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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenknecht bis fürstenleben (Bd. 4, Sp. 870 bis 872)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenknecht, m. ein einem fürsten oder einer fürstlichen person völlig unterwürfiger: das hat euch ein fürstenknecht gerathen. Göthe 8, 142 (Götz 5). 42, 416;

warum blieb er ein fürstenknecht?
hätt unser knecht seyn sollen. 47, 239:

[Bd. 4, Sp. 871]



und was war nun mein dank dafür, dasz ich (Wallenstein spricht),
ein treuer fürstenknecht, der völker fluch
auf mich gebürdet — diesen krieg, der nur
ihn (den kaiser) grosz gemacht, die fürsten zahlen lassen?
Schiller 343a (d. Picc. 2, 7);

geh hin, verkaufe deine freie seele,
nimm land zu lehen, werd ein fürstenknecht,
da du ein selbstherr seyn kannst und ein fürst
auf deinem eignen erb und freien boden.
Schiller 525b (Tell 2, 1).


Vgl. fürstendiener.
 
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fürstenkopf, m.
1) der kopf eines fürsten: daher musz es vielleicht kommen, dasz mehre romanenschreiber uns die feinsten münzstempelformen zu fürstenköpfen zu schneiden glauben, blos dadurch, dasz sie den kleinen dauphin, prinz von Kalabrien, prinz von Brasilien, protektor von England, in gänzlicher unwissenheit seines künftigen standes erhalten und erziehen lassen. Jean Paul Levana 2, 131. von dem aufgeprägten fürstenkopfe, dem kopfe des landesherrn, hat das ehemalige kopfstück, später und noch hier und da heute in der Wetterau eine blosz gedachte rechnungsmünze von zwanzig kreuzern rheinisch, seinen namen. vgl. DWB kopfstück 3).
2) ein nach der herschaft strebender, die herschaft sich anmaszender oder sich beilegender kopf, ein sich über die andern erhebender kopf:

zertritt und mach zunichten
den fürstenkopf der leüht, die falscher weisz erdichten
und rühmen mit geprall, sie seyn es ganz allein!
Rompler gebüsch 15.


 
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fürstenkost, f. eine kost fürstlicher tafel, eine speise wie sie ein fürst oder überhaupt eine fürstliche person hat:

dem fette milch aus irdner schüssel
nun keine fürstenkost mehr däucht,
weil sie kein herr vom goldnen schlüssel
mit ernstem amtsgesicht ihm reicht.
Thümmel reisen 2, 244 (1791 s. 111).


überhaupt auch so viel als eine herrlich schmeckende speise.
 
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fürstenkriecher, m. einer der sich bei einem fürsten oder bei fürsten mit unterwürfigkeit und niedriger schmeichelei beliebt zu machen sucht. davon ist dann abgeleitet
 
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fürstenkriecherei, f. Böttigers lit. zustände 2, 94.
 
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fürstenkrone, f.
1) die krone überhaupt eines herschers oder einer herscherin. s. DWB fürst 2). fürstencrone. Frisch 1, 309b. fürstenkrone. Nieremberger Ddd 1c. dasz man der fürstenkrone schon früh die dornenkrone unterbettet. Jean Paul (s. Campe 5, 193a);

die mild ist eine perl in seiner (des dänenkönigs) fürstenkrone.
Tiedge markt d. l. 1, 111.


daher dann
2) die fürstenwürde, die herscherwürde, principis dignitas, fastigium ducale. Stieler 1041.
3) die krone eines der unter dem kaiser oder dem könige stehenden groszen des reiches. s. DWB fürst 8).

bin ich mann, ersatz zu leisten
beiden, wenn auf meinem haupt
eine fürstenkrone pranget.
Müllner d. schuld 160.


4) die krone eines fürsten im engsten sinne. s. DWB fürst 9).

und auf dem grabtuch sahe man den stab
der herrschaft liegen und die fürstenkrone.
Schiller 502a (br. v. M.).

die fürstenkrone obenüber im wappen, zum unterschiede von der grafenkrone.
 
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fürstenkurzweil, unverkürzt fürstenkurzweile,f. vergnügliche unterhaltung zum zeitvertreib für einen fürsten. so in den worten zum gefangenen spatz:

auch würd es fürstenkurzweil sein,
liesz ich den kater Lips herein.
Bürger 20b,

in den ged. 1778 s. 127 fürstenkurzweil'.
 
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fürstenland, n. ein land das von einem fürsten regiert wird. s. DWB fürst 2) und 9).

darnach fraw wollust mit der hand
zeigt mir bisz in fünff fürstenland.
H. Sachs I (1590), 300b;

sie lebten in einem glücklichen fürstenlande. Göthe 21, 129.
im besondern führt das land des ehemaligen fürstabtes von Sanct Gallen, wozu namentlich Tablat, Bruggen, Goszau gehören, den namen Fürstenland, woher dann der Fürstenländer, ein bewohner dieses landes, die Fürstenländerin, eine bewohnerin desselben, und fürstenländerlen, sprechen und gekleidet sein wie die Fürstenländer und Fürstenländerinnen. Tobler 203.
 
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fürstenlastergesang, m. schmähgesang oder scheltgesang auf fürsten. fürsten lastergesanck, tragedia. voc. theut. 1482 i 8a. daneben k iiija gedicht das hern schiltet, trageria.

[Bd. 4, Sp. 872]


Schröers vocab. von 1420 nr. 3006 verdeutscht tragedia durch schentlich gesang, und der breviloquus von 1478 fügt, nach Diefenbachs glossar. 369b, jenem tragedia bei regum et magnatum.
 
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fürstenlaune, f. eine laune oder eigenwillige gemüthsstimmung eines fürsten:

der hofmann, den des fürsten laune drückt,
wagts, leise sich ins ohr zu raunen:
»wahrhaftig, dort das thier (ein mülleresel) ist mehr, als ich, beglückt,
es trägt doch säcke nur, und keine fürstenlaunen.«
Tiedge elegieen 1, 209.


 
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fürstenleben, n.
1) das leben eines fürsten oder überhaupt einer fürstlichen person. s. DWB fürst 2). die sich schnäbelnden täubchen

möchten solche seligkeit
nicht dem könig adler geben
für sein ganzes fürstenleben.
J. G. Jacobi 3, 82,

daher manches fürstenleben ein passiver rath von 500 ist. Jean Paul Levana 2, 139, anspielung auf den rath der fünfhundert in Frankreich 1795.
2) ein leben wie es ein fürst hat, ein herrliches glanzvolles leben, vita magnifica. Stieler 1098. ein fürstenleben führen.

 

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