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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenschule bis fürstensklave (Bd. 4, Sp. 878 bis 879)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenschule, f.
1) eine fürstliche schule, d. h. eine von einem fürsten zum besten seines landes gestiftete höhere schule, gymnasium ducale sive illustre. Stieler 1721. besonders erhielten die aus den gütern aufgehobener klöster vom kurfürsten Moriz von Sachsen mit freistellen für wohnung und kost gestifteten berühmten gelehrtenschulen zu Grimma, Meiszen und Schulpforta den namen fürstenschulen.
2) eine schule für fürsten, im besondern eine erziehungsanstalt für künftige fürsten, für prinzen. s. unter fürstenkind die stelle Jean Paul Levana 2, 133, in der aber fürstenschule s. 134 steht.
3) eine schule, in der ein fürst oder fürsten oder fürstliche staaten lehrer, oder theils lehrer theils schüler sind. so bei Jean Paul Tit. 1, 155 in anspielung auf die harte züchtigung, durch welche Polen von den groszen nachbarmächten zurechtgebracht wurde: als zwey ähnliche gymnasiarchen, die gouvernante England und die hausfranzösin Frankreich die kurrentschülerin Deutschland nach den besten schulbüchern wirklich erzogen haben, so dasz wir nun wieder unsers orts im stande sind, Polacken zu schulen und solche mit dem schullokal aus dem katheder unserer fürstenschule herab so viel als nöthig zu kantschuhen.
 
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fürstenschüler, m.
1) ein schüler einer fürstenschule, besonders wenn er in dieser auch wohnung und kost hat, alumnus liberalitatis principalis. Bauer deutsch-lat. lex. (1798) 1083. sieh fürstenschule 1).
2) ein fürst oder prinz als schüler, ein fürstlicher schüler, alumnus principalis.
 
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fürstenschwelgerei, f. übermäsziger genusz von vergnügungen, dem sich ein fürst hingibt oder fürsten ergeben:

was ist der unterschied, wer länder ausgesogen?
ob der satrap, ob der prälat?
ob fürstenschwelgerei, ob freche demagogen?
die that bleibt stets die that.
Seume ged. 212.


 
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fürstensclave, m.
1) ein einem fürsten oder überhaupt einer fürstlichen person gehörender sclave, mancipium principum. Stieler 1829.
2) ein einem fürsten oder überhaupt fürsten sclavisch dienender oder sclavisch ergebener. s. Campe 2, 204b. vgl. fürstensclaverei.
 
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fürstensclaverei, f. einem fürsten oder überhaupt fürsten erwiesene sclavische dienstbarkeit oder ergebenheit. fürsten- sive hofsklaverey, splendida aulae servitus. Stieler 1830.
 
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fürstenseele, f. die seele eines fürsten. s. DWB fürst 2) und 9). so in einem trauergedicht auf das leichenbegängnis des fürsten Leopold zu Anhalt:

wer aber stets wie unsre fürstenseele
noch lebend auf der welt
mehr nach dem himmel steiget,
als sich am eiteln feste hält.
Picander ernst-scherzh. ged. 3, 191.

[Bd. 4, Sp. 879]



auch so viel als fürst, fürstliche person: wird nichts selteners als eine ehrenpforte für eine über die gegenwart wahrsprechende, über die zukunft wahrsagende fürstenseele bestellt. Jean Paul Levana 2, 156.
 
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fürstensiegel, n. das siegel eines fürsten:

lose buben mäkeln mit dem fürstensiegel,
kreaturen vom gekrönten thier,
leihen dienstbar seiner wollust flügel,
und ermauscheln kron und reich dafür.
Schiller Venuswagen, in Hoffmeisters nachlese 1, 32.

bildlich: mitten in dem wasserspiegel
hob die eiche sich empor.
majestätisch fürstensiegel
solchem grünen waldesflor.
Göthe 3, 129.


auch: das siegel eines fürstlichen hauses.
 
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fürstensinn, m. der sinn eines fürsten, einer fürstlichen person:

so ists natürlich ding
dasz auch ein fürsten-sinn nach diesem guten (es ist die freundschaft
gemeint) hieng.
Logau 2, 122, 15;

Vestolas erhabner fürstensinn. Wieland 18, 148. ein denkmal hehren fürstensinnes.
auch: ein sich über das gewöhnliche erhebender, groszes an- und erstrebender sinn.
 
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fürstensitte, f. art und weise zu handeln, wie sie bei fürsten üblich sind. die gesandten wurden nach fürstensitte mit allen ehren empfangen. Vgl. DWB fürstenbrauch.
 
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fürstensitz, m.
1) eine stelle wo der fürst zu sitzen pflegt. im besondern der thron (vgl. fürstenstuhl):

dies ist des furchtbarn königes pallast
und dies der fürstensitz: nimm, York, ihn ein,
dir kommt er zu, nicht könig Heinrichs erben.
A. W. Schlegel Shaksp. Heinrich VI. dritter theil 1, 1;

du bist bescheiden, wie die stille,
und wie am fürstensitz die wahrheit, taub und stumm.
Tiedge elegieen 3, 159;

doch statt der wahrheit stehn geübte, heitre mienen,
bereit, mit hofgerechtem witz
und schmeicheltrug dem herrn zu dienen,
umher an seinem fürstensitz.
da sieht er dann in schimmerreicher blendung
um seinen thron ein beet von sonnenblumen stehn. markt d. l. 1, 114.


2) ein haus, in dem der fürst seinen sitz hat d. h. wohnt, ein fürstlicher palast, ein fürstliches schlosz.
3) eine stadt in der ein fürst seinen sitz, d. h. bleibenden aufenthalt, genommen hat:

und dieser weiberheld (Aeneas) ...
genieszt nun seines raubs in seinem fürstensitze.
Schiller 40a (Dido 41).


4) eine stadt, in der der fürst als herscher seinen sitz hat, eine residenzstadt:

ihr hohen fürstensitze
von Wilhelm und von Franz, ...
du sollst auf Deutschland wirken,
entsündigtes Berlin,
die Welschen wie die Türken
vermeiden künftig Wien.
Schenkendorf ged. 178.


 
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fürstensklave, m., s. fürstensclave.

 

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