Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenkurzweil bis fürstenlich (Bd. 4, Sp. 871 bis 872)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenkurzweil, unverkürzt fürstenkurzweile,f. vergnügliche unterhaltung zum zeitvertreib für einen fürsten. so in den worten zum gefangenen spatz:

auch würd es fürstenkurzweil sein,
liesz ich den kater Lips herein.
Bürger 20b,

in den ged. 1778 s. 127 fürstenkurzweil'.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenland, n. ein land das von einem fürsten regiert wird. s. DWB fürst 2) und 9).

darnach fraw wollust mit der hand
zeigt mir bisz in fünff fürstenland.
H. Sachs I (1590), 300b;

sie lebten in einem glücklichen fürstenlande. Göthe 21, 129.
im besondern führt das land des ehemaligen fürstabtes von Sanct Gallen, wozu namentlich Tablat, Bruggen, Goszau gehören, den namen Fürstenland, woher dann der Fürstenländer, ein bewohner dieses landes, die Fürstenländerin, eine bewohnerin desselben, und fürstenländerlen, sprechen und gekleidet sein wie die Fürstenländer und Fürstenländerinnen. Tobler 203.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenlastergesang, m. schmähgesang oder scheltgesang auf fürsten. fürsten lastergesanck, tragedia. voc. theut. 1482 i 8a. daneben k iiija gedicht das hern schiltet, trageria.

[Bd. 4, Sp. 872]


Schröers vocab. von 1420 nr. 3006 verdeutscht tragedia durch schentlich gesang, und der breviloquus von 1478 fügt, nach Diefenbachs glossar. 369b, jenem tragedia bei regum et magnatum.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenlaune, f. eine laune oder eigenwillige gemüthsstimmung eines fürsten:

der hofmann, den des fürsten laune drückt,
wagts, leise sich ins ohr zu raunen:
»wahrhaftig, dort das thier (ein mülleresel) ist mehr, als ich, beglückt,
es trägt doch säcke nur, und keine fürstenlaunen.«
Tiedge elegieen 1, 209.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenleben, n.
1) das leben eines fürsten oder überhaupt einer fürstlichen person. s. DWB fürst 2). die sich schnäbelnden täubchen

möchten solche seligkeit
nicht dem könig adler geben
für sein ganzes fürstenleben.
J. G. Jacobi 3, 82,

daher manches fürstenleben ein passiver rath von 500 ist. Jean Paul Levana 2, 139, anspielung auf den rath der fünfhundert in Frankreich 1795.
2) ein leben wie es ein fürst hat, ein herrliches glanzvolles leben, vita magnifica. Stieler 1098. ein fürstenleben führen.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenlehen, n.
1) ein von einem kaiser oder könige zu ertheilendes lehen mit hoher würde, als ein herzogthum, ein fürstenthum, eine markgrafschaft, landgrafschaft, grafschaft. s. DWB fürst 8).
2) ein von einem fürsten (im engsten sinne dieses wortes) zu ertheilendes lehen. s. DWB fürst 9).
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenleib, m.:

und mancher fürstenleib hüllt nach dem tode
in ambra sich, indesz sein name stinkt.
Blumauer ged. 1, 25.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenleiche, f. die leiche eines fürsten, der leichnam eines verstorbenen fürsten. s. DWB fürst 2) und 9). die zweite lokazion der fürstenleiche ziehe seinen vater noch heute her. Jean Paul Titan 2, 216.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenleute, pl. einem fürsten angehörende leute. als fürstenlûd rëcht wêre. v. j. 1429 bei Haltaus 556.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenlich, adj. was das adj. fürstlich. für dieses gebildet wie fürstenthum (s. d.) für ahd. furistuom, furstuom. mhd.

mîn hërre dër erzbischof
kom ouch mit fürstenlîchen siten
mit mir in mîn hûs geriten. g. Gerh. 3471.

wol bis ins neuhochdeutsche fortdauernd, zumal da sich, wie die stellen aus des Bühelers Diocletianus zeigen, das folgende adv. noch zu anfange des 15. jh. findet.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
fürstenlich, adv. was das adv. fürstlich. von dem vorigen adj. abgeleitet. mhd.

daʒ ir vürstenlîche lëbet. Mai 199, 7;

nu was in dër zît ein keiser rîch,
dër hîlt sînen hof sô fürstenlîch. Dioclet. 7554;

wie fürstenlîch stand sîn (des kaisers Titus) hûs! 7568.


da die beiden letzten stellen in das jahr 1412 fallen, wird sich das wort auch wol noch bis in das neuhochdeutsche erhalten haben.

 

Eingabe
Wörterbuchtext:
Stichwort: