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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenzwirn bis fürsticken (Bd. 4, Sp. 887)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenzwirn, m. eine art böhmischen zwirnes.
 
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fürstenzwist, m. ein zwist unter fürsten:

scherze (subst.) über fürstenzwist.
Göckingk ged. 1, 142.


 
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fürster, m., eins mit förster (s. d.). die form ist eine mehr mitteld., wie sie denn auch in urkunden und schriften mitteldeutscher gegenden sich öfter findet. furstêre. vom jahre 1285 in Kehreins samml. alt- u. mitteld. wörter s. 9b. die furster, die dër margk hûden. urk. v. j. 1303 in Baurs hess. urkunden 1, 233; was dâ von gefellet, das ist dën hëren die ubir die hoffe sint, âne das dën furstern sal fallen ir dritteil. isz ist auch alsô das die gesworn furster, die dër margk hûden, ymandt phenden yn dër margk u. s. w. 234; was obir dër furster rëcht dâ von gefellet, das ist dës faudes (vogtes) das dritteil und dës lêhenhëren die zweiteil. ebenda. iglicher hoiltzfurster. v. j. 1440 in der zeitschrift für hess. gesch. 2, 245; wen die mergker von dem holtzfürster gepandt würden, sollen die hoiltzfürster die fûder zusammen rechen, wais iglicher mergker gehauwen hait. ebenda. nhd. fürster, saltuarius. Alberus dictionar. bb iijb. feldschutz, feldfürster L ija. noch wetterauisch, oberhessisch firschter, d. i. fürster. doch ist die form auch nach Süddeutschland vorgedrungen: dasz derselbe fürster (so Hans von Cratt zu gefängnisz angenommen hat) wieder ledig gelaszen werden soll. brief kaiser Maximilians vom 30. merz 1500, s. Alsatia s. 159.
das aufsteigen zu ü liegt in der umlaut wirkenden ableitungssilbe -êre, mhd. -ære, ahd. -ari, -âri. doch findet sich altniederdeutsch auch vurst (gl. jun. 325) neben forst. übrigens hat fürster nie in der schriftsprache rechte geltung erlangt; das eigentlich hochdeutsche wort blieb förster.
Zusammensetzungen, in welchen fürster als letztes wort steht, sind die vorhin angeführten feldfürster (= feldschütz, flurschütz), holzfürster, und waldfürster. in ihnen, die in hochd. form natürlich förster haben, sticht der begrif »hüter« hervor.
 
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fürsteroberer, m. ein fürst der eroberer ist und auch auf eroberungen ausgeht. der landverderbende fürsteroberer. Jean Paul Herbstblumine 3, 184. zu betonen fürsteróberer.
 
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fürsterzbischof, m. ein gefürsteter erzbischof, ein mit fürstlicher würde bekleideter erzbischof, ein erzbischof der als solcher zugleich fürstliche würde hat. der fürsterzbischof von Wien. zu betonen fürstérzbischof. vgl. fürstbischof, fürstenbischof.
 
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fürsterzbischöflich, adj. einem fürsterzbischof untergeben, ihm zustehend, ihm gehörig, ihm gemäsz oder angemessen. aus veranlassung des Olmützer fürsterzbischöflichen consistoriums. öffentl. blatt. die fürsterzbischöfliche würde. fürsterzbischöfliche güter. zu betonen fürstérzbischöflich.
 
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fürstgemäszig, adj. einem fürsten gemäsz, einem fürsten oder überhaupt einer fürstlichen person angemessen:

wolt gott, dasz der begrebnusz brauch (wie er bei den ägyptischen königen stattfand)
wer bey den teutschen fürsten auch,
da würd sich mancher fürst geschwind
mit alle seinem hofgesind
ganz fürstlich und fürstgmesig halten,
niemand in seim land lassn vergwalten u. s. w.
H. Sachs IV. 2, 75c.


 
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fürsthaber, fürsthafer, m. haber der als abgabe von einem hause, überhaupt einem gebäude oder gebäuden zu entrichten ist. auch f.: vierdehalben malder habern, die da heiszet fursthaber. urkunde v. j. 1363 in Wencks hess. landesgesch. 2, urkundenbuch nr. 401. vgl. rechtsalterth. s. 4. zusammengesetzt mit fürst für first, hier = bau, s. DWB fürst 1) sp. 850 und first 1).
 
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fürsthafer, m. der winterlolch, lolium perenne. eben so wol fürsthaber. der name, weil die pflanze auch auf der »fürst« der strohdächer, überhaupt gern auf diesen wächst und dem hafer ähnlich ist, wie denn schon Lonicerus kräuterb. 287a schreibt wächst auff dörren wiesen an reynen, auch auff strotächern, hat stro und äher, dem habern gleich, und ist ohne kern.
also auch hier ü für i, s. DWB fürst 1) oben sp. 850.
 
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fürstheld, m. ein held der fürst ist, ein fürstlicher held, könnte nach ahd. fursthelid, das aber die bedeutung erzengel hat (Müllenhoff u. Scherer denkmäler nr. 30, 20), auch vielleicht nhd. vermuthet werden, läszt sich jedoch nicht nachweisen.
 
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fürsticken, vornen sticken. in demselben sinne auch fürstickzen, fürsticksen:

[Bd. 4, Sp. 888]


hye stet pruoder Gopolt.
im sey seine schuoch gefürsticst und gesolt. fastnachtsp. nachl. 224, 19,

d. h. wol über den zehen oder vielmehr zwischen zehen und reihen durch stickerei verziert?

 

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