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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstlichkeit bis fürstmildiglich (Bd. 4, Sp. 891 bis 893)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstlichkeit, f.
1) die hoheit die die fürstenwürde in der stellung gibt. zunächst als titel und dies bereits in dem j. 1412:

dô bitt ich iuwer fürstelichkeit
das ir uns zuo dëm schiffe geleiten. Dioclet. 6284.

nhd. hër konik, eur schaden tut uns ant,
darumb auf weisheit ich mich fleisz,
das ich euch rat, in welcher weis
ir euren feinten tut angesigen
und mit eur furstlichkeit in obligen,
als ich euch hie wil wissen lan. fastnachtsp. 76, 9;

was eure fürstlichkeit (Wallenstein ist angeredet) bewegen mag,
also zu thun an ihrem herrn und kaiser,
gebührt nicht uns, zu richten und zu deuten.
Schiller 363 (W. tod 1, 5).


2) fürstliche hoheit, fürstliche gesinnung, fürstliches wesen in denken und thun:

o schöne rückkehr ächter fürstlichkeit (bei könig Philipp von Frankreich)!
A. W. Schlegel Shaksp. könig Johann 3, 1.


3) eine gesammtheit von personen, die die fürstenwürde besitzen: kaiser Friedrich II. ist als die schönste blüte der romantischen fürstlichkeit zu betrachten. Augsb. allgem. zeitung 1846 s. 286. wenn aber hier das wort, in engster verbindung mit 2), als collectivum erscheint, so geht es in der folgenden bedeutung auf die einzelne person der gesammtheit über:

[Bd. 4, Sp. 892]



4) eine die fürstenwürde besitzende person, eine fürstliche person in hinsicht ihrer hohen würde. hier steht das wort besonders im plur.:

doch beut der hof mit seinen fürstlichkeiten,
baronen, herrn, den schönsten anblick dar.
Gries Ariost 17, 21;

ich war der fünfte zu vier fürstlichkeiten. Göthe an frau von Stein 2, 156; ich trete in die grosze welt, ich werde mit fürstlichkeiten vertraut umgehen. Tieck 10, 163; der könig wohnte mit allen prinzen des königlichen hauses und andren fürstlichkeiten dem feste bey. dorfzeitung 1844 s. 144b; sie sprachen gegen einander nur mit verehrung von den fürstlichkeiten. Auerbach auf der höhe 3, 126; der könig von Preuszen mit andern fürstlichkeiten, mit Bismarck und Moltke, ist heute mittags ... angekommen. Augsb. allg. zeit. 1870 s. 3538b.
 
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fürstlichreich, adj. wie ein fürst reich. davon ein gleichlautendes adv.:

ihr (der schönen gräfin) geiziger papa
erwählte drum den herrn von A.
zum schwiegersohn, weil herr von A.
sich fürstlichreich begütert sah.
Weppen im Göttinger musenalm. 1777 s. 124.


 
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fürstling, mitunter bei H. Sachs nürnbergisch für fürstlichen als casus schwacher biegung des adj. fürstlich bei einem subst.:

und wird zu mal
bald kommen in den fürstling saal. IV. 2, 38b;

hab mich auch auff dem fürstling sal
ewer dienerin gschetzt allmal. I (1590), 94a;

erhöhen dich in fürstling ehren. g 1d.


s. über die bildung Schmeller die mundarten Bayerns 85, 420.
 
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fürstlöblich, adj. löblich wie einem fürsten oder einer fürstlichen person gebührt oder eigen sein soll. davon ein gleichlautendes adv.: es werden ew. fürstl. gn. ... der so edlen ... haubtsprache grundrichtiges, kunstmesziges vermögen, zu billiger werthaltung und nutzreichster kundmachung, weiter fürstlöblich befoderen. Schottelius haubtspr. b 4b.
dem kanzleistil eigen oder doch nach ihm aussehend.
 
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fürstloch, n. ein in dem fürst des daches gelassenes loch, wol zu luftzug und hellung:

wil den sack am boden aufftrennen
und wil jn obn im stadel hoch
hinein hencken durch das fürstloch.
H. Sachs V, 388a;

sein bodenlosen sack mit zoch
und hieng jn nein durch das fürstloch. ebenda.

mit ü für i, denn eigentlich firstloch. s. DWB fürst sp. 850, first.
 
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fürstmächtig, adj. wie ein fürst mächtig, fürstenmacht habend, wie fürstenmacht habend. davon ein adv., das dem adj. ganz gleich ist, weshalb ungewis bleiben kann, ob jenes oder dieses gesetzt wurde:

sach sitzen einen herren prechtig,
herrlicher geberd, stoltz, fürstmechtig.
H. Sachs I. 1, 102b (1590 75d).


 
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fürstmals, adv. sobald als. Schmid 193. zusammengesetzt mit fürst sp. 851.
 
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fürstmann, m. ein fürst der vasall ist, princeps vasallus. pl. fürstmannen: von gots gnaden Johann (Weisz von Fauerbach), dechandt und daʒ capittel gemeynlich des dumes zu Mentze, allen und iglichen des egenanten stifftes furstmannen, edelmannen, burgmannen, dinstmannen, amptluden ..., entbieden wir unsern fruntlichen grusz. v. j. 1419 in Gudenus cod. diplomat. 4, 122.
 
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fürstmäszig, adj. eigentlicher zusammensetzung, für die später die uneigentliche fürstenmäszig (s. d.) sich bildete. es bedeutet
1) fürstlichen personen ebenbürtig, ihnen gleichstehend. solche fürstmäszige personen sind im ehemaligen deutschen reiche neben landgrafen und markgrafen die wirklichen reichsgrafen, auch die reichsständischen edlen herrn die volle landeshoheit besaszen. vgl. DWB fürst 8). wie chrfürsten, fürsten und fürstmeszigen einander zu recht fordern solln ..... der klagend chrfürst, fürst oder fürstmeszig u. s. w. des heil. röm. reichs ordnungen, Worms 1539, 18b. 19a; doch soll in sachen, churfürsten, fürsten und fürstmäszige betreffend, der cammerrichter selbst oder, seines abwesens, der graffen oder herren einer sitzen. concept der neuen kammergerichtsordn., Wetzlar 1716, s. 31.
2) als fürsten einander gleichstehend, in der fürstenwürde einander nahe oder gleichstehend. Franckreich und Engelland machen fried miteynander, .... nimmt eyner des andern orden an, welches eyn grosz zeychen sein soll der freundschafft

[Bd. 4, Sp. 893]


unter fürstmessigen personen. G. Nigrinus papist. inquisition s. 666.
3) einem fürsten oder überhaupt fürsten gemäsz, einem fürsten oder überhaupt fürsten geziemend oder gebührend.
 
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fürstmäszig, das von dem vorigen adj. abgeleitete adv.
 
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fürstmildiglich, adj. fürstliche milde erweisend. davon das gleichlautende adv. in demselben sinne oder auch in dem: mit fürstlicher milde.

das du, mein gnädger herr und fürst,
ihm aus dem achten blatt des buches vorzulegen
fürstmildiglich geruhen wirst.
Wieland 10, 344.

 

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