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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
fürsprech bis fürsprecheramt (Bd. 4, Sp. 833 bis 839)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürsprech, m. , verkürzt aus fürspreche, welche volle form aber nhd. selten ist. ahd. furisprëhho, orator (gl. hrab. 970b), mhd. vürsprëche, fürsprëche, woneben aber auch schon und zwar zu anfange des 12. jh. vorsprëche, wortführer (exodus 96, 22. 99, 6 = Milstäter hs. 132, 12. 135, 12), später mitunter bereits gekürzt vorsprëch (Ben. 2, 2, 534 f.). das wort ist mit dem einfachen ahd. sprëhho, sprecher, zusammengesetzt, wobei natürlich einflusz des ahd. furisprëhhan, durch rede oder schrift vertreten oder vertheidigen, in einer sache vertreten, waltete.
1) einer der jemand in einer rechtssache vor gericht vertritt und für diesen das wort führt, ein sachwalter, ein anwalt, auch ein anwalt der zugleich fürbittend spricht oder fürbitte einlegt. nhd. fürspreche, ravilla, est causidicus. voc. theut. von 1482 i7b; fursprech, sindicus. ebenda. daneben aber auch, wie vorhin mhd., vorsprech, meredicus i. e. causidicus. mm 3b. advocatus, ein fursprech, der fur eins bitt, ein vogt, ein zugeruffter sach treiber, coram judice procurator. Eychman a 7a. fursprech, cummuniter loquendo, procurator causarum, orator, advocatus, causidicus. vocab. incip. teuton. f 4a. advocatus heiszt in tütsch ein fürsprech oder ein ratgeb, den man berüfft z einer sach, das er darinn raten sol. procurator heiszt auch ein fürsprech und ist der, der da redt usz angeben des advocaten, seiner parthen (clientibus) denen er bystendig sein sol. Keisersberg Marie himmelf. 2c; die advocaten und fürsprechen und notarii und ihres gleichen, die lerent im rechten. dessen narrensch. 141b; das si sich selb verantwort zu allen stunden vor dem gericht und wolt keinen fursprechen haben. H. v. Müglin 108b; ein fründ hat mich vom markt gefürt un zu einem fürsprech. Terentius teutsch 1499 104a;

das (dasz) ich disem guoten man
kain unrecht nicht enthuon,
ob ich im erlaub ain fürsprechen.
das frag ich hie an disem rechten. fastnachtsp. 473, 34;

herr der richter weis und wol gelart, ...
erlaubt uns frauen ainn fürsprechen,
der uns künn geben ain rechte ler! 704, 15;

ein fürsprech sei euch hie erlaupt,
dem ir der sach getraubt und glaupt. 19;

er darf auch hie (vor dem burgermeister) kainn fürsprechen weln,
sein sach er selber mit worten ercler. 746, 11;

herr marschalk, was welt ir rechen,
das ir mir habt versagt ainen fürsprechen?
ir thut mir groszen gewalt
mit euren gerichten manigvalt. 475, 14.

advocatus, beystand oder fürsprech. vocabula pro juvent. von 1517 17b. fürsprech. Dasypodius 333d. Serranus r 1b. u 7b. denn das ist das ampt eins fürsprechen, das er die richter bericht die urtheil mit der wahrheit, wenn der fürsprech soll gut, fromb und warhafftig sein. Pauli schimpf u. e. 26b (21); wenn er denn ein lügner were, so were er kein fürsprech. ebenda; der lugete, dasz er denselben fürsprechen odder procurator uberkame unnd als denn die fürsprechen ihr sach setzen das sie u. s. w. 30b; von einem, der ein fürsprechen uber listet und hatt jn der fürsprech das selbs gelert. Wickram rollwagenb. 46b (Kurz s. 59. 2. 3); hie fragistu weytter, ob denn auch die bottel, hencker, juristen, fursprechen und was des gesinds ist, christen seyn mügen. Luther von weltl. oberkeyt (1523) Ciiijb; richter, fursprechen, notarius. dessen dasz man kinder zur schule halten solle (1530) Eiiijb; wer seyn (es ist der ehestand gemeint) braucht, der unkeuscheyt zu weren, hallt ich, der habe hie s. Paulus zum fürsprechen und schutzherrn. dessen das 7. cap. s. Pauli z. d. Cor. (1523) C 1a, s. Ph. Dietz 757a;

da hab ich einen fürsprech kent.
B. Waldis Esopus 4, 38, 5 (bl. 254a);

freilich ein ausbündiger patron und fürsprech, welcher aus dem scharren des volks irre gemacht, kaum mocht die halbe red aussprechen und heraus bringen. Frank moriae encomion 18b; und trawet allein auff jhn (es ist Christus gemeint) als den eynigen mitler unnd fürsprech, der selbs die versönung für euch worden ist. Matthesius Sarepta 43b (1562 61b). vgl.

