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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenstrecke bis fürstenthümchen (Bd. 4, Sp. 881 bis 884)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenstrecke, f. was fürstenstrasze (s. d.).
 
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fürstenstreit, m. ein streit unter fürsten. im besondern ein krieg aus fürstlichen interessen:

es gilt (nemlich 1813) kein kleines fechten,
und keinen fürstenstreit,
es gilt den sieg des rechten
in alle ewigkeit.
Schenkendorf ged. 13;

aus kaiserfehde und fürstenstreit
floh er zur alpeneinsamkeit.
Joseph Scheffel bergpsalmen (Stuttg. 1870).


 
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fürstenstuhl, m.
1) der stuhl, worauf dar fürst als herscher oder die fürstin als herscherin sitzt, der thron. s. DWB fürst 2).

[Bd. 4, Sp. 882]


mhd. vürstenstuol, mit welchem ausdrucke die jungfrau Maria bezeichnet wird (altd. bl. 1, 84, 207, vgl. gold. schmiede s. XXXVI, 1), wie sie auch gottes oder Salomons trôn (goldne schmiede seite XXXV, 33. XXXVI, 7) heiszt. nhd. fürstenstul, solium principis. Stieler 2177. grundsätze ..., bey welchen kein fürstenstuhl mehr sicher, keines volkes ruhe ungestört bleiben kann. Spittler gesch. der europ. staaten (Berlin 1793) 1, 276;

wird überall auf fürstenstühlen ...
zu sehen seyn. Leipziger alm. d. d. mus. 1780 s. 222;

felsgewordne ströme bringest du (die liebe) in lauf, und die fürstenstühle
sind verlassen ohne dein gefühle!
Burmann ged. 160;

sein haupt, das frech drey kronen auf einander
gethürmt, sein fürstenstuhl, den eine nackte schaar
umzingelt, stellen mir im glanz der salamander
das oberhaupt der kirche (Alexander VI.) dar.
Thümmel reise 3, 366 (1791 4, 245);

ist er (Napoleon) grosz, wenn er durch sklavenheere ...
Roms gesalbten, sonder waff und wehre,
vom geweihten fürstenstuhle reiszt?
Tiedge denkmale 25;

es ist ein mann, der an der spitze
des staates steht, wenn er am fürstenstuhle steht. markt d. l. 1, 87.


2) der fürstliche stuhl in einer kirche, d. h. der besondere siand daselbst für den fürsten und seine familie beim gottesdienste.
 
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fürstentalder, m. einer der einen fürsten oder überhaupt fürsten tadelt: zu manchem heutigen fürstentadler möchte man das ganz einfältige sagen: wir sollten alle besser seyn! Klinger 12, 12.
 
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fürstentafel, f. ein von oder bei einem fürsten oder einer fürstin gehaltenes mahl:

bey fürstentaffeln geht was auff.
Logau 2, 224, 86,

und o! die kunst, bey ländlichrohen speisen
der fürstentafeln eitlen überflusz
froh zu entbehren.
Gotter 1, 3;

wir sitzen abends in der kühlen laube, essen milch und butter, nähmen alles gold und alle fürstentafeln dieser erde nicht, um éine stunde nur im geräusche zuzubringen. J. M. Miller briefwechsel dreier akad. fr. 458.
auch überhaupt so viel als ein kostbares, herrliches, mit seltnen speisen besetztes mahl.
 
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fürstentag, m. eine zu berathung und beschluszfassung auf einen bestimmten tag berufene versammlung von fürsten, im besondern von fürsten eines reiches oder einer landschaft, conventus principum. Steinbach 2, 791. Frisch 1, 309b. der schlesische fürstentag, vgl. DWB fürstensaal 2). der fürstentag im herbste 1863 zu Frankfurt am Main, an welchem unter dem vorsitze des kaisers von Österreich alle fürsten des deutschen bundes, den könig von Preuszen ausgenommen, versammelt waren. von dem begriffe einer solchen versammlung von fürsten eines reiches ausgehend, auch so viel als reichstag:

Wallenstein. doch auf dem Regenspurger fürstentag
da brach es auf! da lag es kund und offen,
aus welchem beutel ich gewirthschaftt hatte. ...
Questenberg. eure gnaden weisz,
wie sehr auf jenem unglücksvollen reichstag
die freyheit ihm (dem kaiser) gemangelt.
Schiller 343a (die Piccol. 2, 7).


 
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fürstenthat, f. die that eines fürsten oder einer fürstlichen person, eine fürstliche that:

die kleinste fürstenthat in preisender begleitung,
da schau! wie sie, verklärend und verklärt,
im siegeswagen einer zeitung,
gleich einem götterzuge, fährt!
Tiedge markt d. l. 1, 119.


