn,

[Bd. 4, Sp. 894]


zum vorausgehn nöthigen. ein mhd. vürstôʒen läszt sich wol hier vermuthen, zumal da stôʒen mit dem praepositionaladverb vür gefügt wird: mhd.

dën zwein ir tugent daʒ geriet,
daʒ si dën jungen (den jungen ritter) stieʒen für. Lanz. 801.

auch nhd. weisz ich keinen beleg beizubringen, doch ist das wort in diesem sinne immerhin möglich.
5) rach vorwärts vor sich hinaus bewegen, rasch vorwärts entgegenbewegen. mhd. dën schilt vür stôʒen, auch bildlich so viel als entgegnen, sich vertheidigend entgegnen:

dër irrære lange
manegen schilt für stieʒ. Servatius 1003.

nhd. den schildt er mit der handt für stiesz.
Spreng Il. (1610) 302a.


6) rasch hin bewegen, weit hinaus bewegen. bildlich: über anderes setzen, erheben. auch hier darf ein mhd. vürstôʒen vermuthet werden, wenn man stôʒen in seiner fügung mit vür in der bedeutung betrachtet: mhd.

sîn dienest wær gein in sô grôʒ,
daʒ vor andern sînn genôʒen
was gezilt und gestôʒen
sîn hôher prîs sô vërre für. Willeh. 378, 22.

hier nhd. wiederum keine belegstelle, aber möglich in dem sinne.

 

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