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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürsprechen bis fürsprechin (Bd. 4, Sp. 836 bis 840)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürsprechen ,
1) stellvertretend zu gunsten oder zum besten jemandes oder einer sache sprechen, ihn oder sie vertheidigen, für ihn oder sie mit wort und rede einstehn. ahd. furisprëhhan, durch rede oder schrift vertreten, vertheidigen, verfechten, dann so viel als berathschlagen, befriedigen (für etwas). alle diese bedeutungen schlagen in die unter 3) über, die sich in mhd. vürsprëchen entwickelt hat. dasselbe tritt ein bei nhd. für- sive vorsprechen, intervenire, intercedere, causam alicujus tueri, defendere dictis. Stieler 2100. Rädlein setzt s. 1016b in dem sinne »einem das wort reden«, d. h. als anwalt reden, vor gericht als sachwalter eine sache vertreten, vorsprechen, während er s. 313b fürsprechen auf die bedeutung fürsprache für jemand thun beschränkt; er scheidet also beide wörter, ohne jedoch dafür einen grund geltend zu machen. bei dem Züricher Dentzler fehlt fürsprechen und hat vorsprechen einen ganz andern sinn. dagegen nimmt Kirsch (1723) 2, 125b fürsprechen nur in der bedeutung für jemand als anwalt in einer rechtssache sprechen, »causidicari, advocat sein«, d. h. als advocat eine rechtssache führen, und gleicherweise bringt auch sein nachtreter Matthiä (1761) 2, 161a das wort. in dem sinne aber hat später kein wörterbuch fürsprechen mehr.
2) im namen einer gesammtheit von personen oder einer genossenschaft das wort führen, wortführer sein, worthalter sein.
3) zu jemandes gunsten oder bestem sprechen, zu jemandes gunsten oder bestem in rede oder schrift sich thätig erweisen, zu jemandes gunsten oder bestem sich verwenden, sei dies bittend oder überhaupt um für ihn und seine sache oder angelegenheit zu wirken, ein gutes wort einlegen. so im hochd. um 1100, vielleicht noch kurz vor 1100.

dër vur sprëchintin giloubin ginîʒʒin wir.
Diemer 100, 23—24;

wan diu wërch dër erbermhërzechait, diu dër mensch hât hie begangen, diu wërdent rëht ze worten dës tages unde diu fürsprëchent dëm menschen unde fürtrëtent in unde lëdegônt in mit rëhter urtailde ab dëm jungesten gerihte. Grieshaber pred. 1, 60. nhd. fürsprechen, intercedere. Henisch 1307, 41. intercedere, mitteln, fürsprechen. wohlredendes teutschfranz.-lat. wb. 2, 144b. dasz Stieler 2100 fürsprechen so wie vorsprechen in diesen sinn überschlagend nimmt, ergibt sich aus dem bei der ersten bedeutung angeführten; zugleich ist da bemerkt, dasz Rädlein in dem sinne hier blosz fürsprechen verzeichnet, das allein in demselben auch Weismann, Hederich aufnehmen, während Nieremberger Ddd 1d bei fürsprächen noch auszerdem die unten unter 4) angegebene bedeutung hat. Ludwig, Weber im deutschlat. universalwb. lassen fürsprechen unangeführt und bringen in dem sinne hier vorsprechen (s. d.), welches Adelung in ebendemselben wie in dem »in eines andern namen sprechen« als nicht üblich bezeichnet und bemerkt, dasz es dann »eigentlich fürsprechen heiszen müszte.« mit recht hat Campe dieses fürsprechen auf grund zweier der gleich hiernach angeführten belegstellen wieder aufgenommen, aber, wie sich aus der oben angegebenen geschichte des wortes ergibt, mit unrecht durch ein zeichen es für ein neugebildetes erklärt. ihm folgend bringt auch Heinsius fürsprechen, aber auffallender weise fehlt es wiederum bei Heyse. es ist freilich nicht gerade häufig gebraucht, kommt aber doch vor, zumal in edler sprache. ruhest du, vater? sprach sie (nemlich Pallas zu Jupiter, ihn ans versunkene menschengeschlecht erinnernd): kannst du ruhen und dir verzeihen, dasz du unglückliche gemacht hast? »ich habe sie nicht zum unglück erschaffen wollen«, sprach er und schwieg. das beruhigt dich, vater, fuhr die fürsprechende göttin fort, aber auch dich nicht ganz, noch weniger jene unglückliche selbst. Herder z. schön. lit. u. k. 6, 178; haben sie die güte, sagte der Engländer, bei diesem herrn für uns fürzusprechen, dasz er uns eine probe seiner kunst sehen lasse. Schiller 720b (geisters. 1);

