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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürsthafer bis fürstlein (Bd. 4, Sp. 887 bis 889)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürsthafer, m. der winterlolch, lolium perenne. eben so wol fürsthaber. der name, weil die pflanze auch auf der »fürst« der strohdächer, überhaupt gern auf diesen wächst und dem hafer ähnlich ist, wie denn schon Lonicerus kräuterb. 287a schreibt wächst auff dörren wiesen an reynen, auch auff strotächern, hat stro und äher, dem habern gleich, und ist ohne kern.
also auch hier ü für i, s. DWB fürst 1) oben sp. 850.
 
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fürstheld, m. ein held der fürst ist, ein fürstlicher held, könnte nach ahd. fursthelid, das aber die bedeutung erzengel hat (Müllenhoff u. Scherer denkmäler nr. 30, 20), auch vielleicht nhd. vermuthet werden, läszt sich jedoch nicht nachweisen.
 
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fürsticken, vornen sticken. in demselben sinne auch fürstickzen, fürsticksen:

[Bd. 4, Sp. 888]


hye stet pruoder Gopolt.
im sey seine schuoch gefürsticst und gesolt. fastnachtsp. nachl. 224, 19,

d. h. wol über den zehen oder vielmehr zwischen zehen und reihen durch stickerei verziert?
 
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fürstiglich, adj. was fürstlich. mhd. vürsteclich. Ben. 3, 379a. mitteld.

rihten unde kêren
nâch dugentlîcher wîse
zû fursteclîchem prîse. heil. Elis. 4878.

aber dies -ec in vürsteclich, fursteclich ist unorganisch und die eigentliche zusammensetzung furstlich (s. fürstlich). nhd.

da (zu Marburg in Hessen) hält er (der landgraf) fürstiglichen
hof
mit manchem edlen ritter, graf.
Gödekes u.
Tittmanns liederb. aus dem 16. jh. s. 375, 18.


 
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fürstimmen, vorbestimmen, vorherbestimmen, vorausbestimmen: wiewol er haben wil, das (dasz) wir uns gewis auff jn verlassen sollen, aller hülff und trosts, wil er uns doch nicht zeit, person, stet fürstimmen, wie, wo, wenn und wodurch ers schaffen wölle. Luther 4, 33a.
 
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fürstin, f. , ahd. noch nicht vorhanden, mhd. vürstinne, fürstinne, gekürzt fürstin (Heinrichs Tristan 4250), fürstîn. Ben. 3, 379a. noch hier und da im 16. und 17. jh. hochdeutsch und selbst heute z. b. hannöverisch fürstinne (s. d.). abgeleitet von mhd. vürste, fürste, nhd. fürst (s. oben sp. 841), nach dessen bedeutungen auch hier zu ordnen ist.
1) die erste oder höchste eines staates oder volkes, die herscherin über einen staat oder ein volk, oder die gemahlin eines herschers über einen staat oder ein volk. allgemein und ohne unterscheidung ob sie kaiserin, königin, groszherzogin, herzogin, landgräfin u. s. w. ist. s. DWB fürst 2).

hertzog Heinrich der löw genandt
ein streitbar fürst, ...
als er von dem gemahlet sein
vor seim abschied (zu einem kreuzzug) sein urlaub numb,
und befalch jr das fürstenthumb
ein guldin ring von einander schnit
und die fürstin verehret mit
dem halben.
H. Sachs IV. 2, 57c;

wir sahn die fürstin (die kaiserin Katharina II.) grosz im frieden,
sahn von ihr manche götterthat.
Willamov, im alm. d. d. mus. 1770 s. 236 (240);

die gunst des königlichen angesichts
hat sie verwirkt, die mordanstifterin,
die nach dem blut der königin gedürstet.
wers treu mit seiner fürstin meint, der kann
den falsch verrätherischen rath nicht geben.
Schiller 419b (M. Stuart 2, 4),

gütge fürstin (die königin Elisabeth ist gemeint)!
so schamlos frech verspottete man dich! 482b (4, 3).

Semiramis war eine grosze fürstin. sie sitzt da wie eine fürstin, in hoher haltung, achtung gebietend.
in anwendung und bildlich: wie ligt die stad (Jerusalem) so wüste: die vol volcks war? sie ist wie ein widwe: die eine fürstin unter den heiden und eine königin in den lendern war, mus nu dienen. klagel. Jer. 1, 1.
als bezeichnung der herscherin im gegensatze zur niedrigsten: o mir ists gewisz nichts kleines, vom bettler an bis zur fürstin eine schöne menschliche seele zu finden. Caroline Flachsland in Herders nachlasz 3, 181.
2) die besitzerin unumschränkter macht, die höchste gebieterin, die höchste herrin, die beherscherin. das worüber sie die macht hat, wird durch einen beigesetzten genitiv bezeichnet:

du, Delia, allein,
wirst nicht beweget durch mein leyden,
du kron und zier der schäferinnen,
du strenge fürstin meiner sinnen.
Opitz sylviana.

danach o fürstinn meiner sinnen,
nach der mein hertze steht,
du lenckest mein beginnen,
wie schiffe der magnet.
Tscherning an eine jungfrau, in der gedichte frühling s. 55.


