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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstengruft bis fürstenherberge (Bd. 4, Sp. 866 bis 868)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstengruft, f. eine gemeinsame begräbnisstätte verstorbener fürsten oder fürstlicher personen, ein grabgewölbe zur beisetzung fürstlicher leichen. die fürstengruft, ein gedicht von Schubart, s. dessen ged. 2, 73 und fürstentrümmer, wo der anfang dieses gedichtes. auch: die gruft blosz eines fürsten.
 
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fürstengunst, f. die gunst eines fürsten oder überhaupt einer fürstlichen person oder fürstlicher personen, fürstliche gunst:

den fürsten- oder pöbelgunst,
den furcht und hoffnung nicht bethöret. aus
Weckherlins ged. bei
Herder z. sch. lit. u. k. 13, 209;

der thor sucht ...
in todten schätzen trost und heil in fürstengunst.
Hagedorn (1764) 1, 33;

dieser kleine witz, den die natur
zu gespräch und liedern mir verliehen,
mag sich nie um fürstengunst bemühen.
Klamer Schmidt verm. ged. 1, 20;

denn es ist mit der kunst
wie mit der tugend: wer nicht beide
um ihrer willen liebt, nur liebt um fürstengunst,
der fühlt ihr äuszres nur.
Göckingk 2, 131;

wie? oder sieht sein stolz, von fürstengunst genähret,
die sklavinn nur in mir?
Gotter 2, 118;

die herzogin Libussa begabte sie mit allen ehrenzeichen der fürstengunst. Musäus volksm. (1787) 3, 70; haben Sie wohl genau überdacht, dasz nichts unsicherer ist, als fürstengunst, vornämlich eines so jungen, flüchtigen, lockern fürstensohnes, wie dieser. Kretschmans fam. Eichenkron 54;

dich siehet man ...
... buhlen um die fürstengunst, indesz
dein vaterland von schwerer geisel blutet.
Schiller 525a (Tell 2, 1);

der dienst der freiheit ist ein strenger dienst,
er trägt nicht gold, er trägt nicht fürstengunst.
Uhland Ernst 103.


 
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fürstengut, n.
1) eine einem fürsten, einer fürstin oder überhaupt einer fürstlichen person zugehörige sache. fürstengut geht frei, entrichtet keinen zoll (Campe 2, 204a); doch erkennt der jetzt bestehende deutsche zollverein diesen sprichwörtlich gewordenen satz nicht mehr an.
2) etwas das einen fürsten, eine fürstin oder überhaupt eine fürstliche person geistig auszeichnet:

[Bd. 4, Sp. 867]


disz lichte sternenkind (die klugheit ist gemeint), der engel wahre braut,
der gottheit heller strahl, die sonne der gemüther,
hebt ihrer strahlen gold vor alle fürstengüter,
die dir (herzog Anton Ulrich zu Braunschweig ist angesungen), erlauchtester, der himmel hat vertraut. J. F. K. in von Hoffmannswaldau u. anderer ged. 1 (1695), 190.


3) liegendes besitzthum eines fürsten oder eines fürstlichen hauses, kammergut, domäne. Campe a. a. o. und verdeutschungswb. 272a. nach anführung an dem letzten orte scheint das, wie die eben angeführte stelle zeigt, bereits im 17. jh. vorkommende wort für franz. domaine zuerst von Campe vorgeschlagen.
 
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fürstengüte, f. die güte eines fürsten oder einer fürstlichen person:

gute fürsten, (o wäre fürstengüte
gnug, zu retten die welt!) ihr Maximiliane.
Herder z. sch. lit. u. k. 15, 262.


 
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fürstenhain, m. ein fürstlicher lustwald oder fürstliches lustwäldchen:

nicht weit von Neros sitz in einer landschaftsszene
lag eine mühl am bach in einem fürstenhain.
Tiedge elegieen 1, 208.


 
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fürstenhalle, f. eine einem fürsten zugehörige halle, ein hoher und weiter zu versammlungen und festlichkeiten geeigneter raum einer fürstlichen burg oder eines fürstlichen schlosses:

worin er doch von hohen excellenzen,
voll demuth, wie in fürstenhallen, spricht.
Tiedge episteln 295;

doch oben alles ganz zerfallen,
der epheu schlingt sich um den stein,
und in den ofnen fürstenhallen
spielt waldesgrün mit sonnenschein.
Schenkendorf ged. 160.


 
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fürstenhand, f. die hand eines fürsten: Brixenfels faszte die fürstenhand mit einer art von inbrunst und pries sich glücklich wegen der eröffnung dieser reizenden aussicht für seinen kunstplan. Ernst Wagner d. reis. mater 1, 152;

der krummstab war verschwunden,
des alten segens pfand,
nun blüht er, aufgefunden,
in milder fürstenhand.
Schenkendorf poet. nachlasz 127.