Olivarez. prinzessin Eboli, Sie haben uns
noch nicht gesagt, ob Gomez hoffen darf?
ob wir Sie bald als seine braut begrüszen?
königin. ... (zur prinzessin) man bittet mich, bei Ihnen fürzusprechen.
wie aber kann ich das? der mann, den ich
mit meiner Eboli belohne, musz
ein würdger mann seyn. 247b (Karlos 1, 3).

[Bd. 4, Sp. 837]


dasz aber, wie schon früher, auch später noch vorsprechen in dieser bedeutung vorkommt, wird unter diesem worte belegt werden.
4) in gegenwart sprechend zu wissen thun, zum nachsprechen sprechend kund thun, zum nachschreiben sprechend kund thun. mit dat. der person in dem sinne: zum nachsprechen sprechend kund thun, zum nachsagen vorsagen: einem fürsprächen, praeire verba. Nieremberger Ddd 1b, der hierbei auf vorsprächen verweist, und vorsprechen (s. d.) ist auch das geläufige und bald danach allein gebrauchte wort. bei dem lat. ausdrucke ist an Livius 42, 28 gedacht. wir werden gewislich feylen (fehlen), wo wir nicht einfeltiglich yhm nachsprechen wie er uns fur spricht. Luther vom abendmal Christi (1528) vja. auch ohne dat., der sich hinzudenken läszt: odder wie ein fromer schulmeister, wenn jm ein junger knabe sol das abc aufsagen, kan seer wol gedult haben ... und jmer fürsprechen das (dasz) er jn dabey behalte und fortbringe. dessen das 16. cap. Johannis (1538) Ddjb, s. Ph. Dietz 1, 757a u. 694a.
5) im vorbeigehen einsprechen, im vorbeigehen eintreten zu kurzem aufenthalte. mit bei und einem davon regierten dat. der person. schon im 18. jh. war hier nur vorsprechen (s. d.) gebraucht.
6) mit sprechen zuvorkommen. dies die bedeutung, wenn zu praevenit eum dicens in der vulgata Matth. 17, 24 eine von Mone anz. 4, 84, 101 mitgetheilte ahd. glosse furesprâhin hat. übrigens möchte nhd. diese bedeutung kaum vorkommen und dann würde in ihr auch vorsprechen (s. d.) gesetzt sein.
 
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fürsprechen, n. der als subst. gesetzte inf. fürsprechen. in dem besonderen sinne das einleitende voraussprechen, die vorausgehende rede, hat es Steinbach 2, 642, wo er anführt für et vorsprechen (das), verborum praefamen.
 
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fürsprechenamt, n. die pflichtmäszige wirksamkeit eines »fürsprechen« oder advocaten, die anwaltschaft. advocatio, das fürsprechenammt. Dentzler 1, 889. Dentzler ist ein Züricher, danach beschränkt sich das wort, wie fürsprech (s. d.) später selbst, auf die Schweiz. vgl. auch DWB fürsprechamt.
 
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fürsprechenstuhl, m. der rednerstuhl, von dem der sachwalter oder anwalt vor gericht spricht. mhd. fursprëchenstuol. voc. opt. 4, 138—139 = s. 17b. nhd. fursprechenstul, sinedra. voc. theut. v. 1482 17b. auch fürsprecherstuhl.
 