auch spottend z. b. in: sie (die ehefrau) ist seins lebens labung, bettgenosz, lebensgespan, sein kuchenkeyserin (küchenkaiserin), sein besembsfürstin, sein kunckelgräfin, spindelsceptrige, windelkönigin. Fischart Garg. (1608) H 8a, = die den besen regiert, beherscherin des besens. doch wird hier fürstin in vergleichung zu kaiserin, königin, gräfin der andern ausdrücke wol im engsten sinne, dem nachher unter 5) angegebenen zu nehmen sein, was in der sache nichts ändert.
3) eine kaisertochter, eine königstochter, überhaupt eine rechtmäszige fürstentochter in ihrer hohen stellung. so heiszt in Ruszland

[Bd. 4, Sp. 889]


jede kaiserliche prinzessin groszfürstin. sie ist eine geborne fürstin, kaiserliche, königliche, groszherzogliche, erzherzogliche oder herzogliche prinzessin.
4) eine die alle andere übertrift, die sich über alle andere hervorhebt, die angesehenste, die bedeutendste, die vorzüglichste. so läszt sich Sappho als die fürstin unter den dichterinnen bezeichnen.

unsere akademie ist, rufen sie, fürstin Europas,
ich, denkt jeder, bin fürst unserer akademie.
Voss lyr. ged. 4, 298.

Athen ehedem die fürstin der städte Griechenlands.
5) die die nächste würde unter der herzogin einnehmende, die in der nächsten würde unter der herzogin stehende, gleichviel ob sie herscherin, regierende herrin ist oder nicht. eben so die gemahlin des die nächste würde unter dem herzoge einnehmenden, des in der nächsten würde unter dem herzoge stehenden. s. DWB fürst 9). mit den hohen künigin, durchleuchting, fürstinen, gräfin und freyen vergleichen. Nasus Nasenesel 44b; donna Isabella, fürstin von Messina. Schiller 489a;

wenn ich als fürstin sie und herrscherin
durch dieses hauses pforten führen werde. 493a.

die fürstin von Reusz-Greiz. die verstorbene fürstin Emma von Waldeck.
6) eine höchste göttin. so wenn Juno spricht:

bin ich nicht fürstin der götter? ...
nicht die gattin des herrschenden Zeus?
ächzen nicht die achsen des himmels
meinem gebot? umrauscht nicht mein haupt
die olympische krone?
Schiller 13a (Sem. 1).


Zwei eigenthümlich abweichende pluralformen von fürstin finden sich bei Joannes Nasus in seinem Nasenesel neben fürstinen 44b und fürstin ebenda und 59b: darnach darffst du auch unverholen liegen (lügen), wie ich die pfaffenhrn uber die lutherischen fürstinin z setzen pflege. 59a; sie sein nun weiber oder männer, künegin oder fürstenin. 48a.
 
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fürstinmutter, f. eine fürstin, deren sohn an die stelle des vaters als herscher getreten ist: aber in Flachsenfingen bestand die fürstinmutter und ihre partei auf dem flachen mattgelben hofprediger. Jean Paul Levana 2, 127. auch: die fürstin gewordene mutter eines der sich zum fürsten erhoben hat. zu betonen fürstinmútter.
gewöhnlich aber stehn beide worte getrennt:

sie wollten mich
zur fürstin mutter von Messina bringen.
eher ins grab.
Schiller 510a (br. v. Mess.).


Vgl. fürstvater, fürstsohn.
 
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fürstinne, f., s. fürstin. die fürstinne ist des folgenden jahres ohne leibeserben gestorben. Micrälius a. Pomm. 3, 465.
 
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fürstinnenleben, n. das leben einer fürstin oder überhaupt von fürstinnen. ein fürstinnenleben. blätter für literar. unterhaltung 1870 s. 553.
 
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fürstjüngling, m. ein fürst der noch jüngling ist: der fürstjüngling will doch erstlich etwas thun im leben. Jean Paul Levana 2, 145. zu betonen fürstjngling.
Vgl. DWB fürstsohn, DWB fürstvater, DWB fürstinmutter.
 
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fürstlein, n. , dim. von fürst.
1) ein fürst in seinen kinderjahren. fürstlein, fürstgen, printz, junger herr, jeune prince. Rädlein 314.
2) ein an land oder macht oder ansehen geringer fürst. fürstlein, fürstgen, geringer fürst, petit prince. Rädlein a. a. o. fürstlein (kleiner fürst, so wenig land und unterthanen hat), regulus, parvus et impotens princeps. Kirsch (1723) 2, 126a und danach Matthiä (1761) 2, 161b, der, mit komma statt jener klammern, »regulus, dominus modici territorii, angustae ditionis« beisetzt.

wer war darbei?
anderthalb fürstlein.
Opel u.
Cohn 210, 4;

und Karl (könig Karl VIII. von Frankreich) besasz die leichte beute (Italien) schon,
als, sinnreich auf geheime ränke,
der welschen (subst.) fürstlein banger rath
die nachbarn Galliens um schnellen einfall bat.
v. Nicolay (1792) 2, 69.


3) ein von wuchs kleiner fürst. ich sagte zu dem fürstlein, einem der wassermännlein, d. h. der klein gestalteten, unter einem könige stehenden fürsten oder prinzen des Mummelsees. Simplic. (Keller) s. 752.

 

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