[Bd. 4, Sp. 834]


unten 3). dennoch, spricht hie der evangelist (Joh. 16), haben wir armen sünder einen ewigen fürsprech beim vatter, der unser mitler ist unnd bleibet nach beyden naturen und vertritt und verbit uns on unterlasz. dessen leichpred. 3, 58b; denn das heyszet eigentlich ein advocat oder fürsprech, der bey einem stehet unnd redet jhm das wort oder erinnert jhn, was und wie er reden solle, und da einer zagen und sincken wil, der einem hertz unnd muth einredet. diesen fürsprechen lernet jhr kinder kennen, der ist gehöret beym vatter. 59a, daneben vorrede bija vorsprech; dasz ich einen ewigen patron und fürsprech bei meinem vater im himmel hette. dessen hist. Christi (1579) 1, 21b. auch findet sich in Alberus dict. ss 1a »causidicus, fürsprech« so wie ss 1b »procurator, fürsprech, ... der des abwesenden sach treibt«, dann ebenda »quem judicem habituri, eundem sentiemus advocatum, der unser richter sein wirt, der wirt auch unser fürsprech und gtter freund sein .i. (i. e.) Christus«, ferner ebenda »syndicus, der sich des gerichts händel versteht, fürsprech u. s. w. rabula, latrator, ein schwetziger fürsprech, für dem niemandt hörn odder zkommen kann, ... zungendrescher«, und »actio, des fürsprechen klag«. procuratoren, fürsprechen, advocaten und zungendrescher. Kirchhof wendunmuth 128; ein umb einen fürsprechen bitten. dessen milit. discipl. 241. forensis homo, ein fürspräch, redner, der sich der gerichtshändlen bt. Frisius (1556) 581a und danach Maaler 150c; advocatus, ein advocat, fürspräch, beystender. Frisius 45a; invocare advocatum ad causam defendendam, ein fürsprechen anruffen zu schirm seiner sach. ebenda und danach Maaler 150c; advocatio, eins fürsprächen ampt. Frisius ebenda und danach Maaler. fürsprech, advocatus. Calepinus. fursprech, patronus. Frischlin nomenclator 477. fürsprech, advocat, anwald, beistand, beiständer im rechten, ... der in gericht für den kläger oder verklagten das wort thut. Emmelius sylva (Argentorati, Rihel) Kkiijb (1630 Hhiijb). ein vürsprech. Frey gartengesellsch. 59. da rieth der herr burgermeister ... meinem fürspräch. Th. Plater 161; ist bösz zu gericht gehen, wann der fürsprechen zungen müssen sein mit gulden ketten gezwungen. Fischart groszm. 66. fürsprecher, fürsprech, anwald, verwalter, beystandt. Henisch 1307, 42.

auff dasz du, mein fürsprech, mir armen möchtest rahten.
Weckherlin 320;