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fürsprecher, m. , ein jüngeres wort, als fürsprech (s. d.), denn ahd. findet sich noch kein furisprëhhari, furisprëhhâri, und mhd., wo die eigentliche form vürsprëchære sein würde, setzt das im 14. jh. bei Megenberg vorkommende fürsprëcherin (s. fürsprecherin) das masc. fürsprëcher als sein stammwort voraus. sein erstes erscheinen fällt also in das 14. jh.; aus dem zweiten viertel des 15. jh. findet es sich in einer gleich nachher folgenden stelle aus einer urkunde in Thomas oberhof. aber daneben taucht dann auch in Diefenbachs Erfurter wb. v. j. 1470 sp. 63 ein Mitteldeutschland entstammendes vorsprecher, causidicus, prolocutor, auf, das als schon dem 14. jh. angehörig wieder nach einem älteren mittetd. vorsprecherîn sich voraussetzen läszt.
1) einer der als rechtskundiger vor gericht stellvertretend eine rechtssache führt, ein anwalt, ein sachwalter, ein advocat. mhd. und sal Friderich sîn fursprëcher (= Friderichs fürsprecher), dën ër itzund gewonnen hât, nemlich Henne Glocke, blîben. urk. v. j. 1433 in Thomas oberhof s. 552, 116. nhd.

herr marschalk ich ruof euch an,
ich wil ain fürsprecher han. fastnachtsp. 473, 25;

doctor, der ein fürsprecher war. Pauli schimpf u. e. 28b; wenn ich aber von den juristen sage, meine ich nicht allein die doctores, sondern das gantze handwerk, als cantzler, schreiber, richter, fürsprecher, notarius und was zum rechte des regiments gehöret. Luther 5, 180b; der heilige geist ein tröster und fürsprecher ist, der die sünde für gott entschuldigt. dessen der prophet Sacharja Mija, s. Ph. Dietz 1, 757a; paracletus heisset ein advocat, fursprecher oder beystand für gericht, der den schüldigen tröstet, sterckt und hilfft. also thut der heilige geist auch uns im gewissen fur gottes gericht wider die sünde und des teuffels anklage. derselbe am rande zu Joh. 14, 16; denn seine (gottes) gnade ... nimpt uns gantz und gar auff in die hulde, umb Christus unsers fürsprechers und mitlers willen. dessen vorrede auf die ep. s. Paul an die Römer, in Bindseils ausg. der bibelübers. 7, 436; solchs schreibe ich euch, auff das (dasz) jr nicht sündiget. und ob jemand sündiget, so haben wir einen fursprecher bey dem vater, Jhesum Christ, der gerecht ist. 1 Joh. 2, 1, in den drucken des neuen testamentes von 1522—1525 fursprechen, die vulgata hat advocatum; das (dasz) Moses ... vom herrn Jesu Christo zeuget, nemlich das er der eynige mitler, fürsprecher, hohepriester,

[Bd. 4, Sp. 838]


versöner, gnadenthron, vesteburg und asylum ist, darunter wir verwarter und sicherer sitzen und rasten, denn unter allen plawen menteln Marie. Mathesius Sarepta 44a (1562 62a); dasz sein herr und son oben inn der höhe gott gleych sitzen ... unnd siines volcks ewiger priester (nach ps. 110, 4) und fürsprecher sein (werde). dessen leichpred. 1, 17b; wir armen sünder haben beym vatter einen fürsprecher, der uns das wort redet oder uns ein gutes wort verleihet. 3, 59a, woneben fünf zeilen vorher fürsprech (s. d.); und trösten uns allein des einigen erlösers und fürsprechers unnd seines tröstlichen geistes. 60a;

alles wohnplätze der herrlichkeit gottes, mitwissende zeugen
jener geheimen versöhnungsbitten des grossen fürsprechers.
Bodmer Noah 12, 734.