 
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fürstenteppich, m. ein teppich eines fürsten, ein kostbarer teppich in den herrliche blumen gestickt sind:

ihre (der natur) flur
straft jeden fürstenteppich lügen.
Tiedge die einsamkeit (Leipzig 1792) s. 9.


 
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fürstenthron, m.
1) der thron eines fürsten im allgemeinen sinne dieses wortes, solium principale. s. DWB fürst 2).

denkst du, ich (könig Heinrich spricht) lasse meinen fürstenthron,
worauf mein vater und groszvater sasz?
A. W. Schlegel Shaksp. Heinrich VI. dritter theil 1, 1;

denn alle fürstenthronen auf einander
gestellt, bis zu den sternen fortgebaut,
erreichten nicht die höhe, wo sie steht
in ihrer engelsmajestät!
Schiller 343a (j. v. Orl. 3, 1).


2) der thron eines fürsten im engsten sinne dieses wortes. s. DWB fürst 9). geistlicher, staatsmann, so nahe den fürstenthron zu besteigen. Göthe 30, 236.

[Bd. 4, Sp. 883]



3) fürstliche stellung, hohe stellung des fürsten oder überhaupt fürstlicher personen, principatus:

einst günstlinge des glücks, von einem fürstenthron
geschleudert, bringen sie das leben kaum davon,
das nackte leben kaum.
Wieland Oberon 7, 41.


 
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fürstenthum, n.
1) der fürstenstand, die fürstenwürde, die würde die ein fürst im allgemeinen sinne dieses wortes bekleidet. s. DWB fürst 2). ahd. in eigentlicher zusammensetzung furistuom, dann furstuom, principatus. Graff 3, 627. Diut. 3, 311. N. ps. 70, 19. dieses fällt in der form zusammen mit furistuom, vuristuom, principium, anfang, beginn. Graff ebenda. Diut. 3, 303 (spr. Sal. 4, 7). aber beide, welche aus ursprünglichem furisttuom mit aufgehn des ersten t erflossen und masculina sind, haben verschiedene entstehung, denn dieses letzte ist aus dem superl. furist, der erste, und -tuom, nhd. -thum, jenes erste aus diesem und dem subst. furisto, der fürst (s. DWB fürst sp. 841), zusammengesetzt. mhd. würde vürstuom zu erwarten sein, aber das wort war, wie es scheint, mit dem ausgange des ahd. erloschen, und es trat nun für jene eigentliche zusammensetzung mit dem subst. furisto mhd., besonders aber mitteld. eine solche mit dem gen. sg., also eine uneigentliche ein:

nâch wunsche hatte in got verlihen
einen kaiserlîchen sun,
geboren an daʒ furstendûn,
dër was geheiʒen Lodewîg. heil. Elis. 124;

zwêne kunege (Otto IV. und Philipp)
geboren bêde an furstenduon. 311;

wie si vor wirdekeide
ir furstentuomes aller meist
hëtte urlob unde volleist. 2019;

nhd. denn Juda der mächtig war unter seinen brüdern, dem ward das fürstenthum fur jm (Ruben) gegeben. 1 chron. 6, 2; denn er hat Juda erwelet zum fürstentum und im hause Juda meins vaters haus (der redende ist könig David). 29, 4. »monarchia, ein fürstenthmb oder ein einige herrschung oder regierung, da einer allein regiert, herr unnd gewaltig ist.« Frisius (1556) 834a und danach Maaler 150d. das höchste fürstentum im lande, monarchia, summa rerum potestas. Stieler 586, doch zeigt sich hier zugleich die folgende bedeutung.
2) die dem fürsten zukommende obergewalt. mitteld.

dër (Hermann) sider an das furstendûn
nâch sînem vader uffer stat
an di hêrschaf aber drat,
daʒ ër lantgrâve wart genant
in Duringen unde in Hessen lant. heil. Elis. 2190.

mhd. die peinen varnt niht an ir waid gemainclich, ëʒ var dann dër küng dës êrsten auʒ und halt daʒ fürstentuom in dëm flug. Megenberg 290, 32. nhd. denn ich bin gewis, das (dasz) weder tod noch leben, weder engel noch fürstenthum, noch gewalt ... mag uns scheiden von der liebe gottes. Röm. 8, 38; jr seid volkomen in jm, welcher ist das heubt aller fürstenthum und oberkeit. Col. 2, 10. von einer höhern stufe der engel, wobei fürst 11) zu vergleichen ist: auff das (dasz) jtzt kund würde den fürstenthümen und herrschafften in dem himel, an der gemeine, die manchfeltige weisheit gottes. Eph. 3, 10; auch die engel, die jre furstenthum nicht behielten, sondern verliessen jre behausung, hat er behalten zum gerichte des grossen tages, mit ewigen banden im finsternis. Jud. 6; und hat ausgezogen die fürstenthum und die gewaltigen und sie schaw getragen öffentlich. Col. 2, 15.
3) der bezirk in dem der fürst die ihm zukommende obergewalt ausübt, ein von einem fürsten oder einer fürstin regiertes land, ein land das, da an ihm die einem fürsten zukommenden rechte haften, den besitzer zum wahren fürsten macht. s. DWB fürst 2). mitteld.