welchen lärmen zu stillen, ein mit gelt bestochener fürsprech herbey trat. Philander 1, 294. fürsprecher, fürsprech, sachwalter. Matth. Kramer deutsch. ital. wb. (1678) 494b. ein fursprech seyn, causam alicujus agere, defendere. Wilhelmi 2, 103b. causidicus offensator, unglückhaffter fürsprech, der sein sach offt verlieret. Dentzler 1, 126a; sein sach einem fürsprechen darthun, deferre causam suam ad patronum. 2, 119a. werden wir mit einem bauern oder sonst einem, dem wir gearbeitet, unrichtig und müssen wir zu einem rechtsagenten oder fürsprech, wie man solchen kosaken jetzt sagt (ehedem hiesz man sie prokuratoren ...). Gotthelf Jakobs wanderungen cap. 29 (schriften 1861 11, 462). doch beschränkt sich schon im 17. jh. das wort mehr auf Süddeutschland, im besondern die Schweiz, weshalb es auch der sonst so fleiszig aufsammelnde Erfurter Stieler nicht verzeichnet. eben so wenig haben es im 18. jh. Rädlein, Weismann, Kirsch, Steinbach, Frisch, Ludwig, Hederich, Nieremberger, Matthiä, Moerbeek, Weber im dl. universalwb.; es war durch das wegen seines -er der jüngeren zeit geläufigere fürsprecher (s. d.), bei dem es Adelung blosz beiläufig erwähnt, selbst in Süddeutschland verdrängt, noch mehr aber durch das schon im 15. und besonders mit dem 16. jh. sich einbürgernde advocat. nur der Schweiz, welcher der vorhin angeführte Dentzler angehört, bei dem allein das wort aufnahme fand, verblieb dieses, und mit recht sagt Clemens Brentano gesammelte schriften (Frankfurt a. M. 1852) 6, 446 in einer anmerkung fürsprech ist ein treffliches wort für advocat und in der ganzen Schweiz gebräuchlich. als schweizerisch hat es auch Pestalozzi Lienh. u. Gertr. 3, 77: es macht mich etwas lächeln, dasz du so partheiisch sein fürsprech bist. im jahr 1822 wird über das appellationsgericht des cantons Bern berichtet, es prüft, ernennt und beaufsichtigt auch alle anwälde im ganzen kanton und ordnet sie — je nach ihren kenntnissen, fähigkeiten und erfüllten requisiten — entweder in die erste classe der 12 fürspreche, welche einzig das recht haben, partheyen vor dem appellationsgerichte persönlich zu assistieren, oder der 20 prokuratoren, die alle rechtsgeschäfte, mit ausnahme der oberinstanzlichen assistenzen, zu besorgen befugt

[Bd. 4, Sp. 835]


sind, — oder endlich der agenten, welche blosz prozeszschriften von wenig erheblichem belange und gewöhnliche assistenzen vor untern gerichtsstellen zu machen befugt sind. helvetischer almanach für 1822 s. 8. aus dieser stelle werden manche stellen bei Gotthelf, in welchen die drei benennungen: fürsprecher, prokuratoren, rechtsagenten, gebraucht sind, besseres licht erhalten. die folgenden stellen haben alte Züricher gerichtseinrichtungen zum gegenstande: der landgraf (obervogt im Freiamt als leiter eines wegen eines todeswürdigen verbrechens berufenen gerichtes) fragt einen der anwesenden, der nun als fürspreche bezeichnet wird, wie hoch gebannt werden solle. Bluntschli staats- und rechtsgesch. der stadt und landschaft Zürich 1, 201; nachdem nun der kläger einen fürsprechen erhalten und sich mit demselben beredet hat, so eröffnet er die klage, insofern das verbrechen nicht geläugnet wird. 202; zu ihnen (den untervögten) gehörten jedenfalls auch die fürsprechen des klägers und des beklagten. 203; die befugniss, urtheiler zu sein und als fürspreche für den kläger oder den beklagten zu reden, beruhte auf den nämlichen gründen. die fürsprechen wurden aus denen genommen, welche zugleich auch urtheilten. und so darf man mit sicherheit aus der verbreiteten befugniss, fürspreche zu sein, auch schlieszen auf die eben so grosze verbreitung der befugniss als urtheiler zu fungiren. wenn daher noch im jahre 1335 nicht blosz alle 36 räthe (des schultheiszengerichtes, stadtgerichtes), sondern auch die zugezogenen burger schwören müssen, als fürsprechen vor dem schultheiszen keine miethe (kein sie bestechendes geschenk) zu nehmen, so ersieht man daraus, sowie dasz alle diese möglicher weise fürsprecher als auch dasz sie urtheiler sein konnten. 392. in dieser letzten stelle ist also neben fürspreche noch fürsprecher, das auch auf der folgenden seite neben jenem wiederholt wird: da überhaupt jeder ehrbare burger, der vor dem gerichte erschienen, verpflichtet ist, auf die frage des schultheiszen zu antworten, als fürsprecher zu dienen, wenn er den auftrag erhält, und das urtheil zu finden, so können auszer jenen vier fürsprechen auch die andern burger zu beidem genöthigt werden. zwar hält der canton Zürich an fürsprech fest, aber anderwärts in der Schweiz, z. b. in den cantonen Luzern und Zug, ist heute fürsprecher der gebräuchlichere ausdruck, und auch Gotthelf hat diesen oft, wo man das ursprünglichere fürsprech erwarten sollte.
aus dieser bedeutung geht dann die nahe liegende folgende hervor:
2) einer der für eine gesammtheit von personen oder eine genossenschaft und in ihrem namen spricht oder das wort führt, ein wortführer, worthalter. nach einigen stürmischen (es ist von comitialtagen die rede) wäre, da es den fürsprechen der gemeinde (es sind die volkstribunen gemeint) an ausdauer nicht fehlte, der zweck erreicht. Niebuhr röm. gesch. 2. ausg. 2, 242, aber in der nach Niebuhrs tod erschienenen dritten ausg. geändert in fürsprechern. s. DWB fürsprecher 2) und vgl. DWB fürsprach 2).
3) einer der fürsprache einlegt, der zu gunsten jemandes spricht um für ihn zu wirken, der ein gutes wort für jemand oder andere einlegt. mhd.