procurator, anwalt, ... fürsprecher, redner. Schöpper syn. nr. 30. auf dasz er zeitlich sich um einen fürsprecher oder procuratorn bewerben und mit seiner notturft sich gefast machen könne. verordn. des hadelerschen landger. thl. 1 tit. 3, daneben aber tit. 5 fürsprach (s. d.); von fürsprechern, zungentröschern und ärtzten pflegt er zu sagen: jene ernehren sich von der menschen unverträglichkeit, diese von ihrer unmässigkeit. Zinkgreff apophth. 1, 161, vgl. 285; wann keine muhtwillige fürsprecher weren, so weren auch keine muhtwillige parteyen. 218; man sagt, ein kind habe allemahl einen advocaten oder fürsprecher bei seinem vater, der, was es mit wenig einfältigen worten fürträgt, weitläufiger erklärt und ihn mit gewaltiger rede zwinget, zu thun, was das kind verlanget. Scriver seelenschatz 2, 645; sogar aus verschiedenen städten in Asien kamen einige, die von den dortigen Christianern abgesandt waren, ihm hülfreiche hand zu leisten, seine fürsprecher vor gericht zu seyn und ihn zu trösten. Wieland 27, 11. noch heute in der Schweiz neben dem echt und volksüblich schweizerischen fürsprech (s. d.): da waren ein dutzend oder was fürsprecher und dann noch etwelche prokuratoren. Gotthelf schuldenbauer (1854) s. 241; nebst dem graute es den leuten vor dem prozediren, die fürsprecher waren weit weg und von den prokuratoren wuszte man sonst nicht viel. ebenda; die herren seien runter, jetzt möchten fürsprecher und schreiber auf den thron. aber ohä, denen wollten sie (es sprechen bauern) zeigen, wer meister sei. dessen Käthi cap. 16 (schriften 1861 4, 248); sie begännen zu merken, warum das ding umgerührt und angerichtet worden, für niemand anders als hungrige fürsprecher und hochmüthige schulmeister. dessen Jakobs wanderungen cap. 29 (11, 459); der fürsprecher strich den schnauz. ebenda (s. 466).
Wie aber schon im 15. jh. vorsprecher neben fürsprecher auftritt, so auch in der folgenden zeit, was bei dem ersten worte stellen belegen werden. Stieler 2100 hat »für- sive vorsprecher, et wortsprecher, advocatus, patronus,« und Rädlein bringt jene beiden für anwalt, advocat, jedes an seiner stelle im alphabete. der Züricher Dentzler kennt nur sein schweiz. fürsprech und läszt die beiden wörter unerwähnt, dagegen verzeichnen Weismann 2, 137a, Kirsch (1723) 2, 125b, Matthiä (1761) 2, 161a fürsprecher und zwar die beiden letzten zugleich in dem durchbrechenden, bei Rädlein wie Weismann noch nicht angegebenen sinne von fürbitter, einer der zu gunsten eines andern oder anderer bittend spricht. in beiderlei bedeutung findet sich denn auch bei Hederich fürsprecher, aber nur in der zuletzt angegebenen vorsprecher, gleicherweise bei Nieremberger fürsprächer und vorsprächer. Ludwig bringt neben einander vorsprecher, fürsprecher in beiden bedeutungen, Moerbeek jedes an seiner stelle im alphabete, doch blosz in dem sinne von advocat. Crichton hat fürsprecher für fürbitter, so auch Scheller, der vorsprecher anführt, aber dabei kurzweg auf jenes verweist, während Bauer fürsprecher wie vorsprecher auch für advocat verzeichnet. was blosz deutsche wörterbücher des 18. u. 19. jh. anlangt, so hat Steinbach 2, 642 »für- et vorsprecher« in jenen beiden bedeutungen, Frisch 2, 307b »vorsprecher, fürsprecher,« = advocatus, wozu dann s. 408a die vertheidigung des vor hier zu vergleichen ist, für welches er nemlich geltend macht, dasz der, der für den andern, d. h. anstatt des andern, spricht, doch zuvor vor demjenigen stehen müsse, vor welchem er für den andern sprechen solle. Adelung ist in beiden bedeutungen, von welchen die eine, nemlich wenn das wort für advocat steht, als dem oberdeutschen eigen angegeben wird, entschieden für fürsprecher, was sich ohne ausdrückliche erklärung darin kund gibt, dasz er bei vorsprecher ohne weiteres auf jenes verweist; dagegen bezeichnet Campe 5, 506b, der sonst Adelung folgt, fürsprecher als »gewöhnlicher und richtiger«. Heinsius nimmt vorsprecher gar nicht auf, und Heyse 2, 1736 läszt es nur landschaftlich