sîn furstentuon was alsô wît,
dës hërren, daʒ ër lange zît
under wîlen ûʒe bleip. heil. Elis. 2091;

daʒ unrëcht, daʒ sô Mestowîn
dën brûdrin und dëm ordne sîn
mit gewalt hatt ûfgeleit
an dën drîn teilin vorgeseit
dës vurstintûmis.
Jeroschin 17672.

nhd. umb des lands sunde willen werden viel enderunge der fürstenthume. spr. Sal. 28, 2; und ich hielt sie (die weisheit) thewrer, denn königreich und fürstenthum. weish. 7, 8, woher sprichwörtlich die weysheit höher, als ein fürstentum, halten, sapientiam sceptris et soliis anteponere. Stieler 586; er zerbricht feste stedte und zerstöret fürstenthüme. Sir. 28, 17; das (dasz) ein fürst lieber solt drey fürstenthum verlieren. Luther 6, 4a; in unsern fürstenthumben und gebieten. 5, 101b; nach

[Bd. 4, Sp. 884]


dem der ausgetrieben satan itzt eyn iar odder drey ist umbher gelauffen durch dürre stette und ruge gesucht und nicht gefunden, hat er sich ynn e. f. g. fürstenthum nydergethan und zu Alstett eyn nest gemacht. dessen eyn brieff an die fürsten zu Sachsen (Wittemb. 1524) A ijb; mich wundert, das hertzog Georg ein solch schendlich lügenbuch zu Dresen leidet, der doch so frum sein wil, das er auch jnn frembden furstenthumen kein böse buch leiden wil. dessen widder den meuchler zu Dresen (Wittemb. 1531) B iiija, s. Ph. Dietz 1, 759a b. im besondern aber: das landgebiet eines fürsten im engsten sinne dieses wortes. s. DWB fürst 9). diese bedeutung ist heute die fast allein noch vorkommende. der ander artickel begreifft die fürstenthum. reichsabschied 1521 §. 22, vgl.§. 23—28; wie gros were aber das, so ein könig oder fürst einem armen bettler ein graffschafft oder fürstenthum schenckete. Luther das 14. u. 15. cap. s. Johannis (Wittemb. 1538) ooo ijb, s. Ph. Dietz 1, 759a;

dieweil fraw Thorheit obgemelt
so gar hat überhand genummen
in königreichen, fürstenthummen.
H. Sachs II (1591). 2, 8b;

die hauptquell aller unruhe ..., dadurch königreich, fürstenthumb und länder geändert, umbgekehrt, verwüstet ... werden. Schuppius 17; allen königreichen, provincien, fürstenthumben, allen und jeden republicken bekandt. 414; königreiche, fürstenthume, länder, städte und provincien werden mit schreibfedern, helmen und lantzen regieret. 424; wenn händel vorhanden sind, daran kaiserlicher majestät und dem reich viel gelegen ist, dasz es königreich, fürstenthum, herzogthum und anders betrifft, so kann euch kein mensch zusammen bringen. Göthe 8, 80 (Götz 3);

der prinz von Weimar rüstet sich mit kraft,
am Main ein mächtig fürstenthum zu gründen.
Schiller 352a (die Piccol. 4, 4).

die fürstenthümer Reusz. das fürstenthum Liechtenstein. das fürstenthum Lübeck.
Der bereits im 17. jh. von Schottelius 314 und Bödiker 57 bei fürstentuhm angegebene pl. des wortes ist der auf er: fürstentühmer, fürstenthümer, der dann im 18. jh. allein gilt. aber im 16. jahrh. findet sich, wie die angeführten stellen zeigen, der pl. fürstenthum, fürstenthumb, fürstenthume, mit unorganischem umlaut fürstenthüme, und jene drei formen erhalten sich noch bis tief ins 17. jh., was schon durch die stellen von Schuppius belegt wird.
 
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fürstenthümchen, n. ein kleines fürstenthum. dim. des vorigen, besonders in der letzten bedeutung.

 

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