sol ër mîn vürsprëche wësen,
ër frume mich alsô gelësen,
daʒ man für guot dulde mich.
Rudolfs Wilh. v. Orleans, in Wilh. Wackernagels altd. leseb. 602, 35.

daneben auch vorsprëche, s. vorsprech. nhd. berührt fürsprech in manchen der vorhin unter 1) angeführten stellen diese bedeutung oder schlägt selbst in dieselbe über. der gangbare ausdruck aber in dieser bedeutung ist fürsprecher, s. d.
4) darleger, erklärer: da were aber nit ain wunder das (dasz) under so vil tolmetschen und fursprechen mercklich endrung und abfal geschehen, also dasz vil falsch darin were. Reuchlin augenspiegel 16b.
Das wort hat seiner bildung gemäsz schwache declination, doch ist mitunter, wie auch bei fürst (s. d.), im dat. und acc. sg. die schwache flexionsendung abgestreift, so dasz es stark zu declinieren scheint. dies aber ist allerdings auch nur scheinbar; wirklich stark würde in der vorhin aus dem helvetischen almanach von 1822 angeführten stelle der pl. fürspreche sein und ein überschlagen des gekürzten fürsprech in die starke declination bekunden, wie sie auch bei fürsprach vorkommt. s. DWB fürsprach 3).
 
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fürsprechamt, n. die pflichtmäszige wirksamkeit eines advocaten, die anwaltschaft, advocatio. wohlredendes teutsch-franz.-lat. wb. 2, 144b.
 
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fürspreche, m., s. DWB fürsprech.

[Bd. 4, Sp. 836]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) fürspreche, f., ein schönes, früh im 15. jh. leider erloschenes wort, das eigentliche fem. zu fürspreche m., fürsprech. mhd. vürsprëche, verkürzt vürsprëch, findet sich bei dem Teichner, vorsprëche im Reinh. 2156. s. Ben. 2, 2, 535a. ein ahd. furisprehhâ ist nicht nachzuweisen, aber möglich. zu dem erlöschen des wortes mögen die beliebter gewordenen bildungen auf -in: fürsprechin und fürsprecherin beigetragen haben, die sich neben demselben und dann für dasselbe geltend machten.
 
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fürsprechen ,
1) stellvertretend zu gunsten oder zum besten jemandes oder einer sache sprechen, ihn oder sie vertheidigen, für ihn oder sie mit wort und rede einstehn. ahd. furisprëhhan, durch rede oder schrift vertreten, vertheidigen, verfechten, dann so viel als berathschlagen, befriedigen (für etwas). alle diese bedeutungen schlagen in die unter 3) über, die sich in mhd. vürsprëchen entwickelt hat. dasselbe tritt ein bei nhd. für- sive vorsprechen, intervenire, intercedere, causam alicujus tueri, defendere dictis. Stieler 2100. Rädlein setzt s. 1016b in dem sinne »einem das wort reden«, d. h. als anwalt reden, vor gericht als sachwalter eine sache vertreten, vorsprechen, während er s. 313b fürsprechen auf die bedeutung fürsprache für jemand thun beschränkt; er scheidet also beide wörter, ohne jedoch dafür einen grund geltend zu machen. bei dem Züricher Dentzler fehlt fürsprechen und hat vorsprechen einen ganz andern sinn. dagegen nimmt Kirsch (1723) 2, 125b fürsprechen nur in der bedeutung für jemand als anwalt in einer rechtssache sprechen, »causidicari, advocat sein«, d. h. als advocat eine rechtssache führen, und gleicherweise bringt auch sein nachtreter Matthiä (1761) 2, 161a das wort. in dem sinne aber hat später kein wörterbuch fürsprechen mehr.
2) im namen einer gesammtheit von personen oder einer genossenschaft das wort führen, wortführer sein, worthalter sein.
3) zu jemandes gunsten oder bestem sprechen, zu jemandes gunsten oder bestem in rede oder schrift sich thätig erweisen, zu jemandes gunsten oder bestem sich verwenden, sei dies bittend oder überhaupt um für ihn und seine sache oder angelegenheit zu wirken, ein gutes wort einlegen. so im hochd. um 1100, vielleicht noch kurz vor 1100.

