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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürstenbischof bis fürstenbruch (Bd. 4, Sp. 860 bis 861)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürstenbischof, m. was heute fürstbischof (s. d.) er meinet aber nicht fürstenbischove, noch schlosbischove, sondern kirchenbischove. Luther vermanung an die geistlichen (Wittemberg 1530) Gijb; da noch kein weyhbischoff noch fürstenbischoff, sondern eitel pfarrher waren. dessen von der winckelmesse (Wittemb. 1533) Lja. s. Ph. Dietz 758b f.
 
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fürstenblick, m. ein blick eines fürsten:

glüh entgegen
Phöb-Apollen:
kalt wird sonst
sein fürstenblick
über dich vorübergleiten.
Göthe 2, 72.

im besondern: der gebietende blick eines fürsten.

dir legt kein fürstenblick die güldnen fessel (so steht da) an.
Canitz 126;

ein fürstenblick ist schon eine that: ein fürst hat also die wahl, ob er den ganzen tag ermorden oder beleben will. Jean Paul Levana 2, 157.
 
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fürstenblicken, n. das blicken eines fürsten wohin oder worauf:

thut ein gesezter geist,
was recht und tugend heist,
so kan noch pöfelswutt
die böses heist und thut,
noch saures fürstenblicken
den steiffen sinn verrücken.
v. Abschatz glüchwünschungen 180.


 
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fürstenblut, n.
1) blut eines fürsten, überhaupt blut von fürsten:

theurer stamm von alten helden, ...
wann dein kühnes fürstenblutt für das heyl der christenwelt
für des Rheinstroms sicherheit kämpffend in den sand verfällt.
Abschatz glückw. 13;

sie (die gräfin Katharina von Schwarzburg) selbst begibt sich wieder nach dem saale, wo die fürsten noch bei tische sitzen .... »das wollen wir doch sehen«, antwortete sie aufgebracht. »meinen armen unterthanen musz das ihrige

[Bd. 4, Sp. 861]


(das geraubte vieh) wieder werden, oder, bei gott! .... fürstenblut für ochsenblut!« Schiller 1079b;

fürstenblut geflossen
in der Lütznerschlacht.
Schenkendorf ged. 25.


2) blut in adern durch das die person einem fürstlichen stamm angehört, fürstliches geblüt, fürstliche herkunft:

dasz niedriges geblüte
auff hohen stühlen sitzt, und gehet in der mitte
und fährt mit sechsen her, verachtet fürstenblut.
Logau 2, 15, 38;

secretair. (der herzog) versöhnt sich mit dem könig
und macht sichs zur bedingung: dieses kind (eine natürliche
tochter)
als fürstin seines stamms erklärt zu sehn.
hofmeisterin. und gönnt ihr dieser köstlichen natur
vom fürstenblute nicht das glück des rechts?
Göthe 9, 283 (d. nat. tocht. 2, 1);

in Elvirens adern rollt
fürstenblut.
Müllner d. schuld 160.


 
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fürstenbote, m. ein botschafter oder abgesandter eines fürsten. mhd.

ër (Hagne) sprach, von swannen kœmendie recken an dën Rîn,
ëʒ möhten fürsten sëlbeoder fürsten boten sîn. Nib. 86, 2;

râtliute, schrîber und bîhtiger
wiʒʒen vil mêre niuwer mære
denne ander liute und fürsten boten. renner 21996.

nhd., nach jener ersten stelle: fürsten oder fürstenboten müszen es sein, sagt er (Hagen von Tronei). Vilmar gesch. d. d. nationallit., 13. aufl. s. 57.
 
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fürstenbrauch, m. die weise wie fürsten zu thun pflegen oder wie sie bei fürsten üblich ist:

das werkzeug deiner laune ruhte
im trocknen dintenfasz, nach weiland fürstenbrauch.
Gotter 1, 245.


Vgl. DWB fürstenart, DWB fürstensitte.
 
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fürstenbraut, f.
1) die braut eines fürsten:

dankenswerth
ist alle gift, von ihrer (der götter) hand beschert,
der traurigste von allen nebeltagen
so gut, als wie der tag, der auf dem sonnenwagen,
wie eine fürstenbraut, besteckt mit blumen, fährt!
Klamer Schmidt poet. br. 131,

der treulos meiner gluth vergessen,
mein diadem verschmähte,
ein tugendbleiches kind mir vorgezogen,
statt königlich die fürstenbraut zu wählen
und stolz in meinem sonnenglanz zu strahlen.
Friedrich Schlegel ged. 130;

wir sahn sie (die fürstin) kaum, und unwillkührlich bogen
sich unsre knie der holden fürstenbraut.
Gries ged. 1, 149;

in dieses fensters bogen
stand manche fürstenbraut.
Schenkendorf ged. 94.


2) eine braut fürstlichen standes. der alte zorn über die stolze verweigerung der fürstenbraut wurde befriedigt. J. Paul.
 
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fürstenbreve, n. ein breve, d. h. blosz mit dem fischerringe besiegeltes päpstliches schreiben, an einen fürsten oder überhaupt an fürsten. die päpstliche nuntiatur hat durch französische blätter einen brief des secretärs der fürstenbreves bezüglich der von französischen klerikern aus anlasz des concils direct an den papst gerichteten adressen veröffentlicht. ein solcher vorgang widerstreitet dem französischen staatsrecht. Augsburger allgem. zeit. 1870 s. 2801a. unter jenem päpstlichen secretär ist der secretarius literarum ad principes gemeint.
 
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fürstenbrief, m.
1) eine von einem fürsten ausgestellte öffentliche urkunde. fürstenbrieff, literae publicae, diplomata. Henisch 507, 45. wie man zu hof zu sagen pflegt: fürstenbrieff sol man dreymal lesen. Luther tischreden 155a, d. i. um sie recht zu verstehn. diese sprichwörtliche redensart hat auch Henisch 508, 25, und ihre eben beigesetzte erklärung ergibt sich aus dem von diesem 507, 46 angeführten sprichwörtlichen fürstenbrieffe sind dunkel zu lesen.
2) ein von einem fürsten verfaszter brief an jemand. Augsburger allgem. zeitung 1868 s. 4386a.
 
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fürstenbrötchen, n. eine art feiner mürber brötchen.
 
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fürstenbruch, m. bergmännisch ein in einer fürst (fürste), d. h. dem obertheil oder der decke eines unterirdischen grubenbaues, entstandener bruch, der leicht stattfindet, wenn jene decke locker, leicht ablöslich u. s. w. ist. mit ü für i (s. DWB fürst oben sp. 850), denn eigentlich firstenbruch. vgl. Scheuchenstuel 75.

 

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