 
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fürstenhasser, m. einer der einen hasz gegen fürsten hat: sprich den fürsten nicht hohn, freiheittrunkner jüngling, der du vielleicht als mann zu ihren füszen kniest! ... viele unter ihnen sind freundlich und gut, und verleihen selbst den fürstenhassern brod. Sturz 2, 282.
 
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fürstenhaupt, n.
1) der kopf eines fürsten, einer fürstin oder überhaupt einer fürstlichen person:

der feind hat ihn (den herzog von Montmorency) genommen
und ruckwarts (durch einen ruck des fallbeils) hingeraubt,
das kluge fürstenhaubt.
Harsdörfer mordgesch. 349.


2) ein fürst, eine fürstin oder überhaupt eine fürstliche person:

indessen wenn man dich (herzog Friedr. Ludewig zu Schleswig-Holstein
ist angeredet), o fürstenhaupt! gesehn.
Gottsched 1, 371;

denn, landesmutter! solch ein tag, ...
daran zu unserm glück und ruh
dergleichen fürstenhaupt, als du,
pflegt an das licht gebracht zu werden. 2, 68;

er hat ein fürstenhaupt, vor vielen brav und edel,
aus seinem diadem der schönsten perl beraubt
und hat sie hingepflanzt auf den gemeinsten schädel:
der nennt sich nun getrost ein haupt.
Tiedge markt d. l. 1, 113.


 
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fürstenhaus, n.
1) das haus eines fürsten, ein fürstliches haus, ein fürstlicher palast. aula, augustale, des keysers hof, oder fürsten hausz, hofläger. Alberus dict. kk 3b. gott lasz uns zu friede lust haben, und drumb trewlich beten, und unser lebenlang darzu rathen, so werden fürstenheuser und christenkirchen jren gibel behalten. Mathesius Luther (1566) 113b. aula, ein fürsten hof, ein künigklich hausz oder fürsten hausz. Frisius (1556) 143a und danach Maaler 150d, der noch »palatium, regia« beisetzt. fürsten- sive herrenhaus, basilica, domus magnifica. Stieler 798. fürstenhaus. Kirsch. Matthiä. Steinbach 1, 716. Hederich. Nieremberger.

die citadell, der dom, die fürstenhäuser
die rufen diesem (lies diesen) donner nach.
Karschin ged. (1764) s. 174;

betrete dann das hochgethürmte fürstenhaus
und mustre mir die mägde, die ich dort zurück
gelassen.
Göthe 41, 181;

[Bd. 4, Sp. 868]



und floh nach Polen, wo der edle fürst
von Sendomir, der holde freund der menschen,
mich gastlich aufnahm in sein fürstenhaus
und zu der waffen edlem dienst erzog.
Schiller 662b (Demetr. 1);

kleiner oder gröszer
sey das fürstenhaus,
alle forscht sie aus:
alle kennt sie besser,
als ihr eignes haus.
Tiedge frauenspiegel 178;

besuchen wir nun jenen lichten hügel,
der einen stolzen bau, wie eine krone, trägt!
da prangt ein fürstenhaus, das seine beiden flügel
gewaltig aus einander schlägt. markt d. l. 1, 116.


2) eine fürstliche familie, ein fürstliches geschlecht. Brunswig der loblichen fürstenheuser eines ist. Luther an kurf. zu Sachsen (Wittemberg 1545) A iijb, s. Ph. Dietz 1, 759a;

vivat! Ludewig (fürst zu Anhalt)!
dein regiment sey sonder ende,
dein fürstenhausz erweitre sich!
Picander ernst-scherzhafte ged. 3, 25;

wer ist die schaar, die herrlich mit einander
wie ein versammelt fürstenhaus sich freut?
Göthe 9, 57;

aber der cardinal Richelieu ... fühlte die wichtigkeit, in der Lombardei ein in französischem interesse stehendes fürstenhaus zu haben. J. v. Müller allg. gesch. (1817) 3, 135;

gott schütz edle fürstenhäuser!
Schenkendorf poet. nachl. 101.


 
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fürstenherberge, f. ein haus, in dem ein fürst oder überhaupt eine fürstliche person oder fürstliche personen gegen bezahlung übernachten: zugen ... von einer fürstenherbwrig zu der andern, hoffierten darvor. Wilwolt von Schaumburg 183. fürstenherberge, locus, ubi princeps aliquis divertere et honorifice tractari potest, vulgo grangia. Stieler 165.

 

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