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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenkammer bis fürstenkriecher (Bd. 4, Sp. 869 bis 871)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenkammer, f. die verwaltende und die einkünfte besorgende behörde eines fürsten:

[Bd. 4, Sp. 870]


Smeckel könnte wol sein lauffen
fürstenkammern hoch verkauffen,
wann sein fusz sich könnte regen,
wie sich kan sein zahn bewegen.
Logau 1, 154, 63.


 
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fürstenkind, n.
1) ein kind eines fürsten oder aus einem fürstengeschlechte:

der fürstenkinder will nach bürgersitten messen.
B. Neukirch ged. 117;

ein mägdlein, wanns schon tugend heisset,
ist schöner als manchs fürstenkind,
das geil und voller lustbegier. Simpl. (Keller) 713 = buch 5 cap. 7;

eine höhle
nimmt das fürstenkind und nimmt
den sklaven auf.
Ramler ged. (1772) 233;

der schutzgeist Deutschlands priesterlich umhüllet,
sein rauchfasz hoch, mit wohlgeruch erfüllet,
flog von dem kaisergiebel auf.
er trug die seelenangst der fürstenkinder.
Denis d. lieder Sineds 83;

es ist eine bekannte sache, dasz fürstenkinder überaus gelehrig sind. Musäus (1787) 5, 118; ich arbeite an einer erziehlehre in bruchstücken, worunter in jedem falle auch eins mit einem wort über fürstenkinder kommen musz. Jean Paul Levana 2, 125; gut wär es auch, wenn fürstenkinder auch ihres gleichen in dem erziehzimmer haben könnten — ich meine, wenn es eine fürstenschule im höhern sinne gäbe, als die bei Naumburg. 133;

du von Homburgs höhen
herrlich fürstenkind.
Schenkendorf ged. 26;

zwo mächtge feen nahten
dem schönen fürstenkind.
Uhland ged. 481.


2) von dem kinde Jesus, der selbst fürst heiszt. s. DWB fürst 11). so hebt ein weihnachtslied an:

o fürstenkind aus Davids stamm ...
es geht
und steht
ausser leidennur in freuden,
was man siehet
weil der friedensfürst einziehet.
Ph. v. Zesen himml. Klio. s. auch
Schottelius 870.


Vgl. DWB fürstenknabe, DWB fürstensohn, DWB fürstenmädchen, fürstentochter.
 
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fürstenkinderstuhl, m. ein kinderstuhl für fürstenkinder, für kleine prinzen und prinzessinnen: warum sitzen auf dem fürstenkinderstuhle nicht eben so gut kleine minister und präsidenten, oder fahren im kinderwagen kleine gesandte vom ersten range? Jean Paul Levana 2, 135.
 
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fürstenkleid, n.
1) ein kleid das ein fürst oder eine fürstin zum zeichen der würde trägt. paludamentum, fürstenklaid. vocabula pro juventute schol. 9b. fürstenkleid, ornatus ducalis. Stieler 979.
2) ein fürstliches kleid, ein kleid von höchster pracht:

zwar das tuch zu fürstenkleidern wird genummen von dem guten.
Logau 2, 222, 71.

sprichwörtlich: es sind nicht alles fürsten, die fürstenkleider tragen. Eiselein sprichw. 197.
 
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fürstenkloster, n. ein von einem fürsten oder einer fürstin oder einer fürstenfamilie gestiftetes oder unterhaltenes kloster. ich (Luther) zwar habe mich hefftig bemühet, dasz die stiffte und fürstenklöster nicht zurissen würden, sondern dasz sie den armen vom adel erhalten würden, es wil aber nicht seyn. Luther tischr. 344a.
 
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fürstenklugheit, f.
 
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fürstenknabe, m. ein knabe aus fürstlichem geschlechte, ein prinz:

mit Scharlot, zweytem sohn
des groszen Karls, dem schlimmsten fürstenknaben
im christenthum (als der schon lange lust gehegt
zu Hüons land).
Wieland 22, 21 (Ob. 1, 31);

Karlos. ich weisz ja nicht, was vater heiszt — ich bin
ein fürstenknabe.Marquis. schrecklicher gedanke,
doch allzuwahr.
Schiller Karlos, in der rhein. Thalia 1, 123;

er kannt ihn wohl, denn mit den fürstenknaben
wuchs er in Frankreich auf.
Gries Ariost 11, 62;

schon der fürstenknabe wird mit keinen andern inauguralehrenämtern eingeweiht, als mit kriegerischen. Jean Paul Levana 2, 142. Vgl. DWB fürstensohn, DWB fürstenkind.
 
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fürstenknecht, m. ein einem fürsten oder einer fürstlichen person völlig unterwürfiger: das hat euch ein fürstenknecht gerathen. Göthe 8, 142 (Götz 5). 42, 416;

warum blieb er ein fürstenknecht?
hätt unser knecht seyn sollen. 47, 239:

[Bd. 4, Sp. 871]



und was war nun mein dank dafür, dasz ich (Wallenstein spricht),
ein treuer fürstenknecht, der völker fluch
auf mich gebürdet — diesen krieg, der nur
ihn (den kaiser) grosz gemacht, die fürsten zahlen lassen?
Schiller 343a (d. Picc. 2, 7);

geh hin, verkaufe deine freie seele,
nimm land zu lehen, werd ein fürstenknecht,
da du ein selbstherr seyn kannst und ein fürst
auf deinem eignen erb und freien boden.
Schiller 525b (Tell 2, 1).


Vgl. fürstendiener.
 
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fürstenkopf, m.
1) der kopf eines fürsten: daher musz es vielleicht kommen, dasz mehre romanenschreiber uns die feinsten münzstempelformen zu fürstenköpfen zu schneiden glauben, blos dadurch, dasz sie den kleinen dauphin, prinz von Kalabrien, prinz von Brasilien, protektor von England, in gänzlicher unwissenheit seines künftigen standes erhalten und erziehen lassen. Jean Paul Levana 2, 131. von dem aufgeprägten fürstenkopfe, dem kopfe des landesherrn, hat das ehemalige kopfstück, später und noch hier und da heute in der Wetterau eine blosz gedachte rechnungsmünze von zwanzig kreuzern rheinisch, seinen namen. vgl. DWB kopfstück 3).
2) ein nach der herschaft strebender, die herschaft sich anmaszender oder sich beilegender kopf, ein sich über die andern erhebender kopf:

zertritt und mach zunichten
den fürstenkopf der leüht, die falscher weisz erdichten
und rühmen mit geprall, sie seyn es ganz allein!
Rompler gebüsch 15.


 
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fürstenkost, f. eine kost fürstlicher tafel, eine speise wie sie ein fürst oder überhaupt eine fürstliche person hat:

dem fette milch aus irdner schüssel
nun keine fürstenkost mehr däucht,
weil sie kein herr vom goldnen schlüssel
mit ernstem amtsgesicht ihm reicht.
Thümmel reisen 2, 244 (1791 s. 111).


überhaupt auch so viel als eine herrlich schmeckende speise.
 
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fürstenkriecher, m. einer der sich bei einem fürsten oder bei fürsten mit unterwürfigkeit und niedriger schmeichelei beliebt zu machen sucht. davon ist dann abgeleitet

 

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