[Bd. 4, Sp. 839]


für fürsprecher gelten. dasz aber gleich diesem auch jenes feststeht und die gewichtigsten namen, wie Lessing und Göthe, für sich hat, ergibt sich aus der geschichte des wortes und werden die stellen unter vorsprecher zeigen.
2) einer der für eine gesammtheit oder eine genossenschaft und in ihrem namen spricht, ein wortführer, ein worthalter. bald wurde die kleine zahl der redlich gesinnten fürsprecher des volks von einer menge anderer verdrängt, die ... keine andre absicht haben konnten, als die miszvergnügten noch mehr aufzuhetzen und eine revoluzion zu beschleunigen, in welcher sie eine bedeutende rolle zu spielen hofften. Wieland 7, 369. jene fürsprecher gedachten nemlich, ihre beschwerden der regierung in einem anständigen, aber männlichen tone vorzutragen. die fürsprecher einer gemeinde. vgl. DWB fürsprech 2).
3) einer der für jemand oder etwas ein gutes wort einlegt, der zu gunsten von jemand oder etwas bittend spricht oder sich verwendet. dasz diese bedeutung sich erst später aus der unter 1) angegebenen entwickelt hat, von der sie, wie die stellen bei Luther und Mathesius zeigen, mitunter nicht zu scheiden ist, ergibt sich aus der bei dieser dargelegten geschichte des wortes. sie ist auch bereits im 18. jh. die schriftdeutsch vorherschende geworden.

o hätt ich nur einen fürsprecher,
der ihn (gott) bäte, von mir den geist, der denket, zu nehmen!
Bodmer Noah 8, 658;

aber, habe ich mit allem, was ich bisher als sein (J. J. Rousseaus) fürsprecher vorgebracht, erhalten, dasz auch Sie, mein freund, von der strenge Ihres urtheils nachlassen, dasz auch Sie ihm verzeihen? Wieland 15, 227. er war sein fürsprecher bei dem fürsten und verhalf ihm zu der stelle. bildlich: die poesie ... soll nie die gelehrsamkeit zu ihrer auslegerin, nie den eigennutz zu ihrem fürsprecher machen. sie soll das herz treffen, weil sie aus dem herzen flosz. Schiller 1132b.
 
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fürsprecherei, f. das einem anwalt oder sachwalter obliegende thun und wirken, die jenen überhaupt zukommende wirksamkeit. advocatia, fursprecherey. Eychman a 7a.
 
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fürsprecheramt, n. die obliegenheit und wirksamkeit eines anwaltes oder sachwalters, die advocatur. das fürsprecher ampt, advocatio. Wilhelmi lex. proso - metricum 2, 103b. vergl. DWB fürsprechersamt und DWB fürsprechenamt.
 