dër vur sprëchintin giloubin ginîʒʒin wir.
Diemer 100, 23—24;

wan diu wërch dër erbermhërzechait, diu dër mensch hât hie begangen, diu wërdent rëht ze worten dës tages unde diu fürsprëchent dëm menschen unde fürtrëtent in unde lëdegônt in mit rëhter urtailde ab dëm jungesten gerihte. Grieshaber pred. 1, 60. nhd. fürsprechen, intercedere. Henisch 1307, 41. intercedere, mitteln, fürsprechen. wohlredendes teutschfranz.-lat. wb. 2, 144b. dasz Stieler 2100 fürsprechen so wie vorsprechen in diesen sinn überschlagend nimmt, ergibt sich aus dem bei der ersten bedeutung angeführten; zugleich ist da bemerkt, dasz Rädlein in dem sinne hier blosz fürsprechen verzeichnet, das allein in demselben auch Weismann, Hederich aufnehmen, während Nieremberger Ddd 1d bei fürsprächen noch auszerdem die unten unter 4) angegebene bedeutung hat. Ludwig, Weber im deutschlat. universalwb. lassen fürsprechen unangeführt und bringen in dem sinne hier vorsprechen (s. d.), welches Adelung in ebendemselben wie in dem »in eines andern namen sprechen« als nicht üblich bezeichnet und bemerkt, dasz es dann »eigentlich fürsprechen heiszen müszte.« mit recht hat Campe dieses fürsprechen auf grund zweier der gleich hiernach angeführten belegstellen wieder aufgenommen, aber, wie sich aus der oben angegebenen geschichte des wortes ergibt, mit unrecht durch ein zeichen es für ein neugebildetes erklärt. ihm folgend bringt auch Heinsius fürsprechen, aber auffallender weise fehlt es wiederum bei Heyse. es ist freilich nicht gerade häufig gebraucht, kommt aber doch vor, zumal in edler sprache. ruhest du, vater? sprach sie (nemlich Pallas zu Jupiter, ihn ans versunkene menschengeschlecht erinnernd): kannst du ruhen und dir verzeihen, dasz du unglückliche gemacht hast? »ich habe sie nicht zum unglück erschaffen wollen«, sprach er und schwieg. das beruhigt dich, vater, fuhr die fürsprechende göttin fort, aber auch dich nicht ganz, noch weniger jene unglückliche selbst. Herder z. schön. lit. u. k. 6, 178; haben sie die güte, sagte der Engländer, bei diesem herrn für uns fürzusprechen, dasz er uns eine probe seiner kunst sehen lasse. Schiller 720b (geisters. 1);

Olivarez. prinzessin Eboli, Sie haben uns
noch nicht gesagt, ob Gomez hoffen darf?
ob wir Sie bald als seine braut begrüszen?
königin. ... (zur prinzessin) man bittet mich, bei Ihnen fürzusprechen.
wie aber kann ich das? der mann, den ich
mit meiner Eboli belohne, musz
ein würdger mann seyn. 247b (Karlos 1, 3).

[Bd. 4, Sp. 837]


