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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstensiegel bis fürstenspasz (Bd. 4, Sp. 879 bis 880)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstensiegel, n. das siegel eines fürsten:

lose buben mäkeln mit dem fürstensiegel,
kreaturen vom gekrönten thier,
leihen dienstbar seiner wollust flügel,
und ermauscheln kron und reich dafür.
Schiller Venuswagen, in Hoffmeisters nachlese 1, 32.

bildlich: mitten in dem wasserspiegel
hob die eiche sich empor.
majestätisch fürstensiegel
solchem grünen waldesflor.
Göthe 3, 129.


auch: das siegel eines fürstlichen hauses.
 
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fürstensinn, m. der sinn eines fürsten, einer fürstlichen person:

so ists natürlich ding
dasz auch ein fürsten-sinn nach diesem guten (es ist die freundschaft
gemeint) hieng.
Logau 2, 122, 15;

Vestolas erhabner fürstensinn. Wieland 18, 148. ein denkmal hehren fürstensinnes.
auch: ein sich über das gewöhnliche erhebender, groszes an- und erstrebender sinn.
 
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fürstensitte, f. art und weise zu handeln, wie sie bei fürsten üblich sind. die gesandten wurden nach fürstensitte mit allen ehren empfangen. Vgl. DWB fürstenbrauch.
 
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fürstensitz, m.
1) eine stelle wo der fürst zu sitzen pflegt. im besondern der thron (vgl. fürstenstuhl):

dies ist des furchtbarn königes pallast
und dies der fürstensitz: nimm, York, ihn ein,
dir kommt er zu, nicht könig Heinrichs erben.
A. W. Schlegel Shaksp. Heinrich VI. dritter theil 1, 1;

du bist bescheiden, wie die stille,
und wie am fürstensitz die wahrheit, taub und stumm.
Tiedge elegieen 3, 159;

doch statt der wahrheit stehn geübte, heitre mienen,
bereit, mit hofgerechtem witz
und schmeicheltrug dem herrn zu dienen,
umher an seinem fürstensitz.
da sieht er dann in schimmerreicher blendung
um seinen thron ein beet von sonnenblumen stehn. markt d. l. 1, 114.


2) ein haus, in dem der fürst seinen sitz hat d. h. wohnt, ein fürstlicher palast, ein fürstliches schlosz.
3) eine stadt in der ein fürst seinen sitz, d. h. bleibenden aufenthalt, genommen hat:

und dieser weiberheld (Aeneas) ...
genieszt nun seines raubs in seinem fürstensitze.
Schiller 40a (Dido 41).


4) eine stadt, in der der fürst als herscher seinen sitz hat, eine residenzstadt:

ihr hohen fürstensitze
von Wilhelm und von Franz, ...
du sollst auf Deutschland wirken,
entsündigtes Berlin,
die Welschen wie die Türken
vermeiden künftig Wien.
Schenkendorf ged. 178.


 
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fürstensklave, m., s. fürstensclave.
 
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fürstensklaverei, f., s. fürstensclaverei.
 
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fürstensohn, m. ein sohn eines fürsten, also auch ein unehelicher sohn eines solchen. im besondern und vorzugsweise aber ein prinz: fürstenson, princeps junior. Stieler 2056.

nie fehl es unserm reiche
an einem fürstensohn, der Dir an tugend gleiche!
Wieland Oberon 12, 94;

ich liebte einen fürstensohn (don Karlos) —
Schiller 294b (Karlos 4, 21);

wenn
jahrhunderte dahin geflohen, wird
die vorsicht einen fürstensohn, wie er,
auf einem thron, wie seiner, wiederholen. ebenda;

ists denn so was auszerordentliches, wenn ein junges geschöpf von einem fürstensohne einmal mit verdrusz fühlt, dasz ihn überall glanz und ceremonie verfolgt? Kretschman fam. Eichenkron 23. mit einem gegensatze:

auch gebietern drohet ein gebieter,
über der natur steht hoch sein thron:
ihm gehorchen musz der schlachtenwüther,
ihm der bettler und der fürstensohn.
Tiedge elegieen 1, 91.


Vgl. kaisersohn, königssohn, fürstenkind, fürstenknabe, fürstenmädchen, fürstentochter.

[Bd. 4, Sp. 880]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstensöhnchen, n., dim. des vorigen.

ihr meynt, weil ich ein fürstensöhnchen sey,
so müsse michs gar sehr nach wunden jüken.
Wieland urth. des Paris 497.


 
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fürstensold, m. sold den ein fürst gibt:

bist du (ein schlüssel ist angeredet) auch nur von eisen,
und giebst du gleich nicht fürstensold, nicht rang.
Göckingk lieder zw. lieb. 144 (1777 s. 87).


 
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fürstensonne, f. der glanz der fürsten, der glänzende ruhm von fürsten. fürstensonne, lux principum. Stieler 2059. der von einem fürsten oder einer fürstin ausgehende sonnengleich strahlende glanz: noch dazu brütete die fürstensonne den ministerialischen krötenlaich immer lebendiger an. Jean Paul Hesperus 4, 109.
 
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fürstenspasz, m. ein lustiger streich eines fürsten, ein unfeiner, niedriger scherz eines fürsten:

ein andrer machte sich den fürstenspasz und sandte
einst seinen stiefel in den reichssenat,
worin er ihn zum haupt ernannte.
Tiedge elegieen 3, 158.

 

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