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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenrecht bis fürstensäule (Bd. 4, Sp. 875 bis 876)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenrecht, n.
1) das dem fürsten als solchem zukommende oder zustehende recht. s. DWB fürst 2). mhd. vürstenrëht, der rechtsstand den der fürst hat, der dem fürsten als solchem zukommende rechtsstand (Mai 156, 30). fürstenrecht, jura principum. Stieler 1550. das übergewicht der fürstenrechte über die bürgerrechte. Beckers weltgesch. 13, 511; fürsten- und herrenrecht auf der einen seite, auf der andern gehorsam. Klinger 3, 40;

die ufer geb ich ihr zum ackerland,
schenk ihr groszmüthig alle fürstenrechte,
erröthe nicht, um ihre hand zu freyn —
Schiller 40a (Dido 40);

dem fürsten, der sein fürstenrecht entweihet,
der — herrscher nur — und nicht des volkes vater ist,
dem droht ein rachegeist ...
Tiedge markt d. l. 1, 118.


2) im deutschen staatsrechte
a) das recht über sachen zu urtheilen die eines fürsten leib, ehre und lehenschaft betreffen, welches recht, in so fern es jene ersten beiden, nemlich leib und ehre, angieng, der kaiser mit zuziehung der kur- und reichsfürsten, des fürstenrathes, ausübte, aber so fern es die lehen anbelangte, der reichshofrath besasz.
b) das recht der ehemaligen reichsfürsten, sich in sachen, die ihre ehre und ihr leben betreffen, von niemand anderem als von dem kaiser und von ihresgleichen richten zu lassen.
3) gesetz und herkommen die ein fürst in angelegenheiten seines fürstenhauses als dessen haupt zu beobachten und zu wahren hat.
 
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fürstenrede, f. eine von einem fürsten als dem regenten gehaltene rede, oratio principis. Stieler 1540.
 
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fürstenreich, n. ein von einem fürsten regiertes reich. vgl. DWB fürstenland, DWB fürstenstaat.

[Bd. 4, Sp. 876]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenreich, adj.
1) reich wie ein fürst.

du siehst mich, königin, zurück!
der reiche bettelt einen blick,
er sieht dich an und fühlt sogleich
sich bettelarm und fürstenreich.
Göthe 41, 214.


2) reich an fürsten. Deutschland ist ein fürstenreiches land.
Davon abgeleitet ein gleichlautendes adv., das wie in jener unter 1) angeführten stelle, von dem adj. nicht zu scheiden ist.
 
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fürstenreise, f. eine reise eines oder der fürsten.
 
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fürstenruf, m. im jagdwesen ein kurzes jagdstück, das bei der hetzjagd (parforcejagd), wenn der hirsch, der sich verloren hatte, wieder aufgefunden ist, von den piquiers (jagdknechten) gleichsam als ruf geblasen wird, um der in anderer richtung befindlichen herrschaft ein zeichen zu geben, wohinaus die jagd geht. forst-, fisch- und jagdlex. 4, 380. weidmänn. taschenwb. 163.
 
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fürstenruhm, m. ein von einem fürsten erworbener ruhm:

ein himmlisch bild von seinem fürstenruhme.
Thümmel reise (1791) 1, 54 (1811 2, 35).


 
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fürstensaal, m.
1) ein hohes und weites fürstliches gebäude zu festlichkeiten und feierlichen gelegenheiten, überhaupt ein fürstlicher palast. furstensal, archiatrium, aula principis. voc. theut. von 1482 i 7b. fürsten-, herren-, kaiser-, königssal, regia, aedes palatinae, aulicae. Stieler 1672. s. saal.

schuldlos trieb ich meine lämmer
auf des stillen berges höh.
doch du rissest mich ins leben,
in den stolzen fürstensaal,
mich der schuld dahin zu geben.
Schiller 475a (j. v. Orl. 4, 1).

wenn übrigens bei Campe 2, 204b angegeben wird, es stehe in dieser stelle das wort uneigentlich für fürstenstand, so ist dies nichts weiter als ein unhaltbarer einfall.
2) ein in einem palaste zur versammlung oder zum gemeinsamen aufenthalte der fürsten, überhaupt der fürstlichen personen bestimmter saal. vgl. Bauer deutsch-lat. lex. (1798) 1038.

nimmer reizt ihn der hof, nimmer der goldpalast,
noch der marmorne fürstensaal.
Salis 103;

auf der alten und der neuen erde,
von dem fürstensaal zum bettlerherde
hört' ich menschen über menschenplagen
mit des jammers heiszen thränen klagen.
Seume ged. 153.


in Breslau führte eine halle, in der die fürsten u. s. w. Schlesiens versammlungen hielten, den namen fürstensaal. Frisch 1, 309b.
 
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fürstensache, f. eine sache die einen fürsten oder fürsten betrift, auch eine sache, um die es sich blosz unter fürsten handelt. Schottelius 468b (1641 s. 375b). fürstensachen, causae principum. Stieler 1655.

was sind doch anders fürstensachen,
als lauter ungemach und streit,
allhier (im feld- und waldleben der schäferei) ist nichts das uns kann machen
betrübet: trotz sey allem neid.
G. Neumark lustwald (Jena 1657) 1 359, s.
Gödeke elf bücher 1, 309a.


 
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fürstensame, m. ein spröszling eines fürstenhauses.

er!
der éinem fürstensaamen
zublicket: sey nicht mehr!
und spricht zum andern: meinem namen
sollt du ein palmbaum seyn!
Jehovah spricht zu Sein- und Ihrem saamen:
ich will mich an Dir freun.
sey ewig mein!
Herder z. sch. lit. u. k. 16, 278, in der cantate beim kirchgang der regierenden herzogin von Sachsen-Weimar.


 
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fürstensäule, f. eine säule zum gedächtnis eines fürsten oder einer fürstin, eine denksäule eines fürsten oder einer fürstin:

dieser grosze sturm,
der der paläste fürstensäulen stürzte.
Körner 2, 74.

 

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