dasz aber, wie schon früher, auch später noch vorsprechen in dieser bedeutung vorkommt, wird unter diesem worte belegt werden.
4) in gegenwart sprechend zu wissen thun, zum nachsprechen sprechend kund thun, zum nachschreiben sprechend kund thun. mit dat. der person in dem sinne: zum nachsprechen sprechend kund thun, zum nachsagen vorsagen: einem fürsprächen, praeire verba. Nieremberger Ddd 1b, der hierbei auf vorsprächen verweist, und vorsprechen (s. d.) ist auch das geläufige und bald danach allein gebrauchte wort. bei dem lat. ausdrucke ist an Livius 42, 28 gedacht. wir werden gewislich feylen (fehlen), wo wir nicht einfeltiglich yhm nachsprechen wie er uns fur spricht. Luther vom abendmal Christi (1528) vja. auch ohne dat., der sich hinzudenken läszt: odder wie ein fromer schulmeister, wenn jm ein junger knabe sol das abc aufsagen, kan seer wol gedult haben ... und jmer fürsprechen das (dasz) er jn dabey behalte und fortbringe. dessen das 16. cap. Johannis (1538) Ddjb, s. Ph. Dietz 1, 757a u. 694a.
5) im vorbeigehen einsprechen, im vorbeigehen eintreten zu kurzem aufenthalte. mit bei und einem davon regierten dat. der person. schon im 18. jh. war hier nur vorsprechen (s. d.) gebraucht.
6) mit sprechen zuvorkommen. dies die bedeutung, wenn zu praevenit eum dicens in der vulgata Matth. 17, 24 eine von Mone anz. 4, 84, 101 mitgetheilte ahd. glosse furesprâhin hat. übrigens möchte nhd. diese bedeutung kaum vorkommen und dann würde in ihr auch vorsprechen (s. d.) gesetzt sein.
 
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fürsprechen, n. der als subst. gesetzte inf. fürsprechen. in dem besonderen sinne das einleitende voraussprechen, die vorausgehende rede, hat es Steinbach 2, 642, wo er anführt für et vorsprechen (das), verborum praefamen.
 
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fürsprechenamt, n. die pflichtmäszige wirksamkeit eines »fürsprechen« oder advocaten, die anwaltschaft. advocatio, das fürsprechenammt. Dentzler 1, 889. Dentzler ist ein Züricher, danach beschränkt sich das wort, wie fürsprech (s. d.) später selbst, auf die Schweiz. vgl. auch DWB fürsprechamt.
 
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fürsprechenstuhl, m. der rednerstuhl, von dem der sachwalter oder anwalt vor gericht spricht. mhd. fursprëchenstuol. voc. opt. 4, 138—139 = s. 17b. nhd. fursprechenstul, sinedra. voc. theut. v. 1482 17b. auch fürsprecherstuhl.
 
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fürsprecher, m. , ein jüngeres wort, als fürsprech (s. d.), denn ahd. findet sich noch kein furisprëhhari, furisprëhhâri, und mhd., wo die eigentliche form vürsprëchære sein würde, setzt das im 14. jh. bei Megenberg vorkommende fürsprëcherin (s. fürsprecherin) das masc. fürsprëcher als sein stammwort voraus. sein erstes erscheinen fällt also in das 14. jh.; aus dem zweiten viertel des 15. jh. findet es sich in einer gleich nachher folgenden stelle aus einer urkunde in Thomas oberhof. aber daneben taucht dann auch in Diefenbachs Erfurter wb. v. j. 1470 sp. 63 ein Mitteldeutschland entstammendes vorsprecher, causidicus, prolocutor, auf, das als schon dem 14. jh. angehörig wieder nach einem älteren mittetd. vorsprecherîn sich voraussetzen läszt.
1) einer der als rechtskundiger vor gericht stellvertretend eine rechtssache führt, ein anwalt, ein sachwalter, ein advocat. mhd. und sal Friderich sîn fursprëcher (= Friderichs fürsprecher), dën ër itzund gewonnen hât, nemlich Henne Glocke, blîben. urk. v. j. 1433 in Thomas oberhof s. 552, 116. nhd.

herr marschalk ich ruof euch an,
ich wil ain fürsprecher han. fastnachtsp. 473, 25;

doctor, der ein fürsprecher war. Pauli schimpf u. e. 28b; wenn ich aber von den juristen sage, meine ich nicht allein die doctores, sondern das gantze handwerk, als cantzler, schreiber, richter, fürsprecher, notarius und was zum rechte des regiments gehöret. Luther 5, 180b; der heilige geist ein tröster und fürsprecher ist, der die sünde für gott entschuldigt. dessen der prophet Sacharja Mija, s. Ph. Dietz 1, 757a; paracletus heisset ein advocat, fursprecher oder beystand für gericht, der den schüldigen tröstet, sterckt und hilfft. also thut der heilige geist auch uns im gewissen fur gottes gericht wider die sünde und des teuffels anklage. derselbe am rande zu Joh. 14, 16; denn seine (gottes) gnade ... nimpt uns gantz und gar auff in die hulde, umb Christus unsers fürsprechers und mitlers willen. dessen vorrede auf die ep. s. Paul an die Römer, in Bindseils ausg. der bibelübers. 7, 436; solchs schreibe ich euch, auff das (dasz) jr nicht sündiget. und ob jemand sündiget, so haben wir einen fursprecher bey dem vater, Jhesum Christ, der gerecht ist. 1 Joh. 2, 1, in den drucken des neuen testamentes von 1522—1525 fursprechen, die vulgata hat advocatum; das (dasz) Moses ... vom herrn Jesu Christo zeuget, nemlich das er der eynige mitler, fürsprecher, hohepriester,

