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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenstall bis fürstentafel (Bd. 4, Sp. 880 bis 882)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenstall, m. der marstall eines fürsten, equile principis vel aulicum. Stieler 2118.
 
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fürstenstamm, m.
1) der fürstliche stand, der fürstenstand:

ich bin auch ausz dem fürstenstamm.
Gilhusius 131;

der ander aber war Argante, dieser kam
frembd an Egypter hoff, vom glücke hin getrieben.
der könig der erhub jhn in den fürstenstamm,
und ward in höchsten grad desz krieges eingeschrieben.
Werder Gottfried 2, 59.


2) ein fürstliches geschlecht in auf- wie absteigender linie:

es wundert euch vielleicht, wie eine frau, wie ich,
zu solchen dingen kömmt, die selbst dem fürstenstamme
verborgen sind und sonsten männiglich.
Wieland Ob. 4, 42,

[Bd. 4, Sp. 881]


ein bedeutendes kind aus uraltem fürstenstamme, dem beschieden ist, künftig auf die welt ungeheuren einflusz zu haben. Göthe 39, 82;

doch wenn du nun den letzten abkömmling
des welken fürstenstammes niederwirfst.
Uhland Ernst 100.


 
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fürstenstand, m.
1) die hohe stellung des fürsten oder überhaupt der fürsten im staatsleben, die fürstliche würde, dignitas principalis. Stieler 2131. Steinbach 2, 670. Frisch 1, 309b. s. DWB fürst 2). darumb kompt unser herr gott und wirfft einen in ein fürstenstand, wie einen jungen gesellen in ehestand, der sihet auch das megdlin von aussen an, weisz nicht was hernach folgen wird, also hats das ansehen mit den regenten auch. Luther tischr. 333b. principatus, fürstenstand. Frisius (1556) 1057b.

so nimb (spricht der könig zu seinem sohne) auff die reisz gelt und gut, ...
auff das (dasz) du zu wasser und land
magst ehrlich nalten fürstenstand,
mit sampt den so fahren mit dir.
H. Sachs II (1591). 3, 63d;

weil er wol wer in guter rhu
gesessen in seim vatterland,
hett wol gehalten fürstenstand. III (1588). 2, 210c;

zu was für einer last erhebt der fürstenstand?
das glück von tausenden beschweret ihre hand.
Dusch verm. werke 294;

wie gern entäuszr' ich mich des fürstenstandes,
worin ich mir zum scherze wohlgefiel.
Göthe 4, 208.


2) der stand oder die würde des fürsten im engsten sinne dieses wortes. s. DWB fürst 9). in den fürstenstand erhoben werden. also sollen wohl gar die weiber in den niedern regionen geringer seyn, und oben im fürstenstand anfangen besser zu werden, als die männer? Ernst Wagner d. reis. maler 1, 160.
3) die als ein ganzes sich abschlieszende gesammtheit der fürsten eines reiches oder eines reichskreises, einer provinz. Bauer deutschlat. lex. 1083. der fürstenstand des kreises ist zahlreich. vgl. fürstencollegium.
4) ein einzelner aus dieser gesammtheit der fürsten:

von vierzig deutschen fürstenständen
ists noch nicht vieren süsze pflicht,
für geist belonung auszuspenden,
denn nur für körper geizt man nicht.
Göckingk 1, 186.


 
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fürstenstolz, m. stolz eines fürsten oder einer fürstlichen person in hinsicht der fürstlichen würde oder des fürstlichen standes:

Herodes hört den wunsch (um Johannes des täufers haupt), erschrickt und wird betrübt,
weil er den frommen täufer liebt:
allein der fürstenstolz weist ihn auf sein versprechen.
Gellert fab. 2, 34 (1751 s. 66);

ob er schon seinen ernst nicht von dem höllenrichter,
noch fürstenstolz von seinem nachbar borgt.
Thümmel reise 2, 35 (1791 1, 53),

der geitz würde dir seine schätze anbieten, und der fürstenstolz selbst vor deiner hoheit sich bücken. 5, 146 (7, 227).
 