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fürsprecherin, f. , ein, wie bereits bei fürsprecher (s. d.) bemerkt wurde, zuerst im 14. jh. erscheinendes wort, das aber da nur die nächstfolgende bedeutung hat. es bedeutet nemlich:
1) eine in der eigenschaft eines anwaltes oder sachwalters erscheinende, mitunter auch zugleich fürbittende weibliche person. so von Maria, der mutter Jesu, gebraucht: mhd. seind (= da) si (nemlich Maria) unser fürsprecherin ist vor dëm obristen rihter. Megenberg 60, 20—21; dëm paum (es ist der palmbaum gemeint) geleicht sich diu oberst edel kaiserinn, dër himel fürstin, aller sünder fürsprecherinn. 337, 29. daneben findet sich aber auch im 14. jh. mitteld. vorsprecherîn: biten wir si (die heil. Prisca ist gemeint), daʒ si uns ire heilige marter mite teile und unser vorsprëcherîn sî gên dëm almechtigen gote. myst. 1, 65, 6. s. vorsprecherin. nhd. »advocata, ein vogtyn, ein furversprecherin, ut Maria die eim sein wort thut und gutiget und dar legt auff das aller best.« Eychmann a 7a, lies fur-, versprecherin, in spätern drucken, z. b. dem unter des eigentlichen sammlers Johannes Melber namen 1486 erschienenen A 8 fürsprecherin.

Maria, du hymelische künigin,
du wöllest unser fürsprechrin sin. bruder Rausch B (Scheibles kloster 11, 1118);

für eine fürsprecherin wollen wir sie (Maria ist gemeint) nicht haben, für eine fürbitterin wollen wir sie gerne haben, wie die andern heiligen auch. Luther auslegung der evangelien an den fürnemisten festen (1527) CCiiijb, s. PH. Dietz 1, 742b. vgl. gleich nachher 3).
2) eine weibliche person die für eine gesammtheit, in deren namen spricht, eine wortführerin, eine worthalterin.
3) eine weibliche person die für jemand oder etwas ein gutes wort einlegt, die zu gunsten von jemand oder etwas als bittende spricht oder sich für sie verwendet, eine gönnerin. dies die im 18. jh. und heute geläufige bedeutung, die sich aus der unter 1) entwickelte und mit ihr nicht selten eng verbunden ist. patrôna, fürsprecherin und schirmerin. Frisius (1556) 959a und danach Maaler 150c, der fürsprächerin schreibt. patrona, beschirmerin, vertretterin, fürsprecherin. Kirsch (1723) 1, 791a und, diesem folgend, Matthiä (1761) 1, 1016a. o dasz nur schon die alte zu den füszen ihrer fürsprecherin liegen und mir raum geben möchte, zu den füszen der meinigen zu fallen! Thümmel

[Bd. 4, Sp. 840]


reise 3, 314; eine bessere fürsprecherinn hätten Sie nicht finden können. Gellert lustsp. (1748) 8; schreib es blosz einem aus dieser vielleicht übermäszigen güte entspringenden zartgefühl zu, dasz er, statt dir seinen willen selbst anzukündigen, mich zur auslegerin und fürsprecherin seiner wünsche bei dir erbeten hat. Wieland 39, 151. s. auch vorsprecherin.
 
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fürsprechersamt, n. was fürsprecheramt, fürsprechenamt. fürsprechersamt, cognitura. Kirsch (1723) 2, 125b und danach Matthiä (1761) 2, 161a.
 
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fürsprecherstuhl, m. was fürsprechenstuhl (s. d.).
 
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fürsprechin, f.
1) was fürsprecherin 1): unser l. (liebe) fraw ... ist die königin der himmeln, ... die mutter der gnaden, jhr (die Romanisten sind gemeint) leben, jhre süszigkeit, unnd jhr sonderliche fürsprecherin, advocatin und mittlerin. Fischart bienenkorb 180b (1588 198b).
2) was fursprecherin 2).
3) was fursprecherin 3), eine gönnerin. patrona, fürsprecherin. Dentzler 1, 557, doch mehr in dem sinne wie 1).
4) die frau eines »fürsprechen« oder anwaltes. in der Schweiz jedoch ist der titel frau fürsprech.

 

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