[Bd. 4, Sp. 838]


versöner, gnadenthron, vesteburg und asylum ist, darunter wir verwarter und sicherer sitzen und rasten, denn unter allen plawen menteln Marie. Mathesius Sarepta 44a (1562 62a); dasz sein herr und son oben inn der höhe gott gleych sitzen ... unnd siines volcks ewiger priester (nach ps. 110, 4) und fürsprecher sein (werde). dessen leichpred. 1, 17b; wir armen sünder haben beym vatter einen fürsprecher, der uns das wort redet oder uns ein gutes wort verleihet. 3, 59a, woneben fünf zeilen vorher fürsprech (s. d.); und trösten uns allein des einigen erlösers und fürsprechers unnd seines tröstlichen geistes. 60a;

alles wohnplätze der herrlichkeit gottes, mitwissende zeugen
jener geheimen versöhnungsbitten des grossen fürsprechers.
Bodmer Noah 12, 734.

procurator, anwalt, ... fürsprecher, redner. Schöpper syn. nr. 30. auf dasz er zeitlich sich um einen fürsprecher oder procuratorn bewerben und mit seiner notturft sich gefast machen könne. verordn. des hadelerschen landger. thl. 1 tit. 3, daneben aber tit. 5 fürsprach (s. d.); von fürsprechern, zungentröschern und ärtzten pflegt er zu sagen: jene ernehren sich von der menschen unverträglichkeit, diese von ihrer unmässigkeit. Zinkgreff apophth. 1, 161, vgl. 285; wann keine muhtwillige fürsprecher weren, so weren auch keine muhtwillige parteyen. 218; man sagt, ein kind habe allemahl einen advocaten oder fürsprecher bei seinem vater, der, was es mit wenig einfältigen worten fürträgt, weitläufiger erklärt und ihn mit gewaltiger rede zwinget, zu thun, was das kind verlanget. Scriver seelenschatz 2, 645; sogar aus verschiedenen städten in Asien kamen einige, die von den dortigen Christianern abgesandt waren, ihm hülfreiche hand zu leisten, seine fürsprecher vor gericht zu seyn und ihn zu trösten. Wieland 27, 11. noch heute in der Schweiz neben dem echt und volksüblich schweizerischen fürsprech (s. d.): da waren ein dutzend oder was fürsprecher und dann noch etwelche prokuratoren. Gotthelf schuldenbauer (1854) s. 241; nebst dem graute es den leuten vor dem prozediren, die fürsprecher waren weit weg und von den prokuratoren wuszte man sonst nicht viel. ebenda; die herren seien runter, jetzt möchten fürsprecher und schreiber auf den thron. aber ohä, denen wollten sie (es sprechen bauern) zeigen, wer meister sei. dessen Käthi cap. 16 (schriften 1861 4, 248); sie begännen zu merken, warum das ding umgerührt und angerichtet worden, für niemand anders als hungrige fürsprecher und hochmüthige schulmeister. dessen Jakobs wanderungen cap. 29 (11, 459); der fürsprecher strich den schnauz. ebenda (s. 466).
Wie aber schon im 15. jh. vorsprecher neben fürsprecher auftritt, so auch in der folgenden zeit, was bei dem ersten worte stellen belegen werden. Stieler 2100 hat »für- sive vorsprecher, et wortsprecher, advocatus, patronus,« und Rädlein bringt jene beiden für anwalt, advocat, jedes an seiner stelle im alphabete. der Züricher Dentzler kennt nur sein schweiz. fürsprech und läszt die beiden wörter unerwähnt, dagegen verzeichnen Weismann 2, 137a, Kirsch (1723) 2, 125b, Matthiä (1761) 2, 161a fürsprecher und zwar die beiden letzten zugleich in dem durchbrechenden, bei Rädlein wie Weismann noch nicht angegebenen sinne von fürbitter, einer der zu gunsten eines andern oder anderer bittend spricht. in beiderlei bedeutung findet sich denn auch bei Hederich fürsprecher, aber nur in der zuletzt angegebenen vorsprecher, gleicherweise bei Nieremberger fürsprächer und vorsprächer. Ludwig bringt neben einander vorsprecher, fürsprecher in beiden bedeutungen, Moerbeek jedes an seiner stelle im alphabete, doch blosz in dem sinne von advocat. Crichton hat fürsprecher für fürbitter, so auch Scheller, der vorsprecher anführt, aber dabei kurzweg auf jenes verweist, während Bauer fürsprecher wie vorsprecher auch für advocat verzeichnet. was blosz deutsche wörterbücher des 18. u. 19. jh. anlangt, so hat Steinbach 2, 642 »für- et vorsprecher« in jenen beiden bedeutungen, Frisch 2, 307b »vorsprecher, fürsprecher,« = advocatus, wozu dann s. 408a die vertheidigung des vor hier zu vergleichen ist, für welches er nemlich geltend macht, dasz der, der für den andern, d. h. anstatt des andern, spricht, doch zuvor vor demjenigen stehen müsse, vor welchem er für den andern sprechen solle. Adelung ist in beiden bedeutungen, von welchen die eine, nemlich wenn das wort für advocat steht, als dem oberdeutschen eigen angegeben wird, entschieden für fürsprecher, was sich ohne ausdrückliche erklärung darin kund gibt, dasz er bei vorsprecher ohne weiteres auf jenes verweist; dagegen bezeichnet Campe 5, 506b, der sonst Adelung folgt, fürsprecher als »gewöhnlicher und richtiger«. Heinsius nimmt vorsprecher gar nicht auf, und Heyse 2, 1736 läszt es nur landschaftlich