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fürstenstrasze, f. die von den fürsten befahrene strasze, die hauptstrasze, die wolangelegte, wolgeebnete strasze. ich hab doctor (Luther) mehr als einmal warnen hören, wir sollen die fürstenstrasz jnnen halten, unnd nach der regel fortfaren und nicht leichtlich querfeld hinein setzen, es gehören sonderliche reutter darzu. Mathesius Luther (1566) 155b. vgl. DWB fürstenweg.
 
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fürstenstrasze, f. im bergbau eine strasze, d. h. eine horizontale oder wenig geneigte öffnung, welche über sich, d. h. in der höhe, und am vorort, d. h. vorne, die erzlagerstätte, dagegen in der sohle, d. h. unterhalb, versatz, d. h. wiederanfüllung der nicht mehr benöthigten unterirdischen öffnungen mit taubem gesteine, hat. mit ü statt i, denn die eigentliche schreibung ist firstenstrasze. s. Scheuchenstuel 76. auch, da bergmännisch strecke in demselben sinne wie strasze gesagt wird, fürstenstrecke, eigentlich firstenstrecke. ebenda. gegensatz ist sohlenstrasze (s. d.).
 
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fürstenstrecke, f. was fürstenstrasze (s. d.).
 
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fürstenstreit, m. ein streit unter fürsten. im besondern ein krieg aus fürstlichen interessen:

es gilt (nemlich 1813) kein kleines fechten,
und keinen fürstenstreit,
es gilt den sieg des rechten
in alle ewigkeit.
Schenkendorf ged. 13;

aus kaiserfehde und fürstenstreit
floh er zur alpeneinsamkeit.
Joseph Scheffel bergpsalmen (Stuttg. 1870).


 
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fürstenstuhl, m.
1) der stuhl, worauf dar fürst als herscher oder die fürstin als herscherin sitzt, der thron. s. DWB fürst 2).

[Bd. 4, Sp. 882]


mhd. vürstenstuol, mit welchem ausdrucke die jungfrau Maria bezeichnet wird (altd. bl. 1, 84, 207, vgl. gold. schmiede s. XXXVI, 1), wie sie auch gottes oder Salomons trôn (goldne schmiede seite XXXV, 33. XXXVI, 7) heiszt. nhd. fürstenstul, solium principis. Stieler 2177. grundsätze ..., bey welchen kein fürstenstuhl mehr sicher, keines volkes ruhe ungestört bleiben kann. Spittler gesch. der europ. staaten (Berlin 1793) 1, 276;

wird überall auf fürstenstühlen ...
zu sehen seyn. Leipziger alm. d. d. mus. 1780 s. 222;

felsgewordne ströme bringest du (die liebe) in lauf, und die fürstenstühle
sind verlassen ohne dein gefühle!
Burmann ged. 160;

sein haupt, das frech drey kronen auf einander
gethürmt, sein fürstenstuhl, den eine nackte schaar
umzingelt, stellen mir im glanz der salamander
das oberhaupt der kirche (Alexander VI.) dar.
Thümmel reise 3, 366 (1791 4, 245);

ist er (Napoleon) grosz, wenn er durch sklavenheere ...
Roms gesalbten, sonder waff und wehre,
vom geweihten fürstenstuhle reiszt?
Tiedge denkmale 25;

es ist ein mann, der an der spitze
des staates steht, wenn er am fürstenstuhle steht. markt d. l. 1, 87.


2) der fürstliche stuhl in einer kirche, d. h. der besondere siand daselbst für den fürsten und seine familie beim gottesdienste.
 
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fürstentalder, m. einer der einen fürsten oder überhaupt fürsten tadelt: zu manchem heutigen fürstentadler möchte man das ganz einfältige sagen: wir sollten alle besser seyn! Klinger 12, 12.
 
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fürstentafel, f. ein von oder bei einem fürsten oder einer fürstin gehaltenes mahl:

bey fürstentaffeln geht was auff.
Logau 2, 224, 86,

und o! die kunst, bey ländlichrohen speisen
der fürstentafeln eitlen überflusz
froh zu entbehren.
Gotter 1, 3;

wir sitzen abends in der kühlen laube, essen milch und butter, nähmen alles gold und alle fürstentafeln dieser erde nicht, um éine stunde nur im geräusche zuzubringen. J. M. Miller briefwechsel dreier akad. fr. 458.
auch überhaupt so viel als ein kostbares, herrliches, mit seltnen speisen besetztes mahl.

 

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