[Bd. 4, Sp. 839]


für fürsprecher gelten. dasz aber gleich diesem auch jenes feststeht und die gewichtigsten namen, wie Lessing und Göthe, für sich hat, ergibt sich aus der geschichte des wortes und werden die stellen unter vorsprecher zeigen.
2) einer der für eine gesammtheit oder eine genossenschaft und in ihrem namen spricht, ein wortführer, ein worthalter. bald wurde die kleine zahl der redlich gesinnten fürsprecher des volks von einer menge anderer verdrängt, die ... keine andre absicht haben konnten, als die miszvergnügten noch mehr aufzuhetzen und eine revoluzion zu beschleunigen, in welcher sie eine bedeutende rolle zu spielen hofften. Wieland 7, 369. jene fürsprecher gedachten nemlich, ihre beschwerden der regierung in einem anständigen, aber männlichen tone vorzutragen. die fürsprecher einer gemeinde. vgl. DWB fürsprech 2).
3) einer der für jemand oder etwas ein gutes wort einlegt, der zu gunsten von jemand oder etwas bittend spricht oder sich verwendet. dasz diese bedeutung sich erst später aus der unter 1) angegebenen entwickelt hat, von der sie, wie die stellen bei Luther und Mathesius zeigen, mitunter nicht zu scheiden ist, ergibt sich aus der bei dieser dargelegten geschichte des wortes. sie ist auch bereits im 18. jh. die schriftdeutsch vorherschende geworden.

o hätt ich nur einen fürsprecher,
der ihn (gott) bäte, von mir den geist, der denket, zu nehmen!
Bodmer Noah 8, 658;

aber, habe ich mit allem, was ich bisher als sein (J. J. Rousseaus) fürsprecher vorgebracht, erhalten, dasz auch Sie, mein freund, von der strenge Ihres urtheils nachlassen, dasz auch Sie ihm verzeihen? Wieland 15, 227. er war sein fürsprecher bei dem fürsten und verhalf ihm zu der stelle. bildlich: die poesie ... soll nie die gelehrsamkeit zu ihrer auslegerin, nie den eigennutz zu ihrem fürsprecher machen. sie soll das herz treffen, weil sie aus dem herzen flosz. Schiller 1132b.
 
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fürsprecherei, f. das einem anwalt oder sachwalter obliegende thun und wirken, die jenen überhaupt zukommende wirksamkeit. advocatia, fursprecherey. Eychman a 7a.
 
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fürsprecheramt, n. die obliegenheit und wirksamkeit eines anwaltes oder sachwalters, die advocatur. das fürsprecher ampt, advocatio. Wilhelmi lex. proso - metricum 2, 103b. vergl. DWB fürsprechersamt und DWB fürsprechenamt.

 

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